Mt, Erstes Blatt Samstag den 19. December L88S BreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinqrrloch«. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag-. Bnreanr Schulstraße 7. imation Die internationale Militär - Commission ist heute Belgrad, 17. December. lh.in ir meint ^euischlarrd. Darmstadt, 17. December. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog haben Allergnädigst geruht: Am 9. d. Mrs. den Disirictseinnehmer der Districtseinnehmerei Westhofen, Rendant Georg Göbel, aus sein Nacksiuchen wegen geschwächter Gesundheit unter Anerkennung seiner treugeleisteten Dienste in Den -Ruhestand zu versetzen; den Districttzeinnehmer der Districtseinnehmerei Grebenhain, Philipp Adolph Kratz, und den Districtseinnehmer der Districtseinnehmerei Lauterbach, Ludw. Hohler, m gleicher Diensteigenschaft in die Districtseinnehmerei Oppenheim, bezw. Westhofen, zu versetzen; den Finanzaccessisten Georg Schäfer aus Schaash-im und den Haupt» steueramts-Assistenten 2. Klasse bei dem Hauptsteueramte Mainz, Ph. Dieter, zu Districtseinnehmern der Distcictseinnehnlerei Fürth, bezw. Grebenhain — zu ernennen. Italien. Rom, 17. December. Heute sand im Vatikan in Gegenwart des Kardinal-Staatssecretärs Jakobmi und mehrerer Kardinäle die Unterzeichnung des auf Grund der Vermittelungs-Akte des Papstes in der Karolinensrage vereinbarten Protokolls durch den preußischen Gesandten v. Schlözer und den spanischen Botschafter Marquis v. Molins statt. — Bei dem Kardinal-Staatsseccetär Jakobmi findet heute ein Diner statt, zu welchem alle bei dem Vatikan beglaubigten Diplomaten eingeladen sind und an welchem außerdem die Kardinale Simeoni, Howard, Schiasfino, Blanchi und Parocchi, sowie viele andere geistliche Würdenträger theilnehmen. — Die „Amtliche Zeitung" veröffentlicht ein Dekret vom heutigen Tage, durch welches der Botschafter Graf Corti von Konstantinopel nach London versetzt wird. Paris, 17. December. Es verlautet, die Regierung habe beschlossen, auf der Creditforderui'g von 75 Millionen zu bestehen und jede Reduction als Ausdruck eines Mr» 2GG. Gotthai^.^^, 1? D^Eber. Die Mitglieder der internationalen Militär - Commission sind um Mitternacht mit einem Expreßzuge nach dem Kriegsschauplätze Tadels anzusehen. — In Folge Steigens der Seine senkte sich ein Brückenbogen des Pontneuf, wodurch auch eine Senkung der Fahrbahn herbeigeführt wurde. Der Verkehr auf der Brücke ist in Folge dessen untersagt, auch sonstige Sicherheitsmaßregeln sind getroffen worden. , _ . ... , .. Petersburg, 17. December. Baron Jonnm rst anläßlich fernes heutigen fünfzigjährigen Dienstjubiläums vom Kaiser eine Tabatidre mit seinem Porträt in Brillanten verliehen worden. Die Dienstcollegen des Jubilars brachten ihm eure Schreibmappe mit den Bildnissen Resselrode's, Gortschakow's, Giers', sowie die Büsten des Kaisers Nikolaus und der beiden Alexander dar. Sämmtliche anwesenden auswärtigen Vertreter machten demselben Gratulationsbesuche. Charkow, 17. December. Die Besserung in dem Befinden,der ^rau Paulus Lucca schreitet fort; dieselbe gedenkt demnächst, ohne ihre Concertreise zu beenden, nach Wien z^rück^ukeh^^ $eccm&en sTelegramm der „Agence Havas".j Madjid Pascha wird heute hier erwartet. Nach einem hier verbreiteten Gerücht hätte