Donnerstag den 15. Oetobcr 188-r •* Pt. SeV"18 mit Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Bureau: Schul st raße 7. Betreffend: Den Herbstfasselmarkt des landwirthschaftlichen Bezirksvereins zu Friedberg pro 1885. Die Anträge werden mit Ausnahme non Punkt 6 ange- und Ständekammern ihre Zustimmung geben n 14 MV' Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P». Hand zu leihen, nommen. Paris, 13. October, welche Maßregeln gegen die Krarrkrerch. Der Ministerrath beschäftigte sich mit der Frage, von conservatioer Seite für die Stichwahlen ver- Lokales. G. Gießen, J4. October. ^Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle belief sich während der Woche vöm 4. bis 10. October auf 8 im Ganzen, die sich gleichmäßig auf Kinder und Erwachsene vertheilten. Bon den erwachsenen Personen sind ^°k>lir> I n- ft» ! suchten Wahlmanöver zu ergreifen seien. Die Regierung beschloß, von sämmt- lichen Beamten eine correcte Haltung zu verlangen. — Die Nachricht, betr. die Entsendung von Verstärkungen nach Tong- king, wird auj's Neue für unbegründet erklärt; die gemieteten Schiffe sollen einzig und allein dazu dienen, btejenige Truppenzahl nach Tongking zu trans* Domren, welche nothwendig ist, um die Lücken auszufüllen, die durch die nach der Heimath entlassenen Mannschaften entstehen. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correfpondenz-Burea». Baden-Baden, 13. Octobcr. Se. Draj. der Kaiser besuchte gestern Abend die Soiree bei der Herzogin von Hamilton. Derselben wohnten auch die Großherzoglichen Herrschaften und sämmtliche hier anwesenden Fürstlichkeiten bei. Auch Fürst Hohen- ckohe, der sich heute Abend nach Straßburg begibt, war anwesend. PeuLschland. Darmstadt, 13. October. Die Landtags-Abgeordneten Küchler und Möhn haben früher einen Antrag in der zweiten Ständekammer eingebracht, dahin gehend, daß bei den Volksschullehrern des Großherzogthums Heffen die Dienstzeit behufs Berechnung des PenstonsgehalteS mit dem Tage der ersten dienstlichen Verwendung beginnen möge. Offenbar wollen die Antragsteller dadurch gewisse Härten und Unbilligkeiten beseltigen, welche für viele ältere Lehrer dadurch entstehen, daß dieselben die Schlußprüfung wesentlich später bestanden haben, als dies nach den bestehenden Vorschriften hätte geschehen können. Durch die Bestimmungen des § 5 unseres PenstonsgesetzeS von 1870 trifft nun, da die Dienstzeit für alle Volksschullehrer erst nach bestandener Schlußprüfung beginnt, diejenigen Lehrer, welche in den Jahren vor 1872 ihre Schlußprüfung um einige Jahre verschoben haben, der Nachtheil, daß sie weniger Pensionsgehalt bei längerer Dienstzeit beanspruchen können, als viele ihrer jüngeren Collegen. Wenn wir uns auch wohl der Ansicht anschließen müssen, daß die eigentliche Dienstzeit erst nach bestandener Schlußprüfung ansangen kann und aus diesem Grunde wohl der oben angeführte Antrag als zu weitgehend wenig Aussicht aus Annahme verspricht, fo müssen wir es doch beklagen, daß die in § 5 ausgesprochenen Pensions-Bestimmungen sich auch auf die Lehrer ausdehnten, welche vor Feststellung des BesoldungS* und Pensionsgesetzes ihre Schlußprüfung bestanden hatten. Denn einmal gab es vor dieser Zeit keinerlei Gehaltsscalen, sondern jeder Lehrer bezog das Gehalt, das mit seiner Stelle verbunden war, ohne jegliche Rücksicht auf