1886 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Preis vierteljährlich 2 Marl 2V Pf. Durch die Post bezogen vierteljährlich Erscheint Ikglich mH «ssmchrne M «e-ntag». Berte*! Schulfiraße 7. in Nr. 217. Dünsberg deshalb Ä bt Gießen viel naher bi.4 "U7Wmbtt" A^geii. Hie Anzeigen. ^üler finden gute fyn: Her Lage der Stadt. __fcitroBeJl. lästiges Kindermadlßti, Wallthoistraßc 31 «nädchen gesucht, Stadt Mainz. -—-^^bofstrahe 7. ni' ei,B- 2 immerTneu-hTT- ^u_,NeuenÄäiie2v' ^U¥^^7bi —. 4ewen_Q3511 e 20. E zimmer H LudwtWiah U, mt Wochen - Uebersicht. Gießen, 19. September. I Die Kaisertage in Süddeutschland ließen diesmal den Blick sich vonuasw-ise nach den gesegneten Gauen des badischen Landes und dann nach den nicht'minder fruchtbaren Gefilden des Schmabenlandes wenden. Von Ende voriger Woche an bi» zum gestrigen Frertag hatte die badische Hauptstadt bie Gbce den greisen Schirmherrn der deutschen Reiches und tue rhn umgebende alänrnbe Corona von Fürstlichkeiten. Generälen, sremdherrlichen O'frcieren re. in ihren Mauern zu beherbergen. Tagsüber wohnte der Kaiser unermüdlich Dei Feldmanöoern des 14. (baoischen) Armee-CorpS bei und bie überaus zahl, reiche Zuschauermenge hatte hierbei Gelegenheit, die Ausdauer und körperliche wie geistige Frische des kaiserlichen Herrn zu bewundern. Gegen Abend kehrte der Kaiser regelmäßig nach Karlsruhe zurück, um hier die Vorträge des Mstttar- und Civil-Cabinets entgegenzunehmen und daneben noch andere Angelegenheiten »u erledigen. Am Freitag Mittag traf der olloerehrte Monarch nebst seinem glänzenden Gefolge in Stuttgart ein, wo ihm ein ebenso festlicher und begei- ft er ter Empfang bereitet wurde, wie in Badens Hauptstadt. König Karl, welcher in den 'letzten Tagen in Friedrichshafen von einem fieberbaften Katarrh befallen worden war. bat es sich doch nicht nehmen lasten, trotz feines Unroobb seins nach feiner Residenz zurückzukehren und daselbst den Kaiser zu begrüßen. Letzterer wird, wie bereits bekannt gegeben ist. bis zum 23. d. Mts m der schwäbischen Hauptstadt weilen und dann sich nach Baden-Baden begeben und hier in Gemeinschaft mit der Kaiserin. welche in Baden-Baden nach gewohnter Weise ihren Geburtstag (30. September) zu feiern pflegt, den Rest des Monats »erbringen. Roch während des Aufenthaltes des Kaisers in Karlsruhe ist die Ernennung des Prinzen Wilhelm von Preußen zum Oberst und Commandeur Ides Garde-Hufaren-Regiments, sowie diejenige des Generals Heubuck zum corn- inandirenden General des 15. Armee-CorpS (Elsaß-Lothringen) Erfolgt, da tiefer Posten durch den Tod bei Feldmarschalls Frhr. v. Manteuffel erledigt worden war. , ,, . , Die parlamentarischen Vorarbeiten zu der Herbstsession des Reichstages haben in dieser Woche eine weitere Förderung erfahren, indem vom Bundesrath in seiner am Dienstag abgehaltenen Plenarsitzung die Ausführung« - Bestimmungen zum Börsensteuer. Gesetz nach den Anträgen des Ausschustes genehmigt worden sind. Außerdem stand noch der Antrag Preußens auf Verlängerung des über Berlin und Hamburg verhängten kleinen Belagerungszustandes auf der Tagesordnung, doch dürfte hierüber erst in der auf Freitag anberaumt gewesenen Sitzung Beschluß gefaßt worden sein. Wann dem | Bundesrath das bei Der allgemeinen Enquete über die Sonntagsarbeit gefam- melte Material zugehen wird, ist noch vollständig ungewiß, da erstlich die Enquete noch nicht vollständig beendigt ist, und da außerdem bie Verschieden, artigfeit der