miir iden ist. Mittwoch den 18. Februar 1885 Nr. 41. idjcncr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Regierungen eingegangenen Engagements genüchigt sei, die erforderlichen Mittel zur Wahrung des Ansehens des deutschen Reiches zu bewilligen. Sodanu wurde die Resolution Richter mit 16 gegen 12 Stimmen angenommen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage zur Herbeiführung fester Organisationen in Kamerun, Togo und Angra Pequena eine Vorlage zu machen, behufs Heranziehung der Schutzbezirke zur Deckung der dem Reiche daraus erwachsenden Kosten. — Ob indessen die neuen deutschen Colonialgebiete in West- asrika schon in nächster Zeit fähig sein werden, ihre VerwaltungSkosten zum Theil selbst zu tragen — denn darauf zielt die Richter'sche Resolution — ist mindestens sehr zweifelhaft und ist darum kaum anzunehmen, daß die Reichsregierung dem in der Resolution ausgesprochenen Verlangen nachkommen wird. Im Uebrigen sind die staatsrechtlichen Fragen, welche in den Verhandlungen der Budget-Commission über den Nachtrags-Etat austauchten, mit der in den genannten Grenzen erfolgten Bewilligung der Vorlage Seitens der Commission vorläufig wieder in den Hintergrund getreten. Daß indessen diese Fragen einmal gelöst werden müssen, ist gewiß, nur wollen hierbei außerordentliche Schwierigkeiten juristischer und formaler Natur überwunden sein. Unser ganzes Rechts- und Versassungs-System mit seinem verwickelten Formalismus ist auf ein hochentwickeltes, territorial begrenztes Culturoolk berechnet und es wäre lächerlich, dasselbe nun mit einem Male auf die neuen deutschen Schutzgebiete übertragen zu wollen, in denen die moderne Civilisation bis jetzt nur äußerst flüchtig ihre Spuren eingedrückt hat. In welcher Weise die den deutschen Kolonien vom Reiche zugesagte Schutzherrlichkeit auch in der Verfassung zum Ausdruck zu bringen ist, darüber muß die Zeit und daneben jedesmal eine von Fall zu Fall zu unternehmende Prüfung lehren. Während sich das österreichische Abgeordnetenhaus gegenwärtig mit der wichtigen Gebühren-Novelle beschäftigt, wird die ungarische Volksvertretung durch eine nicht minder wichtige Angelegenheit in Anspruch genommen, durch die Reform des Oberhauses. Von radikaler Seite arbeitet man auf die gänzliche Aushebung des Oberhauses hin und wurde in der Donnerstagsfitzung des ungarischen Unterhauses vom Abg. Hermann ein hierauf bezüglicher Antrag eingebracht. Dem gegenüber betonte Ministerpräsident Tisza, daß die Regierung an dem von ihr vorgelegten Entwürfe festhalten müsse und werde er bemüht sein, überall die principiellen Grundlagen der Resormvorlage unverändert ausrecht zu erhalten, Detailbestimmungen und Amendirungen möge man dem Oberhauje überlassen. Nur bezüglich des § 25, nach welchem bei der erstmaligen Ernennung von Oberhaus-Mitgliedern auf diejenigen Rücksicht genommen werden solle, welche in den letzten 3 Jahren an den Sitzungen des Oberhauses regelmäßig Theil genommen hätten, erklärte Tisza, daß er denselben fallen lassen werde. Die radikale Linke der französischen Deputirtenkammer bereitet wiederum einen Fewzug gegen das Ministerium F e r r y vor. Derselbe richtet sich diesmal gegen die Politik der französischen Regierung am Congo und gegen die Haltung derselben auf der Berliner Conserenz i mit der vom Abg. Gaillard eingebrachten Interpellation bezüglich der dem Vertreter Frankreichs aus der Conserenz ertheilten Instructionen haben bte Radikalen das