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Die Feier des nationalen Gedenktages der deutschen Nation, des 2. September, bildete den bedeutungsvollen Mittelpunkt der avgelausenen Woche. Sie ist auch diesmal in allen Gauen Deutschlands in würdigster Weise begangen worden, wie die zahlreichen über das Sedanfest eingegangenen Berichte erkennen lassen und mit Genugthuung kann hieraus constatirt werden, wie lebendig in unserem Volke noch die Erinnerung an jene große Zeit des Riesen- kcunpses gegen Frankreich ist. Wie immer, jo gewann auch Heuer die Feier des Sedan-Tages in der Reichshauptstadt einen besonderen Charakter, indem an demselben die herkömmliche Herbst-Parade des Garde-Corps abgehalten wurde. Dem militärischen Schauspiele, das in glänzender Weise verlief, wohnte eine überaus zahlreiche Zuschauermenge bei, und mit inniger Genugthuung muß es verzeichnet werden, daß der allerhöchste Kriegsherr in Person die Parade über das Elite-CorpS seiner Truppen abnehmen konnte, und mit einer Rüstigkeit saß der Kaiser zu Pferde, welche zu den 88 Jahren, die über ihn dahingerauscht sind, im wohlthuendsten Gegensätze stand. Der greise Monarch wurde von der Volksmenge mit stürmischen Jubelrufen begrüßt, die sich wiederholten, als er an der Seite seiner erlauchten Gemahlin im offenen Wagen das Paradefeld wieder verließ. Eine ganze Reihe von Fürstlichkeiten wohnten außerdem der Parade noch bei; so neben dem deutschen Kronprinzen Prinz Arnulph von Bayern und Großfürst Michael von Rußland, während an der Parade selbst Prinz Wilhelm von Preußen, der Erbprinz von Meiningen, der Erbgroßherzog von Vaden und sein Bruder Prinz Ludwig Wilhelm Theil nahmen. Aus den Vorgängen der verflossenenWoche ist die in Münster abgehaltene General-Versammlung der deutschen Katholiken hervorzuheben, und zwar namentlich deshalb, weil auf derselben ein sehr kampsesfreudiger Ton herrschte. Bezeichnend ist es u. A., daß der bekannte Centrums'Abgeordnete, Frhr. v. Schorlemer- Alst, und Bischof Brinkmann die Zurückberusung der Jesuiten forderten! Befremdlich war cs, daß an der General-Versammlung in der westfälischen Bischofsstadt auch belgische und holländische Katholiken Theil nahmen. Bei Wilhelmshaven haben in dieser Woche die Manöver der deutschen Flotte ihren Anfang genommen. Mit dem nun erfolgten Eintritt in den September werden auch die Vorbereitungen zu den preußischen Landtagswahlen bald eine ernstere Gestalt annehmen und kann man wohl auch in Bälde der Veröffentlichung des Wahltermins entgegensehen. Ueber den Beginn der neuen Legislaturperiode des preußischen Landtages können indessen noch nicht im Mindesten zuverlässige Angaben gemacht werden und dasselbe gilt bezüglich des Zusammentrittes des Reichstages ; wenn verschiedene Blätter behauptet haben, daß der Reichstag noch vor dem neuen preußischen Landtag einberufen werden solle, so wird dem gegenüber von ossiciösec Seite versichert, daß die Regierung hierüber noch keinerlei Beschluß gesaßt habe. Dagegen wird der Bundesrath schon nächsten Montag seine Thätigkett mieden ausnehmen, und zwar zunächst in den zur Vorberathung der Aussührungs«Bestimmungen zum Börsensteuer-Gesetz niedergesetzten Ausschüssen. Das Plenum selbst soll dem Vernehmen nach in etwa 14 Tagen zusammentreten. Der Bundesrath hat das Hinscheiden eines seiner thätigsien und verdienstvollsten Mitglieder, des württembergischen Mllitärbevollmüchtigten in Berlin, Generallieutenants Faber du Faur, zu beklagen, welcher in Wildbad in Württemberg, nicht in Gastein — wie verschiedene Blätter irrthümlich berichteten — einem älteren Leiden erlegen ist. In der österreichischen Presse finden sich noch immer Nachklänge an die Kaiserbcgegnung in Kremsier und ein Lemberger polnisches Blatt, der „Przeglond", bringt sogar sehr detaillirte