hierbei abgegebenen Gutachten eine rasche Sichtung des Materials bedeutend erschwert. — Zur Landtags-Wahlbewegung in Preußen ist nicht viel Neue» zu melden; neben den anderen Parteien sind jetzt auch die norddeutschen Demokraten mit einem am Montag in Hamburg abgehaltenen Parteitag her- vorgetreten. Die Verhandlungen bewegten sich auf dem Boden des demokratischen Partei-Programmes und gipfelten in der Erklärung, daß die norddeutsche demokratische Partei nunmehr conftituirt sei. Zum nächsten Vorort wurde Leipzig gewählt. , f Die am Dienstag stattgefundenen Ergänzungswahlen zur sächsischen zweiten Kammer haben an dem Besitzstand der einzelnen Parteien äußerst wenig verändert. Die Conservativen und die Rationalliberalen haben, das Gesammtresultat zusammengehalten, nichts gewonnen und nichts verloren, die Fortschrittler verloren, die Socialdemokraten gewannen einen Sitz. Von Einzelheiten sind folgende hervorzuheben: Die Socialdemokraten gewannen Dresden-Neustadt und Chemnitz (Land), verloren dagegen Leipzig (Land) und behaupteten sich in Zwickau (Land). Ihr Angriff auf den einen Chemnitzer Wahlkreis wurde durch das feste Zufammenstehen aller Ordnungsparteien glänzend abgeschlagen. In Altstadt-Dresden unterlag der langjährige fortschrittliche Abgeordnete. Kaufmann Walter, dem conservativen Candidaten, auch in Dresden- Altstadt siegten die Conservativen; die drei voigtländischen städtischen Wahlkreise sandten wieder ihre drei bewährten liberalen Vertreter in.bie Abgeord- neten-Kammer. Vielleicht wird die amtliche Feststellung der Wahlresultate noch hier und da eine Correctur Der Wahlnachrichten bewirken, im Ganzen steht aber fest, daß die Conservativen auch in der Landtagssession über die absolute Ma- jorität verfügen werden. In der Karolinen-Frage behauptet sich die Auffassung, daß der ganze Streitfall aus gütlichem Wege seine Beilegung finden wird, zumal da die Anfangs so erregte antideutsche Stimmung jenseits der Pyrenäen saft einer gewissen Gedrücktheit Platz gemacht hat. In allen noch einigermaßen urthests- fähigen Kreisen der spanischen Nation sängt man an zu begreifen, wie sehr man Deutschland durch den so leichtsinnig in Scene gesetzten Entrüstungssturm gegen dasselbe vor den Kopf gestoßen hat und bemüht sich jetzt, möglichst noch einzu- [enfen. Al» ein Zeichen dafür ist die Bereitwilligkeit selbst der liberalen und republikanischen Eiferer in Madrid zu betrachten, mit Deutschland in eine Dis- cussion über die Rechtsfrage einzutreten. In der Antwortnote, welche der spanische Gesandte in Berlin, Graf Benomar, im dortigen auswärtigen Amte Anfangs dieser Woche überreicht hat, bildet die Darlegung der angeblichen spanischen Rechtsansprüche auf die Karolinen einen befonbern Abschnitt. Zu- ■ einen n j jenjöoue 2?» ä'inmer ,,, nar ■ — ' «6'se Vcutt tu« Heinr- F“1*- oizÄM I jfüUerschuM 6. fraftiöer J Jlr. 219 Zweites Blatt Sonntag den 20. September \^s> 10 <"*' nächst soll jedoch bie Note die osficielle Entschuldigung der spanischen Regierung wegen der Madrider Pübel-Excesse und ihre Vorschläge bezüglich der dem beut* scheu Reiche zu gewährenden Genugthuung enthalten. Erst nach Erledigung dieser formellen Angelegenheit sollen die diplomatischen Verhandlungen über die rechtliche und materielle Seite der Karolinenfrage beginnen. Der wahrhaft begeisterte Empfang, welchen Kaiser Franz Joses gelegentlich der großen Truppen-Manöver in Kroatien und Slavonien allerorten gesunden hat, ist ein hell