Mittwoch den 12 August Nr. 18S 1886 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. y y 1 Bienenzüchter. . * Freitag ab Fuller, Bleich- M 3t August «Me versteigert 1 ^omite. lei i und empfehle hhänser 5753 Anzeige, hier- n yfcM Hut, vamenstiet^ jKtuctuves2^_____ $11* W*s rl7*5i5- gel'^t- , unter °- —— sÄt»' < MI', ^' e-rr r vchuk§rraße 7. Erscheint tü^ttch mit rk»Sn«Hme drS MontMgs. VreiO vierteljäbrltch 2 Mark 20 Pf. mir Bnnyeri«Hk Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 kV IIM»’WSWBagPTO.M1JUJ LLI »Ml1 WH MW l.11U. Politische Uebersicht. Gießen, 11. August. Kaiser Wilhelm gedenkt an diesem Dienstag, den 11. August, seine Gasteiner Kur zu beendigen und am folgenden Tage Die Rückreise nach Berlin onzulreten. Nach dem vorläufigen Prograurm roirb der Kaiser die Fahrt in Salzburg unterbrechen, daselbst übernachten unb am nächsten Morgen die Reise direct nach Berlin, resp. Neu-Babelsberg, fortsetzen. Die jüngste hochpolitische, nach Paris gerichtete Kundgebung der „Nordd. Allg. Ztg." hat daselbst eine für die Gesinnnng Der Pariser Presse bezeichnende Aufnahme gefunden. Der betr. Artikel des Berliner officiösen Blattes wird von den meisten Zeitungen nur als ein Manöver der deutschen Regierung bezeichnet; darauf berechnet, bei den bevorstehenden allgemeinen Wahlen in Frankreich eine Rolle zu spielen. Andere Blätter meinen, diesen Ausfall der „Nordd. Allg. Ztg." solle die öffeniliche Meinung in Deutschland für die neuen Opfer vorbereiten, welche von Dem deutschen Reichstag verlangt werden würden. In Berlin ist man über diese Commentirung keineswegs überrascht, da man darauf vorbereitet war, daß ein Theil der französischen Presse den Spie6 umkehren und Deutschland anklagen würde, Beunruhigungen hervorrufln zu wollen. Man übergeht somit in Frankreich die Thallache, daß erst die französischen Wühlereien und Hetzereien, leider nur zu genügenden Grund zu Beunruhigungen gegeben. Im Auslande wird man sich über diese Art des Borgehens französischer Blätter nicht täuschen, und auch derjenige Theil der sranzösfichen Bevölkerung, für den dasselbe hauptsächlich wohl in erster Linie bestimmt war, wird sich durch die Verdrehung des Thatbestandes, wie dies jetzt in Frankreich versucht wird, nicht irre führen lassen. In Berlin ist am Montag die internationale Telegraphen- Conscrenz eröffnet worden, zu welcher fast sämmtliche civllisirte Nationen ihre Vertreter entsendet haben. Dieselbe gewinnt dadurch ein besonderes Interesse, daß auf ihr Deutschland mit seinen reformatorischen Vorschlägen auf dem Gebiete des internationalen Telegraphenwesens, die es schon auf der Londoner Telegraphen-Conferenz im Jahre 1879 machte und welche damals in Folge fiskalischer Bedenken nicht durchdrangen, wiederum hervorgetreten ist. Dieselben bezwecken eine weitere Vereinfachung des im internationalen Depeschen- verkchr bestehenden Tarifsystemü, und zwar wird deutscherseits für jedes Tele- g.ramm eine Gcundtaxe von 50 Centimes und eine Worttaxe von 20 Centimes rorgeichlagen, wobei für Beförderung mittelst Seekabels eine Zuschlagstaxe hinzutreten kann. Die Transit'Gebühren sollen in Land- und Seetransit-Gebühren zsrfallen und hierbei die ersteren für die eigentlichen Transit-Länder, wie Belgien, Dänemark, Griechenland, Schweiz u. s. w. 2 Centimes für stdes Wort, für Deutschland, Frankreich, Oesterreich-Ungarn, England, Italien, Rußland u. s. w. 4- Centimes für jedes Wort betragen. Den Anträgen ist eine Begründung beige!egt, welche in klarer, überzeugender Weise den deutschen Vorschlägen namentlich vom finanziellen Standpunkte aus gemachten Einwendungen entgegentritt und man darf daher wohl erwarten, daß die dMschen Anträge in Anbetracht dessen, daß sie eine bedeutendere und allgemeinere Ausdehnung des Telegraphen-Verkehrs zwischen den Ländern Europas bezwecken, als dies bisher der Fall war, diesmal auf der Berliner Telegraphen-Conferenz den wünschens- werthen Erfolg haben werden. Nachdem nunmehr die Gasteiner Begegnung des Kaisers Wilhelm mit Kaiser Franz Josef wieder der Vergangenheit angehört, zieht die bevorstehende Zusammenkunft zwischen dem österreichischen und dem russischen Herrscher Die allgemeine Aufmerksamkeit aus sich. Dieselbe findet bekanntlich in der - zweiten Hälfte dieses Monats in dem mährischen Landstädtchen Kremsier statt, - welches somit durch das in seinen Mauern bevorstehende Ereigniß urplötzlich aus seinem bisherigen stillen Dasein heraustritt. Bereits werden in Kremsier l die nöchigen Vorbereitungen getroffen; die dortigen Hotels sind von einem Beamten des Wiener Obersthofmeister-Amtes für die Zeit vom 15. bis zum 30 August gemiethet und die Renovirungs-Arbeiten im dortigen sürsterzbischöf- üchen Schlosse, wo jedenfalls die Besprechungen zwischen den beiden Kaisern und den sie begleitenden Ministern vor sich gehen werden, sind nahezu vollendet. Roch im Laufe dieser Woche wird ein Infanterie-Regiment in Kremsier erwartet and soll dasselbe in den Baulichkeiten der Reitschule einquartirt werden. Da vas russische Kaiserpaar für den 24. August in Kiew erwartet wird, so dürfte