können an die Innungen anknüpfen und an die Bestimmungen des Landrechts, in denen vom Recht auf Arbeit gesprochen wird. Abg. Hitze (Centrum) ist erfreut, daß die Regierung eine entgegenkommende Stellung einnimmt, hoffentlich schwindet auch ihr Widerstand gegen den Normalarbeitstag bei der Commissionsberathung, eventuell empfiehlt sich die Einführung der Maximalarbettszeit für einzelne Industrien. In der vom socialdemokratischen Anträge geforderten Organisation der Arbeit werden Arbeiter und Arbeitgeber zu einem gemeinsamen Körper vereinigt; als aber Dr. Windthorst bei der Berathung der Unfallversicherungs-Vorlage etwas Aehnliches beantragte, waren die socialdemokratischen Ab- geordneten stricte dagegen. Danach wurde die weitere Discussion auf morgen vertagt. Telegraphische Depeschen. Wolff'- telegr. Torrefpondenz - Brrrearr. Paris, 3. Deccmber. Aus allen Departements gehen der Regierung Erklärungen gegen die Räumung Tongkings und mißbilligende Äußerungen darüber zu, daß die Kammer in einer die Ehre und das Interesse Frankreichs berührenden Frage mit solcher Langsamkeit vorgehe. London, 3. Deccmber. Ein Telegramm aus Brisbane meldet, daß der englische Special-Commissar für Neu-Guinea, Scratchley, daselbst am Sumpffieber gestorben ist. — Eine Meldung aus Tamatavc vom 21. v. Mts. besagt, zwei madagassische Beamte hätten an diesem Tage eine Zusammenkunft mit Miot gehabt und man erblicke darin die Eröffnung der formellen Friedensoerhandlungen. Madrid, 3. Deccmber. Ein Rundschreiben des Ministers des Innern an die Präfecten weist letztere an, die Versammlungen von Vereinen, gleichviel welche politische Parteistellung dieselben einnehmen, zu gestatten, wenn sie sich innerhalb der gesetzlichen Schranken halten. Petersburg, 3. December. Graf Peter Schuwalow geht morgen nach Madrid, um der Königin einen Condolationsbrief des Czaren zu überbringen. Graf Schuwalow wird den Czaren bei der Beisetzung der Leiche des Königs Alphon's vertreten. New-Aork, 3. December. Eine Devesche aus Lima meldet, daß das- diplomatische Corps einen Vergleich zwischen^ den einander bekämpfenden Parteien vermittelt hat. Bei dem vorausgegangenen Straßenkampfe geschah viel Schaden an Eigenthum. — Eine Depesche aus Santjago de Chile meldet, die Nachrichten aus Lima beunruhigten dort sehr, weil man eine Störung der Handelsbeziehungen zwischen Chili und Peru für möglich halte. Bukarest, 3. December. Der Deputirte Jonescu kündigte eine Interpellation an über die in Bezug auf Bulgarien befolgte und zu befolgende Politik. Die Begründung derselben erfolgt voraussichtlich Samstag. Risch, 3. December. Die gestrige Meldung aus Pirot, ein serbischer Abgesandter hätte gestern im bulgarischen Hauptquartier die gegenseitige Räumung der besetzten Positionen und die Verlängerung der Waffenruhe bis zum 1. Januar beantragt, wird officiell für unrichtig erklärt. Der serbische Abgesandte, welcher erst auf brieflichen Wunsch des bulgarischen Generalstabschefs entsendet wurde, nahm ausdrücklicher Weisung gemäß die bulgarischen Anträge ad referendum, ohne sich auf irgend welche Verhandlungen einzulassen. Philippopel, 3. December. (Telegramm des Reuter'schen Bureaus.) Gestern Abend fand bei dem hiesigen Bischof eine Versammlung der Notablen aus der Provinz statt. Dieselben nahmen einstimmig eine Resolution an, in der sie erklären, die Bewohner würden absolut jeden Vorschlag ablehnen, der nicht die Union von Bulgarien mit Rumelien einschließt und würden es verweigern, über den Status quo zu verhandeln. Die türkischen Delegirten sollten ersuch: werden, ihre Mission zu verschieben und die Provinz zu verlassen, umsomehr, als die Rumelier Sofia allein als ihre Hauptstadt anerkennen. Darauf wurde eine siebengliederige Commission ernannt, um die Resolution den fremden Consuln zu überreichen. Konstantinopel, 3. December. (Telegramm des Reuter'schen Bureaus.) Djevdet Pascha erhielt einen Firman, wodurch er zum außerordentlichen Comissär und Generalgouverneur von Ostrumelien ernannt wird. Derselbe reist morgen nach .Jläringe Hhorstr 5 l: ’ Ä8il=M-A *: äs " - 1.50' " u u " - 1.20 " » 1.50 • , 2- " .. 