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Die Verhandlungen des Reichstages über die Zolltarif-Novelle tragen zur Zeit eine gewisse Monotonie zur Schau und nur dadurch, daß sich die Redner der verschiedenen Parteien öfters gegenseitig Liebenswürdigkeiten sagen, gewinnt das parlamentarische Bild etwas an Lebhaftigkeit. Es sind aber auch die Positionen, mit denen sich der Reichstag seit seinem Zusammentritte dis setzt beschäftigt hat, gerade nicht darnach angethan, allgemeines Interesse für die Verhandlungen hierüber zu erwecken. Cement, Schlemmkreide, Steine, Schiefer — für solche Sachen kann sich das große Publikum schwerlich in* leressiren und um so weniger, wenn — wie dies von der Samstags-Sitzung galt — Die Debatten keinerlei Würze durch diese oder jene Rede erhalten. Die Zölle für Kaffee, Cacao und deren Surrogate riefen eine nur unwesentliche Debatte hervor und auch über einen immerhin so „anregenden" Gegenstand wie Cavi'ar, ging der Reichstag ziemlich schnell hinweg. Der freien volkswirlhschaft- Iichen Vereinigung gelang es hierbei, den Satz von 150 durchzusetzen, weniger Glück hatte sie aber mit ihrem Antrag, den Zoll für Austern und Hummern aus 100 eX zu erhöhen, da derselbe abgelehnt und dafür den Zoll für Austern und Hummern, entsprechend einem Anträge des Abg. Kalle, auf 50 vtL normirt wurde; die Liebhaber dieser schmackhaften Meeresbewohner müßten sich daher eigentlich dem genannten Abgeordneten gegenüber zu einem Dankesvotum verpflichtet fühlen. Die Discussion über Steine und Schiefer bot sür weitere Kreise absolut nichts Bemerkenswerthes dar und erst die Verhandlungen über die Viehzolle dürsten den parlamentarischen Vorgängen im Reichstage wieder ein lebhafteres Colorit verleihen. Rach dem amtlichen Ergebnisse der im Wahlkreise Teltow- Beeskow - Storkow'Charlottenburg stattgehabten Reichstagswahl wurden im Ganzen 23,281 Stimmen abgegeben. Hiervon erhielt Regierungspräsident Prinz Handjery (cons.) 13,473, Dr. Barth (bfreif.) 5262 und Medailleur Kroh m (Soc.) 4515 Stimmen. Der erstere ist sonach gewählt. Das Somitv der Basler Missions-Gesellschaft hat an den Fürsten Bismarck eine eindringliche Petiton um möglichste Beschränkung der Branntwein.Einfuhr in West-Afrika gerichtet. Das Vorgehen wird im Eingang Mmit begründet, daß dieser Gesellschaft sehr viele Deutsche, namentlich Süddeutsche, angehören, die Frage also zugleich eine deutsche sei. Sodann seien im Deutschen Reichstage von einem Mitgliede deffelben Aeußerungen gefallen, welche die Schnaps-Einfuhr unter die Reger gar als ein entschuldbares Handelsgeschäft, das der Humanität zwar widerstreite, darstellten. Dem gegenüber beruft sich ber Vorstand der Gesellschaft auf seine Erfahrungen, welche er aus feinen zahlreichen Stationen an der Goldküste feit 60 Jahren gemacht habe und welche die verderblichen Folgen nachweisen, die dec Vertrieb und Genuß von Branntwein aus die Reger haben. Darum ist auch der Handel mit Alkohol auf den Stationen und Factoreien der Missions-Gesellschast gänzlich verboten, dagegen benjenigen Artikeln, welche die Civilisation wirklich fordern, die Einfuhr gestattet und damit auch den Anforderungen des Handelsgeschäftes auf billigen Gewinn Genüge geleistet. Die Verleitung der