Nr. 162 Donnerstag den 16. Juli 188S Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. t Vchulftraße 7. Politische Uebersicht. Gießen. 15. Juli. Ein Berliner Telegramm aus hochdiplomarischer Quelle wendet sich gegen russische und französische Blätter, welche der Haltung Deutschlands ge^en England unzutreffende Motive unterlegen. Den französischen Blättern und namentlich gewissen in Paris lebenden Berichterstattern englischer Zeitungen wird nachgesagt, daß sie fortwährend den Versuch machen, Deutschland bei England zu verdächtigen, indem sie dem Fürsten Bismarck die Mißerfolge der englischen Politik zuschreiben. Aus den russischen Blättern wild entnommen, daß man in Petersburg einer Verbindung zwischen England und Deutschland entgegensetze, deren Spitze gegen Rußland gerichtet sein würde. Beides, besagt das Telegramm, sei unrichtig. Deutschland lebe in guten Beziehungen sowohl zu Rußland, wie zu England, und es liege kein Grund vor, weshalb es die Einen zu Gunsten der Andern ausopfern sollte. Die Ereignisse werden auch diesmal wieder den Verdächtigungen Unrecht geben, denn es werde sich schließlich zeigen, daß Deutschland in allen jetzt schwebenden Fragen es als einen der großen Zwecke der -deutschen Politik im Auge behalten werde, den Frieden Europas aufrechtzuerhalten. Es verlautet jetzt mit Bestimmtheit, daß dem im October wieder zusammentreterden braunschweigischen Landtage Seitens des RegentschastS- rathes der deutsche Botschafter in Wien, Prinz Heinrich VII. Reuß, an erster Stelle als Regent vorgeschlagen werden solle. An zweiter und dritter -Stelle werden noch, um der Form zu genügen, ein Angehöriger eines norddeutschen und ein solcher eines süddeutschen Fülstenhauses vorgeschlagen werden, doch dürfte es ganz unzweifelhaft sein, daß Prinz Reuß der Erkorene sein wird. Diese Lösung der Tyronsolgefrage wirkt in Braunschweig insofern enttäuschend, als man bedauert, daß wieder ein Provisorium, wie es doch einmal eine Regentschaft ist, eintreten soll. Man tröstet sich indessen mit der Hoffnung, daß das Provisorium der Regentschaft nur wieder ein kurzes Uebergangs-Stadium zur definitiven Regelung der Thronfolgefrage sein werde. Zu den Candidaturen um den durch den Tod des Frhrn. v. Manteuffel erledigten Statthalter-Posten von Elsaß-Lothringen ist jetzt wieder eine hinzugekommen, die des deutschen Botschafters in Paris, des Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst. Es sind allerdings in dieser Frage schon so viele Namen genannt worden, daß die Nachricht von der Ernennung des Fürsten Hohenlohe zum Nachfolger Manteuffel's noch mit einiger Reserve auszunehmen ist. Die Angelegenheit des Paderborner Studien-Erlasses kann noch immer nicht zur Ruhe kommen, wenngleich der „Moniteur de Rome" versichert, daß die Affaire beigelegt sei. Die „Germania", welche selbst die Meldung von der erfolgten Zurückziehung des Erlasses gebracht hatte, sieht sich nachträglich genötbigt, diese ihre Meldung auf Grund von Nachrichten, die ihr aus Paderborn zugegangen sind, zu widerrufen. Das leitende ultramontane Blatt bedauert dies im Jntereffe der katholischen Sache und der bischöflichen Behörde von Paderborn. Schließlich sagt die „Germania", es werde zwischen Rom und Paderborn unterhandelt. Jedenfalls müsse Weiteres geschehen. Die „Kreuz- Zütung" hat guten Grund, zu bezweifeln, daß die Zurückziehung des Erlaffes überhaupt erfolgen werde. Die Curie werde mcht geneigt sein, die freundlichen Anknüpfungspunkte für eine Verständigung mit Preußen durch rigoroses Auftreten gegen einen mit der Staatsregierung in bestem Einvernehmen stehenden Bischof wieder preiszugeben. Außerdem bringt das letztgenannte Blatt die Meldung, daß die bischöfliche Administration in Paderborn im Begriff sei, ihr eigenes Priesterseminar und ihre philologisch-theologische Lehranstalt'demnächst roieber zu eröffnen, d. h. also, der gesetzlichen Staatsaufsicht zu unterwerfen. Die „Germania" wüthet darob förmlich gegen den Paderborner Bischof: „Es wird sich", ruft sie, „kein Bischof finden, der lhäte, was die Kreuz-Zeitung ongekündigt hat. Fände sich aber einer, so wäre es nur ein Unglück für ihn: losgelöst vom Felsen Petri, würde sein Schisflein, verlassen von allen Begleitern, elend zerschellen und Gott möge sich dann der armen Seele erbarmen!" Gegenüber der vom „Pesther Lloyd" gebrachten Meldung, daß die ungarische Regierung der österreichischen am 20. Juni den VorMag zu einer Einigung zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland über eine gemeinsame Zollpolitik vorgelegt habe, welchen beide Regierungen als discussionssähig anerkannt hätten, erhält das „Fremdenblatt" von zuverlässiger Seite aus Pesth ein Telegramm, nach welchem die ungarische Regierung an das Wiener Cabinet keine Note wegen einer Zoll-Union mit Deutschland gerichtet habe. Der Jrr- thum kläre sich dadurch auf, daß die ungarische Regierung bereits viel früher einen hieraus bezüglichen Schrittwechsel mit dem Minister des Auswärtigen führte; in den Minister-Conserenzen sei Ungarn mit einem Promemoria in dieser Frage nicht hervorgetreten. Das veröffentlichte Manifest der gemäßigt-republikanischen Grup- ven Frankreichs ist die Frucht der hierüber zwischen den Fractionen der gemäßigt-republikanischen Partei geführten Verhandlungen. Letztere haben nur bezüglich der Trennung der Kirche vom Staat zu keiner Verständigung geführt, indessen geht das Manifest mit einer gewandten Wendung über diesen Punkt L nweg, indem es sagt, man könne einig sein über eine Politik, welche die Gewissensfreiheit achte, aber doch den Kamps gegen den Klerikalismus entschieden ausnehme. Die Fassung ist weit genug, um den