Nr. 206 Samstag den 5 September ISS» iehcner Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Sr^eir.t IL-Lich mN tet M-niaZ-. Schuk^ratze 7. Prei» merteljührlich 2 Mark 20 Pf. mit »rinflerWJ* Durch dir Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. MEWME>________________ __ Politische Ueberskcht. Gießen, 4. September. Der Kaiser beabsichtigt, am 9. September nach Karlsruhe abzu- re se-n von wo aus er sich dann bekanntlich zu den Manöver» des 13. (königl. rrutttembergijchen) Armee Corps nach Stuttgart begiebt- Lor der Abreise des Kaisers soll noch die Veröffentlichung der Ernennung des deutschen Botschafters in Paris Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst, zum Statthalter von Elsaß-Loch- ringen erfolgen. Derselbe würde alsdann, wie es weiter heißt, Gelegenheit finden lieb während des Aufenthaltes des Kaisers in Baden-Baden dem Mo- narchen in seinem neuen Amte vorzustellen. Das Befinden des Kaisers, welcher om Montag feine Residenz von Schloß Babelsberg wieder nach dem königlichen Palais in Berlin verlegt hat, ist fortwährend ein befriedigendes und hat der hohe Herr erfreulicher Weise auch der am 2. September, dem Sedantage, aus dem Tempelhoser Felde bei Berlin stattgesundenen großen Parade des Garde- Corps beiwohnen können. Dem deutschen Kronprinzen, welcher am Mittwoch von der Besichtigung der 1. und 2. bayerischen Cavallerie-Division bei Regensburg im besten Wohlsein wieder in Berlin eingetroffen ist, hat die. Bevölkerung der Stadt Regensburg eine ebenso herzliche wie glänzende Ausnahme bereitet. Am Abend des 31. August brachten ihm die Feuerwehr in Verbindung mit den Turn- und Krieger-Vereinen einen großartigen Fackelzug, an dem sich eine Serenade sämint- liier Regensburger Männer-Gefangvereine schloß. Von einem glänzend beleuch- tete Danipsboole au« richtete Dr. Geister eine tzulvigungs-Ansprache an den Kronprinzen; in da« am Schluffe derselben auf den Kronprinzen ausgebrachle Hoch stimmt- die dichtgedrängte Menschenmaffe, welche den ganzen Platz vor der königliche Villa erfüllte, begeistert ein. Der Grobherzog von Mecklenburg-Strelitz begeht nächsten Montag die Feier seine« 25jährigen Regierungs-Jubiläum«, zu welcher im Großherzogthuni Mecklenburg-Strelitz bereit« umfaffende Vorbereitungen ge- troffen werden. m r „ lieber die braunschweigische Frage geht der „Polft. Corresp. eine osficiöse Meldung zu, welche alle hierüber courstrenden Gerüchte einiger* Maßen corrigirt. Diese Mittheilung lautet: „Die deutsche, sowie die ausländische 15/ Presse bespricht seit einiger Zeit die Frage der braunschweigischen Regentschaft mit einer Bestimmtheit, welche annehmen lassen könnte, daß die Personensrage bereits vollständig geregelt sei. Dies ist ein Jrrthum. Soweit man in Berlin insormirt ist, liegen die Sachen vielmehr so, daß in den berufenen Greifen in Braunschweig noch gar keine Beschlüsse gesaßt worden sind; es dürste daher gewagt sein, zu behaupten, daß bereits bestimmte Persönlichkeiten in die Loge gekommen wären, an sie herangetretene Anträge abzulehnen oder anzunehmen. Rach allen seither über die braunschweigische Regentschafts-Frage vorliegenden Mittheilungen konnte es kaum einem Zweisel mehr unterliegen, daß der deutsche Botschafter in Wien, Prinz Reuß, zum künftigen Regenten Braunschweig« au«- ersehen sei. Diese allgemein getheilte Anschauung schien dadurch noch mehr an Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, daß Kaiser Wilhelm während seines Gasteiner Aufenthaltes nicht nur den Prinzen Reuß, sondern auch den Grasen v. Görtz- Wrisberg, den Vorsitzenden des braunschweigischen StaalSministeriums, empfanden hat. Jetzt soll nun aus einmal die Lösung der Personensrage noch ganz ungewiß sein, obgleich das Regentschafts-Gesetz mit dem kommenden 1. October abläuft; man muß demnach die weitere Entwickelung der Angelegenheit einsach abwarten. r Ein von der „Nat.