ei der liermit a ■ N* ren her lüte jorftt rasch u. billr- Fangmann. üändermg. bei Sem Schuh- enner (Markt- ;asse 16. ilh. Lenz. )senpiltzer. __ | vtN nlII| 2. ffSff**-' asscrkra t ersetkLite n und angrenzenden ncr tzisenbahnitztlon. e” Beschreibung und T. 834 an 11 Mx. 2^O. Zweites Blatt Donnerstag den 15. October L88S ichener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau: Schulstraßei. Erscheint täfl(id) mit Aufnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vrinqerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pk. Landes - Baugewerkschule Darmstadt. Die LandeS-Baugewerkschule zu Darmstadt beginnt ihren zehnten JahreS- CursuS am 16. November L I., welcher 4 Vtonate. also bis zum 15. März 1886 andauert. Dieselbe soll, zwischen Handwerkerschule und technischen Hochschule die Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Mühlenbauern, Gelegenheit bieten, sich die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb erforderlichen theoretischen Kenntnisse und die nothwendigen Fertigkeiten im Zeichnen und Entwerfen von Plänen für die praktische Ausführung zu erwerben. Auch soll die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Parlieren, Bauaufsehern 2C dienen. Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen Tageszeit ertheilt. — Die Schule umfaßt 2 Klaffen mit folgenden Unterrichtsgegenständen : Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie (einschließlich Schattenconstructionen und Perspective), Bauconstructionslehre (einschließlich Stabilitäts- und Festigkeitsberechnungen), Elemente der Maschinen-Constructionen, Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunde (einschließlich Planzeichnen), Materialienkunde, gewerbliche Buchführung, Theile der Bauführung mit Anfertigen von Kostenvoranschlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Modeliren in Thon, Holz rc. Die Unterrichtslocale befinden sich Neckarstraße Nr. 3, unfern von den Bureaulocalitäten, der Bibliothek und der technischen Mustersammlung des Großherzoglichen Gewerbvereins, so daß die letzteren von den Schülern besucht und geeignet benutzt werden können. Bedingungen zur Aufnahme find: 1. Für die untere Abtheilung, die I. Klasse: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, welche eine mindesten- eia- jührige Beschäftigung in einem technischen Gewerbe nachweisen können; Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällen gestattet. Von den Auszunehmenden wird nur der Nachweis der Kenntniffe verlangt, welche den von der Oberklasse einer Volksschule Entlassenen zukommen sollen. 2. Für die obere Abtheilung, die II. Klasse, muß außerdem der Nachweis ausreichender Kenntniß der niederen Arithmetik, einer an- gemeffenen Fertigkeit im Freihand- und geometrischen Zeichnen, sowie in der Lösung einfacher Aufgaben der darstellenden Geometrie, und der Befähigung, sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich machen zu können, geliefert werden. Das Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit 30 Marl und rst berm Beginn des Curses vorauszubezahlen. Anmeldungen zur Aufnahme wolle man möglichst frühzeitig und längstens bi- zum 31. Oktober l.J. schriftlich bei der unterzeichneten Stelle oder auch mündlich auf dem Büreau derselben — Neckarstraße 3 im HL Stock bewirken. Darmstadt, den 15. September 1885. Großherzogliche Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein. F i n k. B u s ch. Politische Ueberficht. Gietzen, 14. October. Die Karolinen-Frage scheint ganz eingeschlummert zu sein. Wenigstens dringt von dem Fortgänge der betr. Unterhandlungen zwischen Deutschland