Freitag den 24 Juli ISSA Nr. 169 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint mit «vbnshme M MsntKO». ««reMA t Schukstratze 7. S !V? Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringertstzi» Durch die Bost bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Bf. Politische Uebersicht. Gießen, 23. Juli. Seit Dienstag weilt Kaiser Wilhelm zur Nachkur in Gastein, dem so herrlich in den Vorbergen der Salzburger Alpen und im Dhale der Ache gelegenen Badeorte. Schon seit Jahren pflegt der greise Monarch seine allsommerlichen Badereisen mit dem Aufenthalte in Wildbad Gastein zu beschließen und dieser Gewohnheit ist er somit auch in diesem Jahre treu geblüben- Etwa drei Wochen wird unser Kaiser auf österreichischem Boden weilen, um dann direct nach seiner Sommer-Restvenz Neu-Babelsberg zurück- zukehren und hier die Zeit bis zum Beginn der großen Herbst-Manöver zu verbringen, vorausgesetzt, daß nicht von ärztlicher Seite Bedenken gegen einen längeren Ausenthalt in Neu-Babelsberg wegen der daselbst immer etwas seuchten Lust erhoben werden- Ihren markanten Abschluß wird die Gasteiner Kur Kaiser Wilhelms durch die traditionelle Zusammenkunft zwischen ihm und Kaiser Franz Josef erhalten und welche somit aus's Neue sowohl von der beide Herrscher verbindenden innigen persönlichen Freundschaft, als auch von den fortgesetzt zwischen dem deutschen Reiche und der habsburgischen Doppel-Monarchie odwal- lenden herzlichen Beziehungen Zeugniß ablegen wird. — Ob die Drei-Kaiser- Zusammenkunft von Skierniewice in diesem Jahre eine Wiederholung erfahren wird, steht noch sehr dahin und stnd alle Nachrichten hierüber nur mit Vorsicht aufzunehmen. Auch was die verschiedenen Ankündigungen von einer nahe bevor- stchenden Zusammerkunst des Fürsten Bismarck mit dem Grasen Kalnoky, dem österreichischen Minister des Auswärtigen, anbelangt, so beruhen dieselben vorläufig nur auf Vermuthungen, es ist wahrscheinlich, daß die beiden leitenden Staatsmänner, wie in früheren Jahren, so auch diesmal zusammenkommen werden, um sich über die allgemeine Lage und besonders über das unerquickliche wirthschastliche Verhältniß zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn zu besprechen ; etwas Bestimmtes läßt sich aber hierüber zur Zeit nicht sagen. Die Wahl eines Nachfolgers für den verstorbenen Statthalter der Reichslande, Freiherrn v. Manteuffel, ist auf den deutschen Botschafter in Paris, Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst, gefallen. Es heißt übrigens, daß die amtliche Ernennung aus gewissen Gnaden-Rücksichten erst im Herbst zu erwarten sei. Da Fürst Hohenlohe niemals eine militärische Charge bekleidet hat, so wird der Oberbefehl über das elsaß-lothringische (15.) Armee-CorpS von dem Amt des Statthalters getrennt werden müssen. Man nimmt an, daß der gegenwärtige stellvertretende commandirende General v. Heuduck damit betraut werden würde. — Bereits am Samstag Abend ist der Vicepräsident des Preußischen Staatsministeriums und Minister des Innern v. Puttkamer nach Varzin gereist. Es handelt sich bei dieser Reise wohl hauptsächlich um die Berichterstattung über die verschiedenen Wahrnehmungen, die Herr v. Puttkamer während seiner jüngsten größern Reisen durch preußische Provinzen zu machen Gelegenheit hatte, sowie um Besprechungen über die bevorstehenden Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause. Die Feier des VI. allgemeinen deutschen Turnfestes in Dresden nimmt fortgesetzt den besten und befriedigendsten Verlaus und wird dieselbe von der schönsten Harmonie getragen. Die noch immer fortdauernde Cyrill- und Method-Feier in Welehrad in Mähren will durchaus nicht den Charakter eines großen slavischen Verbrüderungssestes annehmen, welchen Charakter offenbar die Feier nach dem Willen der Arrangeure derselben tragen sollte. Zum Theil ist hieran die im Allgemeinen ablehnende Haltung Schuld, welche die griechisch-katholische Kirche der Welehrad-Feier gegenüber beobachtet, zum Theil verhindern auch die -an dem Wallfahrtsorte ausgetretenen epidemischen Krankheiten ein Zusammenströmen größerer Massen. Eine Saat soll indessen die Feier zeitigen; es ist unter der Aegide Dr. Rieger's, des bekannten Führers der Alt-Czechen, beschlossen worden, ein großes Journal herauszugeben, das in allen slavischen Sprachen geschrieben sein und den Zweck verfolgen soll, „die bestehenden Differenzpunkte zwischen den Slaven zu beseitigen." Schon jetzt stößt indessen das Project in den betheiligten Kreisen auf Widerspruch, und zwar geht derselbe von polnischer Seite aus. Die Krakauer „Resorma" warnt die Polen vor der Theilnahme an dieser Zeitschrift und ihrer Mission, die Einigkeit aller Slaven berbeizuführen. „Denn Diejenigen", fügt das polnische Blatt bei, „von denen diese Losung ausgeht, verstehen leider darunter die Vereinigung sämmtlicher Slaven unter der russischen Knute." Die Verhandlungen der französischen Deputirtenkammer gehen fortgesetzt unter großer Theilnahmlosigkeit des Publikums vor sich, was wohl einerseits der drückenden Hitze, anderseits dem wenig interessanten Material, mit welchem sich die Kammer gegenwärtig beschäftigt, zuzuschreiben ist. Am Montag und Dienstag beschäftigte sie sich mit der Interpellation des Deputirten Ballue, betr. die admission temperaire von Baumwollengarnen, ein für weitere Kreise so ziemlich gleichgültiger Gegenstand. Etwas mehr Interesse dürfte die am Montag in Paris zusammengetretene lateinische Münz-Convention erregen, auf welcher wichtige Interessen der Conventions-Staaten zur Verhandlung gelangen sollen. In den leitenden