Reger zum Bcanntweingenuß führe den moralischen, ökonomischen und physischen Ruin derselben herbei, ähnlich wie beim Opium. Die Reger trinken, so lange sie etwas haben, und wenn sie nichts mehr haben, so machen sie Schulden, um trinken zu können und werden dann nach dortigem alten Recht Leibeigene ihrer Gläubiger. Am Schluffe appellirt die Petition an das sittliche Gefühl des deutschen Volkes und vor Allem an die Zusage des .Fürsten, welcher versprochen habe, das praktische Christenthum zur Grundlage seiner Politik machen zu wollen. Das französische Ministerium des Auswärtigen ist von der chinesischen Regierung amtlich benachrichtigt worden, daß die „Pekinger Zeitung" vom 13. d. Mts. ein vom 6. d. Mts. datirtes Dekret publicirt hat, in welchem die Convention von Tientsin genehmigt und den chinesischen Truppen die Räumung von Tongking anbefohlen wird. In Folge besten haben die Franzosen am 16. b. Mts. die Blokade von Formosa ausgehoben und darf man wohl hoffen, daß nunmehr Die Verständigung zwischen Frankreich und China durch keine weiteren Zwischenfälle verzögert wird. Die Gerüchte über Militär-Aufstände, welche an drei oder vier Punkten Spaniens stattgefunden haben sollen, werden von der spanischen Botschaft in Paris für durchaus unbegründet erklärt. Man nimmt an, daß es sich hierbei lediglich um ein Borsen-Manöver der Anhänger Zorilla's handelt. Die jüngsten Nachrichten über den Stand des englisch-russischen Conflitts klingen zur Abwechslung wieder bedrohlicher. Der „Standard" schreibt: „Die Grenzverhandlungen nehmen ein weniger günstiges Aussehen an, weil Nußlanb wieder Fragen ausgenommen habe, welche als endgiltig geregelt betrachtet wurden." Was für Fragen das sind, verschweigt das Blatt, es kann sich aber in der Hauptsache doch wohl nur um die Abtretung von Pendjeh an Rußland handeln, in welche England ja bereits eingewilligt haben sollte. Run erfahren aber die „Daily News", daß die Gerüchte von ber Abtretung Pendjchs vollständig erfunden seien und besorgen die „Daily News", daß militärische Vorkehrungen noch durchaus nothwenbig seien. Wenn England wirklich nicht iit die Abtretung Pendjehs willigen sollte, dann .wäre allerdings ber Kamps un- ve-cmeiblich, denn freiwillig wird Rußland diese vorgeschobene Position nicht he-rausgeben; inbesten steht immer noch zu hoffen, daß es nicht zum Aeußersten kommen wird. Wirthschastsgeld und Wirtschaftsbücher. In sehr wenigen Familien ist es Sitte, daß die Hausfrau ein feststehendes Wirthschastsgeld zur Bestreitung aller wirthschaftlichen Bedürfnisse erhält. Es haben aber der Fabrikarbeiter sowohl wie der besser situirte Beamte, der Taglöhner wie der reiche Kaufmann, der Fabrikant ebenso wie der Gewerbtreibende, alle zusammen in gleicher Weise die Pflicht, ihre Haushaltungskosten im Voraus zu überschlagen und fest zu regeln. Leider geschieht dies l'o wenig. Und daher kommt es, daß Familien mit einem jährlichen Einkommen von 1500 JL mit geregelter Wirthschastsbuchführung nur zu oft ein glücklicheres und besseres Leben führen können als Familien mit einer höheren Jahreseinnahme ohne Buchführung. Da die specielle Wirtschaftsführung, d. h. die Ausgaben für die tägliche Be köstigung und Instandhaltung der dazu nöthigen Geräthe, immer