und Spanien nicht das Geringste in die Oeffentlichkeit und zumal darüber, ob die deutsche Antwort auf die letzte spanische Note — welch' erstere dem Kaiser in Baden-Baden so lange zur Genehmigung vorgelegen hat — endlich nach Madrid abgegangen ist, verlautet nichts. Dagegen fehlt es nicht an allerhand Gerüchten, die den Stempel ihrer Herkunft allerdings ziemlich deutlich erkennen lassen. Aus diesem Anlasse schreiben denn auch die als officiös geltenden „Berl. Polit. Nachr.", daß die Phantasie gewisser Correspondenten und Preßorgane, denen das Entwickelungs-Tempo der Karolinen-Frage nicht zusage, geschäftig sei, allerhand Versionen über den Charakter der deutsch-spanischen Beziehungen, über den vermeintlichen Inhalt eines deutsch-spanischen Abkommens rc. in die Welt zu setzen, deren Ungrund sich den Augen eines gewissenhaften Beobachters alsbald enthülle. Alle derartigen „Informationen", die seit einiger Zeit die Svalten eines Theiles der Tagespresse unsicher machen, haben absolut keinen authentischen Untergrund, wie die „Berl. Polit. Nachr." schließlich versichern. Auch von der päpstlichen Vermittelung ist es recht still geworden und werden vielleicht Diejenigen Recht behalten, welche meinen, daß die Vermittelung des Papstes erst dann erfolgen würde, falls sich eine directe Einigung zwischen Deutschland und Spanien doch nicht erzielen ließe. Im Großherzogthum Baden haben am Freitag die Wahlmänner- Wahlen zum Landtage stattgefunden. Bis Montag waren indessen nur vereinzelte Resultate bekannt, unter ihnen ist dasjenige der Karlsruher Wahlen hervorzuheben, wo die Liberalen in 30 Bezirken über die Conservativen, Demokraten und Klerikalen siegten. Die Wiederwahl des Führers der nationalliberalen Partei Badens, des Abg. Kiefer, ist hiermit gesichert. Die neueste Orientkrisis entwickelt sich nach der diplomatischen Richtung hin mit auffallender Langsamkeit. Die Konstantinopeler Botschafter- Conserenz ist über das wässerige Memorandum, welches in ihrer ersten Sitzung beschlossen wuroe, noch nicht hinausgekommen und es ist daher erklärlich, daß sich das Gerücht von Differenzen unter den Großmächten bezüglich der bulgarischen Angelegenheit erhält. Indessen wird man wohl thun, alle derartigen Gerüchte, namentlich so weit sie sich auf die Ansichten der einzelnen Mächte über die Erhaltung des Status quo auf der Balkan-Halbinsel beziehen, mit größter Vorsicht aufzunehmen. Ueberhaupt fehlt es nicht an allerhand seltsamen und widersprechenden Nachrichten über die Lage im Orient. Auch über die von der ^,Agence HavaS" gemeldete Anerkennung der bulgarischen Personal-Union durch den Sultan ist nichts Zuverlässiges bekannt; während die „Neue Fr. Pr." diese Nachricht energisch dementirt, wissen andere österreichische Blätter, wie z. B. die „Polit. Corresp.", zu melden, daß die türkische Regierung diese Anerkennung „im Princip" beschlossen habe. Von den kleinen Balkanstaaten erweise sich besonders Griechenland den Mahnungen der Mächte zur Ruhe gegenüber fortgesetzt renitent. Eine vom Minister-Präsidenten Delyannis an die diplomatischen Agenten Griechenlands im Auslande erlassene telegraphische Instruction spricht es mit dürren Worten aus, daß Griechenland die bulgarisch-rumelische Union ohne Wiederherstellung des Gleichgewichtes im Orient nicht würde acceptiren können, was man aber in Athen mit diesem „Gleichgewicht" meint, ist bekannt. Auch die Stimmung der im Auslande lebenden Griechen ist fortgesetzt eine kriegerische. Von der griechischen Colonie in London wurde dem daselbst weilenden früheren griechischen Premier, Tricoupis, zu Ehren