Männern des lmken Centrums keinen Anstoß zu geben; leider aber auch herzlich unbestimmt. Die weiteren Hauptpunkte des Wahlprogramms: Herabsetzung der Militärdienstzeit, Steuer- Prei- vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit SringerMn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf. Reformen, Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalte — werden wohl innerhalb der republikanischen Partei auf keinen Widerspruch stoßen. Im Ganzen erscheint das Manifest etwas dürftig, indessen ist möglicherweise die Knappheit des telegraphi chen Auszugs an diesem Eindrücke schuld und vielleicht entschädigt ein schwungvoller Styl für die Magerkeit des Inhalts. Gerade jetzt, wo aus Egypten die Nachricht von dem angeblichen Tode des Mahdi eingetroffen ist, wird von dem Pariser „Jntransigeant" eine andere sensationelle Nachricht veröffentlicht. Nach derselben soll der Mahdi dem ehemaligen Diplomaten Billing vor Der Einnahme von Khartum angeboten haben, General Gordon gegen ein Lösegeld von 1,250,000 Frcs. zu den englischen Vorposten zurückzuschicken. Billing habe diesen Vorschlag dem englischen Botschafter in Pans, Lord Lyons, unterbreitet, derselbe sei aber vom englischen Ministerium auf Verlangen Lord Granoille's abgelehnt worden. Diese Meldung klingt vorläufig sehr unglaubwürdig, wenn man bedenkt, daß sich die Pariser radikalen Blätter wegen des Todes Olivier Pain's in eine förmliche Wuth gegen die englifche Regierung hineinaeredet haben und daß ihnen kein Mittel zu schlecht dünkt, um letztere in der öffentlichen Meinung Europas herabzusetzen. Die spanischen Cortes sind am Samstag mittelst königlichen Dekretes vertagt worden. Ob den Cartes noch zuvor von der Regierung Mittheilungen über den Stand der Cholera-Epidemie gemacht worden sind, ist nicht bekannt, privaten Meldungen zufolge ist jedoch die Epidemie in mehreren Städten der Provinz Valencia im Abnehmen begriffen. Daß der Procentsatz der Cho- lera-Todten aber noch immer ein unverhältnißmäßig hoher ist, beweist z. B. die Meldung vom 10. Juli, nach welcher an dem genannten Tage in der Provinz Valencia 484 Personen an der Cholera erkrankten und 216 starben. Die Indianer-Gefahr in mehreren westlichen Staaten der Union, namentlich in Kansas, veranlaßt die UnionS'.Regierung zu außergewöhnlichen Maßregeln. Zu denselben gehört die sofortige Entsendung von 3000 Mann Soldaten nach dem im Jndianergebiet gelegenen Fort Remo. Einem aus Colorado-City in Texas kommenden Gerüchte zufolge hat in Neu-Mexiko ein Zu- s^mmenstoß zwischen Indianern und Hirten stattgesunden, bei welchem 60 Jncna- ner und 12 Hirten fielen. Es deutet dies darauf hin, daß die kriegerische Bewegung unter den amerikanischen Rothhäuten eine allgemeine ist und die Unions-Regierung wird daher gut thun, diese Bewegung so ernst zu nehmen, als sie es anschemend verdient. Londoner Meldungen zufolge sollen jetzt die russisch-englischen Verhandlungen wegen der afghanischen Grenzfrage wieder ausgenommen worden sein und einen besriedigenden Fortgang nehmen. Uebrigens findet das Gerücht, die englische Regierung begünstige die Errichtung eines britischen Cantonnemenls in Kandahar in indischen Regierungskreisen keinen Glauben. Deutschland. Darmstadt, 13. Jul.. Auf Grund der Verordnung vom 6. Decem- ber v. Js., die Vorbereitung für den Staatsdienst in dem Finanzfach und den technischen Fächern betreffend, sind nach bestandener Staatsprüfung ernannt worden: Finanzaccessist Konrad Bornscheuer von Bad Nauheim zum Steuer- affessor, die Forstaccessisten Karl Ruths von Darmstadt und Karl Wallenfels von Gießen zu Forstaffefforen. Hesterreich. Brünn, 14. Juli. In Trebitsch sand in der vergangenen Nacht ein Auflauf von Arbeitern statt. Der Bezirkshauptmann requirirte Militär, und kam es bei der Wiederherstellung der Ruhe zu einigen Verwundungen. — lieber die in Trebitsch stattgehabten Unruhen wird weiter gemeldet: Gestern früh wurden daselbst zwei Socialisten verhaftet. Darauf versammelten sich des Abends über 2000 Arbeiter vor dem Amtsgebäude, um die Verhafteten zu befreien. Die Gensd'armerie, welche mit einem Steinhagel angegriffen wurde, trieb die Arbeiter, nachdem die Aufforderungen zum «Auseinandergehen erfolglos geblieben waren, mit dem Bajonnet auseinander, wobei einige Verwundungen vorkamen. Es wurde sodann Militär aus Jglau requirirt. Die Ruhe ist zur Zeit wieder hergestellt. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Eorrespondenz - Bnrearr. Ems, 15. Juli. An dem gestrigen Diner bei Seiner Majestät dein Kaiser nabinen Prinz Nikolaus von Nassau, Oberpräsident Graf zu Eulenburg, Regierungspräsident v. Wurmb und Oberst v. Rosenberg Theil. Darauf nahm Se. Majestät den Vortrag des Wirkt. Geh. Legationsraths'v. Bülow entgegen, machte spater eine Spazierfahrt nach Dausenau und besuchte sodann das Theater. Au die heutige Brunnenkur schloß sich eine Promenade und später eine Spazierfahrt. Nach derselben nahm Se. Maj. die Vorträge des Hofmarschalls Grafen Perponcher und des Wirkl. Geheimrathes von Wilmowski entgegen. — Se. Maj. der Kaiser ist mit Gefolge um 4 Uhr Nachmittags mittelst Extrazugs nach Eoblenz abgereist. Zur Verabschiedung am Bahnhofe ivaien anwesend: Regierungspräsident v. Wurmb, Landrath Rolshoven, Badecommissar Kammerherr v. Lepel-Gnitz, Bürgermeister Spangenberg, Geh. Samtatsrath Dr. Orth, Amtmann Schlosser, Polizeirath Bornbeim, Postdirector Kühns. Die Kriegervereine und viele Badegäste empfingen Se. Majestät mit begeisterten Hochrufen. Erscheint tikglich mit »«Snichm« deS Universität- - Chronik Vermischtes. Lokale-. G. Gießen, 15. Juli. Sterblichkeit in Gießen.) Die Sterblichkeit blieb während der Woche vom 5. bis 11. Juli auf demselben niederen Stande, wie seither. Es waren im Ganzen nur 6 Todesfälle zu verzeichnen. Ein Kind im ersten Lebensjahre starb an Krämpfen. Als Todesursache bei 5 Erwachsenen wurde angegeben: Lungenemphysem, Leberentartung, Altersschwäche, Krämpfe, Selbstmord je einmal. Gießen, 15. Juli. Unser Gießener Turnverein wird auf dem in Dresden stattfindcnden VI. Deutschen Turnfeste durch 9 seiner Mitglieder vertreten sein. Die Abfahrt der Betreffenden ist auf Freitag Mittag 11 Uhr 40 Min. nach Fulda festgesetzt, um von da aus mit dem Extrazug des Mittelrheinkreises weiter fahren zu können. 