-Zeitung" wiedergegebenes Gerücht -will wissen, daß der Reichstag, gerade wie im vergangenen Jahre, noch im Rovember und jedenfalls vor dem preußischen Landtage einberusen werden solle. Dem Reichstage würden allem Anscheine nach sämmtliche unerledigte Gegenstände der letzten Session wieder zugehen. Hierzu solle namentlich, trotz der gegneri* 5eben Stimmung, auch das Postsparkassen-Gesetz wieder gehören. Man erwarte aber eine Umarbeitung des Entwurfs. — Am kommenden Montag werden die Ausschüsse oes BundeSrathes, die bereits mit der Vorberathung der Aus- suhrungs-Destimmungen zum Börsensteuer-Gesetze betraut sind, zusammentreten. In Münster i. W. tagte in dieser Woche die General-Versammlung der deutschen Katholiken. Die Kaiserbegegnung von Kremsier giebt, obwohl seit diesem Ereigniß säst zwei Wochen vergangen sind, der Presse noch immer Anlaß zu Betrachtungen und Erörterungen. Man kann hierbei mitunter aus ganz gewagte Conjecturen stoßen. So behauptet der Wiener Correspondent der „Times", Rußland habe in Kremsier das Versprechen erlangt, Oesterreich werde im Falle eines Krieges zwischen Rußland und England die Neutralität der Türkei sichern. Ln Anbetracht des ausgesprochen friedlichen Charakters, den die Entrevue von Kremsier trug, ist es wohl kaum nöthig, einer derartigen Behauptung noch besonders entgegenzutreten. Das Wiener „Fremdenblatt" seinerseits bezeichnet es den Blätter-Meldungen gegenüber, wonach die innere Politik Oesterreichs mit der Kaiser-Entrevue in Kremsier in Zusammenhang gebracht wird, als selbstverständlich , daß, so wenig Oesterreich sich um die inneren Verhältnisse Rußlands -kümmere, sich auch dieses um die innere Politik Oesterreichs bekümmert habe. Das „Fremdenblatt" conflatirt schließlich, daß in Kremsier von der inneren Politik gar keine Rede war. Die neuerliche Programm-Rede, welche Jules Ferry zu Bordeaux Sehalten hat, ist in. Frankreich noch immer das politische Tagesereignis Dieselbe hat diesmal, entgegen der Lyoneser Rede des früheren Conseilpräsidenten allgemeinen Beifall gesunden und das mit Recht; denn Ferry entwickelte in Bordeaux das Programm der gemäßigten Republikaner viel präcijer, als in Lyon, wo er allerdings aus seine zahlreiche radikale Zuhörerschaft Rücksicht nehmen mußte, und hat es diesmal offen ausgesprochen, daß die Revision der Verfassung und die Aufhebung des Cultusbndgets in dem gemäßigt, republikanischen Programm keinen Platz finden könne. Ueberhaupt ist die diesmalige Rede Ferry's viel conseroativer gehalten, als alle seine früheren öffentlichen Ansprachen, da er namentlich betonte, daß eine der Anarchie ausgelieferte Republik unmög- lich aus das Vertrauen Europas rechnen könne. Auch die Colonialpolitik erörterte Ferry wieder und ist es besonders bemerkenßwerth, daß er die Politik der nationalen Ausdehnung nunmehr als beendigt bezeichnete. Die Tongking-Expe- bition rechtfertigte der Redner u. A. durch den Hinweis daraus, daß durch die- selbe dem französischen Handel neue und weite Absatzgebiete eröffnet worden seien. Im Ganzen werden die Erklärungen Ferry's in Bordeaux die Wirkung haben, daß sie ihm, dem Haupte Der Opportunisten, noch manche Freunde aus dem republikanischen Genirum zuführen werden, während anderseits Durch die jüngste Prograrnm-Rede Ferry's der Riß zwischen den Opportunisten und den Radi- taten nur noch erweitert werden wird. , Das russische Kaiserpaar ist von dem mehrtägigen Besuche, welchen es nach Kremsier der alten Czarenstadt Kiew abgestattet hat, am Dienstag wieder nach Petersburg zurückgekehrt. Der Aufenthalt der russischen Majestäten