Plänkler- qefecht schon eröffnet. aber bereits hierbei ift ihnen eine Schlappe zu Theil geworben, indem die Kammer dem Anträge des Ministerpräsidenten, die Disenssion über die Interpellation Gaillard's bis nach Beendigung der Genferena zu taen: flurca« : Schulkraße 7. Critteinl tAfJirf) mir Ausnahme Monlagö. PreiS vier'.eljLhrlich 2 Mark 20 Pf. mit Vrinqrrlcchn. Durch hie Pvü boopai vierteljährlich 2 Marl 50 Pi. ?r. igs 2 Uh, 1113 Dringlicher f oalitit > Fischbach. • Kemmerichs ch-Extract der getrennt, P „ih, WallthorM^- rdwigöpl"^ ^rart: schöne Amm ' f* -) Mn arden re-, . lerinietheP' $fli. strotze, auf L — an | G Meldungen. aöblirtes Zimmer zu »<:• ___________Ästemea 9. j /eines Familien - Logis j.i ,&t(phan, Sonogasie. ffamilitnlMiS Wort uJMri, Neustadt ^7. i. ■S Zimmer u. u veruüettien. berg 41, 2 Treppen, n re. (Seltersweg^i^ äethen durch Rechtsanwalt Labrotste^ Wirtes Zimmer iu rc Bahnhofsttaße 24. öblirtes Zimmer mit »ta pr. 1. Febr. zu vermies Orth, NE Bauen 11- MStÄ^resp.?^-' xtes Zimmer auf sofort- Amtlicher Hhei l. Betreffend i Die Abschätzung von Brandschäden, hier: die Räumung der Brandstätten. Gießen, am 14. Februar 18-5. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an Großh. Polizeiamt Gießen und an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden deH Kreise» Gießen. Nach einer Mittheilung Grobherzoglicher BrandversicherungS-Commifsion soll die Aufräumung der Brandstätten vor dem Abschätzungstermine an ver- schiedenen Orten nicht in vorgeschriebener Weise vorgenommen worden und nicht selten sogar eine so mangelhafte gewesen sein, daß durch den Zustand der Brandstätte eine richtige Abschätzung des Brandschadens außerordentlich erschwert, wenn nicht unmöalich gemacht worden sei. In einzelnen Fällen soll der Brand sogar nicht einmal vollständig gelöscht aewesen fein, sodaß ein Betreten der vom Feuer ergriffen gewesenen Räume und in Folge dessen eine genaue Untersuchung der einzelnen ConstruttionStheile der beschädigten Gebäude nur unter Anwendung besonderer Vorsichtsmaßregeln stattfinden konnte. „ , LP, L , L, Zur Vermeidung dieser Mißstände und zur Erreichung und Sicherung möglichst genauer Brandschadens-Abschatzungen machen mir Sie daher aus bie Bestimmung des S 29 der Brand-Assecurationsordnung vom 18. November 1816 aufmerksam, wonach die OrtSvorstände, wenn ein Brandschaden entstanden ist, sogleich nach gelöschtem Brande dafür zu sorgen haben, daß die Brandstätte geräumt wird. Zugleich weisen wir Sie an, bei dem Vorkommen von Bränden für die Folge nicht allein für gründliche Abräumung der Brandstätten, sondern weiter auch dafür besorgt zu sein, daß die geretteten Baumaterialien in Sicherheit gebracht und derart in leicht übersichtlicher Weise ausbewahrt werden, daß eine Trennung der noch brauchbaren von den unbrauchbaren stattfindet und die ersteren ohne Schwierigkeit richtig veranschlagt wdrden können. Dr. Boekmann. ___ _____ Betreffend: Maßregeln gegen die Landstreicher und Bettler. Gießen, am 16. Februar 1885. