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Während früher verlautete, der Kaiser werde diesmal von einem Aufenthalte in Wiesbaden ab* sehen und sich direct nach Ems begeben, versichert man jetzt von unterrichteter Seite von Berlin aus, daß der greise Monarch sich nun doch entschloffen habe, zuerst die gewohnte Wiesbadener Kur durchzumachen. Die Abreise des Kaisers von Berlin nach Wiesbaden erfolgt voraussichtlich am dritten Pfingstfeiertage, woran sich etwa Mitte Juni der Beginn der Kur in Ems anschließt. Nachdem von den in Berlin versammelten parlamentarischen Körperschaften der preußische Landtag bereits in voriger Woche seine Arbeiten beendigt hat, ist der Reichstag am gestrigen Freitag dem Beispiele des Landtags gefolgt und den Beschluß wird in nächster Woche der Bun- oesrath machen, welcher gewöhnlich am letzten auseinander geht. Derjenige Gegenstand, welcher den Reichstag in seiner gegenwärtigen Session am nachhaltigsten beschäftigte, die Zolltarif-Novelle, hat seine Thätigkeit auch noch in der letzten Woche der Session hauptsächlich in Anspruch genommen, da er am Montag m die Dritte Lesung der genannten Vorlage eintrat. Noch an diesem Tage ist es auch dem Reichstage gelungen, den wichtigsten Tqeil der Zolltarif-Novelle, die Zölle auf Korn und Weizen, zu erledigen, nachdem er bei den vorhergehenden Positionen meist bie Beschlüsse zweiter Lesung genehmigt hatte. Auch bezüglich des Rrggens und des Weizens wurden die in zweiter Lesung beschlossenen Zollerhöhungen mit nicht unbedeutender Majorität aufrecht erhalten und ist demnach der Eingangszoll für beide Getreidearten definitiv auf 3 .X. festgesetzt. Neue Argumente für oder gegen dte Getreidezölle wurden hierbei nicht vorgebracht, du das pro und contra schon in den früheren Verhandlungen des Reichstages m erschöpfendster Weise behandelt worden war. Die Last der Vertheidigung der Getreidezölle ruhte hauptsächlich auf dem Reichskanzler, welcher sich dieser Aufgabe mit fast jugendlicher Elasticität unterzog und die von gegnerischer Seite kommenden Angriffe kräftig zurückwies. Bemerkenswerth war die scharfe Abfertigung, welche Fürst Bismarck hierbei dem welfischen Abg. v. d. Decken — gleichfalls ein Gegner der Zollvorlage — zu Theil werden ließ, indem er die Bestrebungen der Welfenpartei als Landes- und Reichsverrath charartensirte und zugleich deutlich durchschimmern ließ, daß das Endziel dieser Bestrebungen, die Wiederherstellung des Königreichs Hannover, nie und nimmer erreicht werden würde. Als eine interessante Neuigkeit aus der Montagssitzung des Reichstages ist noch die Mittheilung des Fürsten Bismarck hervorzuheben, daß es ihm gelungen sei, die spanische Regierung zum Verzicht auf die Bindung des Roggenzolles (auf 1 eX) gegen eine deutscherseits zugestandene Ermäßigung der Zölle auf Südfrüchte und Olivenöl zu bewegen. Auch die Dienstagssitzung war zum größten Theil der weiteren Berathung der Zolltarif-Novelle gewidmet, welche nicht unwesentliche Abänderungen gegenüber den Beschlüffen der zweiten Lesung brachte. Zwar blieb es bezüglich der Position Buchweizen und Hülsenfrüchte bei dem in zweiter Lesung festgesetzten Zollsätze von 1 -X., dagegen wurde der Zoll für Hafer und Gerste von 1 auf 1 -X. 50 H erhöht und derjenige für Malz auf 2 -X. normirt, Alles nach den Anträgen der freien wirthschasilichen Vereinigung. Dieselbe setzte ihre Abänderungs-Anträge auch bei der Position: Raps, Rübsaat, Mohn, Oel, Oelsrüchte u. s. w. durch, wobei nach langer Debatte sämmtliche übrigen, hierzu vorliegenden Anträge abgelehnt wurden. Auch für Mais wurde die von der Vereinigung beantragte Zollerhöhung von 50 auf 1 cX. genehmigt; bei „Anis, Fenchel und Kümmel", sowie bei „getrockneten Weinbeeren" verbleibt es bei den Beschlüssen zweiter Lesung (3 JL, resp. 15 lua' die Unzuträglichkcit des gejammten Gesetzes zu beseitigen, auch bald in dem Norden des Reichs verbreitet und dort anerkannt werde und daß mit Hulse des Fürsten Bismarck, der so vieles Großartige geschaffen, auch bald eine Revision des Gesetzes eintreten möge. Mainz, 11. Mai. Der Assistenzarzt des hiesigen Hospitals hat sich eine Blutvergiftung zugezogen. Derselbe hat dieser Tage an der Section einer Leiche theil- genommen, worauf zuerst feine Hand und alsdann sein Arm heftig anschwollen und eine Blutvergiftung constatirt wurde. Dieselbe soll durch den Stich einer Nadel an etnem ^mger hervorgerufen worden sein. Der Zustand des Arztes ist bedenklich, glücklicher Weise aber nicht lebensgefährlich. Frankfurt a. M., 12. Mai. Das Veloeiped ist nun auch dem Handwerk dienstbar gemacht und zwar sind es die Metzger, welche es, ermuntert durch das Beispiel der „Kleinen Presse", welche schon seit längerer Zeit irn Besitze eines solchen Fahrzeuges, bei sich eingeführt haben. Der Metzgerburscke sitzt in der Mitte des Tricycle, vor sich einen schönen, sauberen, verschließbaren Korb, in welchem 150 Pfund Fleisch Aufnahme finden. Die Kunden werden dadurch rasch bedient und ist Beschmutzen oder Diebstahl des Fleisches so gut wie ausgeschlossen. Bis jetzt sind