Nr. 60 Zweites Blatt Donnerstag ven 12. Marz LEA £ Gießener Anzeiger 2,^***? Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Erscheint ILgUch mit Ausnahme des MontagS. ÖWMAtt t Schulstraße 7. Betreffend: Frühjahrs - Control - Versammlungen. Gießen, am 10. März 1885. Gießen, den 7. März 1885. Bekanntmachung tri WM Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn, Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Vf. Politik des Reichskanzlers einen glänzenden Vertrauensbeweis ertheilt. In der Commission war bekanntlich für die einzige ostasiatische Linie eine Mehrheit vorhanden, gerade jene Linie also, welche mit der colonial-politischen Frage am wenigsten im Zusammenhang steht. Von der Osiseeküste wird der „Allgem. Zeitung" geschrieben: Die neuerworbenen deutschen Besitzungen in der Südsee lassen die Bildung eines besonderen Geschwaders deutscher Kriegsschiffe unter dem Befehle eines Commodore sehr wünjchenswerth erscheinen. So soll denn jetzt aus der Kreuzer-Fregatte „Stosch" von 16 Geschützen, der Kreuzer-Corvette „Marie" von 10 Geschützen, dem Kreuzer-Kanonenboot „Albatroß" von 4 Geschützen und dem Kanonenboot „Hyäne" von 4 Geschützen ein eigenes Geschwader speciell für die australischen Gewässer und die Südsee formirt werden. Zum Commodore dieses Geschwaders ist der Kapitän zur See, Paschen, der bisher als Geschwader-Chef in den ostasiatischen Gewässern stationirt war, bestimmt worden. Kapitän Paschen ist ein geborener Mecklenburger, der von 1852 bis 1868 in der kaiserlich österreichischen Kriegsmarine diente, an den Seeschlachten bei Helgoland und Liffa rühmlichen Antheil nahm und mit seinem speciellen Landsmann, dem Contre- Admiral v. Wickede, im letztgenannten Jahre aus der österreichischen Marine in die deutsche übertrat. Zum Geschwader-Chef in der ostasitischen Station an Paschen's Sielle ist der Kapitän zur See, Schering, ernannt. Der politische Himmel, an welchem sich in den letzten Wochen ^nahme bei bem Verluste unseren innigsten DM. 11$ geb, Hilgardt Noll. , nhr * Politische Uebersicht Gießen, 11. März. In dieser Woche wird die zweite Berathung der Dampfer- Mventions-Vorlage das Reichstags-Plenum beschäftigen. Die Commission ist kkanntlich nach wochenlangen Beraihungen zu einem vollständig negativen Er- Mvniß gekommen, eine Mehrheit wäre nur für ein derart verstümmeltes Gesetz M haben gewesen, daß die Freunde der Vorlage lieber das Ganze ablehnen, als den Anschein erwecken wollten, daß man sich mit einem so verkümmerten Werk begnügen kann. Für das Plenum liegt nun bereits ein nationalliberaler Mag vor, welcher im Wesentlichen die Regierungs-Vorlage, namentlich die N Hauptlinien, Herstellen und eine Reihe der wichtigsten Bedingungen, unter denen die Subvention, gewährt werden soll, in das Gesetz ausnehmen will. Mir die Entscheidung des Reichstages aussallen wird, ist noch ganz unsicher, Zentrum und Deutsch freisinnige stehen der Vorlage sehr kühl und kritisch gegenüber, und es ist die Frage, ob sich von ihnen so viele Mitglieder absondern Mrd en, um das Gesetz doch noch durchzubringen. Die Ablehnung verschiedener mer Consulatsposten war nicht gerade ein günstiges Omen, wenn auch zugegeben werden muß, daß die beiden Fragen nicht in so engem Zusammenhang sichen, um ohne Weiteres aus der Entscheidung über die eine Frage einen EWb auf das Schicksal der anderen zu ziehen. Auf der anderen Seite hat Ija auch der Reichstag soeben durch Bewilligung des Kamerun-Etats der Colonial- Tas Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Die nachstehende Bekanntmachung wollen Sie in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise veröffentlichen lassen. Dr. Bookman n. 'M. ch die schmMe M- , t hat, meine M Gattin | hulhol teeren Leiden p * , 13. b. Mm* aus stall' ^Z^Vortraz 1 Giessen, c ^stwichschch juinän, einen rBzug niitgemch Die Commission. * Die diesjährigen Frühjahrs-Control-Versammlungen werden im Kreise Gießen wie folgt abgehalten werden: I. Im Bezirke der I. Compagnie (Gießen). 1) Zu Gießen am 10. April 1885, Vormittags, im Oswald'schen Garten und zwar um T/2 Uhr für sämmtliche Reservisten der Infanterie, sowie sämmtliche zur Disposition der Truppenthelle uno der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, tim 83/4 Uhr für sämmtliche Wehrleute der Infanterie, um 10 Uhr für sämmtliche Reservisten und Wehrleute der übrigen Waffen. Hierher gehören die Orte: Annerod, Burkhardsfelden, Gießen (mit Schiffenberg und Herrnwald), Heuchelheim, Klein-Linden und Oppenrod. 