Nr. i@i. Freitag den 7. August 1888 «Mcßcncr Anzeiger Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen. t Schulstraße 7. ei-ff.«........................ v , w , e «rdi vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Brwgerlast«. Erscheint tätlich mtt L«tnd,me de- Mon1«sS. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pl. Betreffend: Die landwirthschaftliche Ausstellung in Hungen am 26. August l. I. Bekanntmachung. A.rr.n ^«hmirtbe Kes Kreises werden ersucht Proben ihrer diesjährigen Feld- und Gartenerzeugniffe, oder sonstiger Produkte landwirthschaft- ,ich-, «syhrssss» ääts z z-«y z». * -** ». S?ÄS?£ Ä-w.lf »«».«».. ».»..« « 8.1»» hau»n, M,urach i P. Dr. Diessenbach in Griinberg, O-konom Johanne. Bellen III. in Graben-Anden. Oekonom Philipp Zimmermann in Lich, Gutsadministrator Hermann in Winnerod, Pachter Joseph Güngerrch m Großen-Bueck.. .... ® ®ienSÄ 4°ftauguMe885Uf ”* landwirthschafttchen^ Bezirksoereins Gießen. ' 3l 0 V C Te Betreffend: Die Thierschau in Hungen am 28. August l. I. Bekanntmachung. Re-irksnerein Kieken stellt für vreiswurdiqes Vieh, welches bei der am 26. August l. I. in Hungen stattfindenden Thierschau m ä» ä belieben M bis zum 15 l M bei dem Unterzeichneten anzumelden. beä landwirthschaftliche» Bezirksoereins Gießen. G retzen, am 4. Augufl iööo. 0 yer. dm Zusammentritt einer Bolschafter-Conferenz in Konstantinopel meldet, welche die Frage des von Bulgarien an die Psorte zu zahlenden Tributs beratheu soll. Es würde sich also nur um eine Frage von untergeordneter Bedeutung handeln, und dürste deshalb die Conferenz wohl nicht sehr lange beisammen sein. In Frankreich wird die politische Situation noch immer durch die neuliche Colonialdebatte in der Deputirtenkammer, die sich zu einem Rededuell zwischen Ferry und Clemenceau zuspitzte, beherrscht. Die bemerkens- werthe Thatsache, daß Ferry durch de» Ministerpräsidenten Briffon nicht desavouirt wurde, wie es Clemenceau verlangt hatte, wird von den opportunistischen Organen gehörig ausgebeutet und alle feiern düs Bündniß Ferry- Brisson und die Niederlage Clemenceau's. Dagegen hält da» „Journal de» DöbatS", welches auf dem Standpunkte der gemäßigten Republikaner steht, die Lage nach wie vor für unverändert. Durch Ferry's Rede sei nichts entschieden, Clemenceau habe die Colonialfrage um keinen Schritt weiter gebracht und bte Regierung selbst verharre in ihrer abwartenden Stellung. Die radikalen und ultraradikalen Blätter sind natürlich mit der Haltung Bnsson's, der sich wider ihre Erwartung so gar nicht für Clemenceau in'» Zeug gelegt hat, durchaus nicht zufrieden und greifen den Confeilpräsidenten mehr oder minder heftig an. Nun, dar wird Herrn Brisson von Seiten der radikalen Presse noch öfters be- qegnen, den Herren kann es eben kein Ministerium recht machen. . Die' Verhandlungen der in Pari« tagenden lateinischen Münz-Conseren^ werden wahrscheinlich zum Austritt Belgiens aus der lateinischen Münz-Union führen. Die von Frankreich vorgefchlagens sogenannte Liquidations-Elausel ist für Belgien, wie dessen Delegirte auf der Conferenz erklärt haben, unannehmbar, danach sollen sich Die contrahirenden Machte ver- pflichten, im Falle der Auflösung der Union ihre Sübermunzen zu Pan wieder ru nehmen, wodurch Belgien, welches unverhältnißmäßig viel ©ubergelb ausgeprägt hat, 30 bis 40 Millionen Francs verlieren würde. Da die Schweiz und Italien für den Vorschlag Frankreichs sind und da auch em belgisches Amendement. dahingehend, daß im Fall- einer Auflösung des Münzverbandes die au» der Minderwerthigkeit des Silbers entstandenen Verluste aller Verbandsstaaten rusammenzurechnen und die Summe aus die einzelnen Staaten nach dem Ver- hültniß der Bevölkerung zu verthellen seien, von der Conseren, abgelehnt wurde, so dürste das Ausscheiden Belgiens aus dem lateinischen Munzverband kaum me5)t Wi^eder^drohten Allarmnachrichten aus Central-Asien, Die sommerliche Ruhe Europas zu stören; glücklicherweise haben sich dl- betr Mel- düngen als unbegründet herausgestellt. Es sollte nämlich dem „Standard zufolge ein abermaliger Zusammenstoß zwischen Russen und Afghanen bei Merut- schak stattgesunden haben, indessen ist in amtlichen Petersburger Kreisen von einem solchen Zusammenstoß nichts bekannt und wird die bezügliche „Standard - Nachricht zuständigen Orts als vollständig unbegründet bezeichnet. Auch ist es als ein entschieden beruhigendes Symptom auszufaffen, daß der leitende ruflische Staatsmann, Herr v. Giers, am Dienstag eine zweimonatliche Urlaubsreife i" - Köstlichen Ruflond hoben starke Erdbeben stottgefunden In den Orten Bilovodsk und Karabolty sind rm Ganzen 54 Personen durch die Erderschütterungen um'« Leben gekommen und 64 P-r'onen verwundet war- den. Di-Erdstöße wiederholen sich und die Bevölkerung der betr. Ort- sind ui 9r°6eSouu”t der Führer der canadischen Ausständischen, ist zum Tode durch den Strang verurlheilt worden; Riel hat gegen diese« Urtheil appellirt. Politische Uebersicht. Gieße«, 6. August. An dt-f-m Donnerstag begrüßen sich Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef wiederum auf österreichischem Boden, und zwar dtes- mal in Wildbad Gastein, wo Kaiser Wilhelni seit nunmehr zwei Wochen weilt. Abend» gegen 6 Uhr des genannten Tages trifft der