sich Oesterreich ,r,e5 —- SfüüW'IJ ■tl9'A k* i England. London, 17. December. Die „Pall Mall Gazette" glaubt zu wissen, Gladstone habe bezüglich Irlands folgende Absichten: Ein irisches Parlament in Dublin, welchem die vollständige Controls der irischen Angelegenheiten zustehe, wobei die Ausübung des Vetorechts der Krone lediglich aus den Rath des irischen Ministeriums geschehen kann; die irischen Deputirten werden auch ferner- hin im englischen Parlamente ihren Sitz behalten, um an der Reichsgesetzgebung tbeilzunehmen; die englische Polizei roiro gänzlich unter irischer Controls stehen. Parnell müßte eine ausreichende Garantie für den Schutz einer loyalen Minorität geben und das legitime Recht der Grundbesitzer gewährleisten. . Amerika. New Bork, 17. December. Nach einer Depesche aus San Francisco entdeckte die Polizei dort eine socialistische Verschwörung zur Ermordung des Gouverneurs von Kalifornien und anderer hervorragender Bürger. Mehrere Verhaftungkn sind vorgenommen worden. Washington, 16. December. Im Senat ist auch ein Gesetzentwurf eingebracht, betr. die freie und unbegrenzte Ausprägung von Silber-Dollars. 1,1 KÄ. H ÄKr d Mythen. iti. zu kaufen. I » mitPr-imB- • »•“J Lokales. # Gießen, 18. December. sWeitcres Verzeichniß der Sitzungen des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen vom 4. Vierteljahr 1885.] Montag den 21. December, Vormittags 9 Uhr. Angeklagte: Elise Ulrich von Vilbel, wegen Kindesmords. Vertheidiger: Rechtsanwalt Baist. Die Anklage vertritt Gerichtsassessor Seeger. Dienstag den 22. December, Vormittags 9 Uhr. Angeklagter: Wilhelm Jndcrthal von Rödgen, wegen Körperverletzung mit tödtlichen Erfolg. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Dittmar. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Zimm er - ni ann. Gießen, 18. December. Schwurgerichtsverhandlu ng am 17. l. Mts., Vormittags, gegen Christian Wenzel's Wittwe von Wallernhausen wegen Kindes- tödtung. Dieselbe war beschuldigt: daß sie im September 1885 zu Wallernhausen als Mutter ihr uneheliches Kind in oder gleich nach der Geburt vorsätzlich rfttödtet habe. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage und wurde demgemäß die Angeklagte in eine Zuchthausstrafe von 4 Jahren, abzüglich 2 Monaten Untersuchungshaft ver- urthetlt, ihr auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. — Schwurgerichtsverhandlung am 17. l. Mts., Nachmittags, gegen Jakob Menges von Pfiffligheim wegen Brandstiftung. Menges war angeklagt: daß er am 22. November l. I. in der Nähe von Lang-Göns einen Dorrath landwirthschaftlicher Erzeugnisse, welcher fremdes Eigenthum war, nämlich einen dem Johannes Müller XXIII. von Lang-Göns gehörigen Haufen Stroh, vorsätzlich in Brand gesetzt habe. Die Geschworenen erklärten den Angeklagten für schuldig. Eine Frage auf mildernde Umstände war nicht gestellt. Derselbe wurde in eine Zuchthausstrafe von 2Va Jahren verurtheilt, ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren abgesprochen und auf Zulässigkeit von Polizeiaufsicht erkannt. Gießen, 17. December. Der konservative Verein hat in seiner heutigen Sitzung bezüglich des Vorschlags: die Presse bei bedeutenderen Artikeln zur Namensnennung (resp. Unterschrift) zu verpflichten, eine Resolution einstimmig