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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontckgS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Politische Uebersicht. Gießen, 22. October. Die lange Pause, welche im Reich und in den Einzelstaaten in parlamentarischer Beziehung geherrscht hat, wird >un am längsten gedauert haben. Die Einleitung zur demnächst allseitig wieder aufzunehmenden Parlamentarischen Thätigkeit bildeten — abgesehen von der bereits im Spätsommer erfolgten Wiederaufnahme der Arbeiten des Bundesrathes — die Landtagswahlen in Sachsen und Baden, welchen in nächster Woche Diejenigen im leitenden Bundesstaate, in Preußen, folgen werden. Bon den Landtagen von Sachsen und Baden ist es schon bekannt, daß sie in der ersten Novemberhälfte zusammentreten werden; außerdem sind die Landtage von Bayern und Braunschweig gegenwärtig schon versammelt, letzterer speciell, um zunächst die Regent- schaftssrage ihrer persönlichen Seite nach zu erledigen, lieber den Zeitpunkt, an welchem der neu zu wählende preußische Landtag zusammentreten wird, ist Genaueres noch nicht bekannt und dürfte dies wesentlich mit davon abhängen, welchen Fortgang die Arbeiten in der bevorstehenden Session de» Reichstages nehmen. Der Einberufung desselben kann man bestimmt in der zweiten Hälfte des November entgegensehen und nur bezüglich des Datums schwanken noch die Angaben. Als die Hauptaufgaben des Reichstages in seiner neuen Session erscheinen die weitere Ausbildung der socialpolitischen Gesetzgebung, insbesondere des Unfallversicherungs-Gesetzes, dann die Abänderungen der Justizgesetzgebung, Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen, Verminderung der Gerichtskosten, das Gesetz über die Sonntagsruhe u. f. w. Außerdem wird sich das Parlament auch mit den auswärtigen Angelegenheiten zu befaffen haben, insofern demselben nämlich weitere Weißbücher zugehen werden, von denen sich seit der letzten Session ein ziemlich bedeutendes Material angehäust hat. Die preußischeWahlbewegung prägt sich selbstverständlich in Berlin, wo die politischen Gegensätze sich am schroffsten gegenüberstehen, am schärssten aus. Hier wird bekanntlich bei den Landtagswahlen der herrschenden freisinnigen Partei das Feld von den Conservativen und den Antisemiten in energischer Weise streitig gemacht; außerdem ist aber in die gegenwärtige Wahlbemegung in der Reichs-Hauptstadt durch das selbstständige Auftreten her nationalliberalen Partei ein neues Element gekommen. — Den politischen Wahlen sind diesmal in Berlin fast unmittelbar die kirchlichen vorhergegangen, die am Sonntag in der Hauptsache ihren Abschluß gesunden haben. In zwölf Kirchengemeinden Berlins wurden an diesem Tage die Ergänzungswahlen für die Gemeindebehörden vorgenommen bei theilweise ungemein reger Betheiligung. Das Allgemein-Resultat kann als ein den Kirchlich-Liberalen günstiges bezeichnet werden, welche in acht Parochien ihre Candidaten glatt durchbrachten; kommenden Sonntag werden die Gemeinde - Kirchenraths - Wahlen in den noch übrigen Parochien vor sich gehen. In der Eröffnungs-Sitzung des braunschweigischen Landtages vom 20. October machte der Vorsitzende des Regentschaftsrathes, Graf Görtz-Wrisberg, im Namen des letzteren dem Landtag den ofsiciellen Vorschlag, Prinz Albrecht von Preußen zum Regenten zu wählen. Die Wahl desselben ist in der gestrigen Mittwochs-Sitzung erfolgt. Die Nationalitäten-Frage hat im österreichischen Abgeordnetenhause — wie sich nicht anders erwarten ließ — anläßlich der Adreßdebatte schon zu einer stürmischen Scene geführt. Nachdem es schon in der Samstags- Sitzung zwischen dem Czechensührer Dr. Rieger und den deutschböhmischen Abgeordneten zu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen war, richteten