b. Zweites Blatt Sonntag den 24. Mai 488» Mr. 119 NreiO vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshu. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. N Erscheint tKglich mit »«Snahme des MontOS». V«re«rr Schulstraße 7. iige. (L. S.) a ist. Zeller, ■ Steuerkapital. Einkommen. weniger als 300 Jt B. 300 bis weniger als 400 ff !'MK Klaffe. A. len 24. Mai, use (Sonnen- 3899 Darmstadt, 18. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 11 enthält: Das Gesetz, die Gemeinde-Umlagen betreffend. Ludwig IV. von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein 2C. rc. t Wir haben mit Zustimmung Unserer getreuen Stande verordnet und ver- Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Großherzoglichen Siegels. Darmstadt, den 13. Mai 1885. hiermit an iebe Tochter H sicher- tetnjetttgt« f i [jätet ,i-v-th-ltA n neuen W* * ordnen hiermit, wie folgt: Art. 1. Die directen Gemeindesteuern (Gemeinde-Umlagen) werden auf Grund der für die directen Staatssteuern gebildeten Steuerkapitalien und nach Maßgabe der in diesem Gesetz enthaltenen besonderen Bestimmungen ausgeschlagen. Hiernach werden die Grund- und Gewerbe-Steuerkapitalien am Ort der belegenen Sache, bezw. des Gewerbebetriebs, die Kapitalrenten- und Einkommen-Steuerkapitalien am Wohnorte des Steuerpflichtigen besteuert. Hinsichtlich de» Einkommen-Steuerkapitals inländischer Privateisenbahn- Gesellschaften findet eine Vertheilung auf die einzelnen beteiligten Gemeinden, bezw. Gemarkungen im Verhältnß der Summen der am einzelnen Ort der Gesellschaft zur Last gestellten Grund- und Gewerbe-Steuerkapitalien statt. Angehörige anderer deutscher Staaten oder Reichsausländer, welche nach Art. 1 Alinea 2c und 3b des Gesetzes vom 8. Juli 1884, die allgemeine Einkommensteuer betr., einkommensteuerpflichtig sind, werden an dem Ort oder den Orten, wo der Grundbesitz liegt, der Sch des Gewerbebetriebs oder der Handelsanlage sich befindet, auch nach Maßgabe des ihnen aus diesen Quellen fließenden Einkommens zur Gemeindebesteuerung herangezogen. Die Grund-, Gewerbe- und Kapitalrenten.Steuerkapüaüen kommen in ihrem vollen Betrage, die Einkommen-Steuerkapitalien nur zur Hälfte ihres Be- trages als Gemeinde-Steuerkapital in Ansatz. Art. 2. Wenn in einzelnen Fallen eine Verpflichtung zur Entrichtung von Gemeindesteuer, aber nicht von Staatssteuer besteht und in Folge dessen ein Staatssteuerkapital zur Benutzung beim Ausschlag der Steuer nicht vorhanden 1(1, so wird das Gemeinde-Steuerkapital nach den für die Veranlagung der Staatssteuern erlassenen bezüglichen Vorschriften besonders gebildet. Art. 3. Die nach Art. 35 des Gesetzes vom 8. Juli 1884, die allgemeine Einkommensteuer betr., von der Staalssteuer befreiten Einkommen unter .500 vtL bleiben wie bisher der Gemeindebesteuerung unterworfen. Es findet zu diesem Behuse die Einschätzung der betr. Pflichtigen in nachstehende Einkommens- und Steuerklassen statt: gegeben werden. . Auch diese Steuerkapitalien kommen wie die in Art. 1 genannten Em- Eommen-Steuerkapitalien nur mit der Hälfte ihres Betrags in Ansatz. Art 4 Die Befreiungen, welche das Gesetz vom 8. Juli 1884, die allgemeine Einkommensteuer betr., in Art. 6 bestimmt, haben auch in Bezug auf die Gemeindesteuer, soweit dieselbe aus dem Einkommen beruht, Geltung. Die Bestimmungen im Art. 3 des gegenwärtigen, Gesetzes finden auf Ge- werbsgehülfen und Dienstboten, welche von ihren Prinzipalen oder Dienstherren Wohnung und Kost empfangen, keine