8. [3uni Dresdener Turnfest.) Eine Sitzung des Ausschusses der deutschen Turnerschaft wird am 18. Juli, früh 9 Uhr, in „Brauns Hotel" in Dresden stattfinden. "Nachdem eine geheime Sitzung stattgcfunden, wird zur öffentlichen mit nachstehender Tagesordnung übergegangen: Jahresbericht, Kassenbericht. Aufstellung des Haushaltsplanes. Bericht des Centralansschusses für das VI. Deutsche Turnfest. Die agitatorische Thätigkeit zur Verwirklichung der angcstrebten Abkürzung der dreijährigen Präsenzzeit für turnerisch gut ausgebildete Angehörige des deutschen Reichsheeres wieder aufzunehmen. (Antrag des Gaues Hessen.) Kann die Einführung des Gauzwanges in einem Kreise rückwirkende Kraft auf das Verbleiben der vor Einführung des Gau- gänzlich weg. Büdingen, 10. Juli. In der außerordentlichen Generalversammlung der Spar- und Leihkasse Büdingen theilte der Vorsitzende, §rrcisrath Klietsch, mit, daß die bei Erbauung der Nebenbahn Stockheim-Gedern intercssirten Gemeinden bezw. die Bürgermeistereien Stockheim und Selters sich in einer Eingabe an die Sparkasse-Verwaltung gewendet hätten mit dem Ersuchen, ihnen zu den aufzubringenden Geländekosten und dem Zuschuß zu den Baukosten einen Beitrag von 2000 aus den Mitteln der Sparkasse zu verwilligen. An Geländekosten seien 46 000 JL und an Zuschuß zu den Baukosten 30 000 JL, sonach im Ganzen 76 OOO aufzubringen. Die interessirten Gemeinden brachten in dieser Eingabe weiter vor, cs gehe die Möglichkeit ab, die genannte Summe einzig aus eigenen Mitteln zu bestreiten und doch sei die Erbauung der Bahn absolut nöthig, wenn der wirthschaftliche Rückgang der Gemeinden abgewendet werden solle. Daß die Arbeiten auf der Eisenhütte Hirzenhain, welche Hunderte von Arbeitern beschäftige, eingestellt würden, sei zweifellos, ebenso aber auch, daß hierdurch für die Arbeiter sowohl wie für die betreffenden Gemeinden eine empfindliche Nothlage erwachse. — Die Nichtigkeit dieser Gründe sei nicht zu bezweifeln; die Gemeinden und Interessenten hätten in Bewilligung der Beiträge das für sie Mögliche geleistet und daher müsse das Eisenbahnproject, für das die Negierung so namhafte Aufwendungen zu machen ermächtigt sei, unausgeführt bleiben, wenn die Gemeinden zc, nicht von anderer Seite mit Zuschüssen wirksam unterstützt würden. Der Mangel einer Eisenbahnverbindung in dem Nidderthal zum Anschluß an die Hauptlmie Gießen - Gelnhausen laste bereits schwer auf dieser Gegend. Die Producte der Landwirthe und der Waldbesitzer ließen sich theilweise gar nicht, theilweise nur unter sehr mäßigen Preisen gegen solche in anderen besser situirten Gegenden absehen; der Landwirtb befinde sich im Nückgang und komme mehr und mehr in Verschuldung. Der Wald- besiher beschränke unter dieser Sachlage sein Holzfällen auf das Nothmendigste und schmälere hierdurch auch dem Waldarbeiter den nöthigen Verdienst. Die Industrie liege darnieder und das bedeutende Eisenhüttenwerk zu Hirzenhain, das Hunderte von Arbeitern und Familien ernähre, könne mit anderen an der Bahn gelegenen Anstalten mit ihren billigeren Frachten bei Bezug der Rohmaterialien und der Versendung ihrer Fabrik-Erzeugnisse nicht concurriren, arbeite theilweise mit Nachtheil; ja die Einstellung der Arbeiten an solchem sei bei Nichtzustandekommen der Bahn nur noch die Frage einer kurzen Zeit. Helfe man daher die zweifellos im letzteren Falle cintretenden Noth- stände beseitigen, dem Landwirth und Waldbesitzer für guten Absatz seiner Producte und somit dem Arbeiter für ausreichenden Verdienst, so hebe man den Wohlstand der ganzen Gegend und damit, da eine gut situirte Bevölkerung sich an dem Sparkasfen- j Unternehmen besser betheiligen könne als eine arme, mittelbar auch die Gefchäflsthätig- keit der Sparkasse. Aus diesen Erwägungen und mit Rücksicht auf den beträchtlichen Reservefonds von 118 198,78 JL, der der Kasse, ohne eine Schädigung ihrer Betriebs- fähigkcitTefürchten zu müssen, die Bewilligung der erbetenen Beihilfe aus den Zinsen- crträgen gestatte, habe der Vorstand beschlossen, auf das Gesuch der Gemeinden Ortenberg, Hirzenhain, Merkenfritz, Wenings, Lißberg, Eckartsborn, SelterS und Stockheim eine Unterstützung von 2000 JL aus den 1884er Zinsen des Reservefonds zu beantragen, welche den Vereinsgemeindcn Wenings und Merkenfritz, sowie Stockheim, letzterer jedoch nur dann, wenn solche ohne gesetzlichen Zwang den angesonnenen Beitrag von2OOO^L leisten sollte, als eigener weiterer Beitrag zu dem zu leistenden Baarzuschuß von 30 000 «X überwiesen werden soll. Der Antrag wurde mit 23 gegen IO Stimmen angenommen. Ferner hat der Kreistag ein Kapital von 8000 JL für den Bahnbau auf- I zunehmen beschlossen. . — Um zu erproben, in wie viel Zeit ein eiliger Befehl auf weite Entsernung I ohne Pferdewechsel durch einen Reiter überbracht werden könne, erhielt der Wachtmeister I Lange vom Eürassicr-Regiment Graf Wrangel in Königsberg — beiläufig gesagt, dient derselbe 18 Jahre, ist also kein Jüngling mehr — einen Brief an den etatsmäßigen I Stabsofficier der ersten