Pariser Kreisen ist man der Ansicht, daß wenige Sitzungen zur Herbeiführung einer Verständigung genügen werden. Die großen Feuersbrünste in den russischen Städten mehren sich in wirklich auffallender Weise. So haben in Moskau am vergangenen Sonntag in verschiedenen Stadttheilen nicht weniger als fünf Brände stattgefunden. Eine bedeutende Feuersbrunst war namentlich im Rogasch-Viertel, wo äs“ »’Ä**' 2 nt.ttn?in ha'ü- verinlktben. ' ) p- »VW & . gine ui»6’ Men. AS ' ediifletgSiLÜ- -meostieftl (Rothenberger, GeorqNolN J? ?r-1 October s bei Plank. »Frau Staats ewolmte dritte ' «üdanlage 15, Uethen und pr. «♦_-<. JUtz, Sonnenstraße. ,enlogis ver 1- 0c- . auch früher- / Sch/oßgasse 16- m SBorberW M Neuenweg 10- -toä meines hnnses ibtfor perl-August lrnotd Mueller. i «immer in- Eabinet MarM. 9- "5ST" [euftabt 18 zu »er- BahnMroße^. Wettmasse^. Mrdettall u.3W Carl 12 Häuser niedergebrannt sind; der Schaden in dem genannten Stadtviertel allein beträgt über 300,000 Rubel. Vielleicht sind diese häufigen Feuersbrünste mit aus das Conto der gegenwärtigen trockenen Jahreszeit zu setzen, vielleicht hat man es aber auch mit planmäßigen Brandstiftungen einer weitverzweigten Verbrecherbande zu thun; hoffentlich werden die eingeleiteten gerichtlichen Untersuchungen hierüber Näheres ergeben. Auch sonst kommen unerquickliche Nachrichten aus dem Czarenreiche. So gehen aus den Getreide bauenden Gouvernements fortdauernd Meldungen Über unbefriedigende Ernteaussichten ein. Die im Süden begonnene Ernte des Wintergetreides ist eine kann: mittelmäßige; das Sommergetreide mißräth dem Anscheine nach allenthalben; aus Charkow wird das Eintreten von Reaen gemeldet. Die Londoner Nachrichten über den Stand der afghanischen Grenz» frage lauten heute wieder etwas ungünstiger, wenn auch nur ein ganz klein wenig. Der „Daily Telegraph" folgert wenigstens aus einer vom „Standard" gebrachten Behauptung, wonach die numerische Stärke der russischen Truppen am Herirud das stricte Fredensbedürfniß übersteige, daß das Londoner Cabmet Rußland noch um weitere Erklärungen über die Truppenverstärkungen angehen werde. Weiter weiß der „Standard" zu berichten, daß Rußland, obwohl es auf der Position bei Zulfikar bestehe, in Wirklichkeit Merutschak begehre und daß Merutschak, gegen die Anerkennung der Rechte des Emirs von Afghanistan aus.Zulfikar, an Rußland abgetreten werden dürste. Der Besitz von Merutschak ist ein altes Verlangen Rußlands, welches auch in dem jetzigen Stadium der afghanischen Grenzfrage wieder seine Rolle gespielt hat; wenn Rußland aber, wie der Meldung des „Standard" zu entnehmen ist, gesonnen ist, für Merutschak auf Zulfikar zu verzichten, so wäre dies ein Compromiß, dem England, ohne besondere Schwierigkeiten zu machen, seine Zustimmung ertheilen könnte. Darmstadt, 22. Juli. Se. Königs Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: , r . u Am 15. Juli den Hauptsteueramts-Assistenten 1. Klaffe der dem Hauptsteueramte Mainz, Christian v. Gödke, zum Revisions-Controleur, sowie den Hauptsteueramts-Assistenten 2. Klaffe bei dem Hauptsteueramte Darmstadt, Georg Göbel, zum Hauptsteueramts-Assistenten 1. Klaffe, an dems. Tage den Forstaffeffor Ernst Emil Hoffmann aus Darmstadt zum Oberförster der Obersörsterei Ortenberg zu ernennen. ][ Darmstadt, 22. Juli. Das Commando der Großh. (25.) Division Hal, wie ich aus zuverlässiger Quelle vernehme, Befehl gegeben, daß eine strenge Untersuchung eingeleitet werde zum Zwecke der Klarstellung, aus welche Weise in das Barackenlager auf dem Artillerie-Schießplatz bei Gries- heim der Typhus eingeschleppt worden ist. In genanntem Lager cantonni- ren eben die König!. Württembergischen Feld-Artillerie-Regimenter Nr. 13 und Nr. 29, sowie das Fuß-Artillerie-Bataillon Nr. 13, welche zusammen die König!. Württembergische (13.) Artillerie-Brigade unter Commando des Obersten v. Gleich bilden. Kein Tag vergeht nun, daß nicht aus dem genannten Lager am Typhus erkrankte Württemberger hierhergebracht und dem hiesigen Garm- sonS-Lazarelh zur Behandlung übergeben wurden. Vor den Württembergern war bekanntlich das naffauifche Feld-Artillerie-Regiment Nr. 27 aus dem Artillerie- Schießplatz zur Abhaltung feiner Schießübungen gewesen, von welchem Regiment eine Abtheilung in dem vom Typhus heimgesuchten Wiesbaden in Garnison steht. Merkwürdiger Weise ist aber bei dieser nassauischen Abtheilung, solange sie im Griesheimer Lager cantonnirte, kein Typhusfall vorgekommen. Die Abtheilung ist auch nach dem Verlassen des Lagers gar nicht wieder nach Wiesbaden zurückgekehrt, sondern hat in Groß-Gerau und Umgegend Quartier bezogen, während der Stab hier in Darmstadt verblieb. Auch während dieser EinquartirungSzeit ist bei den Nassauern kein Typhussall vorgekommen, die Leute find vielmehr kerngesund. Aus dem Gemeldeten will man den Schluß ziehen, daß das Griesheimer Lager nicht durchfeucht war, als die Württemberger in dasselbe einrückten, daß vielmehr die Schwaben den Typhus aus ihrer Heimath mitgebracht hätten. Die eingeleitete Untersuchung wird darüber Aufklärung bringen. Einstwellen ist eü dem unheimlichen Gaste gegenüber für die Bewohner Darm- stadts eine Beruhigung, daß der trockene Sandboden unserer Residenz der denkbar ungünstigste Boden ist, den eine TyphuS-Epidemie für ihre allgemeinere Verbreitung finden könnte. Auffallend ist, daß von Amtswegen noch keinerlei Mitthellung in die Oeffentlichkeit gebracht worden ist; fie würde von vornherein übertriebenen Darstellungen, an welchen es nun nicht mehr fehlen wird, wrrrfam haben begegnen können. . Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Lorrefpoirdeir^Brrrea«. Gastein, 22. Juli. Der deutsche Kaiser unternahm Abends 6 Uhr, von dem Generallieutenant Lehndorff begleitet, eine einstundlge Spazierfahrt nach Bockltem. Qu Spm beutiaen D)iner war auch General Laval geladen. , $ Treten, 22. Juli. Das officielle Schiedsgericht des Turntestes hat dem ersten Sieger Jen new ein aus Stuttgart einen Kranz und em Diplom »erftetau Weitere Diplome haben Turner aus Frankfurt a. M., Wiesbaden, '..Mannheim, .Nun- »en, «=v9, Ch-mnitz fd)rei6t; ?i Bevölkerung Oesterreichs awödrli!b dem Besuche des Deutschen Kaisers in Gastein nm den ruaTmften uthienWn^ndheß den ehrwürdigen Greio auf dem deutschen «aiertdrane derrlich willkommen Wir alle kennen und Preisen das Freund,chastsband, welches die Herrscher der beiden großen Mchbarrciche und ihre Nationen zum Segen des friede» bedürftigen Welttheils eint und erblicken in der Begegnung der beiden Kaiser, zu welcher die Gasteiner Kur alljährlich Anlaß giebt, stets em erneutes Zeichen d^ser mmgen Wechselbeziehungen. Die herzlichsten ehrfurchtsvollsten Wunsche des osterrelchilchen Volkes begleiten den greisen Kaiser Wilhelm bei 1 einer Kur, der ihr alter Erfolg auch in 1 ejieii^21 be^nbVo°iagt : Der Deutsche Kaiser hat heute den Boden Oesterreichs betreten, um, wie seit Jahren, in der Alpenluft Gasteins Kräftigung und Erfrischung zu finden. Der aufrichtigen Freundschaft, welche bw beiden Kaiserhofe und Reiche segensreich verbindet, gedenkend, begrüßen ote Volker Oesterreich-Ungarns den Monarchen Deutschlands freudig in den Marken ihres Vaterlandes. London, 22. Juli. Die „Mornmgpost" erfahrt, wahrend der letzten Tage habe zwischen Lord Salisbury und dem englischen Botschafter Thornton in Petersburg, sowie zwischen dem hiesigen russischen Botschafter v. Staat und dem Mmstter v. Giero ein unausgesetzter telegraphischer Verkehr stattgefunden die rnssstche Regierung habe neue Vorschläge bezüglich des Streitpunktes m der afghanischen Grenzfrage gemacht London, 22. Juli. Unterhaus. Der Kanzler der Schatzkammer, Hrcks-Beach, theilte mit, daß der Regierung eine officielle Nachricht von dem Tode des Mahdi nicht zugegangen sei. Der letzte Angriff der Aufständischen auf Kassala sei zuruckgefchlagen worden, über den Verlust an Todten bei dem Kampfe fei noch nichts bekannt - Der Cabinetsrath berieth Instructionen für Drummond-Wolff und die letzten aus Petersburg eingegangenen Nachrichten über die.afghamsche Grenzfrage. Madrid, 22. Juli. Die Ministerielle „Correspondencia erklärt, die Nachricht des Standard", wonach Erzherzog Carl Stephan von Oesterreich, Bruder der Königin, in die spanische Marine eintreten und die Schwester des Königs heirathen werde, für durchaiis^unbegrundet.^ ^Eutermeldung.) General Grcnfell telegraphirt aus Assuan: Von Gabra kommende Boten melden, der Mahdi fei am 29. Juni an den Blattern gifioiben. 22. 3^ Die Königin reist demnächst nach Petersburg. Die Kammer nahm das Gesetz, betreffend die Regentschaft Delyannis' während der Abwesenheit des Königsan. Die Kammer beginnt morgen die Budgetberathung. New-Bork, 22. Juli. In dem Befinden des vormaligen Prafldenten Grant ist feit gestern eine Verschlimmerung eingetreten. Pom Dresdener Turnfest- Das Turne« vom IS. Juli (Sonntag). Nachdem der Festzug Mittags 2 Uhr den Festplatz erreicht, wurde den Theil- nehmern eine in Folge der außerordentlich großen Hitze und längeren Zugsdauer als wünschenswerth bezeichnete größere Pause zur Sammlung gelassen und gegen 4 Uhr durch Böllerschüsse das Signal zur Aufstellung gegeben. An den Mit weiß-rothen Fähnchen gekennzeichneten Eingängen sammelten sich die Turner und ordneten sich zu Achterreihen. Stack dem Einmärsche in den Freiübungsraum schlossen sich diese zu 32er Reihen. Hand in Hand und in guter Richtung öffneten sich diese Lmlen allmalig von der Mitte aus zum Abstande und vereinigten sich zu 64er Reihen. Nachdem diese Aufstellung, die in musterhafter Ordnung vor sich ging, beendet war, legten die Turner Kopfbedeckungen und Oberkleider ab. Da inzwischen Se. Majestät der Komg erschienen war, so wurden noch einmal die Kopfbedeckungen ausgenommen und den beiden Majestäten und seinem glänzenden Gefolge ein dreimaliges Gut Heil', mit Hutschwenken gebracht. Gegen 5000 Mann harrten nunmehr des Eommandos. Jede der 16 Freiübungen wurde zunächst einmal im Takte oorgeturnt und zwar von zwei Turnern. Darauf kam jede Uebung zunächst als Haltausführung rhythmisch zur Geltung und wurde dann je nach Ermessen des Oberleiters, des Herrn Semmar- oberlehrers Frohberg, zwei bis vier Mal ausgeführt. Schon die ersten einfachen Hebungen zeigten, daß die Massen in ihren Heimathvereincn wacker geübt hatten, denn es „klappte" Alles, und die unwillkürlichen Ausrufe und Beifallsbezeuaungen der Zn- schauer erkannten dies auch vollauf an. Die Ausfallstellungen in den Hebungen 4 und 5 gaben dem Ganzen ein besonders malerisches Bild. Als jedoch die schwierigeren Hebungen ausgeführt wurden, wie z. B. die elfte mit Seittritt, Vorheben der Arme, Drehen und Vorbeugen des Rumpfes mit Beugen eines Kniees und Kreuzen der Arme auf dem Rücken, da brach ein wahrer Beifallssturm los, denn auch der Laie wurde entzückt von dem anmuthigen Bilde, das sich da den Blicken bot. Ganz besonders wirkte auf die Massen auch noch der Auslagetritt rückwärts im Wechsel mit dem Ausfall nach vorwärts, Vorhochheben und Rückenschwingen der Arme. Auch die Königlichen Majestäten schienen von dem großartigen Anblick der turnenden Masse entzückt und mehrfache Ausrufe der Bewunderung sollen nach Angaben der sich