In tll8 *t,e f6t g«t-S Nt, US Urzt Ostertag, cinischen Universitas, org. 5- 783 i 1 Expedition V'l Donnerstag den 5. November Nr. 258. 1885 ießener Anzeiger Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen. Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme deö Montags. ^^^^^^hrl'ch 2 Mark 20 Pf. ^^^^Serlohn. 1 v ” Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P». Amtlicher Hyeil. Betreffend: Die Volkszählung im Jahre 1885. Bekanntmachung. Zur Ausführung der am 1. Decernber l. I. stattfindenden Volkszählung ist eine größere Anzahl qualificirter Personen, welche als Zähler sungiren sollen, nothmendig. Es werden daher solche, welche sich dem genannten Geschäfte, sei es unentgeltlich, sei es gegen Bezahlung, unterziehen wollen, aufgefordert, sich binnen 3 Tagen aus dem Bureau Großherzoglichen Polizeiamts, Weidengasse, zu melden. Bemerkt wird, daß das Geschäft eine Dauer von 6 bis 8 Tagen haben wird. Gießen, den 30. October 1885. Der Vorsitzende der Zählungs-Commission für die Stadt Gießen. ________________________________________Fresenius, Polizeirath. Politische Ueberskcht. Gießen, 4. November. In diesen Tagen findet ein Wechsel in vier der wichtigsten diplomatischen Aemter des deutschen Reiches statt. Graf Hatzfeldt, der bisherige Staatssecretär des Auswärtigen, erhält den Botschasterposten in London, Graf Münster verläßt den dortigen Posten, um die Vertretung Deutschlands in Paris zu übernehmen. Fürst Hohenlohe-Schillingsfürst tritt sein Amt als Statthalter von Elsaß-Lothringen an und die erledigte Stellung des Staatssecretärs des Auswarigen harrt der Ausfüllung durch den Nachfolger des Grasen Hatzfeldt. Der nächste Anwärter aus diesen wichtigen Posten ist der Unterstaatssecretär Gras Herbert Bismarck, und es ist zu erwarten, daß er einfach in das nächst höhere Amt einrücken wird. Die zunächst austauchende Frage, ob hier ein Sysiemwechsel oder nur ein Personenwechsel vorliegt, darf in Bezug auf die Aemter des Staatssecretärs und der Botschafter in London und Paris ohne Weiteres verneint werden, dagegen muß sie bejaht werden in Bezug auf den Posten des Statthalters von Elsaß-Lothringen. Hier ist allerdings ein System- wechsil zu erwarten, und zwar in dem Sinne, daß die b'sher vergeblich aufgewendete Mühe, den französisch gesinnten Theil der Bevölkerung durch Gewährung von Gefälligkeiten zu gewinnen, die stch als Bevorzugungen darstellen, nicht aufis Neue in Uebung gesetzt wird, sondern daß der Grundsatz: gleiche Rechte und gleiche Pflichten für Alle, gleichviel, ob Deutsche oder Franzosen, in vollem Maße zur Geltung gelangt. Die Wünsche der unter der französischen Regierung geborenen und erzogenen Bevölkerung Elsaß-Lothringens, gleichviel, ob sie deutscher oder französischer Abkunft sind, können von einer deutschen Regierung überhaupt nicht erfüllt werden, darüber haben die letzten sechs Jahre volle Klarheit gebracht, also erscheint es als das Beste und Zweckmäßigste, wenn die Gesetze und die bestehenden Verwaltungs-Grundsätze die alleinige Richtschnur für die Regierung bilden. Daß General-Feldmarschall v. Manteuffil von der Ueberzeugung geleitet wurde, daß er auf die von ihm gewählte Art und Weise, die Elsaß-Lothringer zu behandeln, leichter dazu gelangen würde, das Regermanisirungswerk zu vollziehen, steht außer aller Frage, aber ebenso sicher erscheint, daß er sich im Jrrthum befand, und daß Fürst Hohenlohe ein anderes, strengeres System befolgen wird, ohne das parcere subjcclis (die Schonung der Besiegten) aus den Augen zu verlieren. Der Besitzstand der Parteien im preuß. Abgeordnetenhause wird nach den bis jetzt vorliegenden Resultaten der Wahlmännerwahlen folgende Veränderungen erfahren: Die Nationalliberalen haben 8 Mandate gewonnen (Magdeburg, Stormarn, Oberlahnkreis, Hanau, Lennep, Solingen von Den Deutsch-Freisinnigen, Stadt Hannover, welche früher nur einen Abgeordneten wählte, jetzt 2, Osnabrück von den Conservativen, Frankfurt a. M. von den Demokraten) und 1 (Crefeld) an die Ultramontanen verloren. Die Deutsch- Freisinnigen haben die oben genannten 5 Mandate an die Nationalliberalen und 1 (Elberfeld) an die Freiconservativen verloren, nichts gewonnen. Die Conservativen haben 1 (Osnabrück) an die Nationalliberalen und 1 (Landkreis Kassel) an die von den Nationalliberalen unterstützten Freiconservativen verloren. Die Freiconservativen haben 1 Mandat (Elberfeld) von den Deutsch- Freisinnigen und 1 (Landkreis Kassel) von den Conservativen gewonnen, die Ultramontanen 1 (Creield) von den Nationalliberalen. Die Demokraten haben ihr einziges Mandat (Frankfurt a. M.) an die Nationalliberalen verloren. Die Vorschläge, auf welche der Papst seinen Spruch in der Karolinen-Frage begründen will, wurden durch den Kardinal-Staatssecretär an die Cabinette von Madrid und Berlin consioentiell mitgetheilt. Durch diese Vorschläge wird die Rechtsfrage zu Gunsten Spaniens entschieden, Deutschland jrdoch werden nennenswerthe materielle Vortheile gesichert. Die Fassung des päpstlichen Spryches kann nach Rücksprache mit Deutschland und Spanien eine kleine formelle Vervollständigung erfahren. Nach der Anschauung maßgebender