Dragoner in Tilsit mit der Weisung, seine Ankunft in Tilsit I bescheinige» zu lassen. Wachtmeister Lange wiegt 175 Pfund. Es wurde ihm gestattet, I in Mütze und Pallasch auf englischem Sattel zu reiten und sich auch ein Pferd aus der Schwadron nach eigenem Gutdünken auszuwählen. Den Rückmarsch sollte er I ganz nach Belieben ausführen, da es nur darauf ankam, in wie viel Stunden er Tilsit erreichen würde. Er ritt am 1. Juni, Morgens 41/3 Uhr, bei bedecktem Himmel, Wind im Nucken, ab, traf 1 Uhr 30 Min. Mittags in Tilsit ein und übergab den I Brief 1 Uhr 45 Min. an seine Adresse. Er hatte also die 161/« Meilen in genau I 9 Stunden zurückgelegt, Am "Nachmittag um 4 Uhr ckleß General v. Heßburg, der mit Oberst v. Werckmeister in Tilsit zu Besichtigungen anwesend war, sich das Pferd 1 vorstellen; es war noch so straff, daß der Wachtmeister es in Galopp vorritt. Am Grünberg, 10. Juli. Während eines überaus heftigen Gewitters, welches sich heute gegen 12 Uhr Mittags hier entlud, schlug der Blitz mehrmals ein. So in der Scheuer des Herrn Karl Fuldat auf dem Brückclchcn, an welcher er die Verbretterung und einige Balken des Giebels, sowie die Tachkändel zerstörte. Glücklicherweise zündete er nicht. In einem Garten nahe der Stadt wurde von einem Birnbaum ein Ast ab- 14 <\n einer aeftern Abend stattgehabten, von etwa 150 ! zwangcs der deutschen Turnerschaft und dem Kreise, aber keinem Gau angehorige ünh (Aemerbtreibcnden besuchien Versammlung wurde beschlossen, Vereine in Turnerschaft und Kreis rechtlicher Weise ausuben? Vertragt nti btc ^uf-- ftier cüiebaaflcnwSic fääüfdjc^öeScrbes und Industrie-Ausstellung zu nähme der Vereine in die Gaue und dadurch in Kreis und Turnerschaft auf deniWege dem İ,^r°ich Sachsens bet Provinz Sachsen, bet Abstimmung mit Einführung des Gauzwangs' (Betichterstatter Äotz.) Me JTdem Herzogthum Anhalt umfassen soll. Den Vorsitz Mittel sind zu ergreifen, um das nut einer gefunden Entwicklung der deutfchcn ^urnersckaft JÄmS Ä Vopel. In Verfolg des unverträgliche Verhältniß zu heben, daß */5 ber VereineCrgnu beiielb«if_ bie beutfae n nVtciSS die Mitwirkung Turnzeitung, nicht hält und lieft? (Berichterstatter Götz.) Der Ausschuv wolle die Gründu* von Unfall-Unterstützungskaifen anregen. In welchem Maße und mit welchen aller bethelttgten^KE zu^en am.30. Juni d. I, zwischen Mitteln ist dem Ueberwuchern der Gypfelübnngen, besonders bei Turnfesten, entgegen; Deutschland, Holland und der Schweiz über die Lachssischerei irn Rhein abgeschlossenen zutreten. SRertraa acnehmigt — Bei dem Gewitter, welches am Montag Nachmittag über unsere etabt zog, - 3ur Vertretung der Schweiz beider in Berlin stattfindenden internationalen schlug ein Blitzstrahl in einen großen Birnbaum im Garten des Herrn Ehr. Lony Telegraphenconferenz ist der Telegraphendirector Frey bestimmt worden. I (Bierkeller) ein. Der Baum wurde in der Mitte gespalten, ein auf demselben befindlich b Paris, l4. Juli. Die Feier des Nationalfestes verlief, vom Wetter begünstigt, | gewesenes Vogelnestchen wurde versengt. unter äußerst zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung ohne jeden Zwischenfall. Die Straßen waren reich beflaggt. ------ v 1OOK I — Der Rector der Berliner Universität hat den Anschlag der drei Reform- 1865 UUD 1885. I Burschenschaften, „Nco-Germania", „Jung-Deutschland" und „Alania". welche an die — ICßEC I Kommilitonen eine Einladung zur Besprechung über eine Veränderung der Ausschuß- Dtlö {WCitC beutfdje $d)Ul}enfe|t in $#tettieil 18v5 Utlu I roa^( und über die Einrichtung einer akademischen Redehalle erlassen wollten, nicht ge- das fedllle öeutfdie Turnfest in Dresden 1885. nehmigt. Professor Dernbnrg bemerkte dabei, er wäre aus verschiedenen Gründen -» • & L fnnpr Qpttrnnm im Leben eines Volkes aber welch' I gegen die Einführung einer Redehalle, und die Angelegenheit der Ausschußwahl müsse . „ Zwanzig Jahre mb en furje im. Üben ane€ awr mew ben Anordnungen von Rector und Senat als endgiltig erledigt gelten. em Unterschied in der Entwicklung Deutschlands zwifchen dem >>ayre ivvs uno 1000. 1 Vbnsioloaiscken Institut iu B erlin ist am Montag bei der Vorlesung Die nationale Bewegung hatte in Deutschland namentlich leit der Thronbesteigung des ~ ^^l^b oltz Ä Swbeitt nur mit knapper Noth dem Tode ent- Königs Wilhelm und -b^M Schlllerfeste emen m^ttgen ^schwu^ ^nomme^ I flanßC1L Als derselbe im Laboratorium eine Zusammenstellung von geladenen Levdener gründete ben 9tationaloerein, berief putsche Aögeo^neten-VeNammlmigen in Ermang Haschen entleeren wollte, beging er die Unvorsichtigkeit, anstatt des Glastheiles die lung eines deutschen Parlaments und gab der Sehnsi ch Sänaerfesten einen be- I Metallkugel zu berühren, und bevor ihn noch Jemand ausfangen konnte, brach er, wie namentlich auf den großen "Zonalen Schutzen-, Turn - ausacbende Begeisterung vom Blitze getroffen, zusammen. Nur den Bemühungen des Gehcimeraths v. Helmholtz geisterten Ausdruck. Die von dm -d«Mch« es zu banken daß der Verunglückte nach etwa halbstündiger Bewußtlosigkeit chien in den Jahren 1888! nnl>1663 auf bem deutschen Schützenfest ^hen zurückgerufen wurde. Da nämlich die Batterie positiv geladen war, in Frankfurt a. M- und deutschen PTSnenfönia§Ö Friedrich VII das so wußte der Professor durch ein energisches Electrifiren mit negativer Klectricität S bU ÄS Ä ÄÄ eine Sieutralifirung h-rbchuführen. Ter «..fall bat keine n-ch.h-i.igen M,en zurück- Preußens mit Oesterreich, um zunächst Schleswig - Holstein definitiv von Dänemark gelassen. ~ loszutrennen. Es war ein erfreulicher Beweis beginnender politischer Reife, daß vom I - - - November 1863 bis zur völligen Lostrennung