L88K Erstes Blatt. Sonntag den 6. December Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. »*«<*«- Schulst°°ß°7. Erscheint täglich mit -l°sn.hm° d°S Montags. ^rk-IMrNch Amtlicher Iheil. Bekanntmachung. Nachdem die Schafe des Philipp Heinrich Hublitz und Genoffen zu Trais-Horloff wegen Vorhandenseins der Näudekrankheit unter Stallsperre gestellt worden sind, so wird dies hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, den 4. December 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ________________________________________________________Dr. Boekmann. _________ Gefunden: 1 Schürze, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Lochsäge, 2 Spannketten, 1 Leibgurt, 1 Handschuh, 1 Hundehalsband, 1 Visitenkarten- täschchen und mehrere Schlüssel. Gießen, am 5. December 1885. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.____________________________ Deutschland. Berlin, 3. December. Zur Information für den Reichstag hat der Reichskanzler dem Präsidenten des Reichstages eine Denkschrift über die deutschen Schutzgebiete mit dem Ersuchen zugehen lassen, dieselbe zur Kenntniß des Reichstages zu bringen. In der Denkschrift ist in der Einleitung noch besonders darauf hingewiesen, wie der Grundgedanke der deutschen Colonialpolitik davon ausgehe, daß der Schutz und die Aufsicht des Reiches den deutschen Handelsunternehmungen in überseeischen Ländern zu folgen und so weit einzutreten haben, als sich das Bedürsniß geltend macht, und wie dieser Grundgedanke auch bei der vorläufigen Regelung der inneren Verhältnisse maßgebend geblieben ist Im umfangreichsten Theile der deutschen Schutzgebiete, nämlich in den Erwerbungen der Neu-Guinea-Compagnie und der Deutschen Ostasrikanischen Gesell- schast, konnte sich das Reich eines unmittelbaren Eingreifens in die Gestaltung der inneren Verhältnisse bisher enthalten. Hier scheint es von Haus aus thun- lich, die Korporationen der Unternehmer selbst mit der politischen und administrativen Organisation der Schutzgebiete nach den vorhandenen Bedürfnissen, wenn auch unter kaiserlicher Aufsicht, doch nach eigenem Ermessen vorgehen zu lassen. Es liegt in der Absicht der Behörden, von dieser Aufsicht einen sparsamen Gebrauch zu machen. Die Verhältnisse in Südwestafrika sind derartig, daß sie zu einem unmittelbaren Eingreifen amtlicher Art keinen Anlaß bieten. Der entsandte kaiserliche Commiffar wird nur dafür zu sorgen haben, daß die unter den Schutz des Kaisers getretenen Häuptlinge miteinander in Frieden leben und daß den deutschen Unternehmern zur Exploitirung der ihnen gewährten Concesstonen und zur Bewirthschaftung der ihnen überlassenen Landstrecken keine Hindernisse bereitet werden. Nur das Kamerun- und Togo-Gebiet konnte trotz der Bemühungen des Reichs-Commissars nicht unter die unmittelbare Verwaltung der interessirten Handelsfirmen gestellt werden, so daß die dorthin gesandten kaiserlichen Beamten unmittelbar in die Organisation einzugreisen haben. Aber auch hier wird die Bildung eines bureaukratischen Regiments sorgfältig vermieden werden. Der Gouverneur bedient sich bereits eines Beiraths, der aus Inhabern der dort ansässigen Firmen gebildet wird. Außerdem werden vom auswärtigen Amt dem Hamburger Spndicat für Westafrika die Beschlüsse zur Begutachtung vorgelegt. Im Einzelnen beschäftigt sich sodann die Denkschrift in fünf Rubriken mit Kamerun, Togo, der Deutsche Ostasrikanischen Gesellschaft, Südwestafrika, Witu und Neu-Guinea. In jeder einzelnen Rubrik wird, soweit es thunlich war, der Umfang des Gebietes und die Stellung