leuchtender Punkt in der sonstigen Misere Der trüben politischen Verhältnisse im Donau-Kaiferreiche. Fast möchte man behaupten, daß die Liebe zu dem angestammten Herrscherhause der einzige verläßliche Kitt ist, welcher das Völker-Conglomerat der habsburgischen Monarchie noch zusammenhält und wie vor einigen Wochen in Kremsier und kürzlich wieder in Pilsen Deutsche wie Czechen dem Herscher des Landes in gleicher Anhänglichkeit zujubelten, so wird jetzt der österreichische Monarch im Süden seines Reiches von Croaten und Slooenen warm begrüßt — wie gesagt, ein Lichtblick in dem ewigen Hader der Völkerstämme Oesterreich-Ungarns. Einen bedeutsamen Mo- ment bei der Anwesenheit des Kaisers m Kroatien bildete auch der Empfang der bosnisch-herzegowinischen Massen-Deputation in Pozega. welche gekommen war, dem Herrscher die Ergebenheit und Loyalität seiner Unterthanen auch m der Herzegowina und in Bosnien zu versichern. Die Deoutation dürste aui s Höchste befriedigt von dem leutseligen Empfang, den sie beim Kaiser gefunden hat. nach Hause zurückgekehrt sein, wohin sie auch die Versicherung eines dem- nachstigen kaiserlichen Besuches in den occupirten Provinzen mitgenommen hat. Jenseits der Vogesen hat man nur noch Sinn für die Wahlen und alles, was damit zusammenhängt, und je näher der Wahltermin, der 4. October, rückt, desto enger folgen sich die verschiedenen Wahlkundgebungen. । Auch das Cabinet Brisson hat es wieder für nöthig gehalten, mit einer officiellen Kundgebung in die Wahlbewegung einzugreifen, da der Minister des Innern, Allain-Targö, in dieser Woche auf einem zu Paris stattgesundeneu Banket nochmals das Programm der Regierung entwickelt hat, wie dies kürzlich schon der Conseilpräsident Brisson selbst gethan hat. Im Allgemeinen hat hie Rede Allain-Targe's nur die Ueberzengung befestigt, daß der Bruch zwischen den Radicalen und den Opportunisten ein vollständiger ist und daß sich beide republikanische Parteien am Wahltage feindlich gegenuberstehen werden. z r r Der auf Schloß Fredensborg bei Kopenhagen versammelte fürstliche Familientag ist durch die Ankunft des Prinzen von Wales und des Herzogs von Chartres nebst Familie kaum vervollständigt worden und schon ist in den Streis der fürstlichen Gäste des dänischen Königspaares durch die am Mittwoch erfolgte Abreise des Königs von Griechenland die erste Lücke gerissen worden. Am Dienstag erschien auch am dänischen Hofe ein Abgesandter des Sultans in der Person des Admirals Suleiman Pascha, welcher dem König und dem Kronprinzen die ihnen verliehenen türkischen Ordensdecorationen überbrachte. Suleiman Pascha erhielt dafür den I Danebrogsorden, während dem Herzog von Chartres der Elephantenorden. die höchste dänische Ordensauszeichnung, verliehen worden ist. Die Apenninen-Halbinsel zittert wieder unter der Cholera- Geißel. Von Norden wie von Süden, von der französischen Grenze wie von I dem verseuchten Sicilien her dringt die Cholera gegen die mittleren Provinzen Italiens vor. Wenn man den Cholerabulletins der italienischen Regierung I trauen darf, so trägt die Epidemie noch einen, milden Character, doch i|t I die Befürchtung nicht ausgeschlossen, daß sie rasch ihren wahren Character I annehmen werde. .. r Die Mission Sir Drummond Wolfss in Konstantinopel I kann man wohl bereits als halb gescheitert betrachten. Wenigstens verlautet über den Fortgang derselben noch nicht das Geringste; dagegen wird das Ge- I glicht, der Sultan