gefaßt, daß darin trotz mancher Bedenken ein erhebliches Mittel zur Verbesserung und Hebung der Press' zu erblicken sei. ' —'"In der gestrigen geheimen Sitzung der Stadtverordneten wurde der seitherige provisorische Verwalter der Stadtkasse, Herr Hch. Enders, Neffe des verstorbenen Stadtrentmeisters Enders, definitiv zum Stadtrechner erwählt. — Ein Bettler, welcher gestern in einem Laden am Seltersthor um ein Almosen ansprach und dabei eine Tasche entwendete, wurde beigesteckt. — Durch das Hcrunterfallen und Zerplatzen einer Petroleumlampe entstand gestern Abend in einem Geschäftslocale der Schulstraße ein kleines Schadenfeuer, welches jedoch von Nachbarn baldigst unterdrückt wurde. — Ein geisteskranker Lehrer aus München mußte gestern Abend in Polizei- Gewahrsam genommen werden. bei Serbien für eine Räumung des Widdingebicts seitens der Serben verwandt. Man glaubt hier, , daß im Falle einer Bestätigung dieses Gerüchts eine Beilegung des serbisch-bulgarischen Conflictcs sich leicht würde herbeiführen lassen, da die bulgarische Negierung ihrerseits alsdann zu einem beschleunigten Abschlüsse des Friedens geneigt sein würde. hmen glsA Platze imW El irttj eine «jießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Der Mordprozeß Herbst vor dem Mainzer Schwurgericht. (Von unserem Special-Correspondenten.) O. K. Mainz, 17. December, Morgens. III. Die gestrige Nachmittagssitzung wurde um 3'/r Uhr eröffnet und im Nu waren der imposante Schwurgerichtssaal und die Gallerien bis auf das letzte Plätzchen besetzt, während Hunderte von weniger glücklichen Neugierigen in den nächsten Straßen sich drängten und die Passage völlig versperrten, so daß ein Durchkommen kaum möglich war und die Polizei alle Hände voll zu thun hatte, den stetig sich erneuernden und verstärkenden Strom der Gaffer in seinen Schranken zu halten. Das Zeugenverhör beginnt mit der Vernehmung des Uhrmachers Kindlinger, bei dem Herbst seiner Zeit eine Uhr für die Wothe gekauft hat. Die Staatsanwaltschaft benützt diese an und für sich unwichtige Thatsache, um auf das intime Verhältniß des Angeklagten zu der Wothe hinzuweisen, für dessen ehemalige Existenz das für die Verhältnisse des Herbst theuere Geschenk einen erneuten Beweis liefert. Es folgen zwei belanglose Zeugenaussagen. Der Zeuge Anton Lieb, ein früherer Bekannter Herbst's, sagt aus, daß er dem Angeklagten am Morgen nach dem Morde, gegen 8 Uhr„ in der Fürstenbergerhofgasse mit einer schweren Reisetasche auf der Schulter begegnet sei. Ein Gefängnißgenosfe Herbst's, der Taglöhner Adam Runkel, deponirt, daß der Angeklagte eines Tages im Zuchthause gesagt habe: „Wenn ich diesmal herauskomme, dann stelle ich was an, wie ich noch nichts angestellt habe!" Zeuge Luft, bei dem Wothe früher gearbeitet, hat bei diesem ein großes Messer mit Säge gesehen, mit dem jedenfalls die Zerstückelung der Leiche desselben Seitens des Mörders ausgeführt worden ist. Fragliches Messer war nach dem Morde verschwunden. Der Vertheidiger legt entschieden Verwahrung dagegen ein, daß die Staatsanwaltschaft sich Beweiswürdigung der Zeugenaussagen gestatte; das sei ausschließliche Sache der Geschworenen. Der Angeklagte behauptet, das im Besitz des Wothe gewesene Messer fei nicht so groß und stark gewesen, als man es darstelle. Er