ein Banket gegeben, auf welchem sich derselbe für die Aufrechterhaltung der griechischen Forderungen in Bezug auf Türkisch-Macedonien erklärte. Die Ruhe in Albanien ist wieder vollständig hergestellt und entbehren die Meldungen über einen Aufstand der Miriditen jeder Begründung. Außerdem wird aus Konstantinopel gemeldet, daß die Herstellung eines Einvernehmens zwischen der Pforte und Drummond Wolff auf Grund der Entsendung einer türkisch-englischen Commission nach Egypten unmittelbar bevorstehe und daß Wolff demnächst Konstantinopel verlassen werde. — Dem Khedive ist Seitens des Sultans die telegraphische Nachricht zugegangen, daß ihm anläßlich des Neujahrs-Festes der Mohamedaner der Nischani-Jmtiaz-Orden verliehen morden sei, sowie die goldene und silberne Medaille. Am Sonntag empfing der Khedive eine Anzahl von Ulemas und von arabischen Notabilitäten, welche ihm ihre Glückwünsche darbrachten. Die einheimischen (Kairenser) Journale heben in besonderen Artikeln die hohe Bedeutung der dem Khedive durch den Sultan zu Theil gewordene Auszeichnung hervor. Durch ein neues Circular hat die Pforte die Nothwendigkeit ihrer Rüstungen in Folge der Haltung Serbiens und Griechenlands dargelegt und in demselben weiter gesagt, daß sie nur Mittheilungen über die Haltung der Mächte abwarte, um dem Berliner Vertrag Geltung zu verschaffen. Das definitive Ergebniß der französischen Wahlen liegt jetzt endlich vor. Nach demselben sind 177 conservative und 127 republikanische Candidaten gewählt worden, außerdem machen sich 270 Stichwahlen erforderlich, die am nächsten Sonntag erfolgen. Es dürften hierbei fast nur republikanische Candidaten gewählt werden, die freilich größtenthells zu Gunsten der Radikalen ausfallen werden und scheint es fast gewiß zu sein, daß Monarchisten und Radikale zusammen die Majorität in der neuen Deputirtenkammer bilden, während die opportunistische Partei decimirt ist. Die ossicielle Ernennung des Grasen Robilant zum italienischen Minister des Auswärtigen ist nunmehr publicirt worden. Gras Robilant soll sehr erstaunt darüber sein, daß man ihn als den Hösen von Wien und Berlin unbedingt ergeben hingestellt habe. Er soll sich dahin geäußert haben, daß seine Ergebenheit nur Italien und dem Hause Savoyen gelte und er daraus den Muth schöpfen werde, um Italien den Weg zu bahnen, der es vor Jsolirung schütze. Die Jsolirung wäre Ohnmacht; Italien müsse klug Vorgehen und von einer Politik sich fern halten, welche nach kurzem Wahne lange Reue Hervorrufe. ___________________________ Maschinen und Handwerk. Die Feindschaft, welche bei Einführung der Maschinen zlvischen diesen und dem Handwerk sich aus leicht erklärlichen Gründen geltend machte, ist in stetem Abncbmen begriffen, seitdem die Anwendung der Maschinenkraft im Dienste des Handwerks sich immer mehr Bahn gebrochen hat. Trotzdem wird noch häusig der Maschine die Hauptschuld an der bedrängten Lage des Handwerks beigemessen und das Geschlecht jener Ist keineswegs ausgestorbcn, die, wenn sie es könnten, jenen Fanatlkern nachccfern würden, welche in der Mitte unseres Jahrhunderts der Maschine denKrleg erklärten und sie zu vernichten suchten, wo sie dieselbe fanden. Die meisten Mitglieder unseres Handwerkerstandes sind indessen zu der Einsicht gekommen, daß gegen den Strom schwimmen ein „Narr' sein" heißt und daß es besser ist, mit vorhandenen Gegenständen zu rechnelt und zu bauen, als Luftschlösser zu erzeugen. Daher hat sich auch der Kleinindustnelle Lokales. — Gießen, 14. October. fAus der Philologen-Versammlung.) Die Verhandlungen ganz besonders der pädagogischen