1855 Samstag reu 17. Januar Nr. IM mit bi« Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint ISglich mit Ausnahme be3 Montag» Vnrean t Schulstraße 7. «r Gießen, den 13. Januar 1885. Betreffend: Die Krankenversicherung der Arbeiter. n bet mtm icrd, 18 . . crepirten oder getödteten Thiere- 18 . . bis . - über die in der Gemeinde vom . Namen der Besitzer Datum Monat Gießen, den 14. Januar 1885. Betrefseud: Die Mathildenstiftung für Oberhefsen. Ord.- Nr. Anzeigen. »fähiger p. ilcrhäufu tb sofort gesucht. 0 an btt Ln-d. 3u dem Voranschlag der Mathiltumstistung für Oberhessen find für das Jahr 1884 850 JL vorgesehen, welche zu wohlthätigen Zwecken verwendet und womit in erster Linie die in der Provinz bestehenden Kleinkinderschulen bedacht werden sollen. . ... „ . , ,, Es werden hiernach die Vorstände solcher Schulen, für welche eine Subvention gewünscht wird, aufgesordett, ihre desfallstgen Gesuche, mck welchen eine möglichst ausführliche Mittheilung über Ausdehnung, Mittel und Bedürfnisse der betr. Anstalt zu verbinden ist, bis zum 20. Februar l. I. an den Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch den Thierarzt sestgestellt ist, sowie über die Art der Beseitigung der Cadaver. Unterzeichneten gelangen zu lasten, Gießen, am 14. Januar 1885. Der Vorstand der Mathildenstistung für Oberhefsen. Dr. Boekmann. Politische Ueberficht. Gießen, 16. Januar. Kaiser Wilhelm hat wiederum das Hinscheiden eines seiner alten Wastengenoffen zu beklagen, intern am Montag Prinz August von Württemberg, der frühere langjährige Befehlshaber des Garde-Corps, den Folgen eines Schlaganfalles, der ihn am 9. Januar während einer Jagd im königlichen Forste zu Zehdenick betroffen, erlegen ist. Der dahingeschiedene Heerführer war am 24. Januar 1813 als zweiter Sohn des Prinzen Paul von Württemberg geboren und trat 1831 als Rittmeister in die vreußifche Armee ein, wo er verhältnißmäßig rasch avancirte, da er bereits 1850 zum Gererallieutenant und 1856 zum Commandeur der Garde-Kavallerie ernannt wurde. 1858 zum com- mandirenden General des Garde-Corps ernannt, führte er dasselbe mit Auszeichnung in den Feldzugen von 1866, wo die Garde besonders durch die Erstürmung von Chlum, dem Schluffel der österreichischen Stellung bei König- grätz, mit zum Gewinn dieser Entscheidungsschlacht beitrug, und von 1870—71, wo sich das Garde-Corps in den Schlachten von St. Privat und St. Marie aux Chönes, dann in der Riesenschlacht von Sedan und später in den Belagerungskämpfen vor Paris und besonders bei Le Bourget rühmlichst auszeichnete. 1873 wurde der Prinz zum Generaloberst mit dem Range eines Generalfeldmarschalls ernannt und erhielt Ende August 1882 den erbetenen Abschied. Die herzliche Sympathie, welche den Entschlafenen mit unserm greifen Kaiser in Krieg und Frieden verband, ist allgemein bekannt und wird darum die Trauerbotschaft von dem Ableben des Prinzen ihres tiefschmerzlichen Eindruckes aus den allerhöchsten Kriegsherrn nicht verfehlen. Der Reichstag hat am Dienstag die Kamer un-Voriage ohne besondere Abstimmung destnitiv genehmigt, nachdem er derselben schon in der zweiten Lesung vom vorigen Samstag mit überwilttgender Majorität zuge- stimmt hatte. Vom Reichstage ist hiermit der Bewers geliefert worden, daß ec nicht gesonnen ist, stch den Mahnungen der Natron zu einer kräftigen Unter- ftützung der colonialen Politik der Reichskanzler» länger zu entziehen und wird ipinntrtl n bezogrnru Monats in mute, außn- Das Großhcrzoglichc Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Nach einer Mittheilung dc» Herrn Reichskanzlers an Großherzoglichc« Ministerium des