. 183 Freitag de» IS. Juni 188G Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. 'größter P Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme deS Mo^tngs. rrt/TPll * i# gsvoll SS. ist 111 D‘u 16 - nnn , ,At ■L>\ Dle französische Deputirtenkammer zeichnet sich gegenwärtig mH große Ruhe aus. Sie nahm nach unerheblicher Debatte den Gesetzentwurf, I. E. bie Wiedereinführung des Listenscrutiniums, mit den vom Senate beschlösse- Modificationen an. Der Gesetzentwurf ist somit definitiv genehmigt. — ' ^Dongking-Affaire wird nach und nach friedlich aus der Welt geschafft. Der -GMche Ober.Commandirende Li-Hung-Chang theilte dem französischen Ge- f fatal Patenotre eine Depesche des Vicekönigs aus Canton mit, wonach Liu- -ÄPHuoce, der Chef der Schwarz-Flaggen, Vorbereitungen treffe, auf Amman j luh zmrückzuziehen und Tongking zu räumen. Die technische Commission der in Rom tagenden internationalen Gesundheits-Conferenz hat ihre Arbeiten vollendet, so daß in diesen Tagen die Conferenz zu einer Plenarsitzung zusammentreten und die internationalen Vereinbarungen zum Schutze gegen die Verschleppung ansteckender Krank- heiten festsetzen kann. Da alle Länder ihre besähigsten Forscher nach Rom gesandt haben, so darf man hoffen, daß die Thätigkeit der internationalen Gesundheits-Conferenz eine ersprießliche sein wird. Der Stand der GesundheitS- Verhältnisse in Europa, wie auch in den angrenzenden Ländern ist zur Zeit ein guter, nur in der spanischen Provinz Valencia ist die Cholera ausgebrochen, hat aber bis jetzt glücklicher Weise einen gefährlichen epidemischen Charakter nicht erreicht. Man erwartet immer noch zwischen England undRußland die endgültige Beilegung des afghanischen Grenzstreites, welche bekanntlich noch fehlt. ES ist wahrscheinlich, daß über Nacht die englische Regierung die betr. Erklärungen abgiebt, es ist aber auch möglich, daß irgend ein Zwischenfall die Lösung des englisch-russischen Conflictes verschiebt. Glücklicher Weise hat sich die angebliche Ermordung des Emirs von Afghanistan nicht bestätigt, dieses Gerücht besagt aber, welcher Ereignisse man sich in dem halbcultivirten Afgha- nistan unter Umständen zu versehen hat. In London ist die regierungsfreundliche Presse wüthend über das Auftreten des Generals Lumsden, des aus Afghanistan heimgekehrten englischen Ober-Commiffars. Die Regierungsblätter beschuldigen Lumsden direct der Jndiscretion und des Ungehorsams, den er als Beamter der Regierung schuldig sei. Thatsache ist auch, daß Lumsden als Grenz-Commissar nicht streng gewissenhaft war und den Namen der wichtigen Grenzstadt Pulikisti mit einem anderen verwechselt, diese erst den Russen zugesprochen und dann für die Afghanen reklamirt hat, und vielleicht allein dadurch den blutigen Zusammenstoß zwischen Afghanen und Russen verursachte. Aber Sir Lumsden ist weit entfernt, seine fehlerhafte Vertretung der englischen Interessen in dem Grenzstreite einzugestehen, sondern schiebt die Schuld an der Verwickelung dem unprovocirten Vorgehen der Russen und der Schwäche der englischen Regierung zu. Man kann sich daher denken, mit welchen gemischten Gefühlen Sir Lumsden in London ausgenommen worden ist. — Heber den englisch-russischen Conflict schreibt ein Londoner Correspondent der „Neuen Fr Presse" übrigens, daß derselbe so gut wie gelöst sei, auch bezüglich der Grenzt frage. Der einzige Punkt, worüber man sich noch nicht ganz einigte, ist mehr ein politischer, ein