Section in ten Morgenstunden des 2 und 3. October werden, wie wir hoffen, wie für andere Städte und Anstalten so auch für die hiesige Stadt von segensreichen Folgen begleitet sein. droar haben in der sehr animirten Debatte fast nur, wie das ja auch natürlich erscheint, Fachmänner von Gymnasien und Realschulen das Wort genommen; mdeß hat die Kundgebung von deren Anschauungen und Meinungen doch auch das lebhafteste Interesse der Eltern der Schuler der Anstalten von Anfang bis zum Schlüsse begleitet, und es mag jetzt und zwar ganz sine ira et studio, ein ruhiges, wohlgemeintes Wort im Blick auf die Verhandlungen der letzten Tage gestattet sein. Eine ganze Reihe sehr tüchtiger und einsichtsvoller Anstalts-Directoren aus verschiedenen Theilen des deutschen Vaterlandes begegneten sich in dem Gedanken, daß zur pädagogischen Ausbildung der jungen Lehramts-Eandidaten Seminare an den höheren Schulen selber livlhwendig seien, die unter der Leitung der Directoren zu stehen hatten, und es sei daraus hinzuwirken, daß die Candidaten in bestimmt geregelter Weise an dem Unterrichten unter Aufsicht des Directors oder älterer, erfahrener Lehrer ^heil nah.neiu fam bic Meinung zur Geltung, daß an einer und derselben Anstalt nicht zu viele Schulamts-Candidaten Verwendung finden möchten, sondern datz es gcrathen sei, mehrere Directoren und Lchrer-Collegien in einem Lande mit der für nöthig erachteten pädagogischen' Aufgabe zu betrauen, die jipigen Leute mithin nicht einer oder ganz roeiiigcit Anstalten zuzuweisen, sondern sie gleichmäßig mehr zu Dieser Gedanke, der bisher nicht überall zur Durchführung und Verwirklichung gelangte, ist besonders auch von deii Eltern der Schüler mit warmer Genugthuung begrüßt worden. Denn ohne alle Frage ist es vom Nebel, wenn an einer und derselben Lehr-Anstalt allzu viel junge Eandidaten ihren pädagogischen Cursus absolviren, zumal wenn die Anstalt darunter zu leiden hat, daß schon unter den fest angestellten Lehrern nur eine Minderzahl vorhandeii ist, der eine längere Erfahrung und eine gereifterc Lebens-Anschauung zu Gute kommt. Wo und nach mit dcn Maschinen befreundet und. augenblicklich befinden wir uns in I einem Zeitpunkte, roo die Älcinindultrie über cbcnch geeignete Mazchinen vcrßrgt wie die Großindustrie und wo der Handwerksmeister pch gerade ,o gut leine Maschine aiifstellt wre d^r Fabrrkbesii^er. schwindet mchr und mehr; aber nicht nur deshalb, weil die Ätaschine zur Dienstleistung herangezogen werd, sondern auch hauptsächlich^darum, weil der Handwerker erkannt hat, dag das kunstgewerbliche Gebiet ihm gehörst weil man seil einer langen Reihe von Jahre,, bestrebt isst d.e Intelligenz des Handwerkerstandes zii heben. Und hierin liegt der eigentliche Schwerpunkt. Nicht d - Maschine drohte dcn Handwerkerstand zu vernichten, midcrn der vollständige Abschluß gegen Alles, was Intelligenz hieß. Run arbeiten, schon s-.t Jahrzehnten dw Besten des Volkes, einen intelligenten Handwerkerstand zu lchaffcn, ste arbeiten mit Muhe I aU^ wär?ja°Thorheit zu bestreiten, daß, eine ganz bedeutende Zahl von Handwerkern den Anforderungen, die man in Betten der Intelligenz an sie stellen kann, tr jeder Richtung genügen und wir haben zu i-dcr Zett Manner aufziiwetsen gehabt welche, dem.Handwerkerstand angehorig, zu den intelligentesten. und bedeutendsten des ganten Volkes gezählt werden ,nässen; aber kann der Hinweis an, diese Minderheit uns mit solcher Genugthuung erfüllen, daß wir all'das Gute, was dem hervorragenden Handwerker nachgcrühmt wird, in selbstgctalligcni Stolze auch aus das ganze Handwerk übertragen ken gerabe