beabsichtige, den Großvezir mit einem besonderen Auftrage I nach Egypten zu schicken, wieder dementirt- . Die spanische Regierung trifft Vorbereitungen für knegerttche I Eventualitäten. So läßt sie die Chassarinen - Inseln an der Küste Marokkos I befestigen und der Commandant von San Sebastian hat Befehl erhalten, I die Befestigungsarbeiten am Hafen dieser Stadt zu beschleunigen- — on Madrid ist wegen Nachlasses der Cholera ein Theil der Cholerahospiläler ge- I schlossen worben. ______________________________ Die deutsche ArmenMr. Der eben erschienene Bericht über die Armenstatistik des Deutschen Vereins für Armenpflege und Woblthätigkeit läßt trotz aller Verschiedenheiten in den Armen;inern I von 77 deutschen Städten mit mehr als 4 Millionen Einwohnern doch eine■fltroine Regelmäßigkeit heroortreten. Im Allgemeinen bemerkt man bet ben kleinen Städten kleinere, bei den größeren Städten größere Armenzmern Auf.^OO Eimvohner entfallen in den Städten bis 20,000 Einwohner 4,(5 Unterfluhte^in den Städten über 20-50,000 Einwohner 5,02, in den Städten über 50-100,000 Emwohnx 6.39, m den Städten über 100,000 Einwohner 6,51 Unterstützte. Die größte Ctabt des Reiches, Berlin, zählt schon in der offenen Pflege allein über 6 Unterstützte auf 100 ^Anlangend das Geschlecht der Unterstützten, so waren im Durchschnitt sämmt- licher Armenverbände von den erwachsenen ^^11^1101^11 (ohne ^119^01:1^) I 40,24 pEt. Männer und 59,76 pEt. Frauen. Unter den dauernd H"lerftutzten überwiegen mit einer Ausnahme - der Stadt Hagen - in fammtlichen Armenverbanden die Frauen, unter den vorübergehend Unterstützten mit einigen Ausnahmen die I Männer. Im Durchschnitt sämmtlicher Armenverbande waren von den dauernd llllhtt Orskil Action zu kaufen gefujl len unter Nr. 6701 a Bl. erbeten. 67».< WutÖt. falt. LstaMagc'^ s,» rafec). AV. r SWnlchi. Nitglic-er , Abends 8V2 W. Verschiedenes. r y’orfrtand' _ Frauen. 35,08 Frauen. 31,97 ..Kronjuwi man bie solidesten A. ^angmano^ 6062 €526 Müller. der geschlossenen Pflege 64,92 pCt. auf Männer, in der geschlossenen Pflege 68,03 pCt. aus Männer, 962 Ankauf von Lumpen, Knochen. Eisen, Messing, Werg, Akten, Geschäftsbüchern rc- zumIEinstampfen. Neuenweg 22. klützungsfällen der offenen Pflege hältnisse ermittelt. Es entfiel hier: in der offenen Pflege 23,34 pEt. auf Männer, 6648 Eine hiesige größere Cigarrenfabrik sucht einen Lehrling. Näheres in der Exped- d- Bl. billigsten u Scliuh Trauer Hute für Damen, in allen Formen und QM- täten empfiehlt in großer Auswahl & u. liaTinorplal Wasch« und unter Öüiantv A. Prassei ^Uuihirte Pr Prämürt Anfertigung nach Maß binnen zwei Stunden. Kirchenplatz 9. Unterstützten 23,29 pCt. Männer und 76,71 pCt. Frauen und von den vorübergehend Unterstützten 62,51 pEt. Männer und 37,49 pCt. Frauen. Bezüglich des Verhältnisses der offenen zur geschloffenen (Anstalts)-Pflege fft heroorzuheben, daß im Durchschnitt sämmtlicher 77 Armenoerbande 61,13 Unter,lutz- unasfälle auf die offene und 38,87 auf die geschloisene Pflege entfielen. Das Derhältniß der gesummten sächsischen Armenstatistik des Jahres 18^) war fast genau dasselbe, es kamen 60,11 pCt. auf die offene und 39,89 pCt. aus die ge- W°" 3n^cr9 offenen Pflege überwiegt das weibliche und in der geschlossenen das männliche Geschlecht. Im Durchschnitt der Armenverbände entfielen von den Unter- 31,62 pCt. auf Männer, Ii^der'sächsischen^ Armenstatistik vöm Jahre 1880 wurden ganz ähnliche Ver- fowahUf “•‘«I’Ulfi