die deutschböhmischen Abgeordneten in der Montags-Sitzung einen lebhaften Angriff gegen den Prager Statthalter, Baron Kraus, dem namentlich der Vorwurf der Parteinahme für die Czechen gemacht wurde. Ministerpräsident Graf Taaffe selbst vertheidigte den Statthalter gegen diesen Vorwurf, wie gegen andere Anschuldigungen. Vorher schon hatte er die Interpellationen in Betreff der in Böhmen stattgesundenen Excefse eingehend beantwortet und dabei betont, daß die Behörden m allen Fällen ohne Ansehen der Nationalität ihre Schuldigkeit gkthan-hätten. Mit Entschiedenheit wies Gras Taaffe die Behauptung zurück, daß den Deutschen in Böhmen kein ausreichender Schutz gewährt würde und bezeichnete die Angriffe auf Deutsche in der Reichenberaer und Trautenauer Gegend als Vorfälle von untergeordneter Bedeutung (?). Mit sichtlicher Genug- thuung hob der Ministerpräsident hervor, daß die Urheber der Königinhofer Excesse unter Anklage gestellt worden seien und daß sogar die Auflösung der Gemeinde-Vertretung von Königinhos erfolgt sei. Als vollständig unbegründet bezeichnete er die Nachricht, daß der Nationalitäten-Hader auch in der Armee zu Tage getreten sei; leider stehen dieser Anschauung des Ministerpräsidenten begründete Thatsachen gegenüber, wie z. B. die Maffenschlägereien zwischen deutschen und czechischen Soldaten gelegentlich der letzten Manöver bei Pilsen. Als dann Graf Taaffe weiter bemerkte, es sei unpatriotisch, mit Gewalt nationale Zwistigkeiten in die Armee hineinzutragen, wurde er von der Linken in stürmischer Weise unterbrochen, welche heftig dagegen protestirte, daß sie die Armee angegriffen habe. Diese stürmischen Proteste wiederholten sich noch öfters und riefen eine Aufregung hervor, die auch den übrigen Theil der Sitzung noch merklich beherrschte. Den französischen Republikanern ist es gelungen, bei den Stichwahlen vom vorigen Sonntag die republikanische Niederlage vom 4. October wieder wett zu machen, soweit dies eben unter den obwaltenden Umständen noch möglich war. Bis Montag Abend waren sämmtliche Stichwahlen, mit Ausnahme derjenigen von Paris und den Colonieen, bekannt und sind hiernach 208 Republikaner — Opportunisten wie Radikale — und 26 Monarchisten gewählt. Da nicht anzunehmen ist, daß in Paris ein Monarchist gewählt worden ist und da eine solche Annahme ebensowenig von den französischen Colonieen gilt, so beziffert sich die Zahl der Monarchisten in der neuen Deputtrtenkammer auf 203, denen 381 Radikale und Opportunisten gegenüberstehen würden. Der in letzter Stunde noch hergestellten Einigkeit zwischen den beiden hauptsächlichsten repMi- kanischen Parteien Frankreichs ist es also gelungen, wenigstens bei den Stichwahlen einen Sieg der Conservativen und damit eine monarchistische Mehrheit in der neuen Deputtrtenkammer zu verhindern. Trotzdem haben aber in derselben die Parteien der Rechten eine höchst respectable Minorität, ja, sie bilden jetzt sogar in Verbindung mit den Radikalen die Majorität, und da ein Zusammengehen der Monarchisten mit den Radikalen „von Fall zu Fall" nicht ausgeschloffen erscheint, so steht die französische Republik, wenn nicht Alles täuscht, vor schweren inneren Krisen. — Nachträglich wird aus Paris gemeldet, daß im Seinedepartement bei den Stichwahlen sämmtliche auf der republikanischen Ltste befindliche Candidaten mit 290,000 bis 247,000 Stimmen gewählt wurden, während die Candidaten der Conservativen 136,000 bis 105,000 Stimmen erhielten. Die russische Regierung soll ihren Untertanen deutscher Staatsangehörigkeit den Aufenthalt im Rayon der russischen Festungen verboten haben. Dem Commandeur der Festung Modlin in Russisch-Polen ist angeblich bereits eine derartige Ordre zugegangen. Soll dies etwa eine russische Antwort auf die von der preußischen Regierung