in unmittelbarer Nähe der höchsten Herrschaften Aufhaltenden von den Lippen derselben erklungen sein. - Bei dem Abmarsch, der ebenso wie der Aufmarsch, mit Musikbegleitung erfolgte, schloffen sich die 64er Reihen nach der Mitte zu. Hierdurch wurde eine sogenannte Säulenstellung formirt, die den Eindruck eines großartigen militärischen Schauspiels machte. In musterhafter Ordnung erfolgte der Abmarsch — so schildert der „Dresdener Anzeiger" den Verlauf. Das Musterriegenturnen vom 19. und 20. Juli. Ein wichtiger Theil des Festprogramms — das Musterriegenturnen — gelangte bereits am Festmontage kurz nach 7 Hhr Abends zum Abschluß. Wenn sich bis jetzt die Gesammtzahl der wirklich turnenden Musterriegen noch nicht hat feststellen lassen, da einige derselben aus nicht zu ermittelndem Anlasse fehlten, so dürften doch gegen 270 Riegen (!) an dem Musterriegenturnen sich betbeiligt haben. Das überaus wechselvolle Bild der zumeist mustergiltig ausgeführten Turnübungen hatte schon in den Vormittagsstunden ein zahlreiches Publikum angelockt; in den Nachmittagsstunden aber verdichtete sich dasselbe an den Hmplankungen zu einer Mcnschenmauer. Die wiederholten lebhaften Beifallbezeigungen bekundeten die rege Theilnahme, mit der die Zuschauermenge den Vorführungen folgte. Den einzelnen Riegen war die Aufgabe gestellt, innerhalb 20 Minuten eine geordnete Folge von Hebungen zur Vorstellung zu bringen und da galt es, sich zu sputen, den Kampfrichtern aber erwuchs die Aufgabe, in der nämlichen Zeit nicht nur die Schwierigkeitsstufe, den logischen Aufbau und die Ausführung der einzelnen Hebungen, sondern auch die turnsprachliche Benennung derselben, das Verhalten des Vorturners hinsichtlich der Leitung seiner Riege, sowie das Verhalten der Riege selbst im Kommen und Gehen, desgleichen während des Turnens und andere Aeußerlichkeiten einer Beurtheilung zu unterziehen — eine Arbeit, die einen kundigen Blick und ein sicheres Hrtheil voraussetzen. Im Allgemeinen stimmen die Ansichten aller Sachverständigen darin überein, daß das Musterriegenturnen des sechsten deutschen Turnfestes einen glänzenden Verlauf genommen hat. Allenthalben war im An- und Abmarsch, sowie in dem gesammten äußeren Verhalten der Turnenden eine musterhafte Ordnung zu bemerken. Die fast durchgehends in logischer Folge geordneten und mit turnerischem Geschmack ausgewählten Hebungen wurden mit geringer Ausnahme sicher und elegant ausgeführt und ließen erkennen, mit welchem Fleiße man in der Heimath vorgearbeitet hatte. Nimmt man hinzu den imposanten und vortrefflich organifirten Apparat des Kampfrichter- Collegiums, dem die Beurtheilung der zahlreichen Riegen oblag, die vorzüglich äußere Anordnung in der Aufstellung der Geräthe n. s.w., so gibt dies einen Gesammleindruck, der das oben ausgesprochene Hrtheil als gerechtfertigt erscheinen läßt. Als einen Fortschritt auf dem Gebiete des Musterriegcnturnens müssen wir es bezeichnen, daß nicht nur die elastische Jugend mit ihren Gipfelübungen excellirte; auch das auf der Sonnenhöhe des Lebens stehende Mannesalter hatte zu diesem Turnen zahlreiche Vertreter gesendet. Wenn wir mit Rücksicht auf Zeit und Raum, die uns hierbei zur Verfügung stehen, auf die Wiedergabe von Einzelheiten verzichten müssen, so vermögen wir die doch gezogene Schranke nicht allenthalben einzuhalten. Wir möchten nämlich jenen „alten Herren" unseren wärmsten Tank aussprechen, die es über sich vermochten, mit ihren „Nichtumsturzübungen" an die große Oeffentlichkeit zu treten. Mag auch das Auge des Kritikers Mängel verschiedener Art entdeckt haben, wir kennen nur das eine Hrtheil: Erst durch die Betheiligung der Altersriegen an unserem Musterriegen turnen ist der Festturnplatz zu einem Turnplätze geworden, auf welchem thatsächlich gezeigt wird, was die Gesammthcit und nicht ein geringer Bruchtheil der deutschen Turnerschaft kann und will. Uni) so seien denn, ohne damit einzelnen Turnern, unter denen wir manch wackern Kämpen aus alter Zeit gewahrten, ober ganzen Riegen nahe treten zu wollen, u. A. die Altersricgen Baum-Rostock, Fleischmann-Berlin, Bothke-Thorn unb- Rühle-Stettin genannt, die an Pferd, bez. schräger Leiter und Barren ihre einsacken Leistungen zeigten. Ten Vogel aber dürfte die Altersriege Böttcher-Görlitz abgeschossen haben, in der nur „Jungens" von den Sechszigern aufwärts Aufnahme gefunden hatten. Waren cs auch nur einfache Freiübungen, die der „alle Böttcher rüstig vorzeigte und stramm leitete, so veranschaulichten sie doch ein ehrliches^tuck Arbeit, dazu angethan, vor allem den Unterleib in geordneter Thatigkeit zu erhalten. Das Turnen dieser Jünglinge im schneeigen Weiß Der Haare hatte eiii^ zahlreiches Auditorium herbeigelockt, das die schlichten Vorführungen an ihrem Schlüsse mit schallendem Beifalle lohnte. Vater Böttcher aber wurde, nachdem er put lemem Häuflein Getreuer das Lied: „Deutschland, Deutschland über Alles 2c." gesungen und damit die ganze Vorführung zu einer erhebenden Feier gestaltet hatte, unter allgemeinem Jubel auf kräftigen Turnerschultern rittlings zur Freiübungstribüne zurückgetragen. Und so denn „Auf Wiedersehen!" Ihr wackeren Alten und nicht minder ^Hi7 lieben Jungen, die Ihr so gleichgestimmt den Ton im Dreiklange unseres Festes: Frciübungs-, Musterriegen- und Wettturnen — getroffen habt, auf Wiedersehen beim nächsten Deutschen Turnfeste! (Festztg.) Ein Zocialistenbegriibniß (Don unserem Frankfurter Correspondenten.) 