2) Zu Lollar am 11. April 1885, Vormittags, neben dem neuen Bahnhofsgebäude und zwar um 9 Uhr für sämmtliche Reservisten, sowie zur Disposition der Truppenthelle und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um 10 Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen. Hierher gehören die Orte: Mendorf a. d. Lda., Men-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen (mit Hof Heibertshausen), Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck. 3) Zu Grünberg am 11. April 1885, Nachmittags, an dem Bahnhose uui) zwar um 11A Uhr für sämmtliche Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um l3/i Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen. Hierher gehören die Orte: Allertshausen, Beltershain, Gellshausen, Göbelnrod, Grünberg (mit dec Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle), Hattenrod, Harbach (mit der Kolbenmühle und Sommermühle), Kesselbach (mit der Rabenau'schen Papiermühle), Lauter (mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle), Lindenstruth, Londorf (mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte), Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen (mit Appenbörnerhof), Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen (mit Bolln- bach, Veitsberg und Wirberg), Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain (mit dem Hainer-Hof), Winnerod. II. Im Bezirke der II. Compagnie (Lieh). r) Zu Hungen am 18. April 1885, Mittags 12 Uhr, am Friedhöfe fir sämmtliche Reservisten und Wehrleute, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. Hierher gehören die Orte: Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim, Ronnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen (mit Ringelshausen), Rodheich (mit Hof Graß), Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Mllingen. 2) Zu Lieh am 18. April 1885, Nachmittags, am Bahnhose. und zwar um 3 Uhr für sämmtliche Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, «M -A Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen- Hierher gehören die Orte: Albach, Allendorf a. d. Lahn, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt (mit Arnsburg), Ettingshausen, Garbenteich, Groß-Linden, Grüningen, Hausen, Hof-Gill, Holzheim, Lang-Göns, Leihgestern, Lich (mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mhlsachsen), Münster, Rieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach, Watzenborn mit Steinberg. Es haben aus den genannten Orten zur bestllnmten Stunde sämrntliche im betreffenden Bezirke wohnenden Offiziere urrd Mannschaften des Beurlaubten- Kaudes aller Waffen des deutschen Reiches zu erscheinen, welche zur Reserve und Landwehr gehören, zur Dispofition der Truppentheile beurlaubt oder zur DiSpofltion der Ersatz-Behörden entlasten find. — Die Ersatz-Reservisten haben nicht zu erscheinen. Dispensationen können nur in ganz dringenden Fällen eintreten und müssen darauf bezügliche Gesuche spätestens 8 Tage vor den betreffenden Control- Versanrnklungen auf dem Dienstwege eingereicht werden. Die ohne Entschuldigung fehlenden Rtannschaften haben sich der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen. Es wird noch bemerkt, daß die Leute mit dem Mllitär-Paß und Führungs-Attest versehen in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen haben, und vor dem Beginn der Control-Versammlung Schirme, Stöcke, Pfeifen re. fortzulegen sind. Frhr. v. Röder, ______ Oberst z. D. und Bezirks-Commandeur. 5» drohende Wolken zeigten, hat sich jetzt wieder so weit geklärt, daß man die Gefahr ernster europäischer Verwickelungen als ziemlich verschwunden betrachten kann. Besorgniherregend sah allerdings die Situation aus; die russischen und die afghanischen Vortruppen standen einander im Norden von Herat plötzlich gegenüber, so daß im englischen Parlamente bereits das verhängnißoolle Wort: „Krieg mit Rußland" fiel und die englische Presie einen äußerst drohenden Ton gegen Rußland anschlug. Die Situation gestaltete sich dadurch noch complicirter, daß die einzige Macht, welche zwischen den beiden großen Rivalen im Orient mit Aussicht aus Erfolg vermitteln konnte, Deutschland, von England selbst in auffälliger