österrerchlsch- Herrscher, von seiner erlauchten Gemahlin begleitet, von Ischl kommend, auf dem Strau- binger Platze in Gastein ein und wird darauf sofort die erste Begegnung und Begrüßung der beiden Monarchen erfolgen. Die österreichischen Majestäten werden bis Freitag Abend in Gastein weilen und jetzt sodann Kaiser Fnmz Josef die Weiterreise nach Innsbruck zum Schützenfeste fort, während sich Kallerin Elisabeth nach Zell am See begiebt. Kaiser Wilhelm selbst gedenkt gegen den 10. oder 11. August seine Gasteiner Kur zu beendigen und dann etwa am 13. d. Mts. in Berlin, resp. Schloß Babelsberg wieder einzutreffen. Die Nachrichten, denen zufolge die Zusammenkunft zwischen Kaiser Franz Joses und Kaiser Alexander IU. nunmehr bestimmt in der zweiten Hälfte des September stattstnden solle, werden von der Wiener „Preffe" als zutreffend bezeichnet. Wie das genannte Blatt aus gut infor- rnirter Quelle wiffen will, ist aber bis jetzt über den Ort dieser Zusammenkunft etwas Authentisches noch nicht bekannt. Die „Nordd. Allg. Ztg." hat wieder einmal einen „kalten Masser- Prahl" nach Paris gesendet. Derselbe ist gegen den „Temps" gerichtet, welcher in einem Artikel die Vermehrung der französischen Kavallerie an der Südostgrenze empfohlen hatte. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt nämlich: In dieser chauvinistischen Agitation des „Temps" liege ein Symptom, das der friedlichen Entwickelung nachbarlicher Beziehungen Frankreichs, wie sie Deutschland anstrebe, den Stimmungen der „Temps"-Leser nicht entspreche. Wir muffen uns jedoch gegen unseren Willen die Sorge ausdringen lassen, daß Frankreich nur aus die günstige Gelegenheit wartet, um allein oder im Bündniß mit einem Anderen über uns herzusallen. Auch im Auslande wird Niemand bezweifeln können, daß Deutschland unter keinen Umständen beabsichtigt, seinen Nachbarn anzugreisen; aber keiner wird sich der Besorgniß erwehren können, daß Der von Frankreich ersehnte Revanchetag noch immer das Mfttel bietet, womit jeder Parteimann Frankreich seine Landsleute fortzureißen vermag. Diese Möglichkeit kann einer friedliebenden Regierung durch den sAppell an die Revanche Schwierigkeiten bereiten und läßt uns befürchten, daß der französische Nachbar aus den Frieden mit Deutschland keinen höheren Werth legt, als zu irgend einer Zeit seit 200 Jahren. — Das klingt allerdings recht pessimistisch und ist um so demerkenswerther, als diese Aeußerungen in einem mit Recht als officiös geltes den Blatte, wie die „Nordd. Allg. Ztg.", zu finden sind; hoffentlich werden sich die leitenden Staatsmänner Frankreichs aber noch ferner durch die sie in den Fragen der hohen Politik charakterisirende Klugheit und Mäßigung auszeichnen. Die Berliner Universität beging am Montag in solenner Weise das Jabiläum ihres 75jährigen Bestehens durch einen großen Festzug der Studenten, Festaktus in der Aula der Universität und Fest-Commers. Das sächsische Königspaar hat sich auf einige Tage im strengsten Jncognilo nach der Insel Rügen begeben. „ , Der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Hvhenlohe, wurde am Sonntage vom Präsidenten Grsvy empfangen, mit dem er eine längere Unterredung hatte. >r , rrt . . Wieder eine europäissche Conferenz in Sicht'.^ Dieselbe wird von Wien aus signalisirt, indem die „Polit. Corresp." den demnächst stattfinden- Deutschland. Darmstadt. 5. August. Se. Königs. Hoheit der Grobherzog haben Allergnädigst geruht: Am 11. Juli den ordentlichen Professor Dr. Frhrn. v. d. Ropp zum Rector der Lanoes-Univerfität für die Zeil vom 1. October 1885 bi» dahin 1886 zu ernennen. „ , , c . „r Darmstadt, 4. August. Se. Großh. Hoheit der Prinz Alexander nebst Durchlauchtiger Gemahlin stnd gestern Abend au» England wieder hier eingetroffen und haben sich heute Vormittag nach Jugenheim begeben. Seine Hoheit der Fürst von Bulgarien und sein Bruder der Prinz Franz Joseph von Battenberg find nach den Vermählungü-Feierlichkeiten in Osborne nach Trouville rc. gereist. Der Prinz wird seinen Erlauchten Bruder nach Sofia begleiten und auch den Manöoern der bulgarischen Truppen beiwohnen. tznglaud. London, 5. August. Dar Unterhaus nahm in dritter Lesung dar Finanzgesetz an, ferner die Bills über die Errichtung des Bundesraths für Australien und des Ministerium» für Schottland. — Unterhaus. Bei der dritten Lesung des Finanzgesetzes präcisirle Hicks-Beach die Stellung der Regierung in der egyptischen Frage dahin: Wolff ist als Specialgesandter bei dem Sultan accreditirt. England, dar in Egypten nicht allein fei, müsse mit anderen Mächten, welche ebenfalls dort interesstrt sind, in Gemeinschaft vorgehen. Die Pforte besitze aber in Egypten gemäß de» Pariser Friedens souveräne Rechte, daher sei es England» Pflicht, sich dem guten Willen der Pforte in Behandlung der egyptifchen Angelegenheiten zu sichern. Heber die Räumung England» wünsche er nichts zu sagen; nicht» sei gefährlicher, als darauf anzufpielen. Die großen Pflichten und Aufgaben Englands müßten erfüllt werden. Mit der Türkei fei ein Arrangement zu treffen, um unter Beibehaltung der nöthigen Controle für England befriedigendere, mit den souveränen Rechten der Türkei sehr übereinstimmende Einrichtungen zu schaffen. Die innere Verwaltung Egypten« anlangend, wünsche