verfolgt dabei jedenfalls die Absicht, der Annahme entgegenzutreten, daß die Zerstückelung der Leiche mit diesem Messer hätte vorgenommen werden können. Zeuge Möhn, Bürgermeister von Laubenheim, bespricht sehr detaillirt die Vorgänge bei der Verhaftung des Angeklagten in Laubenheim, indem er besonders betont, daß dieselbe nicht auf direeten Verdacht der Täterschaft Herbst's bei den ihm (dem Zeugen) noch gar nicht bekannten Morden, sondern auf das auffällige und verdächtige Benehmen des Angeklagten hin erfolgt fei. Tr wollte gerade den Verhafteten wieder entlassen, da machte ihm ein Laubenheimer, der in Mainz gewesen war, Mittheilung von den Morden und fügte hinzu, daß ein gewisser Herbst, der aus Mainz geflohen fei, als der Verbrechen dringend verdächtig verfolgt werde. Die Personalbeschreibung des angeblichen Thäters, die der Laubenheimer Bürger dem Zeugen machte, erweckte in demselben den Verdacht, daß der Verhaftete, der sich Müller (!) genannt hatte, mit dem Gesuchten identisch sei. Er ließ ihn vorführen und bemerkte ihm, er halte ihn für den gesuchten Herbst, den Mörder stimmen i \\ u. auf E'mzd-11 ;r u. auswärts, ieparaturen tadelloser, feinster I durch 4834 I olph, Giessen, imenlen-Lager. --^ZNMUage- M)vtn do]j tvj-w, rnib SÄtfafe ‘f‘mit Nimm ?r- Sunt 1886 llt « SW dts ie 17 bei M. Wode Wwe. | dtr Bender'schcisWM Wt Laden mit anst. 'Hfl Februar anderweit I Dettergasse 5,2. St. I ^lBeiben9je 6. „Amern und allün Jiünfheti au uermiethen ^utterstraheltt Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Eorresporrderrr - Brrreair. Berlin, 17. December. Der Bundesrath nahm den Gesetzentwurf in Betreff der Regelung der Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten mit geringen Modi- ficationen an. — In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten - Versammlung wurde der bisherige Vorsteher-Stellvertreter Büchtemann mit 63 von 110 Stimmen zum Vorsitzenden bis Jahresschluß gewählt. 40 Stimmen fielen auf Stryk. Büchtemann nahm die Wahl dankend an mit der Erklärung, die Geschäfte im Sinne Dr. Straßrnann's führen zu wollen. , „ r 17. December. Der iLlanderath genehmigte gleich dem Nattonal- ' rath einen erstmaligen Credit von 500,000 Francs für militärische Sicherung des ? Anzeigen. z Dienstmädchen zum gesucht. xyed.-d. Bl. I ein junges Mädchen ucht von ), Ludwigsslraße 57 I Mast ™.»«**; sä.1 ,......_........ ... . ■, her to- Belgrad, 17. December. C.v ...............—.....--- --..........— ■ Mittag hier eingetroffen und nach kurzem Aufenthalte nach Risch weitergereist. 17 ff.a nerliintet die Reaieruna habe beschlossen. des Wothe'schen Ehepaares. Bei dieser Beschuldigung habe Herbst ein aschfahles Aussehen angenommen und habe sich vergeblich bemüht, seiner großen Erregung Herr zu werden. Damit schloß die gestrige Sitzung. * » * Unter enormem Andrang des Publikums wurde heute Morgen Vs9 Uhr die Sitzung wieder ausgenommen.. Im Zuhörerraum wie auf den Gallerien ist diesmal das Frauenelement stark vertreten. Als erste Zeugin wird die Ehefrau Kaspar Müller aus Laubenheim vernommen, bei welcher Herbst um Unterkunft für die Nacht gebeten hat, mit welcher Bitte er indessen abschlägig beschieden wurde. Die Aussagen des Gensdarmen Wilhelm Rohrmann von Laubenheim, der die Sistirung des