Mittwoch den 25. März 1885 Nr. 71 Eichener Anzeiger "«9 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ♦ Erscheint täglich mit Ausnahme des MowtagS ti'rei) leim 7°bnick gelangen nnl merefie erwecken wirb ahr neu hinzutreteck m6 der noch im Wn \ uur die Nachliesenwz >lA, zum Anfang bfi w wirb nicht allein btm r GeriüM-Zeitung gor.; umane und Feuilleton ' zu dem die Berlinn geringen Abonnement Äerichts-Zeitung gehön zu welchen sich die k am meisten verbreitete mg bei dem nttbrlgen Mögen wird, in keim PreiS vierteljährlich 2 Mar? 00 Pf. mit Bringer!rchn Durch die Poft bezogen viertelföhrlich 2 Mark 50 P'. NUN auch ein internationales Abkommen bezüglich des Suezkanals folgen und tritt die zur Berathung dieser Angelegenheit eingesetzte internationale Commission am 30. März in Paris zusammen. Die Nachrichten über die ansständische Bewegung in Albanien lauten jetzt beruhigender. Die kluge Haltung der türkischen Regierung hat bewirkt, daß von den Albanesen eine Deputation nach Konstantinopel entsendet werden wird, welche angewiesen ist, unter Betheuerung der Loyalität der Albanesen, nur um Abstellung gewisser drückender Mißbräuche zu bitten. Die Annexions- und Unions-Bestrebungen der centralamerikanischen Republik Guatemala stoßen auf den entschiedensten Widerstand Mexikos. Dasselbe hat 15,000 Mann nach der Grenze beordert, die jedenfalls gegen Guatemala vorgehen werden, wenn dasselbe von seinen Bestrebungen nicht abstehen sollte. eitiing. »1*5, N-Z MM WZ» »=8afler, Mn?’ * Ä'Ä' «rts*** * voll tl Politische Ueberficht. Gießen, 24. März Nach dreitägigen Verhandlungen hat der Reichstag am Freitag die zweite Lesung der Holzzoll-Vorlage zu Ende geführt. Das Resultat ist ein der Regierungs-Vorlage in allm Punkten ungünstiges, denn die von der Regierung beantragten Zollerhöhungen, die bei dm meisten Positionen das Dreifache des bisherigen Zolles betragen, sind sämmtlich abgelehnt worden, dasselbe Schicksal wurde indessen auch den Commissions-Vorschlägen, welche die Regierungs-Vorlage etwas abschwächen, zu Theil, und ebenso wurden die von fast allen Parteien vorliegenden Abänderungs-Anträge abgelehnt. Dagegen gelang es der sich aus Conseroativen, Nationalliberalen und einem Theile des Centrums zusammensetzenden und unter Führung des Centrums-Abgeordneten Spahn stehenden fchutzzöllnerifchen Koalition, alle ihre Vorschläge durchzusetzen. Es ist demnach das gesammte Rohholz mit einem Zolle von 20 H (pro 100 Kilo) belastet und somit die Verdoppelung des für Rohholz bestehenden Zolles beschlossen worden. Weiter wird, gemäß dem Anträge Spahn, der Zoll für in der Richtung der Längsaxe gesägte Rohhölzer, für nicht gehobelte Bretter, gesägte Kanthölzer und andere Säge- und Schnittwaaren auf 1 X (pro 100 Kilo) festgesetzt. Bei den Positionen, betr. grobe, rohe, ungefärbte Böttcher-, Drechsler- usib Tischarbeiten, grobe Korbstechtwaaren, geschnittenes Fournierholz, ungeheizte Parquet-Bodenthelle, hölzerne Möbel und Möbeltheile, beließ es das Haus, gleichfalls dem bezüglichen Anträge Spahn entsprechend, bei den bisherigen niedrigen Zollsätzen; schließlich wnrde noch ein Antrag der Abgg. Trimborn, v.. Schalscha und Genossen, den Zoll für Hornfischbein auf 60 X. sestzusetzen, angenommen. Bezüglich der Frage, wann die neuen Holzzölle in Kraft treten sollen, beschloß das Haus, unter Ablehnung der hierzu von conservativer Seite gestellten Anträge, es bei den Commissions-Vorschlägen bcwenoen zn lassen. Demnach treten die Zölle auf