sein Alter; und dann hing die Höhe des Pensionsgehaltes keineswegs von dem Dienstalter der betr. Lehrer ab, sondern von dem guten Willen der Behörden, der Gemeinden, oft gar von anderen günstigen oder ungünstigen Verhältnissen. Außerdem mußten nicht wenige Lehrer ihre erste Verwendung bei der damaligen großen Zahl von Schulamts- Aspiranten als Hauslehrer oder an Privat'Jnstituten suchen und konnten schon deshalb nicht rechtzeitig zur Prüfung erscheinen. Für die jüngere Lehrer-Generation liegt das Verhältniß wesentlich anders. Diese weiß, welche Nachtheile ihr aus einer verspäteten Schlußprüfung erwachsen und richtet sich hiernach. Wir begrüßen nun mit Freuden einen Vermittelungs-Antrag des Herrn Landtags-Abgeordneten Schröder, dahin lautend: „Die Kammer wolle beschließen, dem Absatz 1 des Art. 5 des erwähnten Gesetzes folgende Fassung zu geben: „Die Dienstzeit wird bei Bestimmung der dem Schullehrer gebührenden Pension für die Schullehrer, welche vor dem Jahre 1874 ihre Schlußprüfung bestanden haben, von dem Ablauf von 3 Jahren nach ihrer ordnungsmäßig erfolgten Entlassung aus dem Seminar an gerechnet." Wir glauben getrost die Hoffnung aussprechen zu dürfen, daß diesem nach jeder Richtung hin billigen und finanziell auch weniger belastenden 2MO Erstes Blatt Antrag die Staatsregierung werden. (Fr. Journ.) E->" '"'»SW*- — Der Minister von Puttkamer wurde gestern und heute von ©einer Majestät dem Kaiser zum Vortrage empfangen und reift heute Abend nach Berlin zurück. Berlin, 13. October. sGencralsynode.j Berathung der Anträge der Pro- vinzialsynoden von Ost- und Westpreußen und Schlesien wegen Bekämpfung der Trunksucht. Referent Engelbert (Duisburg) beantragt, den Oberkirchenrath zu ersuchen, bei der Staatsregierung auf Erlaß gesetzlicher Bestimmungen hinzuwirken, daß 1) Personen, welche im Zustande offenbarer Trunkenheit auf Straßen und in Wirthshäusern gefunden werden, für straffällig erklärt werden; 2) daß Wirthe, welche offenbar trunkene Personen in ihren Localen dulden und ihnen geistige Getränke verabreichen, strafbar sein sollen; 3) daß gewohnheitsmäßige Trinker auf Antrag der zuständigen Behörden in besonderen Asylen unterzubringen sind; 4) daß durch Verschärfung der Derlei)üb' ”en Gesetze dem Laster der Trunksucht ein fruchtbarer Damm entgegengesetzt wird; daß durch höhere Steuern der Verkauf des Branntweins eingeschränkt; 6) daß Trunkenheit nicht ferner als Milderuugsgrund bei Gesetzesübertretungen anenariv^verde; 7) die Synode wolle die von ihr vertretenen evangelischen Kirchen in nilttt H)rdn Gliedern ermahnen, den Bestrebungen gegen die Trunksucht hilfreiche -- Die Generalstmode nahm den Antrag auf Einführung eines geordneten Vicariatsdienstes und auf Unterbreitung einer diesbezüglichen Vorlage an die nächste Generalsynode an. — Die „Colonialpolitische Correspondenz" bestätigt, daß der Sultan von Zanzibar den völlig ungestörten, unbeschränkten Besitz des Hafens von Dar-es-Salam unter seiner politischen Oberhoheit der deutsch - ostafrikanischen Gesellschaft abgetreten hat. Wien, 13. October. Das „Fremdenblatt" wendet fick gegen die „Times" und die „Nowoje Wremja", welche die Haltung Oesterreich-Ungarns gegenüber der Balkan- verwickelung im gehässigen Lichte darstellten. Es erblickt in der Sprache dieser Blätter' den Ausfluß der Bestrebungen des