Angeklagten bewirkte, werden von diesem einer scharfen Kritik unterzogen und er bezeichnet sie als eine fortgesetzte Kette von Lügen. Bei der Vernehmung der Zeugin Tillmann, deren Aussage ohne Belang ist, wird im Gerichtssaal ein unerwarteter Zwischenfall bekannt, der indessen in den Verlauf des Prozesses in keiner Weise hemmend eingreifen wird. In Folge eines von dem Vertheidiger in der vorgestrigen Verhandlung gestellten Antrags wurde zur Vernehmung der vor Jahren zum Tode verurteilte, später aber zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigte Bauersmann Schäfer von Bretzenheim aus dem Zuchthause Marienschloß bei Gießen hierher gebracht, der seiner Zeit mit Herbst zusammen im Gefängniß war. Er sollte über verschiedene Aeußerungen vernommen werden, die Herbst ihm gegenüber mit Bezug auf seine Pläne nach seiner Haftentlassung gethan haben soll. Gestern kam er unter starker Eskorte hier an und wurde in einer Zelle untergebracht. Statt zur Vernehmung zu erscheinen, zog er es vor, sich mittelst seiner Hosenträger in der Zelle zu erhängen. Es dürfte Ihren verehrlichen Lesern vielleicht von Interesse sein, zu erfahren, welche That den Selbstmörder in das Zuchthaus gebracht hatte. Schäfer versuchte im Jahre 1868 seine Frau zu vergiften; als ihm dies aber nicht gelang, erwürgte er sie und brachte sie im Stalle in eine Lage, daß es scheinen konnte, als habe sie sich selbst erhängt. Anfangs wurde das auch angenommen, Schäfer konnte ohne Hindernisse Bretzenheim verlassen und nach Amerika auswandern. Später aber tauchte der dringende Verdacht auf, daß Schäfer seine Frau nmgebracht habe, und da durch Zufall sein Aufenthalt in Amerika ermittelt wurde, so bewirkte die Behörde seine Auslieferung und das Schwurgericht machte ihm den Prozeß. Kehren wir nach dieser kurzen Abschweifung zur Verhandlung selbst zurück. Der Arrestoerwalter Gremm hat an einem auf der Hose Herbst's befindlichen Blutfleck ein einzelnes röthliches Frauenhaar entdeckt und so bedeutungslos dieser Fund auch auf den ersten Blick erscheinen möchte, so ist er doch eines der wenigen, für die Täterschaft Herbst's dire'ct zeugenden Beweismittel, da die Wothe rothe Haare hatte. Der Zeuge hat das niedliche corpus delicti der Untersuchungsbehörde übergeben. Nach Verlesung einer von Herbst in seiner Zelle verfaßten Dankschrift, in der er besonders betont, daß man sich vergeblich bemüht habe, aus den Lebensstellungen, in denen er sich bisher befunden, nachzuweisen, ob die kunstgerechte Zerstückelung der Leiche des Wothe ihm ohne Beihilfe Andrer möglich gewesen wäre und nach einer Reihe von Zeugenaussagen, die für die gedrängte Berichterstattung unwesentlich sind, tritt eine Zeugin vor, die eine äußerst wichtige, den Angeklagten schwer belastende Aussage macht. Die Wittwe Klier hat am Tage vor dem Morde einem Manne in der Messe eine Reisetasche verkauft, welcher, nach ihrer bestimmten Aussage, mit dem Angeklagten identisch ist. Die Reisetasche sei durch das Fehlen eines Stiftes im Gelenk leicht erkenntlich. Man legt der Zengin die in der Wirtschaft „Zum Täubchen" aufgefundene Tasche vor und sie erklärt, daß dies dieselbe sei, die sie an Herbst verkauft habe. Der Angeklagte stellt es in Abrede, überhaupt in der letzten Zeit vor seiner Verhaftung