Persönlichkeiten ist die Frage der Priorität der Occupation als ein rein militärisch- diplomatischer Zwischenfall nebensächlich und wird an Der bereits getroffenen Lösung der Rechtsfrage nichts ändern. Nach einer Mittheilung des „Voltaire" soll das französische Occu- pations-CorpS in Tongking auf 12,000 Mann reducirt werden; dasselbe werde, wie das genannte Blatt meint, in Verbindung mit einem Corps von 32,000 Mann anamitischer Rekruten genügen, um die Ruhe im Delta und am Rothen Flusse bis Dynnan zu sichern. Da gerade gegenwärtig wieder Nachrichten über die ernste Lage der Truppen in Anam und Tongking einlaufen, so ist es noch sehr fraglich, ob sich die französische Regierung wirklich zu einer Reduction ihrer Truppen in Ostasien entschließen wird, welche Maßregel unter den obwaltenden Umständen von bedenklichen Folgen für das Ansehen Frankreichs in Ostasien sein könnte. Bezüglich der französischen Streitkräfte auf Madagaskar verlautet, daß dieselben lediglich auf den Punkten concentrirt würden, die wichtig für den Handel seien, so besonders in Tamalave, Majunka und Diego Suarez. Die Grenz st reitigkeiten in Südafrika zwischen der englischen Regierung und der neuen Boern-Republik haben die englische Regierung veranlaßt, genauer die unter ihre Oberhoheit fallenden Gebiete im Norden der Cap- Kolonie zu umgrenzen. Eine der Cap-Regierung zugegangene Verfügung der Königin erklärt das Betschvana- und Kalaihari-Land als unter Oberhoheit Englands stehend. Die Grenzen dieser Schutzherrschaft bilden im Süden Die Cap- Kolonie, im Osten die südafrikanische Republik, im Westen der Fluß Molopo und im Norden derselbe Fluß bis zu seiner Vereinigung in Ramath-Labana- Spruit und von da durch diesen Spruit bis zur Grenze der südafrikanischen Republik wird künftighin britisches Gebiet unter dem Namen „Britisch-Betschuana- Land" (ein. Der nicht innerhalb der Grenzen von Britisch-Betschuana mit einbegriffene Rest des Gebietes wird ebenfalls unter dem Schutze Ihrer Majestät verbleiben. Bis jetzt verlautet indessen noch nicht, daß die Boern dem Vorgehen Englands bezüglich des Bctschuana-Landes schon zugestimmt haben. Aus Calcutta wird gemeldet, daß die erste Abteilung des für Birma bestimmten englischen Expeditions-Corps am 1. November nach Rangua abgegangen ist. In der Samstags-Sitzung des ungarischen Delegations- Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten gelangte auch die Angelegenheit der deutschen Zollerhöhungen zur Sprache. Graf Kalnoky erklärte auf eine bezügliche Anfrage des Delegirten Gall Folgendes: Es seien Seitens der österreichischen Regierung zur Erlangung eines besseren Zollverhältniffes mit Deutschland noch keine osficiellen Schritte gethan worden, weil ein Erfolg jetzt nicht zu erwarten stand. Die deutsche Zollerhöhung wurde im Reichstage nach vieljährigen, vergeblichen Anstrebungen erst in diesem Jahre durchgesetzt; es konnte daher nicht vorausgesetzt werden, daß die deutsche Regierung ein so mühevoll und mit so vielen Schwierigkeiten erreichtes Resultat sobald wieder fallen lassen werde, welches dem Staatsschätze auch eine beträchtliche Einnahme sichere. Dennoch habe in dieser Angelegenheit ein vertraulicher Meinungs'Austausch stattgesunden, wobei sich herausstellte, daß vorläufig noch so große Schwierigkeiten zu überwinden seien, daß von einem Eintreten in Verhandlungen kein Erfolg zu erwarten sei; somit erübrige nichts, als die praktischen Resultate der deutschen Zollerhöhungen abzuwarten. Unzweifelhaft werde ein Zeitpunkt kommen, wo man diese Frage unter günstigeren Verhältnissen wieder aufnchmen. könne, denn es sei beiderseits conftalirt worden, daß der Wunsch nach wirth- schastlicher Einigung aus beiden Seiten im Principe noch immer fortbestehe. Dem „Standard" wirb aus Athen gemeldet, Griechenland habe die Mittheilung der Mächte ähnlich beantwortet, wie Serbien. Hinzugefügt ist in der griechischen Antwort, Griechenland könne die Dinge nicht als geordnet und gesichert betrachten, so lange nicht wenigstens Griechenland die durch den Berliner Vertrag zugesicherte Grenzlinie von Epirus besitze._________ KoTand. Haag, 3. November. In den Kammern wurde ein Gesetz eingebracht,, wonach der Elementar.Unterricht den Communen überlassen werden und der Staat denselben nur da Übernehmen soll, wo die Initiative der Commune nicht ausreicht. Srankreich. Paris, 3. November. „Voltaire" und andere Blätter melden einen kleinen Unfall, der dem Präsidenten Grövy am Donnerstag zugestoßen ist. Darnach wäre Grövy, welcher allein ausgegangen war, um Herrn v. Freycinet nach dem Attentat einen Besuch zu machen, auf der Jnvalidenbrücke in Folge eines Fehltrittes mit dem Gesicht gegen das Brückengeländer gestoßen. Die Folge war eine leichte Hautabschürfung, die indeß den Präsidenten nicht abhielt, den Vorsitz im Ministerrath zu führen. Gestern empfing Der Präsident den päpstlichen Nuntius. Bulgarien. Sofia, 3. November. (Meldung der „Agence Hava»/) Eine offtcieQe Mrtthsilung des Ministers des Aeußern besagt, die Negierung habe mit gutem Grunde das Einrücken der Serben auf bulgarisches Gebiet als vollendete That- fache betrachten können, denn die Serben besetzten in der Nacht vom 24. October einen Theil des bulgarischen Dorfes Kliffura und zogen sich erst am 25. October, Morgens, wieder auf serbisches Gebiet zurück. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Corresponderrz - Bureau. Braunschweig, 3. November. Soeben wird folgendes Patent ver- öffentlid)^ Gnaden Wir, Albrecht, Prinz von Preußen re. thun hiermit kund und zu wissen: Nachdem die Landesversammlung in Gemäßheit des § 6 des Gesetzes vom 16. Februar 1879, die provisorische Ordnung der Negierungsverhältnisse bei einer Thronerledigung betreffend, Uns auf Vorschlag des Regentschaftsraths in ihrer Sitzung vom 21. v. M. bei Anwesenheit ihrer sämmtlichen Mitglieder einstimmig zum Regenten des Herzogthums erwählt und der Regentschaftsrath Uns demgemäß um Annahme der Wahl geziemend ersucht hat, wollen Wir die auf Uns gefallene Wahl hierdurch förmlich annehmen. Wir treten demgemäß, wie wir hierdurch zur allgemeinen Kunde des Landes bringen, die Regierung des Herzogthums Braunschweig kraft dieses Patentes an, verordnen zugleich auch, daß die Ableistung der allgemeinen Huldigung alsdann stattfinden soll, sobald das in dieser Hinsicht weiter Erforderliche mit der Landesversammlung in verfassungsmäßiger Weise vereinbart sein wird. Zugleich versichern Wir bei Unserem Fürstlichen Worte, daß Wir die Landesverfassung in allen ihren Bestimmungen beobachten, aufrecht erhalten und beschützen wollen. Zur Urkunde dessen haben Wir dieses Patent eigenhändig unterschrieben und mit dein Herzoglichen geheimen Eanzlei-Siegel bedrücken lassen. Gegeben Braunschweig, 2. November 1885. Albrecht, Prinz von Preußen. gegengez. Graf Görtz-Wrisberg. Wirk. Otto. — Die gestrige Theatervorstellung nahm einen glänzenden Verlauf. Als das vrinzliche Paar eintrat, erhob sich das Publikum und stimmte begeistert in das von dem Oberbürgermeister Pockels als Willkommgruß ausgebrachte dreifache Hoch ein. Nach der Theatervorstellung brachten die Feuerwehren einen Fackelzug, 600 Sänger eine Serenade, worauf das prinzliche Paar eine Deputation der Feuerwehren und Sänger empfing und denselben für den überaus herzlichen Empfang in Braunschweig und die glänzenden Ovationen dankte. Die Bürgeroereine und Kriegervereine hielten einen Festcommers ab, wobei überall den wärmsten Gefühlen für das Regentenpaar Ausdruck gegeben wurde. Eine große Menschenmenge durchwogte bis spät Mchts die Stadt. Das ganze Fest ist in bester Ordnung verlaufen. Die prinzlichen Kinder wohnten dem Einzug nicht bei, sie sind in Kamenz geblieben. Paris, 3. November. Graf Münster wird am Donnerstag sein Accreditive überreichen. — Am Vormittag fand ein Ministerrath statt, wobei Grevy präsidirte. Die Verletzung Greoy's ist ganz unerheblich und wurde, wie verlautet, dadurch herbeigeführt, daß das Pferd des Wagens, welchen Grevy besteigen wollte, vorzeitig anzog, in Folge dessen der Wagenschlag zurückflog und Grevy leicht an der Nase verletzte. — Ein Telegramm aus Sanct Thomas meldet, in Folge neuerlichen Vorgehens der Regierung von Hayti gegen die Ausländer hätten der französische und der englische Vertreter bei ihren Regierungen die Absendung von Schiffen verlangt. Belgrad, 3. November. Wie verlautet, ließ der König anläßlich der Erklärungen des Grafen Kalnoky im Ausschüsse der ungarischen Delegation in Wien seinen wärmsten Dank aussprechen für die Serbien betreffenden sympathischen Auslassungen und besonders für die Betonung der Thatsache, daß Serbien die Wiederherstellung des status quo ante als die befriedigendste Lösung der Schwierigkeiten betrachten würde. Kopenhagen, 3. November. Eine Meldung des „Standard" aus Kopenhagen, wonach eine von sämmtlichen Vertretern des Auslandes unterzeichnete Collectivnote über die politische Lage Dänemarks an die Mächte versendet sein Ml, ist nach an erster Stelle eingezogenen Erkundigungen als reine Erfindung zu bezeichnen. Petersburg, 3. November. Das „Journal de St. Petersbourg" sagt anläßlich der Rede Kalnoky's: Die ausführlichen wichtigen Erklärungen des Grafen werden nicht verfehlt haben, die Leser durch die große HZräcision und Richtigkeit der Gedanken zu frappiren. Hinsichtlich der von dem Hauptquartier der bulgarischen Bewegung und seinen abendländischen Succursalen verbreiteten angeblichen Enthüllungen, welche den Zweck hätten, das abendländische Europa glauben zu machen, daß russische Agenten in Sofia und Philippopel seit lange die Bewegung für das nächste Frühjahr vorbereitet hätten und der Minister Karnwclow den Ausbruch nur beschleunigt habe, um Großbulgarien jedem russischen Protectorate zu entziehen, bemerkt das „Journal": Dies Manöver ist nicht übel erdacht; es bezwecke, für die Bewegung alle antirussischen Elemente zu gewinnen. Das „Journal" bezweifelt, daß die Gewinnung dieser Elemente für Bulgarien die gegenwärtige Phase überleben werde. Was den Vorwand für die Bewegung betreffe, so sei derselbe eine reine Phantasie. Rußland rieth stets den Regierungen und den politischen Persönlichkeiten auf beiden Seiten des Balkans von jedem revolutionären Vorgehen ab und ließ sie keinen Augenblick im Zweifel, daß, ungeachtet der Sympathien