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Die verflossene Woche stand bezüglich der großen Politik unter recht günstigen Zeichen. Kürzlich stattgehabte Ereigniffe, wie die Kaiserbegegnung in Gastein und die Minister-Conserenz in Varzin drückten der Fortoauer des Deutsch-österreichischen Bundes wieoerholt ihren Stempel auf und lasten auch an eine dauernde friedliche Gestaltung der politischen Lage überhaupt glauben, zumal auch die gleichen Zwecken dienende Annäherung an Rußland durch die wahrscheinlich nächsten Montag stattfindende Begegnung der Kaiser von Oesterreich und Rußland in Kremsiec eine weitere Kräftigung erfährt. Unter diesen Umständ.'N darf man ziemlich zuverstchllich auf eine, wenn auch langsame friedliche Lösung der schwebenden Fragen in der großen Politik, zumal bezüglich der Angelegenheiten Egyptens und Afghanistans hoffen. Wie schon anderweitig gemeldet ist, hat der Kaiser Wilhelm in dieser Woche die schon längere Zeit geplante Enthüllung des Denkmals für seinen hochgeschätzten Ahnherrn König Friedrich Wilhelm I. von Preußen im Lustgarten zu Potsdam vollziehen lasten und ihr durch seine Gegenwart die rechte Weihe verliehen. An demselben Tage, es war am 18 August, feierte die kaiserliche Familie auch den Geburtstag des engbesreundeten österreichischen Kaisers durch ein Festmahl. Bon der internationalen inBerlin tagendenTelegraphen- Conserenz erfährt man, daß zwar in dec Tarif-Commission derselben der deutsche Vorschlag, betr. Einführung des Einheits-Tarifs für Europa, mit 9 gegen 7 Stimmen abgelehnt worden ist, daß aber der Staatsjecretär o. Stephan immer noch hofft, eine Verständigung in dieser Richtung in der Conferenz zu erzielen und damit einen Fortschritt von großer volkswirthschaftlicher Bedeutung im Verkehrswesen zu erzielen. Die jetzt zu Conferenzen ganz besonders geeignete friedliche und stille Zeit haben auch die Staaten benutzt, um in einer in Hamburg in dieser Woche zusammengetretenen Versammlung von Delegirten über deiz weiteren Ausbau des Völkerrechts zu berathen. Bekanntlich bezieht sich das Völkerrecht in mehreren wichtigen Punkten auf das Seerecht und den Schifffahrtsverkehr und hat die Versammlung mit der Berathuung der betr. Mängel begonnen. Die Versammlung der deutschen Ingenieure in Stettin, deren Theilnehmerzahl auf 369 gestiegen war, ist letzten Mittwoch nach einem Vortrag von Martens (Berlin) über neuere Festigkeits - Prüfungs - Maschinen geschloffen worden. Zn der braunschweigischen Erbsolgefrage gilt es so gut wie ausgemacht, daß wahrscheinlich noch in diesem Herbste der deutsche Botschafter Prinz Reuß in Wien vom Kaiser Wilhelm Dem braunschweigischen Regentjchafts- rathe als Regent Braunschweigs vorgeschlagen und daß dann der Regentschafts- rath mit dem Landtage den Vorschlag zu berathen haben wird. In Oesterreich feierte man in letzter Woche Kaisers Geburtstag s fest in altgewohnter Weise. Zu Ehren des Kaisers Franz Joses waren an'd.ffen Geburtstage auch die Könige von Dänemark und Griechenland von Gmunden nach Ischl gekommen. In den Herzen der Deutsch-Oesterreicher hat der begeisterte Empfang der Wiener Sänger in Berlin einen hochbedeutsamen Nachhall erweckt und ist durch diese Begebenheit aus's Neue dargethan worden, daß, wenn auch staatliche Grenzen Deutschland und Oesterreich trennen, die uralte Stammesund Cultur-Gemeinschaft zwischen beiden Staaten doch fortbesteht. In Frankreich wurde letzte Woche, mit Ausnahme des Seine- Departements und Korsikas, die Session der Generalräthe eröffnet. Diese Versammlungen haben sich nur mit Ortsangelegenheiten, Rechnungswesen rc. zu beschäftigen und nur ein Anrecht aus Wünsche; aber da viele Parlaments-Mitglieder und Minister Mitglieder dieser Versammlungen sind, so haben sie eine politische Bedeutung durch den Einfluß dieser