Schleswig - Holsteins von Dänemark unter den politischen Parteien Deutschlands Waffenstillstand abgeschlossen war und man im Kriege nach Außen den inneren Streit um die beste Form der zukünftigen Gestaltung Deutschlands vertagen zu müssen glaubte. Während die schleswig-holsteinischen Fahnen mit dem schwarzen Trauerflor auf allen nationalen gelten vor 1863 den tiefsten Eindruck machten, schaarten sich im Jahre 1865 alle Stamme Deutschlands ----------- ------------------------ auf dem großen deutschen Schützenfeste zu Bremen zum ersten Male ohne Trauerfahne I geschlagen und die Hälfte des Stammes zersplittert. um das Standbild der Germania. r . Friedberg, 11. Juli. Heute Morgen wurde auf der Strecke zwischen Groß- Dic Integrität des Vaterlandes nach außen war gerettet. Dies gab dem Karben und Nicder-Wöllstadt der Bahnwärter Appel tobt und verstümmelt anfgc- Nationalfeste in Bremen schon einen etwas reelleren Inhalt; aber man fühlte, nachdem funden; auf bis jetzt nicht aufgeklärte Weise ist der Verunglückte jedenfalls von einem das Schwert für Deutschlands Einigung gezückt und Blut geflossen war, doch gleich- der 9kachtzüge überfahren worden. Er hinterläßt eine Frau mit 5 Kindern, zeitig sehr lebhaft, daß die Nationalfeste erst dann wieder ein kräftigeres Leben ge- I Darmstadt, 14. Juli. Auf den 1. Deccmbcr ist wieder eine allgemeine »innen und in eine neue Epoche treten mürben, wenn sie nickt mehr bloße Sehnsuchts- I Volkszählung im ganzen Deutschen Reiche angeordnet. Die Zählkarten, deren nicht Äußerungen einer unselig zersplitterten Nation, sondern Blüthen und Früchte eines weniger als 50 Millionen angefertigt werden, sollen schon Anfangs September zur wirklichen Volkslebens in dem staatlich geeinigten Deutschland geworden fein wurden. Versendung kommen. Die nähere Bezeichnung der zur Ausfüllung bestimmten Alle politisch denkenden Männer verlangten nach einem realeren Inhalt der nationalen I Rubriken der Zählkarten schließt sich denen der Volkszählung vom Jahre 1881 Bestrebungen. an, es ist dabei jedoch auf eine mehr gemeinverständliche Ausdrucksweise Bedacht Wir haben jüngst in den Berichten des Bremer Schützenfestes von 1865 ge- genommen und außerdem bleiben die auf die Berufsarten bezüglichen Fragen mit blättert und darin eine politische Rede gefunden, welche das noch unerfüllte Sehnen Rücksicht auf die inzwischen vorgenommene Aufnahme einer umfangreichen Berufsstatistik jener Zeit und den gewaltigen Unterschied zwischen 1865 und 1885 so deutlich wieder- * spiegelt, daß es erlaubt sein möge, jene Rede hier abzudrucken. Sie lautet: „Unser Fest erfordert einen entsetzlich großen Aufwand von Zeit, Arbeit und I Geld, und wenn wir dabei keinen besonderen Zweck im Auge haben und keinen besonderen Nutzen davon erwarten, dann möchte ich sagen, könnte in einem solchen Feste eine Art Vergeudung liegen. Ich habe nun aber dabei einen recht großen Nutzen una ein recht hoch gestecktes Ziel vor Augen, indem ich in allen diesen großen Festlichkeiten, die jetzt in Deutschland im Schwünge sind, die Verlobungsfeierlichkeiten des deutschen Volkes erblicke (Bravo!), die Feierlichkeiten, in denen sich der Drang nach einer festen, innigen und unlösbaren Vereinigung kundgiebt. (Bravo!) Es ist etwas Schönes um , solche Verlobungsfeierlichkeiten, um die Brautstandsfeierlichkeiten überhaupt. Es spricht 1 sich so nett miteinander, es träumt sich so süß von den kommenden goldenen Tagen, aber trotzdem darf der Brautstand nicht zu lange dauern. (Bravo! große Heiterkeit.) Es stiehlt sich sonst eine weiche Sentimentalität ein, die im praktischen Leben gar nicht zu verwerthen ist. Ich habe niemals Gefallen finden können an einer langen Verlobung (Heiterkeit), ich habe niemals den Wunsch: „O, daß sie ewig grünen bliebe!" (Heiterkeit und Beifall), und ich denke mir, meine Herren, auch dem deutschen Volke müßte schließlich das Verlangen wohl anstehen: „O, wenn doch bald Hochzeit wäre!" (Lang anhaltender Beifall.) Je wärmer, inniger und allgemeiner dieser Wunsch im Volke lebt, desto sicherer wird sic bald kommen, die hohe Zeit, von der so viel gesungen, für die so oft gerungen, der das Herz der Besten und Edelsten unserer Station so lange entgegen geschlagen. Wenn doch bald Hochzeit wäre! Es geht doch am Ende nichts über eine rechtschaffene Ehe (Lauter Beifall und Heiterkeit), über das Gefühl der Zusammengehörigkeit in Freud und Leid, in guten und bösen Tagen. 9tun denkt Euch einmal, meine Freunde, ein solches Gefühl ausgegossen über ein Volk von der Größe unseres Volkes, denkt Euch einmal Millionen und abermals Ntillionen Schultern treu und fest zusammenstehend — was können die tragen! (Bravo!) Und alle die Arme und Hände — was können die wegräumen! (Bravo!) Es liegWtwoS Weltstürmerisches in dem Gedanken und doch auch wieder etwas Beruhigendes, Sicherheit, Glück und Frieden Verheißendes. Wollt Ihr wirken für diese Idee? (Ja, ja!) Ihr zieht nun bald wieder hinaus in alle Welt, 0 ziehet doch hinaus als Brautwerber für die hohe Zeit unseres Volkes. (Bravo!) Einem treuen Werber kann der Erfolg nimmer fehlen, denn er wirbt für die Verbrüderung, der Ihr mit gutem Gewissen verheißen könnt der Erde besten Güter und des Himmels reichsten Segen. (Bravo!) Wollt Ihr werben für diese Idee? (Ruf: Ja , ja!) Dann bitte ich, mit mir einjuftimmen in ein kräftiges dreifaches Hoch auf die hohe Zeit unseres Volkes, auf die feste innige, lang ersehnte Verbindung des deutschen Volkes! Sie lebe hoch!" Die 1865 heiß ersehnte hohe Zeit ist erschienen. Das Jahr 1885 vereinigt die deutschen Turner von nah und fern um das Standbild einer Germania, die weithin Respect einflößt. Möge das deutsche Volk nun auch innerlich gesund und glücklich werden und möge es sich nach dem Wahlspruche der Turner zu einer frischen, frommen, fröhlichen, freien Nation entwickeln. to?tfon«= ^cht Qe- Sn“ Ä“w* ,???