Anwendung. Art. 5. In Bezug auf die Erhebung und Erledigung von Reklamationen qeaen die Bildung der Gemeinde-Steuerkapitalien nach Maßgabe der Bestim- tnungen in den Art. 2 und 3 dieses Gesetzes find die bezüglich der Reklama- Lionen gegen die Staatssteuer in den betr. Gesetzen ertheilten Vorschriften maßgebend. Art. 6. Wohnt ein Einkommen-Steuerpflichtiger, bezw. ein Kapitalrenten- Steuerpflichtiger abwechselnd im Laufe des Jahres an verschiedenen Orten des «GroßhsrzogthumS, so wird er mit seinem ganzen in Betracht kommenden Einkommen-, bezw. Kapitalrenten-Steuerkapital an seinem Hauptwohnort zugezogen. Ueber die Frage, welches der Hauptwohnort ist, entscheidet im Falle der Reklamation Seitens des Steuerpflichtigen oder der beteiligten Gemeinden der Pro- vinzialausschuß und, wenn die beteiligten verschiedenen Provinzen^angehören, »ach Anhörung der betr. Provinzialausschüffe das Ministerium des Innern und der Justiz endgültig. Art. 7. Die Bestimmungen dieses Gesetzes treten, soweit sie sich auf die 'Erhebung' der Gemeinde-Umlagen beziehen, mit dem 1. April 1885 in -Wirksamkeit. . „ Von demselben Zeitpunkte an und für die Geltungsdauer des gegenwärtigen Gesetzes sind die Gesetze vom 30. Juni 1827 (Regier.-Blatt Rr. 29) und vom 26. März. 1872 (Regier.-Blatt Rr. 17), den Steuersuß bei außerordent- Achen Steuerausschlägen und Gemeinde-Umlagen betr., aufgehoben und werden, was die Gemeinde-Umlagen anlangt, soweit sich in anderen Gesetzen auf sie Lerusen wird, durch vorstehende Bestimmungen ersetzt. Art. 8. Dieses Gesetz hat nur Wirksamkeit für die Rechnungsjahre 4885/86, 1886/87 und 1887/88, 5 eX io „ (siebener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Niedergang des Deutschthums in Oesterreich s) Je eifriger in jüngster Zeit sich das Bestreben kund giebt, die deutsche Machtsphäre durch Colonisation zu erweitern, um so beschämender ist es für jeden Deutschen^ an der Hand der „Mittheilungen" und „(Korrespondenzen des deutschen Schulvereins" den Rückgang des Deutschthums in dem durch Staatsverträge uns so eng abgeschlossenen^ zur Hälfte deutschen Nachbarstaat Oesterreich zu regiftriren. Mit welchem Muthe rüsten wir uns zu einer Kulturarbeit in fernen Welttheilen, wenn wir 1000 Jahre alte Kolonialgebiete in nächster Nähe unserer Sprache und Sitte entrissen, ja selbst geschlossene deutsche Sprachgebiete mehr und mehr von fremden Nationen infultirt sehen, wie ersteres in Südösterreich, letzteres im Böhmerwalde und Kgerthale der Fall ist. Und all das geschah und geschieht fort und fort unter eifrigster Mitwirkung Der Regierung eines Staats, dessen ganze Machtstellung durch deutsche Kultur und Arbeit- begründet worden — ein Vorgang, der für jedes deutschschlagende Herz ebenso unverständlich, als schmerzensvoll ist, zugleich aber auch die Aufforderung enthält, diesen Schnitt ins eigene Fleisch mit allen gebotenen Mitteln abzuwehren und nach Straften zu heilen, ehe das Schamgefühl versäumter Pflicht auch die Waffe der Nothwehr unserer Hand entwindet. Werfen wir daher zuvor einen Blick auf den in Rede stehenden Kam^Ganz Friaul, Istrien, die Grafschaft Görz uub Krain, d. i. alles Land südlich der Drau bis zur Adria, war uraltes Langobarden- und Vandalenland, wie die noch durchweg deutschen Ortsnamen beweisen, soweit sie nicht nachweislich verwelscht finfr (wie z. B. „Weilen" und „Udine") und stand bis ins späte Mittelalter unter deutschen Grafen- und Adelsgeschlechtern, ist aber jetzt mit Ausnahme ganz