Weise brüskirt worden war. Erklärte doch sogar die „Nordd. Allg. Zeitung", daß ein vertraulicher Verkehr zwischen den Staatsmännern Deutschlands und Englands durch die Jndiscretionen Lord Granville'ü unmöglich geworden sei. Da änderte sich wie mit einem Schlage das Bild; zur Ueberraschung von aller Welt sandte Fürst Bismarck seinen eigenen Sohn nach London, um mit dem englischen Minister des Auswärtigen die Mißversiändniffe, welche sich zwischen Deutschland und England ergeben hatten, auszugleichen. Fast gleich, zeitig war ein Einlenken des Petersburger Codinets zu bemerken; während von demselben die von England wegen der afghanischen Grenzsrage erhobenen Recri- minationen bislang in auffällig kühler Weise beantwortet worden waren, steckte man an der Newa plötzlich ein freundlicheres Gesicht aus. Der russische Botschafter in London versicherte dem dortigen auswärtigen Amte das lebhafte Bestreben seiner Negierung, sich mit England über die afghanische Frage friedlich auseinander zu setzen und sich hieran schließende, durchaus versöhnlich gehaltene Depeschen des Petersburger Cabinets gaben dieser Versicherung Nachdruck. Freilich ist trotzdem nicht ausgeschloffen, vaß es zu einem gelegentlichen Scharmützel zwischen den russischen und afghanischen Vorposten kommen kann; dagegen Haden sich, besonders nach den jüngsten, für Deutschland so entgegenkommend lautenden Erklärungen der Regierungsvertreter im englischen Parlamente, die Beziehungen zwischen Deutschland und England wahrscheinlich schon in diesem Augenblicke wieder freundlicher gestaltet. Es steht deshalb zu erwarten, daß der deutsche Reichskanzler seinen ganzen Einfluß ausbieten wird, um ein friedliches Arrangement beider Mächte herbeizusühren und selbst ein paar zwischen Ruffen und Afghanen gewechselte Flintenschüsse werden das Zustandekommen deffelben nicht hindern. Für den Augenblick scheint es somit gerechtfertigt zu sein, der nächsten Zukunft mit einigem Vertrauen entgegenzusehen. Die central- asiatische Frage ist allerdings einmal eröffnet, und wenn auch nicht schon morgen, so wird deren Lösung doch über kurz oder lang erfolgen müssen und dann die Entscheidung fallen, ob England oder Rußland künftig in Indien herrschen wird. Erst nach zweitägigen blutigen Kämpfen ist den Franzosen die Entsetzung der etwa noch vier deutsche Meilen von der chinesischen Grenze gelegenen Festung Tuyenquan gelungen. Dieselbe hübet den äußersten französischen Posten im Norden Tongkings und wurde von einer starken feindlichen Streitmacht, bestehend aus Schwarz-Flaggen und der aus der chinesischen Grenzprovinz Mnnan zusammengezogenen Armee, vor einigen Wochen eingeschloffen. Zum Entsätze der hart bedrängten, schwachen französischen Besatzung brach der Oberst- Commandirende, General Briere de l'Jsle, von Hanoi Ende Februar mit dem größten Theile seines Expeditions-Corps nach Tuyenquan auf, wo er am 3. März eimras. Ein Bericht Briere de l'Jsle's besagt, daß der Feind sich in einem Defilö vor der Festung stark verschanzt hatte und konnten die Chinesen erst nach zweitägigen Kämpfen, in denen sie den hartnäckigsten Widerstand leisteten und große Verluste erlitten, aus ihren Verschanzungen herausgeschlagen werden, womit der Entsatz Tuyenquans bewirkt war. Der französische Bericht besagt weiter, daß die Besatzung Tuyenquans nach Oeffnung einer Bresche 7 Sturmangriffe ausgehalten und dem Feinde große Verluste zugesügt habe. General Regner habe chinesische Forts an der Grenze, sowie bedeutende Mengen von Munition und Magazine zerstört. Neber die weiteren Pläne der französischen Heeresleitung verlautet noch nichts Näheres, namentlich ist es noch unbekannt, ob General Briöre de l'Jsle einen Vorstoß nach China plant._________________ Vermischtes. Homberg« d.O.am 5-MSrz. Se. Exc. Herr Oberconststorialpräsidcnt Dr. Goldmann und die Herren OderdomSnenrath Grünewald zu Darmstadt, Poltzetp. äsident von Strauß zu Wiisdaden, Pfarrer Stromberger zu Zwingenberg und Kretsbaumeister Schnitzel za G-ünberg besichtigten den Neuhof (Nm Ulrichstein) bet Homberg a. d. O. zum Zwecke der Gründung einer Arbeitercolonte. Dem Vernehmen nach eignen sich die dortigen Oeco^omte-Räumlichketten zu einer solchen WohllhättgkeUsanstalt, dagegen iteht der Errichtung der Colonte in dem von der Eisenbahn einige Stunden entfernten Neubof