Bau- und Nutzholz und Bretter mit dem 1. Juli d. Js., diejenigen aus Rohholz mit dem 1. October b. Js. in Kraft. — Die Verhandlungen selbst drehten sich, wie es bei diesem Thema auch nicht anders der Fall sein konnte, meist um technische Fragen, die für das große Publikum nur geringes Interesse darboten, das ganze Thema der Holzölle ist aber bereits so oft besprochen und so vollständig erschöpft worden, daß es auch den geschicktesten Rednern kaum möglich war, der Angelegenheit neue Seiten abzugewinnen, so daß es sich schwerlich lohnen würde, an dieser Stelle nochmals eine Analysis der Debatten zu geben. — Am Samstag beschäftigte sich der Reichstag mit belanglosen kleineren Vorlagen; am Montag ist er in die dritte Lesung der Dampfer-Vorlage eingetreten. Falls sich in den getroffenen parlamentarischen Dispositionen keine Veränderungen nöthig machen, wird der Reichstag mit dem heutigen Tage in die Osterferien gehen. Nach einer ofsiciösen Mittheilung sollte sich der preußische Staatsrath für die procentuale Börsensteuer ausgesprochen haben, während verschiedene Blätter behaupten, er habe sich für den abgestusten Fixstempel erklärt. Eine Aufklärung bezüglich dieses Widerspruches ist abzuwarten. Der Staatssecretär im Reichspostamte, Dr. Stephan, ist vom Kaiser in den Adelstand erhoben worden, eine dem bewährten Leiter unseres Postwesens wohlverdiente Auszeichnung. Am Donnerstag hat endlich das österreichische Abgeordnetenhaus die Budgetberathung nach wochenlangen und oft sehr stürmischen Verhandlungen zum Abschluß gebracht. Noch am Tage vorher war es zu einer Scene gekommen, wie solche das österreichische Parlament noch niemals aufzuweisen gehabt hat, indem der deutsch-böhmische Abg. Dr. Knotz in seinen Ausführungen über die Vergewaltigung der Deutsch-Böhmen von dem zu den Polen übergegangenen ruthenischen Abg. Czerkawski in brutalster Weise unterbrochen und hierdurch eine minutenlange Unterbrechung der Sitzung herbeigesührt wurde. Im Uebrigen hat die Episode Knotz-Czerkawski, wie der ganze Verlauf der Budget-Debatte gezeigt, daß sich in Oesterreich die politischen und nationalen Gegensätze der „Versöhnungs-Aera Taaffe" nur noch vermehrt und verschärft haben. In den Wiener Regierungskreisen will man dies natürlich nicht Wort haben uno so wird denn Graf Taaffe in seiner grauen Völkerbeglücksungs- Theorie einstwellen fortfahren, aus deren praktischer Anwendung den Deutschen des Kaiserstaates leider noch immer nicht des „Lebens goldener Baum" erwachsen will. Mit der von der sranzösischen Deputirtenkammer noch in voriger Woche begonnenen Berathung des Listenscrutiniums ist in Frankreich abermals ein hochwichtiger Gegenstand aus die politische Tagesordnung gesetzt worden. Es ist keine Frage, daß das Listenscrutinium von der Deputirten- kammer mit großer Mehrheit angenommen werden wird, die Aeußerungen der republikanifchen Presse lassen hierüber keinen Zweifel. Da indessen die Kammer unter allse richtig, doch in einer Weise potenjirt, daß sie über baS Ziel tzinauSschössm. Die Arbeitsleistung der Sträflinge gebe kein Aequivalent gegenüber den Unterhaltungskosten. Man verschließe sich auch nicht obfichklich staatlichen und gesellschaftlichen Verbesserungen, im Gegeniheil, man sei bestrebt, auf diesem Gebiet so »iel alS möglich fortzuschreitev, voch könne nicht alles auf einmal geschehen. Die Familie müsse beim Vergehen eines Mitgliedes mttletden in allen Fällen, er erinnere nur an den Fall, wenn ein Finanzbeawter