wichtigen Persönlichkeiten, der selbstverständlich jetzt zu Wahlzwecken in's Feld geführt werden wird. Die Session dürste daher möglicherweise einen bewegten Charakter annehmen. In England weht jetzt verhältnißmäßig ein recht ruhiger politischer Wind, ötr zumal durch den offenherzigen und friedlichen Ton der letzten Thronrede, mit welcher Ende voriger Woche das Parlament geschloffen wurde, erzeugt worden ist. Zumal zerstreut die Thronrede die Befürchtungen wegen Afghanistan und Egypten, was aber aus dem Sudan werden soll, darüber schweigt die Thronrede gänzlich. — Aus Irland werden neue Agrar-Verbrechen gemeldet. Besonders sind in der Grafschaft Clare nächtliche Ausschreitungen, begangen von Bunden bewaffneter Männer, im Zunehmen. In der Nacht zum vorigen Mittwoch wurden die Wohnungen von vier Pächtern in Cappabeg, unweit Barefield, erbrochen und die Insassen durchgeprügelt, weil sie angeblich Gutsherren Nachricht gegeben. Die russische Regierung ist bemüht, verschiedenen Mißständen in der Verwaltung vorzubeugen und soll u. A. das Titelwesen in der russischen deamtenwelt etwas eingeschränkt und der allzuleicht zu erwerbende Titel als Geheimer Staatsrath erschwert werden. — In einem vom Kaiser genehmigten Regulativ wird auch bestimmt, daß Extra-Credite, welche in Fällen einer vom Kaiser angeordneten Truppen - Mobilisirung, sowie überhaupt in Folge von Kriegszuständen nothwendig geworden sind, durch eine Special-Commission, welche aus dem Präsidenten des Oeconomie-DepartementS des Reichsraths, aus dem Reichscontroleur, aus dem Finanzminister und dem Verweser des MarineministenumS besteht, geprüft werden sollen. Wenn der Kaiser in seiner beständigen Residenz nicht anwesend ist, sollen die von dicser Special-Commission für nothwendig erachteten Extra-Credite vom Finanzmimster sofort und ohne des Kaisers Genehmigung abzuwarten, angewiesen werden. Die Mission des englischen Diplomaten D r u m m o n d- Wolsf bei der Pforte zieht fortwährend die Aufmerksamkeit aller politischen Greife auf sich. _ Aus Konstanünopel verlautet, daß der Sultan Sir Henry Drummond-Wolff sofort in besonderer Audienz empfangen werde, daß er aber nicht geneigt sei, mehr als eine gemischte britisch-türkische Occupation Egyptens zu bewilligen. Man sagt am Bosporus übrigens, der Erfolg Drummond- Wolff's werde ausschließlich von dem Rathe Deutschlands abhängen, so daß thatsächlich Fürst Bismarck darüber entscheiden würde, ob die Türkei sich mit England verständigt oder nicht. Eine Londoner Depesche der „Debats" bezeichnet die Schwierigkeiten, mit denen der englische Unterhändler zu kämpfen haben würde, als fast unüberwindlich. Das mag insofern richtig sein, als Rußland alle Hebel anwendet, um die Pforte von einer Vereinbarung mit England abzuhalten. Auch die französische Regierung scheint der englisch- türkischen Verständigung keineswegs geneigt. Wie man vor einiger Zeit hörte, hat die spanische Regierung gegen die Besitzergreifung der Carolinen-Jnseln durch Deutschland Protest eingelegt. Die deutsche Regierung hat nun, wie aus London gemeldet wird, den Mächten in einem Rundschreiben angezeigt, daß es die Earolinen-Jnseln besetzt habe. Sowohl der „Standard" selbst, als die anderen Londoner Blätter erheben keinerlei Einwand dagegen, sie bezweifeln vielmehr die Ansprüche Spaniens. Wenn Fürst Bismarck das oben erwähnte Rundschreiben erlassen hat, so ist für die spanische Regierung wohl keine Hoffnung mehr vorhanden, daß man in Berlin ihre Einwände berücksichtigt. UniverfitätS - Chronik. — Die Verwaltung der meteorologischen Centralstation in München übernimmt an Stelle des Dr. Wilhelm o. Bezold sein bisheriger Adjunkt Dr. Carl Lang. — Tr;• Privatdocent in der philosophischen Fakultät der Universität Würzburg, Dr. Carl Bischoff, ist auf Ansuchen von der Function