Panslavismus, wie gewisser britischer Kreise, welche im Hinblick eines möglichen Zusammenstoßes Englands mit Rußland ein enges österreichisch-russisches Freundschaftsband nicht als vorlheilhaft betrachten. Die Anklagen der genannten Blätter, Oesterreich habe das Vorgehen Serbiens ermutbigt, ja geradezu hervorgerufeu, widerlegt das „Fremdenblatt" unter Hinweis auf Griechenland, wo Europas Vorstellungen ebenforoenig fruchteten, und auf die dominirende Stellung Rußlands in Bulgarien, welche die Gcltenduulchung des nationalen Wittens nicht zu hindern vermochte. Das Blatt betont schließlich, die Einwirkungen Oesterreich-Ungarns- auf Serbien bewegten sich ganz auf dem Boden der Wünsche Europas; sie müssen aber in dem freien Entschließungsrechte eines selbstständigen Staates und seines Monarchen ihre Grenze finden. Pesth, 13. October. Prinz und Prinzessin Wilhelm von Preußen sind heute früh über Breslau nach Berlin abgereist. Paris, 13. October. Dem „Temps" wird aus Madrid gemeldet: Der spanische Eommandant von Fernando Po unternahm eine Expedition an den Küsten Guineas, fuhr die Flüsse Urini und Ra hinauf und schloß mit den Häuptlingen der Eingeborenen Verträge ab. London, 13. October. Gestern Abend lies das englische Kanonenboot „Warf" auf der Klippe bei Holyhead auf. Das Schiff, welches jetzt ganz trocken liegt, wird für ernstlich beschädigt gehalten. Die Mannschaft ist außer Gefahr. Rom, 13. October. Depretis hat heute in Mailand mit dem König conferiri. Robilant hat den Eid geleistet, er kommt wahrscheinlich morgen nach Rom. Derselbe hatte eine lange Unterredung mit dem König und Depretis. Rom, 13. October. Cholerabnlletin. Gestern gab es in der Provinz Palermo 132 Erkrankungs- und 58 Todesfälle, wovon in der Stadt 115 resp. 45 Fälle. In den Provinzen Ferrara, Mafia, Modena, Parma und Rovigo 6 Erkrankungsfülle und 1 Todesfall. Petersburg, 13. October. Das „Journal de St. Petersburg"- erklärt, Europa hätte sich mit der bulgarischen Union abfinden können, aber Angesichts der Prätentionen der Kleinstaaten biete eine conservative, mit den Verträgen übereinstimmende Politik mehr Chancen, einem großen Brande vorzubeugen. Cork, 13. October. Die nationalistische Convention der Grafschaft Cork wählte unter dem Vorsitze Parncll's diejenigen sieben Personen, welche Parncll vorschlug, als Candidaten für das Unterhaus. Parncll dankte für diese Einmüthigkeit und Disciplin. Belgrad, 13. October. Die Regierung beschlagnahmte aus serbischen Orlen datirte, jedoch aus Bulgarien importirfe Proclamationen hochverrätherischen Inhalts. Port Said, 13. October. Der Dampfer „Perim" ist gestern auf den Grund gestoßen. Die Passage im Canal ist unterbrochen. Der Dampfer wird jetzt gelichtet. 14. vltobtt 1885. t Omds, ssitzung- ig: jweMrnijthg *•> “ -"""weg jU ! ’rte 3unmer m i ■* Mr Ammern und atttm 53 Mieten »"ter (’6 unter C- ÄÄ? Der diesjährige Herbstfasselmarkt des landw. Bezirksvereins Friedberg soll Mittwoch, den 28. L Mts zu Friedberg abgehalten werden. Die aufgetriebenen Fasset werden durch eine hierzu bestellte Commission gemustert und wird den Eigenthümern der als preiswürdig erkannten Thiere eine Geldprämie bewilligt, wozu der landwirthschastliche Bezirksverein und die Kreisstadt Friedberg entsprechende Beträge zur Disposition gestellt haben. Die eigene Züchtung der Thiere durch