ISS» Donnerstag den 24 September Nr. 222 rrschemt tLONch M H* «<*<#. Darmstadt, 21. September. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 9. d. Mts. den Calculator Ludwig Rullmann zum Revisor 2. Klaffe bei den Oberhesstschen Bahnen, am 16. d. Mts. den Revisionsgehülfen Hermann Erlinger au- Grün- berg zum Oborrechnungs-Probatoc 2. ZUaffe bei der zweiten Abcheilung der Iustificatur der Oberrechnungskammer zu ernennen. — Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 8. d. MtS. der Margaretha Dienst aus Flörsheim, dermalen in Diensten bei Kaufmann Karl Woltz zu Mainz, in Anerkennung ihrer mehr als 50jährigen derselben Familie geleisteten Dienste, die silberne Verdienst-Medaille des Ludewigs-Ordens zu verleihen; ~ , am 19. d. Mts. den Notar mit dem Amtssitze zu Sprendlingen, Dr. Friedrich Lucius, zum Notar mit dem Amtssitze zu Worms zu ernennen. Berlin, 19. September. Das Rundschreiben, welches das Reichsoersicherungsamt an die Vorstände der Berufsgenossenschaften, betr. das Jnsleben- treten der Unfallversicherung, die Organisation der Schiedsgerichte u. |. w. erlassen hat, hat solgenden Wortlaut: Die Mittheilungen über den Stand der berussgenoffenschaftlichen Organffa- tion, welche das Reichsverficherungsamt mit Schreiben vom 22. August d. Js. erbeten hat, sind nunmehr von allen Seiten erfolgt. Dieselben laffen ersehen, daß es den eifrigen Bemühungen der Berussgenoffenschaften gelungen ist, ihre Organisation soweit zu fördern, daß dieselbe mit Ende des lausenden Monats überall abgeschloffen sein wird. f Bis dahin werden auch die Post-, Telegraphen- und Eifenbahn-Verwal- tunaen, sowie die Marine- und Heeres-Verwaltungen, soweit es sich um Reichs- und Staatsbetriebe handelt, mit den nach dem Gesetz vom 28. Mai 1d85 erforderlichen besonderen Einrichtungen versehen, und, soweit Privatbetriebe in Frage kommen, berufSgenoffensckastlich organisirt sein. Das ReichsversicherungS- ami war hiernach in der Lage, in Anregung zu bringen, daß gemäß § 111 des UnsallversicherungS'Gejetzes mit Zustimmung des Bundesraths durch kaiserliche Verordnung das Jnslebentreten der Unfallversicherung zum 1. October d. Js. bestimmt werde. Daffelbe schätzt sich glücklich, aus die von Seiten der Genoffen- fchasts-Vorstände, wie von Seiten zahlreicher Betriebsunternehmer bei ihm fortgesetzt eingehenden dringlichen Anfragen wegen des Beginns der Unfallversicherung, den Genossenschafts-Vorständen diese Mittheilung machen zu können. Die Genoffenschasts-Vorstände wollen nunmehr die überall bereits seit geraumer Zeit vorbereitete Ausstellung der GenoffenschastSkataster und die Versendung der Mitgliedscheine baldmöglichst zum Abschluß bringen. Wegen der Aufstellung der Gesahrentarife, die nicht in gleichem Maße dringlich ist, wird aus die näheren Mittheilungen vom 1. September Bezug genommen. . Was ferner die Organisation der Schiedsgerichte anlangt, so werden bin* nen Kurzem deren Sitze sämmtlich bestimmt und Seitens der beteiligten Landes- Centralbehörden die Vorsitzenden ernannt sein. Letzteres genügt zunächst, um eine ungestörte Wirksamkeit des Gesetzes zu gewährleisten. Denn der Verletzte, welcher auf schiedsrichterliche Entscheidung gemäß § 62 Absatz 2 des Unsall- versicherugS'Gesetzes antragen will, wahrt durch die Erhebung des Berufes bei dem Vorsitzenden des zuständigen Schiedsgerichts seinen Anspruch, und er würde durch eine Verzögerung der schiedsrichterlichen Entscheidung eine Schädigung insofern nicht erleiden, als nach § 62 Absatz 5 a. a. O. die Berufung keine aufschiebende Wirkung hat, vielmehr der von den Genossenschafts-Organen ange- ichmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. «reis Vierteljährlich 2 Mark 2V Pf. mit Durch die Pott bezogen vierteljährlich 2 Mart 56 Pf. wieiene Entschädigungsbetrag ohne Weiteres erhoben werden kann. Immerhin aber ist es von erheblichem Werthe, an die völlige Durchsührung der Organ», sation der Schiedsgerichte schon jetzt heranzutreten. t^ru^beachten^dab 'gemäß § 48 des Unsallversicherungr.Gesetzes nicht mir der Name und Wohnort des Vorsitzenden, sondern auch Name und Wohnort der übrigen Mitglieder de« Schiedsgerichts und der Stell- Vertreter derselben von der Centralbehörde desjenigen Bundesstaates, in welchem der Sitz des Schiedsgerichtes belegen ist, in dem zu deren amtlichen Veröffentlichungen bestimmten Blatte öffentlich bekannt zu machen sind. Zu diesem Zwecke ist es nothwendig, daß den bethei- ligten Landes-Centralbehörden Name und Wohnort der von den Genossenschafts-Organen gewählten Beisitzer zum Schiedsgericht und ihrer Stellvertreter mitgetheilt werden. Das Reichsversicherungsamt gievt sich der Erwartung hin, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um die GenoffenschaftS'Vorstände zur Einreichung der erforderlichen Anzeigen an die zuständigen Landes-Centralbehörden, ohne daß sie eine Aufforderung hierzu von diesen abwarten, zu veranlassen. Die Ausarbeitung der Regulative für die Wahl der Vertreter der Arbeiter und süc die Wahl der Arbeiter-Beisitzer zum Schiedsgericht ist, soweit erstere vom Reichsoersicherungsamt zu erlassen sind, m vollem Gange. Sodann müssen 2) von Seiten der