eines Prioatdocenteu enthoben worden. — ^Professor Ludwig Lange t-] Die Universität Leipzig, die erst vor wenigen Tagen den Tod des Professors Georg Curtius zu beklagen hatte, hat abermals einen sehr herben Verlust erlitten. Am 18. d. M., früh 5 Uhr, ist daselbst der Mitdirector des philologischen Seminars, Geh. Hofrath Dr. Ludwig Lange, seit 1871 Professor an der dortigen Universität, gestorben. Ludwig Lange rvar am 4. März 1825 in Hannover geboren. Sein Hauptwerk ist das „Handbuch der römischen Alter- thümer". Ferner schrieb er: „Der homerische Gebrauch der Partikel ei" und „Die Ephcten und der Areopag des Solon". Zum Begräbniß wurde die Leiche nach Hannover übergeführt. Vermischte H. P. Unter der Aufschrift: „Die Barmherzigen Schwestern" veröffentlicht der „Jmparcial", ein keineswegs durch kirchliche Gesinnung ausgezeichnetes Blatt der Hauptstadt Spaniens, einen Artikel, der für weitere Kreise Interesse bat. Das Blatt berichtet, daß der Bürgermeister von Aranjuez, woselbst die Cholera wie an keinem anderen Orte wüthet, an den Gouverneur von Madrid sich wandte, um Apotheker- gehülfen zu erhalten, welche die Weiterführung der in Folge des Todes des Besitzers leer stehenden Apotheken übernehmen. Der Verwaltungsrath der Provinz, Namens Benavides, berief nun das ganze Personal zusammen und bot denjenigen, welche nach Aranjuez gehen werden, eine außerordentliche Vergütung von täglich 20 Pesetas oder 16 Mark. "Niemand erbot sich, und Jemanden zu nöthigen, hielt man sich nicht für berechtigt. In dieser kritischen Lage begab sich Herr Guejana, Director des Provinzial- Hospitals, zum Noviciat der Barmherzigen Schwestern vom h. Vincenz von Paul und legte der Oberin die Bitte vor, die Schwestern möchten jenes gefährliche Werk der Barmherzigkeit auf sich nehmen. „Wir", antwortete die Oberin, „können uns nicht weigern, hinzueilen, wo der Schmerz nach Nächstenliebe ruft, und mir gehen ruhig der Gefahr, ja selbst dem Tode entgegen, weil wir glauben, daß mit ihm die Stunde gekommen ist, in welcher wir von Gott eine Belohnung erwarten dürfen. Sagen Sie deshalb dem Herrn Gouverneur, daß innerhalb einer Stunde drei Schwestern, welche schon in anderen Gelegenheiten der Apotheke vorgestanden haben, nach Aranjuez gehen werden. Sollten diese der Krankheit zum Opfer fallen, so werden Andere an ihre Stelle treten, so lange noch eine Einzige in diesem Hause bleibt." In seiner Gegenwart ließ die Oberin drei Schwestern rufen und befahl ihnen, sich unverzüglich zur Abreise nach Aranjuez bereit zu machen. Cs sind dies Sor Josefa Marcos, Sor Carmen Jraeta und Sor Lorenzo Ferrero. Und ohne weiteres Gepäck fuhren sie eine Stunde später mit der Bahn nach Aranjuez, woselbst sie am andern Morgen bereits die Verwaltung der Apotheken übernommen hatten. Sie erbaten sich keine andere Vergünstigung, als am Abend die Schwestern aufsuchen zu dürfen, welche in den Spitälern jenes Städtchens sich befinden, um ihnen in der Pflege der Kranken beizustehen. In dieser Weise wurde der Conflict beschworen, indem der Heldenmuth der Nächstenliebe die Lücke ausfüllte. Der Gouverneur gab Befehl, den Schwestern alle Mittel zur Verfügung zu stellen, welche sie zur Erfüllung ihres aufopfernden Berufes verlangen. Gewiß ein schöner Belag für die stets sich gleich bleibende, bewunderungswürdige Aufopferung der Barmherzigen Schwestern. C ob lenz. Eine höchst originelle Erfindung taucht gegenwärtig schon ziemlich häufig in unserem sang- und tanzlustigen Rheinlande auf, nämlich eine wirkliche Dampfmusik, die man früher wohl scherzhaft prophezeite. Aus Wirthshäusern und Sommerfrischen ertönen die freundlichen Weisen großer Spielwerke besonderer Art, die des theueren Federbetriebes nicht mehr bedürfen und dafür billig und mit einer Anzahl Walzen zum Wechsel der Melodie versehen sind. Besonders