verfügte Ausweisung von Polen sein? Die Balkankrise nimmt sich heute bedeutend weniger gefahrdrohend aus. Die bulgarische Regierung giebt Angesichts der einmütigen Erklärung der in Konstantinopel versammelten Botschafter, daß die Mächte die Wiederherstellung des Status quo in Bulgarien fordern, klein bei, indem sie den in Sofia beglaubigten Vertretern der Mächte wiederholt die Versicherung ertheilt hat, daß Bulgarien den hierin ausgesprochenen Intentionen der Mächte Rechnung tragen werde. Auch aus Griechenland und Serbien hat die veränderte Situation offenbar ihren Rückschlag ausgeübt, denn von weiteren griechischen Rüstungen ist es plötzlich still geworden und die Gerüchte, wonach die serbischen Truppen die türkische Grenze überschritten haben sollten, werden wiederholt dementirt. Deutschland. Darmstadt, 21. October. Durch Entschließung Großh. Ministeriums des Jnnnern und der Justiz vom 19. October wurden bestellt: 1) der Großh. Amtsanwalt, Gerichtsasseffor Heinrich Nees in Worms, zum Hilfsgerichtsschreiber bei Großh. Landgericht der Provinz Rheinheffen; 2) der Gerichtsasseffor Georg Kolb in Alzey zum Amtsanwalt bei den Amtsgerichten Worms, Oppenheim und Osthofen, mit dem Amtssitze in Worms; 3) der Gerichtsasseffor Rudolph Keiber in Alsfeld zum Amtsanwalt bei den Amtsgerichten Alsfeld, Grünberg, Homberg und Laubach, mit dem Amtssitze in AlSfelö; 4) der Gerichtsasseffor Dr. Friedrich Buff in Offenbach zum Amtsanwalt bei den Amtsgerichten Offenbach und Seligenstadt, mit dem Amtssitze in Offenbach; 5) der Gerichtsasseffor Philipp Hill in Alzey zum Amtsanwalt bei den Amtsgerichten Alzey, Nieder-Olm, Pfeddersheim und Wörrstadt, mit dem Amtssitze in Alzey; ' 6) der Gerichtsasseffor August Schmeckenbecher in Lauterbach zum Amtsanwalt bei den Amtsgerichten Lauterbach, Herbstein, Schlitz und Ulrichstein, mit dem Amtssitze in Lauterbach. Rußland. Moskau, 21. October. Die „Mosk. Ztg." kritisirt die Aussührungen des „Wiener Fremdenbl." über die Ereignisse auf der Balkan-Halbinsel und meint, das Fremdenblatt verwickele sich bei dem Versuche, die Verantwortlichkeit für das provocirende Vorgehen von Serbien von Oesterreich'Ungarn abzulenken, in einander widersprechende Erklärungen. Die „Mosk. Ztg." betont demgegenüber ganz besonders, es stehe unzweifelhaft fest, daß die Umwälzung in Philip- popel sich aegen den Willen Rußlands vollzogen habe. — Bei dem gestern Nacht hier stattgehabten Schadenfeuer sind 7 Personen umgekommen und 4 schwer verletzt. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. «orresporrdeirz - Brrrea«. Berlin, 21. October. Generalsynode. In Fortsetzung der Berathung des Kirchengesetzes über das Pfarrwahlrecht wurde § 12 (Berathung über die Gewählten und deren eventuelle Versagung) unter Streichung der Verfassungsgrunde nut der Bestimmung, daß die Versagung der Berufung nur aus den im S 391 des Allgemeinen Landesrechts enthaltenen Bestimmungen erfolgen darf, angenommen. Zu $ 7 wurde nachträglich hinzugefügt, daß es den Geistlichen bei Strafe verboten rst, durch persönliches Werben um Stimmen oder auch durch unwürdige Mittel auf ihre Wahl einzuwirken. Sodann wurde das Gesetz im Ganzen angenommen. Die Vorlage des. Oberkirchenraths, betreffend die Einschaltung einer Fürbitte für die Marine in das allgemeine Kirchengebet, wurde in erster Lesung angenommen. General-Superintendent Brückner tbeilte mit, die Arbeiten zur Revision der Agende machten viel Schwierige Arbeiter-Colonie für das Großher^ogthum Hessen und den Regierungsbezirk Wiesbaden. Der am 3. April 1884 von dem Vorstand unseres Vereins erlassene Ausruf, worin um Beiträge zur Gründung einer Arbeiter-Colonie gebeten wurde, hat willige Herzen und Hände gesunden; mehr als 100 000 X wurden von Privaten, Vereinen und Behörden