befraubire. Wmn ein Sträfling nach seiner Entlastung nichts habe, so müsse die Gemeinde anfangs dafür etvtreren. wie die- in andern Fällen auch geschehe. ES seien durch Errichtung von Arbettereolonim die Grundlagen für bessere Zustände geschaffen. Er bittet, den Entwurf tu der Fassung der Regierung anzunehmen. Der Gesetzesentwurf wird sodann nach dem Anträge deS AuSschusteS gegen 1 Stimme angenommen, erhält also folgende Fassung: »Die Vorschrift des Art. 6 Sbs. 2 deS Gesetze- vom 9 Juni 1879, die Ausführung der deutschen Strafproceß- ordnung bttr., wonach bei Verbüßung von Freiheitsstrafen in dem Land»szuchthause oder in den Gefängnissen ein Ersatz der Kosten deS Unterhalts der Sträflinge nicht statisinden soll, ist aufgehoben." Zur Verwendung der Summe von 915 JL ouS den bet dem Neubau für die Taubstummenanstalt zu BenShetm erzielten Ersparntsten für die stattgehabte Anschaffung von Mobilien für diese Anstalt, sowie zur Verwendung von 4930 JL aus den für daS Rechnungsjahr 1883/84 sich ergebenden Ersparnisten beö LandeShospttalS Hofheim zur Anschaffung eines DeSinfectionSapparateS wu de die Zustimmung der Kammer ertheilt. Berathung über die Vorlage Großh. Ministeriums deS Innern und der Justiz, den Grsetzentwurf, die Abänderung der Artikel 45-50 der allgemeinen Bauordnung vom 30. April 1881 betr. Den Grund zu dieser Vorlage bildete ein diesbezüglicher Antrag deS Abg- Schönberger auf dem 24. Landtag. Derselbe Abgeordnete brachte heitte bet Eröffnung der DtScusston verschiedene Abänderungsanträge zu den Anträgen de- Ausschusses und wurde auf Vorschlag deS Abg. Arnold nach kurzer Debatte der ganze Gesetzesentwurf nebst den AnNägen deS Abg. Schönberger an den Ausschuß zurückoerwteseu. Nach einer Pause von 5 Minuten wurde die vom Bureau der Kammer verfaßte BetletdSabresse an Se. Köntgl. Hoheit den Großherzog verlesen und genehmigt. Nächste Sitzung morgen Vormittag 10 Uhr. Eventuell Berathung über etwaige Dtstense, die in heutiger Sitzung der I. Kammer mit der II Kammer zu Tage getreten stad. Berlin, 20. März. Der tn dem Hause der Abgeordneten neulich zur Sprache gebrachten höheren Ausbildung der KausmannslchrUnge soll nun von Privat - Fachkreisen autz eine größere Aufmerksamkeit zugewandt werden, da der Staat sich tn dieser Beziehung schwerlich auf Neuerungen etvlasten dürfte. Vor mehr als vierzig Jahren, als hier tn Berlin eine „Handelsschule", eine Privatanstalt, errichtet und eigentlich nur Vermögenderen -ugängtg gemacht wurde, war die Frage, ob und wie sich der Staat zu solcher Unterrichtsanstalt zu stellen hätte, vielfach erwogen und damals jede unmittrl. bare StaatSbetheiligung abgelehnt worden. Dagegen wurde der 1843 von Noback eröffneten Handelsschule eine Geldbethülfe auS Staatsmitteln gewährt, ihr auch von den Ministern der Unterrichts und der Finanzen (zu welchem letzteren damals die Handelsangelegenbeiten gehörten) ein Regulativ ertheilt, aus dem hervorgivg, daß als AuffichtS- fleuc ein vom Staate genehmigtes Kuratorium gehörte. Auch andere Handelsschulen oder HandelS-„Akademten" erhielten StaatSunterstützungen, doch sind sie nur von Ge, metnden ober Privatpersonen errichtet worden. — Nach dem Unfallversicherungsgesetz für die landwirthschaftltchen Arbeiter sind die Kosten deS Heilverfahrens für die ersten dreizehn Wochen von der Gemeinde zu leisten. Nach einem Antrag deS Abgeordnete« Buhl, den die ReichStagScommstfion heute angenommen bat, sind diese Kosten der Gemeinde von der Berufsgenossenschaft