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglicheri Bürgermeistereien des »reifes. Dir erinnern Diejenigen, welche noch im Rückstände find, an Erledigung der Verfügung vom 30. December 1884 — Amtsblatt ohne Nummer — linnen drei Tagen. Dr. Boekmann. Politische Uebersicht. Gießen, 17. Februar. Die dreitägige General-Dircussion im Reichstage über die Zolltaris'Novelle hat zur Genüge ergeben, daß im Hause eine Mehrheit für die Zollerhöhungen, welche die Vorlage vorschlägt, vorhanden ist und hat somit die Regierung eine ablehnende Entscheidung nicht zu befürchten, wenn nicht ganz besondere Zwischenfälle eintreten. Aus Seiten der Gegner der Vorlage war man sich hierüber klar und konnte es sich sür sie schließlich nur noch darum handeln, eine Verweisung sämmtlicher Zölle an Commissionen herbeizusühren, um wenigstens in den letzteren den Versuch zu machen, etwas Terrain für sich zu gewinnen. Bezüglich der Holz« und Industrie-Zölle ist dies denn auch am Donnerstag geschehen, dagegen erfolgt die weitere Berathung der Kornzölle, also des wichtigsten Theiles der Zolltarif-Novelle, ebenfalls im Plenum, obwohl die Linke lebhaft dafür eintrat, daß auch die Kornzölle einer commissarischen Beratung unterzogen würden. Die FreitagSsitzung war zu einem „Schwerinstag" bestimmt, doch gelangte von den aus der Tagesordnung stehenden Anträgen Lenz mann (Entschädigung unfchuldig Verurtheilter), Ackermann (Abänderung der Gewerbeordnung) und Bebel-Grillenberger (Arbeiterschutz- Gesetze) nur der erstere zur Verhandlung. Der Antragsteller begründete seinen Antrag in sehr eingehender Weise; indessen brachten feine Ausführungen zu der vorliegenden Materie nichts Neues, da sie im Parlamente bereit» mehrfach erörtert worden ist. Der Staatsfecretär im ReichSjustizamte, Dr. v. S ch e 11 i n g, führte aus, wie die in einer Wiederaufnahme des Verfahrens erfolgte Freisprechung nicht immer ein Beweis für die Unschuld des Betreffenden sei und daß in derartigen Fällen das Rechtsbewußtseinj des Volkes verletzt werde. Auch erklärte er, über die Stellung des Bundesrathes zu dem Anträge Lenz mann noch nicht genau informirt zu sein. Die folgenden Redner sprachen sich fast sammtlich für Commissions-Berathung des Antrages aus, worauf derselbe vom Abg. Lenz mann zurückgezogen, aber vom Abg. Kayser sofort wieder ausgenommen wurde und faßte das Haus den Beschluß, die weitere Berathung des Antrages Lenzmann im Plenum vorzunehmen. Eine längere Geschästs- srdnungS'Debatte tief der Vorschlag des Präsidenten, am Samstag in die zweite Lesung der Kornzölle einzutreten, hervor, wogegen die Redner der Linken für diesen Tag die Erledigung des übrigen Theiles der Tagesordnung vom Freüag befürworteten und darauf hinwiefen, daß es nicht angebracht sei, die Berathung einer so wichtigen Vorlage, wie die Erhöhung der Kornzölle, förmlich üoer das Knie zu brechen. Trotzdem entschied sich das Haus in namentlicher Abstimmung mit 148 gegen 129 Stimmen für den Vorschlag des Präsidenten, die zweite Lesung der Kornzölle am Samstag vorzunehmen. Der Bundesrath hat sich dafür erklärt, daß auf den Grundlagen des preußisch-russischen Auslieserungs-Vertrages ein solcher zwischen dem Reiche und Rußland abgeschlossen werde. Die Budget-Commission des Reichstages ist am Freitag endlich mit der Berathung des Nachtrags-Etats für die westafrikanischen Kolonien fertig geworden. In der genannten Sitzung wurden, entsprechend einem ILM Centrum gestellten Anttage, 248,000 JL als Pauschquantum zur Durch- fLhrung der erforderlichen Maßregeln in Kamerun bewilligt; ebenso nahm die Commission den Theil einer gleichfalls vom Centrum beantragten Resolrttwn an, -urch welche erklärt wird, daß Der Reichstag durch die von den verbündeten vertagen, mit großer Mehrheit zustimmte. Die Radikalen werden mit ihrem Bemühen, Herrn Ferry in der Congosrage ein Bein zu stellen, um so weniger Glück haben, als gerade in