gespendet, und es war uns hierdurch möglich, die Colonie auf dem von dem Vereine gepachteten Großherzoglich Hessischen Domanialgut Nen-Ulrichstem bei Homberg a. d. Ohm zu errichten. Der Verein hat die Pachtung ain 1. Juli d. I. angetreten, und am 28. v. M., nach Vollendung der nothwendigen Bauarbeiten, konnte die Colonie mit einem Bestand von 11 (Kolonisten scierlich eröffnet werden. Die Herstellung der Gebäude, die Uebernahme der Pachtung, die Anschaffung des erforderlichen Inventars für die Gutswirthschaft und für die Colonie haben indesfen die uns zur Verfügung stehenden Mittel sehr geschmälert, so daß nur noch em Capital- bestand von etwa 50 000 X übrig bleibt, dessen Zinsen-Ertrag zu den Kosten der Unterhaltung der Colonie verwendet werden kann. Allerdings ist in dem Staatsbudget des Großherzogthums Hessen für 1885/88 ein jährlicher Zuschuß von 2000 X bv willigt und ein gleicher Betrag ist von den Eommunalverbänden des Regierungsbezirks Wiesbaden zu erwarten, indessen kann für dieses Werk der freiwilligen Liebesthätigkeit auf größere Unterstützung von Seiten der staatlichen und cornrnunalen Organe mcht gerechnet werden. ~ . ... Von Vereinen, (Korporationen, Sparkassen und Privaten wurden außer rcid^ Ucheii einmaligen Gaben auch jährliche Beiträge zugesagt, und manche Freunde der gemeinnützigen Unternehmung glaubten ihre Entschließung über ihren regelmäßigen Beitrag vorerst aussetzen zu sollen, bis die (Kolonie gegründet sein werde. Dies ist nun geschehen und wir können heute sagen, daß die uns zur Verfügung stehenden Mittel, auch wenn wir die bis jetzt gezeichneten Beiträge im ungefähren Betrag von 4000 X hinzurechnen, nicht hinreichen, um neben der jährlichen Pacht von 1800 X die Kosten der (Kolonie, welche auf einen Personalbestand von 100 bis 120 (Kolonisten berechnet ist, zu decken. Der unterzeichnete Verwaltungsausschuß sieht sich deshalb veranlaßt, mit der Anzeige, daß er die Erhebung der gezeichneten, jährlichen Beitrage für 1885 nunmehr vornehmen lassen wird, die Bitte uni weitere einmalige oder jährliche Beiträge zu verbinden und die Arbeiter-Eolonie dem Wohlivollen und der wert- thätigen Theilnahme der Bevölkerung des Vereinsbezirks zu empfehlen, damit der Zweck, den arbeitslosen aber arbeitswilligen Wandernden den Segen einer geordneten Arbeit und eines durch eigene Kraft erworbenen Unterhalts zu gewähren, erreicht wird. ..... Durch Zusendung getragener, aber noch verwendbarer Kleidungsstücke jur männliche Arbeiter 'würde die (Kolonie in Stand gesetzt werden, an der Ausgabe für An- I fchaffung von Kleidern wesentliche Ersparnisse zu machen, und würden wir für solche sehr dankbar sein; die Ablieferung der Kleidungsstücke kann an jeden der Unterzeichneten, sowie an den Jnspeetor Schmidt zu Neu-Ulrichstein erfolgen. Frankfurt a. M., den 14. October 1885. Der Verwaltungsausschutz des Vereins für das Grotzherzogthum Hetzen und den Regierungsbezirk Wiesbaden zur Beschäftigung Arbeitsloser- Dr. Goldmann, Oberconsistorial-Präsident, Vorsitzender. von Hergenhahn, Polizeipräsident. Dr. von Strauß und Torney, Polizeipräsident. Münzenberger, geistlicher Rath. Ladenburg, geheimer Eommerzienrath. I Srrrtmann, Rechtsanwalt. Dr. Stromberger, Pfarrer, Schriftführer. Theater. Gießen, 22. October 1885. Bei unserer gegenwärtigen Theaterlage werden wir nicht mehr das Vergnügen haben, Frau Charlotte Lange in dieser Saison auftreten zu sehen. Frau Lange hat eine größere Zahl auswärtiger Gastspiele, nach Danzig, Oldenburg, (Koblenz, Bromberg'n. s. w. neben ihrer Franksurter Thätigkeit abgeschlossen und so verfugt die Künstlerin nur über ganz wenige freie Zeit. Bei der außerordentlichen Anstrengung und Mühe, welche jede Gastreise mit sich bringt, dürfte unser lieber Gajt kaum bereit fein, in dieser Saison wiederzukehren und so möge denn jeder Verehrer echter dramatischer Kunst sich den Freitag Abend nicht entgehen lassen. 