in Kiew gestaltete sich für dieselben zu einer ununterbrochenen Kette von glänzenden Ovationen, bei denen die Anhänglichkeit des russischen Volkes an sein Kaiserhaus wieder einmal zum entschiedenen Ausdruck gelangte. Am Montag, dem letzten Tage des Ausenthaltes des Kaiserpaares in Kiew, sand noch in der Umgebung der Stadt ein Truppen-Manöver statt, woraus das Kaiserpaar die Festung und das Militär-Hospital besichtigten. Abends 6 Uhr sand im Palais em Drner statt, zu welchem zahlreiche Einladungen ergangen waren; hieraus folgte eine Gala-Vorstellung in der Stadtoper und zum Schluß unternahmen die Majestäten noch eine Rundfahrt durch die glänzend erleuchtete Stadt, von der Bevölkerung .»llenHalben stürmisch begrüßt. n . ... Die Aufmerksamkeit der leitenden Londoner Kreise wendet sich gegenwärtig ungeteilt dem Aufenthalte Sir Drummond Wolff's in Kon- stantinopel zu. An den wohlwollenden Empfang, welcher dem außerordentlichen Gesandten Englands am Samstag und Sonntag beim Sultan zu Theil geworden ist knüpft man im auswärtigen Amte große Hoffnungen bezüglich der ferneren Mission Wolff's. Der Sultan hat dem englischen Diplomaten vorläufig indessen nur freundschaftliche Versicherungen gegeben und es bleibt abzu- warten, inwieweit Abdul Hamid gesonnen ist, diese Versicherungen in Thaten umzusetz.rn lodert Harte, der englische Gesandte in China, ist von seinem Posten zurückgetreten und soll wiederum zum General-Jnspector der chinesischen Zölle ernannt werden. Die Gründe, aus denen der Rücktritt Harte's von feinem bisherigen Posten erfolgt ist, sind noch nicht bekannt. Die in Spanien wegen der Karolinen-Asfaire fortdauernde nationale Erregung gegen Deutschland treibt immer seltsamere Slütben. So wollen die mit Deutschland in Verbindung stehenden spanischen Handelshauser ihre deutschen Beziehungen, zum Theil wenigstens, abbrechen, natürlich aus lauter Patriotismus. Hoffentlich gehen aber diese Bestrebungen nicht von Leuten aus, welche in Deutschland — Schulden haben. Em Herr Lopez Dominguez welcher als deutscher Consul in Cordova {ungute, hat dieses Amt niedergelegt; aus einer ganzen Reihe spanischer Städte werden weitere „patriotische" Demonstrationen gemeldet. • Telegraphische Depeschen. Wolff'- telegr. Eorrespondenr-Burearr. Berlin, 3. September. Der Seehandlungs - Präsident Rötger und Graf Frankenberg - Ludwigsdorf sind zu lebenslänglichen Herrenhaus - Mitgliedern ernann worden^ Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet nach directen competenten Bukarester Mittheilungen die Nachrichten Bukarester Zeitungen, wonach die rumänische Negierung in Berlin eine Anleihe von 155 Millionen aufzunehmen beabsichtige, "EerttUch nn Hinblick auf die Eventualität kriegerischer Verwickelungen im Orient, lowre die Nach- richt von desfallsigen Unterhandlungen mit der deutschen Regierungi als absolut,unbegründet und als willkürliche Erfindung, bestimmt, die onentliche Meinung Rumäniens auiiureaen und die Negierung zu verdächtigen. . . «. .. - In der heutigen Plenarsitzung der Telegraphen - Konferenz fand di »wnte Lesung de« Beschlusses über ein einheitliches Tarrfsystem statt. D>er ->nsttuM°mn welche bei der ersten Lesung noch fehlten, find bis auf ^me ei^gang . w .8 der ersten Lesung wurde von sämmtlichen übrigen TfUgrapheii- instructrvlosen zweiter Lesung unverändert angenommen. Der Vertreter d»t A . . Telegraphenverwaltung behielt sich das Protokoll osten, ^r~ f f fl r fassende Diskussion über die Anwendung der verabrede en Spla-H^und^iogenannter Codes im internationalen, besonders überseeischen Verkehr. - . . . findet Abends Reglement und Taren erstatteten ihre Berichte. Zu Ehren der Teleg'.rten stnoet Rvenos eilK Ä? des Magisttats auf Bewilligung „on 15,000^ für