Innern und der Justiz sind sämmtlrche Bunderregierungen der Ansicht, daß die in der Fischerei gegen Lohn beschäftigten Personen zu den auf Grund des § l des Krankenversicherungsgefetzes Lirpcherungspflichtige» nebören. Dieieniaen von Ihnen, in deren Dienstbezirk Flußsischerei betrieben wird, wollen Nch hiernach bemessen- Weiler machen wir Sie zur Vermeidung von Jrrthümern ausdrücklich darauf aufmerksam, daß HaudwerkSlehrlinge versicherungspflichtig und. Deren Anspruch aus freie Station gilt laut § 1 lichter Absatz) des Gesetzes als Lohn. Die Versicherungspfltcht kann dadurch nicht beseittgt werden, daß die Eltern der ^Lehrlinge sich verpflichten, ihr Kind im Krankheitsfälle während 13 Wochen zu verpflegen, denn nach § 3 sAbsatz 2) des Besitzes fönnen nur diejenigen Versicherungspflichtigen vom Beitritt zur Kasse befreit werden, welche int Krankheitsfälle mindestens für 13 Wochen Anspnich auf Verpflegung bet Familie des A r b e itgebers haben. Lehrlinge, welche bei ihrem eigenen Vater in der Lchre stehen, sind hiernach von der VerncherungSpflicht befreit. mie Krankenkaffedeilräge für den Lehrling sind dem Lehrmeister selbstverständlich zu zwei Dritteln von dem Lehrling oder dessen Eltern zu. Hetzen. 3ft der Lehrling eine Waise so hat sein Vormund Ersatz zu leisten. Ist der Lehrling gänzlich vermögenslos, so erhalt bet Meister ein Forderungsrecht an bat Lehrling für die vorgelegten Krankenkassebeiträge, deren Abverdienst nach beendeter Lehrzeit er verlangen kann. Dr. Boekmann. .______ Betreffend. Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau. Gießen, am 9. Januar 1885. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherioglicheu Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Bellersheim, Bettenhausen- Birklar, A*»rf-Gill, Oberstadt, Groß:L?nden, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein-Ltnden, Langd, Lang-GonS, Augsdorf, Leihgestern, Lieh, Muschenheim, Obbornhofen, Ober-Horgern, Rabertshausen, Rodherm, Sternheim, LraiS Horloff und Utphe. Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an baldige Einsendung der in unserem Ausschreiben vom 23. August 1880 - Anzeiger Nr. 201 — voraeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der Spalte Bemerkunaen" die Angabe über die Krankheit des ThiereS und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht zu vergesien ist. Dr. Boekmann. Preitz vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit 8rin Höst» gauz a* ub A. B. an die ''l)ilalorg. T'Wlatot Iw •" ©leid bIt n Auftrag |u «P, Stück $nni.- Der cre; Zahl >irlen ober g Thiere Gattung ’töbteten Alter Jahre hieraus der leitende Staatsmann neuen Muth schöpfen können zu einem ent* schloffenen Vorwärtsschreiten auf der von ihm betretenen Bahn der colonialen Entwickelung des Reiches. Das Votum des Reichstages für bie Colonialpolitik mußte mit um so größerer Genugthuung ausgenommen werden, als es mit den Nachrichten über die blutigen Vorgänge in Kamerun gerade zusammentraf. Wenn man aber im Auslande der Meinung gewesen, daß sich die coloniale Begeisterung in Deutschland durch derartige allerdings beklagenswerthe Ereignisse abkühlen würde, so bedeutet dies einen entschiedenen Jrrthum, die Reichsregierung wird auch ferner auf die vollste Zustimmung der großen Mehrheit der Nation zu ihrer überseeischen Politik rechnen können. Ueberhaupt scheint seit der Kamerun-Debatte ein besserer Geist — wenn man so sagen darf — im Reichstage eingezogen zu sein. Wenigstens bewegten die sich hieran schließenden Verhandlungen über den Militär-Etat — im Gegenlatz zu früheren Debatten über diesen Gegenstand — am Montag wie am