0. K. Frankfurt a. M., 23. Juli. Es war gegen 9 Hhr früh am gestrigen Tage, als sich vor Dem in der Stiftstraße belegencn Bürgerstift einige hundert schwarzgekleidete Männer versammelten, von denen ein jeder ein rothes Blümchen im Knopfloch trug. Gleichzeitig fanden sich viele Schutzleute dort ein, besetzten zum Theil das Bürgerstift, zum Theil aber auch poftirren sie sich in den nächstgelegenen Straßen. Der Socialist Hugo Hiller war am Montag dort gestorben und zu fernem Leichenbegängniß fanden sich die vielen Parteigenossen ein, zugleich aber auch — um etwaigen Demonstrationen vorzubeugen — die zahlreichen Polizeimannschaften. Schon jetzt bemerkten wir Kränze mit rothen Schleifen bei den Leidtragenden. Als eine größere Anzahl derselben in das Bürgerstift eintreten wollte, wurden sie zurückgewiesen; schon bei dieser Gelegenheit machte sich eine ziemliche Erregung unter den anwesenden Socialisten bemerkbar. Endlich wurde der Sarg heruntergetragen, der Zug fonnirte sich und zog dem Friedhöfe zu; unterwegs, in der Nähe des Friedhofs, begegneten ihm eine größere Anzahl Schutzleute, die ihm bis an die Gruft das Geleite gaben, während eine Anzahl berittener Schutzleute vor dem Portal des Friedhofs Aufstellung nahm. Der Sarg wurde in die Gruft gesenkt und der überwachende Commissar Meyer theilte den Anwesenden eine Verordnung des Polizeipräsidiums mit, laut welcher Reden und jegliche Demonstrationen zu unterlassen sei. Namens der Frankfurter Socialisten trat nun Herr Füllgrabe vor und — ungeachtet der Ermahnung des Commissars — Hub er, eine rothe Schleife in der Hand haltend, zu reden an. „Hochverehrte Versammlung —" Der Polizeicommissar fällt ihm in's Wort und Füllgrabe legt mit den Worten: „Im Namen der Frankfurter Genossen lege ich diese Schleife auf das Grab unseres Freundes", dieselbe auf den Sarg nieder. Es folgten alsdann Kränze von Höchst, Mainz und Hanau nut kurzen bezüglichen Worten, sowie eine Schleife der Frankfurter socialdemokratischen Frauen. Es trat alsdann Der MainzerSocialist Herr Leyendeckcr vor. Aiick er hielt eine rothe Schleife in der Hand und begann eine Rede, in welcher er den Verstorbenen als einen Kämpfer der Freiheit darstellte. ~ r Der Commissar forderte auf Grund des § 9 des Socialistengcsetzes numyehr die Versammelten auf, auseinanderzugehen und den Friedhof zu verlassen. Da dieser Aufforderung nicht sofort stattgegeben wurde, Leyendecker vielmehr in seiner Rede nut den Worten fortfuhr: „Diese Schleife gebe ich Dir als ein Zeichen der Freiheit", wendete sich der Commissarius nach noch zweimal wiederholter Aufforderung zu seinen Beamten mit dem Befehl, „die Anwesenden mit der Waffe auseinanderzutreiben". 60 Schutzleute zogen blank und drangen auf die Socialisten ein. Eine Scene allgemeiner Verwirrung trat ein, scharfe Hiebe fielen und vereinzelte Schmerzensschreie bewiesen, daß Verwundungen stattgefunden. Einen besonders schrecklichen Eindruck machte es, als Mehrere, von den vocdringenden Polizisten gedrängt, in das noch offene Grab stürzten. . Die ganze Versammlung, etwa 1000 Leute, mußte auf ihrem Ruckzuge cm Seitenportal benützen, vor welchem, wie bereits oben erwähnt, die berittenen Schutzleute Posto gefaßt hatten. Diese, wahrscheinlich im Glauben, die Socialisten hätten sich widersetzt, empfingen die in wilder Panik hinausströmende Menge ebenfalls mit scharfen Säbelhieben und auch hier gab es Verwundete. Es sollen im Ganzen 50 Personen theils mehr, theils minder schwer verletzt worden sein, darunter mehrere Frauen und Kinder. Am Eingang zum Portale fand man, der „Franks. Ztg." zufolge, einen Mann Namens Schubli, der in der linken Seite heftig blutete. Seine Parteigenossen trugen ihn hinweg und er verlor alsbald die Besinnung. Schreiner Lorenz Merz ist am rechten Arm verwundet, Arbeiter Friedrich Brünner hat einen Hieb über die linke Hand erhalten, der Arbeiter Wilmuths einen Säbelhieb über den Rücken, Dippel aus Bockenheim wurde leicht am Kopfe verletzt. Eine Frau Kayser bekam in Folge des- ausgestandenen Schreckens die Krämpfe. Die Namen der übrigen Verwundeten sind zur Zeit noch nickt bekannt. Nach amtlicher Mittheilung soll der Commissar seinen Beamten bemerkt haben,, besonnen zu bleiben und nur da mit der Waffe vorzugehen, wo sie Widerstand fanden. Der Frankfurter Reichstagsabgeorduete Sabor war anwesend und hat beim König!. Polizeipräsidium eine Beschwerde wegen der geschilderten Vorgänge eingereicht. Die Erbitterung in den Kreisen der Socialisten ist eine hochgradige; eine große Erregung hat sich der gamen Bevölkerung mitgctheilt. . Wir wollen vorerst ununtersucht lassen, wem die Schuld des blutigen Ereignisses zuzumessen sei, indem wir uns der Hoffnung hingeben, daß eine Hntersuchung desselben baldigst diese Frage löse. Ä L t m . rr . c Jedenfalls ist es tief zu beklagen, daß sich der turbulente Vorfall gerade auf dem Friedhöfe abfpiclen mußte, auf der geweihten Ruhestätte der Dahingeschiedenen, welche gewißlich vor solchen Demonstrationen politischen Charakters bewahrt bleiben sollte, die in ihren Details allzu lebhaft an die „Schlacht" erinnern, die erst kürzlich auf dem Montmartre in Paris aus Anlaß einer Anarchistenbeerdigung stattfand. L o k a l e G. Gießt«, 23. Juli. sSterblichkeit in Gießen.) Die Zahl der Todesfälle steigerte sich in der Woche vom 12. bis 18. Juli bis auf 10. Es wurden 6 Erwachsene und 4 Kinder betroffen. Von letzteren starben 2 noch im ersten Lebensjahre au Krämpfen, von 2 schon etwas älteren starb eins an Lungenschwindsucht, eins an Masern. Bei den erwachsenen Personen war Todesursache : Krebs, Lungenschwindsucht je zweimal, organische Herzkrankheit, Leberentzündung je einmal. — Von Seiten unserer Samtätspolizei wurde heute