Abends macht das einen wirklich freundlichen, lockenden Eindruck auf Fremde und Einheimische. Originell ist dabei, daß dieselbe Petroleumlampe, die zum Erleuchten des Zimmers mitwirkt, die treibende danrpf- und dadurch musikerzeugenoe Kraft ist, welche sich unter einem unten offenen, niedlich kleinen „Henrici"-Motor befindet, der nur die Kraft von Vio Pferd besitzt und darum gerade genügt, um mittelst eines Riemens die Kurbel des Musikwerks zu drehen. Die gleichzeitig leuchtende Lampe, deren Cylinder die nöthige Hitze erzeugt, bedarf pro Stunde, wie mir Wirthe versichern, nur etwa 160 Gr. Petroleum, in 10 Stunden also für 40 Pfg. Manche Wirthsfrauen treiben tagsüber mit dem gleichen Maschinchen ihre Nähmaschine oder einen Gartenspringbrunnen und setzen Abends die Musik in Gang, die jetzt viel weniger kostet als die Feder-Instrumente, io daß die Differenz allein schon mehr ausmacht als der Motor kostet. Das ganze Dampfmusikwerk mit 12 flotten Tänzen, also der volle Ersatz für eine Musikkapelle, soll nur 400—500 JL. höchstens kosten! Uebrigens kann man, wie es scheint, mehrere solcher Motorchen verbinden und dadurch !/* bis V» Pferdekraft erzeugen, so daß Drechsler, kleine Buchdrucker, Velociped- fahrer das Ding ganz gut brauchen können, ohne erst Gasmotoren anschaffen zu müssen, und in Bopparo richtet eben jetzt ein Kaufmann einen Kahn mit Nädern her, den ein solcher Motor treiben soll. Erfreulich ist es nur, daß es sich diesmal um eine gute deutsche Erfindung handelt, die auch auf der vorjährigen Wiener Fachausstellung wirkliches Aufsehen erregt haben soll und die sich rasch ausbreitet. Der Erfinder Henrici soll in Zwickau wohnen und soll dieser Motor die einzige so kleine und für Handwerker berechnete Belriebs- kraft fein, die bis jetzt erdacht wurde. Bonn, 20. August. Heute früh 6 Uhr fand im Hofe des hiesigen Gcrichts- gefängnisses die Hinrichtung des Naubrnörders Peter Dahlhausen aus Vinxel statt. Die von dem Vertheidiger des Dahlhausen, Justizrath Hagen Hierselbst, gegen das Urtheil eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht verworsen und daraus das Urtheil vom Kaiser unter dem 10. ds. Mts. bestätigt. Die Verkündigung dieser Bestätigung wurde dem Verurtheilten gestern früh zwischen 8 und 9 Uhr durch den Staatsanwalt v. Reden mitgetheilt und ihm zugleich eröffnet, daß die Vollstreckung des Urtheils auf heute früh festgesetzt sei. Dahlhausen verlor hierbei auf kurze Zeit die ihm eigene Ruhe, die er während seiner ganzen Haft gezeigt hatte, er wankte hin und her, erlangte jedoch bald wieder so viel Fassung, daß er feine alte Erklärung, er sei nicht allein der That schuldig, sein Schwiegervater habe Thcil daran genommen, wiederholte, und von nun an allein und ohne geistlichen Beistand zu sein wünsche. Als ihm der letztere trotzdem durch den hiesigen katholischen Arresthausgeistlichen, Eaplan Pingsmann, an- getragen wurde, nahm er ihn bereitwillig an und hat nun bis zu seinem Ende fast ununterbrochen in der Gesellschaft des Geistlichen verweilt, diesem gegenüber aufrichtige Reue gezeigt, mit ihm viel gebetet und schließlich auch die Tröstungen der Religion erhalten. Die wiedergewonnenc Ruhe hat er auch dem übrigen Personal gegenüber, das die letzten Stunden mit ihm in seiner Zelle verbrachte, bekundet und über die verschiedensten Gegenstände, rote über seine frühere Thätigkeit und darüber, ob er tvohl in den Himmel zu kommen erwarten dürfe oder erst durch das Fegfeuer geläutert werden müsse, sich mit diesem unterhalten. Genossen hat er seit der Verkündigung der Strafvollstreckung fast gar nichts. Als heute früh kurz vor 6 Uhr der Scharfrichter Lersch aus Ehrenfeld in der Zelle des Verurtheilten erschien und ihn in Gemeinschaft mit dem Geistlichen nach dem Nichtplatze geleitete, zeigte et auch hier