Sache der Ehefrau ist, so sollte ihr unbedingt monatlich, sobald dies thunlich, oder wöchentlich, wie dies bei dem Arbeiterstande der Fall ist, ein bestimmtes Wirthschastsgeld vom Manne übergeben werden. Ueber die Ausgaben selbst hat dann die Frau gewissenhaft Buch unb Rechnung zu führen. In einer guten Ehe, wie sie sein soll, wird der Mann sowohl als die Frau fortrvährend über die Höhe des jederzeitigen Einkommens im Klaren sein, und es ist nur zu wünschen, daß beide Theile, und zwar aleich bei der Einrichtung, wie endlich auch später in allen dringlichen Fällen miteinander berathen, wie wenig oder wie viel sie auszugeben im Stande sind. Es wird, wie bereits erwähnt, in fast allen Ständen sehr häufig dadurch gc- fehlt, daß die Frau kein bestimmtes Wirthschastsgeld erhält, sondern es sich geben lassen soll, sobald sie es braucht. Für eine feinfühlende Frau ist dies ein schwerer Punkt; ihr wird es immer unbehaglich sein, schon wieder nach Geld zu ftageN. Wie oft muß sie dann wohl hören: „Was, Dein Geld ist schon wied'eL alle?" Und der Mann bedenkt nicht, daß von der Geldsumme, die er zur Bestreitung der wirthschaftlichen Bedürfnisse gegeben hat, einige größere auch zur WirthschaftSführung gehörige Ausgaben sich nothwendig gemacht haben. In anderer Weise wiederum ist es falsch, wenn der Mann seinerseits aus Zartgefühl dem Wirthschaftsbuche seiner Genossin keinen Blick würdigt und vielleicht noch ärgerlich wird, soll er den status quo des Haushalts in Augenschein nehmen. Männer wissen selten, wie viel die Lebensmittel kosten und wie viel in der That täglich verbraucht und aufgezehrt wird, ^ie machen oft größere Ansprüche an den Mittagstisch, als sie die Mittel dazu hergeben, und würden sicher eher zur Einsicht gelangen, wenn sie sich Schwarz auf Weiß überzeugten, was die Beschaffung ihrer Wünsche kostet. Hierin liegt ein großer Werth der wirthschaftlichen Buchführung. Wie könnte auch der Mann der Frau das Wochen- oder Monatsgeld gewissenhaft zutheilen, als auf Grund vorhergegangener genauer Buchung? Nur so kommt die Hausfrau nicht in die Verlegenheit, vom Manne ein Mehr zu fordern, oder in die Versuäfung. einen etwaigen Ueberschuß unproductiv anzulegen. Wird aber, wie man zu sagen pflegt, aus einem Beutel gewirthschaftet, so entstehen häufig nicht nur häusliche Differenzen, sondern auch Differenzen über Einnahme und Ausgaben, und das ist der Ruin vieler Ehen. Hat der Mann ein bestimmtes Einkommen, so muß er auch der Frau ein bestimmtes Wirtschaftsgeld wöchentlich oder monatlich übergeben. Die Höhe des letzteren ist von beiden Theilen gemeinschaftlich nach dem was eben verbraucht und verzehrt werden kann, festzustellen. Die Vorrechnung der Ausgaben, übrigens eine geringe Mühewaltung, ergibt sehr bald, ob überhaupt und wozu viel Geld verausgabt wird. Eine Einschränkung ist eben leicht zu bewirken. Man kann sich viel besser einrichten, wenn man weiß, wo der Fehler liegt, und der Mann muß eben damit zufrieden sein, ivas für das angesetzte Wirthschastsgeld auf den Tisch zu beschaffen ist. Dies gilt besonders für denjenigen Mittelstand, in welchem die Frau nur Erhalterin, nicht Miterwerberin ist. Wo sie aber das letztere ist, da kann sie dafür ihre Kleidung selbst beschaffen, und