Rk. 283 Freitag den 4 December 1883 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringrrlobrr. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 59 Pf. Erscheint tödlich mit Arrsnshme deS Mo«1agS. Bureatt t Schulstraße 7. o 9 Spanien. W, U. »seiner Stelle gethan werden konnte. I|ur Herrschaft gebracht, so viel er inagyarischen Nationalitäten, er hat : Ungarn auch wirtschaftlich gehoben, obwohl viel kleiner als die andere mer Interpellationen Klerus, insbesondere bracht werden. n ieu; Madrid, 2. einer Deputation der PS cZ Punkten Oesterreich gegenüber seine Forderungen durchwsetzen vermag. — Ob es auch dem österreichischen College« Tiszas, dem Grasen Taaffe, vergönnt sein mrd, sein zehnjähriges Minister-Präsidentschafts-Jubiläum — es würde dasselbe [in das Jahr 1889 fallen — zu feiern? über die neuerdings vorgekommenen Verfolgungen des- über Streichung der Gehälter von Pfarrgetstlichen einge- vermochte, und ost aus Kosten der nicht- der Regierung ein festes Ziel gegeben und Seiner Energie verdankt Ungarn, daß es, „Reichshälste", doch in allen wesentlichen ein »ge- — Das Ministerium beschloß, ausnahmslos allen politischen Flüchtlingen- die Rückkehr nach Spanien zu gestatten, welche es wünschen. Serbien. PiroL, 1. December. Ein Schreiben des serbischen Generalstabs zeigt an, der König habe Milanowitsch zum Bevollmächtigten für die Waffenstillstands- Verhandlungen ernannt; Milanowitsch treffe morgen im bulgarischen Hauptquartier ein. Die erste der bulgarischen Bedingungen dürste die Räumung des Districtes Widdin durch die Serben sein. Frankreich. Paris, 2. December. In Folge der von Courcy aufgefangenen Depesche erbittet derselbe Aufklärungen, um die Gemüther beruhigen oder andernfalls Maßregeln nothwendiger Vorsicht zur Sicherung der exponirten Posten ergreifen zu können. Courcy verspricht schnelle Pacification des Deltas, wenn er eine befriedigende Antwort erhalte. Der Kriegsminister antwortete Courcy, die Regierung werde für die von Courcy verlangte Occupation und völlige Eroberung energisch eintreten. — Der „Univers" meldet, nächstens würden im Senate und in der Kam- Politische Ueberficht. Gießen, 3. December. Das auf den 2. Januar 1886 fallende 25jährige Regierungs- Jubiläum Kaiser Wilhelms als König von Preußen wird am 3. Januar von allen Garnisonen durch feierlichen Gottesdienst und darauf folgende große Parole-Ausgabe begangen werden. Die gejammte Berliner Generalität begiebt sich am 3. Januar zur Gratulation in's kaiserliche Palais, wofür die Gratulation am Neujahrstage aussällt. — Die in Rußland lebenden Deutschen rüsten sich bereits, diesen Ehrentag Kaiser Wilhelms, der für sie aus den 21. December a. St. fällt, durch einen am Sonntag, den 22. December (ebenfalls nach dem russischen Kalender) Seitens der deutschen Kolonie in Petersburg zu veranstaltenden Dankgottesdienst zu begehen. Außerdem «erden in ganz Rußland unter den Deutschen Sammlungen stattfinden behufs Herstellung einer an den deutschen Kaiser abzusendenden künstlerischen Adresse. — Kaiserin Augusta ist am Montag Abend, nach Beendigung ihres Herbstaufenthaltes in Koblenz, wieder in Berlin eingetroffen. Die Samstags-Sitzung des Reichstages mit ihren langen und scharfen Auseinandersetzungen zwischen dem Reichskanzler und dem Abgeordneten Dr. Windthorst anläßlich der Centrums-Jnterpellation über die Missions-Thätig- keit in den deutschen Schutzgebieten hat begreiflicher Weise auch weit außerhalb der parlamentarischen Kreise den lebhaftesten Nachhall gefunden. Allgemein fragt man sich, ob die in so außerordentlich gereiztem Tone geführte Discussion zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Centrums-Führer über die Colonialpolitik, den Culturkampf u. s. w. den Beginn einer neuen Fehde des Centrums gegen die Regierung bedeutet. Fast möchte man dies annehmen, wenn man erwägt, wie geflissentlich diese Discussion von Herrn Windthorst herbeigesührt wurde, obwohl doch der Kanzler sichtlich bemüht gewesen war, die beiden Anfragen des Herrn Reichensperger in der ruhigsten und sachlichsten Weise zu i beantworten. Was soll aber dann der Zweck des dergestalt inaugurirten Feld- ! zuges der Centrumspartei sein? Beabsichtigt ihr kluger und in allen Künsten j der parlamentarischen Taktik wohl erfahrener Chef nur, dem Fürsten Bismarck I wieder einmal die ausschlaggebende Rolle seiner Partei in's Gedächtniß zurück- zurusen? Sollte dem so sein — und die nächsten Sitzungen des Reichstages werden vielleicht schon hierüber Auskunft geben — dann wird allerdings die kaum erst begonnene parlamentarische Campagne sich zu einer heißen gestalten und möglicher Weise einen jähen Abschluß durch eine Auflösung des Parlaments finden. Die Budget-Commission des Reichstages erweist sich gegenüber den Mehrforderungen des Militär-Etats unerwartet ablehnend. In dec am Montag stattgefundenen Sitzung lehnte die Commission die für die Errich- I tung einer dritten Landwehr-Jnspection in Berlin geforderten 19,750 JL ab. I