dieser Angelegenheit die französische Regierung ent- schiedene Erfolge zu verzeichnen hat und zumal, als der französische Botschasler, Herr de Courcel, auf der Berliner Conserenz geradezu eine leitende Stellung einnimmt. —l Darmstadt, 16. Februar. sZweite Kammer der Landstände.) Unter den in Aussicht auf die kommende Landlagsseffion zahlreich einlaufenben Anträgen und Interpellationen befindet sich auch eine Interpellation des Abg- Mölltnger, die in letzterer Zett vorgenommenen Adstetnungen tn OrtSstraßen und Feldern und Ent- fernung von Uebergängeu von Chausseen auf die Felder betr. Lur Begründung führt der Interpellant Folgendes an: In der letzten Zett I wurden In OctSstrohen Seitens der Bauverwaltung Abstetnungen derselben vorge- । mommen, durch welche dieselben oder Thetle derselben als StaatSeigealhum abgegrenzt werden sollen: ebenso sind tn den Feldern Grenzsteine gesetzt worden, ohne datz die gesetzlichen Formen bet Einladung der Betbeiltgten und Zuziehung der Feldgeschworenen In ttaend welcher Wctse gewahrt worden wären- Endlich werden die Uebergünge von den Chausseen aus die Felder vielfach einfach entfernt, die Anlegung neuer außerordentlich erschwert und in vielen Fällen die Anlage kostspteltger Brückchen verlangt, wo solche niemals bestanden haben und nach Lage der Verhältniffe nicht nöthtg erscheinen. Die Interessen des landwtrthschaftltchen Betriebes werden Dabet oft derart beeinträchtigt, daß die Anlage förmlicher Parallelwege fast geboten erscheint. Deßhalb erlaubt sich der erwähnte Abgeordnete an Großh. Mtnistenum der Finanzen die Anfrage: Welche Maßnahmen seinerseits angeordnet worden sind, um die ohne Kmntnlß der Ortsvorstande und Grundbesitzer nicht auf gesetzlicher Grundlage beruhenden Abgrenzungen und die Beeinträchtigungen der wtrthschastlichen Interessen der Laudwtrthe rückgängig und für die Zukunft unmöglich zu machen. Wetter wird dte Regierung Seitens des Abg. Metz über Stand und Beschleunigung der Regierungsvorlage wegen Erhöhung und Verstärkung der Rhemdämme interpellirt. Der Interpellant rekurrüt tn der Einleitung auf dte mehrfachen, thetl- weisc einstimmigen Beschlüsse des 23. und 24. Landtags, tn welchen dte Regierung um Ausstellung eines einheitlichen Planes über dte Regulirung des Rheins von der Landes- arenze bis Bingen ersucht wird. Die wiederholten schwerschädrgenden Uederschwrmm- ungen der Jahre 1880, 1882 und 1883 haben die Berechtigung dieses Ersuchens ausreichend dargethan. Schon auf dem letzten Landtage habe Mtntstertalpräsident Schletermacher auf eine Interpellation des unter zeichneten Abgeordneten erklärt, datz ein Vorproject über die Erhöhung und Verstärkung der Landdämme ausgearbeitet srt und augenblicklich einer Detailprüsung unterliege, worauf dte Feststellung des Planes unter Zuziehung auswärtiger Strombautechntker erfolgen solle. Gleichzeitig fei dte Revision der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen wegen Anlage und Unterhaltung der Schutzdämme als nothwendig bezeichnet und bemerkt worden, daß dem nächsten Landtag eine Gesetzesvorlage hierüber zugehen werde. Die Thronrede vom 26. November v. I. habe sodann dte Zusage gebracht, daß zum besseren Schutze der Rheinniederungen gegen Uederf chwemmungen ein Gesetzentwurf wegen Ei Höhung und Verstärkung der Landdämme den Ständen unterbreitet werde. Nunmehr enthalte der Hauptvoranschlag pro 1885—88 tn Cap. 122 rc. den Vorbehalt einer besonderen Pro- postttov wegen Erhöhung