Dienstag in den Grenzen der Sachlichkeit, wodurch die Verhandlungen natürlich nur gewannen. Allerdings mußte sich die Regierung auch diesmal verschiedene Abstriche am Militär-Etat gefallen lassen, doch wurden die größeren Positionen fast sämmtlich, und nur hier und da mit kleinen Abstrichen, bewilligt, sogar Abg. Richter erklärte sich mit verschiedenen Positionen einverstanden; z. B. mit der geforderten Gesammtsumme für die 96 Hauptmanns-Chargen im Generalstabe. Eine längere Debatte veranlaßte in der Dienstags-Sitzung die Neuforderung für 71 Waffenmeister, welche schließlich aus Antrag des Abg. v. Huene abgelehnt wurde, und ebenso rief das Capitel über die Naturalverpflegung eine lange und ermüdende Discussion hervor ; die weitere Berathung des Militär-Etats wurde alsdann vertagt. In der gegenseitigen Stellung der europäischen Mächte vollzieht sich anscheinend eine bemerkenswerthe Veränderung. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß zwischen Deutschland und Italien nicht mehr Alles so steht, wie bisher, und daß letzteres mehr und mehr in das englische Fahrwasser einlenkt. Was die eigentliche Ursache für diese Schwenkung des italienischen Cabinets bildet, liegt noch nicht klar zu Tage, wahrscheinlich hat aber hierbei Mr. Gladstone die Hand mit im Spiel, der die Colonisationspläne Italiens am Rothen Meere trotz der hierdurch England drohenden Con- currenz offenbar begünstigt, um sich hierdurch die Unterstützung Italiens namentlich in der egyptischen Frage zu sichern. Das Verhältniß Italiens zu Deutschland ließ überhaupt in letzter Zeit die wunschenswerthe Klarheit vermissen und über die Stellung deL Appenninen-Königreiches zur deutsch-österreichischen Allianz herrscht heute größere Ungewißheit als je; vielleicht bringt die nächste Zeit Aufklärungen hierüber. Die französischen Kammern sind am Dienstag zu ihrer diesjährigen ordentlichen Session zusammengetreten und gaben in beiden Häusern des Parlaments ihren Sympathieen und Wünschen für die Armee in Tongking Ausdruck. Wahrscheinlich dürften aber die Kammern sofort wieder vertagt worden fein, da die Regierung wünscht, daß die weiteren Verhandlungen erst nach den am 25. Januar stattfindenden Senatswahlen wieder ausgenommen werden. Die ungarische Regierung widmet gegenwärtig ihre besondere Aufmerksamkeit den antimagyarischen Agitationen des Bischofs von Diakovar, Dr. Stroßmayer, welcher panslavistischen Tendenzen huldigen soll. Die in diesem Jahre bevorstehende Feier der Slaven-Apostel Cyril und Method hat, wie es heißt, dem Bischof Veranlassung gegeben, seine Anschauungen nach .dieser Richtung hin in besonders prägnanter Weise hervorzukchren und für eine in panslavsstischem Sinne erfolgende Methodius-Feier zu agitiren. Hierauf soll sich die längere Audienz, welche der Primas von Ungarn, Cardinal Simor, jüngst beim Kaiser von Oesterreich gehabt hat, bezogen haben, in welcher, wie es heißt, der Cardinal vom Kaiser aufgesordert worden ist, einen Brief an den Papst zu richten, um die römische Curie über die staatsgefährlichen Umtriebe des Bischofs Stroßmayer aufzuklären. Osficiell bestätigt sind diese sensationellen Mchrichten allerdings noch nicht. Telegraphische Depeschen. Wolff s telegr. Correspondenz - Bureau. Berlin, 15. Januar. Der Reichstag genehmigte heute die Einstellung drs Strafverfahrens gegen verschiedene socialdemokrattsche Abgeordnete und setzte sodann die Berathung des Antrages HertUng, das Arbeiterschutzgesetz betreffend, fort. — Der Abgeordnete Baumbach bat, bte gestern und heute bewiesene, den Arbeitern freundliche Gesinnung auch dann zu bethatigen. wenn eS sich um