desselben unter deutsches Protectorat angegeben und außerdem Alles das hervorgehoben, was amtlich zur Kenntniß des Reichskanzlers gekommen ist, oder was Seitens des Letzteren, oder des Gouverneurs refp. der Kommissare angeordnet wurde. Ohne Zweifel bezweckt die Denkschrift, dem Reichstage alles mögliche Material für die Beurtheilung der Colonialpolitik zugängig zu machen und allensallsigen Wünschen nach dieser Richtung zuvorzukommen. Bulgarien. Sofia, 4. December. Fürst Alexander beantwortete die Depesche des Großveziers vom 1. ds. durch ein Schreiben, worin er erklärt: er wiederhole, daß er, getreu dem Versprechen, welches er dem Sultan gegeben habe, die Entschließungen der rumelischen Bevölkerung in keiner Weise beeinflussen werde, weder durch Sendung bulgarischer Truppen nach Rumelien, noch durch andere Mittel. Zur Sicherung des Friedens, der Ordnung und der Ruhe, welche zu erhalten ihm bisher gelungen sei, halte er es indeß für das geeignetste Mittel, wenn der Sultan die Absendung des kaiserlichen Commiffars nach Philippopel bis zum Abschluß oes Friedens mit Serbien verschiebe. Der Fürst zweifelt nicht, der Großvezier werde anerkennen, daß er sich der Pflichten gegenüber dem Suzeränenhos vollständig bewußt sei. Der Inhalt des Schreibens des Fürsten ist auch den Vertretern der Großmächte mitgetheilt worden. — Oberst Milanowitsch wird zur Ueberbringung der Antwort Serbiens uf die Waffenstillstands-Anträge morgen in Pirot erwartet. Türkei. Konstantinopel, 4. Decbr. Die Lloyddampser nahmen am 2. December den Transport von Reservetruppen, welcher jüngst suspendirt worden war, wieder auf. 3700 Mann sind am 2. December von Kleinasien nach Dedeagatsch und Salonichi abgegangen. Heute ist ein Schiff von hier nach Jsmidt gefahren, um weitere Truppen einzuschiffen. — Graf Corti wies den italienischen Konsul in Philippopel au, ebenfalls die türkischen Delegirten zu unterstützen. Reichstag. E. R. Berlin, 4. December. In der heutigen Sitzung des Reichstags wurde die Berathung der Anträge auf Arbeiterschutz fortgesetzt. Abg. Cegielski (Pole) erklärt sich für Ueberweisung an eine Commission von 28 Mitgliedern. Abg. Dr. Baumbach (bfr.) Die Rede des Abg. Pfannkuch hat gezeigt, daß der socialdemokratische Antrag nur eine Etappe zum Zwangsstaat sein soll. Wir glauben der Gesammtheit am besten zu nützen, wenn wir die Einzelkräfte stärken. Deshalb wollen wir keine polizeilichen Bevormundungen, keinen Jnnungszwang und Vorbildungsnachweis. Wir wünschen die Stärkung der Fach- und Gewerbvereine, und glauben, daß man auf dem Gebiet der Frauen- und Kinderarbeit manchen Mißbrauch abstellen kann Der völlige Ausschluß der Kinderarbeit von der Fabrikarbeit ist discutabel und die Ausführung auch nicht schwierig; kommt doch y B. in Berlin auf 1000 Arbeiter nur ein weibliches Kind als Fabrikarbeiterin. Die Frau von der Fabrikarbeit aus- zuschlreßen, ist inhuman und die Beschränkung ihrer Erwerbsfähigkeit zwingt sie zu unehrenhaftem Erwerbe. Ich warne den Abg. Lieber vor den Damen Guilleaume-Schack u. s. tv., die ja schon als Mitglieder in den Reichstag eindringen wollen. Gerade diese Vertreterinnen der Arbeiterinnen haben ja erklärt, von dem practischen Christenthum der Konservativen und des Centrums nicht satt werden zu können. Die Socialdemokraten verlangen einen Arbeitstag von 10 Stunden; dazu braucht man doch aber nicht die Einführung des Normalarbeitstages." Im Interesse der Arbeiter selbst und mit Rücksicht auf die Lohnfrage sind derartige generelle Organisationen aber unannehnrbar. Die Forderung, daß