und Verstärkung der Landdämme. Auch habe edendorr dte Regierung den vorzüglichen Hinweis auf dte Arbeiten der Retchscommtssion zur Untersuchung der Strombauverhältnisse des Rheines und seiner Nebenflüsse mit Rücksicht auf unausgesetztes Vorgehen der Nachbarstaaten in Verbesserung und Neuanlage von Sttombauwerken und Schutzdämmeu für hinfällig erklärt. Da die Rheinregultrung zwischen Mainz und Bingen durch den Vertrag mit Preußen vom 30. Januar 1884 gesichert ist, dte hierfür erforderlichen Anforderungen tm Hauptooranschlag eingestellt sind, können diese Uferstreckcn vorerst außer Betracht bleiben. Der Interpellant richtet zum Schluß die Anfrage an Großh. Regierung: „Bis zu welchem Zeitpunkt tst dte Einbringung der vorbehalteneu Vorlagen über Erhöhung und Verstärkung der Landdämme und der Gesetzesvorlage über Anlage und Unterhaltung der Schutzdämme annähernd zu erwarten?" Berlin, 16. Februar. (Reichstag.) Dte heutige Fortsetzung der Debatten tm Reichstage bat wider Erwarten zu bedeutungsvollen DtScussionen geführt, denn in recht geschickter Weise schickte, wie schon vorgestern, die deutsch-freisinnige Partei Redner vor, dte ihrer Lebensstellung nach, wenn auch begütert, dem Bauernstände | angehörten. An der Debatte bethetltgten sich, ohne Indessen erheblich Neues beizubringen, dte Abg. Günther (conf.), v. Fischer (natl), Graf Udo Stolberg (conf.), Fürst v. Hartzfeldt (conf.), während dte ersten Redner der Deutschsretsinntgen, dte Abg. Lorenzen und Thomsen, Beide Bauerngutsbesitzer, waren. Staatssekretär v. Burchard erklärte, daß dte Retchsregierung bet der Feststellung der Sätze von der Erwägung ausgegangen sei, Wetzen habe unter dem allgemeinen PretSdruck erheblich mehr gelitten, als Roggen; wenn man den Zoll auf Wetzen mehr erhöhe, würde auch daS den Roggenpretsen zu Gute kommen, weil e« dte Nachfrage nach Roggen steigern würde. Außerdem gäbe eS zwar noch andere Gründe, aber wenn das HauS dazu kommen sollte, für Roggen einen Zoll von 3 «X zu beschließen, so glaube er, daß sich dte Regierung dem nicht wtdertetzen und ihre Bedenken fallen lassen würde. Abg. Rickert wendet sich gegen die letzten Ausführungen deS Kanzlers über Danzig, an der Hand eines Exposes der Danziger Kaufmannschaft; es seien dem Reichskanzler verschiedene Jrrthümer unterlaufen; es sei z'ffermäßig nachzuwetsen, datz der Export DanzigS zurückgegangen sei. Einzelnen Landwtrthen mag es schlecht gehen, aber em genereller Nothstand extsttrt nicht. Ich kann nicht, sagt der Redner, im Lause von 2 Jahren, wie eS bet dem Reichskanzler der Fall tst, meine Ansicht wechseln; wenn mir derselbe auch nachher wieder sagen wird, daß ich heute nichts Neues vorgebracht habe. Daß dte Getreide- preise, wie der Reichskanzler behauptet, heute so niedrig stehen, rote noch nie, trifft thatsSchlich nicht zu. Fürst BiSmarck: Abg. Rickert hat feine erste Rede nnd meine eigene, nur in etwas anderer Form, noch einmal gehalten. Er sagt mir nach, datz ich den Bauer aufhetze. Ja, der Bauer ist ja aber Besitzer, was der Arbeiter nicht ist. Den Bauern darf man aufhetzen, aber bei dem Arbeiter hat man die Bewegung nicht tn der Hand. Der richtige Bauer hat mit dem Grundbesitzer gegenüber der Ausbeutung durchaus dieselben Interessen. DaS AuSspielen der kletnen Besitzer gegen dte großen ist nur ein Manöver des Abg. Rickert, feintf Behauptung bezüglich des Preises von Getreide seit 1857 tst unrichtig, denn er vergesse dabei, daß tn demselben Zeitraum