weniger Sprachinseln vollständig theils italienisirt, theils slovenisirt und wo es dort noch Deutsche giebt, sind diese in ihrer einstigen Heimath heimathlos, ja oft rechtlos, weil sie von ihren Stammgenossen vergessen und vom Ganzen abgeschnitten, von Welschen und Slaven mehr und mehr überfluthet, in neuester Zeit aber geflissentlich von obenhen entnationalifirt sind. r c . „ t . ,.r, „ Gewiß hält so Mancher, der auf der Sommeringbahn das Adriatische 3)1 eer erreicht, Triest für eine deutsche Stadt, was sie vor 30 Jahren auch noch war, jetzt: aber bekennen sich von den 124,000 Einwohnern etwa nur noch 4000 als Deutsche und bei den Behörden gilt die deutsche Sprache „amtlich" als fremde. Auf der zahlreichen österreichischen Lloydmarine, ihren Hafenstationen, kaufmännischen und Bauanftalten ist die Dienstsprache italienisch und sind Kapitäne, Schiffsleute und Angestellte geborene oder gewordene Italiener. , y .... ,. Es ist vom politischen Standpunkte aus unbegreiflich, warum für die roemgen Italiener dort die ganze Lloydflotte italienisch gemacht und auf diese Weise eint italienische Bevölkerung in und um Triest herangezogen worden, es sei. denn, daß diesem Verfahren dasselbe Prinzip zu Grunde gelegen hat, rote vor 1884 in Ungarn, fremde Nationalitäten auf Kosten der einheimischen zu pousstren, als traute man ven Deutschen in maßgebenden Kreisen nicht, als wären sie der deutschen, Sympathieen für das deutsche Reich verdächtig. c Wie wichtig ist aber gerade dieses Gebiet für SeuWan^ alSfubW Sanbclss pforte nach dem Orient. Ks ist der alte Handelsweg, der im lo. Jahrhundert Ulm, Augsburg, Nürnberg u. a. Städte groß und blühend gemacht und Der in nächster Zeit nach Herstellung der geplanten Eisenbahn über die Tauern die frühere Bedeutung: wieder erlangen wird. Darum muß das von unseren Handelszugen einst zu durcheilende Land seiner alten Sprache nicht entfremdet, sondern ihr erhalten und wo verloren, ihr wiedergewonnen werden. , . . . . a . Sind aber die Küstenstriche italienisirt, so ist das Innere Istriens, sowie Kram slovenisirt. 3u Anfang des Jahres 1883 verfugte Graf Taaffe, daß die slovenische Sprache Amtssprache in Istrien und Krain sei und die Gymnasien, Seminaren und Lehranstalten in Krain, selbst in Krainburg und Laibach, wo die ganze Intelligenz deutsch ist, wurde systematisch den Slovenen übergeben, obgleich bas Völkchen nicht einmal slvvenisch-latcinisch- und griechische Lexika hat und die deutlchen Lehrbücher dazu erst eiligst ins Slovenische übersetzt werden mußten. ..... „ Auch in der ehemaligen rein deutlchen Grafschaft Gorz sind seit Kurzem alle deutschen Mittelschulen slovenisirt, nur in der Hauptstadt M sich das Gymnasium noch leidlich bei deutscher Sprache. Der aus Ungarn durch die Magyaren nach Krain gedrängt- Slovene nennt die Deutschen dort jetzt Eindringlinge und ruft ihnen rm h-ißausstr-b-nd-n Nationalgeftthl zu: „Ihr mutzt Alle hinaus Uns Slovcii-n gehört di- Zukunft, hier und überall!" Und dieier slovenische Taumel wird von der i-tzigen Regierung der sogenannten Versöhnungsära iii maßloser Weise begünstigt und von der katholischen Geistlichkeit fanatifirt. Nachdem man Jahrzehnte hindurch in deittfchc Gemeinden stets nur slovenische Lehrer und Geistliche geschickt, ist nun Istrien und Krain officiell dem Slovcnenthum in aller Form überliefert worden, m Kirche, Schule und Verwaltung und daS kaiserliche Central-Bureau für Statistik in Wien becretirt munter für die deutschen Ortsnamen