principieller. Rußland erhebe gar keine Einwendungen dagegen, daß Herat befestigt werde, allein die russische Regierung verlange, daß man in Zukunft, falls irgendwelche Unruhen zwischen den Afghanen und Turkmenen ausbrechen sollten, die russische Negierung direct mit England darüber auseinanderzusetzen habe. Rußland stellt den Grundsatz auf, es könne den halbwilden Stämmen jener Gegenden gegenüber nicht die Rußland ergebenen Stämme steten Angriffen und Beunruhigungen aussetzen und wolle sich daher nicht verpflichten, die eben sestgestellte Grenze genau einzuhalten, falls jene halbwilden feindlichen Stämme durch Provocationen eine thatsächliche Abwehr nothwendig machen würden. Dadurch würden stets neue Verwickelungen, wie die von Pendjeh, möglich gemacht, vielleicht sogar hervorgerufen werden. Anders würden sich die Verhältnisse jedoch gestalten, wenn England direct die Verantwortung für die Erhaltung der Ordnung in jenem Theile Afghanistans übernähme, der nach der neuen Grenzregulirung an Rußland grenzen werde. Kurz die russische Regierung will sestgestellt wissen, entweder England habe in jenem Landstriche zwischen dem Kuscht und dem Paropamisus eine directe Gewalt und das Recht, die Ordnung in dem Grenzlande aufrecht zu erhalten, wie dies an den Grenzen civilisirter Völker überhaupt immer stattfindet, oder England solle erklären, jenes Land liege außerhalb seiner Machtsphäre, dann werde Rußland schon allein die Ordnung zu erhalten übernehmen. Man muß dieser Forderung Rußlands insofern gerecht werden, weil sie Klarheit in die afghanischen Grenzverhältnisse zu bringen sucht. Eine Zustimmung Englands zu dieser Forderung der russischen Regierung ist aber noch nicht bekannt geworden. Im englischen Unterhause hat das Cabinet Gladstone eine Niederlage erlitten, doch weiß man noch nicht genau, ob Gladstone dieserhalb Politische Ueberficht. Gießen, 11. Juni. Wenn es mit der Spärlichkeit der politischen Begebenheiten so weiter geht, wie in den letzten 14 Tagen, so werden wir binnen Kur zem in die stille, tobte Saison in einer Weise gerathen, wie es seit Jahren M der Fall gewesen ist. Immer spärlicher fließen schon jetzt die politischen Nachrichten und bald werden die wenigen noch schwebenden Fragen ruhen oder bis zum Herbst verschoben werden. Vorbereitungen für die Wahlen und das Stiilbium einiger neuen Gesetzentwürfe dürsten schließlich die einzigen Gegenstände fein, mit denen die innere Politik sich zu beschäftigen hat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich der Bundesrath dem- Ml auch mit der Währungsfrage beschäftigen und Untersuchungen anstellen wird», ob vielleicht an Stelle der jetzigen Goldwährung die Doppelwährung zu lrete:n habe. — Aus den Antrag Bremens ist dem Bundesrathe auch ein Gesetzentwurf zugegangen, welcher Bremen ermächtigen soll, im Falle vom Hansastaate Nennen eine Regulirung der Unterweser vorgenommen wird, einen Schiffszoll von den betreffenden die Unterweser passirenden Fahrzeugen zu erheben. Unter Herren noch zu vereinbarenden Bestimmungen dürste der Bundesrath diesem Antirage Bremens seine Zustimmung gewähren. Die Unfallversicherung, so wird uns berichtet, beschäftigt das Reichsamt des Innern ganz besonders; diese Aufgabe ist es, welche die neuer* iingö erfolgte Berufung weiterer Arbeitskräfte (Landräthe Barthels und v. Meinbaben) in dieses Ressort nothwendig gemacht hat, und noch weitere Berufungen nothwendig machen wird. Es haben sich bei der praktischen