2ßir bedauern nur, baß das diesmalige Gastspiel nur zwei Rollen umsaßt, denn jede Gestalt, die uns Frau Charlotte Lange bisher verkörperte, war anders, jede Charakterisuung eigenartig,, jede Wiedergabe glänzend, so daß der Wunsch, immer neue Schöpfungen zu sehen, alle Bewunderer unseres Gastes durchdringt. der zweiten Abtheilung (Einkommen von 500 bis 2300 X) 174,682, zusammen also 189,303 Einkommensteuerpflichtige mit einem Gelammt - Einkommensteuerkapital von 23,063,875 X cingeschätzt. Dabei kommen in der Provinz Starkenourg auf 393,911 Einwohner 75,870 EinkommensteuerPflichtige mit 8,807,310, in Oberhesteil auf 265,277 Einwohner 44,496 mit 4,695,645, in Rheinhessen auf 277,152 Einwohner 68,973 mit 9,560,920 X Einkommensteuerkapital. Von den größeren Städten des Landes zahlt Mainz 19,329 Einkommensteuerpflichtige mit 4,257,575, Darmstadt 10,947 mit 2,812,620, Offenbach 8929 mit 1,433,925, Worms 5552 mit 1,030,140 und Gießen 3932 mit 1,044,240 X Einkommensteuerkapital; die Gemeinde Bcssungen weist 1665 Ein- kommenfteuerpflichtige mit 342,915 X Einkomnicnsteuerkapital auf. Im ^ahre 1870 belief sich das gesammte Einkommensteuerkapital im Großherzogthum auf 12,7ol,30a «X, es hat sich mithin in 15 Jahren um 10,312,572 X ober 80,9 Procent vermehrt. Der Zugang von 1884—85 auf 1885—86 beträgt 4,283,961 X oder 22,8 vCl. Im Rechnungsjahr 1884 -85 beliefen sich die von den Hauptsteuerämtern des Großherzogthums erstatteten Steuerrückvergütungen für ausgeführtes Bier auf zusammen 37,431 X 85 4- (N. H- V.) Bremen, 20. October. ^Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.) Rettung aus Seegefahr. Herr Hafenmeister Polack in Cuxhaven berichtet: Am 15. d. M., Abends 8V2 Uhr, wurde mir gemeldet, daß eine englische Tjalk auf dem Osterhörner Stack fcstgerathen und voll Wasser gelaufen sei; der (Kapitän habe sich mit 2 Mann im eigenen Boote nach Cuxhaven begeben, doch sei dei^ Steuermann an Bord zurückgeblieben. Mittlerweile hatte sich der seitherige ONO Wind zum Sturm gesteigert, es lies eine hohe See, die Befürchtung lag nahe, daß das geftrandete Schiff aufbrechen oder kentern würde, weshalb das Rettungsboot „Esther" gegen 9 Uhr zur Rettung des Steuermanns abging. Gegen UVa Uhr war die Rettung $ Das verunglückte Schiff war die englische Tjalk „Ricle", Capt. Edminstone, mit Eisen von Hamburg nach England bestimmt. Derselbe berichtet ferner: Am 16. d. M. mit Tagwerden erblickte die Besatzung der Lootsen-Galiote „Johann Heinrich" in der Nähe der rothen Tonne 2 Personen in dem Mast eines gesunkenen Schiffes. Das auf der Galiote ftationirte Rettungsboot fuhr daher Wort ab und befreite die Nothleidenden gegen 7 Uhr aus ihrer gefährlichen Lage. Das gesunkene Schiff war die deutsche Tjalk „Grctjelina", Capt. Willms, nut eisernen Röhren von Veile nach Hamburg bestimmt. Die Tjalk war am 15. Avenös bei heftigem OSO Wind plötzlich leck geworden und gesunken, das Schiffsboot war bei der Katastrophe zerschellt und nur mit genauer Roth hatte sich die Besatzung in den Mast flüchten können, woselbst sie 12 Stunden lang, den Tod vor Augen, auf ihre Rettung warten mußte. „ Herr Strandvogt Halliger in Bing auf Rügen berichtet: Am 16. d. M., Vormittags 9 Uhr, wurde mir durch den Fischerknecht Wcsscl - aus Neu-Mukran die Nachricht gebracht, daß ein Schiff in bcr Nähe von Prora geftranbet sei. Ich rief sofort bic Mannschaft unseres Rettungsbootes „Dr. H. A. Schumacher" zusammen unb ließ 8 Pferbe vor ben Wagen des Bootes spannen, ba bte Stranbungsstelle ungefähr 1 Stunbe von ber Station entfernt war unb der Weg durch tiefen Sand führte. Nachdem das Boot um 10‘/2 Uhr zu Wasser gebracht worden war, gelang cs