da« Cabinet dieselbe zu reformlren, um die reellen Interessen Egyptens zu sördern. Die einzige Art, Fortschritte zu machen, bestehe darin, zu erklären, daß England in Egypten bleiben und seine Arbeit vollenden wolle. Nach nunmehriger Regelung der Finanzfrage hoffe die Regierung, bald einen reellen wichtigen Schritt zur Besserung der egyptifchen Angelegenheiten thun zu können. Bourke wiederholt die Versicherung, das Cabinet beabsichtige nicht, dem Khedive die Unterstützung Englands zu entziehen. — Salisbury empfing eine Deputation der Geschäftsleute, welche bat, das auswärtige Amt möge Schritte zur Beseitigung der Prämien auf fremden Zucker thun Salisbury erwiderte, die Regierung sei ohnmächtig, fo lange da» Parlament die Ermächtigung zu Vergeltungs-Zöllen verweigere, fet also eine Frage für die Wähler. Die Cholera in Marseille. Nach Südfrankreich, zu dem Einbruchsthore, durch welches sie im Vorjahre ihren Einzug aus Tongking entweder direct oder über Egypten nach Europa gehalten hat, )st die Cholera wieder zurückgekehrt; ihr Wicdcrauftauchcn in Marseille, anfangs officiös Telegraphische Depesche«. Wolff'» telegr. Lorresponde«L-»»rea«. Bad Gastein', 5. August. Den gestrigen Abend brachte Seine Majestät der Kaiser in der Villa der Gräfin Lehndorff zu; heute Vormittag promenirte Allerhochst- dcrselbe mit dem heute früh eingetroffenen Botschafter Prinzen Reuß und unterhielt sick dabei auch längere Zeit mit dem Staatsminister v. Bötticher und dessen Gemahlin. Zur Tafel sind heute geladen der Botschafter Prinz Reuß, Fürst Dolgorouky Hnb ^Gas^in^ö. August. Der Kaiser und die Kaiserin von Oester-reich gedenken morgen IV2 Uhr Nachmittags in Lend einzutreffen, daselbst zu diniren und alsdann mittelst ^Extrapost die Reise nach Gastein fortzusetzen, woselbst die Ankunft um 6 Uhr Abends erfolgt. Im Gefolge des Kaiscrvaares werden sich die Hofdame Mailath der Oberhofmeister Nopcsa, der Generaladjutant Mondel und die Flügeladjutanten Ehristalnigg und Fließer befinden. Zum Absteigequartier wird das Hotel Straubinger genommen. „.. ... Mainz, 5. August. Dr. Oechsner wurde zum ersten Bürgermeister gewählt. «ulda, 5. August. Zur Theilnahme an der Eonferenz der preußischen Bischöfe haben sich der Fürstbischof von Breslau, der Erzbischof Dr. Krementz und die Bischöfe von Hildesheim, Trier, Osnabrück, Münster und Limburg hier einge; sundcn • die Bischöfe von Paderborn und Kulm -sind durch Domcapitularc vertreten. Die Eonferenzcn begannen heute früh und werden, wie es heißt, bis zum Freitag baUCin©l&erfelfc, 5. August. Der „Elberf. Ztg." zufolge umfaßten die von Dr. Jühlke für die Ostafrikanische Gesellschaft gemachten neuen Gebietserwerbungen am Kilima- Ndscharo mehr als 1OOO Qnadratmeilen. Dresden, 5. August. Die Eraünzungswahlen für den sächsischen Landtag sind nunmehr amtlich auf den 15. September festgesetzt. Das „Dresdener Journal" veröffentlicht die Wahlcommissarim. Wien, 5. August. Die „Presse" meldet: Der Entrevue zwischen den Kaisern von Rußland und von Oesterreich, welche am 24* 25. und 26. d. M. in Kremsier stattfindet, wohnen auch die Kaiserin von Oesterrefth. von Rußland, wahrscheinlich auch Kronprinz Rudolf bei. Die Anwesenheit der beiderseitigen Minister des Aeußeren und Taffe's ist zweifellos. — Der „Polit. E." meldet aus Belgrad: Der Serbenkönig nahm dankend die Einladung des Prinzen Wilhelm von Preußen zu den Herbsthofjagden an: derselbe unternahm heute in Begleitung des deutschen und des österreichisch - ungarischen Ge- sandtm einen mehrtägigen Jagdausflug nach Risch. PariS, 5. August. Die „Agence Havas" meldet: Die Zeitungen legen allgemein ihr vollständiges Erstaunen über den Artikel der „Norddeutschen" an den Tag, dessen Sinn im "Augenblicke zu entdecken unmöglich ist, wo die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich ausgezeichnete scheinen und besonders bei einem so mäßigen inoffensiven Artikel, wie der des „Temps" es gewesen. London, 5. August. Das Unterhaus nahm in dritter Lesung die Bill an, welche die Ermächtigung zum Bau eines schiffbaren Canals bei Manchester ertheilt. Petersburg, 5. August. Der Minister Giers hat heute seine Reise nach dem Auslande angetreten. Wiborg, 5. August. Der Kaiser und die Kaiserin sind gestern Nachmittag hier eingelroffen und von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen worden. Nach einem Besuche der russischen und der schwedischen Kirche, sowie des russischen Gymnasiums hat das Kaiserpaar seine Reise alsbald nach Willmansftrand fortgesetzt. Petersburg, 5. August. Das Kaiserpaar ist gestern Nachmittag in Willmansftrand angelangt und begab sich in's Lager der finnischen Truppen; der Empfang war allenthalben ein enthusiastischer. Adrianopel, 5). August. Das englische Consulatsgebaude ist heute vollständig niedergebrannt. Athen, 5. August. Für die Marseiller Provenienzen ist eine fünftägige Quarantäne verfügt. bestritten, ist nun, wenn auch nur halb und halb, officiell eingestanden worden. Nachdem die Seuche inmitten der von Arabern geschaffenen, aber seit Vertreibung der Moriskos halb versumpften Canalnetze Südost-Spaniens überwintert hatte, im Frühjahr mit Heftigkeit wieder ausgebrochen war und ihre Derheerungszüge bis nahe an den atlantischen Ocean und die Pyrenäen fortgesetzt hatte, war