Anwen- v^ng. des Gesetzes so viel Mängel herausgestellt, daß man, wenn man auf eine chneßliche Wirksamkeit des Gesetzes rechnen will, keine Zeit verlieren darf, um diese Mängel abzustellen. Es wird deshalb eine Novelle vorbereitet, die ötnt Reichstage in der nächsten Session vorgelegt werden soll. Außerdem wird ck meuer Gesetzentwurf vorbereitet, welcher die Unfallversicherung auf die Weiter in der Land- und Forstwirthschaft ausdehnen soll und zu welchem der Ärichsregierung Material durch die Berathungen geboten wird, die in der lW Ilversicherungs - Commission des Reichstages in der letzten Session statt - Mriden. Am Montage ist der Kaiser von Oesterreich in München ein* ^reffen und sogleich nach Feldafing zum Besuche seiner hohen Verwandten nriite rgereist. Die französische Republik hat jetzt einen recht seltsamen Conflict ml Italien, der aber wohl nicht viel besagen wird. Nach einer Theater- MiMung in Tunis, in welcher eine talienische Operetten-Gesellschaft dadurch, bis tiie franzosenseindliche Gesinnungen zur Schau trug, ‘einen Theil der Zu- ichwer verletzt hatte, schlug am Ausgange des Theaters ein Italiener, angeblich * selbst provocirt worden zu sein, einem französischen Officier in's Gesicht. Dr Angreifer wurde vor Gericht gestellt und zu 6 Tagen Gesängniß verurteilt, mr Strafe, Die im Hinblick aus die Schwere der Beleidigung allerdings gering deinen mußte. Der commandirende General Boulanger machte denn auch I'Äü dem Kriegsminister Anzeige und beschloß, den geschlagenen Officier mit ä schweren Strafe zu belegen, falls die Untersuchung ergeben sollte, daß er HMner Waffe hätte bedienen können. Zugleich erließ der General einen Ar mischten Tagesbefehl, durch welchen angeordnet wird, daß die Officiere in Mmft sofort bei der geringsten Provokation blank ziehen müssen. Ite MM ^S^I itreslo* Ich, twrittai* W betrieb« »- iebenen w*» st M i-M u «rkM ober getrtfflt$ 5. 4 ——71, (ie W von 3 Amern, KHl d bis zum I. SM Balth. Sttach nilienlogis von o A j jen. öl' J is vermietet idw. Schmitt, M ut möbl. Zimmer iid: ofs nnb der Vetem er, freier Lage W Epied. b§. Bl._____ hön"möblirte Zim»! irre). Ost-Anlage R nwblirtti Zimmer,? geeignet, wrönj föetterßofj'u, mit Wmt. MergsjW sMferdeMReck Carl W und AchS zUermietheiü ' Edersttchi. vWäsz Zimmer, Vei-ü Jianfarben rc., aller ner Garten, pr. 1. $ p ________i r nsarbeWohnüngU ^udler^Haminsn^ Betreffend: Nachforschungen nach einem zu Weißenburg im Elsaß aufgegriffenen unbekannten Knaben. ® e$en' Qm Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« bie Großherzoglichea Bürgermeistereien des Kreises, mit Ausnahme von Gießen. Am 18. December 1884 wurde zu Weißenburg ein fremder Knabe ausgegriffen, welcher hinsichtlich seines Namens und seiner Herkunft die wider- sprschendsten Angaben machte und sich zuerst Adam Helfrich, später aber Adam Schmitt nannte. Sollte der Knabe, der entschieden Hessischen Dialett spricht und dessen Signalement hier beigefügt ist, Ihrer Gemeinde angehören, oder sollten Sie in der Lage sein, über denselben irgendwelche Auskunft erthellen zu können, so wollen Sie alsbald an uns berichten. Dr. Boekmann. Signalement des Knaben Adam Helfrich: Alter: 11% Jahr. Größe: 1,37 Meter. Statur: mittelmäßig. Haare: blond und traus. Singen: braun. Nase: klein. Mund: gewöhnlich. Kinn: rund. Gesichtsform: rund. Gesichtsfarbe: blaß. Zähne: gesund. Besondere Kennzeichen • eine Keine Verletzung am rechten Ohr. — Bekleidung: eine blau-weiß gestreifte Jacke, eine grau-roth gestreifte Hose, ein Paar schlechte Zugstiefel, ein Paar baumwollene Strümpfe von grauer Farbe, eine wollene dunkele Weste und ein blau-roth gestreiftes Hemd. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit vrmßei Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 bi " »uw rji i, d-mMomren und ein canservatives Cabinet die Regierung übernehmen, ober ob nun eine Reconstruction d-s liberalen Cabinets ftattfinben wird. Die Niederlage Gladstone's ereignete sich bei der Budgetvorlage, zu welcher der Abg. Beach einen Antrag einbrachte, der die Erböhung der Spiritus- und Biersteuer beanstandete. Der Premier Gladstone erklärte den Antrag für ungewöhnlich. Für militärische Vorbereitungen zur Abwendung einer ernsten Gefahr fei die Noth- wendigkeit der beantragtrn Steuer-Erhöhungen entstanden. Die Opposttion, welche den beantragten Kredit einstimmig bewilligt habe, verweigere jetzt die beantragten Mittel zur Deckung. Er muffe daher aus der Entscheidung de« Hauses über den Antrag Beach eine Cabinetsfrage machen, damit die Opposition, wenn sie siege, die Folgen zu tragen habe. Hierauf wurde die Emnahme- Budget-Bill in zweiter Lesung mit 264 gegen 252 Stimmen abgelehnt. Darmstadt, 10. Juni. Se. Königs. Hoheit der Großherzog haben Allergnadigst geruht: Am 23. Mai den Dr. Hans Heim in Frankfurt a. M. zum Lehrer an der Victoriaschule und dem Lehrerinnen-Semmar zu Darmstadt, mit Wirkung vom 1. October l. Js. an, zu ernennen. — Vor Kurzem wurde eines Schreibens erwähnt, welches der Herr Reichskanzler an die Bundesregierungen gerichtet hatte und welches die Klagen über den Mangel an kursirendem Kleingeld behandelte. Wie die .Polit. Nachr." hören, beabsichtigt der Reichskanzler außer den in dem erwähnten Schreiben vorgeschlagenen Maßregeln zur Beseitigung der Kleingeldnoth einen Antrag bei dem Bundesrathe einzubringen, welcher dahin geht, die Bestände an kleinen Münzen innerhalb der gesetzlichen Maximal-Grenzen durch weitere Ausprägungen zu ergänzen. Telegraphische Depeschen. Wolfi'S telegr. Correspondenr - Bvrea«. Berlin, 10. Juni. Von dem Führer der letzten Berliner Expedition nach Ost- airika, Regierungsbaumeister Hörnicke, ist eine Nachricht aus Lamu (unterm 2. Grade südlicher Breite) vom 11. Mai eingetroffen, wonach die Expedition am o. Mar in Zanzibar anlangte und mit einer Karawane von 160 eingeborenen Tragern und einer Ausrüstung auf 5 Monate in das Innere aufbrechen wollte. . — Ein Sergeant und zwei Avantageure des Alexander-Garde-Grenadrer-Regr- ments begeben sich am 1. Juli nach dem Togo - Lande in Westafrika zur Verwendung als Jnstructeure und Polizeibeamte. Dieselben sind bis zum 1. April 1886 beurlaubt, alsdann steht ihnen der Rücktritt in das frühere Dienstverhältniß tret. Varis, 10. Juni. Das Wahlcomitö der Anhänger des Prinzen Victor erließ ein Manifest, welches jede Gemeinschaft mit revolutionären Tendenzen zuruckweist, an alle Gegner der Republik appellirt und denselben einen entsprechenden Antheil an den Wahllisten zusagt. Das Programm gipfelt in der Aufforderung zur Bekämpfung der republikanischen Partei. ,r_. ,. - — In der gestrigen Sitzung der Suez-Commission waren die englischen Dele- airten in Folge der Ministerkrisis in London ohne genügende Instructionen, um an oer Berathung der neuen Abänderungen des Art. 10 theilzunehmen. Angesichts der Sachlage gilt es als wahrscheinlich, daß die Commission nur noch am Donnerstag zusammentreten