zu erstatten. AlS Ersatz der Kosten gilt die Hälfte des nach dem Krankenversicherungsgesetz zu gewährenden Mindestbetrages deS Krankengeldes, sofern nicht höhere Aufwendungen nachgewtesen werden. ES ist dies jedenfalls der wichtigste Beschluß, welchen die Commission bisher gefaßt hat. — Ueber die geplante Augra Pequena,Gesellschaft ist laut einer Zuschrift an die „Nationalzeitung" btS jetzt so viel zu sagen, daß hervorragende Mitglieder der Aristokratie, der Bank-, Industrie- und Handelswelt beträchtliche Summen zur Erwerbung des Lüderitz'schen Besitzes zur Verfügung gestellt haben. ES kommt dabet darauf an, die Form einer Corporation zu finden, welcher dis HohettSrechte vermittelst der sogenannten royal charter übertragen werden können Alle Diejenigen, welche dem Unternehmer btS jetzt ihr Interesse zugewandt, haben eS lediglich auS pattiotischem Gefühlen gethan, um der deutschen Colonialpolilik in Afrika einen bestimmten Halt zu gewähren. Jndeffen ist ein Gewinn bei dem Gesammt - Unternehmen keineswegs ausgeschlossen. Der BergwerkSdirector Pohle aus Freiburg, der zu einer bergmännischen Expedttion nach dem Oranjefluß besonders auSgesandt worden, berichtet darüber, daß die Hvhenzüae in Angra Pequena fast nur auS Gneis, Glimmerschiefer, von theilS sehr mächtigen, theilS geringen Quarzgängen durchsetzt, bestehen. Am 7. Februar fand er gediegenes Blei «Erz, den zweiten schönen Gang; von diesem und von dem in der Nähe gefundenen Küpser sendet er Proben mit. Die Fundstelle liegt in der Nähe deS ThaleS, daS links vom Wege nach Bethanien abzweigt und sich bis zum Nordcap fortfetzt. Berlin, 23. März. Der Reichstag beschäftigte sich heute mit der dritten Lesung deS DampfersubvevtiondgesetzeS. Von deutschfreisinniger Seite war der in der zweiten Berathung abgelehnte Antrag auf Streichung der Linie nach Australien aufs Neue etngebracht worden, deSgl. von socialdemokratifcher Seite das Verlangen nach neuen Dampfern, deren Bau auf deutschen Werften geschehen müsse. Nach einem kleinen Wortgeplänkel zwischen dem Abg. o. JagdzewSkt und dem Staatsminister o. Bötticher über eine auf Polen bezügliche Aeußerung deS Reichskanzlers wurden von verschiedenen Setten des Hauses noch einmal die Stellungen der einzelnen Parteien im Hause zu der Vorlage erörtert. Im Anschluß an eine Aeußerung deS Fürsten BiSmarck bei der ersten Berathung meinte Abg. Bamberger, daß man tbatsächltch nur die eine ostastatische Linie vorläufig annehmen solle, um dann auf Grund der Erfahrungen eventuell wettere Schritte in ihun. Die Behauptung, daß eine große nationale Strömung für diese Frage vorhanden sei, sei doch sehr zweifelhaft, wo der Reichstag, wie die voraufgegavgeum Abstimmungen gezeigt, in zwei beinahe gleiche Hälften getherlt sei, die die Abstimmung zu einem ZufallSresultat machten. Hier handele es sich fitzt lediglich um eine Nachahmung deS französischen Vorb.ldeS, baS in Frankreich selbst keinen großen Erfolg gehabt habe. Statt einer Subventiontrung von Dampferltnten. die den Export doch nicht vermehren würden, solle man lieber Exportprämien bewilligen. Arbeitscolonien könne man bei dem Mangel an dazu geeignetem Lande nicht gründen, und dies mit HandelScolonten thun zu wollen, sei ein Anachronismus. Colonien kosten viel Geld, sie bieten nicht mehr Garantie als eine Lotterie und die Bergwerke in einer Kolonie feien noch viel ungewisser als diese. In der Spectaldebatte kommt Abg. Virchow auf die Gesundheitsverhälintsse Algiers zurück, in