für die Verwirklichung der wohlbekannten Wünsche des Bulgarenvolkes, dasselbe für Unternehmungen gegen die Verträge nicht auf seinen Beistand zu rechnen habe. Die kaiserliche Ansprache in Fredensborg war eine neue öffentliche Bestätigung dieser Politik, da seine Sympathien Rußland nicht verhindern konnten, die Folgen der unüberlegten Handlung vorauszusehen. Man konnte sich in Philippopel und Sofia mit geschlossenen Augen in solche stürzen; aber dies konnte nicht die Politik einer Großmacht wie Rußland sein. — Das „Journal" dementirt die Nachricht, die Beseitigung der Rekrutirungs- klausel in der egyptischen Convention sei von Nelidow eingegeben. Athen, 3. November. Die Kammer nahm die Adresse an den König mit 156 gegen 10 Stimmen an. — In einem Rundschreiben der Negierung vom 31. Ootober an die diplomatischen Vertreter in Beantwortung der Mittheilung der Mächte vom 22. October heißt es: Griechenland wolle zwar den Vorschlägen der Mächte zu Gunsten der Friedenserhaltung, welcher es die politischen Interessen unterzuordnen bereit sei, Rechnung tragen; indeß beweise die durch die Ereignisse in Rumelien bei der griechischen Bevölkerung hervorgerufene Erregung , daß für Griechenland nichts unheilvoller wäre, als die Wiederkehr derartiger Ereignisse. Griechenland halte es dcßhalb für noth- wendig, eine neue Ordnung der Dinge zu schaffen, wodurch die hellenischen Interessen besser gegen die Wiederkehr der erwähnten Ereignisse geschützt seien. Die griechische Regierung hoffe, die Mächte würden diese Erwägungen bei ihrem ferneren Verhalten berücksichtigen. Irauen-Pflichten. Ueber das Thema „Pflichten, die. den Frauen aller Stände gemeinsam sind", hielt Frau Professor Weber-Tübingen am 22. October im Frauenbildungsverein zu Eisenach einen längeren Vortrag. Stach dem „Leipziger Tageblatt" bezeichnete die Vortragende ihr Thema, welches sie von einem dreifachen Gesichtspunkte in's Auge faßte, nämlich als „Erziehung der Kinder", als „Erziehung der Dienstboten" und als „Fürsorge für die Arbeiterinnen", als einen wichtigen Theil socialer Reformthätigkeit, an welcher nicht nur die Männer, sondern auch, und ganz besonders, die Frauen mit- zuwirkett berufen seien. In überzeugenden Worten legte Rednerin den Frauen an's Herz, daß auch sie Pflichten gegen den Staat und die bürgerliche Gesellschaft zu erfüllen haben, vor Allem die Pflicht, dem Staate seine künftigen Bürger, der menschlichen Gesellschaft physisch und sittlich tüchtige Mitglieder zu erziehen und durch eine segensreiche Wirksamkeit in Haus und Familie den schädlichen Einflüssen entgegenzuarbeiten, welche dem weiblichen Geschlechte im Kampfe um den Erwerb und den Lebensunterhalt drohen und theil- wetse zu trauriger Verwahrlosung führen. Sie schilderte, wie zu frühe Selbstständigkeit und Vergnügungssucht in's Verderben stürzen und häufig die Mütter durch eine falsche Erziehung ihren Kindern die glückliche Zukunft rauben. Manche reiche Frau blicke tief bekümmert auf ihre ungerathenen Kinder, die sie mit übertriebener Zärtlichkeit und Nachsicht verzogen, während dagegen manche arme Mutter hochbeglückt auf ihre braven Kinder schaue, denen sie eine strenge und dabei doch liebevolle Erziehung habe angedeihen lassen. Das Verhältnis) zwischen Herrschaft und Dienstboten berührend, hob Rednerin die Fehler hervor, welche bei der Behandlung der weiblichen Dienstboten begangen werden, und wies die erziehlichen Ursachen nach, aus welchen so oft aus den Mädchen der dienenden Klasse durch Schuld der Hausfrauen nichts wird und aus welchen so viele Mädchen, oft zu ihrem leiblichen und sittlichen Verderben, die Fabrikarbeit oder den freien Handarbeits - Erwerb den häuslichen Dienstverhältnissen vorziehen. Die Segnungen der häuslichen Erziehung für das künftige eigene Familienleben der Dienstboten seien ganz bedeutende. Ein' reges humanes Interesse müßten die Frauen auch für diejenigen weiblichen Mitglieder der Gesellschaft haben, welche den Kampf um's Dasein in selbstständiger Erwerbsthätigkeit, umringt von Drangsalen und Fährlichkeiten aller Art, bestehen müssen. Es sollten hier Vereine werkthätiger Nächstenliebe entstehen, auch müsse mau die Auswanderung erleichtern, um weiblichen Arbeiterinnen in Ländern, wo dieselben sehr gesucht, eine bessere Zukunft bereiten zu können. Rednerin empfahl den Frauenvereinen, nach Erweiterung des Erwerbsgebiets des weiblichen Geschlechts zu streben und den Hausfrauen die Pforten der Familie weiter aufzuthun, damit Alle gedeihlich Zusammenwirken zu dem schönen Werke vorbeugender, mildernd.er, ausgleichender Thätig- keit. Die gebildeten Frauen sollten nicht müssig gehen, sondern immer erziehend unb hilfebringend wirken und so ihr Arbeitsgebiet in geistiger und moralischer Beziehung vergrößern. Lokale-. Gießen, 4. November. Sitzungen des Prooinzialausschüsses finden statt und kommt zur Verhandlung: Montag den 9. November l. I. 1. Die Entlassung des Gemeinde-Einnehmers Lang von Wicseck. 2. Recurs des Ortsarmenverbandes Nösberts gegen einen Beschluß des Landarmenverbandes Lauterbach wegen Unterstützung des Sträflings Johannes Prang aus Nösberts. 