die Zusammenkunft in Kremsier noch einige Tage vor diesem Termine stattfinden. Lzar Alexander, welcher zur Zeit mit seiner Gemahlin in Finnland weilt, wird ich, wie man vernimmt, von Helsingfors zunächst nach Warschau und dann nach Kremsier begeben, von wo aus die russischen Majestäten die Weiterreise nach Südrußland und Kiew sortsetzen. Herr v. Giers, der russische Minister ies Auswärtigen, welcher in voriger Woche zur Kur in Franzensbad einge- Iroffen ist, sowie Graf Kalnoky, der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreich-Ungarns, und Ministerpräsident Gras Taaffe werden nach den bis- lerigen Dispositionen in Kremsier mit anwesend sein und dieser Umstand allein deutet schon auf den hochpolitischen Charakter der Zusammenkunft zwischen Kaiser Franz Joses und Kaiser Alexander III. hin. Die parlamentarische Session in Frankreich ist am vorigen Donnerstag geschlossen worden, nachdem noch kurz vorher eine ganze Reihe von Vorlagen Seitens der Kammern in aller Hast erledigt worden war. Da die Neuwahlen für die Deputirtenkammer auf den 4. October anberaumt worden smd, so liegt zwischen dem Schluß Der Session und den Wahlen ein Zeitraum von gerade zwei Monaten und in Anbelracht dieser verhältnißmäßig kurzen Frist werden die französischen Parteien jedenfalls nunmehr mit allen Kräften in die Wahlbewegung eintreten und diese wird sonach in den kommenden Wochen die politische Situation in Frankreich vollständig beherrschen. Wie im vorigen Jahre, so kommen nun auch jetzt wieder täglich Cholera-Bulletins aus Marseille, der sicherste Beweis, daß sich die Marseiller Behörden nun doch zur amtlichen Anerkennung be£ Ausbruches der Seuche haben gezwungen gesehen. Die Cholera-Epidemie in Spanien trägt einen ungemein heftigen Charakter, wovon die Zahl der täglichen Erkrankungen und Todesfälle ein leider nur zu beredtes Zeugniß ablegt. So wurden beispielsweise am 5. August 4113 Erkrankungen unö 1668 Todesfälle an Cholera osficiell gemeldet; diese Ziffern umfassen aber nur 17 Provinzen, da aber d'.e Epidemie fast das ganze Königreich ergriffen hat, so stellt sich die Zahl der täglichen Erkrankungen und Todesfälle an der Cholera jedenfalls noch weit höher. Namentlich schwer heim- gesucht wird gegenwärtig die Provinz Barcelona, während in Den Provinzen Murcia und Valencia die Seuche nahezu erloschen ist. Das englische Parlament erledigt die noch übrigen Gesetzvorlagen jetzt in einem Tempo, welches darauf schließen läßt, daß es Die ehrenwerthen Parlaments-Mitglieder allgemein nach Meeresbrise und Hochlandsluft zieht und daß das Ende der Session unmittelbar bevorsteht. Von wichtigeren Vorlagen sind in den letzten Tagen vom Unterhause noch angenommen worden: Die Mäd- cheuschutz-Bill, der irische Landkauf-Entwurf, die australische Bundesraths-Bill und zuletzt das vom Staatssecretär für Indien, Churchill, vorgelegte indische Budget. Von Interesse sind die Erklärungen,-welche Churchill bei letzterem abgab und die zunächst die Mehrausgaben beim indischen Budget hauptsächlich durch die beträchtliche Verstärkung des anglo-indischen Heeres begründen. Dann aber hat Lord Chürchill eine förmliche parlamentarische Untersuchung des bisherigen Verwaltungs-Systems in Indien für nächste Session angekündigt und scheinen demnach tiefgreifende VeränDerungen in der Verwaltung des anglo-indi- schen Reiches in Aussicht zu stehm. In der afghanischen Grenzfrage herrschen wieder einmal friedliche Klänge vor. Die „Morning Post" erfährt, daß die neuesten von Petersburg in London eingelaufenen Depeschen höchst versöhnlich seien und die Aussicht auf eine möglicherweise unverzügliche Lösung der afghanischen Frage eröffneten. Den „Daily News" zufolge betrachtet man im Londoner auswärtigen Amte die Frage des Schiedsgerichts in der Pendjeh - Angelegenheit als definitiv fallen gelassen. Keutschland. Berlin, 10. August. Der „Reichs-Anzeiger" schreibt: Von der Kreuzerkorvette „Augusta", welche mit den Ablösungs-Commandos für die australische Station an Bord in der Nacht vom 1. zum 2. Juni die Insel Perim im Rothen Meere verließ, um nach Albany in Westaustralien zu gehen, sind seitdem Nachrichten hier nicht eingegangen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Schiff mit dem „Cyclon", der am 3. Juni von Bombay kommend, Aden erreicht hatte, in Berührung gekommen ist. Wenn hiernach auch zu schließen ist, daß das Schiff durch widrige Umstände verhindert wurde, die Reise in der gewöhnlichen Weise durchzuführen, so liegt doch kein Grund vor, anzunehmen, daß das Schiff nicht noch sein Reiseziel aus einer weiteren, die Zone des Südost- monsoons umgehenden Tour erreichen wird. England. London, 10. August. Im Unterhause erklärte Bourke, der Regierung lägen keine Nachrichten vor, welche die Mittheilungen der „Times" über deutsche Annexionen in der Nähe von Zanzibar bestätigten; im Gegentheil, die Häuptlinge jenes Gebietes seien gegen den Sultan loyal gesinnt und erkennten die Souveränität desselben an. Von einer Einschüchterung des Sultans von Zanzibar Seitens Deutschlands ist Bourke nichts bekannt. Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau. Darmstadt, 10. August. Fürst Alexander von Bulgarien, der mehrere Tage in Jugenheim bei seinem Vater, dem Prinzen Alexander von Hessen, verweilt hat, ift gestern über Wien nach Bulgarien zurückgereist. Berlin, 10. August. Die internationale Telegraphenconserenz wurde heute durch Dr. Stephan eröffnet. 33 Staaten und 17 Kabelgesellschaften sind durch 72 Delegirte vertreten. Aus Vorschlag Englands wurde Stephan zum Präsidenten^ General-Telegraphen-Director Hake zum Vicepräsidenten gewählt und die Geschäftsordnung der Londoner Conferenz angenommen. 2 Commissionen für Tarife und für Betrieb und Technik wurden eingesetzt, welche sofort ihre Arbeiten beginnen. Wegen des sehr umfassenden Materials dürften die Berathungen 4 bis 6 Wochen erfordern. Der Vorsitzende gedachte mit warmen Worten der Verstorbenen, zu deren Andenken sich die Versammlung erhob. Der norwegische Generaldirector Kielsen gab eine Uebersicht über die Ergebnisse der bisherigen Conferenzcn. Ter Chef des internationalen Bureaus Curchow berichtet über die Vorlage betreffend die Statistik elektrischer Messungen, atmosphärischer Ströme und Blitzschläge. Morgen Sitzung. Berlin, 10. August- Tie Rede, mit welcher staatssecretär Dr. v. Stephan die internationale Telegraphen-Conseren; eröffnete, lautet: Meine Herren! Durch den Beschluß der auf der Londoner Coirferenz vom Jahre 1879 vertreten gewesenen Regierungen ist Deutschland die Ehre zu Theil geworden, bie jetzige internationale Telegraphen-Conferenz in den Mauern seiner Hauptstadt zu empfangen. Aus allen Ländern Europa's, aus allen Welttheilen hat diese zahlreiche und glänzende Versammlung in Vertretung der hohen Negierungen sich hier vereinigt, um ihre gemeinsame Arbeit der weiteren Vervollkommnung des großen Verkehrs- und Kulturinstituts zu widmen, welches die Wissenschaft unseres Jahrhunderts der Menschheit errungen hat. Ich brauche die Aufrichtigkeit meiner Freude nicht zu versichern darüber, daß Se. Majestät der Kaiser, mein erhabener Herr, mich zu der Ehre berufen hat, Sie in Seinem Namen willkommen zu heißen und an Ihren Berathungen Theil zu nehmen. Wenn es zu den angenehmsten Aufgaben einer Negierung gehört, bei der Pflege derjenigen Einrichtungen mitzuwirken, welche die Ergebnisse der Wissenschaft und die fortschreitenden Erfahrungen der Technik für die Völker des Erdballs nutzbar machen, so ist diese Pflicht besonders befriedigend bei der Fürsorge für die Verkehrsanstalten, weil das Ziel derselben ein wohlthätiges und in seinem Wesen so klar oor- gezeichnetes ist, daß Zweifel und Widerstreit der Meinungen hierüber kaum bestehen können. Die Bedeutung der Telegraphie für die Kultur ist in fortwährendem Wachsen begriffen. Ich kann mich begnügen, darauf hinzuweisen, daß die gemeinsame Wirksamkeit aller Telegraphen-Verwaltungen und Gesellschaften die Drähte, welche dem menschlichen Gedanken den schnellsten Weg gewähren, zu einem immer umfangreicheren und dichteren Netze verflochten bat. Die Westküste von Mittel- und Süd-Amerrka, der Osten und Süden von Afrika sind mit dem allgemeinen Telegraphennetz in Verbindung gebracht. Auf den alten Stätten der Kultur sind neue Stationen zu Tausenden eröffnet, so daß selbst kleine Ortschaften die Vortheile der telegraphischen Nachrtchten- vermittelung genießen können. In Australien hat der Ueberland-Telegraph den ganzen Welttheil dilrchzogen, Tasmanien und Neuseeland sind mit dein Netz verbunden; in Amerika sind die Kordilleren überschritten; die Linien des russischen Reichs sind bis zu den östlichen Gestaden Asiens geführt, und auch in China hat der schnellste Träaer des Gedankens seinen siegreichen Einzug gehalten. Dem Unternehmungsgeist und der Rührigkeit der Kabelgesellschaften verdanken wir neue und werthvolle unterseeische Verbindungen. Unser Verein ist durch den Beitritt mehrerer Staaten und Kolonien aus Asien, Afrika und Australien erweitert worden. Die Ausstellungen in Paris, London, München, Wien, Turm, Philadelphia, Pest, Antwerpen rc. haben in ihren der Elektrotechnik gewidmeten Abteilungen die Fortschritte dargethan, welche der Erfindungsgeist auf diesem Gebiete gemacht hat und denen wir unsere Ern- richtungen in Verwaltung und Betrieb anzupassen haben werden. In dem Fernsprecher ist dem telegraphischen Verkehr ein anderweites Organ der Nachrtchten- vermittelung zur Verfügung gestellt, welches bereits bedeutende Ergebnisse aufzu- weisen hat und unzweifelhaft noch einer großen Zukunft entgegengeht. Gleich dem Telegraphen im Anfang ein Luxus, ist er bereits ein Gebrauch geworden; er muß eine Gewohnheit werden. Zu den Aufgaben der allgemeinen Telegraphen- Eonfercuz hat es stets gehört und wird es auch jetzt gehören, eine immer größere Verallgemeinerung des Gebrauchs des Telegraphen durch zweckmäßige Dienstvorschriften und durch einen einfachen und mäßigen Tarif herbeizuführen. Die Londoner Con- ferenz bat die Annahme des Worttarifs im Princip gebracht. Möge es gelingen, meine Herren, daß als Ergebniß unserer Arbeiten ein weiterer Fortschritt verzeichnet werden fami, namentlich