Berufsgenossenschaften für die Schiedsgerichte entsprechende Lokale beschafft werden. - Ausweislich der mit diesseitigem Rundschreiben vom 24. Aug den Genossenschafts-Vorstanden mitgetheilten Nachweisung der vom Reichsversicherungsamt vorgeschlagenen Schiedsge- richtssitze, welche, soweit dies vom Reichsversicherungsamt zu geschehen hat, bereits definitiv bestimmt worden sind, befindet sich an vielen Orten der Sitz mehrerer Schiedsgerichte. Es empfiehlt sich, m solchen Fällen für sämmtliche Schiedsgerichte das gleiche Lokal zu bestimmen, wie voraussichtlich auch derselbe Beamte in der Regel zum Vorsitzenden für alle an demselben Orte befindlichen Schiedsgerichte ernannt weroen wird. Es würde nicht nur für diesen Beamten eine beträchtliche Störung vermieden, wenn alle Schiedsgerichtsfitzungen in einem Lokale stattsänden, sondern es würden dadurch auch den Parteien manche Irrungen, den Genossenschaften manche Kosten erspart werden, zumal dann für alle Einladungen zu den Sitzungen das gleiche Drucksormular benutzt werden könnte. Den Genossenschaf tS-Vorständen wird deshalb anheimgegeben, wegen der Beschaffung der Lokale °'nse,t,g ?°rzu. gehen, vielmehr wegen der Bereitstellung gemeinschaftlicher Loka e mit einander in Verbindung zu treten, bezw. die Sectwnrvorstand- zu be züglichen Vereinbarungen im Einvernehmen mit den Vorsitzenden der I» bi. -«in ficbt ru nehmen sein möchte, wird daraus aufmerksam gemacht, daß gleichwie die kaiserliche Verordnung, betr. die Formen des Verfahren« und den Geschäslsgang des Reichsversicherungsamtsvom August 1885, für die mündliche Verhandlung vor dem Reichsversicherungsamt die Oeffentlichkeit vorschreibt, die gleiche Bestimmung voraussichtlich durch die für das Verfahren vor dem Schiedsgericht zu erlassende kaiserliche Verordnung getroffen werden wird. Betreffend: Die Ackerbauschule zu Friedberg. Gießen, den 22. September 1885. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen att dt- Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des KreiseS. Unter Hinwei« auf die nachstehende Bekanntmachung des Curatoriums der Ackerbau,chule zu Friedberg empfehlen w,r Ihnen, bei sich bietendem Anlaß aus die hier für junge Leute gebotene günstige Gelegenheit zur weiteren Ausbildung aufmerksam zu machen- Dr. Boekmann. WinterknrfuS an der A-kerbanfchnle des landwirthfchaftlichen Vereins für di- Provinz Oberheffen zu Friedberg pto 1885—86 zeugniß der Bürgermeisterei und ein SchulabgangSzeugniß beizubringen. Fr"dberg, den 7. September 1885. Guratorium der Ackerbauschule zu Friedberg: . Dr. Braden, Kreisrath. Dr. Frech, v. Gemmingen, Amtmann. Schmidt, Kreisschulinspeetor. Pr. Tobisch^LandwirMastslehrer. 3) Zu den von den betheiligten Genossenschaften zu tragenden Kosten gehören außer den Kosten für die Beschaffung der Sitzungslokale auch diejenigen für den notwendigen Bureau- uno Expedit,ousvienst. Von der Regierung eines Bundesstaats ist bereits darauf hingewiesen worden, daß es sich empfehle, für sämmtliche an einem Orte befindlichen Schiedsgerichte den Dienst in einer Hand zu vereinigen und die erwachsenden Kosten aus die einzelnen Genossenschaften und Sectionen zu repartiren. Es wird den Genoffenschafts-Organen überlassen, auch in dieser Beziehung unter sich und mit den Landes-Centralbehörden, thunlichst im Einvernehmen mit den Schiedsgerichts-Vorfitzenden, in Verhandlung zu treten. Schließlich theilt das Reichsverficherungsamt den Genossenschafts-Vorständen ergebenst mit, daß es beabsichtigt, wenn möglich in der nächsten Nummer der ^Amtlichen Nachrichten", neben einem alphabetischen Verzeichniß der zu den einzelnen BerusSgenoffenschasten gehörenden Gewerbezweige eine Nachweisung zu veröffentlichen, welche die Namen, Sitze und Bezirke der BerusSgenoffenschasten, der Sectionen und Schiedsgerichte, sowie die Namen und Wohnorte der Vorsitzenden der Genoffenschafts- und Seckionsvorstände, möglichst auch der Schiedsgerichte enthält. Das Reichsverficherungsamt glaubt dadurch nicht nur den Behörden, sondern auch den Organen der Berussgenossenschaften und den Betriebunternehmern die Erfüllung ihrer Ausgaben (vergl. insbesondere §§ 35 ff. und 191 des Unfallversicherungs-Gesetzes) wesentlich zu erleichtern. Berlin, den 15. September 1885. Das Reichsverficherungsamt. Bödiker. Karlsruhe, 21. September. Der Einzug des Erbgroßherzogs und der Erbgroßherzogin in Karlsruhe wird am 26. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, erfolgen; am gleichen Abend um 6 Uhr ein von den sämmtlichen Männer- Gesangvereinen dargebrachtes Ständchen, um 7 Uhr ein von der Stadt veranstaltetes großes Feuerwerk. Am 27. ds., um 11 Uhr, findet Kirchgang in der Schloßkirche statt, um 3 Uhr das von der Stadt Karlsruhe angeborene Fest (mit Landestrachten) in der Festhalle, um 8 Uhr Abends Gala-Vorstellung im Hoftheater. Am 28. ds., Vormittags, Empfang der Abordnungen, Abends 8 Uhr Defilir-Cour und daran anschließend Hofconcert. Am 29. ds. Abreise nach Baden, daselbst Aufenthalt bis 1. October. An diesem Tage, Abends, Ball im Museum. Am 2. October Ball in der Eintracht. Am 3. October Concert und am 4. Feuerwerk in Baden. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Eorresponderrz - Birrrarr. Stuttgart, 22. September. Seine Majestät der Kaiser, welcher nach der gestrigen Theatervorstellung noch der Soiree bei dem Prinzen von Weimar beiwohnte, hat sich heute früh nach dem Manöverterrain bei Hemmingen begeben. Stuttgart, 22. September. Gelegentlich des gestrigen Feldmanövers bei Hemmingen machte Se. Majestät der Kaiser dem Freiherrn v. Barnbüler auf dessen Gute Gemmingen einen Besuch. Nach der Rückkehr hierher fand um 5 Uhr Familientafel im Schlosse statt. Abends wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Königin, sowie die anderen hier anwesenden Fürstlichkeiten der Vorstellung von „Zehn Mädchen und kein Mann" im Hoftheater bei, nach der Theatervorstellung fand eine Soiröe bei dem Prinzen von Sachsen-Weimar statt. Straßburg, 22. September. In der heutigen zweiten und letzten allgemeinen Sitzung der Naturforscher-Versammlung sprach Virchow über Akklimatisation. Weißmann entgegnete Virchow. Peschuel-Loesche (Jena) hielt einen Vortrag über Bewirth- schaftuna tropischer Gebiete. Die Berathung des Antrags der British-Association wegen Veranstaltung eines wissenschaftlichen internationalen Kongresses wird bis zur nächsten Versammlung vertagt. Hierauf schließt Professor Kußmaul die Sitzung. Im Ganzen nahmen gegen 1150 Personen an den Sitzungen Theil. Wien, 22. September. Die beiden Häuser des Reichsraths sind heute Vormittag eröffnet worden. Eine Zuschrift des Ministerpräsidenten theilt mit, daß die feierliche Eröffnung des Reichsratbs durch den Kaiser am 26. ds. Mts., Vormittags 11 Uhr, stattfinden wird. Im Abgeordnetenhause leisteten die Abgeordneten bei dem Namensaufruf das vorgeschriebene Gelöbniß. — Der „Polit. Corr." wird aus Sofia gemeldet, Fürst Alexander habe an die Berliner Dertragsmächte telegraphisch eine Mittheilung gerichtet, in welcher er sein Vorgehen beleuchtet. — Aus Philippopel wird derselben Corrcspondenz gemeldet, der Fürst beabsichtige keineswegs bei der Vereinigung Bulgariens und Ostrumeliens das Abhängig- keitsverhältniß der beiden Länder zu der Türkei aufzuheben. — Der „Polit. Corr." wird aus Belgrad telegraphirt: Nach einer Berathung des Ministerraths unter dem Vorsitze des Königs ist ein Ukas erschienen, welcher die Mobilisirung der Armee verfügt und die Skupschtina für den 1. October nach Nisch einberuft. Ferner wird das Preßgesetz und das Versammlungsrecht einstweilen außer Geltung gesetzt. — Die „Polit. Corr." meldet ferner, Gavril EhrestovicS Pascha sei nach Sofia gebracht worden. Wien, 22. September. Das hier in einem kleinen Blatte enthaltene Gerücht von der beabsichtigten Mobilisirung des 13. Armeeeorps ist gutem Vernehmen nach völlig unbegründet. Rom, 22. September. Gestern sind in der Provinz Palermo 216 Erkrankungen und 117 Todesfälle in Folge Cholera vorgekommen. In den übrigen vier inficirten Provinzen sind 16 Personen an der Cholera erkrankt und 8 Personen gestorben. Rom, 22. September. "Nach einer Meldung des Journals „Stampa" sind die Schiffe „Rapido-Egadi" unb „Maria Pia" vorgestern vor Messina eingetroffen und landeten 9 Bataillone Infanterie. Die ^stadt scheint, seitdem die Truppenverstärkung in Sicht ist, ruhiger. Es ist angeordnet worden, die aus Palermo eintreffenden Eisen- bahmüge sollen von Militär eskortirt werden, damit die Bevölkerung das Einfahren in Messina, Catania, Caltanisetta rc. nicht hindere. Vorgestern Abend zerstreute die Polizei trotz Widerstandes die auf dem Bahnhöfe Licata angesammelte Menge, welche das Einfahren des Zuges nicht zulassen wollte. Hierbei wurden 2 Personen getödtet. — Vorgestern wurden heftige Erdstöße in Benevent verspürt, welches seit 200 Jahren bereits siebenmal durch Erdbeben zerstört mar. Die Bevölkerung lagert im Freien. — Die Nachrichten über die Stimmung in ©teilten lauten besser; es heißt, daß die Minister Ricotti und Tajani sich dahin begeben iverdeu. Der Verkehr der Eisenbahnzüge ist wieder hergestellt, insgesammt sind 17 Bataillone Truppen nach Sicilicn bestimmt, indeß wird die überflüssige Mannschaft baldmöglichst zurückberufen. Messina ist ziemlich ruhig. Der Papst sandte 40,000 Frcs. für die von der Seuche Heim- gesuchten. Seit dem 6. August sind in ganz Italien 1339 Personen an Cholera erkrankt und 820 gestorben. Petersburg, 22. September. Zur Reorganisation der Artillerie veröffentlicht der „Russische Invalide" eine weitere Verordnung des Kriegsministers, welche die Umwandlung von vier Batterien der zweiten Reserveartillerie - Brigabe in ebensoviel Festungs-Ausfallbatterien und die Neuformirung einer fünften derartigen Batterie anordnet. In Kriegszeiten sollen aus diesen fünf Ausfall - Festungsbatterien deren 16 sonnirt werden. Die gesammte Reseroe-Arftllerie ist nunmehr mir weittragenden Geschützen ausgerüstet. Moskau, 22. September. Die „MoskowSkija Wjedomosti" bezweifeln, daß die Machte die bulgarische Union als fait aecompll anerkennen werden. Im Prinzipe habe Rußland nichts gegen die Vereinigung, es käme nur darauf an, wie sie erfolge. Das Blatt empfiehlt Rückkehr zu der früheren Idee, die Würde des Generalgouverneurs von Ostrumelien und des Fürsten von Bulgarien derselben Person zu übertragen. Sofia, 