völlige Ergebung und Fassung, die er auch bei der nunmehr durch den Staatsanwalt erfolgten neuen Verlesung des Todesurtheils und bei seiner Ueberüeferung an den Nachrichter nicht verließ. Der Vollstreckungsact war in wenigen Minuten vorüber und verlief ohne Storung. Die letzten Worte des Verurtheilten waren: „So Gott will! Gott sei mir Sünder gnädig!" Der Hinrichtung wohnte eine Anzahl von 50 bis 60 Personen bet, an welche Einlaßkarten vorher vertheilt worden waren. Unter den Theilnehrnern befanden sich auch Vertreter der Stadt. Kassel, 18. August. In einem hiesigen Gasthofe erschoß sich heute Morgen ein Göttinger Student. Die Motive der That wie der Name des Unglücklichen sind bis jetzt noch nicht bestimmt. Heilbronn, 19. August. Eine separirteEhefrau von Böchingen wurde gestern Abend auf dem Rückwege von hier in ihren Wohnort ermordet. Aus der Pfalz, 18. August. In der Nähe von Edenkoben wurde im Walde die Leiche des stud. arch. H. Vetfch aus Zürich aufgcfunben. Der junge Mann hatte sich erschossen. — Ein alter amerikanischer Junggeselle vermachte vor seinem Tode, welcher ihn kürzlich in seinem fünfundsechzigsten Lebensjahre traf, sieben Frauen, welche ihm in Zwischenräumen von fünf zu fünf Jahren einen Korb gegeben hatten, sein ganzes Vermögen. Er setzte hinzu: „Aus Dankbarkeit, weil ich ihnen in erster Linie das Glück meines Lebens verdanke." — sWeßhalb man in s Bad reift.] Ter Berliner „Ulk" beantwortet diese zeit- gemaöe Frage wie folgt: Um die Nerven neu zu stählen, Um von Reisen zu erzählen, Um die Berge zu besteigen, Um sich vor der Welt zu zeigen, Um am Strand sich zu ergeben, Um 'mal früher aufzustehen, Um den Hausarzt zu erproben, Um die Tochter zu verloben, Um sich gründlich abznkühlen, Um den großen Herrn zu spielen, Um Erholung zu gewinnen, Um der Gattin zu entrinnen, Ilm an Waldluft sich zu laben, Um Veränderung zu haben, Um am Krankenbett zu wachen, Um die Mode mitzumachen. Aufruf. Am 13. d. Mts. brach während der Mittagsstunde bei starkem Sturm in dem eine Stunde von hier entfernten Filialdorf Appenrod eine Feuersbrunst aus, die in wenigen Stunden fast die Hälfte des Ortes zerstörte; — 46 Gebäude, darunter Kirche und Schule, sind Trümmer und Asche — 30 Familien sind obdachlos, — ein großer Theil der Erndte ist zerstört, — Vs ber Abgebrannten ist gar nicht, viele sind nur gering versichert, und bei der rasenden Geschwindigkeit, womit das Feuer um sich griff, haben viele nur das nackte Leben gerettet. Dazu kommt, daß bei der vorgeschrittenen Jahreszeit und bei den ländlichen Verhältnissen die Noth im Winter sich doppelt fühlbar machen und durch die unausbleiblich lang andauernde tiefe Störung in der Wirthschaft eine länger anhaltende Schädigung der überdies sehr mittelmäßigen Verhältnisse herbeigeführt werden wird. Schnellste Hülfe thut noth. Wer schnell gibt, gibt doppelt. Gütige Gaben zur Linderung der Noth nimmt entgegen die Gxped. b. sowie der Rechner des Comitä's, der mitunterzeichnete Stadtr'echner Repp in Homberg an der Ohm; auch hat sich der mitunterzeichnete Freiherr Schenck zu SchweinSderg, Wäldershausen bereit erklärt, Gaben in Empfang zu nehmen. Homberg au der Ohm, im Kreise Alsfeld, Großherzogthum Hessen, den 15. August 1885. DaS Unterstützung-, Comits: Rübsamen, Oberamtsrichter. Buchinger, Amtmann. Diesfenbach, Pfarrer. Wolf, Bürgermeister. Freiherr Schenck zu Schweins- b e r g-W ä l d e r s h a u s e n, Großherzoglicher Kammerherr. P f a n n st i e l, Landtags-Abgeordneter, I)r. Vogel, pract. Arzt. K. Münch, Rentner. W. Engel, Postverwalter a. D. und Kreisausschußmitglied. Höfling, Gerichtsschreiber. Schild Wächter, Bürgermeister. I. Engel, Ortsgerichts-Vorsteher. G. Repp III., Bierbrauer. G. Repp IV., Stadtrechner. Schnabel, Postverwalter. 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