in der Richtung, den Telegraphen immer mehr in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und seine Zugänglichkeit für alle, auch die minder begüterten Volksklassen zu erleichtern. Bei dem Geiste der Versöhnlichkeit, welcher sich in den bisherigen Telegraphen-Conferenzen stets geoffenbart und welcher es ermöglicht hat, eine so große über den Erdball verbreitete Anzahl von Verkchrsanlagen mit so verschiedenen Einrichtungen bisher zur Annahme gemeinsamer Grundsätze zu einigen, zweifle ich nicht, daß auch etwa neu zur Erscheinung kommende Schwierigkeiten sich beim entgegenkommenden Austausch der Meinungen werden überwinden lassen. Mit der Versicherung, daß Sie, meine Herren, der deutschen Nation und der Stadt Berlin erwünschte und geehrte Gäste sind, erkläre ich die internationale Telegraphen-Eonferenz von Berlin für eröffnet, und bitte Sie, sich durch Ernennung eines mit der Leitung Ihrer Arbeiten zu betrauenden Präsidenten und der Schriftführer jetzt zu con- Eisenach, 10. August. Die von dem Reichversicherungsamt berufenen Versammlungen der Directoren sämmtlicher Privat- und Straßenbahnen beschlossen definitiv die Bildung einheitlicher Berufsgenossenschaften. t c Gastein, 10. August. Der Kaiser nahm heute das vorletzte Bad und promemrte sodann mit dem Flügeladjutanten Petersdorfs. Zur Tafel erschienen die Großherzogin von Weimar mit Gefolge, Prinz und Prinzessin Reuß, Staatsmimster Bötticher mit Gemahlin und Gräfin Lehndorff. Der Botschafter von Radowitz ist zum Kurgebrauche hier eiimetroffeMo Der Fürst von Bulgarien traf hier ein, stattete Kalnoky einen längeren Besuch ab und reiste dann weiter nach Sofia. Luzern, 10. August. Die hiesige Versammlung schweizerischer Gewerbevereine sprach sich gegen die Kündigung des deutsch-schweizerischen Handelsvertrages aus. PariS, IO. August. Ein Telegramm der „Agence Havas" meldet: Briefe aus Keelung zufolge ist Keelung am 22. Juni geräumt worden. Bald nach dem Abmarsch der französischen Truppen besetzten die Chinesen die Stadt, plünderten sofort die Niederlassungen der dort wohnenden Europäer und zerstörten die Baracken der französischen Truppen. Die englischen Kaufleute verlangen von den Chinesen Schadenersatz. Paris, 10. August. Eine Depesche Courcy's meldet, daß die Führer der Schwarzflaggen aus Tongking verschwunden seien und ihre Banden sich augenblicklich zerstreut hätten. -- Mehrere Cholerafälle sind in dem Hospitat von Haiphong vorgekommen. — Der Bischof von Quinhon zeigte an, daß fünf Missionäre und viele Christen in den Provinzen Bindinh und Phuen niedergemetzelt seien; 8000 Christen flüchteten nach der Concession (für Europäer reservirtes Gebiet) bei Quinhon und wurden dort von den Franzosen ausgenommen. General Prudhomme begab sich nach Quinhon. Marseille, 10. August. Im Laufe des heutigen Tages kamen 35 Todesfälle an Cholera vor. Gibraltar, 10. August. sTelegramm des Reuter'schen Bureaus.j Es ist ein Todesfall unter choleraartigen Symptomen im hiesigen Civilhospital vorgekommen. — Die spanischen Behörden zogen einen Cordon auf der Landseite. HelstNtzsors, 10. August. Gestern Vormittag hielt der Kaiser über die auf der Rhede befindlichen Kriegsschiffe Revue. Abends fand bei dem Kaiserpaar ein Paradediner zu 171 Couverts statt, alsdann auf dem Schloßhof eine Serenade der Studenten. Helstngfors, 10. August: Das russilche Kaiserpaar begab sich um 5 Uhr Nachmittags unter enthusiastischen Hochrufen der Bevölkerung an Bord der „Dershawa", welche bald darauf die Anker lichtete. Eine Deputation von Studenten überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß. Zur Geschichte und Natur der Streiks. ii. Zu Ende der sechsziger Jahre hatten die in Lancashire und anderen englischen Jndustriedistricten eingeleiteten Untersuchungen über verbrecherische Gewaltthätigkeiten der gewerblichen Unionen oder Arbeiterverbindungen gegen Unternehmer und Arbeiter, die öffentliche Meinung, die früher vielfach für die feiernden Arbeiter Partei nahm, sehr zu Ungunsten der Streiks umgestimmt. Es zeigte sich damals, daß ein förmliches System der Einschüchterung und Bestrafung wegen Unternehmer und Arbeiter, welche sich den „Regulativen" der Unionen nicht fügen wollten, Jahre lang durchgeführt worden war. Als das schwerste Vergehen der Unternehmer wurde die Verwendung von „freien", nicht zur Union gehörigen Arbeitern betrachtet. Die Uebertreter der Regulative würben erst verwarnt und, wenn das nicht half, bestraft. Die Strafen steigerten sich vom einfachen Zerstören der Werkzeuge, Maschinen und Rohstoffe bis zum Jndieluftsprengen der Fabrik- und Wohngebäude, von der einfachen Mißhandlung der „Schuldigen" durch Faust und Stock bis zum wohlüberlegten und kaltblütig ausgeführten Mord. Daß ein solcher Zustand der Dinge, eine solche Organisation der Barbarei inmitten der civilisirten Industrie Jahre lang existiren konnte, ohne daß das Publikum mehr als halbe Andeutungen und schüchterne Winke darüber erhielt, beweist mehr als alles Andere, wie tief jene Schreckensherrschaft in den Manufacturdistricten bereits Wurzel geschlagen hatte. Der