der Mann hat nicht nöthig, ihr zu diesem Zwecke ein Taschengeld zu gewähren. Uebrigens ist es besser, und es mögen alle, auch die wirthschaftlichen Frauen im Voraus um Verzeihung gebeten sein — wenn auch die Anschaffung von Kleidungsstücken und Putzsachen nur mit Hinzuziehung der ehemännlichen Anschauung bewirkt wird. Nicht alle Frauen, aber die Mehrzahl handelt hierin etwas schwach. Ein Hauptarundsatz der Frau und des Mannes muß sein: Keine Schulden machen. Es soll nie auf einen erträumten Glücksfall gerechnet werden, durch den jene bezahlt werden könnten. Der hinkende Bote kommr stets nach. Wenn dann die alten Schulden endlich bezahlt iverden müssen, sobald es überhaupt noch angeht, werden neue Schulden kreirt; der Volksmund sagt hier: Es wird ein Loch aufgemacht, uni das andere zuzustopfen. Viele Frauen werden nun sagen, daß Schulden viel eher durch das Wirths- hausleben der Männer entstehen als durch die weibliche Putzsucht oder durch Beschaffung von Lebensmitteln. Hier wird nun die beste Grenze gesetzt, wenn Mann und Frau aufhören, einander und sich selbst zu verheimlichen, was ihnen Restauration, was die Toilette kostet. Wiederum ist die Hauptsache, alles aufschreiben und klarlegen. Zahlen sprechen, Zahlen beweisen und ein gewissenhaftes Buchen verhütet vor Allem Diejenigen Ausgaben, die ohne Wissen des einen der beiden Ehegatten geschehen. Eine gute häusliche Buchführung hat aber noch einen hohen Werth. Es wirkt die Sitte des Aufschreibens fördernd auf das Gemüth der Kinder; sie lernen den Werth des Geldes besser verstehen und schätzen und ein wirtschaftlicher ^inn wird schon frühzeitig in ihnen geweckt. Ganz bestimmt aber ist dieser das beste Hochzeitsgut, das ein junges Weib der Ehe zubringen kann. Einer solchen Hausftau wird der Trost „einmal ist keinmal", der bei den häuslichen Ausgaben so gern als Versucher herantritt, nie nahen, ihm wird aller Boden bei sorgfältigem Buchen entzogen, denn die Reihe der am Schlüße des Jahres summirten Ausgaben reden laut ins Gewissen. Von vielen Seiten, und namentlich von den Beamten, wird nun zunächst geltend gemacht, daß es bei ihnen einer sorgfältigen Buchung der Ausgaben nicht bedürfe, nach ihrem bestimmten und regelmäßig wiederkehrenden Einkommen wüßten sie, wie viel im Laufe eines Jahres verausgabt worden sei oder ausgegeben werden dürfe. Viele sagen, wenn das Geld „dünne" wird, ist der erste des folgenden Monats nicht mehr weit, zu was soll da gebucht werden rc. Alle diejenigen, die solche Reden bei der Hand haben, halten das Aufschreiben und gewissenhafte Buchen für unnöthig. Daß dem nicht so ist, müßte eigentlich leicht einleuchten. Wenn jene auch in Bausch und Bogen isi'fen, was für den Jahresunterh erforderlich gewesen ist, so sind sie doch keines ? gs im Stande, anzugeben, wiev dann auf Nahrung, Kleidung, Wohnung, geistige Bildung, gesellige Zerstreuung un^ Vergnügungen :c. int einzelnen entfällt und täuschen sich selbst, indem sie betreffs der Höhe der einzelnen Posten im Dunkeln tappen. Wie viele meinen, daß zu dem Huchen ein großer Zeitaufwand nöthig sei. Mit Nichten! Es ist weder Mühe, noch Zeit, noch Kostenaufwand erforderlich, um die einzelnen Tagesausgaben in übersichtlicher Weise aufzuschreiben. ES möge nur