uns trotz des harten Ost-Sturmes und der hohen See, die aus 2 Personen bestehende Besatzung glücklich in das Boot unb an Laub zu bringen. Das geftranbete Schiff war bie deutsche Schaluppe „Marie", Capt. Stamm, in Ballast von Iftadt nach Bornholm bestimmt. Teilen. Ein- «bg-ichloss-ne Arbeit werde trotzdem vor.ussichtlich der nächsten ®en«4l= i Ennode voraeleat werden. - Das Kirchengcsctz über den nachträglichen Anschlutz die PcnsionSordnung des Kirchengesetzcs von. 26. Januar 1880 wurde ... der Com- iniffioiSmfl angenommen Betreffs der Einsuhrung nnes allgemeinen Butz- und Bettages wurde di- Festsetzung desjclb-n aus den letzten Freitag des ArrcheniahrcS gcwun.cht. 21 October. Die Landesvcrsammlung wählt- stimmig den Pristz-n Albrecht von Preußen zum Regenten. L-ammtl-chc Mitglieder des Regentschastsrathes, sowie sämmtliche Mitglieder der Landesvcrsammlung wohnten der 21. October. Der Landtag wählte eine Commission von drei Mitgli-o-s" welch)- sich zum Prinzen Albrecht nach vorheriger Ansrage begebe., soll. Ans Beschluß des Landtags wurde gegenüber der Meldung eines auswärtigen Blatts ausdrücklich zu Protocoll constatirt. daß sämmtliche Abgeordnete anwezend waren und SSÄSM* f°nd aus der Arth-Rigi-Bahn ein- Entgleisung des Zuges statt. Der Locornotioführer wurde getodtet, ein Heizer schwer verwandel. Unter 20 Passagieren sind 4 schwer verletzt (meist Schenkelbruche), alle Passagi^e smb^chwe^. Abgeorbnetenhaus. Bei ber Namenabstimmung über ben Abreßcntwurs wurde derjenige ber Minorität mit 194 gegen 129 Stimmen abgelehnt unb derjenige der Majorität mit 177 gegen 146 (Stimmen angenommen Die Demokraten und Antisemiten hatten sich bei der 2(bftimmung über den Entwurf ber Minorität entfernt, sodann aber bei ber Abstimmung über den AdreßenUvurf der I Majorität gegen diesen gestimmt. Die südtyrolischen Abgeordneten hatten sich bet der I Abstimmung über den Entwurf der Majorität entfernt. I Kopenhagen. 21. October. Als Minister-Präsident Cltrup heute Nachmittag 5 Uhr nach seiner Wohnung z.urückkehrtc, feuerte im Thorweg d-rselb^ mt lungei Mann, angeblich Typograph, einen schliß auf ihn ab, bei icboa) nicht traf, ^ei I hat er mürbe sofort verhaftet. — Nach dem Polizei-Rapport ist der Attentäter der I 19jährige Julius Raßmussen, Typograph bei einer radikalen Zeitung. Derselbe er klärte, über fein Motiv befragt, es let cm gutes, nämlich jum gelten ber ^reibeit. I Der Attentäter sprach Estnip vor besten Wohnung an unb feuerte zwei Schüße auf I Estrup ab, wovon ber erste ben Rock desselben zerriß unb an einem Knopz abprallte. I (Kftrup ergriff ben Attentäter, übergab ihn bcr Polizei unb begab sich bann zum Diner, I .i o,11 Dctober. Die Königin von Dänemark, bie Prinzessin von Wales I unb bie Herzogin von Cumberlanb sind heute Vormittag zu ben morgen ftattfuibenben | Hochzeitsfeierlichkeiten bes Prinzen Waldemar in (Ku em getroffen. v _ Eine Depesche Courcy's aus Hanoi vom 19. d. M. beftarigt, daß m der Umgegend von Kuangtri und Camelo (Provinz Kuangtri) Ruhestörungen vorgekommen sind wobei eine Anzahl Christen ermordet wurden. Die, Aufwiegler wurden durch Chasseurs unb tongkingesische Tirailleurs verfolgt, ein Chafseur und einige ^irailleurs wurden getöbtet. In Hus würbe bie Ruhe nicht gestört. , Paris 21. October. Die Gerüchte über einen Wechfel auf bem französischen I Botschastcrposten in Lonbon werden von gut unterrichteter Seite für unbegrunbet e‘atHt‘sottDon, 21. October. Der Minister Hicks - Beach erklärte gestern in einer Versammlung der (Konservativen zu York, es sei aller Grund zu glauben vorhanden, daß der Friede im Orient erhalten bleibe. Die Regierung werde versuchen, nut den anderen Mächten dahin zu wirken, daß ben Bevölkerungen bcr Balkanstaaten eine gute Regierung unb Befriebigung ihrer