22. September. Durch einen Ukas des Fürsten ist die Eröffnung der Kammer auf den 24. d. Mts. verschoben worden, da der größte Theil der Deputirten noch nicht eingetroffen ist. Sofia, 22. September. Ein Ukas des Fürsten vertagt di- Eröffnung der Kammern auf den 24. September. Der größte Theil der Deputirten ist noch nicht eingetroffen. Philippopel, 22. September. Der Fürst von Bulgarien ist beute Vormittag um 10 Uhr hier eingezogen. Derselbe begibt sich nach einem feierlichen Tedeum in der Kathedrale nach dem Konak, wo er die provisorische Regierung und den hohen Clerus empfangen wird. — Dem Fürsten Alexander gehen aus allen Theilcn Bulgariens und Ru- meliens Glückwünsche zu, welche zugleich das dringende Ersuchen aussprechen, der Fürst möge endgültig und entschlossen die Verwirklichung der Union verfolgen. Das Volk sei bereit, Gut und Blut dafür einzusetzen. Konstantinopel, 22. September. Die „Turquie" konstatirt, daß der Ernst der Ereignisse in Ost-Rumelien die Pforte zur Intervention nöthigen werde, die Pforte werde ihre Pflicht mit ebenso viel Festiakeit wie Mäßigung erfüllen. Simla, 22. September. (Meldung der Reuter'schen Bureaus.) Die Verordnung, welche die Einreihung ausgedienter Soldaten in die Reserve suspendirte, ist aufgehoben. Athen, 22. September. Anläßlich einer gestern stattgehabten öffentlichen Kundgebung, welche bezweckte, die Regierung zur Wahrung der Rechte des Hellenismus zu veranlassen, erklärte der Ministerpräsident Telyannis, er hoffe, die Mächte würden den statas quo aufrechterhalten; geschehe dies nicht, so werde Griechenland genöthigt sein, der öffentlichen Meinung zu folgen, falls das Gleichgewicht im Orient zum Nachrbeil des Hellenismus gestört werden sollte. Jede Reduktion der Armee und des Kriegsmaterials ist von der Regierung verschoben worden. In den Straßen fanden erneut öffentliche Kundgebungen statt. Berlin, 23. September. (Privat-Depesche des „Gießener Anzeiger".) Pariser officielle Depeschen aus Konstantinopel melden den Abmarsch türkischer Truppen unter Mukhtar Pascha's Oberbefehl nach Rumelien. Die Revolution in Ostrumelien. Aus Sofia kommt eine verblüffende Nachricht und mit einem Schlage ist der romantische Nebel zerstreut, welcher seit den Tagen von Skiernicwice die Höhenzüge der großen Politik umlagert hat. In Ostrumelien ist die Revolution ausgebrochen und sie hat sich für den Augenblick sieghaft bewährt. Das Ereigniß, um das es sich handelt, kennen unsere Leser bereits in den allgemeinen Umrissen aus den Telegrammen aus Sofia. Die vertragsmäßig legitime Regierung von Ost-Rumelien wurde gestürzt und durch eine revolutionäre provisorische Regierung ersetzt. Diese provisorische Regierung oder das provisorische Comit^, wie es sich nennt, proklamirte die Union von Ost-Rumelien mit dem Fürstcnthum Bulgarien und rief den Fürsten Alexander Battenberg von Bulgarien zu Hilfe. Diese Revolution vollzog sich am vergangenen Samstag; sie war so gut im ganzen Lande vorbereitet und derart von einem einheitlichen Commando geleitet, daß thatsächlich zur selben Stunde der Sturz der Regierung, die Absetzung des vom Sultan ernannten General - Gouverneurs Gavril Pascha in allen größeren Städten der Provinz proclamirt wurde und ohne Zwischenpause die Vertreter der neuen provisorischen Regierung ihre Posten einnahmen. Der gestürzte General - Gouverneur Gavril Pascha war erst vor wenige» Tagen aus Konstantinopel nach Philppopel zurückgekehrt ; scheinbar herrschte im ganzen Lande die tiefste Ruhe und man scheint in den unteren diplomatischen Kreisen keine Katastrophe im Anzuge geglaubt zu haben, da die meisten Vertreter der europäischen Staaten abwesend waren. Die Griechen allerdings, die von dem Ereignisse zunächst und am empfindlichsten betroffen werden, verspürten den Brandgeruch Lange bevor die Lohe über dem Dachfirst zusammenschlug. Der Konstantinopeler „Neologos" brachte feit Wochen in jeder Nummer einen Allarmartikel und beschwor die türkische Regierung, ihre Truppen nach Ost-Rumelien zu senden, um einer Revolution zuvorzukommen. Auf der Hohen Pforte scheint man sich aber mehr für das diplomatische Spiel mit Sir H. Drummond Wolff intcressirt zu haben, als um die Wahrung jener Provinz, welche das nächste Hinterland von Stambul bildet und bereit Verlust ein weiterer Schritt der Rückstaunng des Osrnanen- thurns nach seiner asiatischen Heirnath wäre. Mehr Verständniß fand die pan - bulgarische Bewegung in Sofia. Von dort aus wird derselben die Hand gereicht und dadurch erst gewinnt der Sturz der oft- rurnelischen Regierung ihre so tief einschneidende Bedeutung. Es ist bereits ein fürst- ltcher Ukas erschienen, welcher die Mobilisirung der Armee anordnet und das Sobranje unverwetlt einberuft. Fürst Alexander nimmt die Einladung der provisorischen Regierung von Philippopel und der ostrumelischen Armee an und ist bereits in Begleitung seines Conseils - Präsidenten nach Philppopel aufgebrochen, um sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Damit ist die vollendete Thatsache des geeinigten Bulgarien geschaffen und die seit Jahren lebhaft betriebene Agitation, welche auf die Vereinigung Ost-Rumeliens mit Bulgarien