slovenische, oft in lächerlichster Uebersetzung^^ Slovenen daher schon von einem slovenisch-kroatischen Zukunftsreich träumen arrondiren sie dieses auch bereits durch weiteres Vordringen in die deutsche Steiermark, wo Marburg nur noch äußerlich deutsch erscheint erlich»schon slovenisirt ist und ihre Vorposten bald in Graz stehen werden, ^ordern doch im steiermärker Landtage die wenigen Slovenen schon mit großer Kühnheit die ^rennung bei u" P?ovinz in ,zwei Theile, in ben beutschen unb slovemschen, um nach einem. ^^^^Mlnettlich°steigt^auchUschon in Kärnthen die Zahl ber bie Deutschen in Klagenfurt fühlen bereits bas Anschwellen ber slovemschen Hluth. Ein gleicher, nicht weniger zielbewußter Kampf Wirb im alten deutschen Grenzlande Böhmen, dem Markomanenlande, gekämpft und wem^ stehangesichts^der^^^cherr. Insulte dort gegen deutsche Sprache, Kunst und Wissenschaft und De. schmachvollen Abfalls des dortigen deutschen Adels von ihrem Volksthume das Herz nicht ttampft c c- -7> so L_(■<+ Spr bin und lasse sich, wie der Statthalter KrainH^. der deutsche Freiherr von Winkler im Sommer M3, in die Nationalliste als „von Nation S ov?ne" eintraaen- wir aber fragen: Soll das nun so fortgehen und jeder Versuch, dem Deutschen in Oesterreich wieder zu Recht und Geltung zu verhelfen, nuiu *) Siehe Eorresponbenzblatt des „Allgem. Deutschen Schulvereins", Nr. 4 1884. unb Nr. 1 1885. (*ert ÄH», ^ti|i ;ntree 30 pfg Ludwig. Finger. Weber. r ff - iichl ßfifl omnien- m \ I Vitttcr, C. 400 „ / „ 500 „ 20 „ Die Einschätzung kann jedoch auch in die zunächst ntedrtgere Klaffe ßtfol* >gen, wenn andere, auf die Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen ungünstig einwirkende Verhältnisse zu besonderer Berücksichtigung Anlaß geben. TrM dieser Fall bei einem Steuerpflichtigen der Klaffe A ein, so kann er ganz frei» immer zu vermiet < M dn ?■( fetten unb -uler^SchmMi^, j ttasttgesellÄU zu schwaches Kinrn- uat^MjtoNL ' imationalsME igt die : für immer aufgegeben werden? Noch sitzt die slovenische Tünche auf dem bisher indolenten und von oben gemaßregelten und verschüchterten Deutschen in dünner Lage, noch giebts mitten in der slovenischen Fluth einige kern- und standhafte deutsche Sprachinseln und könnte dem Anschwellen jener Fluth etwa durch Gründung einer "deutschen Universität im deutschen Görz (so gut wie in Czernowitz mitten in der ruthenischen Bukowina) gesteigert und deutsche Sprache und Sitte, als Trägerinnen einer höheren Cultur, zum Heile der Slovenen selbst, erhalten werden. Dazu bedürfte es aber vor Allem einer Neubelebung und Stärkung des nationalen Gefühls in der deutschen Bevölkerung Oesterreichs selbst und dem im Ersticken begriffenen Deutsch- thume die Zuführung neuer Lebenskräfte sowohl durch Sympathiebeweise, als auch durch materielle Unterstützung unsererseits zur Erhaltung und Gründung deutscher Bildungsstätten in den von der eigenen Regierung preisgegebenen Gemeinden. Und solche Bestrebungen stehen nicht mehr vereinzelt da. Seit drei Jahren besteht zu obigem Zweck ein deutscher Schulverein in Berlin mit Zweigvereinen fast in jeder größeren Stadt Deutschlands und mancher deutsche Mann lenkt seinen Sommer- und Ferienausflug in jene von fremder Invasion bedrängten, meist naturschönen deutschen Grenzländer, kräftigt damit in seinen indifferenten Landsleuten das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem großen Volke und erhöht ihren Muth und ihre Ausdauer im aufgenommenen Kampfe. Gehet hin