von den vielen, die jetzt noch kein Girthschaftsbuch in ihrem Hausstand führen, der Versuch gemacht werden, er wird sicher lehren und nach kurzer Zeit werden beide, Manit wie Frau, zu der Einsicht kommen, daß es gut ist, daß der letzteren nicht nur ein festes WirthschaftSgeld gewährt wird, sondern wenn auch jeder verausgabte Pfennig gebucht wird. Von den vielen goldenen Regeln unseres deutschen Sprachschatzes möge zum Schlüsse noch allen den Ungläubigen liier die folgende goldene Regel zur Beherzigung vor Augen geführt werden: „Wer nicht schreibt, der nicht bleibt." E. W Vermischtes. Worms, 16. April. Die „W. Z." schreibt: Ungewöhnlich große Sensation erregt die im Laufe des gestrigen Rachmittags bekannt gewordene Thatsachc, daß der erst seit Anfang Januar dieses Jahres hier wohnhaft gewesene, im 25. Lebensjahr gestandene praktische Arzt Herr Tr. S. Auerbach aus Vreden (Reg.-Bcz. Münster) sich gestern Mittag im Bürstadter Walde mittelst eines Revolverschusses selbst entleibt hat. Mm 10 Uhr früh hatte sich Dr. Auerbach gewohntermaßen von Hause fortbegeben, um, wie man annahm, seine Patienten zu besuchen, indem er hinterließ, daß er innerhalb einer Stunde etwa zurückkehren werde. Um die Mittagszeit wurde er noch in Rosengarten gesehen. Kurze Zeit darauf, als Tr. A. kaum hundert Schritte in den Bürstadter Wald gclanat, vernahmen die in der Rähc befindlichen Leute zwei rasch aufeinander folgende Schüsse. Ein sofort hinzueilender Waldhüter fand jetzt den von einer Kugel ins Herz getrostenen leblosen Körper des Unglücklichen unter einem Buchenstamm am Boden. Reben ihm lag ein sechsläufiger Revolver, in welchem noch vier Schüsse unentladen sich befanden. Von Pretiosen trug Dr. Auerbach seine Uhr und goldene Brille bei sich, außerdem (tielb (20 JL und einige Pfennige), verschiedene Papierschaftcn und ein Gläschen mit Gift. Um bei den Behörden keinen Zweifel über die Art seines Ablebens aufkommen zu lassen, hatte Dr. Auerbach vorher noch einen Brief unter seiner Adresse hierher gesandt, der von den inzwischen auf telegraphische Benach- richltgung hin hier eingctroffenen Angehörigen eröffnet wurde und kundgab, daß er lDr. Auerbach), sich durch Gift und Schuß entleiben werde. Bezüglich der Gründe, welche den Unglücklichen zum Selbsttnord bewegen konnten, läßt sich Zuverläsiges vor der Hand nicht angeben. Daß es mißliche Vermögensumstände gewesen seien, erscheint von vornherein ausgeschlossen, da der Vater des jungen Arztes, ein höchst achtbarer Kaufmann in Köln, für sehr wohl fituirt bekannt ist. Dr. Auerbach galt bei nUcn, mit denen er in nähere Berührung gekommen, als ein fachlich sehr intelligenter Mann. Er hatte sich, bevor er Worms zu seinem bleibenden Wohnsitz auserkoren, vielfach in der Well umgesehen und während dreier Jahre als Schiffsarzt so ziemlich alle fünf Welttheile besucht. Heppenheim, 14. April. Durch einen Frankfurter Agenten wurde hier der Verkauf eines Gasthofs mit Inventar, Weinbergen, Acckern zu einem sehr mäßigen Preise perfect. Der Käufer nannte sich nach seinen Papieren Sebastiait Kraus, seither wohnhaft in Sachsenhausen, zog am 1. April auf und sollte am 15. April die erste Anzahlung leisten; derselbe hatte beglaubigte Papiere, daß er bei einem Bankier in