das Fest zu Ehren der Mitglieder der Telegraphen-Cans-r-nz nut 0r°6er VaÄs^^S-ch-mber Der Minister des Innern ist Abends nach Marseille Paris, 6. . Ausführung von Arbeiten Erhebungen vor- "unehmen, ^di^"zur ^Herstellung eines besseren Gesundheitszustandes, namentlich für Toulon, nothwendig sind. 9. Peter Schmidt I. in Lehnheim 5 JL, 14. Karl Lehr in Einartshausen 5 X, 15. Adam Joachim II. in Einartshausen 5 JL, 16. Ernst Zimmer in Lauter 5 JL, 17. Philipp Kahl in Alten-Buscck 5 JL; 7. Johannes Fischer in Heskem 20 JL, 8. Johannes Reich von Dreihausen 20 jl 9. Georg Gottwalz in Gonterskirchen 10 jt, 10. Ludwig Leun II. in Großen-Linden 5 JL, Jost Joachim II. in Stornsels 5 JL, Paul Kegeler II. in Lich 5 JL, 11. 12. 13. Hungen, 31. August. (Zur Prämiirung des ausgestellten Viehes.^ Nachdem die Namen Derjenigen, welche aus den Mitteln des landwirthschaft- lickeu Prooinzialvereins Prämien erhalten haben, bereits in Nr. 199 d. Bl. veröffentlicht woroen sind, erübrigt es noch, diejenigen nachstehend zu erwähnen, welchen aus der Kasse des Vereins zur Züchtung und Veredlung der reinen .Vogelsberger Rindviehrasse Preise zugetheilt wurden. Es erhielten I. für Bullen Vogelsberger Rasse: 1. Johannes Schultheis in Göbelnrod 5 JL, 2. Johannes Sann in Ettingshausen 5 JL, 3. Konrad Felsing in Landenbach 5 jl, 4. Heinrich S o m m e r l a d in Wicseck 5 «X, 5. Friedrich Winger in Wingershausen 5 6. Jakob Schudt in Wetterfeld 5 JL; II. für Rinder Vogelsberger Rasse: Marseille, 2. September. Heute zählte man hier zwölf Todesfälle an der ( London, 3. September. 5000 Arbeiter der großen Maschinenfabrik von William Arnlslroug in Elswick stellten die Arbeit ein, weil sic mit dem Verfahren gewliser höherer Angestellten der Fabrik unzufrieden waren. m „„ . . Madrid, 3. September. Die im „Figaro" enthaltene Veröffentlichung über die Ansicht Eanooas' bezüglich der Reise des Königs nach Deutschland tni >zahre 1883 f]t, wie die gesammte Haltung der französischen Presse in der jetzigen ^rage beweist, von dem Wunsche geleitet, die Beziehungen zwischen^ Spanien und Deutschland zu com- pliciren. Man hofft hier, daß Deutschland diese Tendenz richtig würdigen werde Kem hiesiges Blatt erhielt, wie zuverlässig behauptet werden kann, irgendwie ossicielle Anregung, die Rücksichten gegen Deutschland außer Acht zu lauen. Die Regierung zahlte stets auf die versöhulichen und freundschaftlichen Gestnnungen der deutschen Regierung und der deutschen Nation. Die Negierung verhindere Stramnexcche durch vorbeugende Maßregeln; sie mißbilligt ebenso die Excesse der Preße, obgleich sie diefelben nut den bestehenden Gesetzen nicht zu verhindern vermag. „ . M Konstantinopel, 3. September. Die Samtatsbehorde ordnet für Provenienzen aus Varna eine viertägige, für Provenienzen von der Donau, Odessa und Kustenofche eine dreitägige, für ganz Italien, Corstca, Tunis und Algier eine zwolstagige Quaraittänc^am September. sTelegramm des Reuter'schen Bureaus.l Dem Vernehmen nach ergab die Untersuchung wegen der angeblichen Ocffnung der englifchen Eorrespondenz durch den Gouverneur von Herat Beweise welche den Gouverneur von jeder Mitschuld freisprechen. Auf Ersuchen der afghanischen Behörden sind Vorsichtsmaßregeln getroffen zur sicheren Beförderung der Post. — Die jüngsten Beschränkungen bezüglich der auf Urlaub besindlichen -ffsi- ciere in Indien sind wieder aufgehoben worden. Klottenmanöver bei Wilhelmshaven. Wilhelmshaven, 1. September. Am Morgen um 2 Uhr hatte sich das aus westlicher Richtung kommende feindliche Geschwader dem Defensivgeschwader so weit genähert, daß man in der Morgen^ dämmerung die Lichter desselben erkennen konnte. Das Defensivgeschwader lag nördlich von Wangeroog, in dem sog. nördlichen Fahrwasser