ein Herüberspringen nach dem Süden Frankreichs nicht abzuwehren. Es fragt sich nur, ob das dort im Vorjahre als gräulich vernachlässigt befundene Sanitätswescn reformirt, ob die Anhäufung der Auswurfstoffe in den Häusern, namentlich in deren Kellern und neben den Küchen beseitigt ist — die prooenzalische Bevölkerung ihren unsauberen Gewohnheiten, dem Aberglauben und der Feigheit zu euffremden, ist leider nicht binnen Jahresfrist, erst im Verlaufe von Generationen möglich. Je nachdem gründliche Reformen vollzogen sind oder nach dem Vorüberziehen der Gefahr der alte schmutzige Schlendrian wieder eingekehrt ist, wird die Cholera im ranzöfischen Süden milde oder grausam Hausen. Wir fürchten das Letztere. Damit freilich wäre für uns noch keine Gefahr heraufbeschworen. Tie Er- ährungen des vorigen Sommers haben gezeigt, daß Mittel- und Nordfrankreich und die Schweiz genügend reinlich sind, um als Schutzwälle Deutschlands gegen die Invasion des gefürchteten Gastes zu bienen. ~ Wohl überspringt der Feind der Menschheit leicht die breitesten Wälle; doch wo die Sanitätseinrichtungen nicht völlig vernachlässigt sind, die Bevölkerung nicht aus feiger Todesfurcht die Besinnung verliert, da kann die Cholera höchstens Streifzüge unternehmen und hier und dort einzelne Menschen packen, welche durch unvernünftige Lebensweise ihre Widerstandskraft geschwächt haben. Der Worben Italiens freilich, obwohl er an Sauberkeit bem ©übe» weit überlegen ist, hat sich nicht seuchenfest erwiesen. Einerseits treibt bie unbändige Furcht die vielen, in Südfraukreich lebenden, norditalienischen Arbeiter in die Heimath, andererseits werden bie Kordons durch das- Einpferchen zahlreicher Flüchtlinge schnell verpestet und ft reuen bie Keime bes UcbelS burchs Lanb; endlich leben bie bäuerliche Bevölkerung Norditaliens und bie ärmeren Schichten ber Stabtbewohner ausschließlich von Polenta, bie zur Ernährung nicht hinrricht und die saft- und kraftlosen Leider zu leichter Beute der Pestilenz werden läßt. Aber ehe die Cholera aus der lombardischen und ber venetianischen Ebene bie julischeu und bie binarischen Alpen überschreiten könnte, um zu uns zu bringen, wäre ie wohl von der Kälte getöbtet worben. Und falls selbst im nächsten Jahre der ungebetene Gast weiter in Europa eindringen könnte, er wäre fein fürchterlicher Feind mehr. Die Cholera, selbst in ihrer indischen Heimath Jahr für Jahr an Kraft abnehmend, hat in Europa für ruhige, vernünftige, nicht durch die Furcht zur Kopflosigkeit verdammte Menschen ihre Schrecken verloren; denn sie hat den Charakter einer Gottesgeißel eingebüßt. Seit dem März wüthet sie in Spanien, in dessen Kothe, unter dessen ebenso mordsüchtiger, wie zu wahnwitziger Angst geneigten, den hygienischen Vorschriften betreffs der Ernährung täglich spottenden Bevölkerung, die entweder Mangel an Aerzten leidet oder mebicinifchen Charlataneu ausgelicfert ist, sie sich besonders heimisch fühlt; trotzdem wird die Zahl der an der Cholera Verstorbene» nur auf 30 000 (unter 16 Millionen Einwohnern), d. h. auf weniger geschätzt, als Lungentuberkulose und Diphtheritis jahraus jahrein bei uns hinraffen. Nur das Sprunghafte, Ueberrafchenbe in ber Krankheit unb bas häufig schnelle Herantreten bes Tobes an bie Kranken macht bie Eholerafurcht begreiflich; ein wenig Ueberlegung unb ruhiges Blut unb auch bie chrecklichste Eholeraepibemie erscheint uns unbebenklicher als bie Würgengel, welche stets bei uns heimisch finb. Universität- - Ehronik. — Für bas Lehrfach ber Geschichte hat sich in Berlin Dr. Earl Nobenberg als Privatbocent habililirt. Seine Probevorlesung behanbelte bc» Frieben ber Hansa mit Englanb im Jahre 1437. — An bie Stelle bes von Königsberg scheidenben Proseffors Dr. Merkel ist Professor Dr. Stieba in Dorpat als Professor der Anatomie berufen worben. — Der erste Theil ber Jubiläumsfeier ber Berliner Universität, ber Festzug. ber Studentenschaft, verlief in glanzvollster Weise. Trotz des regentrüben drohenden .«Wolkcnhimmels hatte schon lange vor der festgesetzten Zeit eine »ach vielen Tausenden zählende schaulustige Menge auf beiden Straßenfronten vom Königsplatz an dis zum Lustgarten Aufstellung genommen. Beide Plätze waren von allen Seiten abgesperrt. Nachdem das schwierige Werk des Aufstellcns glücklich beendet war, setzte sich der aus drei größeren Gruppen bestehende Zug, mit etwa 2000 Teilnehmer», darunter zahlreiche auswärtige Deputationen deutscher Universitäten, unter denen namentlich Bon», Breslau, Jena und Leipzig zahlreiche Vertreter gesandt hatten, in Bewegung. Es war ein farbenreiches Bild voller Lebe» und Abwechselung. Bemerkenswerth war außer anderem der Zug der etwa 90 Amerikaner, die, mit bem roaUenbcn Sternenbanner einherziehenb, ihre» Gefühlen ber Verehrung für bie Berliner Hochschule Aus- bruck verliehe». Auch Oesterreich, Nußlaub u»d Schweben waren vertrete». Im Marschtempo ging es nach bem Lustgarten, woselbst am Denkmal bem Stifter ber Alma mater ein prächtiger Lorbeerlranz mit langen weißen Schleifen unb ber Wib- mung: „Dem Gebächtmß bes Stifters ihrer Hochschule. Die Berliner Stubenten- schaft, am 3. August 1885" »iebergelcgt wurde. Von hier zog der Zug nach bem Universitätsgebäude und^nahm vor bemselden Ausstellung. Stud. v. Winterfeld