Mittheilungen über das, was in Kremsier angeblich in der Hauptsache verhandelt worden ist, welche Mittheilungen indessen schwerlich als „beglaubigte" zu betrachten sind. Dagegen steht nach den Versicherungen des ossic-ösen Wiener „Fremdenblatt" fest, daß es in Kremsier zu keinerlei Erörterungen der inneren Politik Oesterreich-Ungarns und Rußlands gekommen ist, da man dies für nicht geeignet bei der Zusammenkunft der Herrscher hielt. Lebhaft werden in der österreichischen Presse auch noch die Vorgänge von Königinhof besprochen; dieselben sollen von den deutsch-böhmischen Abgeordneten im neuen Reichsrathe, dessen Einberufung noch in diesem Monat beoorsttht, zur Sprache gebracht werden. — Den in der Gegend von Pilsen staitfindenden Trupoen-Manövern, welchen Kaiser Franz Josef beiwohnt und zu zahlreiche fremdherrliche Ossiciere commandirt morden sind, werden demnach,7 weitere Manöver in Rieder-Oesterreich folgen. In England macht eine auf einem Banket in Dublin gehaltene Rede Harnell's, des Hauptes der national-irischen Partei, wegen ihrer unerwarteten Mäßigung Aussehen. Parnell verdammte in derselben entschieden die Agrar- Berbrechen, zu denen sich der irische Fanatismus neuerdings wieder hat verlebten lafsin und sprach es dabei offen aus, daß derartige Ausschreitungen der irischen Sacke nur schadeten; auch empfahl er den Gutsherren Nachsicht gegenüber den mit dem Pachtzins rückständigen Pächtern. Der irischen National- Partei ist es jedenfalls in Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen darum zu thun, in einem möglichst günstigen Lichte zu erscheinen. Während Mr. Gladstone in dieser Woche von seiner norwegischen Reise nach England zurückgekehrt ist, weilt der Prinz von Wales noch aus der scandinavischen Halbinsel. Arn Mittwoch traf der englichc Thronfolger in Stockholm ein, vom König und den Prinzen, den Spitzen der Militär- und Civilbehörden u. s. w. empfangen und begab sich mit König Oscar alsbald nach Schloß Drottlingholm, der Sommer-Residenz der schwedischen Königsfamilie. Am Mittwoch sand in London eine polizeiliche Verhandlung, im Zusammenhang mit den bekannten Enthüllungen der „Pall Mall Gazette", gegen Rebecca Jarret statt, welche angeklagt ist, die dreizehnjährige Eliza Armstrong entführt zu haben. Die weitere Verhandlung wurde aus Montag vertagt; das Gericht verweigerte die Annahme einer Caution. Nicht geringes Aussehen erregt es, daß auch gegen einen Nedacteur der „Pall Mall Gazette" und gegen einen Angestellten dieser Zeitung das gerichtliche Verfahren wegen Mitschuld an der Entsührung eingeleitet worden ist. Aus dem Czarenreiche ist aus dieser Woche die Rückkehr des Kaiserpaares von der Reise nach Kremsier und von dem Besuche in der alten Czarenstadt Kiew nach Petersburg zu verzeichnen. Die Festtage in Kiew werden dem Kaiserpaare wohl in ebenso angenehmer Erinnerung bleiben wie die Begegnung mit dem österreichischen Herrscherpaare, da den russischen Majestäten von der Bevölkerung Kiew's die herzlichsten Ovationen dargebracht worden sind. Die Amtsentsetzung der Bürgermeister von Riga und Reval scheint nur der Vorläufer weiterer Maßnahmen der russischen Regierung gegen das Deutschthurn der Ostseeprovinzen zu fein. So ist das Gesuch des Adels von Liv-, Esth- und Kurland und der baltischen Städte um die Bestätigung ihrer althergebrachten Privilegien von der russischen Regierung abschlägig beschießen worden. Motivirt wird dieser ablehnende Bescheid durch den Hinweis darauf, daß die örtlichen Privilegien in Anbetracht der vollständigen Verschmelzung der baltischen Provinzen mit dem übrigen Reiche jede staatliche Bedeutung verloren hätten. Es sollen noch andere Maßnahmen gegen die Deutschen der Ostseeprovinzen, die doch wahrlich zu den treuesten und loyalsten Untertanen des Czaren gehören, in Vorbereitung