deren Eigenthümer erscheint nicht als eine Bedingung der Prämiirung. Von der Preisbewerbung sind Gemeindefaffel ausgeschloffen, desgleichen Faffel, die um 9 Uhr Vormittags noch nicht am Platze sind- Für Faffel, welche als tauglich befunden, aber nicht prämiirt werden, wird auf Verlangen eine Wegvergütung ausgezahlt. Nicht genügend gefesselte Thiere werden von dem Platze weggewiesen werden. Die zum Abschlüsse kommenden Verkäufe wollen dem Großherzoglichen Bürgermeister, Herrn Steinhäußer, zur Anzeige gebracht werden. Zu recht zahlreichem Besuche des Marktes wird hiermit eingeladen. Friedberg, den 1. October 1885. Der Director des landw. Bezirksvereins Friedberg. Dr. Braden. ^ahnbosstraße 12. In”er. J11 verinietben. i ^'Bahnhofstraße, ZimmerU: tnitg. Manftirbt an anstäiv \ nann, billig zu otv«: n der Exp. es Zimmer'M sMn i. peb. b- BI. s Logis mit Zubehör | »gt, Kaplansgasse 5. ' ’ Anzeigen. -chen, welches kochen isarbeit gründlich vrr- Naheres ie 14, im Nebenbau. MM tftt für Flickarbeit Kn Srpeb. b» DL Herren können Kost unb Ilehger u. Gastwirth, istadt 48.. starben 2 au Lungenschwindsucht, eine an Bauchfellentzündung, eine an Knochenfraß. Ein Kind starb im Alter von 4 Wochen an allgemeiner Abzehrung, von drei schon älteren Kindern starb eins an Nbachitis, eins erlag einer Hirnentzündung und eins, welches von einem benachbarten Orte hierhergebracht worden war, der Diphtherie. Gießen, 14. October. ^Turnerisches.^ Es ist schon lange ein warmer Herzenswunsch aller Freunde der Turnsache, daß für bedürftige beim Turnen verunglückte Turner durch Gründung turnerischer Unfallskassen gesorgt werde; dennoch ist dieser Wunsch bisher ein frommer geblieben dadurch, daß die kleineren Turngemeinschaften den größeren, die größeren den kleineren Initiative und Ausführung zugeschoben haben. Für unseren hiesigen Turnverein ist nun endlich dieser Wunsch um einen bedeutenden Schritt seiner Erfüllung näher gebracht. Von einer ^ammlung nämlich, welche zu Gunsten eines bedürftigen, kranken Mitgliedes vor einigen Monaten innerhalb des hiesigen Turnvereins vorgenommen worden mar, ist nur ein Theil verbraucht morden. Zu gleichem Zwecke wurde gelegentlich des diesjährigen Stiftungsfestes des hiesigen Turnvereins eine Festzeitung herausgegeben, welche 10 JL Reinertrag abwarf. Diese Summe übermachte der Verfasser, da der unterstützungsbedürftige Turner inzwischen verstorben mar, dem Vorstande _ des Turnvereins mit der Maßgabe, daß diese 10 JL. den Grundstock eines Ilnsallsonds (in obigem Sinne) bilden sollten. Um nun über die Verwendung des Nestes aus der Sammlung mit 79.10 JL zu entscheiden, hatte der 1. Sprecher des Turnvereins, Herr Ph. Uhl die Geber zu einer Besprechung vorgestern Abend in den „Frankfurter Hof" eingeladcn. Nachdem Herr Uhl den Erschienenen über das schon verwendete Geld Rechnung gelegt hatte, wies er daraus hin, wie die Geber jetzt Gelegenheit hätten, einen namhaften Grundstock zu einem Unfallsfonds zu legen. Nach einer eingehenden Debatte mürbe beschlossen: 1. dem Vorstande des Turnvereins Gießen 50 zur Gründung eines Fonds zur Unterstützung bedürftiger beim Turnen verunglückter Turner zu über- iveisen, unter der Bedingung, daß der Turnverein Gießen für die Unterhaltung des Hofmann'schen Grabes sorge; 2. den Vorstand des Gießener Turnvereins zu ersuchen, für die Restsumme