bit 0uten Beispiele uns so recht des Gegensatzes bewußt werden lasse», welcher, wie nirgendswo anders, in dem Handwerkerstände so scharf I hcroottrm k rair )üd)t nUe Sraft daran setzen, um diese Gegensätze möglichst a'is,»gleichen, um de» ticferstehcndcn Handwerker würdig an die Sette seines hoher stehenden Kollegen zu stellen und so in der G-sammthctt einen intelligenten Handwcrker- ftm,b ^',ber"es sind so überaus bedeutende Schwierigkeiten, welche sich cntg-genthürmen, daß das vorgcsteckte Ziel nur in sehr langsamem Gange erreicht werden kann. Wer in den letzten 30 Jahren mit aufmerksamem Auge betrachtete, welche Veränderungen auf den .Eandwerksgebieten vor sich gingen, der weiß, daß man sich dem erfehnten Siete um ein Merkliches genähert hat, der hat auch die bittere Einsicht gewonnen, daß An unendlich großer Theil der Handwerker sich die Ohren verffopst gegen Alles, was Wissen Aufklärung, Neuerung ?c. bedeutet. Und doch haben sich die Anforderungen, welche an den Handwerker heute gestellt werden, in demfelben Matze gestergert, wie sich । ia auf allen anderen Gebieten, mögen wir nun die gelehrten, technifchen w. betrachten, die Ansprüche heraufgeschraubt haben. Das ist kein ausgebildeter Handwerker mehr, der nur mechanisch seine Kräfte zu verwenden weitz, das ist lediglich em ^beitsmann, der ohne das Handwerk erlernt zu haben, zu bestimmten Arbeiten abgenchtet ist, und dieser kann durch die Maschine mit Erfolg erseht werden. Allerdings einem solchen Handwerker gegenüber ist die Maschine die größte Eoncurrentm, aber jeder intelligente Handwerker ist auch sein unbesiegbarer Concurrent. l c., . Die mechanische Handfertigkeit darf nur das Fundament für den Handwerker sein und diese mutz sich verbinden mit der genauen Kenntnch des Materials und den geeigneten Hilfsmaschinen, damit das Product gut und auf die billigste Weife her- gestellt werden köm ^^^^^rblichen Bestrebungen, in denen wir begriffen sind, müssen jene Anforderungen an den Handwerker gestellt werden; er muß sich nut deil kunstgewerblichen Erzeugnissen der verschiedenen Perioden, soweit sie fern Fach berühren, Serrraut machen, muß die verschiedenen Stilarten kennen und empfinden lernen, damit er im Stande sei, auch hier selbstständig einzugreifen und zu wirken. Aber dieses selbstständige Schaffen» von kunstgeiverblichen Gegenständen kann wiederum nicht vor sich gehen ohne Besitz der Fertigkeit, die im Geiste entstandenen Entwürfe auf dem Papier zu firiren, ohne die Zeichenkunst. Die steten Erfindungen imd Neuerungen auf allen Gebieten, namentlich aber die ungeljeuren Fortschritte in der Chemie, Physik und damit zusammenhängend in der gesummten Technik, verlangen, daß der Handwerker sich mit ihnen ebenfalls vertraut mache, damit er das Geeignete in fernem Fache zur Anwendung bringen könne. Schließlich muß das Producirte verwerther, m den Handel gebracht werden, und hierzu ist wiederuni eine Kenntnis; der kaufmannifchen Ufailcen, die Kenntniß der Buchführung und Eorrespondenz eine nicht ju umgehende Bedingung. letzterer Beziehung hat sich die Erfahrung allerdings mehr zu Gunsten des Verkaufs durch fachmännische Hand erklärt, die auch mit einem geringen Gewinne zufrieden ist und zugleich doch die Geschäfte besser und erfolgreicher besorgt. Wenn man in der entwickelten Weise den Handwerkerstand und die Aufgaben desselben einander anpaßt, dann weicht die Scheu vor der Macht der Mafchine von dannen — im Gegentheil, die Maschine wird zu einem Hauptfactor, mit welchem der intelligente Handwerker klüglich rechnet. Es reicht nicht immer der gute Wille aus, sondern „Erfahrung macht beir Meister", ganz vornehmlich auch auf pädagogischem Gebiete. Zum tüchtigen, bewährten. Lehrer gehört nun einmal vor Allem auch eine gewisse Reise des Eharacters, des ganzen Mannes und eine reiche Summa von Erfahrungen, die nicht aus den Büchern oder aus der Unterweisung, sondern aus dem Leben, aus der lehramtlichen Praxis m erster Linie gewonnen werden kann. . Allzuviel Jugend in einem Lehr-Körper wird nie gut fern; es fehlt auf Der einen Seite die Selbstständigkeit der Lebens- und Amts-Auffassimg; es ist da alles noch zu sehr im Werden, in der Entwicklung; noch ist nichts Ausgereiftes vorhanden, und das merkt auch alsbald der Schüler nur allzusehr, die Eltern noch mehr. Man sehnt sich wahrhaft nach dem Unterricht älterer, erfahrener Lehrer, denen die un Laufe ihrer Thätigkcit erworbene Lebens-Weisheit zii statten kommt. Der tüchtige Lehrer wird selber (wir irren schwerlich in dieser Annahme) un Blick auf die Thatigkeit mancher Candidaten am meisten seufzen und des Wortes zuweilen emgedenk fern: noli turbare circulos meos! Und die Eltern Sie empfinden es vielleicht am allermeisten, daß das Zuviel der Lehrenden, der allzu häufige Wechsel in den Personen nur schaden kann? In der Lehrunterweisung geschieht Vielerlei, in der Erziehung und Character-Bildung vielleicht gar wenig; und es tritt hervor, was in diesen Tagen vielfach in die Worte gekleidet wurde: Ein Erperimentiren in corpore vili. Daß nach diesen Seiten hin die Verhandlungen der pädagogischen Section m voriger Woche von guten, segensreichen Erfolgen begleitet sein mögen, ist der Wunsch, der Vielen ans der Seele gesprochen sein wird. Vermischtes. Gießen, 13. October. sModellir-Unterricht der erweiterten Handwerkerschulc des hiesigen Gewerbevereins betreffend.^ Die erweiterte Handwerkerschule beginnt nächstens den Unterricht des Wintersemesters und soll es Zweck dieser Zeilen sein, am den Modellir-Unterricht, welcher durch genannte schule an zwei Wochenabenden geboten wird, besonders hinzuweisen. , Wie nützlich und nothwendig eine gewisse Fertigkeit un Modelliren für den angehenden Handwerker und Kunstindustriellen, welcher einmal auf der Hohe seines Berufs stehen will, sei, ist gelegentlich der Eröffnung unserer Modellirschule vor^zwcc Jahren im Anzeiger bereits ausführlicher besprochen wordeii, wie ja,auch das Organ des Landesgewerbevereins immer und immer wieder zum fleißigen Besuch des Modellir- Unterrichts anspornt. . Obgleich der in Gießen gebotene Unterricht seither stets von einer Anzahl strebsamer junger Leute mit dem besten Erfolge benutzt wurde, wie die Arbeiten der Modellirschule gelegentlich der im September v. I. dahier stattgehabten Ausstellung der Schülerarbeiten aus den Unterrichtsanstalten des Landesgewerbevereins dargethan und bezüglich welcher dem Leiter des Unterrichts, Herrn Bildhauer Barthel, von maßgebender Stelle die vollste Anerkennung ausgesprochen wurde, so scheint doch gerade in Gießen, des vergleichsweise noch geringen Besuchs dieses Modellirunterrichts wegen, bei den Betreffenden noch nicht das volle Verständnitz von der Bedeutung dieser Kunstfertigkeit ob^roalten. . x , Das Modelliren ist die Kunst, mittelst geeigneten Materials (Thon, Wach^, Gips) Modelle, Vorbilder und Gebilde aller Art, insbesondere auch solche Ornamente und Figuren darzustellen, wie sie im Kunsthandwerk vielfach Anwendung finden. Die Werke der Menschenhand sollen nicht allein zweckmäßig confirmrt, sondern auch edel gestaltet sein, was ja in vielen Fällen ohne Aufwand weiteren Materials oder größerer Kosten geschehen kann. Das bedeutungsvolle