1.50 " 2- " ii 3.50 '' 2.50 "" ’arra. iinb ä -Ä 1 Bureau: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlickn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps. Nr. 284 Samstag den 5. December 1888 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Polizei - Reglement, betreffend das Austreiben der Iaffelochfen mit der Heerde. Auf Grund des Art. 78 der Kreisordnung und des Art. 255 des Polizeistrafgesetzes wird mit Zustimmung des Kreisausschuffes und mit Genehmiauna Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 17. November l. I. für den Kreis Gießen verordnet was folgt: Art. 1. Faffelochfen dürfen nicht mit der Heerde zur Weide getrieben werden. Art. 2. Zuwiderhandlungen gegen das Verbot werden nach Art. 255 des Polizeistrafgesetzes bestraft. Gießen, am 26. November 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ______________________________________________ Dr. Boekmann.______________________ Betreffend: Wie oben. Gießen, am 2. December 1885. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Das vorstehende Polizeireglement, welches für die Gemeinden, welch» dem Kreise Gießen in seiner vormaligen Ausdehnung angehörten, bereits seit dem Jahre 1856 in Geltung ist, ist nunmehr auf sämmtliche Gemeinden ausgedehnt worden. Wir beauftragen Sie, das Reglement ortsüblich bekannt zu machen und Zuwiderhandelnde zur Anzeige bringen zu taffen. __________________________________________________Dr. Boekma»«._____________________________________________ Lehrer-Conferenz des Conferenzbezirks Grünberg: Mittwoch den 9. December, Morgens 10 Uhr, in Grünberg. Lieder 3. 5. 79. 113. Gießen, den 2. December 1885. Büchner, Kreisschulinspector. OKianB’jairawii....... .1. aHmaawwniTw MmaaBaBomniiTWM tiu gMaaMBMB—iea Berlin, 3. December. Die heute aus Konstantinopel, Pirot und Wien eingetroffenen Nachrichten lassen eine baldige definitive Entscheidung in der Balkan-Krisis erhoffen. Die Pforte läßt in einem anscheinend hochofficiösen Telegramm der „Köln. Ztg." erklären, der leitende Gedanke der osmanischen Regierung sei seit Ausbruch des Krieges unverändert und klar: nämlich den Berliner Vertrag wieder herzustellen. Die Pforte hält dieses Ziel mit diplomatischen Mitteln für erreichbar, sie hat sich aber auch für alle Fälle vorgesehen und eine Armee von mehr als 400,OOQ Mann aufgeboten; eine schwankende und furchtsame Politik kann man die bisherigen diplomatischen Actionen der Pforte nicht nennen. Diese sehr merkwürdige Erklärung würde in Bälde ein energisches Einschreiten der Türkei erwarten lassen, wenn nicht die englische Negierung nach den neuesten Depeschen gegen das Vorgehen der Pforte in Ost- Rumelien durch ihren Botschafter Sir William White einen sehr nachdrücklichen und lebhaften Protest erhoben hätte. Außerdem wird gemeldet, daß eine Deputation von allen rumelischen Regimentern, welche im Lager von Pirot anwesend sind, sich zum Fürsten Alexander begeben habe, um ihm zu erklären, sie könnten, nachdem sie an der Seite der Bulgaren ihr Blut für die Vertheidigung Bulgariens vergossen hätten, j?tzt in eine Trennung von demselben niemals willigen. Der Fürst gab zwar eine halb ausweichende, halb zustimmende Antwort, er ließ aber deutlich durchblicken, daß er die Herstellung des Status quo ante für unmöglich halte. Der Fürst wird in seinem Widerstand neuestens namentlich auch durch das Einlenken der russischen Regierung bestärkt, welche sich einer bulgarischen Union immer mehr zugeneigt erweist. Reichstag. E. R. Berlin, 3. December. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurden die Arbeiterschutzanträge der Abgg. Auer, Dr. Lieber, Lohren und Hitze weiter discutirt. Abg. Dr. Lieber (Ct.): Man muß prüfen, ob nicht durch die schutzlose Industrie-Arbeit die Wehrhaftigkeit des Volkes leide, da in einzelnen Industrie-Bezirken die Zahl der Dienstuntauglichen bis zu 78 Procent betrage. Die Sonntagsruhe ist ein Gottesgebot, dem gegenüber der Ausfall des Lohnes nicht in Betracht kommen dürfe. Wir erstreben nächst der Sonntagsruhe die Beschränkung der Frauen- und Kinder-Arbeit, den Normal-Arbeitstag und die Arbeiter-Versicherung. Für die Einschränkung der Frauen- und Kinder-Arbeit und gegen die schrankenlose Ausbeutung treten wir im Interesse der Familie ein, die die Grundlage aller gesellschaftlichen Ordnung ist. Staatssecretär v. Bötticher weist mit Entschiedenheit den Vorwurf zurück, daß entgegen der Allerhöchsten Botschaft nicht genug von der Reichsregierung gethan sei; dieselbe sei einer näheren Erörterung der Frage der Sonntagsruhe keineswegs abgeneigt, ebenso fehle es auch nicht an bestehenden Vorschriften, wie eine Sammlung bestehender Verordnungen und deren demnächstige Publikation ergeben werde; leider werden diese Vorschriften nicht genügend gehandhabt. Auch die Frage des Maximal- Arbeitstages wollen wir discutiren, zumal bei den verbündeten Regierungen, sowie beim Reichskanzler eine principielle Abneigung hiergegen nicht besteht. Vorberathende Schritte gegen die Frauen- und Kinder-Arbeit sind bereits geschehen. Abg. Lohr en (Reichspartei) ist mit den Anträgen, soweit sie eine Ergänzung unserer Geiverbeordnung bedeuten, einverstanden, will dieselben aber erst gelegentlich der Discussion der Ackcrmann'schen Anträge besprechen; die Frage der Normalarbeitszeit, der Frauen- und Kinderarbeit ist discutabel, aber erst müsse das Resultat der noch nicht geschlossenen Enquete abgewartet werden, bevor man unter Berücksichtigung der auswärtigen Concurrenz sich entschließt, wie weit besonders in der Frage der Arbeitszeit und der Nachtarbeit der Männer zu gehen sei. Unannehmbar sino für uns die Forderungen der Maximalarbeitszeit und des Minimalarbeitslohnes. Man verlangt eine neue Organisation der Arbeit, aber wir bedürfen einer solchen nicht, denn wir Philippopel ab. Oesterreich, Deutschland und Rußland wiesen ihre Consuln in Philippopel an, den türkischen Delegirten zu unterstützen. — In der gestrigen Conferenzsitzung unterbreitete Said Pascha zur Unterschrift den Botschaftern eine kurze Darlegung über die Verhandlungen der vorhergegangenen Sitzungen, worin die Vertreter der Mächte das Recht der Türkei, Truppen nach Rumelien zu senden, anerkennen. White bemerkte, Niemand bestreite dieses Recht, es wäre jedoch besser gewesen, vor Entsendung eines türkischen Delegirten eine gemischte Untersuchungs-Commission nach Rumelien zu schicken. White erklärte, er sei außer Stande, diese Erklärung zu unterzeichnen. Die Pforte ist entschlossen, die Beschlüsse der Conferenz zu Gunsten der Herstellung des Status quo auszuführen. Pirol, 3. Decbr. Ein amtlicher bulgarischer Bericht über die Kämpfe bei Pirot am 26. und 27. November besagt: Die Bulgaren marschirten am 26. Novbr. von Zaribrod in drei Kolonnen ab, zwei über die Anhöhe und eine in der Ebene auf der Chaussee nach Nisch. Sie befanden sich fünf Kilometer von der Stadt Virot entfernt, als die Serben, welche auf den Anhöhen, sowohl links wie hinter uno vor der Stadt aufgestellt waren, das Feuer um 4 Uhr eröffneten. Gegen 6 Uhr Abends drangen einige Kompagnien des bulgarischen Centrums im Bajonettkampf in die Stadt, wurden aber bis zum Eingänge der Stadt wieder zurückgeworfen, wo sie ihre Stellungen behaupteten. Um Mitternacht griff eine Abtheilung des linken Flügels der Bulgaren die südlichen, von den Serben verlassenen Anhöhen an und um 1 Uhr Morgens besetzte der rechte Flügel die nördlichen Anhöhen von Pirot, während das Centrum sich vor der Stadt entwickelte. Die