3. Klage des Ortsarmenverbandes Biffes gegen den Ortsarmenverband Dauern- heim 2c. wegen Unterstützung des Michael Polzer beziehungsweise dessen Kinder. Dienstag den 10. November l. I. 4. Klage der Gemeinde Billertshausen gegen die Gemeinde Angenrod wegen Aufstellung des Kirchenvoranschlags zu Billertshausen. 5. Tie Zutheilung der Gemeinde Rimlos zur Schulgemeinde Lauterdach. G. Gießen, 4. November. [Sterblichkeit in Gießen.] Die Zahl der Todesfälle steigerte sich während der Woche vom 25. bis 31. October bis auf 12 und zwar wurden 5 Kinder und 7 Erwachsene betroffen. Von 2 Kindern im ersten Lebensjahre erlag das eine einem Darmcatarrh, das andere Krämpfen. Von den schon älteren Kindern starben zwei an Diphtherie, eins an Scharlach. Bei den 7 erwachsenen Personen (von denen jedoch 4 hier nicht ansässig waren) wurde als Todesursache bezeichnet: Krebs dreimal, Altersschwäche zweimal, Lungenschwindsucht und Knochenfraß je einmal. Gießen, 4. November. [12. Sitzung der Großherzoglichen Handelskammer am 20. October 1885.] Gegenwärtig waren die Herren Ed. Silbereisen, F. E. B. Koch, S. Heichelheim, A. Katz, C. K l i n g s p o r, A. K r a a tz, R. S ch e e l. Der Wahl der bestehenden Vorschrift gemäß vorzuschlagenden Handelsrichter wurde vorgenommen. Der Handelskammer geht eine Mitthcilung über Vermittlungs- und Commissions- bureaus zu Budapest zu, in welcher eindringlich vor Benutzung derselben zur Stellenvermittlung verwarnt wird. Anfragen darüber, ob sich gegen das eine oder andere derartige Institut Bedenken ergäben, sollen zunächst an die Kammer gerichtet werden. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz theilt der Kammer eine Note des Reichskanzlers mit, betreffend die Handelsconvention zwischen Deutschland und Rumänien und insbesondere die Ausstellung von Ursprungserzeugnissen für nach Rumänien eingeführte Maaren. In der Note ist bemerkt, daß von der rumänischen Zollverwallung für diejenigen aus Deutschland eingehenden Maaren, deren zollamtliche Behandlung nach Maßgabe her in der Handelsconvention zwischen Deutschland und Rumänien vom 14. November 1877 (Reichsgesetzblatt 1881, S. 199) vereinbarten Tarife in Anspruch genommen wird, Ursprungserzeugnisse verlangt werden, weil seit dem 1. Juli d. I. in Rumänien auf Maaren französischen Ursprungs die wesentlich höheren Zollsätze des allgemeinen Tarifs in Anwendung gebracht werden. Den Interessenten soll auf Wunsch auch der übrige Inhalt der Note, der sich auf die Art der Ausstellung von Ursprungserzeugnissen bezieht, auf dem Bureau der Handelskammer bekannt gegeben werden. Der ausgesetzte Staatszuschuß zu den Kanzleikosten der Handelskammer wird laut Rescript Großherzoglichen Ministeriums vom 2. October d. I. zur Verfügmig gestellt und der Voranschlag für das Jahr 1885 auf 1886 genehmigt. Auch wird der Ausschlag des noch zur Bestreitung der Kanzleikosten nothwendigen Betrags von 405 21 H auf die Wahlberechtigten der Handelskammer gestattet. Das an das Reichspostamt und sämmtliche Handelskammern zu richtende Circular, betreffend die Höhe der Gebühren bei Postvorschußsendungen wurde verlesen und genehmigt. Gießen, 4. November. Wie aus dem amtlichen Theil unseres heutigen Blattes ersichtlich ist, sucht der Vorsitzende der Zählungs-Commission für die Stadt, Herr Polizeirath Fresenius, zur Ausführung der Volkszählung am 1. December l. I. qualificirte Personen, worauf wir hiermit noch besonders aufmerksam machen wollen. — Die Besitzer von Hunden machen wir in ihrem eigenen Interesse darauf aufmerksam, daß auf Veranlassung Großh. Polizei-Amts durch eine zu diesem Zwecke speciell angestellte Persönlichkeit alle herrenlos oder ohne Steuermarke herumlaufenden, sowie alle sich Nachts herumtreibenden Hunde eingefangen werden; die Eigenthümer solcher Hunde werden zur Strafe herangezogen, herrenlose dem Abdecker überliefert. Vermischtes. Gießen. [Concerte des Kammersängers Herrn Vogl und des Fräulein Wittich, Hof-Opernsängerin aus Dresden.] In den bedeutendsten Städten Norddeutschlands hat unsere talentvolle Landsmännin, Fräulein SOZarie Wittich, mit Herrn Vogl Concerte gegeben, und dieselbe hat überall, wo sie aufgetreten ist, sehr große Erfolge erzielt, und dies ist gewiß um so ehrenvoller, da sie neben Herrn Vogl, bei*, bie musikalische Welt als ben vollendetsten Meister ber Gesangcskunst bezeichnet, aufgetreten ist. In Kassel fanb bas erste Concert statt unb bie „Kasseler Zeitung" schreibt darüber: „Fräulein Wittich hat alle Eigenschaften zu einer vortrefflichen Künstlerin: ein frisches, umfangreiches, namentlich in den höheren Lagen überaus klangvolles Organ, frisches, sich von Extravaganzen fern haltendes Temperament und jene Vorlragsammith, die für jede Stimmung instinctio den richtigen Ton zu finden weiß. Ich gestehe, daß mir ihr Liedcrvortrag einen reinen, ungetrübten Genuß bereitet hat." Die „Lübecker Zeitung" berichtet über genannte Concerte: „Fräulein Wittich, bereit kerngesunber, metallreicher Sopran uns schon in bem Liebesbuett von Wagner höchlichst entzückte, bekunbete burch ben Vortrag breier Lieber von Lassen, Meyer-Hellmund unb Ritter unb ber Liszt'schen Loreley eine gleich hohe Begabung für