und^ hatte sich, den Femd erwartend, mit Wachtbooten umgeben, an der Tete lagen die Torpedoboote, die, beständig in Bewegung, den Feind aufzuspüren und anzugreifen hatten. Hierzu bot.sich eme vorzügliche Gelegenheit, indem das feindliche Panzerschiff „Friedrich Earl die Sache etwas ui leicht nahm und sich bei seinem kühnen Vordringen m die fog. ^z-Basia verlies Diese ungemüthliche Situation benutzend, drangen 4 Schlchau-^orpedoboote auf ihn ein und näherten sich ihm auf mindestens 200 Meter, was mit emer Vernichtung des Panzerschiffes gleichbedeutend war, da ein sicherer Torpedofchuß schon bet 400 bis 500 Meter gilt. Gleichzeitig empfing der „Friedrich Earl" von der Kreuzerfregatte Moltkc" wohlgezielte und wirksame Breitseiten. Als ein den, Torpedobooten sehr , gefährlicher Feind erwies sich das Panzerfahrzeug „Brummer" nut feiner 1500 Pferdekraft starken Maschine und großen Geschwindigkeit, welches den Torpedobooten viel zu schaffen machte und dieselben zur Flucht trieb; es hätte wenig gefehlt und.mehrere dieser Fahrzeuge wären abgeschnitten worden. Trotz des Verlustes emeS ferner wichtigsten Schiffe war die Uebermacht des Feindes dennoch zu groß, als daß es von Seiten des Defensivgeschwaders an einem Vordringen hätte gehindert werden können, so daß letzteres sich nach einem einstündigen, aber sehr hartnäckigen Geschützkamps zuruckzog und all- mälig die Flucht ergriff. Dieser Rückzug bot einen überaus imposanten Anblick. Schwarze dichte Rauchwolken wirbelten aus den Schornsteinen der nut aller Kraft arbeitenden Maschinen und allmälig tauchte ein Fahrzeug nach dem andern am Horizont auf, so schnell wie möglich die durch die mächtigen Forts geschützte Rhede zu erreichen suchend. Voran dampfte die Kreuzerfregatte „Moltke" in Gefechtstakelage, eine mächtige Bugwelle vor sich aufthürmend, dann folgten die Panzerfahrzeuge und der Blitz" mit seinen Schutzbefohlenen, den Torpedobooten. Nachdem die bei Richtersicl in Höhe der Geniusbank gelegte Minensperre passirt war, machten die Schiffe kehrt und nahmen wieder Stellung zu dem fast auf Schußweite folgenden ^emd, welcher jedoch in respectvoller Entfernung von dieser gefährlichen Barriere Halt machte und Anker warf. Seine augenblickliche Lage von den Forts beträgt etwa 15 Kilometer. Es muß noch bemerkt werden, daß in See eine sehr starke Dünung stand, die sogar verhinderte, daß seitens des Defensivgeschwaders noch einige Seetonnen zur Bezeichnung des Fahrwassers ausgenommen werden konnten; man half sich deshalb dadurch, daß man dieselben, so schnell und so gut es gehen wollte, mit einem anderen Anstrich versah, wodurch der Feind immerhin getäuscht worden sein mag. Selbstverständlich hatten die kleinen leichten Torpedofahrzeuge beider kriegführenden Parteien einen recht schweren Stand und zwei derselben vom Defensivgeschwader collidirten, was jedoch nichts weiter auf sich hat, wenngleich die Fahrzeuge von der weiteren Beteiligung cm den Manövern ausgeschlossen bleiben mögen. Mit dem fliehenden Defensivgeschwader zusammen lief auch das genommene, resp. vernichtete Panzerschiff „Friedrich Earl" ein. Durch ein Mißverständlich empfing das Schiff beim Passiren des Forts Happans Feuer- man hielt es für ein das fliehende Geschwader verfolgendes feindliches schiff, während es eine sehr werthvolle Prise war. Das Gefecht war auch auf Seiten des Vertheidigers nicht ohne Verlust geblieben, wenngleich derselbe in gar keinem Ver- halttiiß zu dem des Feindes steht. Es wurden vom Feinde durch dessen Torpedoboote die Schleppdampfer „Norder" und „Zephir", sowie ein Minenprahm und 4 Dampf- balassen abgeschnitten oder überholt. Jedenfalls find dieselben zu verschmerzen mit Rücksicht auf die Vernichtung eines mächtigen Panzerschiffes