wird, um über den Grundgedanken und fast den gesammten Text des erzielten Einvernehmens zu constatiren. Die endgültige Lösung der osten gelassenen Fragen dürfte den betheiligten Cabineten anheimgegeben werden und nach Beseitigung der Ministerkrisis eine baldige Lösung finden, zumal eine Einigung am Montag schon fast erreicht war. . London, 10. Juni. Bei einem Bankett des liberalen Clubs in dek City sprach sich gestern der Präsident des Local-Gouvernement Board, Sir Charles Dilke, zuversichtlich Über die nächsten allgemeinen Wahlen aus, welche einen glänzenden Steg der Liberalen ergeben würden, namentlich wenn Gladstone, wie man für wahrscheinlich halte an der Spitze der Partei verbleibe. Neber die Entschließung der Minister m Betreff des Unterhausvotiims glaubt Dilke große Reserve beobachten zu müssen, ms dieselbe der Königin unterbreitet sei. Was jedoch ihn angehe, so wurde er es nicht bedauern, wenn die Tories Gelegenheit bekämen, das Budget, die afghanische Ange- legenheit und die sehr wichtigen Fragen der neuen Verwaltung und Regierung der drei Länder des vereinigten Königreichs in dem Sinne zu behandeln, welchen sie in ihren Reden angedeutet haben. Schließlich fügte Dilke hinzu, die afghanffche^rage nähere sich glüchlicherweise einer vollständigen Lösung so sehr, daß die Tones den europäischen Frieden nicht mehr würden in Frage stellen können. — Dem „Standard" zufolge hat sich Gladstone gestern Abend nach Balmoral begeben, um der Königin die Deniission des Cabinets zu unterbreiten. Der „Standard" glaiibt, die Führer der Torie-Parteien seien vorbereitet, die Regierung zu uber- nehmen lieber die Zusammensetzung des neuen Cabinets liegen noch keine näheren Angaben vor, doch heißt es, Salisbury würde das Auswärtige übernehmen; außerdem werden Churchill und Rorthcote als Mitglieder des neuen Cabinets genannt. — „Evening Standard" erklärt sich zu der Mittheilung ermächtigt, daß, falls die Königin die Conservativen zur Regierung berufen sollte, die Führer der conservativen Partei bereit sein werden, ein Cabinet zu bilden. — Die Nachricht des „heutigen „Standard" von der Abreise Gladstone s nach Balmoral bestätigt sich nicht. Gladstone hat London nicht verlassen und man glaubt, die Königin werde ihre Rückkehr nach Windsor beschleunigen, um nut den Ministern und den Führern der conservativen Partei persönlich zu unterhandeln. — Ein diplomatischer Schriftwechsel zwischen Deutschland „und England, betreffend deutsche Landreclamationen in Fidschi, wird heute veröffentlicht. Es geht daraus hervor, daß die gemischte Commission, deren Ernennung beiderseits vereinbart war, gewissen deutschen Reichsangehörigeli 10,620 Pfund Entschädigung zuerkannte, welche am 19. Mai dem deutschen Botschafter in London ausgezahlt worden sind. Newyork, 10. Juni. Einige Eisenwerke in den westlichen Staaten haben die Arbeit wieder aufgenommen, da die Strikenden durch andere Arbeiter ersetzt werden f0mitC9Rabril>, 10. Juni. Gestern und heute sind je 6 Erkrankungen an Cholera vorgekommen und heute 8 Todesfälle. , ' Konstantinopel, 10. Juni. Die Provenienzen aus den spanischen 9)iittek meerhäfen werden einer strengen Anwendung der Cholera-Reglements von 186 < '' Paris, 10. Juni. Die Commission für die Madagaskar-Crcdite hörte Brisson, Freycinet und Galiber. Ersterer erklärte, die Regierung beabsichtigte auf Madagaskar den statas quo vollkommen aufrecht zu erhalten, so lange die Tongkiiig-Angelegenheit nicht vollständig