sämmtliche Industriepreise um das Zweifache und Dreifache gestiegen sind. DaS ist doch eine tobte Theorie, sich selbst Anerkennung zu zollen und gleichgültig den veränderten Be- dürfniffen deS Volkes in dem Gedanken zuzuschauen pereat mundus und mit vorzu- werfen, daß ich alle Jahre meine Meinung ändere. Die Zahlen, die ich über den Handel DanzigS anführte, sind amtlich, von 1884 hatte ich dieselben noch nicht, ich halte aber alle Zahlen aufrecht und diese beweisen, daß sich DanzigS Handel tm Aufschwung befindet. Dann kann auch mal innerhalb fünf guter Jahre ein schlechtes kommen, das ist aber dann nicht die Wirkung der Zollgesetzgebung. Ohne gründliche Ziffern mir zu widersprechen, dazu hat der Abg. Rickert für mich nicht genügende Autorität. Es ist daS nur Parteitaktik, um Unfrieden zwischen den Arbeitern und der Regierung herbeizusühren und Unruhe bet den Arbeitern, um diese alsdann als eine Folge der Getreidezölle htnstellen zu können. Diese Ueber- zeugung lasse ich mir nicht nehmen und werde einmal abroarten, wenn solche Unruhen kommen, was Sie für eine Freude daran bezeugen werden. Ich kann in Ihre Herzenskammer nicht hineinsehen, aber ich bleibe bei meiner Ansicht und Sie müffen mir das Gegentheil beweisen. Abg. Richter: Die Persönlichkeit des Reichskanzlers muß manche seiner Aeußemngen decken, die sich im Munde eines andern Redners gar nicht rechtfertigen läßt. Wenn der Reichskanzler vor einigen Jahren noch fein Vorgehen durch fachliche Gründe mottotrt hat, so darf er heute nicht den politischen Gegnern in die Schuhe schieben, daß sie sich durch taktische Momente leiten lassen; wir nehmen vielmehr aus rein sachlichen Motiven unsere Stellung ein. Ich bebaure, daß jetzt immer ein Stand gegen den andern ausgespielt wird. Der Handwerkerstand, bet dem der Export den Import bedeutend übersteigt, verlange nicht nur keinen Schutzzoll, sondern tm Gegentheil möglichst billigsten Bezug von Rohstoffen. Heute kann ich conftatiren, daß die Erhöhung der Getreidezolle ein Unrecht gegen die arme Claffe ist, und davor warne tch im Interesse der Monarchie und des Vaterlandes. Dornoch wurde tn namentlichen Abstimmungen die Erhöhung deö Roggen- zoves aus 3 Mark mit 192 gegen 151 Stimmen beschlossen, die Erhöhung des Weizenzottes ebenfalls auf 3 Mark mit 229 gegen 113 Stimmen. Nächste Sitzung morgen. Telegraphische Depeschen. Wolss's telegr. Correspondenz - Bureau. Berlin, 16. Februar. Der Reichskanzler legte dem Bundesrathe einen Entwurf über Bestimmungen vor, welche für den Fall einer vorläufigen Inkraftsetzung des erhöhten Roggenzolles bezüglich der Einfuhr des in Spanien und den übrigen meistbegünstigten Ländern producirten Roggens zu treffen seien. Darnach beträgt der Gngangszoll für Roggen aus einem dieser Länder wie bisher 1 X. pro 100 Kilo. Diejenigen, welche Roggen aus genannten Ländern zu diesem Zollsätze einführen wollen, haben bei dem betr. Consul eine Ausstellung des Ursprungs-Zeugnisses zu beantragen. Dem Bundesrathe ging ferner vom Reichskanzler ein Gesetzentwurf zu, betr. den Schutz zur Anfertigung von Papier, welches zu Reichkassenscheinen verwandt wird. — Die „Kreuz-Ztq." bemerkt zu ihrer Nachricht von dem Vertragsschluß zwischen der Congo-Gesellschaft und Portugal: „Wenn auch sachlich für den Schluß der Conferenz keine Hinoernisse mehr vorliegen, da die Neutralität des Congo-Staates auch von Frankreich und Portugal in Convention mit der afrikanischen Association anerkannt