Vormittag Revision des auf dem Marktplatze zum Verkauf ausgebotenen Obstes vorgenommen und hierbei 6 Körbe voll als unreif confiScirt. Vermischtes. Darmstadt, 21. Juli. Zu der am 23. d. M. in der Wippenheimer Kirchspielskirche auf der Insel Wight stattfindenden Vermählung Ihrer König!. Hoheit der Prinzessin Beatrice von England mit dem Prinzen Heinrich von Battenberg werden bereits die umfassendsten Vorkehrungen getroffen. Die prachtvolle Ausstattung der Prinzessin ist bereits fertig und an Hockzeitsgeschenken ist schon eine solche Menge an- gekündigt, daß zur Ausnahme derselben ein großer Saal hergerichtet wird. Der Hochzeitstag wird von den Bewohnern der Insel als ein Feiertag begangen und der ganze von dem Brautzug zu passirende, etwa anderthulb englische Meilen lange Weg von dem Schlosse nach der Kirche mit Fahnen, Kränzen und Guirlanden aufs Prächtigste geschmückt werden. Der Zug wird auf Wunsch der Königin so eingerichtet werden, daß so viele Leute als möglich denselbm sehen können. An dem Hochzeitsmahle werden 202 Gäste theilnehmen, von denen 40 Mitglieder regierender Häuser Europas sein werden. Der Erzbischof von Canterbury, assistirt von dem Bischof von Winchester, 8«rttn unt> i ein tBfiu.I'S't bätigfeit,?ß.W hatte tin t?r ’lt,n- ihrem hd-m er mit eß 2c" nPL ‘ hinein litte,' und tiBS ’Ä: btr W^'äeabtI " Ser Mz- ZtzsZr KGs ■fiw M>, 23. 5U(j °°r dem in L tz.,, eüÄmd?1’' °°» i "8 tabm ,ich oltlc ’ Qber N poftintn LMdlNs-iNM , aber auch I 'uzeimannschaflen ,et*»Seibtragenben. ' Ä1 n,urben f't 1 llld)e Erregung unter ten ihm eine größere n, wahrmd eine An- : mellung nahm. Ter l lmGr Meyer theilte ! ut welcher Neben und llgrabe vor und - rothe Schleife in der legt mit den Worten-, ituf das Grab uniert^ iqu mit kurzen bezüg- atifchen Frauen, er vor. Auch er hielt ler er den Dechordenm üalistengesehes nunmehr iu verlasfen. Da dieser nehr in seiner Rede mit i Zeichen der Freiheit", Aufforderung zu seinen zeinanderzutreiben". iften ein. e fielen unb vereinte ^nen besonders schreck- HoMm gedrörrgt, in aus ihrem Rückzüge ein t. die berittenen Schutz- die Socialisten hätten rde Menge ebenfalls mit s minder schwer verletzt i" zufolge, einen Mann e Parteigenossen trugen ien hieb über die lmke den Rucken, Dippel aus yfer bekam in do/fle iod> E^mt- Beamten bemerkt haben, 2st«it-lstwd I-Nd-". d Lil'beim E MSÄ LZL Die wur^n b ^hre all n ersten eins an ftxewi LU, tt >«rgeii°m«>-" bcm D-k°» von Windsor und dem Canonicus ProKro, wird den Trnuungsact ooll- jieben" Lord Salisbury, Sir M. Hicks-Beach, Slr Richard Lro« . der Earl von. ' ddLleiab (Sir Stafiord Hiortbcotr) , Mr. Gladstone, Lord Granville und andere Miial eder des jetzige» und srüherc» Eabinets werben der Vermahlung beiwohnen. Der Andrang nach der Insel Wight wird vorausuchtlich ungeheuer werden und ,ollen ickon i-tzl Logis kaum noch zu haben sein. Main, 21 Juli. In einem Hause des Licb,rai,enylatzes stürzte sich am e-onnlaa Abend ein Dienstmädchen aus Pcrzweislung (wie man lagt wegen cincS K-Idoerstistes) aus einem Fenster des oberen Stockes aus bic Straße. Schwer verletzt würbe sic aufgehoben unb ist gestern bereits gestorben. Berlin, 18. Juli, lieber bas tragische Ende eines Kunst,chulcrS brr-chle» «uefinc Blätter: Im Präparirsaalc der Kunstakadc>nic an der hiesige» Anatomie de- S M, ein Gestell, aus dein die Leichen in a>i,rechter Stellung hmg-st-llt und die aüsa st eckten Arme derselben durch Hakeu sestgehalten werden so daß der Körper i» sogenannter gekreuzigter Stellung sich befindet. D,e Studnenden der hiesige» Kunstakademie haben wöchentlich zweimal Vorträge an diesen Leichen und werdet, veranlaßt zur Ausbildung des KunstoerständnisteS einzelne Korpcrtheile. namentlich Arn» md « nmüskeln. anatomisch zu präparire,, Ein Schuler der Akadem.e befand sich "r mehreren Wochen noch spät Abends im Sccmaale allein und war damit beschaf- tiflt an dem vor ihm stehenden Leichnam Modellstudien zu machen, als plötzlich em Arm der Leiche ans dem Haken sich losriß, der Oberkörper nach vorn überfiel und die"Hand des Tobten dem jungen Bildhauer in's Gencht schlug. Dieser stieß einen aellenden Schrei aus und stürzte aus dem Saale. Erst nach Stunden gelang es ihm, sich inigermaßen zu beruhigen. Doch hat dieser Vorfall für den jungen Dkann vcr- bänan ßvolle Folgen gehabt. Bald stellten )id) heftige Fiebererscheimmgen ein; der junge Küustler verfiel in ein heftiges Nervenfieber in dem ihm seine Fiebervhantasien den Vorgang aus dem Sccirsaale stets vortplegelten. Vor einigen Tagen ist ei der flHsbi’ien, 16. Juli. Aus dein bei Uslar gelegenen Dorfe Bollensen kommt die Kunde über einen schrecklichen Mord. In der Nacht vom^rettag den 10. auf Samstag den 11. d. M. wurde ein erst seit einigen Tagen von Magdeburg zur Auf- stelluug der Maschinen auf der Zuckerfabrik Uslar neu angekommener Maichinenbauer, Vater von 4 Kindern, welcher sich iu dem Gasthause des Wirthes Schlose m !Lollensen eiulogirt hatte, von Letzterem durch 5Mesjerstiche in Kops und Brust ermordet. Nach vollbrachter Thal lud der Mörder noch den Leichnam aus einen Karren und legte ihn aus die Schienen der in der Nähe befindlichen Eisenbahn nieder, um ihn ubersahren m lasten imd so den Verdacht eines Selbstmordes zu erwecken; hierbei wurde er redoch bemerkt, kam schon am folgenden ^Tage in Untersuchungshaft und hat dort bereite em Geständniß über diese scheußliche That abgelegt. - Eine neue Variation zu den vier k' der Turner ist m den Kreisen der Dresdener Turner entstanden und wird dort in Aussicht auf em frohes Turnfest ge- 0 So frei wie die Spatzen in Dresdens