die Erhöhung der Getreidezölle handle. — Hierauf erwidert der Reichskanzler, Fürst Bismarck, daß bet der Frage wegen Erhöhung der Getreidezölle die verbündeten Regierungen gerade von der Für- I sorge für die landwirthschaftlichen Arbeiter geleitet worden seien und zwar nach dem Spruche: Hat der Bauer Geld, so hat es die ganze Welt. Der Normalarbeitstag sei völlig unmöglich. Wie werde man die Arbeiter für die ausfallende Arbeitszeit ent-' schädigen? Der Arbeitgeber könne eS nicht, denn dieser könne eben nicht mtt Nachtheil arbeiten. Auch könne man den Normalarbettstag nicht durchfübren, ohne den Arbeitslohn zu verringern, und wenn man es könnte, müßte man außerdem eine chinesische Mauer um Deutschland ziehen, um den Import zu hindern. Die verbündeten Regierungen könnten nicht Versprechungen geben, ohne sie erfüllen zu können. — Der Abgeordnete Ackerutann sprach für den Antrag Kropatscheck und für die Verweisung an die Commission, während Abgeordneter v. Schorlemer-Alst für den Antrag Hertling eintrat und auf die Gefahr der Socialdemokratte htnwles, um die Nothwendtgkeit einer baldigen socialen Reform darzuthun. Der Abgeordnete Stöcker befürwortete eine möglichst umfassende Arbeiterschutz-Gesetzgebung, welche das beste Mittel gegm das Ueberhandnehmen der Socialdemokratte sei. — Von dem Abgeordneten Grohe wurde eS mit Freuden begrüßt, daß durch die Anbahnung eines Normalarbeitstagetz. die Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit und die Gewährung der Sonntagsruhe die sociale Stellung der Arbeiter gebessert werden solle. Die Fortsetzung der Berathung findet morgen statt. Berlin, 15. Januar. Der Landtag ist heute mit folgmder Thronrede eröffnet worden: Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags! Seine Majestät der Kaiser und König haben mich mit der Eröffnung des Landtags der Monarchie zu beauftragen geruht. Die Finanzlage des Staates ist an sich eine befriedigende. Das letzte abgeschlossene Rechnungsjahr hat bet fast allen wichtigeren Einnahmi'rweigen, namentlich auch wiederum bet Verwaltung der Staatseisenbahnen günstige Resultate und möge- sammt einen Ueberschuß von mehr als 20 Millionen Mark ergeben, welcher gemäß den gesetzlichen Bestimmungen über die Verwendung der Jahresüberschüffe der Eisenbahnverwaltung btS auf einen geringen verfügbar gebliebenen Betrag zur Tilgung der StaatSetsenbahwCapttalschuld zu verwenden gewesen ist. Auch das laufende Jahr läßt nach den bisherigen Wahrnehmungen einen günstigen Abschluß hoffen und einen zu gleicher Verwendung kommenden VerwaltungSüberschuß erwarten. Dementsprechend sind die Einnahmen für daS nächste Jahr erfreulicher Weise wiederum in dem Maße höher zu veranschlagen, daß sie zur vollen Deckung deS in der bisherigen Weise streng geprüften, aber nirgends unwirthschastlich beschränkten Ausgabebedarfs hinretchen würden, wenn dem letzteren nicht eine Erhöhung deS MatrtkularbettragS für das Reich um mehr als 24 Millionen Mark hinzuträte. Schon fett längerer Zeit weist eine Reihe großer und anders als mit neuen Einnahmen vom Reich nicht zu befriedigender Bedürfnisse, namentlich die dringend wünfchenSwerthe Erleichterung des Druckes der Communal- und Schullasten, wie die Verbesserung dec Beamler.besoldungen, auf die Nothwendigkett der Eröffnung neuer Einnahm quellen deS Reiches hin. Der inzwischen hervorgetretene eigene Mehrbedarf des R.tcheS gibt eine neue Mahnung hierzu, welche, so hofft die Staatsregierung, bald allseitig beachtet werden und in naher Zeit wieder zu einer Ermäßigung unseres Mutrikularbettrags auf die für daS laufende Jahr festgestellte Summe fügten