Bezug auf welche Abg. Grad (Elsässer) vtrchow's Ausführungen der ersten Lesung bemängelt hatte. Man dürfe nicht die Leute, welche nach diesen Tropengegenden auSwandern wollten, einem sicheren Tode pretSgeben. Abg. Woermann betont dem Abg. Bamberger gegenüber, daß die Suboen- ttonirung von Dampferlinien productiver sei als eine Verthetlnng der (Summe an dte Industrie. Die feindliche Haltung bet australischen Linie gegenüber fei eine Folge der Abneigung gegen die Colontalpolttik überhaupt. DaS Klima Der deutschen Colonien ist ungesund, aber eS handelt ftch ja gar nicht darum, zahlreiche Manschen dorthin zu exportiren und sie dort anzufiedeln. In der Abstimmung wird der Antrag, die australische Linie nur nach dem Festlande einzurichten, unter gleichzeitiger Verwerfung der heute eingebrachten Anträge, mtt 163 Stimmen gegen 155 Stimmen abgelehnt, und die oustralssche Linie selbst mit 166 gegen 152 Stimmen genehmigt, Um llebrigen gelangte die Vorlage mit der Anlage ohne wesentliche Aenderung gegen die Stimmen der BolkSpartei, der Deutschfteifinnigeu, der Soctaldemokraten und eines kleinen TheilS deS CentrumS zur Annahme. Telegraphische Depeschen. Wolsf'S telegr. Correspondenz-Bureau. Darmstadt, 23. März. Der Prinz von Wales und dessen Sohn Prinz Albert Victor treffen morgen zur Theilnahme an der am Mittwoch statt- findenden Beisetzung der Prinzessin Karl ein. Auch werden der Fürst von Rudolstadt, sowie der Prinz Arnulf von Bayern und der Herzog Georg Albrecht von Mecklenburg erwartet. Berlin, 23. März. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden in dritter Lesung die Secundärbahn-Vorlage, das Gesetz wegen Dotiruug der Hinterbliebenen des ermordeten Polizetrath» Rumpff, sowie die übrigen auf der Tagesordnung befindlichen kleineren Vorlagen angenommen. Außerdem gelangte das Gesetz wegen Schadloshaltung des Schleswig-Holsteinischen Herzogs- Hauses in erster und zweiter Lesung zur Annahme, nachdem sich sämmtllche Redner über die Vorlage zustimmend geäußert hatten. — Die nächste Sitzung findet morgen Vormittag 10 Uhr statt. München, 23. März. Auf Befehl des Königs begiebt sich, wie die „Allg. Ztg." meldet, der Minister Dr. v. Lutz in den letzten Tagen diese» Monats nach Berlin, um an der Beglückwünschung de» Reichskanzlers durch den Bundesrath theilzunehmen. Der Minister v. Lutz dürfte dabei im Namen be» Bundesraths das Wort führen. — Prinz Arnulf begiebt sich im Austrage des Königs zur Theilnahme an den Leichenfeierlichkeiten für die Prinzessin Karl nach Darmstadt. Wien, 23. März. Die „Wiener Abendpost" schreibt: Bei dem gestrigen Galadiner zu Ehren des Geburtstages des deutschen Kaisers brachte der Kaiser Franz Josef in herzlichen Worten einen Trinkspruch aus die Gesundheit de» erlauchten Jubilars aus, Die Völker Oesterreich-Ungarns, von jeher gewohnt, die Gefühle ihres Monarchen zu theilen, begleiten das schöne Familienfest im deutschen Kaiserhause gleichfalls mit den wärmsten Sympathien und Wünschen. Verehren sie doch in dem Beherrscher des deutschen Reiches einen erlauchten Freund und Verbündeten ihres Kaisers, sowie den Mitbegründer und Mitschirmer des hohen Friedensbundes, dessen Segnungen der ganzen Welt zugute- kommen. — Dem gestrigen Galadiner wohnten auch der deutsche Botschafter, Prinz Reuß, mit den Botschaftssecretären, sowie die Minister Kalnoky, Taaffe, Kallay, Byland-Rheidt und die Stabsofficiere des 34. Jnfant.