geregelt sei; wolle man weitcrgehen, so sei dies Sache der neuen Kammer, welche sagen werde, welche Politik sie in den Colonialfragen befolgen wolle. Freycinet erinnerte an das Votum, wodurch die Kammer ausgesprochen, daß Frankreich Rechte auf Madagaskar habe und dieselben geltend machen wolle. Die Regierung werde das Votum achten und nichts thun, was den Beschlüssen der Kammer zuwider- lanfe. Die Regierung erkenne an, daß man nicht auf unbestimmte Zeitdauer in der gegenwärtigen Lage bleiben könne, die neue Kammer werde die Frage entscheiden müssen. _ „Temps" will wissen, die cgyptische Regierung wollte den Verwahrungen der Mächte gegel? die neuerliche Coupon-Reduclion Rechnung tragen nnd habe den Consnln entsprechende Mittheilungen gemacht. Baring verhinderte aber bie Veröffentlichung des Decretes, welche die bezügliche Verfügung rückgängig machen sollte._____________________ Lokales. Gießen, 11. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog passirte heute Mittag 1 Uhr auf der Rückreise von Lich nach Darmstadt die hiesige Station. 'Gießen, 11. Juni. Das Darmstädter Opernpersonal gastirte vergangenen Samstag in Aschaffenburg und hatte unseren Landsmann Herrn Müll er-Franken um seine Mitwirkung ersucht. Die „Aschaffenburger Zeitung" schreibt darüber: Herr Müller-Franken, lyrischer Tenor des Kölner Theaters, sang in Vertretung des erkrankten Herrn Bär den George Brown. Seine Darstellung stand auf der Höhe künstlerischer Durchbildung. Dieser Künstler vereinigt Temperament, fyeucr, Innigkeit, herrliche Stimmmittel; seine Spielweise besitzt viel Natürlichkeit und Un: gezwungenheit; die Vortragsweise war den genannten Vorzügen angemessen. In manchen glücklichen Momenten erinnerte er mich angenehm an den ehedem beliebtesten George Brown-Darsteller, den Franzosen Roger. Demgemäß war sein Erfolg ein glänzender. Gießen, 11. Juni. Ein infernalisches Aroma wurde gestern Abend gegen 6 Uhr den Bewohnern und Passanten der Mäusburg zu Theil, dadurch veranlaßt, bat; die Führer des Tonnenwagens, welche zwar schon öfter ihre Meisterschaft bewiesen hier in dem belebtesten Theile unserer Stadt ein wahres Meisterstück von Fahrkuns- lieferten, so daß der Wagen mit dem Pferd umfielen, die Tonnen auf der Straße dabst kollerten und gefüllte sich ihres sauberen Inhalts entleerten. Der quer auf der Straß? liegende Wagen, die in fliegender Hast sich verschließenden Fenster und Thüren der Anwohner, die verzweifelten Gesichter der Inhaber der in nächster Näbc befindlichen offenen Geschäfte, die trotz des Gestankes herbeigeeilten Neugierigen und das sichtlich. Hohngelächter, kurzum das ganze Tableaux wäre einer Momentaufnahme würdiz gewesen. Wäre besagter Wagen nach Heidelberger System gebaut, würde ein Umfallen absolut unmöglich und mancher unliebsamen Scene vorgebeugt sein. Verwischte 4. Darmstadt, 9. Juni. Die Infanterie-Regimenter der Großh. (25.) Division haben mit dem heutigen Tage eine bestimmte Quote Ersatz - Reservisten 1. Classe zu 12tagigen Hebungen eingezogen. Die betreffenden Mannschaften erhalten Quartiere in den Kasernen, wogegen das Regiment ebensoviel Leute in Bürgerquartiere legt. Friedberg, 9.Juni. Bekanntlich wehte am Tage der Stichwahl zum deutschen Reichstage auf dem hiesigen, ca. 200' hohen Stadtkirchthurm eine riesige Fahne, auf der mit rothen mannshohen Lettern „Wählt Hintze" stand. Wegen dieses groben Ur. ftlgs ist Untersuchung eingeleitet worden und sind ca. vierzig Personen