wirb. Inzwischen muß von der höheren Bckarfssumme ausgegangen werden und, wenn auch em Thell derselben noch in den ordentlichen Einnahmen des Staates Deckung finden kann, tn der Hauptsache zur Deckung derselben eine außerordentliche Einnahme in Aussicht genommen werden. , „ u Die demgemäß auf gestillten Entwürfe des Staatshaushalts - Etats für daS nächste Jahr und «ttnes Gefitzt wegen Aufnahme einer Anleihe zur entsprechenden Ergänzung der nächstjährigen Einnahmen deS Staates werden Ihnen alßbalb zugehen Der durch die Gesetzgebung des Reiches herbeigeführte Aufschwung der Gcwerb, thäiigkett macht sich tn emer allmälig fortschreitenden Entwicklung deS Volkswohlstandes bemerkbar. Nur die landw'.rthschaftliche Bevölkerung entbehrt bisher deS Ihr gebührenden AniheilS an den Wohlthaten dieser Entwicklung. Trotz der im Ganzen gesrgneten Ernte lastet ein Druck auf der Landwirthschaft. Gegenüber den gestiegenen ProductionSkosten und den erhöhten öffentlichen Lasten welche auf diesem wichtigsten ErwerbSzwetge ruhen, ist eine denselben entsprechende Steigerung der Preise der hauptsächlichsten Erzeugnisse nicht etngetreten, dieselben stehen vielmehr niedriger w'e seit vielen Jahren. Der Absatz im Bereiche der landwtrth- schattlicken technischen Nebengrwerbe stockt und eS find die Preise für Zucker und Spiritus auf ein Niveau herabgcsunken, welches den Betrieb nicht nur nicht mehr loonend, sondern verlustbringend macht. ES wird ein Gegenstand unausgesetzter Fürsorge der Regierung Seiner Majestät sein, so viel an ihr ist, die Ursachen dieser schweren Krisis aufzuklären und durch ihre Maßnahmen nach Möglichkeit Abhülfe zu erstreben. Die in der letzten Session nickt erledigten Gesetzentwürfe zur Umgestaltung der directen persönlichen Steuern und E nsührung einer Kapitalrentensteuer find unter sorgfältiger Prüfung der bei ihrer Vorberathung im Landtag hervorgetretenen Bedenken und Abänderungsvorschläge zum Thetl anderweit redigtrt worden und werden Ihnen von Neuem vorgrlegt werden mit dem Wunsche und der Hoffnung, daß die damit vor Allem beabsichtigten baldigen wetteren Befreiungen der wenig begüterten Bc- vlökerungtzklassen von dem Drucke der bireden Stevrr nickt minder wie die sonstigen steuerpolitischen Ziele derselben nunmehr erreicht werden mögen. Behufs erhöhter Nutzbarkeit bc8 mit gedeihlichem Erfolge durchgeführten StaatS- eisenbohn-Syftews hat die Regierung auf den Erwerb einiger werteren Prlvateisen- bahnen für den Stgat Bedacht genommen, als das zweckmäßigste Mittel zur Lösung der Schwierigkeiten, welche die besonderen Verhältnisse der betreffenden Gesellschaften zum Staate der wünschenswerthen Vereinfachung der Verwaltung entgegenstellen. Die vereinbarten Verträge werden Ihnen vorgelegt und wegen Verwendung der durch den Abschluß derselben brrettstehenden Mittel für die Ausführung von Mcliorattonsbahneu Vorschläge gemocht werden. Die Verbesserung der vaterländischen Wasserstraßen schreitet erfolgreich fort und wird in planmäßiger Weise threm Abschlüsse entgegengeführt. Nachdem in der vorigen Session des Landtags unter Ihrer Mitwirkung für die Prov'nz Hannover eine KretS- und eine Prov'nztal-Ordnung auf der Grundlage der neuen Verwaltungsaesitzgebung zu Stande gekommen uub damit der erste Schritt zur Ueberlragung der lchtern auf die Provinzen, tn denen sie noch fehlen, geschehen ist, erscheint die rocitre Durchführung der Reform der inneren Verwaltung als eine wichtige gesetzgeberische Aufgabe. Von denjenigen Provinzen, welche hier in Frage kommen, ist die Provinz Hessen-Nassau wegen der Verschiedenheit ihrer kommunalen und Der- waliungS-Einrichtungen