lu- "8^weini Fr. Wilhelm Herschel den Nebel mit feinen mächtigen Teleskopen untersucht. Dcn centralen Hellen Theil fand er zwar auch nebelig, aber mit Andeutung, da« er vrelleictt in Sterne auflösbar sei. Der große Beobachter bemerkt ferner, daß die Drstanz drescs Nebels dem zweitausendfachen der Entfernung des Sirius vergleichbar lei. Diesen Abstand zu durchlaufen, braucht das Licht sechstausend Jahre, so daß, wenn HerfchelZ Schätzung der Entfernung richtig ist, die erst heute für uns sichtbar gewordene Neubildung in jenem Nebel sich in Wirklichkeit bereits ereignet hat zu einer .Kett, die dir ältesten beglaubigten Geschichte Egyptens und Babylons voraufgeht. Der mittlere Theil oder der sogenannte Kern des Giebels ist nicht sternartig, sondern in starken Ferngläsern gewissermaßen fleckig, so daß man der Ansicht Herschcl's, er bestehe aus Sternen, beipflichten muß. Endlich hat 1848 der große Nefraetor zu Cambridge (Nordamerika) dort innerhalb der Grenzen des Nebels mehr als loOO einzelne Sternchen erkennen lassen, ohne daß jedoch der nebelhafte Umriß des Ganzen verschwunden wate. Durch diese Sternmasse zogen sich zwei schmale, dunkle, parallele Streifen, gewissermaßen wie zwei Nisse, die auch später von anderen Beobachten! gesehen worden fuib. Das Svectroskop hat endlich gezeigt, daß dieser Nebel ein continnirliches Spectrum besitzt, derselbe also keine glühende Gasmasse, sondern ein dicht gedrängter Sternhaufen sein muß, wenigstens in den centralen Theilen. Tort ist nun auch der neue L-lcrn erschienen, und die verhältnißmäßig große Helligkeit, welche er zeigt, laßt gar keinen Zweifel darüber, daß es sich dabei um einen Vorgang handelt, den man au eine Weltkatastrophe bezeichnen muß. Genaueres wird sich hierüber sagen lassen, sobald günstige Witterung Die Anwendung des Spcctroskovs gestattet. Von verschiedener Seite ist behauptet worden, seit dem Erscheinen des.Sterns habe der Nebel ebenfalls seine Gestalt verändert, ja man könne unmittelbar rasche Ausdehnungen und Zusammenziehungen der Nebelmaterie erkennen. Diese Wahrnehmungen sind Täuschungen, bervor- gerufen durch das relativ starke Licht des neuen Sterns; wer Nebelflecken beobachtet bat, die nahe bei Hellen Sternen stehen, weiß, daß sich stets ein ähnliches Verhalten der diffusen Nebelmaterie zeigt und dieses nur eine fubjectioc Erscheinung ist. Verehrtem mein Wlk Altien-Bra 66,66 „ „ Frauen, 31,97 „ „ Frauen. Anlangend die Gliederung der selbstunterstützten Personen in Erwachsene und Kinder, so waren in den 77 deutschen Armenverbänden von den ^elbstunterstutzten 86,10 pEt. Erwachsene und 13,90 pEt. Kinder Tie sächsische Armenstatistik von 1880 ermittelte im Durchschnitt des Königreichs 87,70 pCt. Erwachsene und Vermischte-. — Die Trinkgeldfrage beschäftigt noch immer die Presse weit und breit unb ist Gegenstand eingehender Erörterung in der Fachpresse des Gastwirthstandes. Aba die Besprechung bewegt sich fast ausschließlich in der engen Erörterung des Verhol:- nisses des Kellners zum Wirthe und der Mitschuld des Publikums durch gefügiges Unterwerfen unter die althergebrachte Sitte. Vielleicht ist es nicht ohne Berechtigung, darauf hinzuweisen, daß auch das Publikum, wenn es einmal in die Lage komnii, Gastgeber ober Wirth zu sein, sehr gerne die Unsitte des berufsmäßigen Gastwirt annimmt, seine Bediensteten auf Kosten des Publikums bezahlen zu lassen. In ba Vermittelungsbureaus für das Engagement von Dienstboten kann man täglich