und thut desgleichen! Ich begreife vieles Wunderliche nicht im lieben deutschen Reiche, die mancherlei Reservat- und Standesrechte, die süddeutschen Postmarken, die Socialdemokraten, Welfen und Elsässer nicht, viel weniger aber verstehe ich's, daß es noch deutsche Männer und Frauen gießt, die nicht zum deutschen Schulverein gehören und sich nicht für deren patriotische Aufgabe begeistern. Darum, wem das Herz dafür noch nicht brennt, der nehme „die Mittheilungen des deutschen Schulvereins in Wien" oder „die Corre- spondenzblätter des Allgemeinen deutschen Schulvereins in Berlin" zur Hand, überzeuge sich von der Schmach, die in ungezählten Orten dem deutschen Namen und der deutschen Volksehre widerfährt und erfülle die ihm so nahe liegende und sich so unabweislich aufdrängende nationale Pflicht! Universität-- Chronik. — Der Privatdocent der Medicin, Dr. Seiffert in Würzburg, wurde von der Pariser medicimschen Akademie auf gefordert, zu der demnächstigen Sitzung nach Paris zu kommen, um daselbst die öffentliche Anerkennung für seine Arbeit „Die Dyphtheritisbehandlung mit Chinolin" entgegenzunehmen. — Dr. Oskar Erdmann ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Breslau ernannt worden. — Der bisherige außerordentliche Professor an der Universität Greifswald, Dr. Friedrich Hermann Traugott Vogt, ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Kiel ernannt worden. vermischtes. Schotten, 17. Mai. Der vom Centralausschuß des Vogelsberger Höhenclubs angenommene Aufseher über die Anlagen im Oberwald fand bei einer heute Nachmittag öorgenommenen Revision die Thür des Häuschens auf dem Hohenrodskopf im zweiten Stock nicht verschlossen, ein Fenster offen stehend, die für freiwillige Beiträge zur Erhaltung der Anlage bestimmte Sammelbüchse aufgebrochen und den Inhalt verschwunden. Der Großherzoglichen Staatsanwaltschaft wurde von dem Vorfälle alsbald Anzeige gemacht. Gundersheim, 18. Mai. Ein heute Mittag um 3 Uhr über unser Dors ziehendes Gewitter versetzte die Bewohner in nicht geringen Schrecken. Der Blitz fuhr mit einem furchtbaren Krache auf den Thurm. Von einer Kante des Thurmdaches ist die Zinkbekleidung abgerissen worden. Obgleich der Strahl seinen Weg im Weiteren durch das Innere des Gebäudes nahm, so blieben doch Glocken und Uhr von dem verheerenden Elemente verschont. Mehrere Balken und Treppen, sowie das Treppenhaus sind stark beschädigt. Von der Uhr ist nur der Draht, welcher den Hammer an der Glocke in Bewegung setzt, total zerschmolzen. Der Blitz verschwand in der Boden- mauer des Thurmes. Da die beiden Schulhäuser in unmittelbarer Nähe des Thurmes stehen, so hätte leicht ein weiteres Unglück geschehen können, zumal die sämmtlichen Schüler, 230, noch in den Schulräumen waren. Pefth, 17. Mai. Dreiundvierzig Mitglieder der hervorragendsten aristokratischen Familien Ungarns schwebten gestern in Todesgefahr, und es ist, so berichtet „Egyetertes", als ein Wunder zu betrachten, daß sie dem Wellentode entrannen. Mehrere Comtessen, Gräfinnen und Grafen aus den Häusern Khuen-Hedervary, Teleki, Andrassy, Zichy, Stubenberg, Karacsonyi, Karolyi, Keglevich, die Fürstin Odescalchi, der französische Consul, der junge Baron Edelsheim - Gyulai und noch viele Andere, im Ganzen 43 Personen, schifften sich gestern Mittag in Siofok auf dem Dampfer „Kisfaludy" ein, um über den Plattensee nach Füred zu fahren, wo der „Stephanie- Verein" eine Regatta abhalten wollte. Der Plattensee war sehr stürmisch; bei der Ausfahrt aus Siofok warfen die haushohen Wellen das Schiff an das Felsenufer, das Schiff erhielt ein großes Leck und begann sofort, kaum 800 Schritte vom Ufer entfernt, zu sinken. Auf dem Schiffe befand sich kein einziger Rettungskahn und die ganze Gesellschaft gab sich bereits für verloren; die Todesangst hatte die Damen halb wahnsinnig gemacht, und verzweiflungsvoll die Hände ringend, liefen sie auf dem Schiffe hin und her. Jetzt ließen die Grafen Franz Nadasdy und Michael Eszterhazy —1 H1 TO । 