Wünsche zu Theil werbe, sowie baß Konstantinopel gegen einen etwaigen Angriff einer fremden Macht geschützt wurde. Mit dem Sultan sei in Betreff der Mitwirkung der Pforte bei der Reform der Verwaltung und einer Pacisicirung des Sudans ein Einvernehmen hergestellt - Wie die „Morning - Post" erfährt, fei die britische Regierung der Ansicht daß vor der Einberufung einer (Konferenz zur Berathung der rumelischen Angelegenheit gewisse wichtige Punkte zunächst unter den Siguatarmächten zu regeln feien. Uebngens feien die englische, die französische unb bie italienische Regierung der Meinung, daß die Herstellang des status quo ante unthunlich sei. Rom, 21. October, Abends. In ber Provinz Palermo famen geftern 56 Choleraerkrankungen unb 30 Choleratobesfälle vor, bavon in ber Stadt Palermo 44 ^Madrid, 21. October. Der Köllig, welcher einige Zeit an einem Katarrh i gelitten hat, gilt für völlig hergestellt und beabsichtige, sich demnächst nach dem Prado zu ktge 21. October. Die kaiserliche Familie ist heute Mittag im Putilow- Hafen (Leekanal) gelandet und um 2 Uhr 40 Min. in Gatschina eingetroffen. Sofia, 21. October. Die Regierung theilte heute dem diplomatischen Corps die Abschrift einer Rote mit, welche sie am letzten Samstag dem strbischen Vertreter überreicht hat. Die Rote erinnert an die Vorgänge vom 23. Juni gelegentlich einer Versammlung an der serbischen Grenze, wo serbische Beamte sich bemühten, bulgarifdie Bauern für eine Bulgarien feindliche Bewegung aufzureizen. Die aus diesem Anlaß gegebenen Versicherungen Serbiens seien hier mit Befriedigung aufgenommen. Trotzdem hätten die subversiven Umtriebe gewisser königlicher Beamten, welche namentlich genannt werden, ihren Fortgang genommen. Die Genannten hätten Einwohner in bulgarischen Dörfern, bie speciell bezeichnet werben, zu bewegen gesucht, sich gegen bic bulgarischen Behörben aufzulehnen, bic Telegraphenbrähte zu zerschneiben unb eine Petiiion zu unterzeichnen, worin bie bulgarischen Bauern um Annexion ihres Gebiets fettens Serbiens bitten. Zugleich sei benfelben bie Zusicherung gemacht, baß eine serbische Armee alsbalb erscheinen werbe, um sie zu vertheibigen. Den Ortsvorstänben und benen, welche sich an dem Unternehmen besonders betheiligen würden, seien größere Geldsummen, der Bevölkerung die Befreiung von Steuern und Militärdienst auf fünf Jahre versprochen worden. Die Note bemerkt schließlich, daß die auf bulgarischem Gebiete überraschten Unruhestifter strenge bestraft würden und hebt hervor, daß die bulgarische Negierung, die es verstanden, jede Beunruhigung bcr serbischen Grenz- biftiiete von Bulgarien her zu verhinbern, die serbische Regierung um entsprechende Maßregeln im Interesse der bulgarischen Grenzdistricte ersuchen müsse. Diese Note ist von Serbien noch nicht beantwortet worden. Bukarest, 21. October. Dem Vernehmeii nach wird der Kronprinz von Oesterreich zum Besuche des Königspaares in Sinaia erwartet. — Der neuernannte französische Gesandte Coiitoaly überreichte sein Beglaubigungsschreiben dem König unb sprach babei bie unueränbcite freunbschastliche Gesinnung Frankreichs aus. Sofia, 21. October. Die Behörben ber Grenzbistricte melben, an der serbischen Grenze herrsche Ruhe; die Gerüchte über die Einberufung der bulgarischen 9tationab garbe seien baher zur Zeit als gegenstanbslos anzusehen. Philippopel, 21. October. Gestern früh gingen 2 Regimenter Infanterie unb 1 Bataillon freiwilliger Truppen an bie serbische Grenze ab, um bie Streitkräfte ba- feldst zu verstärken. Athen, 21. October. Contoguris ist provisorisch zum Cultusminister unb Bubulis zum Marineminifter ernannt worben. Die übrigen Minister sind auf ihren Posten verblieben. Vermischte-. Darmstadt, 19. October. Das Schulministerium hat Veranlassung ge- nonunen, das