Traum der „Arbeiter-Dictatur", welcher die idealistischen Communistenführer Jahre lang beherrschte, hatte sich in den englischen Manufacturdistricten bis zu einer gewissen Ausdehnung bereits verwirklicht; aber er nahm sich in der Wirk lichkeit so häßlich aus, daß man eS dem englischen Volke nicht übel nehmen konnte wenn es ungestüm verlangte, daß jene wüsten Träumer auf den festen Boden des gesunden Menschenverstandes und des beschränkenden Gesetzes zurückgeführt werden müßten, und zwar mit Güte oder Zwang. Das ist denn auch geschehen. Die Frage, welche auf legislativem Wege gelöst werden mußte, und in allen englischen Gesellschaftskreisen lebhaft discutirt wurde, war: Inwieweit können die Arbeiteroerbindungen (die Trades-Unions) einen Platz in dem System der industriellen und persönlichen Freiheit finden, und inwieweit sind sie mit der öffentlichen Sicherheit verträglich? Das Gesetz hat diese Frage im Sinne der Freiheit und Ordnung gelöst. Gegenwärtig nehmen die Streiks auch in England einen ruhigeren Verlauf als früher. Sobald den Unionen die Mittel zur Einschüchterung und zur gesetzlosen Gewaltthätigkeit entzogen werden, ist es vorüber mit ihrer Dictatur, welche auch die Interessen der Arbeiter schädigt. Dies zeigte sich im Herbste 1867 recht augenfällig im Verlaufe eines Londoner Schneider-Streiks. Nachdem die Mitglieder des zur Durchführung dieses Streiks niedergesetzten Ausschusses verurtheilt und von der richterlichen Autorität entschieden worden war, daß die angewandten.Einschüchterungsmittel ungesetzlich und als Verbrechen zu bestrafen seien, beschlossen sie zwar, den Streik fortzusetzen, aber ihre Macht war gebrochen. Niemand bekümmerte sich darum, ob sie bei ihrer Arbeitseinstellung verharren würden oder nicht, am wenigsten die Meister, die, von dem gegen sie ausgeübten Zwange befreit, sofort andere Arbeiter anstellten und bald mit genügender Arbeitskraft versehen waren. Als dann die Beiträge von anderen Unionen sparsamer flössen und ein beträchtlicher Theil der Arbeitseinsteller sich bereit erklärte, zu den Werkstellen zurückkehren zu wollen, erfolgte die Antwort: „Nicht mehr nöthig! (Not more wanted!)" Wie viel Jammer und Elend für die betroffenen Arbeiterfamilien schlossen diese Worte ein! Die bei so vielen Streiks gemachten schlimmen Erfahrungen haben in einem großen Theile des englischen Arbeiterstandes eine heilsame Reaction zur Folge gehabt. Der Widerwille vieler Arbeiter gegen die ohne ihr Wissen verübten Gewaltthätigkeiten gewissenloser Führer und Agitatoren führte in mehreren Gegenden zur Bildung von Gegen - Unionen. Als die Kohlenarbeiter in Yorkshire im Jahre 1868 höhere Löhne verlangten und die benachbarten Kohlenarbeiter in Derbyshire gleichfalls zum Niedcrlegen ihrer Arbeit zwingen wollten, erklärte sich ein großer Theil derselben gegen diesen Zwang und berief eine Versammlung, welche die beachtenswerthe Erklärung beschloß: „Daß die Arbeiter-Unionen Zwietracht zwischen Fabrikherrn und Arbeiter säen, daß sie ihre Mitglieder auf einen Zustand der Sclaverei zurückführen, daß sie häufig die Industrie, die ihnen Brot für ihre Familien gibt, vernichten und daß es im gegenseitigen Interesse sowohl der Arbeitgeber wie der Arbeiter sei, Vertrauen und das vollkommenste Wohlwollen zu einander zu allen Zeiten xu pflegen". Wenige Tage nach dieser Versammlung erhob sich die Mitglicderzahl der Gegen-Association der Kohlenarbeiter in Derbyshire, welche in Opposition gegen die Arbeiter in Yorkshire ihre Arbeit forschten, von 600 auf 1050. So bildete die Freiheit des Versammlungsrechts der Arbeiter selbst das Correctiv gegen den Mißbrauch dieses Rechts. Ein Schwurgericht im 18. Jahrhundert. In den altländischen Provinzen Preußens wurden die Schwurgerichte erst 1849 eingeführt, mit Ausschluß der sie schon vier Jahrzehnte länger besitzenden Rheinprovinz. Dennoch ist schon weit früher, 1767 in Berlin eine Anklagesache von Geschworenen abgeurtheilt worden. Da diese Thatsache nur wenig bekannt und die Sachlage von allgemeinem Interesse ist, so möchte eine kurze Mittheilung darüber gestattet sein. Inmitten des siebenjährigen Krieges gründete der Berliner Kaufmann Gotzowski die große, wenig später Königliche, Porzellan-Manufactur. Da es in Berlin an geeigneten. Arbeitern für dieselbe fehlte, machte Friedrich der Große kurzen Proceß. Er ließ eine Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen der Fabrik in Meißen unter militärischer Eskorte, gleichsam als Kriegsgefangene abführen und in die Berliner Manufactur bringen. Ihre, was die Löhnung anbelangt, günstige Stellung war an einigerecht lästige Bedingungen geknüpft, strenge Geheimhaltung der Porzellanfabrikation und siebenjährige Dienstzeit, während deren sie Berlin nicht verlassen und die Mädchen unter ihnen keinen Nichtpreußen heirathen durften. Der im Februar 1763 zwischen Preußen und Sachsen abgeschlossene Friede änderte die Lage der unfreiwilligen Arbeiter nicht. Unter diesen befand sich die Malerin Sophie Mansfeld, deren Verlobter, ein junger Theologe, ihr plötzlich schrieb, daß er im sächsischen Erzgebirge