der Unternehmer den Ausfall tragen und einen Mintmallohn zahlen muß, klingt.sehr schön; aber dann wird kein Unternehmer mehr Arbeiter beschäftigen wollen. Wann mag wohl, wie Abg. Psannkuch gestern meinte, Oie Arbeit geadelt haben? Ich meine, die Arbeit ist niemals so anerkannt worden, wie heute. Sorgen wir, daß diese Anerkennung noch größer werde — aber nicht mit Hülfe des socialistischcn Polizeistaats. (Lebh. Beifall links.) Abg. Ko patz check (cons.) Die Konservativen, die mitten im Volke stehen, haben ihre Anträge, ohne von der Socialdemokratie beeinflußt zu sein, gestellt. Die von den socialdemokratischen Abgeordneten geforderte internationale Erhebung über die Verhältnisse der Lohnarbeiter in Bezug auf die Arbeitslöhne ist ganz unausführbar. Eine Enquete über diese Materie ist nur im Jnlande möglich, und die Enquete über die Sonntagsseier gießt uns jedenfalls ein beachtenswerthes Material für die Arbeiten der Kommission. Dem Antrag des Kentrums auf Verbot der Kinderarbeit stimme ich bei, aber die Forderung des Kentrums, für verheirathete Frauen eine Arbeitszeit von nur sechs Stunden zu bewilligen, wird zur Folge haben, daß man angesichts des starken Angebots von weiblichen Arbeitskräften, verheirathete Frauen überhaupt nicht mehr beschäftigen wird. Die Einführung der Maximalarbeitszeit ist für mich nur eine Frage, der Zeit. Erreichen wir jetzt den Schutz der Arbeiterfrauen und -Kinder, so ist dies schon ein großer Erfolg. Es gilt, die Selbstsucht zu bekämpfen mit der Kraft des Ehristenthums, und deshalb bekennen wir uns zu jenem practischen Ehristenthum der kaiserlichen Botschaft. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Böttcher (nat.-lib.) Die Ausführung der socialdemokratischen Anträge widerspricht völlig den realen Verhältnissen und sind nicht möglich ohne Schädigung des Unternehmers, was aber in den seltensten Fällen erträglich sein wird. Das Verlangen des Minimalarbeitslohns bedeutet das Zwangs-Unternehmen, denn welcher freie Unternehmer würde sich die Hände binden wollen Unsere Zeit ist die der individuellen Freiheit, der höchste Kulturzustand, den die Menschen je gehabt. Bei der Frage der Kinderarbeit ist nicht die Industrie, sondern das Interesse der Kinder vor Allem zu berücksichtigen; bei der Sonntagsruhe dreht es sich doch auch darum, wie weit wir die Sonntagsfeier durchführen können. Durch die Kentrumsanträge wird die Frau aus der geregelten Fabrikarbeit in die uncontrolirbare Hausindustrie getrieben. Ehelosigkeit und Koncubinat ist die Folge. Für die wirthschastliche Tyrannei her Fabrikbesitzer hat Abg. Lieber keine Beweise erbracht. Wir wollen alle Anträge eingehend prüfen, aber es ist unmöglich, diese wichtige Frage aus dem Wege der Gesetzgebung zu regeln. Äbg. Win ter er (Elsässer). Zur Socialreform gehört nicht nur die ökonomische Verbesserung, sondern vor Allem die Besserung der Familienverhältnisse; dazu gehört die Sonntagsruhe. Dem Arbeiter und seiner Familie muß dic Sonnlagsfeicr ohne Rücksicht auf den Kampf mit der Koncurrenz werden. Die Industrie ist der Menschen wegen da und nicht umgekehrt. Der Ausschluß der Frau von der Fabrikarbeit ist undurchführbar; entschieden muß aber das Aufhören der Nachtarbeit der Frauen aus moralischen und sanitären Rücksichten gefördert werden. (Beifall rechts und im Kentrum). Die Discussion wird geschlossen. Abg. Halben (dfr.) erklärt, daß er durch den Schluß der Debatte verhindert worden, sich Namens eines Theils der Freisinnigen für die Anträge in gewissem Umfange zustimmend zu erklären. _ Am Schlußwort erklärt Abg. Auer (Socialdem.). Wenn der Regierungsvertreter gemeint hat, Kommifsionsberathungen feien wichtiger als Plenarreden, so erscheint das doch sonderbar, nachdem über minder wichtige Dinge, so z. B. über die Frage, ob in die Kolonien gescheitelte oder geschorene Missionäre zu senden seien, mehrere Stunden berathen worden fei. M onz^Sti'ebe I*"Soh ne"*i i 8695 IIXJ.XXXXX-3.