die cn ein Mädchen bei Feststellung des Lohnes gerichtete Bemerkung hören: „Ich gebe nicht mehr als so und so viel Mark, aber in meinem Hause verkehren viele Freunde und Sie bekommen viel Trinkgeld." Hier also wird bestimmt darauf gerechnet, daß brr Besucher die Tasse Thee, welche er Abends beim Freunde genießt, auch bezahl:. Schlimmer noch ist es und gerade unerhört, daß bei den in öffentlichen Sälen stau- findenden Hochzeitsfeierlichkeiten der Gast häufig am Schluffe vom Kellner in Anspruch genommen wird, daß er hier also nicht etwa verstohlen an der Hausthür bem dienstbaren Geist freiwillig ein kleines Geschenk in die Hand drückt, sondern unter bei Augen des Gastgebers und gewissermaßen auf dessen Wunsch und mit seiner 8u- stimmung in hohe Eontribution genommen wird. Bei öffentlichen Festessen ist biri bie Regel. Selbst bei bem Diner, welches vor 8 Monaten Stanley in Berlin gegebn würbe uiib bei welchem bas Couvert mit 20 JL berechnet würbe, ein Preis, der ft bem Traiteur sehr wohl hätte ermöglichen sollen, auch seine Kellner zu bezahlen, ging ber Teller mit bem berühmten Zahnstocher herum und sollte Stanley selbst eben präsentirt werben, als noch ein Herr rechtzeitig interoenirte. UeberaU allerbings löst man sich biefen Zwang nicht gutrnüthig gefallen. Es war bei bem Anfangs Juli stattgehabten großen deutsch-amerikanischen Feste in Bingen. In der Fefthalle auf dem Rochusberge saß die 400 Köpfe zählende Gesellschaft. In vorgerückter Stunde n?cr man beim vorletzten Gange angelangt, als auch plötzlich zuerst an der Haupttafel ber unheimliche Zahnstocher auftauchte. Der unglückliche Kellner, der gerade hier den Anfang machte, ist von seinen Collegen sicherlich dafür verwünscht worden. Zuerst oller dings nahm die Geschichte einen harmlos komischen Verlauf. Der erste Frenide, eix Stock-Amerikaner, nahm mit einem verbindlichen „thank you“ den Zahnstocher und legte ihn neben sich auf den Tisch. Kopfschüttelnd ging der Kellner weiter. Er ersetzte den Zahnstocher durch einen andern und erlebte, daß ihm nunmehr als Am- wort ein elfenbeinerner Zahnstocher gezeigt wurde, den ber Gast seinem Portemonnaie entnahm. Auch ber britte Versuch schlug fehl. Hier legte sogar mit unerschütterlichem Ernste ber Gast einen zweiten Zahnstocher zu bem ersten — was er sich dabei gebaut haben mag, ist nicht recht klar. Erst der vierte Gast war ein Mann nach dem Harzen des Kellners. Emil Rittershaus erbarmte sich des Unglücklichen, aus seiner Tascte rollte das erste Silberstück klappernd auf den Teller und der Schreiber dieser Zecki schickte sich eben an, das Beispiel nachzuahmen, als das schon längst dem Vorgang folgende Auge des Vorsitzenden, eines Deutsch-Amerikaners, die Proeedur vollstant.z erfaßte. Und was nun folgte, war in gewissem Sinne für die Kellnerschaar gräßliL Wild sprang der Rewyorker Schütze von seinem Platze. Wie der Donner dem Bli?, so folgte seinem dröhnenden „Halt" die Confiscation des Tellers und unmittelbci darauf ein gewaltiges „Hinaus". Der Mann verstand keinen Spaß und es naba geraume Zeit in Anspruch, ihn zu beruhigen. Dann aber ließ er sich den Win» kommen und machte ihm den Standpunkt klar. Es sei für das Couvert bewillig worden, was er forderte. Darüber hinaus gebe es keinen Deut. Und man sc?? ihm hier praktisch das auseinander, was Professor Jhering und seit ihm sehr vi<-' Andere theoretisch zu befürworten versucht haben. Es dürfte das erste Mal gewtfu sein, daß die Trinkgeldfrage in Deutschland in so eminent praktischem Sinne ge!