ein Pfarramt erhalten hätte. Ihre Hochzeit könnte jetzt gefeiert werden und Sophie möchte nach Dresden kommen. Doch von den 7 Jahren ihres Dienstvertrages, zu denen der ihr aufgedrungene Eontract sie verpflichtete, waren erst 3 verflossen und die Direction der Fabrik, die sie um Entlassung bat, lehnte ihre Bitte entschieden ab. Um diese Zeit kam zu Friedrich dem Großen ein Engländer und zeigte ihm Proben eines von ihm erfundenen, verbesserten französischen Porzellans. Er bot dem Monarchen seine Dienste an und versprach, mit dem Berliner Porzellan eine gleiche Verbesserung vorzunehmen. Der König schickte ihn in die Fabrik, in Begleitung eines polnischen Grafen Laninski, der Friedrichs Vertrauen und Freundschaft genoß. Beide sahen Sophie Mansfeld und als sie den Grund ihres Kummers erfahren hatten, erklärte der aufbrausende Pole: das Loos der sächsischen Arbeiter in der Berliner Porzellanfabrik sei „Sclaverei" und das von preußischer Seite gegen sie beobachtete Verfahren eine „Tyranney". Diese Aeußerung wurde dem Könige hinterbracht. Dann sprach man bei Tafel von einer englischen Copie der berühmten Barbarinischen Vase. Der König erklärte, daß binnen Monatsfrist in seiner Fabrik eine ebenso schöne Copie zu fertigen sei. Dabei sah er den Grafen Laninski an und sagte: „Apropos, die Sophie Mansfeld. Die Malerei auf der Vase soll der Preis der Entbindung von ihrem Contracte sein!" Voller Freude vom Könige dazu ermächtigt, theilte Laninski es der jungen Künstlerin mit. Sie malte die Vase, stellte die Arbeit rechtzeitig her, und als das Kunstwerk nach Ablauf eines Monats in Friedrichs Gemächer gebracht wurde, bezeigte er seine volle Zufriedenheit. Sophie war jetzt frei, aus ihrem Contracte entlassen, doch befahl der Monarch, sie „unter militärischer Escorte" nach Sachsen zu bringen. Als Geschenk an einen französischen Staatsmann, der in der Gunst Ludwigs XV. stand, sollte die Vase nach Frankreich kommen. Sie trug die vom Grafen Laninski erdachte und von ihm selbst — er war auch Maler — darauf gemalte Inschrift: „A rdternelle gloire de Fr6d4ric le Grand4 (Zum ewigen Ruhme Friedrichs des Großen.) Beim Einpacken, das von Bernhard Salomon, einem Werkmeister der Porzellanfabrik, geleitet wurde, rieb sich die blaue Grundfarbe dieser Inschrift ab und hinter dem Worte „Grand“ erschien nun, anscheinend gleichfalls von Laninski's Hand, das Wort „tyran“. Die Inschrift hieß also jetzt: „Zum ewigen Ruhme Friedrichs des großen Tyrannen." Hebei- diese Schmähung, die ihn dem Spotte des Empfängers der Vase und des spottsüchtigen französischen Hofes ausgesetzt hätte, war der König höchst aufgebracht. Er übergab ihren Urheber dem Gerichte, das den Grafen, ohne auf dessen Unschuldsbetheuerungen zu hören, als Majestätsbeleidiger zu vierjähriger Festungshaft und späterer Verbannung aus Preußen oerurthcilte. Friedrich bestätigte diesen Spruch und schickte den Grafen nach Spandau. Das Aufsehen darüber war groß, die Theilnahme allgemein und besonders jener Engländer, der zuerst in Laninski's Begleitung die Porzellanmanufactur betreten und dort eine Anstellung gefunden hatte, erklärte entschieden: das Urtbeil sei ungerecht, der Graf unschuldig verurtheilt; ein englisches Schwurgericht hätte ihn freigesprochen. Das hörte der König; er war aufgebracht und betroffen zugleich. Der Engländer mußte kommen und Friedrich fragte ihn: „Er meint also, daß Laninski unschuldig ist und von einem Schwurgerichte freigesprocheu wäre? Ich hätte Lust, Ihm das Gegentheil zu beweisen. Wenn ich nun eine Jury zusammenberiefe und Ihm die Führung der Sache deS von Ihm so warm Vertheidigten übertrüge? Aber wohl gemerkt, wenn es ihm nicht gelänge, Seinen Klienten loszubringen, müßte er auf zwei Jahre ins Lock spazieren, weil Er mit Unrecht an der Gerechtigkeit meiner Nickler gezweifelt und diese gröblich beleidigt hat. Hätte Er Lust, unter dieser Bedingung der Advokat des Laninski zu sein?" „Ja wohl, Majestät", sagte der Engländer bescheiden, aber fest. „9lun, so soll Er Seinen Willen haben, sehe Er zu, wie Er fertig wird." "feit Sobt'X'0* b,5x Hetzen. Die^ ^beiterÄ; Hetzen und Är’F »‘•«35 MWb” ■Äf« atS 'u?fi*b”« ’ wenigsten k;' er Siu11 ble 8* ®°fen, erfolgte bte ImiIitl' Wofien biefe ™ F »ol«e Abt. 11 ®e»«ltt6«tigtrit(n . WS hohen Löhne Wfe ium Sieberlegen lWen biefen jnnin« ™»b»6: „$0 > sie ihre dir ^nbuftiie, ino das vollkommenste W nach dieser 'Her; der Kohlenarbeiter in ntzreArbeit forschten, chks der Arbeiter selbst tri wurgeridjte erst IM henden Rhe/nproomz. he von Geschworenen nd die Sachlage von irüber gestaltet fein, fmann Gvtzowski die r Berlin an geeigneten eß. Er ließ eincAnzahI scher Eskorte, gleichsam ringen. Ihre, ms die Bedingungen gtW, ge Dienstzeit, wahrend ien keinen NiWM id Sachfen abgeschlvnm ater diesen befand fud ■ Theologe, ihr plöhbt : hätte. Ihre W ommen. 