der Umstand entgegen, daß ausweislich der veröffentlichten Notizen in dem aus 84 Ortschaften bestehenden Kreise AlSfeld sich die Zahl der Vaganten erheblich vermindert hat und außerordentlich gering ist, daß ferner der Transport der Arbeit suchenden Vaganten aus den verkehrsreichen Gegenden von einer zur and.ren Ver- pflegungsstatton bis nach dem Neuhof mit nicht unbedeutenden Kostm und m t ver- hältnrßmäßig bedeutendem Zeitaufwand verbunden ist, welche Nachtheile vermiede« werden könnten, wenn dte Colonte dahin verlegt würde, wo erfahruugsmäßig die Arbeitsuchenden in größerer Anzahl sich aufhalten oder wo nach der Entlassung auS der Anstalt in nächster Nähe Aussicht auf ein Unterkommen sich darbietet, was wohl stets in verkehrsreicheren Gegenden der Fall sein wird. Daß durch die in der Arbettercolonie aufgenommenen Arbeitsuchenden im Sterbfalle während ihres Aufenthaltes in der Anstalt der Gemeinde oder bet eintretender Unterstützungsbedürfttgkett gleich nach der Enlassuug aus der Anstalt dem Landarmen- vrrband des KresseS keine Nachtheile erwachsen, dafür soll umfaffende Fürsorge getroffen worden sein. (A- Krsbl.) Hanau, 6 März. Heute Morgen zwischen 10 und 11 Uhr richtete, wie wir der „Han. Ztg * entnehmen, eine Windhose in der Gegend vom Akademregebäude btS zur Leipziger Straße ungeheuren Schaden an. Auf dem Becksschen Felsenk ller wurde vaS Dach des Fruchtmagazivs ganz abgehoben, ferner eine Faßhalle vollständig um- geworfen. Dte Felfinkeller von Gaus und Orichler sind erheblich am Dach beschädigt; in der Nicolay'schen Brauerei ist das Dach des Hopfenbodens demolirt- Der Orkan war so stark, daß tr geschlossene Fenster in den Rahmen durchbrach. Ferner sind der Bebraer Bahnhof und noch mehrere tm Ostvtertel gelegene Häuser mehr oder weniger beschädigt. Heidelberg, 7. März. Wie wir soeben erfahren, ist der berühmte Chemiker Geh. Rath o. Bunsen, an der Gesichtsrose höchst bedenklich erkrankt Bet dem hoben Alter des Patienten, Bunsen ist 75 Jahre alt, hegt MSN ernste Besorgntffe über dessen Zustand. Gingejandt. Gieße«, 9. März. Zur Sonntagsfeier. Von der wohl kaum zu bestreitenden Thatsache ausgehend, daß eine möglichst regelmäßige SonntagSfeter für d«8 geistige und leibliche Wohl der Menschen unbedingt nothwendig ist, wenn nicht moralische und physische Erschlaffung an dte Stelle ernst-fröhlichen und gesunden Lebens treten soll, erlaubt man sich einige Vorkommnisse fragend zu beleuchten und geneigter Beachtung anheimzugeben. Ist eS erlaubt, daß der Sonntag Morgen und gerade die Stunden vor und wahrend dcS HauptgottesdtensteS dazu benutzt werden, um z. B. Auszüge zu besorgen, wie dies Seitens einiger Soldaten an einem der letzten Sonntage mit Hülfe kleiner Karren in der Richtung vom Marktplatz durch dte Neustadt geschehen ist? Oder fördert es vielleicht das berechtigte Gefühl Derjenigen, welche am Sonntag, dem Rufe der Kirchenglocken folgend, gewahren müssen, daß unter dem Kirchenläutm bald PtaninoS zu Clubconcerten abgeladen werden, hier Wagen mit Wirthschastsmöveln beladen, dort Dienstmannskarren, Bierfuhrwerke, Mtlchkutschen mit Schellengcklmgel rc. tn ganz ungentrter Weise dte zur Kirche führenden Wege unter großem Geräusche benutzen, die Straße theilweise sperren und tn Allem auch dte äußerliche Ruhe des Sonntags, auf welche dte Gesammthett ein unbestreitbares Recht hat, tn lärmendster und ungehörigster Art stören? Wenn am Hellen Sonntag Mittag ein einheimischer Möbelwagen mit daran- hängendrm Transportkarren tn Begleitung von Dienstmännern dte Straßen durchfahren darf, müßte man dann auch nicht das Fahren anderer, wenig sauberer Fuhrwerke geschehen lassen, zumal was dem Einen recht ist, auch dem Andern billig sein soll? Wohin sollte es denn schließlich führen, wenn in dieser Weise unter Aller Augen Jeder sich anmaßen wollte, die Ruhe des Sonntags zu stören, weil es ihm nun gerade am Sonntag mal einfällt, zu commanbicen und arbeiten zu lassen, während er dochtv den 6 Wochentagen Zett genug dazu hat und solche vielleicht nutzlos verstreichen läßt? So wenig es wohl zum Dienst des Soldaten gehört oder zu seiner militärischen Ausbildung noihwendig ist, daß er Sonntags zum Ausziehen commanbirt wirb, so wenig kann man dem, der seinen Sonntag tn seiner Wesse ruhig verleben will, zu- muthen, daß er sich Alles gefallen lasse, was