hinarbeitete, ist nunmehr an's Ziel gelangt wld Fürst Alexander von Bulgarien hat sich mit diesem revolutionären Handstreich tdenttficirt. Nicht leicht ist in so engem Rahmen eine Anhäufung solch schwerwiegender und bedrohlicher Momente denkbar, wie hier, und Conseguenzen, welche sich naturgemäß an das Ereigniß knüpfen, find so mannigfaltige und weitreichende, daß es vorerst gerathen iü, bie sich ungestüm aufdrängenden Fakten auseinanderzuhalten. .. o stt u mell sch e Revolution kehrt sich zunächst gegen die Türkei, deren Suze- ranitat über dieses Gebiet durch den Berliner Vertrag gewährleistet ist. Sie kehrt sich ferner gegen die europäischen Dtächle, welche sich der Ausdehnung Bulgariens und daher mittelbar der russischen Macht bis an die Pforten von Konstantinopel aus aller Kraft widersetzt haben und in der Begründung der Hoheitsrechte des Sultans über Ostrumelien ein ^uskunft^mtttel suchten und fanden. Ja, so wichtig wurde die ÄiinS1 ff01! Bulgarien angesehen, baß Lord Beaconsfield eher bereit roar, aue M^stnnttel Englands aufzubieten, als in diesem Punkte den russischen Wünschen nachgeben. Die Revolution greift also nach zwei Richtungen aus: Gegen die Türkei direct ,u“b EU lubirect gegen die Berliner Vertragsmächte. Ist dqs an sich schon bedenk- Omug, wird die Sache dadurch noch verwickelter, daß der Fürst von Bulgarien Revolution stellt. Sticht blos die ostrumelische Bevölkerung, welche s ch schließlich der Rücksichten auf die europäischen Verträge leichter entschlagen mitWnTL' rc bcr. ^U?e™n fjneS ireugefcbaffeneii Balkanstaates setzt sich mit ocn Machten Europas unb dem Willen derselben in offenbaren Widerspruch. möglich geworden? Kann man sich das Ereigniß losgelöst denken iäber DuIfnnVfd?prU9rßCa^CU*päkCl)Cr Politik? Ist es so ungeahnt gekommen, wie ein Hffm fu*bru$ oder wurde es systematisch vorbereitet hinter den (Eou^ ßaubeneigen1 aufführteji ? Schaubühne die Gewinne des Friedens ihren Zufall — fürwahr, dieser Zufall erhielt die köstlichste 3üu; Sanchontritn« ^edenstendenz der Begegnung von Kleinster und zu der wiederbolten L-ancttomrung des Status quo aus dem Balkan und zu der Befestiguna des conferva- !lmmn™tnnfen$' -?cIdlc bi,a-®kUnbIa9C bcr crneutc» Drei-Kaiser-Allianz bilden soll. Empsangt man nicht den Eindruck, als hätten die Segnungen des Bündnisses sich 3U rUi manifestirt, wenn es geschieht, daß kaum vierzehn Tage nach der beh •^rÜ6mKtCKatatas i*ste I°rilNS U1]b „ 3 n- Das M tf M der yrnit ^e,diePfZ ;uH Die Ver- e luspendirte, ist oMntlichenKund: i^Eeilismus w chte würden den genöthigl jein, !t Zum ^adjtbeil Wlb. des jtrie^- u fanden erneut eiger".j Pariser L truppen unter Schlage ist der ! die Höhenzüge isgebrochen und !lts in den all- mäßig legitime tt provisorische Soniite, wie es )um Bulgarien war jo ftiü m ibo yltitet, daß \ des vom <5ub xüx Städten der )er neuen provi- :ral - Gouverneur »hilppopel zurück- m scheint in bm zu haben, da die iechen allerdchs, erden, ütripirtnr ichlug. X NllMM einen ad) Cit'^umelien Zsorte scheint man ) Wolss interesftt te Hnrterland von ng des Osmanen- Sopa. Bon dort ,er Sturz der ck ’t bereits ein such und das Sobransk provisorischen Reist bereits in Be- um sich an dir che des geeimglm on, welche aus du . an's Ziel 6* onären Handstreich 1* jcbmeriüiegcnofr welche sich-'°t-- itreichende, daß es anderzuhaltcn. ürfei, deren W Zulzariws unb b • mtinoprf all| des Sultans über wichtig rour*ie • u, Türkei direcl ® sich schon bedenk- >L-S" sss -anst»«t-s gekoininen- - bithS*6* SgsS iener Mend liebt, W £ccir eibu^ i ^e \wb UuLverfitätS - Chronik. — In Breslau starb am 13. d. M. Professor Dr. Haeser, 74 Jahre alt. Der Heimgegangene wurde 1811 in Rom als Sohn eines namhaften Musikers geboren Nach Rückkehr seiner Eltern nach Deutschland erhielt Haeser seine Erziehung in Weimar, studirte in Jena und Wien Medicin und Naturwissenschaften. Er war aber auch ein außerordentlich tüchtiger Musiker und trat als Sänger bis in sein spätes Alter auf. 1836 habilitirte er sich in Jena, wurde 1839 außerordentlicher, später ordentlicher Professor der Medlcin und gründete hier eine Kinderheilanstalt. 1849 wurde er nach Greifswald berufen, 1862 nach Breslau. Lokale-. Gießen, 23. September. Schwurgerichtsverhandlung am22.September, Vormittags, gegen Konrad Marboth von Laubach wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Derselbe war beschuldigt: _ . , . o l -v t daß er am 15. Juli 1885 auf der Freedrichshutte bet Laubach den Johannes Müller von Gonterskirchen durch einen Stich mittels eines Messers vorsätzlich an seiner Gesundheit beschädigt habe und hierdurch der Tod des Verletzten verursacht worden sei. . . . Die Geschworenen erkannten den Angeklagten für schuldig und wurde derselbe demgemäß in eine Gefängnißsttafe von 1 Jahr und 6 Monaten, abzüglich 2 Monaten Untersuchungshaft, verurthcilt. — Schwurgerichtsverhandlung am 22. September, Nachmittags, gegen Johannes Hansel von Wallenrod wegen Versuch der Nothzucht. Die Geschworenen erfamiten den Angeklagten für tchuldig und wurde derzelbe in eine Gesängnißstrafe von 9 Monaten, abzüglich 2 Monaten Untersuchungshaft verurteilt. Gießen, 23. September. ^Mechanisches