von 29.10 X einen Grabstein für Hofmann fertigen zu lassen. Wiederholt wurde während der Discussion der Gedanke ausgesprochen, der Vorstand des Turnvereins möge eine sofortige Verstärkung des Fonds dadurch herbeiführen, daß er eine dahin zielende Liste unter den Mitgliedern und Freunden des hiesigen Turnvereins circuliren lasse. Indem wir hoffen, daß der Vorstand des hiesigere Turnvereins die Gelegenheit, mit gutem Beispiele seinen Brudervereinen voranzugehen, freudig ergreifen wird, wünschen wir dein neu entstandenen turnerischen Uufallsfond möglichst viele Zuschüsse und möglichst gar keine Unfälle. Gießen , 14. October. sVeteranen-Verein.j Bald naht der Winter. So ein alter Veteran spürt ihn schon, wenn er auch nur seine Boten gesandt hat. Um so wohlthuender ist es dem alten Krieger, wenn sein Herz aufthaut, wenn es ihm warm wird in der Brust. So auf der letzten Monats-Versammlung des Veteranen - Vereins Gießen. Der geschäftliche Theil bietet wenig für's Herz; dort hat der Verstand zu urtheilen, was dem Wohle deS Ganzen frommt. Und daß dies leitenden Ortes geschehen war, bezeugte der allgemeine Anklang, den die gestellten Anträge fanden: sie sprachen aus, was Aller längst gehegter Wunsch war. Und in der Entwickelung des Vereins bezeichnen sie einen neuen Fortschritt, denn in ihnen sand das Ziel des Vereins seinen bestimmten Ausdruck. Der Geist der gemüthlichen Kameradschaftlichkeit fand diesen in der nun folgenden geselligen Vereinigung. Der Vorsitz war bewährten Händen anvcrtraut und unter dieser Leitung entwickelte sich Freude und Frohsinn immer mehr mit dem Wachsen der Stunde. Auch der Nothleidenden wurde gedacht. Der gefüllte Teller war der Beweis der Freigiebigkeit der Alten. So hat der Verein, was sein Ziel ist, ausgesprochen und den Geist, der in ihm wohnt, offenbart; möge er beiden in der Zukunft treu bleiben, so wird er wachsen und gedeihen. Gießen, 14. October. Wir erlauben uns, das kunstsinnige PublikulnM)ießens auf den abermals mit neuen und interessanten Photographien gefüllten SMoukästen des Herrn G. Backofen in Berlin an Stein's Restauration aufmerksammachen Zunächst intereffirt uns der Afrikareisende Dr. Peters, der nicht nur VoMnd der Berliner deutsch-ostafrikanischen Handelsgesellschaft, sondern auch am Platze selbst Vorsteher des Ganzen ist. Nachdem Peters an verschiedenen deutschen Hochschulen Geschichte, Jurisprudenz, Nationalökonomie und Philosophie studirt batte, ging er nach London, um dort als independant gentleman in praktischerer Weise volkswirthschaft- licke und politische Studien zu treiben. Hier legte er den Grund zu seinem umfassenden .colonialpolitischen Wissen. Daneben lernte er durch mannigfache Reisen Land und Leute kennen. Als in Deutschland die Eolonialbestrebungen sich zu regen begannen, hielt ihn nichts mehr in England. Eine glänzende Stellung ausschlagend, verließ er London, wo ihn ohnehin das widerwärtige Verhalten der Deutschen und ihr Mangel an Nationalbewußtsein anwiderten. Im April 1884 regte er die Begründung der Gesellschaft für deutsche Colonisation an, deren Leistungen wir kennen, und deren Vorsitzender er ward. Dann ging er als Chef einer Expedition nach Ostafrika, wo er durch zwölf bündige Verträge mit zehn unabhängigen Sultanen ein fruchtbares Gebiet von 2500 Ouadratmeilen erwarb. — Des weiteren