andere ruhelose Menschen an dem Tage schaffen, welcher dem Gottesdienste und der Erholung von der Wochenarbett gewidmet sein soll. Wer aber nun in vorgeichtlderter Weise den Sonntag zum geraden Gegentheil dessen macht, was er gesetzmäßig und zum Hesse der Menschen bedeuten mutz, den sollte man treffend und eventuell strafend dahin bedeuten, daß er kein Recht Hai. deo Tag durch sein Verhalten zu entheiligen und dessen Ruhe zu unterbrechen, an welchem seine Mitmenschen sich von der Arbeit und Mühe der Woche erholen und neue geistige und körperliche Kraft sammeln wollen, um in den kommenden Werktagen mit fröhlichem, frischen Muth den Kampf ums Dasein weiter zu führen! E. 8, Schiffs Nachrichten. Bremen, 7. März. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Donau, Capt. R. Rtngk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22 Februar von Bremen und am 24. Februar von Southampton abgegangen war, ist gestern 10 Uhr Abends wohlbehalten tn Newyork angekommen. Bremen, 7. März. sPer transatlantischen Telegraph^ Der Postdampfer Elbe, Capt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 25. Februar von Bremen und am 26. Februar von Southampton abgegangen war, ist gestern 10 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 7. März. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampsrr Nürnberg, Capt. A. Jaeger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18 Februar von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore augekommen. Bekanntmachung. An Stelle des seitherigen Rechners des Spar- und Vorschuß-Vereins II. in Beuern Balthafee Linden- struth il. daselbst, ist Heinrich Adam Lindenstruth III. daselbst, eingetreten. Gießen, den 26. Februar 1885. Großh. Amtsgericht Gießen. 1715 Müller. Die Liefermrg der sür unterzeichnete Anstalt in der Zeit vom 1. April 1885 bis Ende März 1886 erforderlichen Back-, Fleisch- und Specereiwaaren, sowie der Milch, der Seife und des Strohes soll auf dem Submissionswege vergeben werden Offerten sind bis längstens zum 20. Mürz bei unterzeichneter Stelle einzureichen. Großh. Direction der Entbindungs- Anstalt. 1720 Kaltenbach. Allgemeiner Anzeiger. BekENtmachnng. Die Lieferung des für das Vürgerhospital in der Zeit vom 1. Aprll d. I. bis 31. März n. I. erforderlich werdenden Bedarfs an: Ochsenfleisch, Schweinefleisch, Schweine- und Nierenfett, Wurst, Brod, Wecken, Kuchen, Mehl. Milch, Bohnen, Erbsen und Linsen, sowie die Fertigung der Särge für die auf Kosten der Armenkasse beerdigt werdenden Personen soll aus dem Submissionswege vergeben werden. Offerten sind bei Herrn Armenkafferechner La über, bei welchem die Lieferungsbedingungen eingesehen werden können, bis zum 16. d. MtS. verschlossen einzureichen. Gießen, am 7. März 1885. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. A. Bramm. Farqnet-Hiemen und Tafeln in allen Maßen und Mustern empfehle ich hiermit in vorzüglicher Qualität und bester Haltbarkeit unter Garantie. Ich unterhalte großes Lager, verkaufe Eichenriemen und Tafeln preiswerth ab Lager, auch übernehme sür Hier und Auswärts das Legen sowohl einzelner Räume, als auch ganzer Bauten. 1303 Frankfurter Dampfschreinerei und Parquetsabrik J. Gassner sen Fabrik: Friedberger Landstraße 195. Comptoir: Schöfergaffe 19. Keikgeöotenes. Kanadischer Riesen-Hafer erreicht zwar selten die Höhe des Triumpf- Hafers, hat aber auch nicht dessen Mängel als da sind: Hartes trockenes Stroh, leichte Lagerung und unegale Reifung. Cana- discher Riesenhafer gab bei vorjährigem Versuch auf leichtem Sandboden folgende Resultate: Auf 5 (Zentimeter gedrillt schossen aus jedem Korn 10—15 Halme, die Rispe war lang und dicht besetzt; das schön weiße Korn, dick mit sestanliegender aber dünner Schale, ist außerordentlich mehlreich. Der Ertrag war der 60 fache der Aussaat (danebenstehender, der gewöhnliche, gab den 8 fachen). Höhe des Strohes 5 Fuß. Bei breitwürfiger Aussaat darf nur % des gewöhnt. Hafers als Saatgut verwandt werden, gedrillt ist eure Drillmeite von 5—6 Ctm. zu empfehlen. Originalsack ä 100 Kilo 300 Jb, 5 Kilo 30 Le'.se rchrg verleben will, p delose Menschen an dem Ltz )U der Menarbdt ge* onntag M geraden Gegentheit r Menschen MM M, en, daß et Ito MH che zu unterbrechen, an oelche Woche »holen und neue M icuben Werktagm mit MA n! E'& ÄS ; °°-h ÄwÄ '“«-'S1;-.