linke Kolonne griff die Serben in dem Dorfe Barilchi- ftoctz welches auf einem Hügel liegt, an und es kam dort zu einem sehr blutigen Treffen. Im Laufe des Tages wurde der Hügel von den Bulgaren zweimal genommen und zweimal von den Serben wiedergewonnen. Endlich mit Einbruch der Nacht mn- ging der äußerste linke Flügel der Bulgaren den rechten serbischen Flügel, welcher auf der Chaussee nach Nisch zurückgewichen war und dabei von dem rechten bulgarischen Flügel, von der Flanke und vom Rücken aus beschossen wurde. Während dessen hatte das bulgarische Centrum Pirot mit dem Bajonett genommen und den Feind auf dem Wege nach Knjashevatz vor sich hergetrieben. Der Einbruch der Stacht gestattete die Verfolgung nicht, wie aber von der Kavallerie eingehende Rapporte melden, flohen die Serben gegen Ak Palanka und Knjashevatz. Der Bericht erwähnt dann der Ankunft des Grafen Khevenhueller und hält trotz der gegentheiligen Versicherungen der Serben die Behauptung aufrecht, daß diese Widdin nach der Einstellung der Feindseligkeiten angegriffen haben- Hierbei wird auf einen flagranten Widerspruch zwischen einer derartigen Behauptung und dem offiziellen Bericht des Generals Milovanovitch hingewiesen, welcher die Regierung^wegen des Angriffs der Serben auf Widdin entschuldigt und damit erklärt, daß die Serben die Nachricht von der Einstellung der Feindseligkeiten zu spät erfahren haben. Der Bericht sagt ferner, Khevenhueller habe versichert, daß seit seinem Eintreffen die Feindseligkeiten einzustellen befohlen sei. Der Bericht konstatirt schließlich die Thatsache, daß in den Kämpfen bei Pirot die Serben auf der ganzen Linie geschlagen und in eiliger Flucht auf Bela Palanka und Knjashevatz zurückgeworfen seien, wie sich dies auch aus dem serbischen Bericht ergebe. Der Beginn der Unterhandlungen sei auch nicht von einem bulgarischen Parlamentär ausgegangen, sondern der Vermittlung des Grafen Khevenhueller zu danken. New-Nork, 3. Decbr. Eine Depesche aus Panama meldet, daß Nachrichten aus Lima zufolge, General Iglesias sich ergeben hat. General Eusebio Sanchez ist provisorisch zum Präsidenten ernannt. Eine weitere Depesche aus Lima von gestern Nachmittag 3 Uhr meldet, daß Alles geregelt und eine Kommission ernannt sei, welche den Oberbefehl über die Armee übernehmen und die Wahl-Kollegien zur Vornahme von Wahlen für einen neuen Kongreß einberufen soll. Es ist eine allgemeine Amnestie proklamirt worden. Vermischtes. ][ Darmstadt, 3. December. Die bei dem hiesigen Comitö für die Verwundeten und Kranken der bulgarischen Armee eingegangenen Gaben an Geld repräsen- tiren bereits die stattliche Summe von 34,000 X. In gleich erfreulicher Weise schreiten die Sammlungen von Kleidungs- und Wäschestücken fort. Der zweite Transport soll Anfangs der nächsten Woche von hier nach Sofia abgehen. — Ein Hauptmann der hiesigen Garnison mußte wegen Wahnsinn von der Führung der Compagnie susvendirt werden. Nachdem derselbe bereits früher einmal längere Zeit unter dem Bakstie des Verfolgungswahnes gestanden und anscheinend in der Landesanstalt Heppenheim Heilung von seinem Leiden gefunden hatte, ist nunmehr bei ihm der Größenwahn ausgebrochen. Das traurige Factum soll im ursächlichen Zusammenhang stehen mit einer kleinen Erbschaft, die dem Kranken zugefallen ist. Er ist abernmls in die Anstalt zu Heppenheiin verbracht worden. — Unserer guten Gesellschaft ist seitens zweier Marsjünger ein Aergerniß gegeben worden. Dieselben sind nämlich beschuldigt, in einem der letzten Reunions, welche in der „Vereinigten Gesellschaft" abgehalten wveden, zwei auswärtige „Damen" eingeführt und in das Fremdenbuch als Gäste eingetragen zu haben. Der Vorstand hat sich der Sache angenommen und bereits mehrere Sitzungen abgehalten, um den Sachverhalt klarzustellen. Marburg, 1. December. Die hiesigen Bauhandwerker hielten kürzlich unter