eine Reisetasche gekauft zu haben. Kurz darauf tritt eine Pause ein. Wenn ich zum Schluß meines gestrigen Berichtes die Annahme ausgesprochen habe, daß das Urtheil höchst wahrscheinlich schon heute Abend ausgesprochen werden könnte, so erweist sich dieselbe als irrig. Soeben, 7 Uhr Abends, nach Frankfurt zurückgekehrt, wird mir von Mainz telephonisch die Mittheilung gemacht, daß die Plaidoyers im Gange seien und daß die Urtheilsfällung nicht vor Morgen Nachmittag zu erwarten sei. ö erwischtes. Frankfurt a. M., 15. December. Der nun veröffentlichte Ausweis über Einnahmen und Ausgaben des Wohlthätigkeits-Jahrmarktes ergiebr einen Nein-Ueber- schuß von 88 000 Mark, welcher große Betrag dem Verein für Ferien-Colonie überwiesen wurde. Das großartige Resultat hat selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen, dagegen sei aber auch erwähnt, daß das bis jetzt noch so schlechte Weihnachtsgeschäft als Nachwehen des Bazars hmgestellt wird. — Das deutsche Reich zählt nach der neuesten Volkszählung nicht weniger.als fünfundzwanzig Städte über 100,000 Einwohner. Es sind dies Berlin, Königsberg, Danzig, Breslau, Stettin, Magdeburg, Altona, Hannover, Frankfurt a. M., Hamburg, Bremen, Dresden, Leipzig, Chemnitz, Straßburg, Köln, Elberfeld, Barmen, Aachen, Düsseldorf, München, Nürnberg, Stuttgart, Dortmund und Crefeld. Das ungeheuere Anwachsen der großen Städte zeigt sich wieder deutlich. Noch in der Mitte der fünfziger Jahre gab es in Deutschland nur 4 Städte über 100,000 Einwohner. Es waren dies Berlin, Hamburg, Breslau, München. Köln und Dresden hatten damals die Zahl 100,000 noch nicht erreicht, obwohl sie sich lange Zeit dicht davor befanden. Berlin, das jetzt 1300 000 Einwohner zählt, hatte damals 450,000. Die außerordentlich rasche Vermehrung der über 100,000 Bewohner zählenden Orte beginnt erst nach 1866. — Welche Forderungen verjähren zum 1. k. Mts.? Es verjähren die Forderungen aus dem Jahre 1883: 1. der Fabrikunternehmer, Kaufleute, Krämer, Künstler und Handwerker für Maaren und Arbeiten, sowie der Apotheker für Arzneimittel, mit Ausnahme solcher Forderungen, welche in Bezug auf den Gewerbetrieb des Empfängers der Waare oder Arbeit entstanden sind; 2. der Fabrikunternehmer, Kaufleute, Krämer, Künstler und Handwerker wegen der an ihre Arbeiter gegebenen Vorschüsfe • 3 der Schul- und Erziehungskosten und Honorare, mit Ausnahme derjenigen, welche an öffentlichen Anstalten reglementmäßig gestundet werden; 4. der Fabrikarbeiter, Gesellen und gemeinen Handwerker rückständiger Lohn; 5. der Fuhrleute und Schiffer Lohn und Auslagen; 6. der Gastwirthe für Wohnung und Beköstigung, und endlich 7. alle Ansprüche auf Schadenersatz, insbesondere auch die Ansprüche, welche ein in seinem Be- rufe Verunglückter gegen seinen Arbeitgeber zu erheben hat, verjähren mit dem ZI. d. M., wenn nicht bis zu diesem Tage dem Schuldner die Klage behändigt ist. — (Die Macht des Gesanges.^ Aus Görlitz schreibt man der „Berk. 3ta."