- [j_Nass auer_ !^<>o Älirlio a. 8017 A-ntas 8719 8694 ML Veteranen-Verein Giessen, ßs Montag, Abends SV2 Uhr Dientzt vorm. Gg. Wilh. Weidig. L539 8697 Größen. 8342 im Cafe Schwinn. Tages-Ordnung: Prämiirung. Der Präsident bezeichnet die Erwähnung dieser Debatte in solcher Weise als unangebracht^ au§, daß der Normalarbeitstag sich in der Schweiz sehr gut bewährt habe; über die heutigen Bedenken werde man in Zukunft nur lachen Die Sonntagsenquete sei komisch- gewissermatzen eine 93olf§a6fttminunß nne @ottc§ Gebote tu halten — eine seltsame Illustration des praktischen Ehrrstenthums. Der Redner erörtert des Näheren die einzelnen Forderungen der socialdemokratischen Anträge, was auch Seitens des Abg. v. Herlling für den Antrag der Centrumspartei geschieht. Die Anträge gehen an eine Commission von 28 Mitgliedern. Der Antrag des Aba v. Fagdzewski, die Ausweisungsinterpellation auf die morgige Tagesordnung zu fetzen, wird abgelehnt, nachdem Abg. Windthorst sich dagegen erklärt. ' Zur morgigen Berathung gelangen einzelne Etats. Arme, Beine, Schuhe, Strümpfe re. zu äußerst billigen Preisen, <*elenkp tippen in allen Schildkrot- und BüffeL-Kamme und alle Sorten Kämme in weiß und schwarz em« pfiehlt zu billigen Preisen 8686 B. Abend, Kammmacher, Weidengaffe 10. Montag ™ Metern sj. Bau Die zur Erk Des aus de forderkich^u Äa lichrmgen sok llnteibietuni) \ Dieselben fii Maurerarbeit Maurermaterit Steinhauerarb' Zimmerarbeit Dachdeckerarbe Echreinerarbei Schlosserarbeit Glaserarbeit Weißbinderarb^ Spenglerarbeü Pflasterarbeü EiseckchMg Die Bieter schriftlich, porl her NuMj 12. Decewb bei Ms einre Termin $an, gungm eingeje Gießen, den Großh. K 8699 Auszug aus den Standesamtsregistcrn des Standesamts Gießen. Aufgebote. December: 1. Der Schneider Georg Dechert mit Susanne Karoline Friederike Schmidt, Tochter des Fuhrmanns Friedrich Schmidt in Herborn. 1. Der Techniker Friedrich Wilhelm Karl August Droste mit Katharine Hofmann, Tochter des verstorbenen Ackermanns Christoph Hofmann in Großen-Buseck. Geborene. November: 22. Ein unehelicher Sohn, Anton Wilhelm Karl. 25. Dem Kaufmann Albrecht Docter ein Sohn, Willy. 26. Dem Schmied Ernst Döll eine Tochter. 27. Dem Hülfsbremser an der Main-Weser-Bahn Emil Günther eine Tochter. 27. Dem Bäckermeister Hermann Vogt eine Tochter, Anna. 28. Dem Schlosser-meister Edmund Nagel eine Tochter, Wilhelmine Elisabeth Johanna. 30. Dem Taglöhner Heinrich Spaar Zwillinge. December: 2. Dem Feldwebel Theodor Gönner ein Sohn. 3. Dem Posthilfsboten Adam Paul eine Tochter. Gefisrberre. December: 27. Der Stationsvorsteher Theodor Bleckmann, 38 Jahre alt, von Biersdorf. 28. Maria Katharine Becker, geb. Weimer, 40 Jahre alt, Ehefrau des Landwirths Johannes Becker VI. von Naunheim. 30. Der Taglöhner Johs. Heger von Rockenberg. December: 1. Wilhelmine Buff, geb. Kempff, 83 Jahre alt, Wittwe des Großh. Hofgerichtsadvocaten Dr. Ludwig Buff. 2. Oeconom Jacob Brennemann, 29 Jahre alt, von Nieder-Erlenbach. 