von 16 schweren Geschützen und mit über 500 Mann Besatzung. Der Lootsendampfer „Wilhelmshaven" führte während des Gefechtes die Parlamentärflagge, an Bord befand sich der Capitän z. S. und Decernent in der Admiralität Mensing II. Der Chef der Admiralität schiffte sich gestern Nacht um 1 Uhr auf dem Tender „Hap" ein und stieß zum Defensivgeschwader; während des Gefechts befand sich Herr von Eaprivi an Bord der Kreuzerfregatte Moltke", ebenso der aus Kiel hier eingetroffene Vice-Admiral von Wickede und Vice- Admiral Graf von Monts. Der Feind ist zur Zeit damit beschäftigt, die Minensperre aufzusuchen und aufzunehmen. Heute Nacht wird das weitere Vordringen des feindlichen Geschwaders zu weiteren Manövern Anlaß geben und nunmehr auch die Artillerie der Forts zur Geltung kommen. .(Fr. Z ) III. für Zuchtkühe Vogelsberger Rasse und ganze Zuchten: 18. Wilhelm Rabenau in Alten-Buseck 5 Jt, 19. Johannes Kramer in Großcn-Linden 5 JL, 20. Pachter Güngeri ch in Großen-Buseck 5 21. Johannes Philipp Lind II. in Gonterskirchen o 22. Heinrich Henner HI. von Dreihausen für eine Kuh mit Rind 30 Mainz, 2. September. Der Mord im Mrsienbergcr Hof halt begreiflicher Weise noch immer unsere Bevölkerung in Athem, rote denn auch di e Eriminalbchörde selbstverständlich die eingeleitcte Untersuchung aufs eifrigste fortsetzt. Tie. Annahme, daß der am Rheine aufgefundene Leichnam der des verschwundenen Wothe tei, hat bts> jetzt noch nichts von seiner Wahrscheinlichkeit verloren, obwohl über verschiedene Personen Anzeige eingelaufen ist, die seit einiger Zeit vermißt werden, co wurde der Polizei gemeldet, daß seit dem verhängnißoollen Rtordtage ein junger Ntaiuzer, welcher ui Mannheim wohnte, spurlos verschwunden sei, der Betreffende ict an dem fraglichen Tage nach Mainz gekommen, um bei einem Notar den Rest einer ihin zugefallcncn Erbschaft zu erheben. Tas Geld hat der junge Mann nun thatsächlich am Mittag erhoben, ist seit dieser Zeit aber nicht mehr gesehen wordeu. Es werden daher umfassende Nachforschungen gehalten, um die Spur des Verschwundenen ausfindig zu machen. r . r . Ferner stellte sich vorgestern ein fremder, dem Arbeiterstande angehöriger Mann der Staatsanwaltschaft mit dem Vorgeben, er sei Mitwisser und Gehülfe bei den Mord- thaten. Er habe, sagt er, Herbst am Abend im Wirthshaus getroff en und sei von demselben in den Plan eingeweiht worden. Hierauf habe er währen d ber ^ptit und bei dem Verbringen der Leiche nach dem Rhein den Aufpasser gemacht. -Ltc ganze Persönlichkeit, wie auch die Aussage des Betreffenden ließen jedoch unschwer erkennen, daß man es mit einem Geisteskranken zu thun hatte und es wurde beriet bc einstweilen in dem Spital untergebracht. Zwei in der "Nacht auf einem Floß in Kastel als verdächtig verhaftete Burschen ferner wurden alsbald wieder freigelassen, da sie ihr Alibi in bestimmtester Form nachweisen konnten. Wenn man annehmen darf, daß Wothe der Ermordete ist und daß die Ermordung desselben, sowie die Verstümmelung seiner Leiche in seiner Wohnung am Fürstenbergerhof geschehen ist, so bleibt vor Allem Eines höchst verwunderlich, das nämlich, daß "Itiemand den Transport der Leiche nach dem Rheine beobachtet hat, daß dieselbe vom Fürstenberger Hof durch einen der bevölkertsten Theile unserer Stadt und durch eine ganze Reihe von Straßen (wenn auch eiugepackt) getragen werden konnte, ohne daß Jemand dem Verbrecher auf diese,n Wege begegnete, dem die Sache auffiel und der sich wenigstens nachträglich dieser Begegnung erinnert hätte. Ist dies wirklich in einer Stadt von über 60,000 Einwohnern möglich «' Ist Mainz zur Nachtzeit wirklich so menschenleer? Wenn wir auch nicht sagen wollen, daß unbedingt ein Schutzmann ober ein Nachtgehülfe ber