vom „Verein Deutscher Studenten" bestieg eine Tribüne und hielt die schwungvolle, auf den Tag sich beziehende Festrede, die mit einem begeisterten Hoch auf bie Alma mater Berolinensis schloß. Die Festtheilnebmer begaben sich nun, soweit es der beschränkte Raum gestattete, in die Aula, woselbst Professor Derndurg vor einem geladenen Publikum die Ansprache hielt. Vor und nach der Rede wurde vom akademischen Gesangverein ein Psalm vorgetragen. Den Schluß bildete die Verlesung der Kritiken über die eingelieferten Preisarbeiten, sowie die Mittheilung der Preisarbeiten für das folgende Jahr. Lokale-. Gieße«, 6. August. Die heute in unserer Stadt tagende 24. Wander-Versammlung des Oberhessischen Bienenzüchter-Vereins ist von nah und fern ganz außerordentlich besucht. Die mit der Versammlung verbundene Jubiläumsfeier des Vereins sowohl als auch des hochverdienten Präsidenten, Herrn Pfarrer Deichert von Großen-Buseck, mag wohl mit ein Hauptanziehungspunkt gewesen sein. Die Wanderoersammlung wurde Vormittags 10'/, Uhr mit einer Ansprache deS Dereinsprasidenten eröffnet. Herr Beigeordneter Heß begrüßte hierauf als Vertreter der Stadt den Verein und die Gäste, welche sich heute in Gießen versammelt. — Als Vorsitzender des Local-ComitSs hielt Herr v. Gehren die eigentliche Festrede, behandelnd die Wirksamkeit des Vereins innerhalb der letztoerflosfenen 25 Jahre namentlich das segensreiche Wirken des VcreinSpräsidenten Hern, Pfarrer Deichert. Er beglückwünschte den Jubilar mit warmen Worten, welchen sich die Vertreter vrn auswärtigen Vereinen gleicherweise anschlofsen. Wir nennen u. A. die Herren Standing er von Worms, Vertreter für Rheinhessen, Siebert von Marburg für Kurhessen. Der Vertreter für Starkenburg, Herr General v. Frankenberg, welcher in letzter Stunde verhindert war, persönlich zu erscheinen, ließ sich entschuldigen und stattete schriftlich den Glückwunsch des Starkenburger Vereins ab. Se. König!. Hoheit ber Großherzog verlieh bem Jubilar bas Ritterkreuz I. Elasse Philipps bes Großmüthiae». Herr Seminarlehrer Wahl von Friedberg verlas bas Verleihungs-Deeret, vom heutigen Tage batirt, unb würbe bie Auszeichnung von der Versammlung jubelnd begrüßt. Der Jubilar dankte mit bewegten.Worten und lehnte bescheiden das Verdienst für bie geworbene Auszeichnung ab. Diff Bienen - Vereine von Oberhessen spenbcten dem Jubilar recht werthvolle Geschenke (Tafelaufsatz und fübeine Thee-Service rc.). Drei Heine iveiß gekleidete mit Blumen geschmückte Mädchen überreichten mit einem sinnigen Gedichte, welches ein Töchterchen des Herrn Kreisschulinspectors Büchner recht brav vortrug, die Geschenke. — Nach diesem feierlichen Acte wurde Bericht über die verflossenen 25 Jahre erstattet. An diesen Bericht schloffen sich die Vorträge ber Herren Professoren Dr. Lubwig unb Hoffmann, sowie Reallehrer Staudinger von Worms. — Nachmittags 2 Uhr vereinigt rin Festessen die Vereinsgenoffen und Gäste auf dem Felsenkcller, welchem spater Concert und Abends Vereinigung im Philosophenwalde folat. — Die Ausstellung von Bienen, Bienengeräthschaften, Honig rc auf dem Lenz'schen Felsenkeller ist von ca. 40 Ausstellern sehr reichlich beschickt worden und 256 Hefte ä 50 Pfennig. — 16 Halbfranzbände ä 10 Mark, KD . 6orl 3lobtnberg i Frieden der Hansa ofefsors Dr. MM Anatomie bemfm üversität, der M- egentrüben hjflih ach vielen TOM mgsplatz an bk M ,en Seiten abgesM. ,ax, W srch der aus hrnrrn, darunter zahlten namentlich Bonn, n, in Bewegung, bs Lemerkensweeth war em wallenden Sternen- erliner Hochschule Am- warm vertreten, nkmal dem «er der Gleisen und der M- ,ie Berliner Studm en^ zog der Zus nach dm Smd. v. 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Kemmer, O., Phantastische Geschichten. Preis 1 3t Leipzig, Bruno Lemme. Zigeuner- und Künstlernaturen führt uns der Dichter in kurzen Zügen vor. Es ist eine eigene Art der Rovellistik, die in den „Phantastischen Geschichten" zum Ausdruck kommt. Manche Novellen füllen nur wenige Blätter und doch wirken sie so eigenartig auf die Phantasie des Lesers, daß er eine gut ausgcführte, bis ins Detail erzählte Novelle gelesen zu haben glaubt. Handel «nd Verkehr. Gießen, 5. August. Auf d-em heute und gestern dahier abgehaltencn Viehmarkt waren ausgetriebcn: 1752 Stück Rindvieh und 485 Schweine. Der Handel bei ersterem war nicht lebhaft, dagegen bei letzteren sehr und die Preise hoch. Nächster Markt Dienstag den 18. und Mittwoch den 19. d. SI)L, am letzteren Tage auch Krämermarkt. Limburg, 5. August. Rother Weizen, alt 3t 16.00, neu 31 15.65, weißer Weizen 3t 00 Ou, Korn 3t 11.25, Gerste alt 3t 950, neu 3L 9.00, Hafer 3t 7.50, Kartoffeln i 100 Pfund 3t 0.00, Erbsen ä 100 Pfund 3t 00.00. Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 6. August, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 17 V?. Luft im Schatten 22». L. Ehr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer. den Flammen zu übergeben, die denkwürdigen historischen Worte gesprochen haben: „Ich führe Krieg mit den Lebenden, aber nicht mit den Tobten." Zu einer Nachforschung, ob Alba nicht doch sein Porhaben ausgeführt habe, ist cs freilich nie gekommen und so bleibt es denn unseren Tagen vorbehalten, zu constatiren, ob der gefürchtete Feldherr die Worte seines Herrschers befolgt und die Gebeine Luther's an ihrem Orte belassen habe. Jedenfalls darf man dem Resultat der geplanten Untersuchung mit großer Spannung cntgegensehen. — sJagdkalender.f Im Monat August ist Jagdzeit für Schwarzwild, männliches Edel- und Damwild, Rehböcke, alles Raubzeug, wilde Kaninchen, roiloc Tauben, alles Wild, welches im Großherzogthum oder in dessen nächster Umgebung nicht setzt oder nistet, ferner Eulen, Trappen, Schncpfenarten, Brachvögel undKibitzc. — Hegezeit für iveiblichcs Rehwild, Auer-, Birk- und Fasanenhähne, Rebhühner und alles übrige Wild. — sHumor auf dem Katheder.i Don den Originalen heißt cd, wie von den Möpsen, daß sie aussterben. Und doch ist gerade unsere Zeit reicher an komischen Käuzen als irgend eine andere, nur daß sie in diesem schnelllebenden Jahrhundert ganz unter den übrigen Menschen verschwinden. Wenn sich Jemand unterfangen wollte, die kleinen Eiaenthümlichkciten feiner lieben Wädjftcn auszuzeichncn, cs müßte ein stattlicher Band werden voll des sprudelndsten, köstlichsten Humors. Zum Beweise dafür nennen wir eine solche Sammlung „Gallcttiana 1750—1828. Ergötzlich und nachdenklich zu lesen" mit dem Motto: „Gotha ist nur nicht die schönste Stadt in ganz Italien, sondern sie hat auch viele Gelehrte gestiftet." Das Büchlein ist vor einigen Jahren als Manuscript gedruckt und enthält über 400 jenem Motto ebenbürtige Aussprüche des Professors Galletti in Gotha, dessen Schüler mit Eifer und Behagen die ergötzlichen Verdrehungen und gedankenlosen Sätze des öfters zerstreuten Lehrers gesammelt haben. Galletti (geb. 1750 in Altenburg, von 1783— 1828 Professor am Gymnasium zu Gotha) hat sich durch geschichtliche und geographische Werke, welche in vielen Auflagen bis in die neueste Zeit erschienen sind, um die Jugendbildung sehr verdient gemacht, aber in seiner^Zerstreutheit hat er im llnterricht oft die lächerlichsten Dinge gesagt, welche die losen Schüler ausgeschrieben und weiter verbreitet haben. Wir entnehmen dieser Sammlung als Proben folgende Schulspäße: Ich habe Euch schon oft gesagt: Ihr sollt keine Kirschkerne in die Schulstube werfen! Das ist ja eine Flegelei, wenn der Lehrer auf Kirschkerne tritt. Aus Krems, da wir gerade davon reden, kommen die schönsten und größten Ochsen. Mir dürfen Sie das glauben, ich weiß cd, denn mein Bruder ist dort geboren, mein Bitter war ein Kremser. Bei der Anlegung von Ställen rechnet man für ein Schwein zwölf Ouadratsuß Raum, für ein Schaf neun Quadralfuß. Wenn Sie daher, meine Herren, einen Stall bauen wollen, so wissen Sie genau, wie viel Raum Sie brauchen. Ja, ja, Herr Kirchenrath, mit dem Blödner bin ich recht wohl zufrieden, aber mit dem Seiffert gar nicht; aber besser wie der Blödner ist er noch immer. Der Lehrer hat immer Recht, auch wenn er Unrecht hat. Es muß gleich 4 Uhr schlagen, denn es hat vor einer guten halben Stunde Dreiviertel geschlagen. Der Boden der heißen Zone ist sandig, der der gemäßigten lehmig und die kalte Zone hat gar leinen Boden. In Portugal fängt das Klima erst im Februar an; im Sommer ist große Hitze, aber der Herbst benebelt Alles wieder. Die venetianische Verfassung ist eine gemischte Aristokratie, aus der es schwer ist, wieder herauszukommen. Die venetianischen Gondolieri sind so geschickt, daß sie sich mit einem Rüberschlage über den Markusplatz schwingen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. In England ist für die, welche das beste Rindfleisch darftcllcn, eine lebenslängliche Assekuranz ausgesetzt. Die Engländer würden bei Weitem nicht so viel Leder machen, wenn sie blos ihre eigenen Felle gerbten. Als Amsterdam erbaut wurde, kamen die Quadersteine von Pirna auf der Elbe herbeigeschwommen. Die Wohlgerüche Arabiens werden oft genannt, aber wenn man hinkommt, sieht man nichts davon. — [llcbertroffen.] Lieschen: Meine Mama kann Elavicr spielen, das kann die Deinige nicht. Berthchen: Dafür kann meine Mama die Zähne aus dem Mund nehmen, das kann die Deinige nicht. Lich, 5. August. Das 50jährige DienstjubUäum des Lehrers Walz wird am 24. September gefeiert werden. Die Vorbereitungen zu einer allgemeinen und würdigen Feier dieses Festes von Seiten der Stadt sind bereits im Gange. Aus dem Vogelsberg, 3. August. (Nebenbahn Nidda - Schotten. Ein Pseudo - Straßenmcifter.^ Die Vorarbeiten für den Bau der Nebenbahn Nidda- Schotien nehmen einen erfreulichen Fortgang. Die Grunderwerbungspläne werden voraussichtlich Ende dieses Monats fertiggestcllt fein, worauf dann mit dem Grund- erroerb begonnen werden wird. Wie verlautet, beabsichtigt die Bauleitung, die Erd- und Maurerarbeiten noch in diesem Jahre in Angriff nehmen zu lassen. — Vor einigen Tagen erschien bei zwei Strabenwarten, welche auf der Staatsstraße zwischen Schotten und Götzen ihrer Berufsarbeit oblagen, eine Persönlichkeit, welche sich denselben als der neuernannte Straßenmeister bei dem Kreisbauamt Nidda vorstellte und ihnen eröffnete, daß er beauftragt fei, die Straßcnwarte des Bezirks zu visitiren. Auffallender Weise würdigte der Visitator die Staatsstraße, auf welcher er sich befand, weiter keines Blickes, seine erste Amtshandlung bestand vielmehr darin, daß er gestrengen Tones die Straßeuwarte anffordertc, ihm nach Schotten zu folgen. Dort angelangt, begab