} «4 11 Uh »b äm. wiL Jergebung von Strahenbauarbeiten. Die nachstehenden, zum Neubau einer Kreisstratze vvn Grü- uingen nach Langgöns erforderlichen Arbeiten des l. Looses (Gemarkung Grüningen) sollen durch den Unterzeichneten SawStag den 14. März d. I., Nachmittags 1 Uyr auf Großherzoglicher Bürgermeisterei Grüningen im Wege schriftlicher Submission vergeben werden, und zwar: 1) Erdarbeiten, veranschlagt zu . . . «X 913,— 2) Beifuhr und Verlegen von Cement - Röhren, veranschlagt zu - 'E eine iwtdtn^e na»l 5'l t w non W oba SEE M ?vd die Oder SU” Ende wird sa rln> b” Richtung, daß 8 * »ft « Nta W mt?er”g^n tn i®1*8' teil btt ennS °°£ ^te, ab Ä ft ** Ri «Ä,loe »'«eiltorlh Mir äiÄo'bi666'* b«8 HSilit11,11 Md ,t,SÄÄ o“ ujuroigi Auch per Bahn ohne Umladung, sowre Verpackung von Glas, Porzellan rc. besorgt billigst unter Garantie 975 Ludwig Bender, Marktstr. 2k 1732 Möblirtes Zimmer mit Cabinet mit oder ohne Pension. Schillerftraße 20. 1730 Ich suche einen Arbeiter. Dan. Wirth's Nachf., Marktftraße. f/ Expedition A M«MVM Frankfurt a. M. 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Neuenweg 22 landS ein unzerstörbares Bedürfmß der ganzen Welt sei, und stehe da, die Erkenntniß wird immer allgemeiner, dotz am Ende haS britannische Jnselreich aus die Damr denn doch nicht mächttg genug sein könnte, seine bisherige Wettstellung angelt übt und ungeschmälert zum Nachthetle der übrigen Cutturoölker und Staaten zu erhalten. Die zahllosen Mißerfolge Englands in Südafrika und EgyptHp während der letzten Jahre, hervorgerusen durch kleinlichen Trotz und Egoismus, erzeugt durch den fortgesetzten Aufwand unzureichender Mittel und halben Maßregeln, haben das Cabinet von St. James aus einer Verlegenheit in die andere geworfen und schließlich in die heutige Lage gebracht, welche dem Selbstgefühl der Engländer nichts weniger als schmetchet- haft erscheinen mutz. Die Misfton deS Grafen Herbert BtSmarck, zofammengehalten mit den Seußer- ungen des Reichskanzlers am vorletzten Montag erscheint gleichfalls in einem Lichte, daS vielleicht für die Energie der retchSkanzlerischen Politik, nicht aber für einen bevorstehenden Erfolg Gladstom's oder Lord Granvrlle'S spricht. Man wird in London auch unS gegenüber in der nächsten Zeit so thun, alS ob man stch hätte bernhtgeu lasten, aber tn Wahrheit wird aus all' den angeblichen Mißverständnissen doch nur eine weitere Niederlage der englischen Colomalpolit k zur Thatsache geworden feto. De? europäische (Kontinent kann wobl mit einer solchen diplomatischen Entwicklung zufrieden sein, zumal eS schon jetzt klar ist, daß die seit einigen Tagen tu England herrschende Erregung und Bestürzung keine empfindlicheren und gefährlichen Verwicklungen weder für Großbritannien noch für irgend einen anderen Staat nach stch ziehen werden. 1666 Ein Mädchen, im Kleidermachen und Flicken geübt, flicht Beschäftigung. 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Die Dinge stehen aber nicht so ernst und schlimm, als man nach verschiedenen Zeitungsnachrichten glauben könnte; es fehlt nicht nur der Kriegsfall, sondern auch die KctegS- lost auf beiden Seiten. Die Sackgaffe, in welche die auswärtige Politik Englands durch die Dickköpfigkeit und Unfähigkeit Gladstone'S geratheu ist, kann allerdings enger und finsterer kaum gedacht werden. Frankreich ist schon seit Monaten kühl bis an'S Herz hman; Italien Wlt sich über die herablassende, um nicht zu sagen, gertngschStzende Haltung Englands ünläßlich der Expedttioa nach Maffaua einigermaßen gekränkt; die Pforte kommt auS dem egypttschen Kram nicht heraus und wie dir englischen Beziehungen zu uns und Rußland stehen, darüber haben wohl die Nachrichten der letzten Tage genügendes Licht verbreitet. * 1 Mit den neuen Schnelldampfern des Norddeutschen Lloyd kann man die Reise von Bremen nach Amerika achten, statische Berechnungen von Baneoustructionen u. dgL. 