intereffirt uns der Schwiegersohn des Fürsten Bismarck, Graf Rantzau, Ulanenreserveofficier. Ungleich mehr jedoch — was Herr Rantzau wohl nicht übel nehmen wird, da es ihm wahrscheinlich ähnlich geht — die berühmte Schauspielerin Franziska Ellmen- reich. Ferner bemerken wir die allererste Prima-Donna an der Königlichen Oper in Berlin, Frl. Renaud, Vertreterin der gleichfalls hochberühmten Lilli Lehmann, die dieser Tage einen viennonatlicken Urlaub zu einem Gastspiel in Amerika antritt. Die übrigen Bilder stellen einige weitere erste Mitglieder von Berliner Bühnen dar. -- Herr Gustav Backofen wird am 16. d. M. von Berlin zu mehrtägigem Aufenthalt hier eintreffen. UniverfitätS - Chronik. — Zum Unioersitätsrichter in Berlin, dessen Amt durch den Tod des Geh. Justizraths Schultz frei geworden war, ist der Staatsanwalt am Landgericht I., Dr. P. Dau de, ernannt worden. — Der Beneficiat Dr. Schöcmek in Eibelstadt bei Ochsenfurt hat einen Ruf als Professor nach Breslau angenommen. — Die Privat - Docenten Dr. Rudolf Emmerich und Dr. Hans Buchner in München haben sich im Auftrage der Staatsregierung behufs Weiterführung ihrer Untersuchungen über die Aetiologie der Cholera nach Palermo begeben. Vermischtes Mainz, 10. October. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich gestern Nachmittag gegen 6 Uhr tn dem Hause des Herrn Specereihändlers F. auf der Augustinergasse zugetragen. Um diese Zeit war der Hausbursche in den Keller gegangen, um eine Quantität Spiritus abzufüllen. Kaurn hatte er damit begonnen, als ein dumpfer Knall ertönte, eine mächtige Flamme aus der Kelleröffnung, die in den Laden selbst geht, emporschlug und mehrere Fensterscheiben in Trümmer gingen. Wenige Augenblicke später stürzte aber auch der Hausbursche, am ganzen Körper brennend und laut jammernd, die Kellertreppe herauf. Einige Umstehende sprangen nun zwar sofort herzu und suchten die Flammen zu löschen, aber nur mit ihren Händen, was natürlich nicht gelang; erst als der Unglückliche auf die Straße rannte, waren einige Leute so be- sonnen, ihre Kleider über ihn zu decken und so das Feuer zu ersticken. Ziigleich wurden ihm die noch immer glimmenden.Kleidungsstücke in Fetzen vom Körper gerissen und er dann in ein Nachbarhaus getragen, von wo er später nach dem Hospital geschafft wurde. Der Zustand des Unglücklichen, dessen Körper über und über mit Brandwunden bedeckt ist, ist derart, daß an seine Heilung kaum zu denken ist. Wie es zugegangen, daß die Explosion entstand, ist noch nicht aufgeklärt, da er alleinzu- gegen war und darüber Auskunft geben könnte, er aber bis jetzt nicht darüber vernommen werden konnte. Er hantirte bei der Arbeit nicht mit offenem Licht, sondern mit einer Sicherheitslampe. Wahrscheinlich kam er mit einem brennenden Streichholz dem Spiritus zu nahe, während er sehen wollte, ob er genug abgefüllt habe. In dem Keller hatten mittlerweile die übrigen brennbaren Gegeiffkände Feuer gefangen, so daß die Feuerwehr herbeieilte, welcher es erst nach 1 unb !