3. Katharine Lenz, geb. Aubel, 29 Jahre all, Ehefrau des Stationsassistenten Martin Lenz. 3. Margarethe Bang, geb. Körber, 73 Jahre alt, Wittwe des Lehrers Christoph Wilhelm Bang. Fst. Blüthenmchl la. Wryenmrhl, sowie Vorschuß den Kunstmühlen des Herrn Ferd. Burk empfi.hlt Thierschutz Verein. AusschuMhmrg: Montag den 7. d. M., Abends 8 Uhr. Monatsversammlung bei Kamerad Seng, Seltersweg. Angekleidete Puppen, Wachspuppen in allen Größen, Puppengestelle in Stoff u. Leder, Puppenköpfe in Porzellan und Wachs, mit und ohne Frisuren, von 25( ii 45( " 8( . Da, J. H. Fuhr, Sonnenstrasse 25, empfiehlt in großer Auswahl: Telegraphische Depesche«. Wolff'- telegr. Gorresponderrr ° Bureau. Berlin, 4 December. Das Direktorium der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft macht bekannt, dieselbe sei bereit, sämmtliche bis heute ausgegebenen Betheiligungsscheine zurückzukaufen und zwar Betheiligungen bis hundert Mark mit zwanzig Procent Aufgeld sowie alle übrigen bis zum 15.Juli eingezahlten Summen mit zehn Procent Aufgeld, alle seit dem 15. Juli eingezahlten Summen al pari einzulosen. Anmeldungen nehmen entgegen die Deutsche Bank, das Bankhaus von der Heydt, Kersten Sohnes-rn^l^December. Der Bundesrath beantragte bei der Bundesversammlung die Genehmigung zu dem in Paris abgeschlossenen Münzvertrage mit Frankreich, Griechenland und Italien. . , rxr _ , Daris, 4 December. Die hiesige Handelskammer beschloß einstimmig, gegen die Räumung des Tongking zu protestiren und statt der Räumung vielmehr eine vollständige Occupation zu fordern, um die Handelsinteressen Chinas damit zu treffen. London, 4. December. Bis jetzt sind 263 Liberale, 213 Confervatlve und 54 Parnelliten gewählt. Petersburg, 1. December. Die „Nowoje Wremjä" erwähnt das Gerücht, wonach Fürst Dolgorucky in seiner Stellung in Berlin durch den Commandeur des Preobraschenskischen Leib - Garde - Regiments, General Fürst Obolensky, ersetzt rverden^foll.^^ gestrige Generalversammlung des Slavischen Wohlthätigkeitsvereins, an welcher u A. Jgnatiew und Tschernajew theilnahmcn, genehmigte mit Acclamation Maßnahmen zur Unterstützung der Opfer des serbisch-bulgarischen Krieges. Der Ver- einspräsident, General Durnorow, berührte in der Eröffnungsrede die schmerzlichen Erfahrungen der slavischen Welt durch die ostrumelischen Vorgänge und den serbisch- bulgarischen Bruderkrieg, zu dessen Beginn Milan anscheinend angestachelt worden. Der Redner warf einen Rückblick auf die Ereigmffe des letzten orientalischen Krieges und gedachte dabei anerkennend der Thaten .Tschernajew's und Jgnatiew s. Zum Schluffe verlas Durnorow den Wortlaut des jüngeren kaiserlichen Tagesbefehls betreffs der bulgarischen Truppen und hob hervor, aus den Kaiserworten sei die Einleitung in eine neue Aera ersichtlich. Madrid, 4 December. In dem gestrigen ersten Ministerrathe unter dem Vorsitz der Regentin erklärte Sagasta, daß eine allgemeine Amnestie nothwendlg sei. Die Regentin genehmigte die ihr unterbreiteten Vorlagen. — Der Herzog von Montpensier und Familie kehren heute nach San Lucar zurück und treffen erst Anfang Februar zur Vermählung des Prinzen Anton von Montpensier mit der Prinzessin Eulalia hier wieder em. ... ,, t Belgrad, 4. Deeember. Das Ministerium ist nach Belgrad zuruckgekehrt. Eme Conferenz der Führer der Fortschrittspartei tritt demnächst zusammen, um sich mit der Frage zu beschäftigen, ob bei einer Fortsetzung des Krieges ein reines Parteicabmet oder ein Coalitionsministerium zu bilden ist. . Algier, 4. December. In der vergangenen Nacht hat hier ein Erdbeben statt- aefunden. Die Erdstöße wurden besonders heftig in Masfara, Blidah und Medeah Verspürt, wo mehrere Häuser eingestürzt sind. Von dem Dorfe Msila sind drei Viertheile zerstört, 32 Personen