von dem Unter suchungsrichter vernommen worden. Wie nun verlautet, ist diese Vernehmung obr.: irgend ein Resultat geblieben. , . Friedberg. Der frühere Seminarist A. Schweitzer, fetzt Musketier der fünften Compagnie 2. Großh. Hess. Infanterie-Regiments Nr. 116 in Gießen hat an Seminar lehrer Wahl dahier ein calligraphisches Kunstwerk geschickt, nämlich eine Postkarte, auf deren Rückseite, außer Ort, Datum und Name, 110 Zeilen mit 5297 Wörtern stellen, mit blosem Auge regelmäßig und deutlich und schön vom Absender geschrieben. 'M die Adresse ist ein Kunstwerk. Gründ erg, 6. Juni. Heute wurde, wie man dem „Grünberger Anzeiger mittheilt, in Odenhausen eine Frau wegen Kindesmords in Untersuchung gezogen. Marburg, 8. Juni. Seit länger als 30 Jahren hat über unterer Stadt ein Hagelwetter wie das am vorigen Samstag sich nicht entladen. Es fielen masicr weis Eissteine in der Dicke wie Taubeneier und stärker. Weniger hat die Flur hier von gelitten als die Fensterscheiben, so daß die Herren Glaser reichlichen Schaden tu repariren haben. ., r . Göttingen, 6. Juni. Ein gräßlicher Unglucksfall hat sich geftem ui bm chemischen Laboratorium des Herrn Professors Bödicker zugetragen. Der 6er? Stud. pharm. Hachmeister aus Uslar, welcher, an Zahnweh leidend, von Zeit zu.fy; sich den Mund mit Wasser ausspülte, verwechselte irrthürnlich das Wasserglas mit einem Glase, in welchem sich eine Cyankalilösung befand, äußerlich vom Wasser in nichts unterscheidbar. Nach wenigen Secunden verstarb er in den Armen feiner Collegen, denen er noch Mittheilung von dem Jrrthmn machen konnte. Der fofort herbeigerufene Arzt, Herr Dr. Briegleb, konnte mir den bereits eingetretenen zo.* constatiren. „ , Oldenburg, 9. Juni. Gestern entwickelte sich hier wahrend eme§ Itnrfen Gewitters eine Windhose von enormer Gewalt. Dieselbe hat viele mächtige Anme gestürzt, einige dicke Stämme unter dem Wipfel abgedreht und zersplittert. In dem benachbarten Nadorp ist ein ganzer Complex von Häusern in Trümmer gelegt wodurch die Bewohner zum Theil in eine verzweifelte Lage geraden sind. Ein flW artiges Schauspiel erzeugte das Unwetter, welches in nordöstlicher Richtung sich bMtzN. am Himmel. Hin und her, nach oben und unten wurden die schweren Wolken- massen gejagt. Dazwischen grelles Blitzesleuchten. Ein wahrer Kampf entfefidtn Naturkräfte! 3tß-) .. — sNeuer Ausbruch des Krakatao.) Am 4. Juni in Holland eingefrorener. Nachrichten aus Java zufolge ist der Vulkan Krakatao, der von den Tagen August 1883 noch in lebhafter Erinnerung stehen wird, abermals in Thafigkett geraten. Von Ende April dafirfe Correspondenzen berichten, daß in der Nähe des Vulkan-- unterirdische Stöße, die von ans einem Krater des Berges hervorbrechenden Flaimmir strömen begleitet waren, gehört wurden. Die Bimssteinmassen, welche im Jahre UW über die umliegenden Meerestheile zerstreut wurden, sind jetzt vollständig verschwunbm — sKurze Antwort.) „Nun, schon zurück von Rigi-Kulm, Herr Commercicn rath? Sie sehen ja so traurig aus! Schweizer nicht gefallen?" — „O ja - adn „Russen" auch." . — Handel nnd Berkedr. Gießen, 9. Lstai. Auf dem heutigen Viclnnarkt waren aufgetrieben: 1.492 t;nid Rindvieh und 885 Stück Schweine. Der Handel war lebhaft und die Preisi k’ Schweinen höher als am letzten Markte. Nächster Markt Dienstag den 23. d. Mts. Limburg, 10. Juni. Rother Weizen «zM 15-90, weißer Weizen Korn X 11 30, Gerste X 10.40, Hafer JL 7.45, Kartoffeln & 100 Pfund A 0.H Erbsen