drei derartige Vehikel im Gange. Weilburg. Herr Dr. Kienitz - Gerloff veröffentlicht folgende Warnung: Die diesjährige überaus reiche Obstblüthe hat allgemein große Hoffnungen auf eine ergiebige Ernte erweckt. Sollen diese Hoffnungen nicht getäuscht werden, so ist Aufmerksamkeit auf die Feinde der Obstbäume dringend geboten. Einsender dieses möchte deßhalb darauf Hinweisen, daß sich ein solcher Feind bereits eingestellt hat und daß es nöthig ist, denselben so'schleunig als möglich zn vernichten. Es ist dies ein Pilz, welcher auf der Rinde der Wachholderzweige wächst. Er bildet dort einfache oder verzweigte, etwa 1 (Zentimeter lange, abgeplattete rothbraune Stiele, welche von den Zweigen nach allen Seiten abstehen und sich nach Befeuchtung durch den Regen in eine rothgelbe Gallertmasse verwandeln. Die befallenen Wachholderzweige sind an den Stellen, wo die Pilze sitzen, krankhaft verdickt. Wenn die außerordentlich kleinen Samenkörner dieses Pilzes auf die Blätter der Aepfelbäume gelangen, wohin sie durch den Wind leicht verweht werden, so rufen sie auf diesen eine Krankheit hervor, welche den Namen Gitterrost führt. Die Unterseite der Aepfelblätter und die jungen Früchte bekommen gelbe bis rothe, polsterartig verdickte Flecken, die Blätter werden schließlich gelblich und fallen ebenso wie die erkrankten Früchte ab. Wiederholt sich die Krankheit mehrere Jahre hindurch, so können die Bäume absterben. Es ist deßhalb durchaus nothwendig, alle Wachholdersträuche, welche den Pilz tragen, schon jetzt auszurotten. Handel und VeeLedr. — [Aufschrift der Postsendungen.^ Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müssen auf denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet fein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabei sind namentlich folgende Punkte zu beachten: 1. Bei Postsendungen nach größeren Orten ist in der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugeben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich unten rechts, un mittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge. 2. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung bc: Empfängers, der Postbezirk (0., N., NO. rc.), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbezeichnung „Berlin" zu vermerken. 3. Giebt es mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Postverkehr als maßgebend anzusehen sind, ergiebt sich aus dem „Verzeichnis gleichnamiger oder ähnlich lautender Postorte", das zum Preise von 10 Psg. durch Vermittelung jeder Reichs-Postanstalt bezogen werden kann. 4. Wenn der im Neichs-Postgebiet betegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Sendung noch des Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten des politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk il s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen [(Ober), (Elbe), (Rhein), (Main) rc.), oder von Gebirgen [(Harz), (Riesengebirge) rc.). Nicht minder sind zusätzliche Bezeichnungen, wie [(Thüringen), (Altmark), (Lausitz) rc.) für den Zweck geeignet. 5. Auf Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer dem eigentlichen Bestimmungsorte noch diejenige Postanstalt anzugeben, von welcher aus die Bestellung der Sendung an den Empfänger bewirkt werden bcz. die Abholung erfolgen soll. 6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten ru rechnen ist, so ist außer bem Ortsnamen noch oas betreffende Land bez. der Landestheil auf der Sendung anzugeben. Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleunigen lieber- fünft der Sendungen an die Empfänger wesentlich beitragen, und es liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Sendungen hiernach genau anzufertigen. Aeilgeöotenes. Uhrfeder-Corsetts anerkannt tadelloser Sitz, sowie alle andern Arten Damen- u Kinder- eorsettS von den billigsten bis zu den hochfeinsten empfiehlt in großer Auswahl Robert Haas, 1205 Seltersweg 18. Louis Wittich II , Lager in wasserdichten Wagen-, Waggon« und Pferdedecken (mit Firmen- Aufschrift) zu Fabrikpreisen. 2434 Casseler Kserdeloose ä 3 Mark empfiehlt 8420 C. Lehrmund. Wiederoerkäufern hoher Rabatt. Allgemeiner Anzeiger. | Die noch | H vorräthiqen Hnaben-Anzüge gebe K A um schnell damit zu räumen, zu und S £ unter Einkaufspreisen ab. $ t A. Docter, | f 3609 Seltersweg 57 § Streusand. Schön lackirte Möbel solid und geschmackvoll gearbeitet, empfiehlt zu billigen Preisen Kurl Zimmermann 1293 Neuen Baue 15. 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April 1885 Gießen, a Darmstadt, heute Bormittag den sowie den Oderstkam Um 1V2 Uhr bet 26. Allgemeinen Ober-Bürgermeister Reineck und Lehrer Brrlm, 16 der Borsenßeuer-Ge^ mrj, bett, die Aus - Der Kaist Friedrich non hohei seinem ertränkten V Bien, 16. IWeÜt, oier Kch Paris, 16.9 Mag M. Mimste^ zeitig, die Regierung Der Amnestie-Antrag — Eine Depesi Räumung Tuyenquan- AÄ' der niebrtgt 'Boten cct W; die $iratenbatil ^erftreut, zwei Pstater , Londou, 16. «« mit Depeschen &l?n- über Die aj W"d den Entwirr RS»! 1 '"Witzen? ®i hum tr-fS lo,9tiii hb SM Ee" könnt I SS d Ä' teiS'.i«1