ist, so zeigen sich jetzt doch noch formelle Schwierigkeiten, indem es heißt, der englische Bevollmächtigte habe noch nicht die letzten nöthwendigen Instructionen erhalten. Hamburg, 16. Februar. Die „Hamb. Börsenhalle" berichtet, daß die Handelskammer von Bari (am adriatischen Meer) eine in deutscher Sprache abgesäßte Eingabe erhalten hat, worin sie gebeten wird, dazu beizutragen, daß die Regierung 4t die itjtd jaHe" berietet, bag d« : deutscher Kpeiche dazu heijutragm, d-s senden SDampfetlinir ™ Beziehungen beider Ehangh« vom 15. da W «lieg,schiffe, ntfy SW bei Gefechtes in Jen Cunningham unö daß sie &*$am ', von dem aus das Dy- : Verhandlung wird rot- sich erboten, Truppen u reit, auf eigene Äoflß -uban zu stellen. Premier Gladstone rietet! ien, in welchem es M am 19. d. M. Dch Anspruch nehmen mürber xn melbet, verlaßt mc sen einer „Reuter"W Metz ftmtato' Mar drtz Styfaba SÄÄ**** sss® Holzversteigerung im Gießener Ttadtwald. Montag den 23. Februar 1885, von Vormittag- 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwald in dem District Hangelstein, Abtheilung 1 und 2, nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Brennholz. Echetth. Prügelh. Ltockh «ei»h. Rmtr. Rmtr. JRmtr. Wellen Buchen 96 188 64 3345 Eichen 27 34 24 900 Linden — 4 — — B. Bau-, Werk- und Nutzholz. 18 Eichenstämme mit 23,11 Festm., dis zu 79 Ctm. Durchmesser — für Glaser und Schreiner geeignet —, 1 Buchen stamm mit 1,26 Festm. Die Zusammenkunft ist auf dem Vicinalweg nach Daubringen, in der Nähe des Steinbruchs. Gießen, den 17. Februar 1885. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. 1133 A. Bramm. Holzversteigerung. Donnerstag den RO Februar, von Morgens 1" Uhr tttt, soll im Grüninger und Dorsgill e r Markwald nachverzeichnetes Hol; versteigert werden: 87 Eichen'Stämme, 27,80 fm, bis zu 63 cm Durchmesser, 60 Fichten-Stämme, bis 16 m Länge, 1 Buchen-Stamm, 1,19 fm, 34 Eichen-Derbstangen, 880 Nadelderbstangen, worunter schöne Wagnerstangen, 320 ^Nadelreisstangen. Die Zusammenkunft ist im Seewald, am Fußpfad von Dorsgiü nach Lich. Grüningen, den 16. Februar 1885. Großh. Bürgermeisterei Grüningen. ___________Gilbert._______1121 Slontag den 23. Februar, Nachmittags 1 Uhr, werden im Rathhans in Wiefeck öffentlich versteigert: 26 Klftr. Grasgarten, die Bilsen- gärten, 38 „ Grabgarten, der Waffer- fall, 368 „ Wiese, bei der Wiesecker Mühle, ferner Gemarkung Gießen: 429 Klftr. Acker unter dem Wiesecker Weg, 262 „ Acker a. d. Marb. Straße (Kalten Grund). 1124 Heinrich Voelzel II. Brenuholz- Berfteigerung. Donner-tag den 19. d. M. wirb im Sicher Stadtwald-District „Untererspeierlingskops" nachverzeichnetes Hol; versteigert . 24 Rm. buchen Scheiter, 372 „ „ KnÜpvel, 257,2 „ eichen „ 36 „ Weichholz- „ 5548 buchen Wellen, 4953 eichen 1615 nabel Wellen ( in Hausen ausgeschichtet, 125 Rm. buchen Stöcke, 216,4 „ eichen „ 133,5 „ nabel „ Die Zusammenkunft und der Anfang Morgens 10 Uhr am Burkhards- felderfußweg im Unterenspeierlmgskopf. Lich, 13 Februar 1885. Alroßherzogliche Bürgermeisterei Lich. Walz. 1074 Wh auszuleihen auf erste “Vvv ober gute zweite Hypothek. Näh. i. d. Erp. d. Bl- 1118 Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. In den Orten Bettenbausen, Burkhardsfelden, (Climbach, Oberstadt,Hattenrod, Muschenbeim, Ovenhausen, NüddingS- hausen und Langd treten am 20. Februar 1885 Pofthulfstellen in Wirksamkeit, deren Verwaltung übertragen worden ist: in Bettenhausen dem Herrn Bürgermeister