- In wirklich genialer Weise hat es der Ortsvorsteher in dem benachbarten B. ver- standen, die Macht des Gesanges zu Jagdzwecken auszunutzen. Die Commune übt nämlich das Jagdrecht auf ihren Besitzungen selbst aus und veranstaltet alle Jahre ermge Gememdeiagden, die auf ein bestimmtes Revier beschränkt werden. Um nun die Jagd zu vereinfachen und doch ergiebig zu gestalten, ist das zweite Dorfoberhaupt auf folgenden Emfall gekommen: Das abzujagende Revier wird von den Jägern des Ortes umstellt und so eine Kette gebildet, die das Wild nur schwer durchbrechen iflnn. ^fn ber Mitte des Reviers aber nimmt der Gesangverein des Ortes Aufstellung und laßt feine herzerschütternden Weisen ertönen, bei denen des Basses Grundgewalt E besonders weiter und tiefer Spielraum gelassen ist. Man begreift, daß durch das Ständchen Alles, was da kreucht und fleucht, aus seinen Verstecken aufgestört wird, in wilder Hast dem Stimmgetöse zu entrinnen sucht und so geradewegs den Schützen vor den Lauf getrieben ivird. Diese Jagdmcthode hat sich als so probat erwiesen, daß die Gemeinderäthe ihren Chef ob seines herrlichen Einfalles durch ein einstimmiges Vertrauensvotum ehrten._________________ Literarisches. Geschenkliteratur. Obwohl es bereits eine Menge speciell der Frauenliteratur gewidmete Bucher giebt, so verdient doch ein Werk: „DaS Frauenglück", von Ida v. Brnn-Barnow (Leipzig, C. A. Koch's Verlag. Preis eleg. geb. 2.50 »*), noch eine ganz besondere Empfehlung in allen weiblichen Kreisen. In keinem anderen Buche werden nämlich wie in dem Werke „Das Frauenglück" die Pflichten und Aufgaben der Frauen in so treffender, jeden edlen Charakter überzeugender, jedes brave Herz befriedigender Weise geschildert. Nichts ist in dem Buche vergessen, was zur Veredlung des weiblichen Berufes dienen kann, und für Gattinnen und Mütter, sowie auch für Heranwachsende Jungfrauen giebt es keine bessere Lectüre, als dieses Merkchen. m - Von Brockhaus' Corrversatiorrs-Lexikon (dreizehnte Auflage in 16 Banden) werden zu Weihnachten d. I. bereits drei Viertel vollendet vorliegen, da der zwölfte Band mit dem 180. Hefte soeben zum Abschluß gelangte und noch vor dem Feste gebunden zu haben sein wird. Auch dieser Band, bis zum Stichwort Pyoxos reichend, enthält gleich allen frühem mehr als die dreifache Zahl der Artikel, Eche der entsprechende Band in der zwölften Auflage enthielt, nämlich 6856 gegen 2232. Und nicht minder als durch die vermehrte Artikelzahl hat der Text in jeder andern Hinsicht an Vollständigkeit, Uebersichtlichkeit und bequemer Brauchbarkeit ge- wonnen. Eine Fülle des Neuen und Zeitgemäßen findet sich, wo man auch den Band aufschlagen mag: aus dem Gebiete der Länder- und Völkerkunde in den Artikeln Neu- guinea, Nompolexpeditionen, Norwegen, Oceanien, Osmanisches Reich, Oesterreichisch- Ungarische Monarchie, Ostindien, Ostrumelien, Ostseeprovinzen; auf politischem, Kriegsund Verkehrsgebiete in den Artikeln Orientkrieg, Panslawismus, Papst, Parlament, Panzerschiffe Pacific-Eisenbahnen, Panamakanal (mit beigedrucktem Kärtchen); auf dem Gebiete der Kmist in den Artikeln Musik, Oper, Olympia, Pantheon, Pergamon und so fort bezüglich sammtlicher behandelten Wissensgebiete. Außer zahlreichen dem Text emgefug en Holzschnitten erläutern und zieren den Band 3 künstlerisch ausgeführte Chromotafeln: die wichtigsten Orden, Polychrome, Ornamente, Pflanzenkrankheiten; ferner 21 Bildertaseln m Holzschnitt: Muskeln des Menschen, Nerven des Menschen Pferderassen, Nagethiere, Papageien, Palmen, Nadelhölzer, Nahrungspflanzen, Officinclle