Revier, So frisch wie des Elbstromes Wellen, So fromm wie der Wunsch aus ein freies Quartier, So froh wie die Dresdner, die Hellen — So frisch und froh, so fromm und frei Sei uns're Dresdener Turnerei. e die Anmeldungen von Freiguartieren nur sehr spärlich eingegangen find und deßhalb die meisten Wünsche betreffs eines Freiquartiers „fromme bleiben müssen, und daß sich die Sachsen mit Vorliebe als „hell", das heißt klug, erleuchtet, bezeichnen, muß man wissen, um die Pointen der S-trophe zu verstehen. — Hm Kampf gegen die „Tournüre".j Aus Stuttgart wird geschrieben: Ein komischer Zwischenfall, der sich kürzlich ans der Königsstraße absprelte gibt heute noch in verschiedenen Kreisen reichen Stoss zum Lachen. Em Herr in ^agercostum schritt gravitätisch die Straßen entlang, der unter den Hinteren Nockflügeln eme ^-r our- nüre" trug, wie sie gegenwärtig bei der Damenwelt modern ist. Eme bedeutende Menschenmenge hatte sich um den Spötter versammelt; die Herren lachten über diesen Mummenscherz und riefen Bravo, während die Damen mit lauten Zurufen ihrer fotzen Entrüstung Worte verliehen. Schließlich mischte sich ein Schutzmann in die ^ache, wohl wegen des immer größer werdenden Auflaufes, und fragte den Herrn, wie er zu dieser absonderlichen Tracht komme, welche so viel Aufsehen und ui roeibjidjen Kreisen großen Anstoß errege. Der Herr erwiderte jedoch kurz, er könne sich tragen wie er wolle, diese Tracht sei ja, wie man bei den umstehenden Damen Men könne, zur Zett modern und er verbitte sich deßhalb jede Einnnschung. Der Schuhmann sah.wohl ein, daß der Mann Recht hatte und ließ ihn deßhalb ungehindert während der Scandal weiter ging. Als aber eine Dame nut g^ßer Tournure in einer Nähe in die Worte ausbrach: „Wie abscheulich!" drehte sich der Herr nach ihr um und erklärte allen Ernstes: „Gerade von Ihnen habe ich die Mode ab- sicguckt!" und schritt dann, stolz wie ein Fürst ob des gelungenen Scherzes, die SUa6-U«ad)"ftcl)cnbe 2Brangel=@efdbid)te wirb bcm ..B T." von einem Ange»- unb Ohrenzeugen verbürgt: Im Jahre 1853 fand tir Bernstadt m Schlesien eme militärische Hebung statt und Wrangel wurde zu derselben erwartet. Als oer brummte Tag herangekommen war, that Jeder nach Kräften seine Schrildigkett, daß Wrangel sich belobigend über die Leistungen der Truppen aussprach. Schließlich sand ein Aus- einanderzichen des Bataillons statt, die Offiziere, Unteroffiziere rc. mußten sich m Reiben aufstellen und Exeellenz trat an Einzelne heran und beehrte ste mit verschiedenen Fragen. So trat Wrangel an einen Vicefeldwebel heran und zwischen Beldeir entspann sich folgender lakonischer Dialog: „Wie heißen Sie -"' — „Hermann H.» ^cellenz. # Was sind Sie in Ihren Civiloerhältnifsen?" — „Kammergerichts-Referendar, Excellenz. ^ „Haben Sie auch Schulen besucht?" - „Zu Befehl, Excellenz," - Das mach Ihnen alle Ehre!" Damit klopfte Wrangel dem Vicefeldwebel die Backe und schritt dann zu einer anderen Abtheilung. — Bettzeug aus Papier wird setzt von einer New-Jerseyer Firma Jabunrt verwendet dazu Manilapapier bester Qualität. Eine Garnitur, d. h. Kisten und Decken solchen Bettzeuges, wird zu 75 Cents (etwa 3 Mark) verkauft. Dasselbe soll, so sonderbar das auch klingt, sehr haltbar sein und sich, wenn es eingeschrumpft ist, mit einem heißen Bügeleisen glätte» lasten. Die einzelnen Stücke sind mit hübschen Figuren verziert. .... < — Tas Münckener Hofbräuhaus soll ein wenig inodernisirt werden — eine Nachricht, welche alle Welt interessirt, für München selbst aber solche Bedeutung hat, daß das erste dortige Blatt in einer Weise davon spricht, wie sonst bei politischen Nachrichten ersten Ranges. „In gut unterrichteten Kreisen spricht man davon" — heißt es in dem Blatte — „daß vom nächsten Jahre an die Schänke des Hosbrauhaus- kellers in das Haus rückwärts nach dem Garten zu verlegt und das Schankhäuschen weggerissen werde, so daß eine weitere Adoptirung von Grundflächen projcctirt ist." Also die Schänke soll fallen, wo alltäglich Tauscndc ihren Maßkrug gefüllt und ihn stehend ausgetrunken haben, wenn sie keinen Sessel oder kein leeres Faß mehr erwischen konnten. Gewiß will man den Trinkern die Sache jetzt bequemer machen, aber sie werden cs doch nur mit dem größten Schmerze hinnehmen, daß die alte, bicrtuftende Schankhalle, an die sie so sehr gewöhnt sind, fallen soll. In solchen Dingen sind alle biertrinkenden Völker sehr conservativ. — sPolirte Daincn.j Wenn die sashionable Damenwelt Nemyorks große Toilette macht, um auf einem Balle ober bei ähnlichem Anlaß zu paradiren, werden vorher Arme und Büste „polirt". Der Modus operandi des Polirens ist folgender: Zuerst werden Arme und Büste mit Rosenwasser gewaschen und nachdem dies recht gründlich geschehen, mit Eold-Eream eingerieben, das etwa 15 Minuten darauf liegen bleibt. Nach dieser Zeit wird letzteres mit einem ganz feinen Flanelllappen wieder abgerieben und Arme wie Büste mit „Baby"-Pudcr bestreut, der wieder gründlichst eingeriebcn wird. Ist dies geschehen, so sieht die Haut polirtem Marmor ähnlich und scheint von wunderbar feiner Structur. — Auf die in Nr. 194 der „Köln. Ztg." gestellte Anfrage über die „hessische Fliege" (auch in 166 unseres Blattes übergegangen) sendet genanntem Blatte Herr Consul Dr. Ochsenius von Marburg folgende nähere Auskunft: B. Wagner in Fulda hat 1861 in einer vortrefflichen Monographie des Weizenverwüsters, Getreide- Gallmücke, fälschlich Hessen-Fliege genannt (Cecidomyia destructis Say), nachgewiesen, daß das Jnsect schon vor der Ankunft hessischer Truppen in "Nordamerika einheimisch gewesen sein