« $otleiull9 « !°de (nl: ÄmN®« )c5 AaSlheiles die * Mer, wie W v. Helmlio^ -öewußklosigkeit oiltw geladen war, fiotiüer (?Iecfricität lfien .iolßcii zurück- i;.®h ■tfdjen sKr Ä*. Liters, welches sich ,CUL So in der er die 'Mretteruna Echerweise zündete rnoaum ein Ast ab- rccke zwischen Groß- Derftümmelt aufge- edensalls von einem Kindern. fer eine allgemeine Harten, deren nicht W September zur . -sülluntz bestimmten ' \ vom ^ahre 1881 Äruäsweise Bedacht züglichen Fragen mit zreichenBerussstatistik eralocrsammlnng der iilietsch, mit, daß die famben bezw. die i bie Spar/affe-Ver- bringenden &((änbe- . Ojtau^en»eh\ , ui\b an zu zen. Diemteresstrten : Möglichkeit ab, die öod) sei die Erbauung her Gemeinden abgc- ihain, welche Hunderte i aber auch, daß hier- iben eine empsindliche ! bezweifeln; die Ge- das für sie Mögliche zierung so namhafte enn die Gemeinden ic, ■ irben. Der Mangel ste Hauptlinie Gießen- , e bet Landwirthe uno r unter sehr mäßigen Mb; d-rMdwA chuldung. Der Md- Aothwendtgste und en t Die Industrie 7 das Hunderte von m her Versendung yei l(i( . ja die Einstellung ’ur noch die Frage aüe «ntrete* 'J $ 111 $)gDi Sparkassem ,aL GeschäststMg- ‘1? ben betrachtlschcu KS M-'SS »-»«zS-7 „.«.-AS iäSsjä (ZS iou^ . , Pserd flUj V ,.jel iAtundi -jmfliel, 'ä; «*’r fM <> -'.uni ritt Lange Morgens halb 6 Uhr von Tilsit im langsamen Tempo ab und trat Abend-) 10 Uhr in Königsberg ein, nachdem er in Labmu das Pferd neu beschlagen lassen mutzte, da die Eisen vollständig durchgelausen waren. Am nächsten Tßnc ritt der Wachtmeister das Pferd zur Parade vor dem Kronprinzen — Tas sächsische Poigtland besitzt einen "Mann, dem es wirklich und wahr- baitia gelungen ist, das Welter zu machen! In der Stadt Falken st ein empfand man dieser bitter die cingetretene Hitze und Trockenheit und so begab sich eine Deputatton zum Besitzer deS „Gasthofes zum Stern" welchem bisher ohne Ausnahme jedes Garten -Eoncert verregnet, um ihn um Amehung eines Garten-Eoncertes -u bitten. Derselbe lietz sich auch sofort bereit finden und ruckte die nachstehende Annonce in den „Falkensteiner Anzeiger": „Gasthaus zum Stern Bei der anhaltenden trockenen Witterung sehe ich mich im Interesse der ^.andwiithschatt vet- anlatzt. morgen Mittwoch von Abends 7 Uhr an bei brillanter Beleuchtung mtt ganz neuen Illuminations-Effecten großes Garten-Eonccrt abzuhallen. Musik gespielt von Musikdireclor Petzoldt aus Auerbach. Entrc 2o Ergebenst K." Und wirklich. Mittwoch öffneten sich die Schleusen des Himmels und em ergiebiger Regen strömte auf die durstigen Fluren. , , . . _ , . < . c — | Gorriairt 1 Ein Vater besucht scmcn ^ohn, den Studenten Alfred, m der Universitätsstadt. Die Beiden sitzen Abends in einem Gartenlocal. Pater. ,Dn wirst ja in auffallend freundlicher Weise von so vielen Leuten gegrüßt, die augenscheinlich dein Handwerkerstande angchörcn. ^ag mal, die warten wohl auf ihr (■'db. — Alfred: „Auf Deines, lieber Papa." — lEinc wunderbare Fügung.) Am Dienstag voriger Woche besuchte eine elegant gekleidete Dame ein Dienstvermittclungsinstitut in Berlin, um ein Hausmädchen anzuwerben. Als sie das Dienstbuch eines jungen, hübschen Mädchens durchmusterte brach sic plötzlich unter Zeichen heftiger Erregung zusammen. -Erst nach einigen Minuten der Erholung konnte sie in Begleitung des jungen Mädchens, das sich der Leidenden sorgfältig annahm, das Institut verlassen. Im wetteren Verlause des Nachmittags erschien das junge Mädchen nochmals daselbst, um ihre Angelegenheiten zu ordnen und berichtete, daß die Dame, die sie mit sich genommen, ihre leibliche Schwester sei, welche sie nie vorher gesehen hatte. Vor etwa.30 Jahren hatte diese das elrerliche Heim in einem kleinen Orte Pommerns verlassen, um dem geliebten Manne gegen den Willen ihrer Eltern nach Amerika ut folgen. Der erzürnte Vater batte jeden brieflichen Verkehr abgebrochen, so erfuhr diese auch nicht, datz ihr 8 Jahre nachher eine Schwester geboren wurde und letztere erfuhr kaum etwas von dem Dasein der älteren Schwester. Dieser und ihrem Ehemann war in Amerika das Glück hold gewesen- doch zog es sic nach der Hcimath zurück, vor einigen Tagen waren sie in Berlin cingetroffen und nun im Begriffe, sich hier eine Häuslichkeit emzurichten. -ter erste Schritt hierzu führte ihr die Schwester, die nach dem vor Kurzem ersolgten Tode der Eltern dienstsuchend hierher gekommen, in die Arme, die sich freudig um die Gefundene schlangen. — sZollcuriosum.j Ein in Lehe wohnender Herr hatte in einem Eolonial- waarcngcschäft zu Bremerhafen neben verschiedenen anderen Sachen auch drei gesalzene Häringe gekauft, welche in der in vielen Geschäften üblichen Weise verpackt wurden, datz dieselben anf einen der gepressten Pappnäpfe gelegt und mit Papier eingeschlagen wurden. Es ist dies gewitz eine ebenso reinliche wie practische Verpackung, aber dieselbe sollte den Häringen verhängnitzvoll werden, denn als die Waare über die Zollgrenze gebracht werden sollten, wurden die drei Häringe, die als solche zollfrei waren, Allgemeine beanstandet, weil für ste als „Pappwaaren in Verbindung mit anderem Material" ein Zoll von 40 H gezahlt werden müsse. — (Vncanre Stellen für Militäranwärter im Bereiche des 11. Armee-Eorps.j Bieber, Kreis Gelnhausen, Postamt, Landbriefträger, 450 Jk Gehalt und 60 Jk Wohnnngsgeldzuschutz jährlich. Darm stad l, Postamt II, Packetträgcr, 760 Gehalt und 180 Wohnungsgeldzuschutz jährlich. Grenzhausen, Amtsgericht, Eanzleigehilfe, 4—5 Pfg. pro Seite. Gurhagen, Postagentur, Landbriesträger, 450 Jt Gehalt und 60 JL Wohnungsgeldzuschutz jährlich. Hofgeismar, Postamt, ständiger Posthilfsbote im Landbriefträgerdienst, 1,20 Jk Tagegeld. Lüdenscheid, Amt, Polizeidiener, 750 JL Gehalt und 100 JL Kindergeld. Mainz, Postamt I, Stadtpostbote, 750 JL Gehalt und 180 v*L Wohnungsgeldzuschuh jährlich. Olp, Landrathsamt, Kreisbote, 810 JL Gehalt und 72 jl Wohnnngsgeldzuschutz jährlich. Reichelsheim (Odenwald), Postamt, Landbriefträger, 500 v*L Gehalt und 60 Jt Wohnnngsgeldzuschutz jährlich. Rhoden (Waldeck), Postamt, ständiger Posthilfsbote im Landbriefträgerdicnst, 1,25 Tagegeld. Wetzlar, Landrathsamt, Kreisstratzenaufseher, 1000 «4t Gehalt per Jahr. Witzenhausen, Amtsgericht, Eanzleigehilfe, 5—8 Pfg. pro Seite Schreibwerk. Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division: Dieburg, Arbeitshausvcrwaltuug, 2 Beschlictzcrgehilfen, je 800 jährlich. Eingesandt. Lich, 14. Juli. Die auf dem hiesigen Festplahe gestern, bei Gelegenheit einer Erklärung der traurigen Geschichte „Sabinchen's und ihres eifersüchtigen verliebten Schuhmachers" durch Herrn Roloff und Freunde von Gietzen, zu Gunsten hiesiger Stadtarmen eingegangenen 5 JL haben in diesem Sinne gegen Empfangsbescheinigung ihre Verwendung gefunden und sei hiermit den gütigen Gebern bester Dank ausgesprochen. i prakt. u. Specialarzt für Haut-, Frauen - u. Ge* I JT* (rPTmen schlechtskrankheiten (Syphilis)etc. Frankfurt a.M. o ■ MClAObllj stiftstr. 22. fr. Assiat. Prof. Bicord'a. Au.w. briefl. IHrtrtOtt neu, leicht, solid, elegant,preiswürdig. Abbild, gratis. Daloveroem-Wagen, ft!32) I. G. Rumpf, Eis. Hand frankfurt L Die rechtzeitige Fertigstellung unseres Blatte- veranlaßt uns, wiederholt mitzutheilen, daß Inserate für die am Nachmittag erscheinende Nummer bis spätestens 10 Uhr Bormittags aufgegeben werden müssen, mit Ausnahme von Todes-Anzeigen u. dergl. Die Expedition. Temperatur der Lahn und der Luft nach Rcaumur gemessen am 15. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 18°, Luft im Schatten 15°. L. Ehr. Nübsamen, Turn- und Schwimmlehrer. r Anzeiger. Bekanntmachung. Das Hebregister über die Gemeinde-Umlagen pro 1886/86 nebst dem ersten Nachtragregister liegt während acht Tagen zur Einsicht eines jeden Interessenten aus dem Bürgermeisterei-Bureau offen, welches mit dem Anfügen bekannt gemacht wird, daß Beschwerden gegen die im Hebregister enthaltenen Ansätze binnen der ersten 4 Wochen nach Ablauf der Offenlegungssrist entweder schrlftlich oder mündlich zu Protokoll bei Großherzoglichem Kreisamte Gießen vorgebracht werden müssen und daß später vorgebrachte Beschwerden keine Berücksichtigung mehr finden können. Gietzen, den 14. Juli 1885. 5174 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. Bekanntmachung. Gerichtsvollzieher-Aspirant Bangel ist auf weitere zwei Wochen zum Stellvertreter des erkrankten Grobherzoglichen Gerichtsvollziehers Bühner dahier bestellt worden. Gießen, den 14. Juli 1885. Der Präsident Großherzoglichen Landgerichts der Provinz Oberheffen. 5191 Knorr. Löwer. Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf die Artikel 34 und 35 des Berggesetzes vom 28. Januar 1876 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Gewerkschaft Buderus Jung Sf Comp. in Wetzlar unterm heutigen Tage mit dem Braunkohlen - Bergwerke „Londorf" und den Eisenerz-Bergwerken „Hainstruth", „Johannes", „Röder" und „Rabenau" in den Gemarkungen Londorf, Reinhardshain, Gellshausen und Odenhausen, Kreises Gießen, beliehen worden ist. Etwaige Einwendungen gegen diese Verleihungen muffen bei Vermeidung des Verlustes des Vorzugsrechtes binnen drei Monaten durch gerichtliche Klage gegen den Bergwerkseigenthümer geltend gemacht werden. Während dieser Frist ist die Einsicht des Situationsrisses bei der Bergmeisterei Gießen Jedem gestattet. Darmstadt, den 25. Juni 1885. Großherzogliche Obere Bergbehörde. Lotheisen. 5173 Tecklenburg. Samstag den 18. Juli, Nachmittags 2 Uhr, soll ans dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe des Edmund Schramm Flur 1/166 62 Meter Hofraithe in der Wolke i'gasse, meistbietend versteigert werden. Gießen, den 11. Juli 1885. Großherzogltches Ortsgericht. 5107 Müller. 3160 Eine vollständige Ladeneinrichtung ist billig zu verkaufen. Grünbergerstraße 6. Jeikgeöotenes. 5020] Johannisbeeren u. Sauerkirschen, zum Einmacben, bei L- Benner. Nordanl. 6, la. neue holl. Vollhäringe sind eingetroffen. 5179 Ferd. Drehes, vorm. Gg. Wilh. Weidig. Bekanntmachung. Die Lieferung von 3S Raummeter Buchen-Scheitholz soll im Submissionswege vergeben werden und find dehsallfige Offerten bis zum 20. d. Mts. bei Armenkafferechner Laub er verschlossen einzureichen. Gießen, am 10. Juli 1885. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. A. Bramm. Beachtenswert!! für Kranke! W. KRAHL’s neu construirte, verbessert«, ealvano-olectrische Apparate P.H.P.A. zur sofortigen Linderung und Heilung aller NERVEN- und ENTE H LEIBS LEI I’EX. RHtUMATISMl S, GICHT etc., sowie z. Beseitigung .? ■ 5186 Br- Dienstmädchen, in Küche und Hausarbeit erfahren, für Mitte Auaust gesucht. Plockstraße 2. Stellensuchende jeden Berufs vlacirt schnell Reuter's Bureau in Dresden, Reitbahnftr. 25. 5190 Getragene Stiefel, Scbuhe, Damenstiefel kauft Louis Rothenberger, 5185 Neuenweg 22. WermietKungen. 5178 Ein möblirtes Zimmer, sowie ein unmöblirtes Zimmer mit Eabinet zu vermielhen- Ludw. Orth, Neuen Bäue 11. 5177 Zwei kleine Logis zu vermielhen- _________________________Tiefenweg 18. 5176 Das von Herrn Steuer-Inspektor Peters bewohnte Logis ist wegzugshalber anderweit zu vermielhen. Philipp Uhl. 5180 Ein kleines Logis zu vermielhen, kann gleich bezogen werden- Georg Noll. Vermischte Anzeigen. 