sowohl in der Provinz selbst, wie auch gegenüber den übrigen Thttlen der Monarchie einer Reorganisation am dringendsten bedürftig. Es werden Ihnen daher, um dieselbe herbeizusühren, Entwürfe einer neuen Kreis- und Provinzial- Ordnuvg für diese Provinz vorgelegt werden. Ts werden Ihnen ferner Gesetzentwürfe zugehsn, durch welche die bewährten Grundsätze der altpreußischm Gesetzgebung über die wirthschaftlichr Zusammenlegung der tn vermengter Lage befindlichen Grundstücke auf daS Geltungsgebiet des rheinischen Rechts und auf die hoh-mzollernschen Lande unter Berücksichtigung der besonderen Ver- HSttnffse dieser LandeStheile ausgedehnt werden sollen. Meine Herren! Jnd-m ich Sie im Namen Seiner Majestät begrüße, lade ich Sie ein, Ihre Arbeiten wieder auszunehmen und gebe mich Namen« der StaatS- rcgierung der Hoffnung hin, daß es gelingen wird, die gewichtigen Aufgaben dieser neuen Session unter Ihrer patriotischen Mitwirkung einer gedeihlichen Erledigung entgeg-nzuführen. Im Auftrage Seiner Majestät deS Kaisers unb Königs erkläre ich den Landtag der Monarckie für eröffnet. Berlin, 15. Januar. Die Eröffnung der beiden Häuser dkS Landtages fand heute nach vorhergegangenem Gottesdienste um 12 Uhr Mittags in Dem weißen Saale des Königlichen Schlosses durch den Vicrpräfidenten des Staatsministeriums, Minister des Innern von Puttkamer statt. Etwa 180 Mitglieder beider Häuser hatten sich etngefunden- Die Stelle der Thronrede, welche von bet angestrebten Aushilfe der Landwirthschaft handelt, wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt. Am Schluß brachte der Präsident deS Herrenhauses, Herzog von Ratiboc, ein dreifaches Hoch auf den Kaiser und König auS, tn welches die Versammelten begeistert einstimmten. D'e darauf folgende erste Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde von dem bisherigen Präsidenten von Köller mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser und König iröffnet. Zu provisorischen Schriftführern würben die Abgeordneten Bohtz, Sachse, Graf Schmiesing-Kerssenbrock und Voprlius berufen. Anwesend waren 284 Mitglieder. Die Verloosung in die Abthellungen erfolgte durch das Bureau. Die nächste Sitzung, in welcher die Wahl des PläsidiumS flattfinben soll, wurde auf Freitag anberaumt. — DaS Herrenhaus wurde von dem bisherigen Präsidenten, Herzog von Ratibor, ebenfalls mit einem Hoch auf den Kaiser und König eröffnet. Der Namensaufruf ergab die Anwesenbeit von 99 Mitgliedern, unter welchen sich der Reichskanzler Fürst Bismarck befand. Der Abgeordnete von Kleist-Retzow schlug vor, den Herzog von Ratibor und den Grafen von Arnim-Boitzenburg als Präsidenten refp. ersten Vic?prSsidenten per Acclamation wiederzuwählen, worauf der Abgeordnete von Bernuth wünschte, daß das Gleiche mit dem bisherigen -wetten Viceprösidenten Beseler geschehen möge; dem widersprach jedoÄ der Abgeordnete von Kleist-Retzow, woraus sodann der Abgeordnete von Bernuth auch seinerseits dem Anträge Kleist,Rchow widersprach. Bei der sodann durch Zettel erfolgenden Wahl wurde zum Präsidenten der Herzog von Ratibor mit 95 von 101 Stimmen wiedergewählt; derselbe nimmt bie Wahl dankend an. Ebenso wurden auch die bisherigen beiden Viceprästdenten Graf von Arnim-Boitzenburg und Beseler wiedergewählt. Dir nächste Sitzung findet morgen statt. — Der in dem Abgeordnetenhause eingebrachte Etat ergibt bei den ordentlichen Einnahmen einen Mehransatz von 114865 588 JL, indem bet fast allen BettiebS- verwEun^n Mehrüberschüsse veranschlagt sind. Bei der Eisenbahnverwaltung beträgt ^6^00000 «A wovon jedoch an Mehrausgaben für Zinsen 23300000 abgehen, sodaß ein Mchrüberschuß von 3 600000 verbleibt. Bei den ordentlichen Ausgaben kommt außer den Mehrausgaben an MatrikularbeittSacn nam-vwch ein Melrramatz von 4 762000 JL bei der Justizverwaltung in Betracht. Berlrn. 