muß, daß aber seine Verwüstungen in größerem Maßstabe erst zufällig gleich nach jener Ankunft sich bemerklich machten. Wagner sagt dann S. 34 seiner Abhandlung: „Die Verbreitung des Weizenverwüstcrs läßt sich rückwärts bis zum Orient verfolgen; von da siedelte sich das Jnsect zunächst ans den Inseln und in den Ländern an der südeuropäischen Küste an und gelangte dann einerseits durch Verschleppung nach Nordamerika, andererseits durch successivcs Vordringen immer weiter nach Norden." Jli einer späteren Arbeit über Getreide-Gallmücken (etettmer Entomologische Heilung 1866, S. 182-186) führt Wagner auch Gegenmittel an, neuerdings scheint aber die in der „Köln. Ztg.", Jahrgang 1877 (Nr. 136, 1. Bl.) angegebene Verwendung von Staßfurter Kalioüngersalzen sich erfolgreich gezeigt zu hvben. sAn der letztgenannten Stelle führt ein landwirthschaftlicher Berichterstatter zur Verheerung der Auguillulen, der „Wurmkrankheit", wie die Bauern sie zu nennen pflegen, folgendes an: „Ich kam aus den Gedanken, Düngesalz gegen diesen Wurm, welcher das Salzige nicht würde ertragen können, anzuwcnden. Es scheint mir, daß das Salz auf den Wurm die stärkste Wirkung ausüben würde, wenn die Ackerstucke leer seien und beackert wurden, und das Jnsect sonst keine Nahrung an Pflanzen habe. Ich ließ nun auf gedachtes Ackerstück über 11 Gentner Düngesalz streuen und untereggen und gab ui diesem Salz nachher bei der Einsaat noch den vollständigen Dünger. Seitdem dies geschehen, habe ich keine Fehlsaat und keine Fehlernte mehr auf dieser Parzelle gehabt. Wenn ich Verdacht schöpfte, daß Ackerstücke Wurm in sich bargen, wenn die junge Saat sich fegte oder wegging, so wandte ich das Salz in vorstehend beschriebener Weise dagegen an und immer mit Erfolg. An Stelle des Düngesalzes brauchte ich später Viehsalz; in der ersten Zeit 4 bis 5 Gentner auf den Morgen; nachher, wenn nicht mehr so viel nöthig war, weniger. Mehrere Landwirthe sind dem Beispiele gefolgt.]_ Tübinger ®tut)ent hatte eine von mehreren „Landesvätern" durchstochene Mütze in die Fer'ien ins Elternhaus mitgebracht. Eines Tages traf er feine Schwester am Arbeitstisch, die eben daran war, diese Löcher, von deren heiliger Bedeutung sie natürlich keine Ahnung hatte, zuzunähen. Er riß ihr die Astitze aus der Hand mit den Worten: „Um Gotteswillen, was willst Du denn da machen/ Das fuib jn Landesoöter, die darf man nicht zunähen!" Man denke sich das verblüffte Gesicht der Guten als sie erfuhr, daß diese Löcher Landesväter seien. Derselbe Freund brachte aber in den nächsten Ferien auch ein Paar zerrissene Beinkleider mit und als seine Mutter sich hinsetzte, um dieselben aiiszubefsern, rief die Schwester, die das bemerkte, ihr zu: „Um Gottcswillen, Mutter, da darfst Tu nichts dran nahen, das sind Landes- vätcr!" - Gewiß ein deutlicher Beweis für den Landesvater als Mysterium. Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 23. Juli, zwischen 11 «nd 12 Uhr Mittags. Wasser 16*, Luft im Schatten 15«. L. Ehr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer. Handel und Verkehr. Limburg, 22. Juli. Rother Weizen 164)5, weißer Weizen 00 00 Korn X 11.60 alt, 10.50 neu, Gerste JL 9.60, Hafer JL 7.d0, Kartoffeln ä 100 Pfund JL 0.00, Erbsen ä 100 Pfund JL 00.00. Frankfurt, 22. Juli. Auf dem heuttgen Martt kostete der Centner Heu JC. 2.25-3.10, Stroh JL 2.00—2.50, Eier das Hundert 5 00—6.00, butter L Qualität JL 0.80, 2. Qualität JL 1.20, Kartoffeln per Malter M Kohlrabi 3-5 H pr. St., Erbsen 50 Kg. 6.00-8.00 ^L, Rothkraut Pr.©L 25-00^, Huhn JL 2.00—2.50, 1 Ente JL 2.50—3.00, 1 Taube 60—00 H, Hahn X 1.60—2.00, Gans v* 5-10.00, Welsche X 4.00-7.00. ____________ Akrhksßsche Eisekballuen. Die Lieferung von 12500 lkiesern» schwellen soll vergeben werden- Die Bedingungen können bei unserer Magazins- verwaltung dahier, desgleichen auf dem Bureau des Großherzoglichen Eisenbahnbaumeisters zu Alsfeld eingesehen, auch gegen franfirte Einsendung von 20 H pro Exemplar durch unsere Kanzlei bezogen werden. Liefernngsangebote sind versiegelt und mit bezüglicher Aufschrift versehen bis zum 31. do. Mts. dahier einzureichen. Gießen, den 21. Juli 1885. 5360 Großherzogliche Direktion- Jeilgeöolenes. Patent-Rouleaux-Stangen, Kisten und Koffer empfiehlt JLouis Lony, 5204 Marktstraße 23. Allgemeiner Anzeiger. Ernst Balser. Öfen und Herde in verschiedenen Farben und Größen, umzugshalber billigst zu verkaufen bei Georg Stadler, Porzellanosensetzer, Neuen Baue 17. per Stuck Mk. sinv in der Expedition des „Gießener Anzeiger" zu haben. — (Ziehung: am 27. August 1885.) Freitag den 24. Juli, Nachmittags 2 Uhr: Fortsetzung -er Versteigerung des Nachlasses des Herrn Justizrath Elwert, im Bott'schen Hause, TrtterAlveg Sl# und kommen die Weingläser, Karaffen, eingemachten Früchte, Stubenteppiche, Fenstermäntel und Vorhänge, Eckbretter mit drill. Stickereien, Stickereien u. s. Gegenstände zur Versteigerung.---------------. Hungener landmrthschaMche roosc '----; ■ T 5324 Mehrere neue efhegcnpopier, Meißener PorMan- Peroamenlpapier1 bester Verschluß für Einmachgläser, empfiehlt 5347 Zwiebelkuchen Montag, Mittwoch und Freitag, Margens v»n 9 Ühr an. Fr. Hennings, 5113 Seltersweg. Louis Lony Marktstraße 23 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Küchen- und Haushaltartikeln, Korbwaaren, Bürsten & Küserwaaren. Reparaturen an Küserwaaren werden gut ausgesührt. 5203 Gute neue Kartoffeln werben verkauft- Kaplansgasse 5. [5287 Lebendfr. Weser-Salm, „ Seezungen, Neue holl. Vollhäringe, Feinste Matje-Häringe, Brabanter Sardellen, pr. Pfd 1.20, ff. geräucb Nhein-Lachs, pr. Psd