5170] Köchinnen auf Michaeli, sowie Haus- u- Küchenmädchen für sogleich gesucht durch Frau Hüttenberger, Weffanlage 15. , Freunden r Sohn unser Abend achmitta: Bekannten hierdurch und Bruder vom Sterbehause, Wetz- V erw Nachricht, < längerem Leiden sanft entschlafen ist. bitten Die Beerdigung findet se 41, aus statt. Wiener Hof. Wiener Hof. Donnerstag den 16. Juli: 3. Abonnements - Concert Anfang 7 Uhr. — Entree 50 Pfg. 5188 Heute, Mittw och, den 15. Juli: Einmaliges großes Militär-Concert CD 1. Die berühmte Mord-Scene 2. Das Auffinden gedachter Personen. 3. Der Nebenbuhler und sein Opfer. 4. Der Raubanfall. 3. Das Verbergen der Leiche. 6. DaS Lesen der Nummer einer Banknote. Ferner: Das Grüne Haus oder Geisterzelt. Zur Beförderung von Auswanderer« nach allen Häfen Amerika’s und Aiastralien’s Billets zu ermäßigten Preisen sind vorher bis Abends 6 Uhr bei Herrn Gustav Gerbardt am Lindenplatz zu haben. Verkanfspreise: Reservirter Stuhl Mt. 1,50, 2. Platz 75 Pf., Schüler 50 Pf. Kassenpreis: Reservirter Stuhl 9)1 L 2,-, 2. Platz Ml. 1,—. Kassenöffnung 7 Uhr, Anfang 8 Uhr. 5127 Nur eine Soiree. Im Saale des Cafe Leib. Donnezstag den 16. Juli, Abends 8 TJhr wird Ma® llöfinner. Hofkünstler aus Berlin, der erste deutsche Gedankenleser und Spiritisten-Entlarver, sich in seinen außerordentlichen Demonstrationen u- Gedankenlesen vorführen, welche , _ bisher noch nie und von Niemanden dem hiesigen Publikum vorgeführt worden sind. U. 21. kommen sämmtliche Experimente mit zur Aufführung, welche seiner Zeit vor Sr. K. St Hoh. dem Kronprinzen Rudolf von Oesterreich, Erzherzog Johann rc- in der Hofburg zu Wien und zuletzt vor Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser Wilhelm das größte Aufsehen erregten. Die Bibliothek des Volksbildungs-Vereins ist vom Donnerstag an wieder geöffnet. Alle noch ausgeliehenen Bücher sind einzuliefern. Die Bibliothekstunden sind wie seither Donnerstags von 7—9 Uhr. 5192 Von Bremen nach Newyork in — 9 Tagen > । h« mittels den neu eingerichteten Dampfern des Norddeutschen Idoyd. zu gleichen Preisen wie an .Hasenplätzen hält sich unter Zusicherung reeller Bedienung bestens empfohlen 323 Carl Loos, am Kirchenplatz. ___________________________________ C. W. Dietz Nachfolger. Das Bureau für Stellenvermittelung des Kaufm. Vereins in Frankfurt a. Main (unter Patronat der Handelskammer) besetzte, vermöge seiner ausgedehnten Verbindungen, in den letzten 6 Jahren weit über 5000 Stellen. 4ß67 von der auf einer Concertreise durch Deutschland begriffenen Kapelle des hessischen Jägerbataillons Nr. 11 aus Hagenau im Elsaß, in Uniform. öits Anfang 8 Uhr. Entree Lv Pf. Carl Christ. Schneider & Co. m Steeden b Runkel a/d. Lahn NS _G;ES£U-SCHAFT, T: AM Mö BELTRANSPORT (Aelteste und bedeutendste Ningofen-Kalkbrennerei der Lahngegend) empfehlen hiermit ihren 4898 behördlich als vorzüglich anerkannten hydraulischen Auch kalk in täglich frisch gebrannter Waare (ab Station Kerkerbach) zur gefl. Abnahme bestens. Als Mitglied obiger Gesellschaft empfehle ich mich bei Umzügen jeder Art und nach jeder Richtung unter Zusicherung prompter und billiger Bedienung. I*ii. Müller, Giessen, Löwengasse. Eltern von Söhnen unter 12 Jahren werden auf die Deutsche Militürdienst-Versicher- ungs-Anstalt in Hannover aufmerksam gemacht. Zweck derselben: Verminderung bezm. leichtere Beschaffung der für die Dienenden zu bringenden l^dbopfer unter nicht fühlbarer Mitbelastung der Befreiten; Versorgung von Invaliden rc- — Für einen zwischen 9—12 Monate alten Knaben beträgt beispielsweise die Präntie pro «X 1000 Versicherungs-Kapital, letzteres fällig im Falle der Einstellung des Versicherten in das stehende Heer oder in die Flotte: einmalig JL 199,60 H, jährlich -X 19,50 — Im Jahre 1884 wurden versichert 15,682 Knaben mit «X 16,586 < 00 Kapital. — Prospekte rc- unentgeltlich durch die Vertreter #?r. Decker in Gießen. 5171 K. Winter III in Hochweisel. 5172 Einen Lehrling sucht G. Schmidt, Metzger, Mäusburg. 5181 Wegen Todesfall ist von einem pünktl. Zinszahler ein Kauf- schilling von 10000 Mark zu cediren. Gef. Off. bitte unter A. bei der Exped. d. Bl. niederzulegen. Clavierunterricht für Anfänger wird gründlich ertheilt. __Näheres in der Exp. d- Bl- 5184 Gesucht ein junger kräftiger Bursche, nnverhei- rathet, welcher mit Pferden umzugehen weiß. Restauration Seidel. 5182 Einen Schreinergesellen auf dauernde Beschäftigung sucht ____ W. Müller, Steinstraße 48.__ Fahrplan. Abfahrt von Giehen nach: Frankfurt 2«, 430, 5^*, 632, gt?», 11« pö, 4»zf 7«*, u- Marburg 12«*, 1», 3‘3, 8>«, 9"* 11«, 1«*, 4", 8«*, 10^. Gaffel 1210*, 3‘-<, 8«ß, 9"*, 11", |22*. 4". Wehlar 5^, 8^*, 9«, 12s, 12«, 4«, »so, 7'*, 8w, (bis Dietz', 9°' (bis Betzdorf). Ems-Eoblenr 530, 8“*, 9» 12«, 4«, 7'*- Deutz 6", 1228, 4^°, 9 (bis Betzdorf). Fulda 6«, IP’, 7 o. Alsfeld 6-0, II» q, 730. Gelnhausen 8-, 12,0. 4*°. Nidda «», 12'0, 4“ Zw. Ankunft in Gießen von: Frankfurt l*2, 8, M*, 11", V1*, 2« 432, 720, 83 * 10'0, 12>*. Marburg 226, 5"*, 62', 8'o* 11^, 431, 6»*, 7>7, 1125. Caffel 22", 521» gw*, 11», 431, 7'2, 11 5 Wetzlar 71- (von Dietz), 751 (von Betzdorf), 9*>, 1131, 1259% 321, 432, 655 8'0*, 11'0, 1130. EmS-Coblenz 91Ü, i25s*,3",O55,830*, ll‘o. DeUtz 1131, 432, 1130. Fulda 8, Po, 420, 10. Alsfeld 8, iso, 429, 10. Gelnhausen 930, 335, 6». Nidda 625, 930, 335 ß-M>. * bedeutet Schnellzug. Die fetten Ziffern die Nachtstunden. Redaction: A- Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scüen Druckerei (Fr. SBr. Pietsch) in Meßen- Die heutige Nummer enthält 1 Blatt und 1 Beilage.