15. Januar. Behufs Concentrirunq der Sammlungen zur Darormgung eines National-Geschenks an Fürst Bismarck anläßlich dessen 70. Geburtstages bildete sich ein Central-Comitä, dem angesehene Persönlichkeiten aller Bemfskreife und Parteien angehört; das Central-Conntö wird demnächst einen Aufruf erlassen. Wilhelmshaven, 15. Januar. Das Panzerschiff „Friedrich Karl" ist nicht, wie anderweitig gemeldet, für Westafrika bestimmt, sondern wird als Wachtschiff zu Hebungen des Maschinenpersonals in Dienst gestellt. Wien, 15. Jan. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Dre Pforte scheint nunmehr ernstlich gewillt, in der Angelegenheit de» Anschlußbaues der Orientbahnen zu einem endgültigen Arrangement zu kommen. Sir b A bse,n> SMe qnfcB,,nfUtt t9t^itrui btb°Tf m- lüh L"'1,"« “Ob n? °»'b SSS-3B ’ ®lQt8 fßr k . 36ni« sss " fil!b« bt» äj; Sä ^Kr ffl lanb®^l Ntr unb Nt mt|)t 0 ft'« W. e Ursache tz,.s,. tot ®Wt£ Jm0tftQltunfl btt teuegrüße, lade ich enB der Staats» , Ausgaben dieser ichen Erledigung t ich den Landtag (6 Landtages sand dem weißen Saale istetiumS, Minister n. Die Stelle der ift handelt, wmde beS Herrenhauses. । auö, tn welches urbe von dem biS, Walser und Kön g len «ohtz. Sa^'k' renMMsUrdrr- itfinden soll, Ede verzog von Rallbsr, Der NamenSanstu ffeiLSkanjler Fürst Herzog von Rastdor V'crvrüsidrvlen ÄÄ* ln M I°d-°° ;S‘ «s-'S» fast üllen b(t[5gt ‘«ssfesr S%£ rtbeit oe» M erHärf die französische Meldung, der Botschafter Oestcrreich.Ungarn» hätte der Pforte die Ergreifung eines Pfandobjectes für den Fall werterer Verzögerung in Aussicht gestellt, ist ganz unbegründet. Wien, 15. Januar. Das „Fremdenblatt" sieht in bcm Frankfurter Morde efler!tnfen vr. Pfund 19 Sictona«@tbfen*j w 18 kleine Bohnen*) „ „16 Sauerkraut*) „ „ 10 ♦) gut kochend empfichlt C. Roth. Täglich frische S Kreppei S bei Heinrich Kinkel, 382 Conditor. Submission. Die zur Restaurirung der Kirche zuAlten-Buseck erforderlichen Arbeiten sollen im Wege schriftlicher Submission vergeben werden: veranfchl- zu 1. Planirarbeiten 55,— 2. Maurerarbeiten 393,— „ 3. Zimmerarbeiten 126,50 „ 4. Schlofferarbeiten 126,50 „ 5. Dachdeckerarbeiten 400,— „ 6. Schreinerarbeiten 1776,40 „ 7. Glaserarbetten 36,80 „ 8. Weißbinderarbeiten 743,30 „ Zeichnungen, Voranschlag und Bedingungen sind auf der dortigen Pfarrei einzusehen, woselbst auch die Offerten verschlossen mit entsprechender Aufschrift bis zum 20. Januar, Nachmittags 2 Uhr, einzureichen sind. Die Eröffnung findet sodann aus dem dortigen Gemeindehause statt. Im Auftrage des evangel. Kirchenvorstandes zu Alten-Buseck Gießen, am 8. Januar 1885. Senß selber. 221 Bez-Bauaufseher. Holjverfleigcrung in der ObersörstereL Krofdorf. Montag den 26. Januar, Morgens 9 Uhr zu Krofdorf bei Wirth Kahlert aus Sämtzbezirk Salzböden, Distr. Hohen- schicd 77 a, Eichen: 18 Baustämme mit 15,47 fm k. Inh., 7 rm Klafter Nutzholz, 16 rin Scheit, 2 rm Knüppel, 43 rm Reiser; Buchen: 6 rm Klafter Nutzholz (Felgen), 488 rm Scheit, 34 rm Knüppel, 92 rm Stockholz, 2 rm Späne, 973 rm Reiser. Krofdorf, den 15. Januar 1885. 380 Müller, König!. Oberförster. Alice-Berein zu Gießen. Mr. Vortrag: „Heber das deutsche Volkslied" von Herrn Realschullehrer Schwabe Dienstag den 20. Januar, Abends 8 Uhr im großen Saale des Gymnasiums. Eintrittskarten für Familien und einzelne Personen für die fünf Vorlesungen, sowie Karten für eine Vorlesung ä 1 sind zu haben in der Ferber'scheu Buchhandlung und der Rudolph'scheu Musikalienhandlung. 