Polizei auf biesem Wege zu finden gewesen sein müsse, so ist es doch merkwürdig, daß überhaupt gar Niemand etwas davon gesehen zu haben scheint. t , r„, . Im Uebrigen sind die belastenden Momente für den muthmaßlichei^ Mörder Herbst so zahlreich und so gravirend, daß sein beharrliches Leugnen für die Hauptsache wenig zu bedeuten hat. Die Motive der Thal freilich sind zweifelhaft. Einen materiellen Nutzen scheint Herbst bei dem Doppelmord nicht gesucht, wenigstens nicht gefunden zu haben. Die bei ihm in Laubenheim beschlagnahmte Baarschaft soll nämlich — zum Unterschied von früheren Berichten — nur in ca. 16 JL bestanden haben, während er bei feiner Entlassung aus dem Landeszuchthaus im Juni I. I. einen Arbeitsverdienst I von ca. 250 JL gut hatte, von welchem ihm wenige Tage vor der Blntthat ein Rest i von 40 JL durch Vermittlung der hiesigen Polizei ausgezahlt worden ist. Allein der Geldgewinn braucht es ja nicht gewesen zu sein, der den Mörder zu der scheußlichen That bestimmte. 9tach mancherlei Aussagen scheint Wothe, der in den letzten Monaten seinem Handwerk nachging und damit auskömmlichen Verdienst fand, bemüht gewesen zu sein, seine Frau zu einem ordentlichen Leben zurückzuführen, was auch durch den Umstand einigermaßen bekräftigt wird, daß er wenige Wochen vor der Ermordung die Entbindung seiner Frau von der Sittenconirole bei der Polizei beantragt hat, unter bem Vorgeben, mit seiner Hände Arbeit für den Unterhalt feiner Familie zu sorgen. Seine gute Absicht ist aber wohl von dieser Frau nicht getheilt worden, sie ging nach wie vor ihrem unsittlichen Lebenswandel nach und hat offenbar auch mit dem ihr von früher befreundeten, des Doppelmords dringend verdächtigen Herbst intime Beziehungen unterhalten. Wothe und Herbst sollen deswegen mehrfache heftige Auseinandersetzungen gehabt und Herbst sich geäußert haben, daß er mit Frau Wothe nach Amerika auszu- I wandern gedenke. , , __ , ZT, r Da nun diese Frau Wothe am Abend vor der That im vertrauten Gespräche mit dem Herbst im Wirthshaus gesessen hat, und da sie ferner in dessen Begleitung in später Abendstunde in ber Nähe des Fischthors gesehen wurde, so kann man ziemlich sicher annehmen, daß Herbst im Einverständniß mit Frau Wothe den Mann umgebracht und mit deren Hilfe den verstümmelten Körper in den Rhein geschafft hat, daß sie aber bann später selbst von bem Herbst in ihrer Wohnung erschlagen I worden ist. „ , Bemerkt sei endlich noch, daß der Eorrespondent eines ausroartigen Blattes angeblich nach den Versicherungeii eines Augenzeugen berichtet, daß aus ber Wothe'schen I Wohnung auch eine mittelgroße Säge, wie sie Schreiner häufig auf die Arbeit mit: I nehmen, herausgeschafft worden ist, die wohl zur Verschneidung der Knochen gedient I ^n&Cn Da man der Ansicht ist, daß der muthmaßliche Mörder des Wothe, dessen noch I nicht gefundenen Körperteile ebenfalls in den Rhein geworfen hat, ist nunmehr von I Seiten ber Staatsanwaltschaft ein Taucher cngagirt worden, welcher die Strecke des I Stromes von Weisenau bis hierher nach den vermißten Körpertheilen abzusuchen hat. I — Herr Staatsanwalt Dr. Gaßner hat sich heute Vormittag mit mehreren Schutz- I lenken nach Laubenheim begeben, um daselbst weitere Recherchen über Herbst anzu- I stellen. Es ist erwiesen, daß, während Herbst in Laubenheim war, ein junges I Mädchen hier mehrmals nach Herbst gefragt hat, dieses Mädchen soll nun ebenfalls | ermittelt werden. (M. Anz.) Heides he im, 1. September. Die Gemeindekasse zahlt 10 Pfg. für jeden ein» I gelieferten Spatz, um die Trauben vor ihren Liebhabern zu schützen. Köln, 31. August. Die Hebamme Frau Froitzheim von hier hatte gestern I einen seltenen Fall in ihr Tagebuch einzutragen, die Geburt von Vierlingen, denen