11ISMWHfllEffl von fünf Zigeunern zum Tanz aufspielen und während die eine Hälfte der Aristokraten mit den berußteren Damen tanzte, arbeitete die andere Hälfte mit wahrer Todesverachtung an der Pumpe, um das massenhaft eindrmgende Wasser auszuschöpfen Durch die Kaltblütigkeit der beiden Grafen gewann die Gesellschaft allmählich ihre Geistesgegenwart zurück und nach fünfstündigem Pumpen gelang es, das Leck zu üer=' stopfen. Das Schiff war gerettet und fuhr, nachdem sich der Sturm gelegt hatte, nach Füred. Die Regatta wurde nicht abgehalten^und die aristokratische Gesellschaft kehrte sofort nach Budapest zurück. Kronprinzessin Stephanie hätte der Regatta ebenfalls beiwohnen und dasselbe Schiff zur Fahrt nach Füred benützen sollen; vorgestern kam jedoch Absage. — Dieser Tage wurde in der Schlußsitzung des Central - Comit^s für die Bismarck-Ehrengabe zu Berlin über das Gesammtergebniß der Sammlungen Mit- theilung gemacht. Es sind eingegangen aus dem Deutschen Reiche 2,562,811,27 vH., aus dem europäischen Auslande 125,061,36 M und aus dem außereuropäischen Auslände 62,176,81 Jt, zusammen 2,750,049,44 vH*. Hierzu kommen noch von dem Verein Bismarck in Berlin 1500 vH*. Bezüglich der ans dem Deutschen Reiche eingegangenen Summe ist angegeben worden, aus welchen Staaten, bezw. preußischen Provinzen dieselben geflossen sind. Den verhältnißmäßig stärksten Beitrag lieferte die eine Provinz bildende Stadt Berlin mit 546,405.80 Ji*, etwas über 21 pCt. der ans dem Deutschen Reiche eingegangeneit Summe, während die Bevölkerung von Berlin nur beiläufig 2,5 pCt. der Bevölkerung des Reiches beträgt. Nach Berlin fallen die verhältnißmäßig höchsten Beträge auf die freien Städte Lübeck, Bremen und Hamburg. Auf 10 Einwohner nach der Zählung von 1880 sind eingegangen in: Berlin 4 JL 85 Hamburg 2 vH* 18 Bremen 1 87 , Lübeck 1 vH* 45 Königreich Sachsen 77 H, Anhalt 75 4, Braunschweig 71 4, Rheinland 70 H, Provinz Sachsen 64 Hessen-Nassau 62 4, Preußen 62 H, beide Reuß 61 Reich 57 4 Sachsen-Altenburg 53 -H, Schlesien 52 Baden 49 Württemberg 43 Sachsen- Weimar 43 Sachfen-Coburg-Gotha 43 Hessen 42 H, Westfalen 42 Pommern 40 Sachsen-Meiningen 39 4, Schleswig-Holstein 34 4, Bayern 32 H, Oldenburg 32 Brandenburg 28 Hannover 27 H, beide Schwarzburg 24 beide Mecklenburg 22 H, Ostpreußen 21 H, beide Lippe 19 4, Westpreußen 18 4/ Posen 18 4 Hohenzollern 16 4, Waldeck 16 4, Elsaß-Lothringen 11 4- — Das schon erwähnte Feuer in Uftrungen bei Nordhausen brach in der Scheune des 'Lehrers ans und verbreitete sich in Folge des heftigen Nordoststurmes rasch über die nächsten mit Stroh gedeckten Bauernhäuser; es legte binnen wenigen Stunden 70 Wohnhäuser (der Ort zählt deren im Ganzen 250) in Asche. Man ver- muthet Brandstiftung. Das Dorf gehört zur Grafschaft Stolberg - Roßla , es zählt 1055 Einwohner, 3 Rittergüter und das Gasthaus „Rother Hirsch". Bei dem Orte befinden sich die Pulverfabriken von Schattenberg, sowie eine Feuerwerkerei und eine