dem Vorsitz des Landes-Bauinspectors Herrn Brüning eine zahlreich besuchte Versammlung, zu welcher auch die Herren Abgeordneten Schreiber und Dr. Grimm eingeladen und erschienen waren. Gegenstand der Verhandlung war die neuerdings im Submissionswege geschehene Vergebung der Fundamentirungsarbeiten zum Neubau des Physiologischen Institutes seitens der Universitätsbehörde resp. des Cultusministeriums. Gin auswärtiger Unternehmer hat diese Arbeit erhalten, ebenso wie auch in: vergangenen Sommer die Weißbinderarbeit an der neuen Medicinischen Klinik an einen Auswärtigen vergeben wurde, während betreffende einheimische Handwerker trotz erheblichen Mindergebotes übergangen sind. Was die maßgebende Stelle für Gründe bei ihrem Verfahren geleitet hat, ist zur Zeit nicht bekannt. Um s» bedauernswerther ist es daher, Haß man von gewisser Seite den Bauhandwerkei n einreden möchte, daß für die Universitätsbehörde politische Parteirücksichten bei der Vergebung der Arbeiten die Hauptsache gewesen sei. Herr Maurermeister W. Dunker, der bei den Fundamentirungsarbeiten 3000 X weniger gefordert hatte, soll nun einfach deshalb nicht berücksichtigt lein, well er der conservativen Partei angefoört Die Versammlung beschloß eine Petition an das Staatsministerium, daß das Cnltusmüüsterium künftig auch der Submissionsordnung vom 17. Juli d. I. unterstellt werden möge. Schließlich empfahl der Abg. Dr. Grimm die Errichtung von Handwerkerinnungen, die allein im Stande seien, solchen Uebelstanden abznhelfen. Die offenkundige Thatsache jedoch, daß hierorts liberale Handwerker bei conservativen Behörden nicht berücksichtigt zu werden pflegen, vergaß man leider zu erwähnen. (Fr. I.) Tübingen, 30. Nov. Gestern Nachmittag wurde durch denStationscomman- danten ein angeblicher stud. phil. aus Bayern wegen mehrerer hier verübten Schwindeleien verhaftet. Derselbe fand sich vor etwa 3 Wochen hier ein, gab sich fälschlich für einen Pfarrerssohn und Corpsstudenten aus, logirte sich in einem der ersten Gasthöfe ein, lebte daselbst wie auch in anderen Wirtschaften flott, ohne etwas zu bezahlen, machte mehrere Darlehen und entnahm in einigen Geschäftshäusern Maaren ebenfalls auf Borg, immer aber mit der Vertröstung, daß er in nächster Zeit bedeutende Wechsel erwarte. Die Verhaftung erfolgte dem „Schw. Merk." zufolge auf eingetroffene Nachrichten hin, daß derselbe auch in anderen Universitätsstädten ähnliche Schwindeleien verübt hat. Theater. V Gießen, 4. December 1885. Heute Abend wird Fräulein Magda Jrschick zum letzten Male auftreten und zwar als Margarethe in dem Lustspiel: „Die Märchen der Königin von Navarra" von Scriba und Legouvö. Wir machen um so mehr auf die Vorstellung aufmerksam, da sich wohl nicht sobald wieder die Gelegenheit bieten dürfte, eine Künstlerin von der Bedeutung einer Magda Jrschik hier zu sehen. Die Dame hat einen Gastspiel-Cyclus in Düsseldorf abgeschlossen, welcher bereits am Sonntag beginnt und ist es daher das unwiderruflich letzte Auftreten in Gießen, welches heute Abend stattfinden soll. — a— Handel and Verkehr. VI. Gießen, 3. December. lieber die Errichtung einer Haltestelle zwischen den Stationen Gießen und Lang-Göns der Main-Weser-Bahn urtheilt der Jahresbericht, der hiesigen Handelskammer: Die benachbarten Gemeinden Großen-Linden, Leihgestern, Hörnsheim und Hochelheim richteten an den Minister der öffentlichen Arbeiten in Berlin ein Gesuch um Errichtung einer Haltestelle der Main-Weser-Bahn zwischen den Stationen Gießen und Lang-Göns und unterbreiteten dasselbe der Kammer zur Unterstützung. Da eine Berücksichtigung des Gesuchs auch von Interesse für den Handelsstand der Stadt Gießen war, so befürwortete die Kammer in einer entsprechenden Eingabe an den Herrn Minister die Petition der Gemeinden. In den Gründen dieser Petition war der günstige Einfluß hervorgehoben worden, den die gewünschte