I sie ohne ärztlichen Beistand den Eintritt in die Welt vermittelte. Es waren drei I Mädchen und ein Knabe, die sie dem Vater, dem Berufsfeuerwehrmann Nikolaus Avolph, I Hahnenstraße 25, in die Arme legte. Düsseldorf, 31. August. Der Holzschuhmacher Franz Gottfried Peters aus München - Gladbach, welcher durch rechtskräftiges Erkenntniß des Schwurgerichts zu Düsseldorf vom 22. Juni d. I. wegen Mordes in zwei Fällen zum Tode verurtheilt I worden war, ist, nachdem Seine Majestät der Kaiser und König durch Allerhöchsten I Erlaß vom 24. August b. I. erklärt hatten, von bem Begnadigungsrechte keinen Gebrauch machen, vielmehr der Gerechtigkeit gegen den Peters freien Lauf lassen zu I wollen, heute Morgen 6 Uhr auf dem Hofe der Arrestanstalt zu Düsseldorf vermittelst des Fallbeiles hingerichtet worden. Tie Vollstteckung hat ohne Zwischenfall I stattgefunden. . Aus Rheinhessen, 2. September. In Waldülbersheim (Kreis Oppenheim) | wurde am verflossenen Sonntag ein grauenhaftes Verbrechen verübt, das auf religiösen I Fanatismus zuruckzuführen ist. Eine aus 7 Personen bestehende, der Mennoniten- I gemeinde angehörendc Familie, Stallmann mit Namen, hat nämlich in einem ihrer I Angehörigen, einem Mädchen von 24 Jahren, den Teufel erblich, und um letzteren I auszurotten, das Mädchen ermordet und den Leichnam in eine Pfuhlgrube geworfen. I Als sie später die Leiche verscharren wollten, wurde die That entdeckt. Wie die I „N. W. Z." und die „Landeskrone" melden, ist die ganze Familie in's Irrenhaus ge- I bracht worden. c t rr _ . — In Anbetracht, daß an den bei Weitem größten Theil der deutschen Jugend, I abgesehen von Gesicht und Händen, „Jahr aus, Jahr ein kein Tropfen kommt", wurde I im neuen Dolksschulgedäude in Göttingen ein Bad eingerichtet. Die Einrichtung hat I sich auf das Glänzendste bewährt; denn obwohl die Theilnahme am Baden sucht obtt- I gatorisch ist, so entlieht sich doch kein Kind mehr demselben. Es wird eine Woche I um die andere gebadet, an den vier vollen Schultagen, und zwar innerhalb der Unters I richtszeit. Das Lehrercollegium ordnet die Aufeinanderfolge der Klassen. Kommt eine • Masst an die Reihe, so entlaßt der Lehrer gleich-eitig 6 bis 9 Kinder aus dem Unter- n 5 Jt AZr »-*%# DLL n b Ä''i °°» i«4t ^“‘ u»d S'.Ä ■“iss °° s-- ihr älibi untbas bic fc £r Wohnung am emunderlich, das ’obadjtet bat, d,h wer Stadt und l,werden tonnte, M^Lache ausfiel . dies wirklich R zm Nachtzeit M unbedingt ein *xi gewesen sein was davon gesehen imaßliche^ Mörder für die hauptiache b'inen materielien 1 nicht gesunden vi 'll nämlich - w haben, wahren? c en ArbeilsveMfi 1 Autthat ein Kst üen ist. 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Bei Gelegenheit des am Sonntag den 6. und Montag den 7. September Hierselbst stattfindenden Gießener Diciirilziillstcr-Nrrcin Sonntag den 6. d. Mts-, Nachmittags 3'/r Uhr:! Versammlung Wer SehlagiluNB fürchtet oder bereits davon betroffen wurde, oder an Congestionen, Schwindel, Lähmungen, Schlaflosigkeit, resp an krankhaften Nervenzuständen leidet, wolle die Broschüre „Ueber Schlagfluss-Vorbeugung u.Heilung“, 3. Aufl., vom Verfasser, ehern. Landw.-Bataillonsarzt Rom. Weissmann in Vilshofen, Bayern, kostenlos und franco, beziehen 631U Herrn. Äug. Müller, Giessen, Seltersweg. Leinen und Baumwoüenwaaren, Bettwaaren und Anfertigung von Betten, Steppdecken, wollene Decken, Reisedecken, Großes Gardinenlager. Alleinverkauf des Herforder Kettgarnleinen zu Fabrikpreis. 6143 In meinem Hause ist die Wohnung im 2. Stock zu vermiethen und per October beziebbar- W. Katz, Markt 1. "6149 Zwei möblirte Zimmer zu vermiethen. Brandgasse 5- 6199 Ein möblirtes Zimmer sogleich zu vermiethen. 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