Wort, welches ein Neuleaux in dieser Beziehung seiner ßeit gesprochen, hat allerorts mächtig gezündet und es ist etne Freude, wahrzunehmen, wie nicht nur die Paläste, sondern auch die Wohnhäuser, Wohnungen und Geschäftsräume des einfachen Bürgers und Geschäftsmannes, nicht nur Die Luxus- < gegenstände der Begüterten, sondern auch die einfacheren Gebrauchsgegenstande nn allgemeinen in edlerem und stilvollerem Gewände erscheinen. Ein Blick auf die neueren bürgerlichen Wohnhäuser unserer Schwesterstadt Marburg ist z. B. in dieser Beziehung recht belehrend. Jedermann, der von den Vortbeilen, welche die Kunst des Freihand- I zeichnens für feinen Berus bietet, überzeugt ist, muß auch den Srutzen der Modellir- kunst zu schätzen wissen. Wo hört z. B. heutigen Tags die Arbeit des Steinhauers, des Möbelschreiners, des Metallgießers :c. auf und wo fängt Diejenige des Bildhauers an § Würde derjenige Tünchermeifter allen Anforderungen entsprechen können, welcher | nur zu tünchen und nichts von den Stukkaturarbeiten zu fertigen versteht'^ ^o ähnlich bei vielen anderen Berufsarten. p. .. . . Tx Das Modelliren fördert überhaupt unser Kunstverstandnitz und unsere Gestaltungskraft indem es uns die Gesetze von der Entwicklung der Ornamente kennen lehrt.. Erst die plastische Darstellung zeigt uns den Gegenstand in der ganzen Wirkung seiner Masse und Formen, in seiner Beeinflussung von Licht und Schatten und je gewanMer der Schüler im Modelliren, desto naturgetreuer werden auch wieder seine zeichentunft- lerischen Entwürfe sich gestalten. ... Selbstverständlich können nicht jedem Anfänger gleich Gegenstände seines bc- I sonderen Berufs zur Uebung gegeben werden, jeder Kunstbeflissene muß sich auch hier I einer bewährten Methode unterwerfen und mit den Anfangsgründen beginnen. . Einer I besitzt mehr Talent als der andere und so wird auch der eine rascher als der andere I zum Ziele kommen, d. h. die für seinen Beruf nöthige Fertigkeit erlangen. Fleitz, I Eifer und vor allem Geduld sind aber erforderlich, wenn der Unterricht von Erfolg I sein soll. Aus den Unterrichtsabenden nur eines Semesters können natürlich noch keine I großen Künstler hervorgehen, zwei oder, besser noch drei Semester führen jedoch in den I meisten hier in Betracht kommenden Fällen zum Ziel. Die Anforderungen, welche an die Kunstindustriellen und an die Bauhandiverkei I u. a. gestellt werden, werden immer größere; wohl dem, dessen Leistungsfähigkeit allen I Anforderungen gewachsen ist. t ,rr . .. .,, . Wie wandelbar gestalten sich oft des Lebens Verhältnisse, wie erwünscht sUli> I dann oft in vorgeschritteneren Jahren noch Kenichiisse und Fertigkeiten, deren Air I eignung in der Jugend trotz gebotener Gelegenheit leider verläumt wurde! Mochte« I deshalb auch Angehörige und Meister gegebenen Falls ihren Einfluß geltend machen, I damit nicht der junge Mann, welchem heute die schöne Gelegenheit zur Aneignung einer I nützlichen Fertigkeit gegeben ist, in späteren ernsteren Jahren sich vielleicht sagen nm«: I „Das habe ich Ixider nicht gelernt!" O. B. Seligenstadt, 8. Cctobcr. Ein fast unglaublicher und gleichwohl vollen A«- j spruch auf Wahrheit habender Fall der Lebensrettnrig hat sich gestern Morgen hm I ereignet. Der sechsjährige Sohn des hiesigen Tünchers Winkler lehnte sich etwas I weit aus dem Fenster des dritten Stockwerks einer im Bau begriffenen Fabrik, bekan das Uebergewicht und stürzte in die schauerliche Tiefe. Der unten stehende 14jäW I Sohn des Tünchers Stenger beobachtete den Fallenden und empfing denselben nut E gebreiteten Armen. Durch diese erstaunliche