a 100 Pfund JL 00.00. w rzn Frankfurt, 10. Juni. Auf dem heutigen Markt kostete der Zentner X 2.50—3.00, Stroh JL 2.00—2.25, Eier das Hundert v4L 4 ^0—5.3Ü, W« • 1. Qualität X 0.90, 2. Qualität JL 1.O5 Kartoffeln per Zentner Kohlrabi 6-10 H pr. St., Erbsen 0,50 Ka. O-18-0.22 Rothkraut pr-St. ^"'^ Huhn 1.20—2.00, 1 Ente 2.00—3.50, 1 Taube 40—60 4, Hahn 1.90 Gans v4L 6—10.00, Welsche JL 5.00-10.00- — lPostalisches.j Trotzdem daß die Postverwaltung für gewöhnliche SM weder im Falle eines Verlustes oder einer Beschädigung, noch im Falle einer ver;^- Beförderung oder Bestellung Ersatz leistet, befaßt sich dieselbe doch auf Antrag Absenders mit dem Erlaß von Laufzetteln nach abhanden gekommenen gewoymi^ Briefsendungen (Briefe Postkarten, Drucksachen und Waarenproben). Zu fieleny zetteln sind besondere gedruckte Fragebogen-Formulare, welche auf Verlangen von Postanstalten unentgeltlich an das Publikum verabfolgt werden, zui verwenden. . erfolgter Ausfüllung der ersten Seite des Formulars seitens des Absenders ist van an diejenige Postanstalt abzugeben, in deren Bereich die Auflieferung dec, w P., gegenständes erfolgt ist. Die Aufgabe-Postcmstalt veranlaßt hierauf das weite forderliche. 9iach beendetem Laufzettelverfahren benachrichtigt sie den Abfender v ' Resultate. Für Laufzettel wegen gewöhnlicher Briefe, Postkarten, ^ruckfaw n ^ Waarenproben wird die bestimmungsmäßige Laufzettelgebuhr von 20 vm* cr| .)(uJ rräglich und nur erst dann vom Absender erhoben, wenn die richtig, ei 'n.' händigung der Sendung an den Empfänger festgestellt worden ist Dieses erstreckt sich nicht allein auf den Briefoerkebr innerhalb des deutfchen Rein vp * ‘ . .j, sondern auch auf den mit Bayern, Württemberg und Oefterreich-Ungaim. '• .1[lLi nach gewöhnlichen Briefpostgegenständcn nach dem Vereinsverkehr nnijl ’ . - Aa nähme Luxemburgs, Dänemarks und Ocorwegens in französischer (sprame g. v Vorgedruckte Fragebogen-Formulare hierzu werden ebenfalls d unentgeltlich abgegeben. Für derartige Laufschreiben ist* die tarff L vaur,crt^ gebühr von 20 Pfennig im Voraus zu entriäften. - Die gebühr an den Absender tritt ein, wenn sich ergiebt, baß das Lauflchiciler schulden der Post veranlaßt worden ist. Wetzlar, 9. Juni. In seiner Sitzung vom 9. hat der Bezukseffei^^ rath in Köln beschlossen, den vom berg- und bic W und Dillgebiet gestellten Anttag auf Aufhebung der Ansnahmganfe fm der Großh. erhalten AG ^urgerquartiere le«t 'er Stichwahl zm j^ In” ei,le Mge W Wegen dieses^ ^.Personen vonk otefe PernehM> IG Musketiers m Gießen hat an «- nämlich eine n mit 5297 Wörtern- Absender MM! dem „Grimberger h n Untersuchung M hat über unserer & Maden. U fielen Weniger hat die K ölaser reichlichen EL" sall hat sich gefarr ter zugetragm. Jn eh leidend, von Mn hümlich das WM rd, äußerlich vom rb er in den Am machen konnte. Ä im bereits eingetM 1 hier während mfi t hat viele mächtz' 1 unb MM, ■ in Trümmer gelex Mathen sind. ( MchnMtnntzsi^ ourdrn die in wahrer Sfli w lW. mi taSoM* 11, her non ta* (bermatSinlWJP 5 in drr je? 6*0***? Mafien, t*e*’ 1 jetzt esallen? " «• . r . Ifi waren aufgeMl'^^ xx lebhaft md w* LÄÄL it| NuSy;;> ?SeÄ'- LÄZ »NÄ- nächster » wSn“1'""'* LM per Zentner für laM, £2 einer jJ noä'UN»^ Sefi rM /-» Uhr in der Restauration Lust: Auszahlung der Reisegelder._________________ 12/6. 8 Ahr. Conf. ß Sreductiou: A. Gcheyda. — Druck und Verlag der Brühl'sLeu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) to Gießen.