Rücket, n Burkhardsfelden „ ti ff Hoffmann, n Climbach „ n ff Stein, ff Eberstadt „ n n Görlach, ft Hattenrod „ ff ff Menget, rt Muschenheim „ rt ff Roth, ft Ovenhausen „ tt ff Lang, rt Rüddingshausen „ ff tf Werner, Langd ff Beigeordneten Ronthal er. Darmstadt, den 13. Februar 1885. Der Kaiserliche Ober-Post-Director. Hagemann. Geschäfts-Empfehlung. Einem geehrten Publikum hiermit die ergebene Anzeige, daß ich das von dem verstorbenen Herrn Isaac Berlin dahier betriebene Pferde-Geschäft übernommen habe und dasselbe in der seitherigen Weise und Behausung weiterführen werde. Gleichzeitig mache die Mittheilung, daß ich Mittwoch, den 18. d. MtS. mit einer großen Auswahl ArbeitS-, Chaisen» und Reit-Dferde dahier eintreffe. Streng reelle Bedienung zusichernd, bitte ich das meinem Vorgänger erwiesene Vertrauen auch auf mich übertragen zu wollen und zeichne Hochachtungsvoll Levi Jessel. Wetzlar, den 15. Februar 1885. 1129 Alice-Vcrein ;u Gieße». 111. Vortrag: Einleitung zu „Shakespear S SommernachtStraum und Vorlesung einzelner Stellen" von Herrn Kreisschulinspector Büchner Freitag den 20. Februar, Abends 7 Uhr im großen Saale des Gymnasiums. Eintrittskarten für Familien und einzelne Personen für alle Vorlesungen, sowie Karten für eine Vorlesung ä 1 je. sind zu haben in der Ferber'schen Buchhandlung und der Rudolph'schen Musikalienhandlung. 841___Der Vorstand. "S“' II. MMM V Metallwaareiifabrik und Giesserei empfiehlt sich zur Herstellung von Wasserleitungs - Anlagen, Gras - Leitungen, Pump en-Anlagen für Kraft- u. Handbetrieb, Bade- und Closet-Einrichtungen etc. Fabrik und Lager von allen Armaturen der Dampf- und Badewannen und Badeöfen. Wafferbranche. Wandbecken. 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Hari, Bierbrauer nach kurzem Leiden sanft dem Herrn entschlasen ist. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 17. Februar 1885. Die Beerdigung findet Donnerstag Nachmittag um 3 Uhr vom Sterbehause (Actien-Brauerei) ans ftatL 1135 Todes-Anzeige. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Nachricht, das unsere unvergeßliche Braut, Tochter, Schwester und Schwägerin Elise Diehl gestern Morgen 9 Uhr sanft dem Herrn entschlafen ist. Gießen, den 17. Februar 1885. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Mittwoch Mittag 1 Uhr vom Sterbehause (Kirchenplatz 2) aus statt. H30 Todes-Anzeige. Freunden, Bekannten und Verwandten hierdurch die traurige Nachricht, daß heute Morgen 5 Uhr unsere liebe Tochter und Schwester zu 34 „ Gebl. do. „ „ „ 36 „ Bettdecken, per Stück zu 2 JL 50 Tischdecken, „ „ von 2 an, Commodedecken, „ „ 80 H an. vermischte Anzeigen. 1115 Wohnung von 5—6 Zimmern u- Zubehör alsbald zu miethen gesucht. Offerten i. d. 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Fuhr, Sonnenstratze 25. 781 Freundliches möblirtes Zimmer zu vermiethen. Schillerstratze 16. MM- V MemM l 2* Ausstände 3,‘ Beiträge der! 4, Aapitalzinsen 5. Proceßkosten 6. Beitrag aus 14. Besoldungen 15. Men und 16. Botenlohn ii 17. Für Bureau 18. Erbauung n 22. Uneickinglü Zn Gemäße! Gießen, 3m Elsässisch« Woche der Etat der Stro Hält hierüber nachjo über dm Etat der Ti Gutes geboten. Mhr- das Lob spendete, datz und dab ihre Lagere des Tabak-Monopols, 1 beiden tzerren v. Bu! m der Frage der Ma October 1882 bis S vor zwei Iah 1 bereits abm S-Td SRW: SL'?'" rote ho. 1 >e>m, dc «iel MpSÄf» ,eiä3S* Nmte Ä' iteä. SÄ iftnertj en t $ 8 Nr ?Wit™Cl(58t( ’«i« toen: ^6tbteitet Ms