Theaters Das Morieux'sche mechanische •Theater welches seit einigen Tagen bereits seine Visitenkarten zu Gießeii in Gestalt aroßer Plakate an den verschiedenen Straßenecken abgegeben hatte, hat sich auf dem ^swald's (harten gestern vollständig häuslich eingerichtet und am Abend schon vor dichtgedrängter ^uschauermenge in einem mit allem Comfort versehenen Zelte die Reihe seiner Vorstellungen eröffnet. Wir bekennen nun gern, daß, so viel wir auch über tue kleinen mechanischen Wunder des Theaters Morieux's schon in den Blättern gelesen, uns dieselben doch noch die angenehmsten Ucberraschungen bereiteten und daß wir nichts von dem zu ihrem Lobe da oder dort Gesagten übertrieben fanden. Für Alt und Jung dürfen wir vielmehr dieses Wiederspiel der Welt im Kleinen als ein ebenso belehrendes wie unterhaltendes Amüsement bezeichnen. Bejonders ansprechend ist eme Reise um die Welt, welche wir im Theater Morieux in erstaunlich kurzer Zeit und auf die erdenklich bequemfte Art bei den Klängen lustiger Tanzweisen mitzumachen gezwungen waren. Vorzüglich ist hierbei die kaum von „Stangen" stnmger zu trenende Auswahl der in allen 5 Welttheilen sehenswerthesten Punkte, die eme durchweg wahrhaft künstlerische Nachbildung gefunden haben. Höchst unterhaltend ist zugleich die mittelst eines kunstvollen Mechanismus zum Leben gebrachte manutgfalhae Staffage zu dem prächtigen Wandel-Diorama: Vögel, Fiiche, Menschen, Last- und Jagdthiere, Schifte lammt Bemannung u. dgl. mehr. Auch in der märchenhaftesten ^eenene leistet das Morieur'sche Theater Stauncnswerthes und große Freude bezeigte die Jugend über die Künste der Seiltänzer-Automaten. Den Schluß der Vorstellung bilden Nebelbilder, Ehromatropen und Farbenspiele. Einen, ja sogar einen wiederholten Besuch ist das Morieur'sche Theater ohne Frage vollauf werth. Verwischtes. Darmstadt, 21. September. [^ramiirt.] Auf der Antwerpener Weltaus- stellimg wurden folgende Firmen aus dem Großherzogthum Hessen mit Preisen ?c. bedacht. Ehrendiplom: I. Schröder in Darmstadt, 'Peter Joseph Valckenber-g m Worms. Goldene Medaille: I. Schröder in Darmstadt, A. Le Eoq u. Eo. daselbst, Gebr. Heine in Offenbach, Fr. I. Brodt Nachf. (Jak. Mayer) in Bingen, Joh. Jak. Hoffmann in Mainz. Silberne Medaille: G. H. Jochem in Worms, Gustav Bohm in Offenbach a. M., Ferd. Flinsch daselbst, Blaufarbenwerk Marienberg in Bensheim, Emil Heiden-Heimer in Mainz, G. W. Leoni daselbst, A. Le Eoq u. Eo. in Darmstadt. Broncene Medaille: Emil Heiden-Heimer in Mainz. Ehrenvolle Erwähnung: Rheinische Schiefertafelfabrik in Worms, Hermann Bücking Söhne in Alsfeld. — «Neueres über Deutschlands Arbeitercolonieen und Verpflegungsstationen.^ Nach der Monatsschrift „Die Arbeitercolonie" betrug der Bestand Ende Juli in den 12 Eolonieen 855 Personen. Entlassen wurden während destelben Monats 385 unb zwar fanden 124 (111 durch die Eolonie, 13 durch eigene Bemühung) anderwerte Beschäftigung, 197 verließen die Anstalt auf eigenen Wunsch, 21 mußten wegen schlechten Betragens, 26 wegen Ablauf der 4 Monate, 3 wegen Arbeitsunfähigkeit entlasten werden, während 4 der Anstalt entliefen, 5 zu ihren Familien zurückkehrten und 4 von Behörden requirirt wurden. — Ende Juni war der Bestand 918 unoentlaßen wurden während dieses Monats 399. — Nach dem von der Colome Wilhelmsdorf erstatteten Jahresbericht konnten in derselben seit ihrem Bestehen bis 1. Jutt 1885 2999 Eolonisten aufgenommen werden. 1998 derselben sanden durch Vermittelung der Anstalt anderweitig Stellung. Während des Berichtsjahres, wurden 1089 Eolonisten in 94,301 Pflegetagen verpflegt, die Verpflegungskosten für dieselben betragen 88,520 ju, Pro Kopf und Tag also 93,83 An Einnahmen find dagegen nur 5t,<82 zu verzeichnen. Die Deckung dieses Deficits an 30,738 hängt besonders davon ab, ob der nöthige Dünger zu dem 3—4 Fuß umrajoUen Land beschafft werden kann. Ist dies der Fall, dann würde der Arbeitstag (ca. 60,000 waren davon 1-884 gu verzeichnen) minvestens 50 H werth sein und das Deficit wäre gedeckt, andernfalls mutzte mit Aufforsten begonnen werden und der Erttag wäre erst in 50—60 Jahren zu erwarten. An dem Gelingen des Ehaufteebaues, die das Gebirge mit dem Kreise Wiedenbrück verbinden soll und Wilhelmsdorf durchschneidet, liegt die Hoffnung auf eine rationelle, mit nicht übertriebenen Opfern verbundene Bewirthschaftung Wilhelmsdorfs. Tenn hierdurch würde es möglich, Dünger theils von Bielefeld, theils von den Eavallerieställen von Neilhaus ohne übertriebene .Poften zu beschaffen. Das Activ- kapital der Anstalt beträgt 283,940 Jt, die Passiven stellen sich dagen auf 277,445 Jt. Einesteils als Folge der günstigen Wirkung der Eolonie, anderntheils auch der der Verpflegungsstationen — in den westfälischen Kreisen bestehen insgesammt 111 — und in fast allen Kreisen eine erhebliche Abnahme der Bettelei constatirt. Die Abnahme der Zahl der verhafteten Bettler difterirt zwischen 50—85 pEt. — Der Vertbeidlger des Julius Lieske, Herr Dr. Fester, hat, wie die „Fr. Z." schreibt, ein Begnadigungsgesuch für seinen Clienten eingereicht; Lieske selbst hat eine Wiederaufnahme des Beweisverfahrens beantragt. Denn er will von dem