fein. Im Lande! der Kastanien nimmt der chauvinistische Hexensabbath, zu welchem sich allgemach die antideutschen Demonstrationen der Spanier gestaltet haben, seinen ungestörten Fortgang. Zum Beispiel mehren sich die Zurückziehungen von Lieferungsaufträgen, welche spanische Handelshäuser in Deutschland ertheilt haben; die Spanier schneiden sich aber mit solchen thörichten Maßregeln am meisten nur in's eigene Fleisch. Jetzt wird von spanischen Journalen auch der Wortlaut des Schreibens bekannt, welches General Salamanca gleichzeitig mit der Rücksendung seines deutschen Ordens (Großkreuz des Rothen Adler-Ordens) an den deutschen Kronprinzen gerichtet hat In demselben heißt es u. A.: „Die von dem deutschen Geschwader auf den Karolinen verübte That, welche die rudimentärsten Grundsätze der Freundschaft und des Völkerrechts verletzt, entzieht der Decoration den einzigen Grund, der mir gestattete, sie ohne Schädigung meiner Ehre anzunehmen, und deßhalb gebe ich sie Eurer Hoheit zurück, indem ich mir vornehme, die Lücke, welche dadurch auf meiner Brust entsteht, durch eine andere, im Kampfe gegen Deutschland erworbene Auszeichnung a usz »füllen." — Kann man wohl eine dumm-frechere Sprache führen ? Aus Konstantinopel wird ein erster Erfolg der Mission Drummond Wolff's gemeldet. Eine kaiserliche Jrade beauftragt den Minister des Auswärtigen, Affym Pascha, und den Minister der Eokass (geistlichen Güter), mit Wolff zu verhandeln. Am Donnerstag hat bereits die erste Conserenz stattgefunden. Vermischtes. Darmstadt, 2. September. ^Ordensverleihung.^ Seine Königliche Hoheit der Großhcrzog haben Allergnädigst geruht, dem Sergeanten Otto vom 2. Großh. Infanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116 die Rettungs-Medaille zu verleihen. Mainz, 3. September. In der Untersuchung gegen den des Mordes beschuldigten Herbst treten jetzt immer mehr Personen auf, die den letzteren bei verschiedenen Gelegenheiten gesehen haben; so ist ein hiesiger Dachdecker vor Gericht geladen, welcher den Herbst genau kannte und der angab, an dem Tage, an welchem der Mord geschehen ist, den Herbst in den: Bierhaus zum Täubchen gesehen zu haben, daß Herbst sehr aufgeregt luar und eine schwer bepackte Reisetasche getragen hat. Ein Gärtnerjunge aus Laubenheim will den Herbst ebenfalls, aber noch in dem Besitz der Reisetasche gesehen haben und zwar in der Nähe der sog. Wassermaschinen, woselbst der Verhaftete seine Hände in dem Wasser deS dortigen Grabens gewaschen habe. Der Bursche wird heute Mittag als Zeuge vernommen. Herbst gibt sein Leugnen nicht auf trotz aller gegen ihn vorliegenden Indicicn und trägt bei allen Verhören eine Frechheit zur Schau, die Jedermann empören muß. Er findet es ganz unbegreiflich, datz man ihm eine solche Mordthat zutrauen könne. Bei einem gestern stattgehabten Verhöre vor dem Untersuchungsrichter soll er denselben gefragt haben, was er, der Herr Untersuchungsrichter, dazu sagen würde, wenn man ihn beschuldigte, den Moro begangen zu haben. . Im Rheine und zwar an der Stelle, an welcher vor acht Tagen der verstümmelte Leichnam aufgefunden wurde, sind gestern Nachmittag unter polizeilicher Aufsicht Taucherversuche nach den fehlenden Körpcrtheilen der Lerche vorgenommen worden, jedoch ohne Erfolg. r r Die Taucherarbeiten werden auch heute fortgesetzt, obwohl bisher nur unbedeutende, keinesfalls mit dem Mord zusammenhängende Gegenstände gefunden würben. Hierbei sind zwei Taucher beschäftigt, welche in Stettin, und Memel ihren Wohnsitz haben und vornehmlich bei Taucherarbeilen in der Ostsee beschäftigt sind. Jeden Tag tauchen sie 6 Stunden und zwar jeder 3 Stunden des Vor- und 3 Stunden des Nachmittags. — [(Sine Erinnerung an Sedans Der commandirende Jngenieurgeneral der 3. Armee, Generallieutenant Schulz, hatte den Auftrag