Verkehrserleichterung auf die moralische und wirthschastliche Entwicklung der Gemeinden ausüben würde. Wir konnten diesen Gründen nur beistimmen. Die nach Hunderten zählenden Arbeiter aus fraglichen Orten, welche in hiesigen Fabriken lohnenden Verdienst finden, büßen durch die Anstrengungen des weiten Weges, den sie zu Fuß zurücklegen müssen, einen beträchtlichen Theil ihrer Arbeitszeit und ihrer Arbeitskraft ein. Insbesondere geht ihnen Arbeitszeit verloren für ihre notwendigen häuslichen Beschäftigungen und landwirth- schaftlichen Nebengewerbe, und der verminderten Arbeitskraft entspricht eine geringere Leistungsfähigkeit, wodurch zugleich der Arbeitgeber benachtheiligt wird. Für uns ist eine Verbesserung der Lage der petitionirenden Orte nicht nur im Interesse der Arbeitgeber von Bedeutung, sondern auch deshalb, weil alle anderen wirtschaftlichen Beziehungen der Gemeinden nach Gießen Hinweisen. Durch die nachgesuchte Bahnver-. bindung würde dem Absatz der landwirtschaftlichen und industriellen Producte der Gemeinden — es finden sich daselbst eine größere Anzahl Käsefabriken, Cigarrenfabriken. Essig- und Liqueurfabriken, Backstein- und Kalkbrennereien u. s. w. — ein außerordentlich günstiger Vorschub geleistet werden und würde dies nicht allein für die Petenten, sondern auch für die Stadt Gießen selbst, insbesondere durch die Einwirkung auf die Concurrenz, von großer Bedeutung sein. Dem Gesuche wurde jedoch an maßgebender Stelle keine Folge gegeben._______ Für Bulgarien gingen ferner bei uns ein: Whist-Club Gießen 3 X Gemeinde Bettenhausen 10 X Jnsgesammt 16 X Weitere Gaben nimmt die Exped. d. Bl. gerne entgegen. Kirchliche MMzeigen Der Stecht Gietzerz. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. 2. Adventssonntag, 6. December- Vormittags 9^2 Uhr: Pfarrer Schlosser. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser- Montag, den 7. December, Abends 8 Uhr, Bibel stunde in der Kleinkinderschule, 1. Johannesbrief Kap- 2. Pfarrer Dr. Naumann. Donnerstag, den 10. December, Abends 7*/2 Uhr, Erbauungsftunde in der Kirche: David Livingstone, der Bahnbrecher in Afrika- Pfarrer Schlosser. Am Sonntag, den 13. December, findet Beichte und heiliges Abendmahl un Nachmittagsgottesdienst, statt. Die am 1. Adventssonntag für die hiesige Kirchenkasse erhobene Kirchenkollekte betrug 15 X 3 Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 6. bis 12- December besorgt Pfarrer Schlosser. Katholisch! Gemeinde. w 2. Sonntag des Advents. . 7 Uhr an Beichte- Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Com- munlon- Um V2IO Uhr: Hochamt und Predigt- Um 2 Uhr: Adventsandacht. Nach dem Gottesdienst wird eine Kollekte für die Bescheerung der armen Kinder unserer Gemeinde gehalten- Gottesdienst in der Synagoge. ~ Freitag Abend 3» Uhr, Samstag Morgen 8* Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 45° Uhr. ' Allgemeiner Anzeiger. Wchmchls-Ausstellung. Ei« Fuhrwagen, sowie ein gebranchter Omnibus ZU verkaufen bei 8658 __________PH» Walther, Lindenplatz. 8663 Eine Kaute guter Mist zu verkaufen- Marktstraße 12. 8651 empfiehlt Emil Plstor. Fr. Teipel< Kiserne Binder scMiUeu ZI Christbarrmh alter, S Schlittschuhe Fianino prachtvoll im Ton, s. g. wie neu, ist um die Hälfte des reell- Werthes zu verkaufen. Näheres bei Gastwirth Hailand in Lich. 8650] Deckreiser zu haben- Grünbergerstraße 41. , *b, empfehle Kleide i" Ich billig,, Webling W Die Aussühru zm Neubau, von Bette Bellershe beiten soll Donnerstag Vormittc auf bem iirich vergeben w S-ftS Heinr'^ iez«. Bl ® jäten in b# dasM kipp Romer Mr und Nr- und von Wilh teilten Flur Quittungen sm nicht beglaubigt nicht mehr vor darum alle, we KausMingeha dert, solche bm so gewiß gcltend die Auszahlung und die zur Löß Eintrags im erforderlichen 2 werden Mn- Gießen, denl Großherzogb Lan j. Planirarbeit 2. Maurerarbe 3. Steinbrecher! Kostenvoransch I Kd auf den Gro I Ntereien Be I Bellersheim, achher Heiriec dem Unterzeichnet Gießen, am 3. 