biese Weise bes Kunstgesanges. Die mühelose Ansprache ber Stimme, eine absolut bialectfreie Aussprache, Zierlichkeit unb Behenbigkeit bes Ausbrucks und wiederum warme vom Herzen zum Herzen dringende Empfindung errangen ihr schnell bie lehhafte Sympathie bes Publikums, welche in wieberholten Hervorrufen sich manifestirte." Das „Hamburger Fremben-Blatt" bringt folgendes über das dortige Künstler- concert: „Die Krone sämmtlicher Leistungen des Künstlers bildete das schon genannte, mit Fräulein Wittich zum Vortrag gebrachte Liebesbuett von Wagner. Der Gesang war beiberseits so vollendet dramatisch und dabei wieder concertgerecht zurück S" die ft Stöbe!1'JU b Teg'' »"d F* Vau-1 holr-s i, 100 Sthittt Ä* tb-m roe o 5lnN, i Groch. Büi Wm» d« N $ für die «erff c 11 chone ei»! Attichir Fraillc »L ullb! rie/'7/^und Ä* Morgenjtg- fiterer Stobt 9r, gezogen kamen. • Werden tobende bann, der eint , ben*1- flU 2‘ n: wer ihnen ent* Greise, piM* Der* . Y fid) wie rasende Ä jur Weh« zu W Msim der Unmcn map der Unglw Men, wie es u M aucb sehr da bie iMt ".lte Alle hie Cpier der oder sie irgendwo und gor imbetann ber erschliche All einen Anblick wie lobt balicgenbe ob Uebersalknen un sich, sobald bie K erhoben und ihr Behörden requir gebracht. 17 an' Bredelar im ho schlagenen Arme Beinen, einige r der Verwundete: Stormbruch un wegen Todlschla - [Das tten flar ju ma J. A 2 Kiibt un. ,Mr, Herr Lehr Milch und 2 Qm sich diesem Rechet - [Keine schrieben: „Die eniwickelung, hat Paris aus. Bei die Braut wie a' Welt wird sich j> von Dienstmädc! Wissen Rachtivc genährten hosfni es nunmehr vor » Mac Innerhalb des 2 Gwßherzoglicher tätlich Löhn Polizeidiener, , a Dienst! Ellungm, ftäj Penjwnsberechti ntie 2 bezw. 3 < Wö finden fiatt unb "iutter"»her U„. “ebeS-N^i . uRuii? »teSs 4»i*SS lÄ."y& n Mpfah'l s. ^Mben n Wieseck. Abschluß des Land- ^aflmgs Johannes ^unttoerbanb dauern: r dezlehungsweise dessen neinbe Slngenrob wegen neinde Lauterdach. I Die Zahl der Todes- tr bis aus 12 und zwar m tm ersten Lebensjahre Don den schon älteren den 7 erwachsenen Per- be _ als Todesursache de- inbsucht und Knochenfraß _d)en Handelskammer am :itbcreisen, F. ts. I. I l. Kraah, R. Scheel I hlagenben Handelsrichter | lnngs: und Commissions- l ig beleihen jur Stellern I i ba$ eine ober unbr? g mmer gerichtet werbt: ! tl; theilt ber Kammer s ition zwischen Deutsch-- | s-runtzserzeuMen \vx | , bcch von btx Tumäni: ; den Maren, deren zoll-- 2 »entron zwischen Deutsch: 1 alQtt 1881, S. 199) w-- 1 iugniiie verlangt werben, | azösischen Ursprungs b-e I enbunfl gebracht werben, i er jloie, ber sich aus bit l cm Amu der Handels | )cr Handelskammer r. I >er d. 3-rur MA | metaijt. An» mri!« I jigen Stttajä wn #>■* I ,mment ju *>bt & I ungm mürbe Mief« * jl fim für bjeSfM ” m am 1. December U1- ä XtA»”* ■*! „rigaienS*»# .rA eine zu diesem * I ir* arf( herumlaulends > Sn; bie (m Abdecker überbefa^;. «“‘Äftid), mif^l MM- ” » W B »•«!« 'VeÖw*1 >ler3*''*1 heraus {lfl"J ir(inSanni{^ I . b,9,„ n* *4 feTS** ^,8i w ' (Aart aElI „ sch^, E Ss^'M gehalten, baß man die Uebclstände der fehlenden Orchesterbegleitung und die mangelnde Scene für Augenblicke vergessen und sich der absoluten KunNletstung hingeben konnte. Logl hatte in der noch jugendlichen Künstlerin Fräulein Wittich eine wohlgeeignete Vertreterin für die Partie der Sieglinde gewonnen. Fräulein Wittich gebietet über eine sehr schöne, wohlgeschulte Mezzo-Sopranstimme. Außer im Duett sang Fräulein Wittich noch Wagners Studie zu Tristan „Träume" (1862), Liszt's dramatische Loreley und Lieder von Lassen, Meyer-Helmund und A. Ritter; Kompositionen, die sämmtlich der sich vornehmlich der neueren Richtung ergebenen Dame auf's Beste entsprachen und deren Wiedergabe den Beweis lieferte, daß Fräulein Wittich's musikalische Fähigkeiten bereits einen anzuerkennenden hohen Entwicklungsgang durchgemacht haben. C. Wieseck , 4. November. Ein Akt brutalster Rohheit wurde an einem im vorigen Jahre neu angelegten, dem Ludwig Weller gehörigen Baumstücke in der Nähe der Badenburg verübt. Es wurden hier von 34 jungen Bäumchen zwei vollständig abgebrochen und zwölf derart mit einem Messer zerschnitten, daß an ein Weiterwachsen nicht mehr zu denken ist. Möge es gelingen, den ehrlosen Menschen, der diesen, jedenfalls Racheakt, verübte, ausfindig zu machen. — Von der preußisch-waldeckischen Grenze, 28. October, erhält die „Hess. Morgenztg." nachfolgende Schilderung eines von zwei Unholden angerichteten Blutbades, die schier an das Unglaubliche grenzt: „Auf der Landstraße zwischen Bredelar und Marsberg (Kreis Brilon) spielten sich am Tage des Viehmarktes in letzterer Stadt grauenhafte ©eenen ab. Zwei Burschen, gebürtig aus Rösebeck, welche jetzt in Bredelar in Dienst stehen, überfielen und mißhandelten auf's Grausamste die vom Markte mit ihren Heerden Heimkehrenden, aber auch alle, welche den Weg dahergezogen kamen. Am Wege im Walde versteckt, lauerten sie und als sie zwei ihre Heerden führende Schäfer erblickten, schlichen sie hinterrücks heran und stürzten sich dann, der eine mit einem schweren Todtschläger, der andere mit einer Pflugschippe bewaffnet, auf die