er sich sofort in ein Wirthshaus und feuchtete feine im Dienst des Staates trocken gewordene Kehle ausgiebig mit Bier an, wobei er das Bezahlen herablassend den Straßenwarten überließ. Aber der Durst des Herrn Straßenmeistcrs schien nur schwer zu stillen zu fein und fo stiegen beim allmählich den Straßenwarten Bedenken auf, ob diese durstige Seele, welche von dienstlichen Angelegenheiten gar nichts verlauten ließ, wirklich ihr neuer Vorgesetzter sei. Als sie diesen Bedenken Ausdruck zu geben sich erlaubten, erhob sich der Gestrenge und verduftete mit großer Schnelligkeit. Die geschädigten Straßenwarte brauchten natürlich für den Spott nicht zu sorgen. Der Gensdarmeric soll es gelungen fein, die Identität des Schwindlers fcftiuftcUcn, fo daß er wohl bald hinter Schloß und Riegel fitzen wird. (D. Z.) Darmstadt, 4. August. Wie in jedem fünften Jahre, so findet auch in diesem, und zwar nm 8. und 9. August, in Heppenheim a. d. B. ein Festeommers der früheren und jetzigen Mitglieder des Eorps „Starkeuburgia" zu Gießen — diesmal der 45jährige — statt, und hat sich bereits eine stattliche Anzahl „alter Herren" hierzu angemeldet, fo daß der diesjährige Eommers voraussichtlich der von allen seitherigen am stärksten besuchte werden wird. Um den Theilnehmern aus dem Odenwald den Besuch zu erleichtern, hat die Direction der Main-Neckar-Bahit freundlichst gestattet, daß der in Heppenheim kurz vor Beginn des Eommerses am Abend ein- treffende Personenzug von Darmstadt 10 Minuten später (6 Uhr 20 Min.) abfährt, um noch die aus dem Odenwald um 6 Uhr 15 Min. ankommenden Festtheilnehmer ausnehmen zu können, während in gleichem Sinne die Spceial-Direetion der Hessischen Ludwigsbahn pünktliches Eintreffen des in Rede stehenden Zuges aus dem Odenwald iugefagt hat. Darmstadt, 5. August. Ein Taschendieb wurde gestern hier auf eine originelle Weise gefaßt. Schon seit mehreren Wochen nämlich wurden regelmäßig auf dem Wochcnmarkte Taschendiebstähle verübt, ohne daß cs der Polizei trotz aller Bemühungen gelungen wäre, des Diebes habhaft zu werden. Gestern sollte er jedoch seinem Schicksale nicht entgehen. Der Revier - Eommisiarius der Marktpolizei hatte ange- orbnet, daß der Marktplatz vom 3. Stockwerke mehrerer daran gelegenen Wohnungen durch mit Operngläsern bewaffnete Schutzleute beobachtet werde, und in der Thai gelang cs dem Rottrneister, auf diese Weise wahrzunehmen, wie ein schon bestrafter vierzehnjähriger Bursche einer Dame das Portemonnaie aus der Tasche cscamotirte. — Ein cigenthümliches Ercigniß erhält seit einigen Zagen die Regensburger Bevölkerung in bedeutender Aufregung. Seit ganz kurzer Seit haben nämlich fämrnt- lichc Dohlen, die zu tausenden die Domthürme bevölkerten, dieselben mit einem Schlage verlassen. Wenn man bedenkt, daß die Erscheinung im Jahre 1873 vor Eintritt der Cholera eintrat, so ist diese Aufregung sehr erklärlich. Auch in München soll eine, wenn auch nicht fo krasse, doch ähnliche Erfcheinung an den Dohlen der Frauenthärme bemerkbar sein. — (Arbeitercolonie.j Wie bekannt, ist am I.Jnli das fisealifcheHosgut Neu- Ulrichstein pachtweise von dem Verein zur Gründung einer Arbeitercolonie im Großherzogthum Hessen und Regierungsbezirk Wiesbaden übernommen worden. Nach Verlauf eines Monats wird eS von Interesse fein, zu erfahren, was zur Herstellung der Gebäude und zur Vorbereitung für die Aufnahme der Eolonisten geschehen ist. Die Gebäude, die zum Thcil einer gründlichen Reparatur, zum ZI)eil eines Neubaues bedürfen, werden bei anhaltend günstiger Witterung gegen Mitte September fertig werden, so daß dann eine förmliche Eröffnung der Colonie stattfiuden kann. Das hielt den Jnfpector Schmidt nicht ab, gleich von Anfang an, so weit es die Schlaf- räumc gestatteten, einzelne Eolonisten aufzunehmen und dieselben theils in der Laud- wirthschast, theils bei den Baum beiten zu verwenden. Bis rum 30. Juli hatten 11 Mann Arbeit angenommen. Für 2 wurde anderweitig durch das Arbeitsnachweise- burcau Arbeit verschafft, 1 ging nach Hanse, die übrigen sind in der Wirthschaft beschäftigt und sind fleißig. Der Jnfpector hatte über deren Benehmen keine Klage zu führen. Erfreulich ist es, daß benachbarte Arbeitgeber anfangen, von der Verwaltung der Colonie Arbeiter zu erbitten. Das ist ein ganz guter Anfang und läßt ffich darnach erwarten, daß die Colonie 9teu - Ulrichstein für ihr Gebiet die gesteckte Ausgabe erfüllen wird. — Aus Anlaß des Umbaues der Schlvßkirche in Wittenberg wird eine aus hohen Beamten, Geistlichen, Baumeistern und ärztlichen Fachmännern gebildete Commission demnächst auch die in der Schloßkirche ruhenden Gebeine Luther's einer Besichtigung unterziehen. Man hegt nämlich, da nachweislich seit Jahrhunderten feine derartige Besichtigung stattgefunden hat, die Vermuthung, daß die Gebeine seinerzeit auf Befehl des Herzogs Alba ausgegraben und verbrannt worden seien. Gelegentlich seiner Anwesenheit in der Wittenberger SHloßkirchc soll bekanntlich Philipp 1L von Spanien, als ihn der Herzog aufforderte, die sterblichen Uebcrrefte des „Ketzers" Luther 5672 Ein in gutem Zustande befindliches Billard ist wegen Mangel an "Raum billig zu verkaufen. Wo? sagt die Exped. d. Bl. Neue Hellerlinsen offerirt 5613 S. Glsoffer. Hilngcncr landwirthschasiliche Loose per Stück Mk. I— sind in Der Expedition des „Gießener Anzeiger" ju haben. — (Ziehung: am 27. August 1885.) Kaufmännischer Verein Giessen. Die auf den 4. er. einberufene 5686 Austerordentl. Geuerulversammlung genügte nicht den Bestimmungen des Statuts und wird solche wiederholt auf Freitag den 7. er., Abends 81/2 Uhr, im Vereinslocale nach Maßgabe des § 42 anberaumt. Der Vorstand. Städtische Baugewerkschule zu IDSTEIN im TAUNUS. 