388 ______________________________Der Vorstand. Verein der nationalen u. liberalen Partei. Generalversammlung Montag den 19. Januar, Abends 8 Uhr, im Cafs Bayer. Tagesordnung: ^Rechenschaftsbericht und Rechnungsablags des Vorstandes. 2) Statuten-Aenderung. 379 3) Vorstandswahl. Gießen, den 16. Januar 1885. DerBorstand. Cokes. Gegenwärtiger Preis in der Gasfabrik: Stückcokes Mk. -.95 pr. Ctr., Nußcokes für Stubenheizung, zerkleinert „ 1.05 „ „ Der Transport an das Haus erfolgt von der Gasfabrik aus bei Abnahme von mindestens 5 Eentner, von Herrn Emil Pistor auch in kleineren Quantitäten. 8 Hiermit die ergebene Anzeige, daß ich mein Lager in 224 Wermiethungen. 374 Kleines Familienlogis zu vermieden. Frankfurterstr. 103. 383 Zwei noch der Straße gehende geräumige'Zimmer im !- Stock (unmöblirt) pr. 1. April zu vermiethen bei Bürstennmcher Winter. 386 Zwei Zimmer, auf Wunsch mit Küche rc-, an eine Dame zu vermiethen von ____Dr. Ploch. 6l Ein Logis von 3—4 Zinimern mit Gartenontheil zu vermiethen bei Inst. Unverzagt, Steinstraße. 320 Die von Herrn Rechtsanwalt Katz in der Stadt Dassel bewohnten Zimmer sind per 15. März zu vermiethen. Näheres bei W. Katz im Darmstädter Haus. 242 Ein freundl. Familienlogis, sofort beziehbar, zu'vermiethen. Näheres im frankfurter Hof. 70 Die Parterre-Wohnung in meinem Hause, bestehend aus 7 Zimmern mit Zubehör, ist, per 1. 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Von Dr. M. Dyren- furth. Mit Jenners Bildnis. — Verrechnet. (Fortsetzung.) Roman von L. Bernhardt. — Am Familientisch: Zu un- seren Bildern: „Zur letzten Ruh". Von H. Bachmann. — Partbie aus dem wilden Romenthal. — Das Militär Waisenhaus zu Potsdam. — Extrapost. — Zeitdauer der J Siuneucindrücke. — Ein Wetterprophet. Von Bruno Ctrauwald. — DieBuddhisten- vcreinler auf Ceylon. — Gesundheitsralh. — In unserer Spiclecke. Mit zwei illustrirten Beilagen: Sonntagmorgen-Kontraste in der Weltstadt. — Umschau in fernen Landen- „377 Ein gebildetes Mädchen aus an- standiger Familie, rm Rechnen und Schreiben gut bewandert, sucht unter bescheidenen Ansprüchen Stellung in einem Ladengeschäft. Zu erfragen bei Frau Müller, Vermiethungs-Bureau. Deutsches Iamilienbuch. Wöchentlich Alle 14 Tage eine Nummervon je 12 Setten 33 Jgtzregna (1885). cin W DOn ie 24 Seiten . großt Folio. 00. viooo). g^ößt Folio- Prels vierteljährl- Jt 1,95- Preis pro Heft 30 Pfennig. . , Die ^Jllustrirte Welt^ zeichnet sich vor anderen Journalen ähnlicher Tendenz durch die m reichster Fülle und Mannigfaltigkeit gebotene gediegene Unterhaltung, interessante Belehrung und Anregung, sowie durch ihren prächtigen Bilderschmuck in hervorragendster Weise aus. 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Näheres bei Schreiner Wagner, Marktstr. 373 FüHe kleine Haushaltung in Dillenburg wird gegen guten Lohn ein ordentliches Mädchen gesucht, welches- selbstständig kochen kann und in allen häuslichen Arbeiten gründlich erfahren ist. Nähere Auskunft ertheilt die Expedition der „Zeitung f- d. Dillthal" in Dillenburg.. 389 Einen tücht- Schreinergesellen sucht W. Müller, Steinstraße 48. 346 Ein Mädchen, welches'gut kochen kann, auf sofort gesucht- Restaurant Schneider^ ~ ^61 Ein braves, kräftiges Dienst^ Mädchen, am liebsten vom Laude, auf Ostern oder früher gesucht. Näheres in der Exped- d. Bl. Schachschuie» Don Freitag den 16. Januar ab Restauration Schneider Seltersweg 35. 368 CÄCAO&PULVER CHOCOLADE E.O.MOS2R&C1S ^STUTTGART Zu haben bei Herren: W. Hartmann, H. Kinkel, Fr. Leo, Rob. Sattler, Carl Schwaab, Giessen. 375 & L *4 i