8654 Älineu riken, Cigamn- i u. s. w. - ein cht allein für dic h die Einwirkung gegeben. 'N Gi,s!h °'^ ezahlen n ebenfnn'öd,te fefftne b" 1885. »ih von Ä w »ich, ■“Deutung ‘ läm ?Wotf 6 ^widerruflich 0ießtji 3 JL hrcheru der Kleinkinder, gsstunde in der hlosser. es Abendmahl ene Kirchenkollekte December besorgt ilung der h- sandacht- der armen Kinder ig Mag 3 Uhr. 8679 SP 8649 Gießen, den 1. December 1885. Großherzogliche Direction. OberWsche Eisenbahnen. Mit dem heutigen Tage treten unsere Stationen Grünberg, Alsfeld, Lich, Hungen und Büdingen in directen Güterverkehr mit den hauptsächlichsten Stationen der französischen Ostbahn. Nähere Auskunft ertheilen die erwähnten diesseitigen Stationen. Samstag den 19. December, Vormittags 11 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe des Wilhelm Seibert Flur 1/427 a 50 Meter Hofraithe in der Judeugasse, Flur 1/399 88 Meter Hofraum daselbst, meistbietend versteigert werden- Gießen, den 5. November 1885. Großherzogliches Ortsgericht. 7992 Müller. Heinrich Sommerlad III. und bezw. fein$ Ehefrau von Wieseck haben in dafiger Gemarkung gekauft: von Johannes Völzel's Eheleuten daselbst Flur II Nr. 180, von Philipp Nömer's Eheleuten daselbst Flur und Nr. III/191 und XV/202,2 und von Wilhelm Kaiser's Eheleuten Flur XVI Nr. 380. Die Quittungen sind unvollständig bezw. nicht beglaubigt, die Verkäufer ober nicht mehr vorhanden. Es werden darum alle, welche Ansprüche an die Kaufschillinge haben sollten, ausgefordert, solche binnen 3 Monaten hier so gewiß geltend zu machen, als sonst die Auszahlung als erfolgt angesehen und die zur Löschung des beschränkten Eintrags im Mutations-Verzeichnisse erforderlichen Verfügungen erlassen werden sollen. Gießen, den 29. November 1885. Großherzogliches Amtsgericht. __Langsdorfs. 8655 Vergebung von Straßen- bau-Arbeiten. Die Ausführung der nachstehenden, zum Neubau einer KreiSstraHe von Wettenhausen nach Betlersheiw erforderlichen Arbeiten soll Donnerstag den 10. d M., Vormittags 10V2 Uhr, auf dem Gemeindehause zu Bellersheim in mündlichem Abstrich vergeben werden: veranschl. zu 1. Planirarbeiten, «X 3900,50 2. Maurerarbeiten, „ 1302,— 3. Steinbrechen, „ 1825,20 Kostenvoranschlag und Bedingungen ffrnd auf den Großherzoglichen Bürgermeistereien Bettenhausen und Bellersheim, bei dem Bezirksbauausseher Heineck in Hungen und dem Unterzeichneten einzusehen. Gießen, am 3. December 1885. Der Kreisingenieur: $654 Gnauth. Für Dienstag den 8. December, Nachmittags 2 Uhr, sollen die zum Nachlasse der Frau Christ. Bellos W w e. gehörigen Mobiliargegenstände, als: 8663 Konimoden, Bettwerk, Kleidungsstücke, Hausgeräthschasten rc. im Hause Neuenweg 40 gegen Baarzahlung versteigert werden. I. Mannberger Wwe. Aeikgeöotenes. Teppicke (abgepaßt und in Stückwaare) und Tischdecken, in de» neuesten Desstns, Bett- Borkagen und Läuferstoffe in jedem Genre, Gardinen in weiß, creme und Fankaste-Stoffen in jeder Preislage empfiehlt 8666 das Möbelfabriklager von Th, Brück., Schloßgasse 16. Einen Posten Tischdecken habe im Preise bedeutend herabgesetzt. E ch t e Gesnndheits-Xonnal- Hemden, Zacken & Hosen für Damen und Herren, wie Pros. Dr. Jäger, empfiehlt 7198 $S. Eüübsamen. Mumps'Klappstühle in ihren verschiedenen Stellungen zu benützen als: Stuhl, Fauteuil, Chaiselongue, Hängematte, Bett rc. Das preiswürdigste, zweckentsprechendste Weihnachtsgeschenk. Th. 