erhalten, bte Waffenübergabe der Festung zu leiten. Derselbe brach denn auch auf in Begleitung von einem Intendanten und fünf Officieren. Durch das nach Tonchery führende Thor die Festung betretend, traf die kleine Truppe überall achtungsvolle Aufnahme. Trotz der entsetzlichen Unordnung bemühten sich die französischen Soldaten überall, Spalier zu bilden. Im Ganzen war von Niedergeschlagenheit wenig zu entdecken, eher machte sich eine frivole Lustigkeit bemerkbar. Nur in den Nebengassen oder auf Hofen sah man hier und da Cffictere mit übereinander geschlagenen Armen und gesenktem Haupte lehnen, denen man den Schmerz über die große Wieberlage ansah. Völlig ungehindert gelangte so die deutsche Truppe bis auf den Präfecturplatz, wo ein tolles Durcheinander berrfchte. Hier aber änderte sich die Scene, Ein Haufe betrunkener Turkos erhob sich beim Anblick der preußischen Uniformen, stieß em wahres Tigergeheul aus und stürzte mit geschwungenen Aatagans auf die Gruppe los. Schon griff ein Officier an den Degen, als ein strenger Wink des Generals seine Hand wieder sinken ließ. „Ruhig, oder mir sind verloren!" Und sich gelassen zu dem neben ihm Gehenden wendend, dem er zuraunte: „Vergnügt Gesicht machen!" begann General Schulz eine humoristische Anekdote zu erzählen. Ein baumlanger Araber zielte direct nach ihm — der kaltblütige Westfale zuckte mit keiner Wimper und that, als sähe er es gar nicht. Und so schritt der dicke gemüthliche Herr mit seinem Gefolge mitten durch die fauchenden braunen Kerle hindurch. Die anwesenden feindlichen Cfficiere würdigten vollkommen diese heroische Selbstbeherrschung. Das Ganze war das Werk weniger Minuten gewesen. Gewiß wären die französischen Dfficiere, vielleicht auch mancher Gemeine, zur Hilfe herbeigestürzt, falls durch Degenziehung der Preußen das unvermeidliche Massacre von jenen Bestien vollzogen wäre, sich wohl bewußt, daß die ganze Armee furchtbar dafür hätte büßen müssen. Aber was batte die Hülfe genützt, da sie doch zu spat kam und fruchtlos in jedem Falle blieb. So war es nur die deutsche Willenskraft und Stahlnervigkeit, die den General und seine Eskorte gerettet hatte. „Ich mache Ihnen mein Compliment, mein General", rief ein französischer Oberst, der zu Pferde nebenbei hielt, das Käppi schwenkend, dem Vorüberschreitenden zu. Dieser zuckte leicht die Achseln und warf dem Sprecher einen gleichgiltig verwunderten Blick zu, als wollte er sagen: „Das versteht sich bei uns doch ganz von selbst." Auf der Freitreppe der Präfectur erwartete die französische Generalität bcn unheilvollen Besuch. Sie stand so aufgestellt, daß die graziöse Armschwenkung beim Käppiziehen bequem ausgesührt werden konnte. Fünf Schritte vor den andern, der Höchstcommandirende General v. Wimpffen. Man setzte sich in den Präfectursaal; die Verhandlungen wurden beiderseits in den verbindlichsten Formen geführt. Allein diesen bleichen Geficktem sah man es an, daß sie in Schmerz und Sorge die Nacht durchwacht hatten. Wenn einer der Sieger ein höfliches Wort über den Uferen Widerstand der gefangenen Armee fallen ließ, dankte nur eine stumme ernste Verbeugung. Nur einmal wurde die würdige Haltung des Ganzen gestört, als mehrere Dfficiere in den Saal stürzten und mit heftigem Bitten und Drängen dem preußischen General allerlei auf die Kapitulation bezügliche persönliche Wünsche vorzutragen suchten. Dieser wies jedoch die Herren mit trockenem Hinweis ab: „Schriftlich einreichen!" Da wandte sich Wimpffen zu ihm mit einem bitteren Lächeln: „Sie scheinen Ihre Leute zu kennen, Herr Kamerad!" Aufsetzung von Schriftstücken in anständigem Stil war nicht von den napoleonischen Landsknechten zu verlangen. — [Die Macht der Zeitungs-Annoncen.