geplanten Morde wohl Kenntniß gehabt, ihn qber nicht ausgeführt haben. Er soll den XI)ater und Mitschuldigen genannt haben. Einige der Genannten sollen in Amerika leben, andere nicht aufzufinden sein. — Die neueste Damenmode in Berlin ist der Tyrolerhut mit goldener Schnur und Quaste; dieser Tage zeigte sich das erste Exemplar dieser Gattung unter den Linden und wird jedenfalls bald eifrige Nachfolger finden. Natürlich jodeln die Damen auch und reden alle hübschen Männer mit Du an. Tyrolerhut und Tournüre oder gar — Krinoline, in der That eine recht passende Zusammenstellung! — Ein amerikanischer Zeitungsherausgeber, dem seine Gattin ein neues Pfand der Liebe geschenkt hat, sucht die harten Herzen seiner rückständigen Abonnenten durch folgende gefühlvolle Berufung zu rühren: „Wenn wieder ein Kindlein kommt, um gleich einem Sonnenstrahl das Heim des Herausgebers zu erhellen, gleicht es einem stummen und doch beredten Aufruf an die rückständigen Abonnenten, sofort in die Office der Zeitung zu eilen und nicht nur alle Rückstände, sondern auch noch ein Jahr im Voraus zu bezahlen, als Glückwunsch zu dem bedeutsamen Ereignisse." — Wie viele Dollars der glückliche Vater daraufhin eingenommen bat, davon schweigt die Geschichte. — Das Verkehrswesen der Stadt New-Bork hebt sich von Jahr zu Jahr in eminentem Grade; jetzt wird es zu seinen Pferde- und Hochbahnen noch ein ganzes Netz von Kabelbahnen erhalten, wodurch es ermöglicht werden soll, zu allen Tageszeiten für 5 Cents schnell von einem Ende der Stadt zum andern zu fahren. — Kenntnisse sind oft gefahrbringend. Im Staate Nevada wurde neulich ein Jndianerweib getödtet, weil sic französisch sprechen konnte. Die Indianer glaubten, Französisch sei eine Hexensprache. Bei der Hinrichtung that der eigene Mann des unglücklichen Weibes Henkersdienste. — Damit bei dem Ernst der deutsch - spanischen Frage der Humor nicht zu kurz kommt, erlaubte sich ein ftedeler Herr in Frankenthal dem tatendurstigen General Marmel Salamanca Negrette in Madrid eine Sammlung deutscher Soldatenbilder und Bleisoldaten zur einstweiligen Ansicht zu übersenden. Die Sachen werden dem Herrn hoffentlich viel Freude bereiten. Literarische-. — Falsches Spiel von F. W. Hackländer. Jllustrirt von H. Schlittgcn. (Verlag von C. Krabbe in Stuttgart. Preis 1 *X) Hochwillkommen kann nur ein Heft fein, das Schlittgens Namen neben dem des allbeliebten, allgekannten Erzählers .Hackländer trägt. „Falsches Spiel" ist eine der spannendsten, bestdurchgearbeiteten Novellen Hackländers und kein geringerer als Schlittgen, der elegante, geistreiche Zeichner, hat diese Novelle mit der ihm eigenen pikanten Schärfe illustrirt. Wer auf die graciöse junge Dame des Umschlags erst einen Blick geworfen hat, verschmäht es sicher nicht, sich von dem liebenswürdigen Schlingel auf der ersten Seite Karten legen zu lassen; daß cr's nicht sehr ernsthaft meint, sagt ja der Titel. Heining mit Gascokes. Beim Herannahen der Bedarfszeit erlauben wir uns, unsere aus westphälischen Kohlen gewonnene GaScokes als gutes und besonders reinliches Heizmaterial für Wohnräume, Geschäftslokalitäten und Säle in empfehlende Erinnerung zu bringen. Die Gascokes gewinnen als beliebtes Heizmaterial auch hierorts wie anderwärts immer größere Verbreitung und sind insbesondere ein vorzügliches Heizmaterial für die verschiedenen Constructionen von Füllöfen. Es ist für das gute Brennen der Cokes von besonderer Wichtigkeit, daß dieselben in möglichst gleichmäßiger Größe — Nußgröße — verwendet werden und sind wir durch die Anwendung einer Cokesmühle in den Stand gesetzt, unsere Gascokes in der zweckmäßigsten Größe zerkleinern und liefern zu können. Um einen Versuch mit denselben zu erleichtern, geben wir solche schon in halben Gentnern ab; auch sind wir gerne bereit, in solchen Fällen, wo es gewünscht wird, sachkundige Anleitung zum Heizen mit Cokes zu ertheilen. Da wir bei dem häufigen Zusammentreffen zahlreicher Bestellungen im Winter mitunter nicht alle Aufträge so schnell wie wünschenswerth ausführen können, empfiehlt es sich, uns den betr. Bedarf möglichst zeitig vorher aufzugeben. 6425 Gießener Gaswerk. neu,leicht,solid,elegant, preiswürdig. Abbild, gratis HUloverveln-WllgkN- [6612J J. G. Rumpf, Eis. Hand, Frankfurt a/M. Dr. Gensch, prakt. n. Specialarzt für Bant-, Frauen- u. Geschlechtskrankheiten (Syphilis) etc. Frankfurt a. M. Stiftetr. 22, fr. Aseist. Prof. Ricord*«. Aasw. brieft lO o *Q Q* Allgemeiner Anzeiger. 241. Wanderversammlung des Oberhessischen Bienenzüchter-Vereins. Einladung?n einer Localcomitesitzung Donneistag den 24. Septbr., Abends 6 TJh,r, auf dem Lenz'fcheu Felfenkeller. Tages-Ordnung: Rechnungsablage. Entlastung des Rechners. 