Ahnungslosen und schlugen sie zu Boden. Dann rannten sie weiter; wer ihnen entgegenkam, wurde niedergeschmettert und auf's Unmenschlichste mißhandelt. Greise, junge Männer, Frauen und Kinder erlitten dasselbe Schicksal; Niemand wurde verschont. Die Kerle schienen von einer Mordmanie befallen zu sein; sie geberdeten sich wie rasende Bestien. Die Angegriffenen fanden gar nicht Zeit und Besinnung, sich zur Wehre zu setzen. Der Ueberfall geschah zu plötzlich, zu überraschend, und die Waffen der Unmenschen sausten zu schrecklich und wuchtig auf die Köpfe und Gliedmaßen der Unglücklichen hernieder. Nur zwei Schäfer versuchten Widerstand; sie wollten, wie es in der Bibel heißt, „ihr Leben lassen für ihre Schafe"; sie wurden jedoch auch sehr bald überwältigt. Einigen gelang es, vor dem Schlimmsten sich durch die Flucht zu retten. Die ihrer Hüter beraubten Schafe zerstreuten sich auf die Felder. Alle die Opfer der Bestialität hatten mit den Buben nie irgend welchen Streit gehabt oder sie irgendwo einmal gereizt; ja es ist anzunehmen, daß sie ihnen persönlich ganz und gar unbekannt waren. Eine halbe Stunde unterhalb Bredelar im Walde nahm der entsetzliche Akt seinen Anfang und von da bis zur Stadtgrenze bot die Straße -einen Anblick wie nach einer Schlacht. Allenthalben Blutlachen und bewußtlose, wie tobt daliegende oder röchelnde und wimmernde Menschen. Wie groß die Anzahl der Ueberfallenen und Verwundeten ist, weiß man zur Zeit noch nicht. Manche hatten sich, sobald die Kannibalen bei ihnen vorbei waren, trotz ihrer Verletzungen wieder erhoben und ihren Weg fortgesetzt. Gegen 15 wurden auf Wagen, welche von den Behörden requirirt waren, von der Straße aufgelesen und in ihre Heimathsdörfer gebracht. 17 andere wurden von dem telegraphisch herbeicitirten Arzt Stadtberg in Bredelar im Hotel Weber verbunden; es befinden sich darunter mehrere mit durchschlagenen Armen, einer mit doppelt gebrochenem Arm, zwei mit durchschlagenen Beinen, einige mit Schädelbrüchen und anderen schweren Verwundungen. Die meisten der Verwundeten sind Waldecker aus Rhenegge, Sudeck, Heringhausen, Giebringhausen, Stormbruch und Ottlar. Die Mordgesellen sind verhaftet; einer derselbe ist bereits wegen Todtschlags mit mehrjährigem Zuchthaus bestraft. — sDas nennt man practische Mathematik!) Ein Lehrer hat seinen Schülern eben klar zu machen versucht, daß man Gleiches nur zu Gleichem addiren könne, daß z. B. 2 Kühe und 2 Pferde zusammen nicht etwa 4 Kühe oder 4 Pferde ausmachen. „Aber, Herr Lehrer", ruft da plötzlich der kleine Sohn eines Milchhändlers, „2 Quart Milch und 2 Quart Wasser geben doch zusammen 4 Quart Milch." Der Lehrer mußte sich diesem Rechenkünstler gegenüber für besiegt erklären. — [teilte Tournüre mehr!) Der „Vossischen Zeitung" wird aus Paris geschrieben: „Die Stunde des Sattelkissens, dieser Ausgeburt einer verirrten Mode- entwickelung, hat geschlagen. Die Abwerfung des Auswuchses geht wiederum von Paris aus. Bei der jetzt in Eu stattgehabten dänisch-orleanistischen Hochzeit erschienen die Braut wie alle anderen Damen ohne das unnatürliche Anhängsel. Die vornehme Welt wird sich jetzt beeilen, das Sattelkissen abzuwerfen, welches nunmehr nur noch von Dienstmädchen, Scheuerfrauen und Näherinnen, außerdem natürlich auch von gewissen Nachtwandlerinnen getragen werden wird. Mit der von einigen Speculanten genährten Hoffnung, das Sattelkissen werde sich wiederum zum Gehkorb entwickeln, ist es nunmehr vorbei." — sVacante Stellen für Militäranwärter im Bereiche des 11. Armee-Corps.) Innerhalb des 3. Verwaltungsbezirks des Großherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach, Großherzoglicher Bezirksdirector in Eisenach, Chausseewärter, auf Kündigung, 40 JL monatlich Löhnung und freie Wohnung. Großalmerode, Stadtrath, Stadt- und Polizeidiener, auf dreimonatliche Kündigung, 340 JL jährlich, freie Wohnung, 10,59 a Dienstland und die zu etwa 90 JL zu veranschlagenden Ausrufegebühren. Melsungen, städtische Verwaltung, Adjunct für den Executor, auf Kündigung ohne Pensionsberechtigung, Gehalt jährlich 360 JL und 3,6 Rm. Brennholz, Dienstkleidung alle 2 bezw. 3 Jahre, das Aufkommen an Mahn- und Execulionsgebühren. Oberrahmede, Postagentur, Landbriefträger, auf vierwöchentliche Kündigung, 600 JL Gehalt unb 60 jl Wohnungsgeldzuschuß. Oranienstein, Commando des Cadettenhauses, Lazarethwärter, auf ^Kündigung, 760 JL Gehalt, freie Dienstwohnung, Feuerung und ^cht.. Sonneberg (Sachsen-Meiningen), Postamt, Postschaffner, auf vierwöchentliche Kündigung, 800 Jt Gehalt und 42 JL Wohnungsgeldzuschuß. . ~ sVaeante Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armee-Corps.) Gaffel, Postamt, zwei Postschaffner, auf Kündigung, je 800 JL Gehalt und 180 JL Wohnungsgeldzuschuß. — Frankfurt a. M., Direction ber Main - Neckar - Bahn zu Darmstadt, Schaffner, auf Kündigung, 990 JL Maximalgehalt, Wohnungsgelbzuschuß,. Fahrgebühren und freie Dienstkleidung, kann zum Zugmeister aufrücken und mit einem Maxlmalgehalte von 1330 JL jährlich, Wohnungsgeldzuschuß, Fahrgebühren unb freie Dienstkleibung. — Frankfurt a. M., Tiefbau-Amt, Negistraturgehilfe, auf Kündigung, Anfangsgehalt, 