^ Rudolph Herzog, der bekannte Mode- waarenhänolcr in Berlin, gibt für seine Geschäftsanzeigen in den Zeitungen jetzt jährlich 400,000 JL aus. „Als ich nicht inserirte", sagte er jüngst im Kreise feiner Freunde, „hatte ick so geringen Umsatz, daß ich besser gethan hätte, das Geschäft zu schließen. Dann begann ick zu inferiren. Ick wendete im ersten Jahre 1000 daran und mein Umsatz stieg auf 200,000 im dritten Jahre verwendete ich 10,000 JL auf Inserate, mein Umsatz bezifferte sich auf Hunderttausende und jetzt beträgt er Millionen und mein Gewinn steht im Verhältniß dazu. Alles, was ich habe, mein Weltname, mein Millionengeschäft verdanke ich nicht allein der Reellität der Geschäfts- ffihrung, sondern zu 99/ioo der Macht der Zeitungsanzeigen. Ich bin zu der Gewißheit gekommen, daß heutzutage kein Geschäft ohne die Macht der Zeitungsannoncen in die Höhe kommen und gewinnbringend sein kann." — Die „Köln. Ztg." theilt interessante Einzelheiten üt.r. das Papierschiff Tanneguy de Wogan's mit, der jüngst in der alten Rheinstadt weilte. Es ist nicht, rote in den meisten Blättern berichtet wurde, aus Papiermache, sondern ein wirkliches papiernes Schiff, das er nach seiner Angabe hat unfertigen lassen und aus Papierbogen, die mit gewöhnlichem Kleister einer auf den andern geklebt sind, gebaut. Wenn ein Bogen gut aufsaß und trocken, d. h. hart geworden, wurde der zweite aufgeklebt und so weiter, bis der Rumpf des Schiffchens eine Stärke von fünf und mehr Bogen hatte. Das Ganze ist mit täuschender Holzfarbe bestricken und übersirnißt und man glaubt einen jener Hellen, leichten sogenannten „Seelenverkäufer" vor sich zu haben, rote wir sie auf dem Rhein und überall da häufig erblicken, wo die Hebung des Ruderns gepflegt wird. Das Schiffchen ist 5 Meter lang und 65 Zentimeter breit und hat in der Mitte nur einen Sitz und eine Deffmuig für den Ruderer, der das Ruder, welches an jedem Ende eine Schaufel hat und in der Mitte gefaßt wird, abwechselnd rechts und links in das Wasser einsetzt. Eompaß, Segel, Laterne sind natürlich vorhanden und auch eine aus Schiffsleinen angefertigte Decke, die beim Regen zum Schutz gegen die Nässe über die Oeffnnng in der Mitte oes Schiffchens nnd den Schoß und die Beine des Ruderers ausgebreitet ivird. Auch führte Herr de Wogan noch einen besonderen wasserdichten Regenmantel, eine Tricolore, eine schöne, künstlich ciselirte vergoldete broncene Revolverpistole und sogar ein ganz kleines broncenes Kanönchen zum Signalgeben bei sich. Eine wasserdichte Tasche birgt die nothwendigen Answeispapiere, sowie die mitgenommenen Lebensmittel. Tas vollständig ausgerüstete Schiffchen^ wiegt nur 25 Kilogramm. Ter kühne Schiffer hat früher schon viele Fahnen auf der Seine gemacht, so auch eine von Paris bis zum Golfe von Lyon. Bei der Fahrt bis Köln hat er ungefähr dreitausend Kilometer gerudert: auf den Schweizer Seen, dem Genfer, Neuenburger, Vierwaldstätter, Züricher und Bodensee, die er hinter einander durchruderte, fuhr Herr de Wogan mit den Dampfern oft um die Wette und war nicht selten mit seinem ungemein raschen und leicht lenkbaren Papierschiffe viel früher an Ort und Stelle als die Dampfer. Auch auf der oberen Donau hat er drei Tage gerudert. An Abenteuern hat es bei dieser sonderbaren Reise nickt gefehlt; besonders viele Fährlichkeilen hat er auf dem Rheine bei Schaffhausen, Laufenburg und Rheinfelden gefunden. — [Die größten Kirchen der Welt.j Ein geduldiger deutscher Statistiker hat Daten gesammelt bezüglich des Fassungsraumes der größten Kathedralen. Nach seinen Erfahrungen erscheint in erster Linie der St. Peters-Tom in Rom, der 54,000 Menscken aufnehmen kann. Nächst diesem kommt die Paulskirche in Rom für 38,000, die Kathedrale von Mailand für 37,000, dcr Kölner Dom für 30,000 Personen Fassungsraum. An diese reiben sich die St. Paulskirche in London und die Petronius- kirche in Bologna, jede