-Regiments bei Warschau, 23. März. Die deutsche Kolonie veranstaltete gestern in dem großen auf daü Prächtigste geschmückten Saale des europäischen Hose» eint glänzende Feier zu Ehren des Geburtstages des deutschen Kaisers. Der Generalkonsul Frhr. v. Rechenberg toastete auf Kaiser Wilhelm und Kaiser Alexander, ferner in einer zweiten Rede auf den Reichskanzler Fürsten Bismarck und GFM. Grafen Moltke. Suakim, 23. März. (Telegramm des „Reuter'fchen Bureaus.") Die Verluste der englischen Truppen bei dem gestrigen Gefechte in der Nähe von Tamai stellen sich höher, als Anfangs angenommen war, sie betragen 5 Ossi- eiere und 51 Mann tobt und 170 Verwundete. Die englischen Truppen hatten eben die Zareba vollendet und waren beim Abkochen, als die Meldung einging, daß der Feind im Anmarsch fei. Fast gleichzeitig stürzte sich der Feind aber auch bereits auf die Zareba, es gelang ihm sogar, in eine Ecke derselben ein* zudringen, nach einem lebhasten, etwa 20 Minuten dauernden Kampfe wurde derselbe aber zurückgeschlagen. Die Verluste desselben sind sehr große, die Zahl der Tobten wird auf 1500, die Gesammtzahl der am Gefechte betheiligten Aufständischen wird aus 4000 bis 5000 Mann geschätzt. London, 23. März. Zur Feier des Geburtstags Er- Majestät des .tkaijers Wilhelm gab der deutsche Botschafter Graf Münster gestern Abend ein größere» Diner. — Die heutigen Morgenblätter bringen aus Anlaß des Geburtstags des Kaiser» fast sämmtlich sympathische Beglückwünschungsartikel. Die „Times" sagt: „Indem wir dem Kaiser unsere herzlichen Glückwünsche darbringen, sind wir Überzeugt, nur den in England allgemein gehegten Gesinnungen der hohen Achtung und Bewunderun- für einen Herrscher Ausdruck zu geben, der durch den Glanz und die Würde seiner Stellung wie seiner Person in der Welt seines gleichen sucht. Dem Charakter de» Kaisers wird auch der Tribut gebracht, daß er im Auslande mit denselben Gefühlen betrachtet wird, welche diejenigen, die er seinem eigenen Volke einflößt, wiederspiegeln und daß der Einfluß des deutschen Reichs weit entfernt, wegen seiner Macht irgend- welche Besorgnisse in Bezug aus das Gleichgewicht zu erreaen, zu den besten Bürg schäften für die allgemeine Freiheit und Ruhe gerechnet wiro- Washington, 23. März. Präsident Cleveland hat den Senator für Vnmont, Edwin Phelps wm Gesandten in London, den Senator für Maryland, Mac Lane, zum Gesandten in Paris und den Senator für Ohio, George Pendleton, zum Gesandten in Berlin ernannt. Berlin, 24. März. (Privat-Depesche.) Das Comits für die Bismarck- Ehrengabe beschloß, die Hälfte der eingegangenen Gelder zum Ankauf be» Gutes Schönhausen zu verwenden und die andere Hälfte dem Fürsten für öffentliche Zwecke zur Verfügung zu stellen. Der Gesammtertrag der Sammlung dürste im Ganzen zwei Millionen 300,000 JL betragen. e • f a l t Gießen, 24. März. SchwurgertchtSverhandlung am 23. März -egen Heinrich Bruder von Friedberg wegen Brandstiftung. Derselbe war beschuldigt: daß er am 23. Februar 1885 in der Nähe vou Butzbach einen in fremden Etgenthum stehenden Vorratb landwirthschaftlicher Erzeugn«sse, nämlich einen dem Johannes Knabenschub II. von Butzbach gehörigen, im Freien aufgesetzten Haufen Weizenftroh, vorsätzlich in Brand gesekt habe. Die Geschworenen erkannten den Angeklagten für schuldig und wurde derselbe demgemäß in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten oermtheilt und ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Daurr von 3 Jahren aberkannt. Gießen, 24. März- Wir machen unsere Leser noch ganz besonders auf die