sind todt und 12 verwundet. In Bodyserpaut stürzte das Haus des Administrators ein und begrub mehrere Europäer^ unter seinen Trümmern. . ~ ' Lokales. Gießen, 5. December. Nach dem „D. T. A." hat sich der Finanzausschuß der zweiten Kammer am 3. d. Mts. mit den Kliniken der Universität Gießen wiederholt beschäftigt und sich, wie man vernimmt, schlüssig gemacht, die Vorlage im Allgemeinen, jedoch unter Abstrich von 10 pCt. der vorgesehenen Bausumme und unter einigen anderen Einschränkungen, der Kammer zur Annahme zu empfehlen. Gießen, 5. December. sNeues vom Pfahlgraben.) Die Untersuchungen, welche der historische Verein im Anschluß an die Frühjahrsarbeiten durch Herrn Fnedr. K öfter am Pfahlgraben im Herbste anstellen ließ, waren auch diesmal von überraschenden Erfolgen begleitet, denn cs gelang nicht nur den alten, theils zerstörten, theils überpflügten Weg aufzufinden, der einst von Echzell aus über die Burg bei Unter - Widdersheim nach dem Kastelle bei Inheiden gezogen sem soll, sondern auch verschiedene daran liegende kleinere Kastelle aufzudecken und somit dm Pfahlgraben auf eine große Strecke hin festzustellm. Die Linie, welche er bildet, ist verschieden von ber seither angenommenen Richtung, stimmt aber im Allgemeinen mit derjenigen überein, welche Herr Kofler bereits im Frühjahr als die einzig richtige bezeichnet hatte. Sollten genanntem Herrn im nächsten Jahre, wie wir wünschen und hoffm, weitere Mittel zur Untersuchung bewilligt werden, so würde auch sicher das letzte Stück des Pfahlgrabens in der Wetterau zwischen Echzell und Altenstadt, für welches derselbe schon eingehende Vorstudien gemacht hat, endlich festgelegt werden. Auch auf der Strecke Grüningen-Arnsburg dürfte das nächste Jahr wichtige Auffchlüffe bringen, da, rvie wir hören, Se. Erlaucht Graf Friedrich zu Solms-Laubach Herrn Kofler die Ausgrabung des Klosters Aldinburg, die Urstätte des Klosters Arnsburg, innerhalb des großen Phalgrabm-Kastells Altenburg bei Amsburg übertragen hat und der Gießener Verein ebenfalls unter feiner Mitwirkung Nachgrabungen in dem muthmaß- lichen Pfablgraben-Kastell auf dem Ziegenberg bei Grüningen veranstalten wird. (D. Z.) A- iim ? X Sck« ®ie®W rialie” auf i® L «rdw. W bet Prob«» Mist „e* M. 6« ® bei wWx qeseh« 9 Siefen, b« Großherzo La Literarische-. Streiflichter, Novelletten von Lion-Clausius. Verlag von C. Hinstorff Rostock. 255 Seiten starken, geschmackvoll ausgestatteten Octavbändchen bietet die schon anberfeitig bekannte Verf. 10 meist recht anmutige, elegant geschriebene Erzählungen im Gewände bald der Novelle, bald der Humoreske, bald der Anekdote unserem Lesepublikum als beachtenswerthe Weihnachtsgabe. . Hervorheben möchten wir: „Diogenes", „Bileam's Esel", „Ein Fischgericht und „in vino veritae“, welche sich durch urwüchsigen Humor und gestaltungskraftige Darstellung auszeichnen. c . , , rw„. _ r ., Die „Streiflichter" feien Jedem empfohlen, der eme leichte, gefällige Lecture sucht. Leider wird der Preis (2.50) X die Anschaffung nur einem kleineren Kreise gestatten, als es dem Merkchen zu wünschen wäre. "ch- Dienstag Nachi lasse ich iniAustr in dessen Wohr Mobiliargegensti Feder-Bettrerk, modcn, Beüstell NiMtzsgeWsta 0001 M 8693 Firma Ed. Loeflund in Stuttgart, bewährtes diätetisches Mittel gegen Husten, Heiserkeit, Catarrh, Asthma, Brust- und Halsleiden, auch für Kinder vielfach ärztlich empfohlen. In */i wad 1/g Flaschen. JLoeflund’s Malz - Extract - Bonbons die beliebtensehr wirksamen Hustenbonbons zu 20 und 40 Pfg. per Packet. In allen Apotheken in Originalpackung