Flußspathgrube. Das v. Heeringen'sche Rittergut soll zum Theile mit verbrannt sein. Nach den neuesten Nachrichten ist das Feuer in der Schulscheune, sowie in einem Guts- gepofte, zugleich aufgegangen. Die Zahl der niedergebrannten Gebäulichkeiten beträgt 102 (einschließlich Scheunen, Ställe und Hintergebäude), 28 Bauerngehöfte sind vollständig in Asche gelegt. Kühe, Schweine und Federvieh sind in beträchtlicher Anzahl umgekommen. Der Arbeiter Hornickel ist als muthmaßlicher Brandstifter bereits gefänglich eingezogen; die ergrimmten Bewohner wollten ihn in's Feuer werfen. Derselbe hat das Feuer wahrscheinlich aus Rache dafür angelegt, daß er durch die unwiderleglichen Aussagen mehrerer Dorfbewohner vor 6 Jahren wegen Diebstahls von 100 Thlr. zu 5 Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde. Schon im vorigen Jahre wurde er wegen versuchter Brandstiftung im Dorfe verhört, mußte aber wegen mangelnder Beweise wieder entlassen werden. Viele Familien mußten sich, da ihnen Alles abgebrannt ist, Kleidungsstücke borgen, um sich nur bekleiden zu können. — Vor einigen Tagen spielte sich auf der Hamburg-Berliner Bahn ein köstlicher Zwischenfall ab. Ein altes Mecklenburger Ehepaar hatte ein Zehntel eines namhaften Gewinnes in der sächsischen Lotterie gewonnen. Nun waren sie fest entschlossen, auch einmal ihr Leben zu genießen; Berlin sollte ihnen diesen Genuß gewähren. Nachbarn hatten bedächtig den Kopf geschüttelt und gemeint, für so einfache alte Leute sei Berlin eine reine Mördergrube, man würde sie plündern, ehe sie vom Bahnhof fort seien. „Vadder" aber meinte nur dagegen: „Ick wer mit dei Spitzbaub'n wohl farrig" (füt zufällig anwesender Berliner Confectionsreisender glaubte die alten Leute auch warnen zu müssen und sagte: „Vor allen Dingen hüten Sie sich vor sogenannten alten Bekannten, das sind oft Bauernfänger." Die alten Leute dankten und reiften ab. In Wittenberge hatte „Padder" die Unvorsichtigkeit begangen,^ den Zug zu verlassen, trotz „Mudders" Wehklagen fuhr der Zug ohne ihn ab. Der Stationschek rieth dem Sitzengebliebenen, ein Zuschlagsbillet zu nehmen und mit dem Courierzug zu fahren, alsdann würde er noch eine halbe Stunde früher in Berlin ankommen, als „Mubder". Gesagt, gethan. Er war eher in Berlin und erwartete seine Alte. Der Bummelzug kommt, „Mudder" steigt au§, ihr Mann eilt ihr" entgegen. „Na, nu fumm man, Muddcr, giw mi dei Handtasch." „Mudder" hält krampfhaft die Handtasche fest, firirt den Ehegatten verwundert und verdächtig von oben bis unten, dann bricht sie in beit Ruf aus: „Dei verdammten Berliner Spitzbaub'n, wo dei sick verstellen känen. Weint ick nu nid) wahr und wahrhaftig wüß, bat mein Oll in Wittenberge fitteit Mähen, denn funn ick schwören, bat hei bit wär." Es beburfte erst einer gründlichen Ueberzeugung ber gewarnten Frau, um ihren „Ollen" wicber als Ehemann anzuerkennen. Aeikgeöotenes. 3160 Eine vollftänbige Ladeneinrichtung ist billig zu verkaufen- __Bahnhofstraße 26. Confirmanden-Schirme in großer Auswahl, in allen Farben und Qualitäten, von den billigsten bis zu den hochfeinsten empfiehlt 3505 I. 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Juni 1874, die sowie der dritte und 1874, die Landgemeini ausgehoben und durch „Nur dies welche in die setzes) mit Zc Bei Ausst Qn sich stimm! stände sind. „ Zur Abstimml Art. 4. Der e Muni 1874, die i, * b-tu, werben a , »Bei ber Wb des Km »on innert Wohnsitzes ini SNitalr des Steif W C' «0* im o Dom in^in n, sUK?!