bereits unterni 11. Mai 1883 erlassene, ben Hanbel mit Schnlbebürf- nissen betreffenbe Ausschreiben, einzuschärfen unb insbesonbere bie Kreis-Schul-Com- mission beauftragt, barüber zu wachen, daß keine Schreibhefte von gewissen Lieferanten zum Gebrauch in den Klassen allgemein vorgeschrieben, resp. die nicht von einer bestimmten Firma hergestellten nicht zurückgewiesen würden. — Die Centralstelle für Gewerbe hat in Sachen des Verbots der Sonntags- arbeit etwa 4300 Fragebogen hinausgegeben, von welchen jedoch nur etwa 1900 mit der gewünschten Fragebeantwortung wieder emgelaufen fein sollen. Das so gewonnene flNaterial dürfte bei richtiger und sachgemäßer Bearbeitung, bie wohl zu erwarten steht, Höchst schätzbare Beiträge zur Beurtheilung der vorliegenden Frage bieten. — Von 936,340 Einwohnern unseres Großherzogthums sind für das Jahr 71885—86 in der ersten Abtheilung (Einkommen von 2600 und mehr Mark) 14,621, in 5 Titte, e*u6 litt, »»1*6 r jöl"'c, plaiW ' ftuhi linb schrank. 7517 Ni? 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Gemalt von Mende, gestochen von L- Richter. — Der gestörte Apfeldieb. Bild von M. Lebling. — Das Schrift- stellerelend. Von Th. H. Pantenius. — Berlin-Ostende mit zehntägigem ^etour- billet. Lustige Reisecrinnerungen von Hans Arnold. — Der erste Aufsatz. Bild von Julius Günther. — Am Familientisch: Die Holbein'sche Madonna des Bürgermeisters Meyer. Von Adolf Rosenberg. Zu der Abbildung des Dresdener Bildes von Holbein. — Eine neue Parzifalüber- setzung (G- Bötticher). Vow'vr. Coste- — Die Throne. — Taubenthürme in Italien. — Rückfällig. Von Pastor Cremer. — Briefkasten. — In unserer Spielecke. Mit zwei illustrirten Beilagen: Fürst Alexander von Bulgarien. — Ein Doppel- §änger oder nicht? — Umschau in fernen anden. Möbel-Versteigerung. Montag den 26. nnd Dienstag den 27. d. 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Personenbillets ä „ 2-20 Kassenpreis.........ä „ —.50 Der Anfang der Concerte wird im „Gießener Anzeiger" bekannt gemacht. Die Abonnements-Liste circulirt. Gießen, im October 1885. Hochachtungsvoll 7591 Ce Ärausse, Großh. Musikdirector. Hess. Nass. Baugewerks-Berufsgenossenschaft. Zufolge mehrerer Anfragen bin ich bereit, die pro 1885 von den Mitgliedern zu zahlenden Beiträge, zur Abführung an die Kasse in Frankfurt a. M-, in Empfang zu nehmen- Der erhaltene Hebregisterschein ist hierbei vorzulegen. Der Vorsitzende der Section Gietzen. 7593 L. Petri II., Ludwigstraße 1. CvZrcert Verein. Kreitag den 23. Oktober, Abends 6 Uhr, im Cafe Cf bei: Verloosung der Sperr sitae. | Restauration H. Schnell. Heute, Donnerstag den 22. October. Abends 8 Uhr: Concert und Vorstestung des berühmten Blasconcertino- und Zithervirtuosen Herrn 51. Reechhardt im steyrischen Nationalkostüm, nebst zwei Collegen der Bauchrednerkunst, humoristisch ausgeführt. 7600 Todes-Anzeige. Gestern verschied nach längerem Leiden unser lieber Gatte, Vater, Bruder, Schwieger- und Großvater Frietlriefa <*raf was wir Verwandten, Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Theilnahme mittheilen. Gießen und Nied er-Ingelheim, den 22. October 1885. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Freitag Nachmittag 3 Uhr vom Sterbehause (Wolfstraße, an der Grünbergerstraße) aus statt. 7602 Ur?. Sprachunterricht. Zu Kursen — Tag- u. Abendkursen — in der franz. Sprache — bes. Conver- fation u. Handelskorrespondenz — werden noch einige Theilnehmer gesucht. Auch werden Einzelstunden gegen mäßiges Honorar ertheilt. 7589 Näheres in der Exped. d. Bl. 100 bis 150 Mb. Verdien» pro Monat bietet sich tüchtigen Acquisiteuren, welche sich mit dein Sammeln von Abonnements für eine landwirthschaftliche Zeitung ersten Ranges befassen wollen. 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