5669 Heranbildung zu Baugewerkemeistern. Abgangsprüf. n. d. Prüfungsordn. v. 6. Sept. 1882 v. e. Königl. Prüfungscom. Vorkursus beg. 6. Okt., Wintersemester 2. Nov. Programm u. Auskunft kostenlos d. d. Direction. Allgemeine Über 500 Illustrationstafeln und Kartenbeilagen. Alle ältern Konuersations-Lexika nimmt jede Buchhandlung für 42 Mark in Umtausch an. ObntztWe Gsttltzahven. Dir Lieferung von kiefernen Brücken- schwellen und Dielen soll vergeben werden. Verzeichnisse, welche die Anzahl der einzelnen Stücke und die Dimensionen enthalten, sowie die Bedingungen sind bei unserer Magarinsverwaltung dahier, sowie bei dem Großherzoglichen Eisenbahnbaumeister zu Alsfeld einzusehen Offerten, verschlossen und mit bezüglicher Aufschrift versehen, werden bis zum 15. ds. MtS. erbeten. Gießen, den 3. Auaust 188o. 56/3 Großherzogliche Direktion. ^Bauverding. Die zur Erbauung einer Sections- halle bei der Veterinär-Anstalt zu Gießen erforderlichen Bauarbeiten sollen im Wege der allgemeinen schriftlichen Unterbietung verdungen werden. Dieselben sind veranschlagt: Maurerarbeit zu 4160,75 Steinhauerarbeit „ „ 709,— Zimmerarbeit „ „ 1096,25 Dachdeckerarbeit „ „ 732,— Schreinerarbeit „ „ 1146,30 Schlosserarbeit „ „ 1040,50 Glaserarbeit „ „ 464,— Weißbinderarbeit „ „ 793,— Spenglerarbeit „ „ 150, Pflasterarbeit „ „ 235,— Die Bieter haben die Angebote nach Prozenten der Titeljummen, schriftlich, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 13. August l. I., Vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen, bis zu welchem Termin Plan, Anschlag und Bedingungen ein- gesehen werden können. Gießen, den 4. August 1885. Großh. Kreisbauamt Gießen. I- V-: Kranz, 5671 ________Großh. Baumeister. Freitag den 7. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, in der Flett'schen Hofraitbe dahier, sollen gegen Baar versteigert werden: 3 Secretäre, 2 Spiegel-, 2 Kleider-, 2 Küchenschränke, 2 Sopha'S, Spiegel, Tische, Stühle — darunter solche zur Wirthschasts-Einrichtung —, 1 Nahmaschine, 2 Betten, 1 Wagen rc. rc. Gießen, den 4. August 1885. Engel, 5662 Gerichtsvollzieher in Gi-eßen. Jeitgeöotenes. Einige große Bleander § sind zu verkaufen. Wiesenstraße 1. Mehrere Bäume Pflaumen zu verkaufen im 5689 Kärrier'schen Garten. Louis Looy Marktstraße 23 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Küchen- und Haushaltartikeln, Korbwaaren, Bürsten & Küferwaaren. Reparaturen an Küferwaaren wer- den gut ausgeführt. 5203 Badeöfen selbstgefertigte, in blank und lackiert, Heizzeit eines Bades 10 Minuten, vorräthig bei Ch. Zimmer, Kupferschmied, 5483 Bahnhofstraße 12. Iiicarnal-Kleesameii von diesjähriger Ernte empfiehlt Sogs H. F. Nassauer. Prima neue hoü. Voühäringe ä 6 Pfg. offerirt 5612 S. Elsoffer. 5635 Butter, frisch u. süß, das Pfund 90 Pfennig. Neustadt 51. Redaction: Liederkranz. Die aus den 16. August anberanmte Parthie auf den Staufenberg findet schon Sonntag den 9. August statt. Absahrt mit Extra,ug nach Lollar: 1 Uhr 50 Min- Rückfahrt: 9 Uhr 40 Min. BillrtS ä 60 Pfg. können von 1 Uhr ab am Bahnhof in Empfang genommen werden. Kinder von Mitgliedern unter 14 Jahren fahren frei- 5687 Der Vorstand. Don heute an bis Montag den 10. August ist die Menagerie in Oswalds Garten von Morgens 10 bis Abends 10 Uhr geöffnet. Nachmittags 4, 6 11. 8 Uhr: Haupt-Borstellungen mit Fütterung der Thiere. 5692 Zum Besuche ladet freundlichst ein jPr» Krickel^ Menageriebesitzer. Verkaufsstellen r | C. G Kleinhenn, Kreuzplatz 1. I Conditor H. Kinkel, Marktstr. 32. 1.30 1.40 1.50 1.50 2.— 2.— 2 — 2.50 2.50 2.59 Gebr. Adami, Mäusburg 14. Ferd. Drebes, Marktplatz 21. Madeira u. Pajarete JL Sherry u. Montilla „ Malaga u. Madeira, alten „ Moskatel u. Alicante „ Lacrima-Christi . . ,, Priorato, roth, herb Priorato, roth, süss . „ Valdepennas, roth . „ Malaga-Xerez (Sherry) „ Malaga u. Oporto . „ Friedrich Leo, Seltersweg 71. Auf Burg Gleiberg sind die Weine im Glas zu haben. Chr. Daudiy Wolfstrasse 13, empfiehlt unter Garantie der Reinheit sein Lager von direct importirten Spanischen Sanitäts- und Dessert - Weinen. Avis für Damen. 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Bamberger, Südanlage 20. 5564 Ein unmöblirtes Zimmer zu ver- miethen. Julius Möhl, Flügelsgasse 24. 5566] Logis zu vermiethen. Grünbergerstraße 40. vermischte Anzeigen. 5674 Zwei ineinandergehende, unmöb- lirte Zimmer, in ruhiger Lage, werden zu miethen gesucht. Offerten sind bei der Exped. d. Bl. abzugeben. . I DV Stellensuchende jeden Be- ruf- vlacirt schnell Reuter'- Bureau in Dresden, Rcitbahnstr. 25. 56/5 Gebackene Fische in der Pulvermühle. 5688 Einen tüchtigen Schreiner-Ge» sellen auf dauernde Arbeit sucht, Carl Hahn, Katharinengaste 12. A. Schepda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Dntckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.