ö wurde. Und es empfiehlt sich der Vorfall zur Nachahmung. Wenigstens bei aregt Festlichkeiten, bei Hochzeiten, ans den Privathäusern sollte das Trinkgeld »c bannt werben, wenn man es schon nicht aus bem kleinbürgerlichen Verkehr cusl merzen kann. | PüiHein. b( (yort zagkkb Billige ? frei in bie 3 Dan 2405 ! W-ffttdi (2tbttglan)),S Men mi preijen- Lon Darmstai verfault & - Meine gebrannten reinschmeckender Kaffee’s von 98 Pfennig per Pfund an, brr! ich hiermit in empfehlende Erinnert Eberh. Metzger, 3410 Neustadt Nr. 8. Keikgebolenes. SiegeFs «Hühneraugen Tt>! frisch eingetroffen. C. Fr. Conrad, Friseu:, 5158____________Mänsburg 15.___„ 12,30 pAAn er.^ Verhältnisses von offener und geschloffener' Pflege überwiegt bei ben Kindern die offene Pflege. Im Durchschnitt der ^deutschen Armenverbande kommen 53,13 pCt. auf die offene und 46,87 auf die geschloffene Pflege. Für ganz Sachsen wurde 1880 ermittelt, daß 55,78 pCt. ber selbstunterftutzten Kmber auf bie offene unb 44,22 pCt. auf bie geschlossene Pf^ge kamen. Das so häufige unb burch bie ganze Statistik ber 77 beutschen Armenverdanbe wieberkehrenbe Uebereinstimmen ber Resultate mit ber sächsischen Erhebung von 1880 zeugt von ber Richtigkeit unb Zuverlässigkeit beiber Erhebungen und ist em deutlicher Beweis für ben guten Erfolg bes Jnbioibualkartensyftems. . . Es wirb daburch ferner bestätigt, baß bas dichtbevölkerte inbustnelle Sachsen als Ganzes auch in ber Armenpflege mehr einen ftäbtischen als ländlichen Charakter zeigt und sich in seinen socialen Zuständen dem Durchschnitt der 77 deutschen Städte auffallend nähert. __ Durch das Erscheinen eines neuen Jirsterns im Nebel der Andromeda ist die ganze astronomische Welt in Aufregung verseht worden, denn ein solcher Vorgang gehört zu den seltensten und merkwürdigsten in den Himmelsrauinen, welche sich unserer Kenntnißnahme barbieten. Die frühesten telegraphischen Nachrichten, so schreibt Dr. Klein in ber „Köln.Ztg.", bezeichneten Herrn Dr. Hartwig vonberSternwarte Dorpat als den Entdecker des Sterns und als Datum den 1. September. Indessen wurde das neue Object schon zwei Tage früher vom Freiherrn v. Spießen m Winkel (Rheingan) gesehen. Derselbe betrachtete am Abende des 30. August den Andromeda-9tebel mit einem 3V,zölliaeu Fernrohre, wobei ihm sogleich cm Helles, fix- sterilartiges Object nahe der Mitte des diebels auffiel, wovon er früher, bis gegen Mitte August, nichts wahrgenommen hatte. Der Beobachter theilte ferne Entdeckung sogleich der Bonner Sternwarte mit, wo man den Stern in der Nacht vorn 1. zum 2 September sah und seine Lage mikrometrisch bestimmte. Indessen ist der Stern auch schon vor dem 30. August gesehen worden. Auf der Wiener Sternwarte hat man nach erhaltener Benachrichtigung Anfangs September den Stern am großen Nefraetor beobachtet. Er war von 7. Größe und zeigte eine gelbliche Färbung, dabei stand er sehr nahe einer schwachen Verdichtung des Nebels, die schon früher vorhanden war. In Köln und an vielen anderen Orten, wo sich Sternwarten befinden, hat leider das regnerische Wetter bis jetzt jede Beobachtung des Sterns verhindert; hoffentlich wird es möglich, das Object spectroskopisch zu untersuchen, ehe es an Licht abnunmt. Gespannt darf man auch auf Nachrichten aus Nordamerika fern, denn es ist wohl kaum ein Zweifel, baß man ben Stern bort auch mifgefunben hat. Das Sternbild ber Andromeda ist leicht am