Handel und Werkshr. Gießen, 4. December. Auf dem beuttgen Markt kostete- Butter per Pfund X 1.10—0.00, Hühnereier per Stck. 7—8 H, Enteneier St. 0—0 Käse pr. St. 5—7^, Käfematte 3-0 Erbsen pr. Liter 20 H, Linsen 28 ^ Tauben per Paar 0,50 bis 0,65 H, Hühner per Stück X 0-90-1.40, Hahnen pr. Stück X 1.00-l.TO, Enten per SMck X 1.50-2.00, Ochsenfleisch per Pfund 62-64 Kuh- und Rindfleisch 54—56 H, Schweinefleisch 50—60 Hammelfleisch 50—62 Kalbfleisch 48—50 Kartoffeln per 100 Kilo X 3.00—3.20, Milch per Liter 12—18 H, Zwiebeln per Centner X 5.00-0.00. Weißkraut pr. St. 4—6 Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getankte. Den 29. November. Dem Tapezier und Möbelhändler Carl Reiber ein Sohn, Fritz Georg, geboren den 12. October. Denselben. Dem Stadtkassengehilfen Carl Stohr ein Sohn, Heinrich Christian Leonhard, geboren den 28. October. Denselben. Dem Kanzlisten bei der Direction der Oberhessischen Bahnen Johann Ferdinand Gottfried Pfeiffer ein Sohn, Otto Konrad, geboren den 25. October. Den 2. December. Dem Schuhmacher Friedrich Magnus ein Sohn, Ludwig Christian, geboren den 30. October. Den 3. December. Dem Rollfuhrunternehmer Louis Adam ein Sohn, Paul Emil, geboren den 12. October. Beerdigte. Den 29. November. Theodore Henriette Sophie Bärrn, Wäscherin und Büglerin, ledige Tochter des Lazarethverwalters Friedrich Bärrn, alt 70 Jahre, starb den 26. November. Den 4. December. Wilhelmine Buff, geb. Kempfs, Wittwe des Hofgerichts- Advokaten Dr. Ludwig Buff, alt 83 Jahre, starb den 1. December. 12 Medaillen und Diplome, loeflund? zu haben. «KamaafcTss ^lnperCentnn ‘J?‘ Dem Kaus- M eine Tochter. ;Xo*f. 27. Dm "ifter Edmund ^glohner Heinrich 'm Sohn. 3. Dem ,lb d°r'Ltz Ssfa 'srir —ch. ' Aeßk». Mm Friederike Tochter des ver- Jahre alt, von alt, Ehesrau des öhncr Johs. Hegei- Jahre alt, Witwe acob Brennemmn, 29 Jahre all, lang, geb. Körber, Ti.'Zm. Keiber ein Sohn, Heinrich Chn'Mn essischm Bahnen ndeu2b.Oäodn. ix Sohn, Lndrvitz i ein Sohn, Paul herin und Bügleck, Jahre, starb den ie des Hofgerichts- (Tart a. pd in Stuttgart- tiittelgegenH* ^tbma, Brust- ander -vielfaeh ärzt- % d V1* ind’t ct-Bonhone ben- . _ Gberhesßsche Eisenbahnen. Nächsten Dienstag den 8. d. Mts. werden gefundene Gegenstände öffentlich meistbietend gegen gleich haare Zahlung auf dem Bureau der unterzeichneten Dienststelle versteigert werden. Die Versteigerung beginnt Vormittags um 9 Uhr. 8691 Gießen, den 4. December 1885. Die Großh. Hauptmagazinsverwaltung. Bekanntmachung. Die Lieferung von Schreibmaterialien und Drucksachen für das unterzeichnete Gericht pro 1886 soll auf dem Submissionswege vergeben werden. Offerten sind unter Verschluß der Proben verschloffen mit der Aufschrift „Submission" bis zum 90. d. Mts. bei unserer Gerichtsschreiberei, bei welcher auch die Bedingungen eingesehen werden können, einzureichen. Gießen, den 4. December 1885. Großherzogliches Amtsgericht. Langsdorsf. 8716 Die Bieter wollen ihre Walter. 8699 Maurerarbeit Maurermaterialien Steinhauerarbeit Zimmerarbeit Dachdeckerarbeit Schreinerarbeit Schlosserarbeit Glaserarbeit Weißbinderarbeit Spenglerarbeit Pflasterarbeit Eisenlieferung 151598 1078.50 305.25 1102.55 846.30 128.20 337.80 20.00 275.01 153.50 364.2t) 1026.08 Angebote u n ir n ff rt ff schriftlich, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum 12. December, Vormittags 11 Uhr, bei uns einreichen, bis zu welchem Termin Plan, Anschlag und Vedin- gungrn eingesehen werden können. Gießen, den 5. Decbr. 1885. Großh. Kreisbauamt Gießen. zu ff tf n ff ft ff n ff ft ff ff