> ‘• »■«Ä I ■ ^dienfpr ’ ?rel LZÄ :sB» i ielt ^"wd-ns'A Nd-likidm 2 »N* “Xn'*"■ V°r .mSienft 0 I mmen foatcn, 1 Mfe- AK bet I ™8 bic etfte Sinne I > !"et fflnnni« _ I ’ Wi' unerhörter i /"'tchc ju führen I gem, bei welcher | x. wnst so ernften I 3mg die Trauung I größte Theil der Ot postirl. Unter I ltnn eine Störung | lausen. A.Pr.) I Im Montag snhren : mgau treiben, bei f ein. Der Schisser Schiffchen auf die I)te aber wiederholt r Frauen, den dem I Die beiden anderen | liann in den Kahn nng vor den braven I trat dahier mit un- I ittanten Leistungen ! , sondern auch von 1 emnädji't in Frank- wie vcrhiutet, jetit I BieberfjerlMunfl'< ' erden kann. Zur t, her um die Ge- \\tx Kreise sm datz I n zu diesem Zwecke ! üauge, schwenkt die : leicht aus und zieht | i aufgelöst worden, i nne oder gegen den )ige§ vorgelommen. Leuten Perreteu be- Leute in das Haus den saß aut einem r Blutlache lag der iäufer und hatte ost zu einem Zank ge- er Mann ergriff ein mb den Hals. 6rft interlegen unb unter sich an ben Nauden nidiim. Er k!-id-.- bariiber unb N'f it Leibe 611». fW tafüiiii bitt'*' „en ©ausffanb mi’ stets fWW '"'b or Gerilbt ncfchebetie 0 aus dem nach- i&s® yfSSfi tzZK -Es tmub-r " imb ,„6 ;S» ftjW' L KM' 1884 «Mi b" nts deü«'Achi-tt« t bi'l'' en uua *.(x Uv^z I itt*1 irirt,» hüd1'". irtfit rr b Lu* Li itiKibn^... bleiben zu wollen, aber diese schöne Gesinnung einer edlen Mädchenieele vcrinochte den mit der Welt zerfallenen Geliebten nicht mehr zu retten. Er wandte sich nach jener Katastrophe von hier nach Paris — dort hat er vor Kurzem in den Wellen der Seine den Tod gesucht und gesunden. Ans einem von ihm hinterlassenen Zettel steht geschrieben: „Meine Jugendsünde ist mir gesühnt". — Von zwei Wettermachern schreibt man: Der Ehevertrag zwischen dem Erbgroßherzog von Baden und der Prinzessin Hilda von Nassau wurde bekanntlich von dem Präsidenten Negenauer von badischer Seite mit einem hohen Beamten des Nassauc? Fürstenhauses in Heidelberg- abgeschlossen. Als nun jüngst in Karlsruhe fast all' die schönen Festtage gründlich verregneten, entstand dort das gelungene Witzwort: Wie kann es auch anders sein, wenn Negenauer mit einem Nassauer den Vertrag macht! — sVacante Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armee-Corps.] Auf den größeren Stationen der Linie Kassel-Frankfurt, 5 Schaffner-Aspiranten, je 65 X Monatsbesoldung, daneben die reglementsmäßigen Kilometer- und Uebernachtungs- gelder. — Kassel, Stadtrath der Residenz, 3 Bureau-Hilfsarbeiter in der directen c^teuerverwaltung, je 75 «X monatlich. — Kassel, König!. Eisenbahn-Betriebsamt (Hannover-Kassel) zu Kassel, 3 Schaffner, das Gehalt beträgt nach der etats mäßigen Anstellung 780 Jl. und steigt bis 990 JL, daneben besteht der Wohnungsgeldzuschuß und die rcglementmäßigcn Kilometergelder; Aussicht auf Beförderung zum Packmeister und Zugführer und dementsprechendes Einkonimen nach Maßgabe der Qualification, der Führung und des Dienstalters vorhanden. — Kassel, Kreis - Bau - Jnspection Kassel (Verwaltung der fiskalischen Wasserleitungen), Brunnemvärter, 720 «X Gehalt und 180 «X Wohnungsgeldzuschuß. — Gotha, Postamt, Landbriefträger, 600 je Gebalt und 144 D^r^rn e I6^11 ’ Berufung in Strafsachen" von demselben; „Schwere Körperverletzung und Mord in realer Concurrenz" von Dr. Benedix-Rati- bor; „Gattenmord durch Gift und Strick" von Dr. Braun-Leipzig- Unzüchtige Handlungen eines Epileptikers" von Dr. Berend-Hanncmer. 5 9’ " 3 9 Sämmtliche Aufsätze sind schön und' gemeinverständlich geschrieben; für einen gediegenen Inhalt bürgen schon die Namen der Verfasser. 