6805________________________________ Der Vorsitzende. Von Bremen nach Newyork in ■=■ 9 Tagen — mittels ven neu eingerichteten Dampfern des ^Norddeutschen Ideyd. Zur Beförderung von Auswanderern nach allen Häfen Amerika’s und Australiens zu gleichen Preisen wie an Hafenplätzen hält sich unter Zu- sicherung reeller Bedienung bestens empfohlen 323 Carl Loos, am Kirchenplatz. C. W. Dietz Nachfolger. Strümpfe, Socken, Beinlängen, eigenes Fabrikat, empfiehlt in großer Auswahl Fr. Teipel. NB. Extra Anfertigung resp. Anstricken schnell und billig._______6695 ©■ Hsyer, Mechaniker, Neue Baue Burckhardffches Hau» empfiehlt sich zu Anlagen von 1820 Elect. Haus- und Holel-Telrgraphen, Schellen, Trtephons etc. Für 2 Pfennige entfernt man durch SS. Engeliohann's Tinkalin jeden Zahnschmer, sofort Allein echt zu belieben gegen Einsendung von 1 M. u. 10 H Porto durch den Erfinder S ' W. Gngeliohann, Berlin, Ltndenstratze 20. 4310 Bekanntmachung. Die Lieferung von circa fünfzehn Centner Aepfel und der Bedarf an Kornstroh für das academische Hospital pro 1885/86 soll aus dem Submissionswege vergeben werden. Offerten sind versiegelt, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum 28. September 1885, Nachmittags 4 Uhr, auf dem Verwaltungs- bnreau genannter Anstalt einzureichen. Die Bedingungen liegen daselbst zur Einsicht offen. Gießen, den 22. September 1885. Großh. Verwaltung des acad. Hospitals ____________Keller.________6788 Zur Verdingung der Ausführung -von Fußboden-Dielungen in den Neubauten des Infanterie - Kasernements zu Gießen Loos 1, veranschl. zu 26680 JL 82 H „ 2, „ „ 27887 „ 58 „ ist ein beschränkter Submisstonstermin aus Mittwoch de« 14. Oetober, Vormittags 10 Vr Uhr, in dem Baubureau, Restauration Germania hier, anberaumt. Qualificirte Unternehmer werden hierzu mit dem Bemerken eingeladen, baß die Bedingungen und Kostenanschlagsauszüge in dem Bureau der untengenannten Verwaltung zur Einsichtnahme ausliegen, von wo dieselben gegen Erstattung der Copialienkosten auch in Abschrift bezogen werden können. 6797 Gießen, den 22. September 1885. Großh. Garnison-Verwaltung. Jeitgeöotenes. 6801 Die bekannten und berühmten WafEeln nebst einer guten Tasse Kaffee auf dem WestPhäl. Hof bringe ich dem geehrten Publikum in empfehlende Erinnerung^^___________I. Kautz. 6804 Mehrere vollständige Betten, bestehend aus Sprungfeder-, Rotzhaar- nnd Seegras-Matratzen, werden billig abgegeben bei Jos. Beyfntz, Kirchenplatz 2. 6798 Zwei noch gut erhaltene Kinderwägelchen billig abzugeben. Südanlage 7, Nebenhaus. Iermietyungen. 6792] Möbl. Zimmer zu vermiethen- ___I. Wagner, Grünbergerstraße. 6793 Ein kleines Familicnlogis zu ver- miethen. Georg Heim, Steinstraße 57- 6717J Möblirtes sowie unmöblirtes Zimmer, mit oder ohne Kabinet, zu vermiethen. Lndw. Orth, Neuen Bäue 11. Vermischte Anzeigen. 6806 Unzuverlässige Pferdeknechte gesucht von Heinrich Simon, Neuenweg 32. 6790 2 Schneidergefellen erhalten dauernde Arbeit. Wo? sagt die Exped- d. Bl.___________ Abonnements aus Zeitschriften u. Lieferungswerke, sofort nach Erscheinen ins Haus getragen, nimmt entgegen die 6786 Buchhandlung von Ernst Balser. Reparaturen von Nähmaschinen aller Systeme werden schnell u. gründlich besorgt, auch werden Maschinen leihweise abgegeben. G. 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Das Präsidium: Schiller« Ducken. 6796 Die Dnineii Manlel-FahriK von Seltersweg- ^nd Plock- D strasten-Ecke. JUe Vvllvll Darmstadt: Ernstludwigstraße 9. empfiehlt ihr mit allen ^eubehen der Saison 6784 reichlichst ausgestattetes Lager von den einfachsten bis zu den hochelegantesten Sachen zu 'ONE* sehr billigen aber festen Preisen. Anfertigung nach Maass in kürzester Frist ohne Preisaufschlag mit Garantie für tadellosen Sitz. Hümoglobm-ZeHchen- Wasserlösliches Blntertract, das natürliche Hämoglobin-Eifeneiweitz deS Blutes unverändert enthaltend und frei von den im Blut enthaltenen BbsonderungSstoffcn. Dr. Pfeuffer's Patent 20927. München, den 10. Juli 1884. Die k. Uutersuchungsanstalt bezeugt, daß die von Herrn l)r. Pfeuffer bereiteten und anher zur chemischen Untersuchung überschickten Hämoglobin-Pastillen im Durchschnitt 1,3 Gramm Hämoglobin enthielten und daß dieselben frei sind von für die Ernährung ungeeigneten Bestandtheilen, wie solche im gewöhnlichen Blute als Excrekionsstoffe vorhanden sind- Dr. Nudolf Emmerich. Obige Untersuchung bestätigt: Dr. Max v. Pcttentofer. Dieses vorzügliche Naturheilmittel gegen Blutarmuth und Schwäche empfiehlt für Bleichsüchtige und schwächliche Kinder ganz besonders die Ludwigs-Apotheke, Neuhauserftraße 8, Münzen. Für Wiederverkäufer Rabatt. [6794] (Nachdruck verboten.) Bürger-Club. Sonntag den 27. September Tanz-Unterhaltung im Gastbof zum Einhorn. Anfang 7l/r Uhr. 6791 I Allen Denen, welche meinen lieben Mann zu seiner letzten Ruhestätte begleiteten, sowie für die überaus zahlreichen Blumenspenden spreche ich hiermit meinen tiefgefühlten Dank aus. 0807 Emit Schnecko Wwe. 6770 Ein Dienstmädchen mit guten Zeugnissen gesucht. 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Die M mittels 3**; Ministerium des $ fiammülionen" ‘ Nll!* HmnOwe», ote i rathsmitglieder W Die Th Phler ist eine freu Wir zm auswählen können, bet Zähler wollen 1 Austheilunz und 9 füllnng W W Grohh werden und für d dem AnsMN ^en jultat der Wm Eie' der Zählbezick, i behändigen, damii <5obal AM unb ber g Die bei l>ei Beginn des ®e Nach b< für die Zähler" vo Der Ei Verzeichn Alb« Bürgermeister Balse, mehrer Nanz. Mendorf < Bürgermeister M Bngeordneter Luh, Ü-Hrer Böckner. BürgermchnBicbe Beigeordneter Rein, 1 ^emrinderatbqwi^ KSZ öftrer SW AO