Helgoland seine Ersparnisse im Betrage von 5000 angelegt und solche zur Aus zahlung an ein Frankfurter Geschäft gewiesen habe. Herr Kraus kam in sehr primitiver Toilette an, wirthschaftete 10 Tage, pumpte viele hiesige Geschäfte, auch Frank- furter, an und verduftete mit der seither vereinuahmten Kasse Dienstag, jedoch nicht ohne vorher seine ihm mit Leid nachsehende Braut, eine Köchin in Frankfurt, um den Betrag von 450 JL erleichtert zu haben. Frankfurt a. M., 17. April. sDer durchgefütterte Grenadier.] Ein Dienstmädchen machte heute gerichtlich eine Lohnforderung von 600 Jt gegen ihre Herrschaft geltend, welche bestritt, dem Mäbchen etwas schuldig zu sein. Heiterkeit erregte es, als die Herrschaft mit einer Gegenforderung für einen Grenadier berausrückte. Zwei Jahre lang, hieß es, habe derselbe heimlich aus der herrschaftlichen Küche und dem Keller- seine Atzung erhalten, der Mann habe keinen schlechten Appetit entwickelt, das Mädchen habe riesengroße Töpfe voll gekocht und sei nie etwas für den anderen To, übrig geblieben. Der Grenadier habe Alles aufgezehrt, und wenn die Sarde nicht entdeckt worden wäre, so wurde er die Familie arm gefressen haben. Die Klägerin mußte darum einsehen, daß sie moralisch zum Ersatz des durch ihre Vrcbelct ange richteten Schadens verpflichtet fei. zKl. Eßlingen, 16. April. Während heute Mittag halb 1 Ubr die meisten Leute hier bei Tische saßen, ertönte plötzlich, wie die „Reck.-Ztg." berichtet, ein fürchterlicher Knall, dem unmittelbar einige minder heftige folgten. Die Häuser zitterten in allen Fugen, Möbel wankten, Fenster flirrten inio zersprangen. Es war das in der sogen. Ehampagne — links vom Wecfnr ca. */, Stunde von hier entfernt gelegene Pulver magazin des Kaufmanns und Feuerweickfabrikanten H. Wagner in die Luft geflogen. Pom Gebäude, das dort stand, ist nichts mehr zu sehen. Bäume in der Räbe sind ausgerissen und zerfetzt und ein scchszehnjäbriger Arbeiter, der sonst im dortigen Magazin beschäftigt war, ist dabei jämmerlich ums Leben gekommen. EnNtebungs Ursache unbekannt. — lEonseroirung von Holz.j Auf der Insel Sardinieil wendet man allgemcin das folgende, an Einfachheit wohl kaum etwas zu wünschen übrig lassende Verfahren an, um daS zur Herstellung von Wagen rc. und vornehmlich von Rädern dienende Holz vor dem Schwinden, Werfen und Reißen zu bewahren. Die .Holzstücke nämlich, welche zu dem angegebenen Zwecke benutzt werden sollen, läßt man vvr ihrer Per arbeilung 5 bis 8 Tage lang in mit gewöhnlichem Salze übersättigtem Wasser weichen und eniclt durch ein solches Verfahren, daß weder Sonnenhitze, noch andere Einflüsse im Mindesten auf das Holz einwirken. Sollte man diese Methode fe fragt die „Landw. Ztg. des Hamb. Kor." nicht auch bei uns einmal einem Versuche unterziehen? London. Tie „Times" erzählt aus Monaco von einer Kriegslist, mit welcher ein anscheinender Selbstmörder die Spielvenvaltung getäuscht habe. Im Interesse der letzteren liegt es, daß keine Leiche ganz geldlos angetrosten werde, weil sonst auf sie der Vorwurf der Ausplünderung bis auf den letzten Eentime fällt. Sobald daher ein Spieler mit den Anzeichen des Selbstmordscandidaten den Saal verläßt, folgt ihm eie Geheimagent auf dem Fuße nach, um bei Leiche ein