6bsammte Presse hat das „Tribunal" günstig ausgenommen; besonders sym- ^ dffch haben sich ausgesprochen die „Berliner Gerichtszeitung", die „Breslauer Ge- Zlchtszcltung , „Reform", „Börsen-Courier", „Jllustrirte Zeitung" und viele andere. — er Abonnementprels 3 JL pro Ouartal — ist in An betracht des Ge- botmcn cm recht mamgcr Zu bezichcu ist das „Tribunal" durch alle Buchhandlungen, sowie direct durch die Post. w Vakbverdkär-Waaen c(e«ant' v«t§n>ürbiS. Abbild, gratis [6612] J. G. Rumpf, Eis. Hand, Frankfurt a/M. Dr. Gensch, prakt. ». Spocialarzt für Hant-, Frauen - n. Ge- flcblechtskrankhelten (Syphilis)etc. Frankfurt a. M. Stiftstr. 22, fr. Assist. Prof. Ricord’s. Ausw. briefl. kO § Allgemeiner Anzeiger. Einträge fum Firmen-Register des unterfeichnelen Gerichts. 1. Ludwig Ernst Kalkhof dahier, Inhaber der Firma „L. Kalkhof^, ist gestorben; seine Wittwe E l i s a b e t h a, geb. Knispel, führt das Geschäft Namens ihrer minderjährigen Kinder unter der seitherigen Firma fort. 2. Mayer Katz zu Steinbach bei Gießen, Inhaber der Firma gleichen Namens, ist gestorben; seine Söhne Max Katz zu Gießen und Isidor Katz zu Steinbach führen das Geschäft unter der Firma „Mayer Katz Söhne" fort. Die Firma Mayer Katz ist erloschen. Alle Activen und Passiven derselben gehen auf die nunmehrigen Geschäfts-Inhaber über. -3. Die unter der Firma G g- P h i l. Gail dahier bestandene offene Handelsgesellschaft der Herren Wilhelm Gail, Carl Gail und Erich Wasserschleben ist am 30. v. Mts. erloschen und das unter der genannten Firma bestehende Fabrikgeschäst von dem seitherigen Gesellschafter Herrn Wilhelm Gail mit sämmt- lichen Activen und Passiven und unter Beibehaltung der alten Firma übernommen worden. 4. Heinrich Freytag dahier betreibt unter der Firma gleichen Namens eine Agentur in Landesprodukten. 5. Die Firma „Fr. E. Fehsen- feld" dahier ist durch Aufgabe des Geschäfts Seitens des Inhabers erloschen. <6. Magnus Baltz zu Gießen führt das vorerwähnte Geschäft seit dem 1. d. Mts. unter der Firma: „Fehsenfeld's Universitäts-Buchhandlung und Antiquariat, M. Baltz" fort. Gießen, den 12. October 1885. Großh. Amtsgericht. Müller. 7378 Ieikgeöotenes. Strickwolle in guter Qualität, sowie Rock wolle pr. Pfd. Mk. 1.20 und höher empfehlen 6859 <*escliWe Heerz, Neuenweg 7. NB. 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October 1885. 7391 Für die innige Theilnahme an dem Verluste unseres unvergesslichen Corpsbruders Das Corps „StaHcenbMB*gia“ sowie für die zahlreiche Betheiligung bei der Beerdigung desselben sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. gemessenen Ferti im Deutschen g< Dar i Arm Stelle oder au Dar Gure-u. vy Die- 4 »nate, als- Diesels (lauem, unb entwerfen *nt « d» Der Ur Men: Freihar MWts- m technisches Nechu Unfertigen von - DieUn K°ßheiz°glichm Bedi 1. M jäbtiflt Bese Sun den Mun 605 billigen Preisen gerichtet. 7395 7210 7385 Bäten-, Papier- & Cigarrenhandlung. 1 Louis Stoss Giessen Bismarckstr. 7. Sensations-Drama in 4 Acten von Victorien Sardou, Deutsch von Paul Lindau. Die Direktion Bettfedern, Daunen und Rosshaare bester Qualität, empfiehlt zu Gesucht Wasserkraft c a. 100 Pferdekräfte mit großen Gebäuden und angrenzenden Grundstücken nahe einer Eisenbahnstation. Offerten mit genauer Beschreibung und Preisangabe sub R. T. 834 an Haascnv stein Bögler, Frankfurt a/M. 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