Pflanzen, Oel- und Fettpflanzen, Niederwalddenkmal, Pariser Bauten, Olympia-Ausgrabungen Pergamon-Ausgrabungen, Nähmaschinen, Oefen, Papierfabrikation; endlich ti "lorirte Karten: Niederlande und Belgien, Nordamerika, Oceanien und Australi- sches Festland, Oesterreich-Ungarn (3), Oesterreich ob und unter der Enns, Oester- Küstenland Ostindien (2), Palästina, Paris und Umgegend. Genua, der zwölfte Band erweist sich in allen Stücken als ein gleichwerthiger Theil dieser so vielfach vervollkommneten neuesten Auflage von Brockhaus' Conversations-Lexikon Handel und Vermehr. fte6=nbe_mitt°)eilung:ÄSnigtiCl,en ®ifenbaI,n = ®ircction zu Hannover wird uns nach- - Mit Genehmigung des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten sollen die mrHAtotäS? 25' d. I. gelosten Retourbillets von mindestens zweitägiger ^"tkstcht darauf, dah der Tag nach dem bevorstehenden Weih- nachtsfeste <27 December) auf einen Sonntag füllt, auf den unter Preußischer Staatsverwaltung stehenden Eisenbahnen zur Rückfahrt noch am 28. December zugelassen *Derb=,L , ®ll’e,i0l£t*e Vergünstigung ist für die directen Retourbillets mit Stationen der Großh. Oldenburg,scheu, der Unterelbischen, der Main-Neckar-, der Hessischen SW wigs- und der Lubeck-Büchener Bahn zugestandcn. 9 ' ,a)e 1 < o mit dcr Anheimgabe ergebens! Mitthcilung, im Jnteressc auszunchimu^ ® at eS elnc bezügliche Notiz in dem redactionellen Theile desselben ., ~ Für die verwundeten Bulgaren sind weiter cingcganaen ■ Bon fim n «MnS- gerichts-Director Dr. Stammler 10 vH, Provinzial-Dircctor' Dr. Bockmann 10 vH £anbtagäa6georbneter I. Haustein 5 vH., Regierungsrath von Bechtold 5 vH. Krau /°ek>n°nn geb Lucius 8 Ob-rbaurath Eickemeyer 5 vH., Gebrüder Kauffmann 4 -«.Ftadtrechner-Vlcar Enders 2 vH., Oberförster Amend in Trais a. d. Lda 3 vH £“rl 1 Octroi-Jnspector Jost 2 vH, Schlossermeistcr Karl Kreiling 2 vH Stadtverordneter Hoch 2 vH. Fräulein v. Haxthausen 3 vH., N. N. 2 R-cwr Piofessor von der Ropp 10 M, Kanzler Professor Dr. Gareis 10 M Rentner Reiffcnberg 6 JL, Sßrofeffor Dr. Heß 10 M, Kaufmann Simon Reiß 3' vH. Beigeordnetei Keller ~ vH, Oberförster Heyer 3 vH, Dr, Adolph Mettenheimer 5 vH' Bros vr.Oucken 10 VH,&. K. 5 ^Wachtmeister Meister 4 vH, 1 W>lh. Bach 3 vH, Prof. Dr. Köllncr 2 vH Summa 135 Jh . " Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. 4. Adventssonntag, 20. December. Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Nachmittags, ausnahmsweise 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser. V _,2bn. Donnerstag, den 24. December, Nachmittags V24 Uhr, Kindcravttes- bei brennendem Christbaum, Pfarrer Schlosser «'"vergottes, di- hiesige Kle^nk?n^/r-^Be"wa^r'anst"^l^erhoben"werdcn!^^ für btr mirb bCä6l£i*en "n° Kollekte für die Armen b£$ fjSn 8 ein'Vü irr g^ (^£1? 2ßt i^r^a JJ t Vg oü'e § bk Pfarrer^r.^^^^?^ ™ Katholische Gemeinde. ~ ~ m ^Sonntag des Advents. Um 5 Uhr: Bescheernng für die armen Kinder unserer Gemeinde. GEesdienst in der Synagoge. SamsZg Ab?n?4°?UhJ^' Samstag Morgen 8-° Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Allgesurinsr Auzeiger. Linoleum Teppiche, Lauser und Vorlagen, bestes Fabrikat, empfiehlt zu billigsten Preisen Heinrich Hochstätter, 8870 Schlostgaffe 19. H. 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