kleines Röllcken Gold in die Tasche zu stecken. So geschah es jungst. Ein Spieler hatte soeben sein letztes Fünf rankenstück mit der Geberde der Verzweiflung aus das grüne Tuch geworfen, flriff fich dann an die Stirn, stöhnte und stolperte hinaus; bald auch erfolgte bei bekannte Schuß. Der Agent that seine Schuldigkeit, versorgte den Riebergestürzten mit den, bekannten Heuchelgelbe unb schlich weg. Als er aber nach einigen Minuten roieberfam, waren weder Leiche noch Blutspuren zu sehen. Die Polizei ward aufgeboten und fand bald heraus, baß besagter Manu auf ber Bahn nach Nizza abgefahren sei und int borkigen StationSrestaurant ein üppiges Frühstück eingenommen habe. — [(Sin neuer (Fumberlanb.] Auf bem Reumarkte in Köln stehen mehrere „Raubauen" und sprechen vom Gedankenlesen. Da bemerkt einer, ei könne auch Ge danken lesen. „Süch, Pitter, ich gevve fünf Halve, wenn do mer jäß, wo?" linier Pitter ergriff darauf die Hand seines Kameraden und führte ihn ä h Faulhaber durch mehrere Straßen hindurch, begleitet von einer stets wachsenden Menge. Plötzlich bleibt er vor einer Schnapskneipe sieben: „Eß bat fe?" „ Io, bat eß se; evver, säens, Pitter, wie kannst bo bat messe? — Domme Kahl, ich weiß, bat bo andensch nergenS mi geborg kriß!" Gensch prnkt. u. HpeHielerm iür Haut-, Fmuen- u. Ge- schlechtste rank helfen (Syphilis) ctd? Frankfurt u. M. " Stil tetr. 22, tr. AseUt. Prot. Ricord a. Ausw. bneü. »0 1 Halbverdeckte Wagen, prc,?ro% J. €1. Rumpf, Eis. Hand 18, Frankfurt a. Main. Betreffend: Konkurs über das Vermögen des Gastwirths Wilhelm Wenzel von Gießen- Bekanntmachung. Zur Beschlußfassung über die Ver- werthung bezw. Verpachtung des Wenzel'fchen Gartens und die Behandlung des Gemeinschuldners wird hierdurch Gläubigerversammlung ausschrieben aus Freitag den 24 April 1888, Vormittags 8Va Uhr. Gießen, den 18. April 1885. Großh. Amtsgericht. Müller. 2944 Donnerstag den 23. d. M. werben gegen Baarzahlung versteigert: a. Vormittags 10 Uhr auf meinem Bureau (Bahnhofssir 5) hier: 7 Bande Brehm s Thierleben und zwar 3 Bände Säugethiere, 3 Bände Vögel, 1 Band Kriechethiere: b. Nachmittags 2 Uhr in ber Flett'fchen Hofraithe dahier: 1 Wagen, 1 Häckselmaschine, 1 Schwein, 2 Kleider-, 2 Küchenschränke, 2 Sophas, 2 ovale, 2 viereckige Tische, 1 Nähmaschine, Wirthstische unb Bänke :c. re. NB. Die Versteigerung *. finbet ganz bestimmt, pos. h.'voraussichtlich theilweise bestimmt statt. Gießen, den 20. April 1885. Engel, 3035 Gr. Gerichtsvollzieher in Gießen. Aeilgcvotenes. 30331 Gute wthe und weiße Frühkartoffeln; Dickmilch bei Äarl Euler, Hammstr- 5. Schön lackirte Möbel solid unb geschmackvoll gearbeitet, empfiehlt zu billigen Preisen Karl Zimmermann, 1293 Reuen Däne 15. Allgemeiner Anzeiger. W. Zurbuch/sche Lacke, Firnisse und Farben die anerkannt vorzüglichsten für Gewerbe- und Hau-haltungSzwecke offerirt zu gewohnten Preisen Otto Schaaf, 2793 Pächter des Zurbuch'schen Materialwaaren-Geschästs. Schwarze Caclieinire per Mtr. doppelbreit von Mk. 1,20 au. Mache besonders aus einen Double Cache- mite per Mir. Mk. 2,60 prima Oualität aufmerksam. F. Holberg 1755 Kirchenplatz. Kleiderstoffe. Loden, Alpacca, Beige etc. empfehle in großer Auswahl. 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