für 25,000, der Aja Sophia in Konstantinopel für 23,000, St. Johann in Lateran für ebensoviel, die Stephanskircke in Wien und der Dom zu Pisa zu je 12,000. Die Kirche des heil. Dominikus in Bologna für 11,400, die Frauenkirche in München für 11,000 und die Markuskirche in Venedig für 7000 Menschen. Die St. Patricks-Kathedrale in New-Z)ork faßt 18,000 Menschen. Literarisches. — Die bisher im Verlage von Wilhelm Hoffmann in Dresden erschienene iöuftrirte Zeitschrift ^Universum" geht mit dem neuen Jahrgänge in den Verlag des „Universum" E. Friese, Dresden und Leipzig, über. Als Herausgeber wird Eugen Friese zeichnen, während die Redaction nach wie vor in den Händen des Sckriftstellers Jesko von Puttkamer bleibt. Anderweitigegrößere Unternehmungen haben die Verlagsfirma Wilhelm Hoffmann veranlaßt, diesen Besitzwechsel eintreten zu lassen. . Bedeutende dem Unternehmen zur Disposition stehende Mittel ermöglichen eine Erweiterung und noch größere Vervollkommnung der Zeitschrift, namentlich in illustrativer Hinsicht. Zunächst wird dieselbe vom 1. Dctober d. I. an in 14tägigen Heften erscheinen, um auch den Zeitereignissen mehr Rechnung tragen zu können. Sonst wird sie ihre Ziele unabänderlich verfolgen und auf den textlichen Inhalt wie vornehme Ausstattung in jeder Weise die größte Sorgfalt verwenden. Arbeitskalender für Öen Gbst-, Gemüse- und Blumengarten. September. Obstgarten. Hier nehme man täglich die reifen Früchte von Aepfeln und Birnen behutsam ab, damit man sie unbeschädigt erhalte, und lasse sie an luftigen Orten, Keller oder Obstkammer, auf Stroh Nachreifen. Sollte der August zu trocken fein, um in der Baumschule nicht alles okuliren zu können, so ist cs in der ersten Hälfte des September immer noch Zeit dazu, sofern sich die Rinde gut löst. Gemüsegarten. Das Binden der Endivien nimmt jetzt zu, jedoch bleiche man nur immer so viel als gebraucht werden, denn wenn dieselben mehrere Wochen gebunden sind, so fommt es vor, daß sie bei Regenwetter entweder ausfaulen oder an er Seite durchwachsen, besser ist es, wenn jede Woche ein Theil derselben gebunden wird, ohne Rücksicht darauf au nehmen, ab einmal mehr oder weniger gebraucht iverden, denn je später, je mehr werden sie gebraucht. Man kann in diesem Monat auch noch eine zweite Aussaat von Spinat, Schmalzkräutchen, Wintersalat, Earotten ?c. machen, welche oft besser überwintern als ältere Pflanzen. Die abgestorbenen Stengel der Spargelpflanzen werden dicht über der Erde abgeschnitten, mit dem Umgraben und Düngen warte man aber bis zum Spätherbst. Blumengarten. Eines der Hauptgeschäfte dieses Monats besteht im Einsammeln des Samens, wobei nicht genug Vorsicht angcwendet werden kann, um die Varietäten und Sorten von einander zu scheiden. Für die Aussaat von Aurikel nnd Rittersporn ist dieser Monat die günstigste Zeit. Die Blumenzwiebeln, als Hyacinthcn, Tulpen, Erocus rc., können jetzt auf Gartenbeete gelegt werden, denn je früher man dieselben legt, desto widerstandsfähiger sind sie im Winter gegen Frost. Ende September kann man auch mit Umlegen von Bnxbaum beginnen, ebenso können viele Staudengewächse auf den Rabatten durch Wurzeltheilung vermehrt werden. Der Blumenflor im Freien nimmt täglich ab, allein so lange noch kein Reif oder Frost eintritt, blühen namentlich die Georginen oftmals schöner als im August- ebenso ist es auch bei den Astern, Zinnien, Tagetes ?c. Don den Stauden blühen jetzt noch: Helianthus, Veronica, Aconium und Herbstastera. Bei den Blumen im Zimmer muß man jetzt mit dem Begießen vorsichtiger sein, denn viele blühende Pflanzen gehen schon langsam zurück, desgleichen brauchen die Palmen und Gummibäume jetzt auch weniger Wasser, weil in den Zimmern jetzt noch wenig geheizt wird. Aeikgebotenes. 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