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Bei etaem so reichen @tntu8 wie Goethe, der in allen Zweigen der Dichtung sich bewegt, war es eine große Aufgabe, immer den richtigen Künstler für daS einzelne Werk zu finden; aber die reiche Erfahrung, welche der Verlag durch seine illuftrtrten Zeitschriften und die vocangegangenen Dtchterheroen hatte, bot ihm daS VerstSadniß unddieMttt-l, eine nicht minder glänzende Ausgabe Go the's zu veranstalten, die, wie wir constattren zu können unS freuen, bereits eine überrafefoenb große Verbreitung gefunden — ein Zmgn ß, daß Goethe heute immer mehr tn die Helzen der Natron dringt, populär wird rote Schiller. Und nicht zum wenigsten trägt dazu eine solche illustmtr Ausgabe bet, die dem Worte den Retz des Bildes verleiht, sts macht den Dichter auch Denen noch lieber, die ihn längst gekannt, macht ihn zu einem doppelten Schatz unserer Bibliotheken und verleiht ihm einen Reiz, der immer wi der zu ihm hinführt und ibn so recht zum Familienbuch fitmpdt. Und dieser Prachtausgabe ist ein Tcxt zu Grunde gelegt her, von der Hand eines der größten Goethekenner, des Dichttrbiogrophen Heinrich Düntz er, aufS Sorgfältigste ausgewählt und reötbirt, dem monumentalen Werke eine ganz wesentlich erhöhte Bedeutung verleiht, die sich auch nach der kritischen Sette zu einer DichterauSgabe ersten Range« erhebt- So ist Alles geschehen, um ein des Dichters würdiges Prachtwerk her- zustellm, daS in seinem herrlichen E'Nbande eine Zierde jeder Familtcnbtbliothek bildet und sich wie wenig andere Werke alS Festgeschenk für das Lebe« eignet. Zirm 22. März, dem nationalen Freudentage ganz Deutschlands, au welchem eS in biefem Jahre den neunundachtzigsten Geburtstag seines Kaisers feiert, hat die Deutsche DerlaaS-Anstalt (vormals Ed.Hallberger) in Stuttgart eine neue Ausgabe ihrer vor drei Jahren erschienenen Kaiserbiographie, welch? eine so große Verbreitung gefunden, veranstaltet- Dieselbe führt jetzt den Titel: »AchtirndachMg Jahre i« Glaube, Kampf und Sieg. Ein Menschen- und Heldenbild unseres deutschen Kaisers^. Dieses biographische VolkSpraÄtwerk ist nun fortgeführt bis auf die Gegenwart - zu dem Btlderfchmuck der ersten Ausgabe, die Aufsehen erregte durch die authentischen Illustrationen, sind jetzt noch weitere Copieen auS der Aquarell» fammlung Seiner Majestät htozugekommen, welche der Kaiser in der letzten Zeit sich hat unfertigen lassen und deren Benützung für daS Werk er ebenfalls wieder aller- gnädigst gestattet hat- Diese Festschrift, wie sie nunmehr in ihrem handlichen Format und billigen Preis (geheftet 2 gebunden 3 JÄ) uns vorliegt, darf mit Recht bezeichnet werden als eine Musterlebensbefchreibuna unseres HrldenkaiftrS in volkSihümlichem Genre, als Schmuckstück für den Familientifch, die HauSbibliothek, für patriotische Vereine, im Salon so gut wie in der einfachen Stube deS Bauern. ES muß ihr ferner nachgerühwt werden, daß sie mit außerordentlicher Wärme und Begeisterung geschrieben ist, authentisch sicher in allen Angaben und von größter Vollständigkeit. ES ist sichtlich ein Werk der Liebe und Anhänglichkeit an die Heldengestalt Kaiser Wilhelm^, würdig und edel, gediegen, echt, wahr und schön nach Text, Btlderfchmuck und Ausstattung, und das wird ihr Eingang verschaffen tn allen Kreisen deS deutschen Volkes, der deutschen Familie. Patriotische Vereine können ihrer Begeisterung und Verehrung für ihren Kaiser keinen beredteren Ausdruck geben, alS durch die Verbreitung dieser Festgabe unter ihren säinmt- ttchen Mitgliedern. Ebenso scheint unS dies schöne Werk vorzüglich geeignet zu Verwendung als Schulprämie, die sicherlich von Schülern und Eltern gleich willkommen geheißen wird. «Crftt **£*<•& MR--' _____ v. „ . . —----------- -— ---------- Diese Perspective Gesucht nicht erst von heute, aber weil sie heute klarer denn je steht — bei der Unfähig- . 77is>mmtan vacantcs M»--Ader englischen Polit k, Rußlands Vordringen aufzubalten — eben darum ist der 3„Mfe für einige T^viemmenftoß der englischen und russischen Macht in jenen G-bieten nur eine Frage Treffen unter E. V &n 3ett und eine welthistorische Nothwendigkett. f Gladstone gebührt daS traurige Verdienst, den Rückgang Großbritanniens in —--r-TTZ^ Richtung wie mit Rücksicht auf feine anderweitige coloniale Machtstellung be- /.liinPnStriCHClC' Mtunigt zu haben. Er und Granville waren nicht vorurthetlSloS genug, die Colonial- unsererseits zu würdigen. Sie glaubten, daß die coloniale Suprematie Eng- von , _ -A BRANDT CiviWngenieur Wenn man an dis stolzen Tage Beaconfield'S denkt, da Königin Victoria zur Saiskrtu von Indien geworden, da England Cypern erwaro und das russische Heer mhtnderte, in Korstanttnop-l einzurücken, so kann man eS kaum verstehen, daß Groß- htitannien die heutigen