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Dem Wiederbringev eine Belohnung. H. Mettenheimer, Asterweg- Als uusserffewf&hnlich, s Loden, 7815 8659 AStdeutsche Weinstube Dies zur Nachricht von 8673 m if v if 70 Pfg. an, 40 Pfg., 50 Pfg. an, 1 Mk. 1,25 Mk. an, Meter If if if von u if if Die Beerdigung findet Samstag, Nachmittag 3 Uhr, vom Sterbehaus Seltersweg No. 25 aus statt. Der betreffende mit 8. unterzeichnete Einsender im „Gießener Anzeiger" Nr. 283 stößt gewaltig in die Posaune mit dem Liede: Die Lahn ergießt sich in’s Neustädter Feld. Sollte der Herr ein geborener Gießener sein, so muß er ein sehr kurzes Gedächtniß haben, oder er war in dem Jahre 1862 und in den folgenden noch nicht den Kinderschuhen entwachsen, sonst müßte er wissen, daß in genanntem Jahre das mit Ziegeleien jetzt gesegnete Neustädter Feld, damals noch in seiner ursprünglichen Natur sich befand, und trotzdem die Aecker oberhalb der Gail'schen Fabrik noch den natürlichen Damm bildeten die Lahn das ganze Neustädter Feld mit ihrem Wasser, Steine und Geröll überschwemmte. Wen hätte Einsender denn dazumal als Schuldigen bezeichnet? Erst im Jahre 1869 kaufte ich von dem damaligen ersten Beigeordneten, Herrn L. Th Felsing, einen der genannten Acker zu erheblichem Preise mit der ausdrücklichen Bestimmung für Backsteinfabrikation. Hätte der Einsender in dem öffentlichen Wohl und Wehe der Stadt etwas mitzureden, er hätte sicherlich jeden pecuniären Vottheil ausgeschlossen und aus purer Humanität diese Aecker dem allgemeinen Besten geopfert und dieselben für sich behalten; denn vor solchem Opfer hätte gewiß die Lahn zurückbleiben müssen. „Dieses werlhlos uusgeziegelte Loch" muß dem Herrn 8. ein gewaltiger Dorn am Wege sein daß er dessen Erwerbung und Ausfüllung beantragt. Sollte ihm die Zeit zu lang erscheinen, bis dies geschieht, so könnte er sich bei mir den Preis dieses „Loches" erfragen und einstweilen Vorkehrungen treffen; denn solle abermals Hochwasser kommen, ohne daß das Loch ausgefüllt, so wäre ja der weissagende Schäfer wohl der Klügste. ggg^ Bahnhofstraße. Samstag den 5. Decbr. Metsel- suppe. Vormittags Wellfleisch. Ph. Bauer II. Giessen, 3. December 1885. Die trauernden Kinder: Friedrich Bang. Louise Bang. Minna Bang. Statt besonderer Anzeige hierdurch die schmerzliche Mittheilung, daß heute Morgen unsere liebe Gattin, Mutter, Tochter und Schwester Katharina Lenz, geb. Subei, rach langem, schwerem Leiden im 29. Lebensjahre sanft dem Herrn entschlafen ist. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen und Wieseck, den 3. December 1885. Die Beerdigung findet Samstag den 5. December, Nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause (Ludwigstraße 62) statt. 8653 Todes ■Attseigie« Heute Mittag 12 J/2 Uhr entschlief sanft in ihrem 74. Lebensjahre unsere gute Mutter Margarethe Bang geb. Körber. If If 8671 ] Notwendig ist es, alte Briefe bis 1866 durchzusuch., da deren Couverts u- Marken hoch bezahlt H. J. Dauth, Frankfurt a/M. 8676 Ein j. Mädchen für leichtere Hausarbeit auf Weihnachten gesucht. Schillerstraße 13. tSebodtm: iS- Sdicesi. — Druck utis Verlag her Brüdl'^-n SAnictmi (»<• Ai enckl fr. W'efie- Die heutige Nummer enthält 1 Blatt und 1 Beilage. Balth. Strauch, ___Maurermeister. 8647 Ein ordent l ickses^D i e nftmä dchen vom Lande wirb auf Weihnachten in Dienst gesucht^ Näheres in der Exped. d. Bl. 86751 Täglich circa 8 Liter gute Milch (von einer Kuh) kann abgegeben werden bei Karl Hüttenberger, ______________Westanlage 15, Hinterhaus- Ferner empfehle meine Neuheiten in Winter-Mänteln in langer, moderner Fapon von 8 Mark an bis 150 Mark, _ sowie auch Regenmäntel für Damen von den gewöhnlichsten und billigsten bis zu den hochfeinsten. Kinder Winter Mäntel für die Hälfte des Einkanfspreifes. A. Docter, Seltersweg 57, dem Hotel „Prinz Carl" gegenüber. 1 Mk. 30 Pfg. an. Außerdem Ballstoffe SNF* das neueste und modernste der Säifon billig empfehle einen Posten neuer moderner Kleiderstoffe, voppelbreit, das verschiedener Careaur, „ reine Wolle, doppelbr. „ Wer auf einen wirklich guten, dauerhaften und sorgfältig gearbeiteten Schirm reflectirt, empfehle ich die von mir selbst gefertigten Schirme. 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