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Die Arbeiter bezeugten die Fertigung der Inschrift durch den Grafen und ihre Beschäftigung mit der Vase, bevor sie in den Glasurosen gekommen war. Der Vertheidiger des Grafen, jener Engländer, begann dann nach englischer Sitte das Gegenverhör. Es wurde ermittelt: Vor Einbringung in den Glafurofen hatte die Vase kurze Zeit unbewacht gestanden; dann war sie nicht genau an dieselbe Stelle wie vorher gekommen. Ferner kam jetzt zur Sprache, daß Salomon bei der Vase gesehen worden und sie aufmerksam betrachtet hatte; baß er sie vermuthlich auch in der Hand gehabt und an jenen anderen Platz gestellt. Er wollte leugnen, aber ein Droguenhandler aus der Klosterstraße, den der Engländer ermittelt und als Zeugen gerufen hatte, machte ihn stumm. Der Händler sagte aus- Ein Mann, in dem er Salomon erkannte, habe bet ihm blaue Farbe gekauft und sie auf einem Stückchen Papier probirt. Dasselbe war im Laden geblieben, vom Droguenhändler zufällig aufbewahrt und wurde jetzt vorgezeigt. Em Chemiker »erklärte daß die Farbe auf dem Papier mit der auf der Vase befindlichen überein- stimmend sei und ein Schreibkundiger des Kammergerichts bezeugte, daß das Wort Tyraim" das als Schreibprobe auf dem Papier stand, genau den Schriftzügen auf der Vase glich. Endlich kam noch zu Platz: Einst hatte Salomon, weil er sich frech benommen, von Laninski eine Ohrfeige erhalten und zu einem Arbeiter gesagt, daß cr's dem Grafen gedenken werde. Das hatte dieser bei der Untersuchung nicht erwähnt, da man ihm Salomon nicht als Denuncianten, sondern als Belastungszeugen bezeichnet hatte. , r , . „ ,,, . . ... Auf Grund dieser Ermittelungen sprach das Gericht und zwar einstimmig, em „Nichtschuldig" über Lauinski aus. Der König, das frühere Urtheil vernichtend, bestätigte den Spruch der Geschworenen und beschenkte den Engländer mit einer namhaften Summe. Die Vase wurde zertrümmert und der Graf sofort in Freiheit gesetzt. Den bereits erlittenen Festungsarrest gebot ihm Friedrich als Strafe für sein „unbefugtes Raisonniren in Angelegenheiten der Mansfeld über die Arbeiter der Porzellan-Fabrik" in betrachten. Salomon aber mußte am Pranger stehen und wurde wegen „gemeiner .Rache an Laninski und frevelhafter Hinzufügung des anscheinend von Laninski, aber m Wirklichkeit von ihm geschriebenen Wortes Tyrann", sowie wegen wissentlich falscher Anzeige und Majestätsbeleidigung ins Zuchthaus geschickt. Das ist die Geschichte des ersten Schwurgerichts in Preußen. Allmälig gerieth ber Vorfall in Vergessenheit. Ihn derselben zu entziehen, dürste um so angemessener sein, da auch dieser Vorgang ein Beweis für das Rechtsgefühl Friedrichs des Großen ist. (N. Bad. Ldztg.) vermischte-. Darmstadt, 8. August. Das Verbot des Besuches von Wirthshäusern und -öffentlichen Tanzlokalen seitens schulpflichtiger Kinder, wie es in der Polizeiverordnung Dom 2. Januar 1882 bestimmt ist, wird vom Großh. Kreisamt Darmstadt neuerdings ht Erinnerung gebracht. Mit Geldstrafe bis zu 30 Jt eoent. mit entsprechender Haft werden die Besitzer oder Verwalter von Gast- und Schankwirthschaften, sowie öffentlichen Tanzlokalen bestraft, welche gestalten, daß schulpflichtige Kinder ohne Begleitung ihrer Eltern oder Vormünder rc. sich in ihren Wirths- oder Tanzlokalen aufhalten bezw. dieselben aus ihnen nicht alsbald entfernen. — Eine umfangreiche Revision nach verdorbenem Obst und schlechter Butter sand auch heute seitens der Polizei auf dem Markte statt. Den energischen Bemühungen der Behörde ist es gelungen, die gewissenlosen Verkäufer solcher gesundheitsschädlichen Waare mehr und mehr von dem Markte zu verdrängen. — sVacante Stellen für Militäranwarter im Bezirke des 11. Armee-Corps.si Altena (Westfalen), Magistrat, Polizeisergeant und Gesangenausseher, 900 „4t und freie Wohnung. — Cassel, Postamt, Postverwaltcr, während der Probezeit 2 50 Tagegeld, bei der Anstellung Gchait von 1000 Jt jährlich und Wohnungsgeldzuschuß — Gießen, Postamt, Stadtpostbote, 750 Jt Gehalt und 144 Jt Wohnungsgeld * zuschuß. — Lüdenscheid, Magistrat, Polizeidiener, 900 Jt Gehalt und einige nicht garantirte Nebeneinnahmcn. — Weimar, Gensdarmerie - Commando, Fußgensdarm 3. Classe, 1000 jt und 180 Jt Dienstaufwandvergütung. — Wiesbaden, Wilhelms- Heilanstalt, Badediener, 720 Jt neben freier Wohnung und den Fcuerungs- und Erleuchtungsdeputaten von 27 Centner Steinkohlen, 22 Kloben Weichholz und 30 Pfund Petroleum. — Wiesbaden, Bürgermeisteramt, Feldschütz, 1040 jt Gehalt und 54 Jt Vergütung für Dienstkleidungsstücke. Lebcnsversicherungs- und Ersparnih-Bank Stuttgart. Zu der ersten Jahreshälfte von 1885 sind bei dieser Bank 2459 Anträge mit Jt 14,100,000 eingereicht worden und der reine Versicherungsstand hat sich von Jt 224,383,000 auf Jt 232,000,000 gehoben. Die Sterblichkeit erforderte bis jetzt ca. Jt 1,444,000, während die Prämien- Einnahmen ca. 5 Millionen Jt betragen; das Verhältniß ist hiernach als sehr günstig zu bezeichnen, besonders wenn in Betracht gezogen wirb. daß bei dem Alter der Anstalt für Viele der Verstorbenen sehr erkleckliche Reserven angesammelt waren. Die Ueberschüsse werden den Versicherten unverkürzt zurückvergütet und können solche je nach der Wahl der Versicherten von Anfang an in vollem Maße oder in steigender Weise bezogen werden. Die letztere Form ist für die meisten Verhältnisse vorzuziehen, weil der Versicherte mit jedem Jahre mehr entlastet wird und nach vierunddreißigjähriger Versichcrungsdauer voraussichtlich nichts mehr zu bezahlen haben wird. Nach dieser Zeit hat derselbe sogar eine alljährlich steigende Rente zu gewärtigen. Sterbefälle werden sofort geregelt. Handel und Verkehr. Gießen, den 11. August. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund Jt 0.80—1.00, Hühnereier pr. Stck. 5—6 H, Enteneier St. 0—0 Käse pr. St. 4—8 4,, Käsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 22 Linsen 30 H, Tauben per Paar 0,50 bis 0,70 Hühner per Stück Jt 0 85—1.20, Hahnen pr. Stück Jt 0.50—1.00, Enten per Stück .3t 1.20—1.50, Ochsenfleisch per Pfund 68—00 H, Kuh- und Rindfleisch 56—60 H, Schweinefleisch 50—60 H, Hammelflestch 64—70 Kalbfleisch 48—50 -5-, Kartoffeln per 100 Kilo Jt 4.50—6.00, Milch per Liter 12—16 H, Zwiebeln per Centner Jt 5.50—7.00, Kirschen per Pfund 20—24 H. Frankfurt, 10. August. (Getreide-Vreise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer jt 17,25—17,50, fremder Jt 17,00—17,25, Roggen eff. hies. Jt 15,00—00,00, fremder jt 14,50—15.00, Gerste efsectio hiesige und Wetterauer Jt 00,00—00,00, fremde jt 00,00—00,00, Hafer eff. hies. Jt 14,00—14,50 fremder Jt 14,00-14,50. — Rüböl, eff. ohne Faß dies. in Partbien von 50 Ctr. Jt 26,50. Branntwein eff. ohne Faß Jt 38. Frankfurt, 10. August. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren 371 Ochsen, ca. 13 Bullen, ca. 382 Kühe und Rinder, ca. 277 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. dual. Jt 68—68, 2. Qual. Jt 60—64, Kühe und Rinder l.Qual. .<56—58, 2. Qual. Jt 44—48, Kälber 1. Qual. 55—58,2. Qual. Jt 40—50 per 100 Pfund Schlachtgewicht. Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 11. August, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 169, Luft im Schatten 20°. L. Chr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer. Freitag den 14. b. Mts , Nachmittags 2 Uhr, HU Gießen, in dem Hinterhause der Schmücker'scheu Hofraithe, Marktstraße Nr. 8, allda werden gegen Baarzahlung öffentlich versteigert: Bettung, verschiedenes Weißzeug, 1 Kleiderschrank, 1 Comode, 1 Consol, 1 Sopha, 1 Nachttischchen, 1 viereckiger, 1 ovaler Tisch, 1 großer Spiegel, Bilder, 1 Uhr; ferner 2 Hobelbänke mit Werkzeugen, einiges Nuhholi, 1 Heerd mit Rohr u. s. w. Die Versteigerung findet bestimmt statt. Gießen, den 11. August 1885. Engel, 5791 Gerichtsvollzieher. Mittwsch den 12. August, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Flett'schen Hofraithe — Wallthorstraße — gegen Baarzahlung versteigert: Sopha's, Kommoden, Kleiderschränke, Tische, 2 Secretäre, 2 Glasschränke, 3 vollständige Betten, 1 Regulator, 1 Taschenuhr, Spiegel, Bilder, 1 Nähmaschine, 1 Stoßkarren u. 1 Schleuder- mafchine. In Vertr. des Gerichtsvollziehers Geißler: Geißler, 5765 Gerichtsvollzieher-Aspirant Aeikgeöotenes. 5786 Butter, frisch und süß, das Pfund 80 Pfennig._______Neustadt 51. 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In der ersten JallreS-Hälfte von 1885 hat sich der VersicherungS» stand gehoben von 47,242 Policen mit Mark 224,3113,000. aus 4 <*,407 „ „ „ «3»,000,000. Die ein getretene Sterblichkeit hielt sich in mäßigen Grenzen. Gegenüber einer P r ä m i e n - E i n n a h m e von c a- 5 Millionen Mark sind Mark 1,440,000 zur Erledigung an gefa llen. Der Bankfonds flieg von 49 Millionen auf ca. 52 Millionen Mark, darunter Ertra-Ncfervc Mark 9,188,000. Alle Ueberfchüsfe werden al« Dividende unverkürzt an die Versicherten zurückvergütet und dadurch die Leistungen derselben aus da« möglich niedrigste Maß vermindert. Jede l*rämle hat Anspruch auf Dividende. Die Dividenden können nach Wahl der Versicherten entweder von Anfang an in vollem Maße oder in steigender Weise bezogen iverden- In letzterem Falle hat der Versicherte alljährlich weniger und noraussichtltch in seinem 34 ftcn VersichcrungSjabre nicht nur nicht« mehr zu bezahlen, sondern von da ab eine alljährlich steigcnde Stellte zu gewärtigen. Seit der 30 jährigen Wirksamkeit der Bank wurden in Folge der äußerst billigen Verwaltung alljährlich sehr bedeutende Ueberschüsse erzielt; im Jahre 1884 konnten Mark 2,211,074. zur einstigen Rückvergütung an die Versicherten rescrvirt werden und al« Dividende kommen Mark 1,703,484. auf die im Jahre 1880 cinbezahltcn Prämien zur Auszahlung. Sterbcfülle werden sofort geregelt. Zu weiterem Beitritt ladet ein der Vertreter: 5777 II. Fllek, Westanlage 28. Wiener üof. Mittwoch den 12. August (bei rmgluifti;er Witterung den folgrnoen Tag): (Srwme# (Jonc&rt der hiesigen Regiments-Capelle, unter Leitung ihres CapellmeisterS Herrn Krauste. (Letztes Koncert vor dem Manöver) 50 pr. Tag. Equipagen per Tag J/. 20.—, Reiter 4 5- aer Dümmtliche Karten sind sichtbar zu tragen. Das Directorium des DHeinischen Kennvereins. Städtische Hauge wcrkscliule zu IDSTEIN im TAUNUS. ”” Heranbildung zu Bange werkumeistern. Abgangsprüf. n. d. PrüfunRSordn. v. 6. Sept. 1882 v. e. Königl. Prüfungscom. 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