Niederlagen eines Gladstone und Granville tn der auswärtigen Wtttk zu ertragen vermag. Wir wissen sehr wobl, daß englische Ministerien in der Regel nur wegen inneren Fragen fallen, daß die Conservaliven tu England immer ttae sehr mittelmäßige innere Politik gemacht haben; aber mutz denn nicht dis auS Luter schon etngetretenen oder doch bevorstehenden Katastrophen combintrte Jsolirung der Mjrlischm Weltmacht innere Krisen der verschiedensten Art noch stch ziehen? Und daS Schlimmste an dieser Lage ist, daß im Augenblicke der Bestürzung heute tn England eigentlich Niemand weiß, wie auS der Sackgaffe herauSzukommen wäre. Man spricht zur Stande in London nur von Truppensendungen und redet sich tiv, daß England ein weiteres Vorrücken Rußlands gegen Herat nicht dulden werde. Wenn man nun auch in Petersburg so furchtsam wäre, auf solche Drohungen mehr zu eiben, alS dieselben werth find. In der That scheint an der Newa Niemand an ■wen Krieg mit England zu denken, so günstig auch dir BuSfichten für Rußland in Wem Augenblicke fein mögen. Wozu auch eine kriegerische Verwicklung, die gefährlich Änd kostspielig und mit Rücksicht auf die wahrscheinliche fernere Entwicklung an der Wichen Grenze Persiens üderflüsfig wäre? Verfolgt man den Gang der centralafiattfchen Politik Rußlands seit fünfzehn Zähren, berücksichtigt man die Stimmung der Petersburger und Moskauer Blätter feit Balgen Monaden, die mit brsonderer Zurückhaltung von dcr europäischen Orient-Politik, M vm so mehr Nachdruck aber von der „asiatischen Eutturmission Rußlands^ sprachen, 1o funn über den stetigen und unaufhattsamen Fortschritt der russtschen Macht gegen Münistan und Indien nicht der mindeste Zweifel obwalten. Ztebt man noch die Möztebigerkn materiellen Machtmittel Rußlands und die wettans größere Geschicklich- M der Ruffen, mit den centralasiattschen Völkern fertig zu werden, in Berücksichtigung, Lrdrvkt man endlich, daß dir „weiße Cza? so nab’", England so fern ist, und daß chmiltch nur einige hunderttausend Engländer Indien und Afghanistan im Zaune Suiten, dann ist die Zukunft der Länder und Reiche zwischen dem KaSpifchen und brm Nab'fchen Meere allerdings so klar vorgezeichnet, daß Rußland heute gar keine Ursache M Me kommende Entwicklung der Dinge zu überstürzen. In diesem Stone wäre auch eine allzu rasche Beschleunigung der russischen Ge- SiclSenverbung in der Richtung auf Herat nur vom Nebel. Die rusflschm Expeditionen nach Thiwa, Bochara unb den Tmkmenen-Sttppen haben ja gezeigt, daß jene Bölker- ichastm denn doch einen gewiffen Proceß der Asstmilimng durchmachen müssen und ßur eine zweckmäßige nachhaltige Behandlung derselben in oerhältnißmäßig kurzer Zkit die Entsendung von Huldigungsdeputationen zur Folge hat, die dann iu PtterS- ------hm oerfichern, daß dieser oder jener Stamm nichts sehnlicher herbeiwünsche als den SaaertM»st» »ichtigen Schutz und die ODerherrschfft des Ezaren. Wozu sollte man also jcht an Rewa die diplomattsche Ruhe ob deS LärmS, den John Bull gerade schlägt, oer» ir-irb gesucht. OMm nvp itttm? Km Ende wird ja eine oder die andere beruhigende Erklärung deS Ministers dcr Srved. d. A. KierS in der Richtung, daß Rußland eher an alles andere, als an eine Bedrohung —--- -Lastens oder Afghanistans denkt, hinreichen, um die Gemüiher in London für einige 3M beruhigen. Vielleicht wird bann wieder einmal von einer „neutralen Zone" Lpiftöen Bochara und Indien die Rede fein, aber diese wird gewiß ebensowenig Werth । - ^«sitzen, alS zur Zett, da sie Fürst Gortschakow das erste Mal theoretisch zugestand. AesoraungitVerwerthung * bet alledem wird Rußland seine äußersten Post-n in Esntralasien in aller Ruhe nn*tmm riuii-.iflnpnieur M Stille immer weiter vorschieben, bis endlich nach einem oder zwei Decennien 7 Müch jene Constellation an der Nordwestgrenze Indiens eingetreten sein wird, vor 1472 Vermischte Anzeigen. im Katz, Rechtsanwalt 1678 H. Schmoll, Hess. Hof. Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei tFr- Ehr. Pietsch) in Gießen- Bahnhofstr 24. Wafferbranche. Pumpen jeder Art und Größe. Eisen- und Bleiröhren. Küchenausgüffe, PiffvirS rc, emaill. und in Porzellan. »re zu ver- el, Bahn- 1516 1322 Au Ostern suche ich einen Lehrling mit guten Schulzeugnissen und erbitte schriftliche Offerten. 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