1700 Jt.; ebenba, Canzlist, auf Kündigung, Änfangsgehalt 1700 Jt. — Weimar, Postamt, Landbriefträger, erst auf Kündigung, später auf Lebenszeit, 600 jl Gehalt und 144 jl Wohnungsgeldzuschuß. Eingesandt. _ . Gießen, 4. November. Freud' und Leid wechseln ab, so ift's im Menschen-, so ist's im Vereinsleben. Heute ein frohes Fest, morgen der ernste Trauerzug. Und gerade der altergraute Krieger kennt ihn, den grausen Schnitter Tod. Er kennt ihn, doch fürchtet er ihn nimmermehr. Er weiß, daß nach seinem Tode sein Andenken bestehen wird, daß Freunde, daß Kameraden seine Erinnerung ehren werden. Und das ist sein Trost. Und die, die er zurückläßt, weiß er gesichert. Die Kameraden, für die er gerne alles that, die betrauern ihn nicht nur, sie helfen auch thatkräftig mit und sorgen für die, deren Sorge ihm oblag. So dem verstorbenen Rain, der, ein Freund dem Freunde, ein Kamerad dem Kameraden, lebte und wandelte. Dies bezeugte ber lange Zug, ber seinem Sarge folgte. Die Gail'sche Feuerwehr mit dem Banner, als dem Abzeichen einer edlen Sache, der er treu gedient, der Veteranenverein geleiteten den verschiedenen Kameraden zur letzten Ruhe, und viele, die ihm im Leben nahe gestanden, schlossen sich an. Er konnte dem Vereine der Veteranen nur kurze Zeit angchoren, aber es war lange genug, um ihm Aller Zuneigung zu gewinnen, und gerne hat der Verein die Pflicht erfüllt an seinen Hinterbliebenen, die er dem Todten schuldete. Sei ihm die Erde leicht! h. Univerfitäts - Chronik. “ Die Nachricht, daß der Egyptologe, Professor Ermann, im Auftrage des Ministeriums eine wissenschaftliche Reise unternehmen werde, ist nicht ganz correct. Professor Ermann hat bereits vor vierzehn Tagen Berlin verlassen und wird augenblicklich schon in Egypten weilen. Der Urlaub des Gelehrten ist vorläufig auf fünf Monate festgesetzt. — Als Privatdocent für Kunstgeschichte hat sich Dr. A. Kalkmann in ber philosophischen Fakultät zu Berlin mit einer Vorlesung über „die Laokoongruppe" habilitirt. — Der bisherige Assistent des pharmakologischen Instituts zu Straßburg, vr R. Ködert, wurde zum außerordentlichen Professor der Arzneimittellehre, Diätetik und Geschichte ber Mebicin in Dorpat gewählt. rx x-i i prakt. n. Specialarzt für Hant-, Frauen- u. Ge- I 3p ( tPTI SCll. schlechtskrankheiten (Syphilis) etc. Frankfurt a.M. io stiftatr. 22, fr. Assist. Prof Riconf.. Ausw. briefl. Handel und Werkshr. Berlin, 30. October. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Da bei ber Bchanb- lung bes Reisegepäcks seitens mit ber Beförderung bcffelben betrauten Beamten und Arbeiter der Eisenbahnvermaltung nach den gemachten Wahrnehmungen häufig nicht mit der erforderlichen Umsicht und Sorgfalt verfahren wird und in Folge dessen Beschädigungen der Gepäckstücke herbeigeführt und Beschwerden, sowie nicht selten auch- Schadenersatzansprüche gegen die Verwaltung veranlaßt worden sind, so hat der 9)Uniftcv der öffentlichen Arbeiten unterm 24. b. M. Anlaß genommen, die besonbere Aufmerksamkeit ber königlichen Eisenbahn-Directioncn auf- diese Angelegenheiten hinzulenken. Da die Beschädigungen des Reisegepäcks ebenso häufig auf eine ungeschickte und unzweckmäßige Verpackung wie auf eine nachlässige unb sorglose Handhabung besselben zurückzuführen finb, wirb es barauf ankommen, einerseits die Gepäckträger, soweit dies in den bezüglichen Dienstanweisungen nicht bereits geschehen sein sollte, über die Behandlung des Gepäcks zu inftruiren und sie namenllich darauf hinzuweifen, daß die Beförderung einzelner Gepäckstücke stets nur durch Heben, Tragen ober Fahren, niemals aber durch Schleifen ober Werfen zu erfolgen habe, andererseits die Aufsichtsbeamten zu veranlassen, ber strengen Durchführung ber gegebenen Instructionen eine erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenben. Nachlässige ober instructionswibrige Bchanblung bes Reisegepäcks wirb zu bestrafen, geeignetenfalls auch ber Schulbige zum Schabenersatz, heranzuziehen sein. neu, leicht, solib, elegant, preiswürbig. Abbild, gratis, ^juiuueivm ^uytn,3[6612) J. 6. Kumps, Eis. Hand, Frankfurt a/M. Für die Hinterbliebenen der mit S. M. Schiff Augusta Verunglückten gingen ferner bei uns ein: Von den Unteroffizieren des Füsilierbataillons des 116. Jnf.-RgtS. 25 JL Zusammen 67.24 JL Weitere Gaben nimmt die Exped. d. Bl. gerne entgegen. Bau- u. Schuitt- hoS;-Verkauf. Aus den- Waldungen ber Gemeinde Climbach sollen pro 1886 ca- 150 Festmeter Bau- und Schnittholz .aus der Hand zum Verkauf gelangen. Angebote hieraus wollen längstens bis zum 20. November l. I. bei unterzeichneter Bürgermeisterei, welche jede gewünschte Auskunft er- theilt, eingereicht werden. Climbach, den 3. November 1885. Großh. Bürgermeisterei Climbach. ___Stein._______7950 Mobiliar-Versteigerung? Dienstag den 17. November, 7960 Mittags 2 Uhr, lassen die Erben des verstorbenen Rentners W. Dietz in den Neuen Bauen die zu dessen Nachlaß gehörigen Möbel und Haushaltungs- Gegenstände versteigern, als: Betten, Sopha's, Tische, Stühle, Kommoden, Uhren, Bilder, Kleidungsstücke, Gartengeräthe rc. Amtlicher Ipeit. 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