Geistesgegenwart wurde das Leben niederstürzenden Knaben gerettet. Ganz unbedeutende Verletzungen bekunden bd schrecklichen Fall. Mit Miith, Entschlossenheit unt) eigener Lebensgefahr hat der W der Schule entwachsene Bursche das Kind vor dem sicheren Tode bewahrt und es gr bührt ihm sicherlich hierfür öffentliche Anerkennung. Die Freude der Eltern über fort I wunderbare Errettung ihres Kindes läßt sich kaum schildern. Allgemeine Plakat-Fahrplan aßet auf Station Gießen ankommenden und abgehenden Züge für den Winterdienst 1885 TBC ist in der Expedition diefes Blattes, sowie durch die Zeitungstrager zum Preise von 20 Pf. zu haben. r Anzeiger. Den Empfang der MiodelBhüte sowie sämmtliche Neuheiten für die Herbft- u»t Wintersaison beehrt sich ergebenst anzuzeigen vl. 7150 Kirchenplatz. 4tige® M ««er?' bS’fei ftt/* d'r totite»eU“t8 e^Ä Denen di? 1Ä *» in biekS“"«“^ Miich-il Stcfion h *''iffberS^ ätes »feilen fein” -'ochmabenden geboten "^‘»Mürben » Mr flHc ^iues dellirlchnle vor zwti la auch dos Crgan Befuch des Modrlln- ? cmcr Anzahl streb-. ie die Arbeiten btr gehabten Ausstellum rbevereins bargetfjiir. met Barthel, vv- fo fchrint doch gcrabc ÄirMmichts wegen, 'ebeulungVitfti Kunst- emltz auch solche Otiramewe Wendung finden. nt, sondern auch edi Materials odergrößew ein Reuleaux in diefi und es ist eine Freud, okmhäuser, Wohuunga nicht nur die Lu^u-- ichsgegenstände im al Blick auf die neuere ö. in dieser Beziehm! ’ Kunst des Freihmid Nutzen der MM Ixbeit des Sttmüautr^ diejenige iwAHbtjnucve prtditn fönnm, weiche i versteht? So ätzniic mb unsere Gestaltung; mamente kennen lehn, ganzen Wirkung ferne alten und je gewagte ieder seine zeicheuluas Gegenstände seines K jene mutz sich QU*ji: inden beginnen..M e rascher als der am tigteit «tagen. S>° n Uni-MESi innen Mtiirlid>no»k ftet iührkn 1-d°ch m6 nd an bi! »«6*5 nMungWiM «1 niife, i”11 1 Ä'KA"ÄMU'g« jnUw*?’! CM ÖD CO CO et Ä o *5= -C rd CO Agentur für electrische Beleuchtung von Siemens & Halske in Berlin. Das Jnfia(fationsge|cljäft von H. Schaffstaedt in Giessen empfiehlt sein grosses Lager in Kronleuchtern, Qaslüstres, Ampeln, Lyra's, ^uglampen etc. etc. nach neuesten mustern und in jedem Genre. Gasleitungen sowie Reparaturen derselben werden unter Garantie prompt und billig ausgeführt. 6533 Vertretung der Gasmotorenfabrik Deutz in Deutz. 7001 Tas Neueste in Wottwaarerr als Kopf- unb ttmhängetücher, Ca- putzen, Westen unb Handschuhe empfiehlt A. Fanviuanii. niversum Illustrirte Zeitschrift f. Belletristik, Kunst und "Wissenschaft. II. Jahrgang. 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Bild von V. St. Lerche. — Im Zwischendeck eines Passagierdampsers- Von R- Werner. Mit Illustration. — Malivuka. (Schluß ) Erzählung aus Samoa von August Niemann. Mit 4 Illustrationen. — Sternhaufen und Nebelflecke in den Tiefen des Weltraumes. Mit Kärtchen- Von Dr. Klein. — Am Familientisch: Lebensdauer der Ameise. — Rechtsrath. — In unserer Spielecke. Mit zwei illustrirten Beilagen: Von Mägdeherbergen. — Umschau in fernen Landen. 2^ Schirme "2WC werden sofort billigst reparirt und überzogen bei «J. Welt»enkom9 5793 Schulstraße 9. ein flurtutl: Herren- ii AmbtN-Kar-eroben-Kesthiist Betr Gieße Hermann Marx X von X 3,50—12 it das von 11 n 4,50—18. von «X 42-60 II II Schwarze Tuchröcke . von X 16—24 Anfertigung unter Leitung eines tüchtigen Zuschneiders. Garantie für gutes Sitzen Hermann Marx, 9, Marktplatz 9 7227 Thüringer Kiinslfärherei Königsee Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühlffchen Druckerei (Fr. Chr. 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