Himmel zu finden. Wenn man in gegenwärtiger Jahreszeit etwa gegen 10 Uhr Abends ben Blick nach Osten richtet, so sieht man hoch am Himmel, ein wenig gegen Norden hin, mehrere helle Sterne, die zusammen ein lateinisches W bilden. Dies ist das Sternbild der Kassiopeia. Wendet man das Auge von diesem schräg gegen Osten herab, so sieht man drei ziemlich helle Sterne fast m gerader Linie. Sie gehören dem Sternbilde der Andromeda an. lieber dem mittleren derselben erkennt man ohne Mühe noch zwei Sternchen, das oberste dieser letzteren ist der Stern n in der Andromeda. Denkt man sich eine Linie, welche diese beiden Sterne verbindet unb verlängert sie ein wenig über n hinaus, so trifft man gegen rechts ben .nrt des Himmels, in welchem ber große Anbromeba-Nebel steht. Bei guter Luft unb Abwesenheit bes Mondlichts kann man ihn schon mittels eines Opernglases deutlich als kleines, nebeliges Sternchen erkennen. Schon im 10. Jahrhundert erwähnt der Persische Astronom Susi diesen fKebel; im Abendlande sah ihn zuerst Simon Manus am 15. December 1612. Mit unbewaffnetem Auge schien er ihm ein bloßes Wölkchen, im Fernrohr aber sah er nichts sternartiges darin, sondern nur einen weißlichen Schein, ber heller int Eentrum, aber schwächer gegen bie Ränber hin war. Das Ganze verglich Diarius mit einem aus großer Ferne gesehenen Lichte, bas burch eine halbburch- sjchtige Hornscheibe gesehen wirb. Halley beschrieb ben Nebel als breieckig, Messier dagegen sagt, er habe die Gestalt von zwei hellen Pyramiden, die mit gemeinschaftlicher Basis aneinanber liegen unb bie Richtung ber großen Achse sei von N.-W. nach S.-O. Die zwei äußersten Punkte ober Spitzen seien iroeibrittel Grab von einanber entfernt, die gemeinschaftliche Basis messe emolertel Grab. Messier sah keinen Stern in bem Nebel, jeboch eine Zunahme ber Helligkeit gegen bas Eentrum hin. 9iach ihm hat Obstvcrsteigcru»g. Montag den 21. September des Vormittags um 10 Uhr ansangend, soll das hiesige Gemeindeobst, bestehend in Aepseln, Birnen u. Zwetschen, öffentlich versteigert werden. Der Anfang ist beim Teich im oberen Theil des Orts. Rödgen, am 16. September 1885. Großh. Bürgermeisterei Rödgen. Jnderthal. 6657 Dirnslag den 22. September, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Ortsgericht bie Immobilien bes Wilhelm Seibert Flur 1/427 50 Meter Hofraithe in ber Judengasse, ., 1/399 88 Meter Hosraum daselbst, meistbietend versteigert werden. Gießen, den 11. September 1885. Großherzogllches Ortsgericht. irisch vom (= Postkörben p. heriger Casfo 3L_ 2.50 1 franco jl ; Reg m großer ’ 'Nen Pre _____1 M । ÄNttn ■ Ä 41 * £ nA SW Äbi^8' hneraugeitl *tÄ «**, datz ihm nunmdH ti der Gast seinem Poitmrl !gte sogar mit unenW- ten - was er sich data jtbx nar ein Mann nach bin p llnglücklichen, aus seinll^ unb btt Cchttidtt b*jr- ba§ ich°n längst dm t» nntts, die Ptoccdm mlfc ,e für bit iMwriiN l* , Wie btt Domitt M' n bt8 Mttä u»d mir* wb itinmSpaB*;; « aber ließ « ° ’äK’Sj KiÄVw. S’Wir 6e RtL- « b<; f?'d>tSebränjtal'1’? - ■ 1 "u» auÄält* •' ch- er «ch'-lte WM! ' „ jn allen nnfthll See’5 Rcgulirbar mit nur einem Griff. [„Kronjuwel“. Brüder Schmidt, Giessen e,,,h,b„ TelterSweg 2 (am Kreuz), im Windeckerschen Hause empfehlen ihr reich auSgestattetes Lager in: Amerika«. Kronjuwel Defen aus der Fabrik von Paul Reissmann, Äurnbcrg. (Einzigste Spezialitätensabrik Deutschlands v. Amerikan. Zimmerheizungsöfen). 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