Passionsmusik des cd. Kirchengesangoereins aufmerksam, welche am Donners tag, den 26. d. Abends öVt Uhr in der biesigen Siadtkirche abgebalten werden wird- Man wird sich erinnern, welch' mächtigen Eindruck die Aufführung der Pa ss i o n s mu s i k von Heinrich Schütz im vorigen Frühjahre ans alle Zuhörer machte. Die Eigenart dieses Werkes, das trotz der Cinfachheit feiner Soli's und seiner Chöre oder vielleicht gerade durch dieselbe von mächtiger'Wirkung in, wird auch bei der bevorstehenden Auffühnmg wieder neue Freunde sich gewinnen. s r'?,; darerEn M D« Die @ti So um Eil Sn Lirraor So iiMW! S.WSK ySt.» XS er mit -armer tn M, btr Sa Cegeißernnfl für 1 Gießen, den 2j x 0.90-095, Hühners feie pr. Stück tobtn per Paar 0,91 X 1.20-1.80, Wen hb-- und Rindfleisch skldfiüsch 4 1 ßttitW ver Centner Bkkmti Die am 20. M Dißriet „Auy Hoh, Verßeigei ncbimQt, : kE vom 1. April Rentei zu WNMM 1 Lapienchle, am steiherliche Dberjöi Ebe 30 stt?: % . der für® '"hensolms M '■'N an Ort und nrden: L Montag bet Weit „g '.“Ittjgrunb" ,, NetuSd » BuHen- u. 1.16 UWch rStotil itoo ' Ot 137 Ä ** ^kg'Ns :Ä I ■2 ÄA-Nd 112 Men-C Großherzogl. Gymnasium in Gießen 2130 2100 Ebel. 2136 2118 Gr. Gerichtsvollzieher. 2086 Rosen A. Brennholz. Rmtr. Wellen B. Bau-, Werk- und Nutzholz. 47 Klinket. 2146 7 2147 Otto. 1293 Tl. Fangmann 88,5 33,2 5 2 4340 200 50 160 der Ferien täglich von 95,3 52 2 Buchen Eichen Erlen Nadel Velvets und Seidensammete 22 142 Rmtr. 263 79 2 2 104 31850 2:100 30000 69 30 Hohensolms, am 21. März 1885. Fürstliche Oberförsterei Hohensolms. D ö r m e r, Revierförster. in allen Farben, für Kleiderbesatz, empfiehlt va dtt RLhe w , fte betragen 5 K lUen Truppen W die Meldung eilU e sich der Feind M ine Ecke derselben eil' Bernden Äampie w* ) sehr große, die M i Uchte betheW Führung der Directionsgeschäste beauftragt. Derselbe ist in Angelegenheiten im Conferenzzimmer des Gymnasiums während täglich von 11—12 Uhr, nach Wiederbeginn des Unterrichts 3—4 'Uhr zu sprechen. Großherzogliche Direktion. Pros. Dr. tt Schiller. Bekanntmachung. Montag den 30. Marz I. I., Vormittags von 9 Uhr an, soll in dem Beuerner Gemeindewald, in dem Distrikt Krombach, nach- verzeichnetes Bau- und Werkholz versteigert werden: 47 Eichenstämme mit 43 Festm., und von 6 Ctm. Durchm-, 13 Mtr. Länge, 1 Buchenstamm mit 0,82 Fstm. Inh. Die Zusammenkunft ist oberhalb Fünfhausen. Beuern, am 23. März 1885. Großh. Bürgermeisterei Beuern- Bekanntmachung. Die am 20. März I. Js. im Distrikt „Ampel" abgehaltene Holz - Versteigerung ist ge- «ehmtgt. Die Abfuhrscheine können vom 1- April l. I. ab bei der Frecherrl. Rentei zu Londorf in Empfang genommen werden. Papiermühle, am 22. März 1885- Freiherliche Oberförsterei Rabenau. 1785 Emen Hausknecht sucht Emil Pistor Geißler, Gerichtsvollzieher. *) Nicht Köhler, wie in gestriger Nummer irrthümlich gestanden. Donnerstag den 26. März, Nachmittags 2 Uhr, werden in dem H o r m a n n'schen Locale Srenenweg 62 „Wiener Hof" eine große Parthie Rosen in den feinste« Sorten veredelt, ca. 1000 Stück Wurzelhalsveredlung, ca. 500 Stück Hochstämme, versteigert. Holzversteigerung. Das am 19. d. M. in dem hiesigen Gemeindewald versteigerte Stamm- u. Stangenholz hat wegen zu geringem Erlös die Genehmigung nicht erhalten und soll deshalb nochmals Freitag den 27. d. M, des Nachmittags um 1 Uhr, versteigert werden. Das Eichenholz, bestehend aus 50 Stämmen mit 31 Festm., eignet sich zu Bauholz, Gruben- und Wagnerholz und das Fichten - Stangenholz, 1645 Stück, ist zu Dachsparren, Leiterbäu- men, Baumpfählen und Gartenspalier geeignet. Auf dem Distrikt Mausberg wird mit dem Stangenholz der Anfang gemacht. Ruttershausen, den 21. März 1885. Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen. Eichenstämme mit 25,90 Festm., darunter 12 Schnittstämme von 47 bis 77 Ctm. Durchm-, Erlenstämme mit 5,42 Festm. Die Zusammenkunft ist an der Für die Dauer der Beurlaubung des unterzeichneten Directors (23. März bis 3. Mai) ist von Großh. Ministerium Herr Professor Pichler*) mit der gymnasialen Mittwoch den 25. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Flett'schen Hofraihe dahier 2 Betten, 1 Kommode, 4 Kleiderschränke, 2 runde Tische, 1 photographisches Instrument, 1 Consol mit Glasschrank, 1 Pianino, 3 Glas- schränke, 1 Küchenschrank, 1 Waschtisch und sonstiges Mobiliar meistbietend versteigert werden. Gießen, den 23. März 1885. Scheith.Prügelh. Stockh. Reish. Rmtr. '‘‘“««wfbera”6* Ns Georg Wch 2’®e9« sßotitnm orok di- ti6ti8ts " S”: .Mein ** W simtlch ®le EG Citzm, ,6*i ®ieb|( Wen Sagen die,-, ** durch ben «bei im Hamen bts Zur Theilnahme Darmstadt. 11: JW dem gestrigen ^ brachte der Äaifer die Gesundheit der . van jeher gemo^ni, föne Familienlesi im llhien und Mnstzrn cheö einen erlauchten Begründer und M : ganzen Welt M c deutsche Botschas!^ ißer Kalnoky, te lnsant?Regiments5 eranstaltete Win lropäischeu Wim Raifers. Ser to \nb Rufer fflerwbtt, rjien SUmarcf unb Mittwoch drn 25. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, in der Flett'schen Hofraithe dahier, sollen gegen Baar versteigert werden: 1 Handkarren, diverses Schreiner- Werkzeug, sodann 1 Garnitur Polster - möbel, 2 Spiegel-, 3 Kleider-, 2 Küchenschränke, 2 Nähmaschinen, 3 Sovha's, 1 Pianino, 2 Commoden, 1 Bett, Spiegel, Bilder rc. Gießen, den 22. März 1885. Engel, r. Majestät des JWJ \ ■n Abend ein grop^ Geburtstags des Kauer •“Wi’S" iS*-»- <**'*??! elber i“"1 ® 6, Me dem ' tragest- Holzversteigerung im Gießener Stadtwald. Montag den 30. März 1885, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwald in den Districten Heingesboden und Wanne nachverzeichnetes Holz versteigert werden: Holzvcrstcigcrungcn. In der fürstlichen Oberförsterei Hohensolms soll nachverzeichnetes Gehölz an Ort und Stelle versteigert werden: I. Montag den 30. d. M. in. den Distrikten „Jselscheid" und „Eulersgrund" 4 Rm. Buchen-Scheitholz I. Classe, 94 „ Buchen- u. Eichen-Stamm- Prügelholz, 138 „ dgl. Stockholz, 4050 Wellen dgl. Reisholz, 1300 „ dgl. Forstreiser, ' 3100 „ Kiefern-Forstreiser, 137 Eichen-Stämme mit 25,96 Festster, zu Bau-, Wagner- und Grubenholz geeignet. Der Anfang der Versteigerung ist Morgens 10 Uhr in dem Di- stnkt „Jselscheid" auf der Staatsstraße zunächst Fellingshausen. II. Dienstag den 31. d. M., Morgens 10 Uhr, in dem Distrikt „Windelbach" in der Abtheilung Schwarzloch beim Dachsbau anfangend- 2149 2 Mantclöfen, 1 geschliffener Regulirofen, tast neu, wegzugshalber billig zu verlausen bei Frau Tchürurann, Wetzlar, i. Hause d. Herrn Secretär Köder- Bl*4 Ä*|eS* Jeilgeöotenes. Ein Posten zurückgesetzter wollener und baumwollener 2135 Strickgarne unter Preis. Kobert Stuhl Neustadt 23. Rm. Buchen-Scheitholz, „ Buchen- u. Eichen-Stamm- Prügelholz, „ dgl. Stockholz, Wellen dgl. Reisholz, n u Forstreiser 1. Cl., _ w h n H- n Eichen-Stämme mit 11,07 Fstm , Stück Eichen-Stangen. [2137 Frankfurt, 23. März. (Getreide-Dreise.) Weizen eff.hiesiger u.Wetterauer M 19,00-19,25, fremder