Ebenso wurden die für das Ingenieur- und Pionier-Corps neu geforderten drei Hauptleute 1. Klaffe mit je 3900 Jl. Gehalt und zwei Hauptleute 2. Klaffe mit je 2500 trotz dringender Befürwortung des Kriegsministers abgelehnt. — Der Kciegsminister hat der Budget-Commission auch eingehende Mittheilungen • über die bekannte Zahlmeister-Affaire gemacht. Aus denselben erhellt, daß in Folge eines Briefes, den ein Menage-Lieferant an einen Zahlmeister richtete I uns der in die Hände eines Auditeurs gerieth, die ganze Sache herausgekommen ist. Eine große Anzahl von Zahlmeistern machten mit dem erwähnten Liefe- I ranten „Geschäfte", indem sie ihm die Lieferungen für ihre Regimenter gegen feste Spesen zuwandten. Die Untersuchung wird mit großer Schärfe geführt I und ist der Kriegsminister entschlossen, die Ergebnisse derselben an die Oeffent- lichkeit zu bringen, um zu verhindern, daß sich ähnliche Uebelstände wie in anderen Armeen auch in Vie deutsche Armee einschleichen. In der bayerischen Abgeordnetenkammer brachte Abg. Kopp am Montag seinen in der Sitzung vom 12. v. Mts. gestellten Antrag aus Kündigung des bayensch - russischen Auslieferungs-Vertrages in veränderter Form wieder ein. Die Debatte hierüber sollte an diesem Donnerstag stattfinden. Ein zehnjähriges Minister - Präsidentschafts - Jubiläum gebärt in unserer auch in politischer Beziehung so kurzlebigen Zeit zu den größten Seltenheiten. Dem leitenden ungarischen StaatSmanne, Koloman d. Tisza, ist nun das seltene Glück beschieden gewesen, am vorigen Samstag sein zehnjähriges Jubiläum als Minister-Präsident feiern zu können, aus welchem Anlässe dem Jubilar aus den weitesten Kreisen Begrüßungen und Beglück- l wimschungen in reicher Anzahl zu Theil geworden sind. Jenseits wie diesseits [her Leitha ist dieses Ereigniß von der Presse in gebührender Weise berücksich- Reichstag. E. R. Berlin, 2. December. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste und zweite Berathung des vom Abg. v. Köller eingebrachten Entwurfes über die Ausdehnung des Reichsbeamtengesetzes. । scher. Dem tobten König sind aber kaum die letzten Ehren erwiesen und schon umhüllt sich der politische Horizont des Pyrenäenlandes mit dunkeln Wolken. Don Carlos, der fanatische Prätendent auf den spanischen Königsthron, hat von Venedig, dem Orte seines Exils, aus verkündigt, er gedenke die „Ordnung" in Spanien — nun, man weiß schon, was Don Carlos hierunter versteht — demnächst wieder herzustellen und sollte er deshalb einen Bürgerkrieg entfachen. | Einstweilen sind indessen die maßgebenden Parteien Spaniens gesonnen, zur Regentschast der Königin-Wtttwe Christine zu stehen und dem gegenüber werden I wahrscheinlich die Carlisten einen günstigeren Zeitpunkt abwarten, um ihren | Plänen bewaffneten Nachdruck zu verleihen. Auch Angesichts der Haltung sämmtlicher Monarchien und des Papstthums glaubt man nicht, wenigstens nicht in den gegenwärtig leitenden Madrider Kreisen, daß die Carlisten so bald einen Ausstand in Scene setzen werden. In der Provinz Lerida ist allerdings bereits eine Jnsurgentenbande aufgetaucht, doch wurde dieselbe von den Bauern rasch angegriffen, verfolgt und zerstreut, so daß man also in dieser vereinzelten Erscheinung wohl kein besonders beunruhigendes Symptom zu erblicken braucht. Endlich ist durch einen Waffenstillstand dem Blutvergießen auf der Balkan-Halbinsel ein vorläufiges Ziel gesetzt worden, nachdem zuvor bei Pirot wie bei Widdin noch einmal erbittert gekämpft worden war. Das Verdienst, diesen Waffenstillstand herbeigesührt zu haben, gebührt Oesterreich, welches durch den Grasen Khevenhueller dem Fürsten Alexander zu verstehen gegeben hat, daß er bei weiterem Vordringen der Bulgaren in Serbien möglicher Weise auf österreichische Truppen stoßen gönnte. Diese österreichische Protection hat Serbien offenbar wieder Muth gemacht, denn es liegt von der Belgrader Regierung die Erklärung vor, daß Serbien nicht eher abrüsten werde, bis nicht in Ost-Rumelien ein neuer Gouverneur — aber beileibe nicht Fürst Alexander von Bulgarien — ernannt sei. Damit ist die ostrumelische Frage wieder in den Vordergrund gerückt, mit der die Konstantinopeler Conferenz durchaus nicht fertig werden kann; vielleicht, daß man schon in.den nächsten Tagen vom Auseinandergehen der Conserenz hört. Inzwischen wird aus Konstantinopel gemeldet, daß der für Ost-Rumelien ernannte türkische Commiffar, Djevdet Pascha, nach Ost-Rumelien gehen werde, sobald Lehi Effendi und Godan Effendi, welche am Montag nach Philippopel abgegangen sind, um die Amnestie für Ost-Rumelien zu überbringen, von dort zurückgekehrt sind. Der Czar hat den russischen Officieren, welche in der bulgarischen Armee gedient haben, seinen Dank für ihre glänzend erfolgreiche Thätig- keit ausgesprochen. Ob die russischen Osficrere wirklich eine derartige Belobigung verdienen, mag dahingestellt bleiben. ligt worden und der „Pesther Lloyd" trifft wohl das Richtige, wenn er sagt, Tisza habe nichts Großes gethan, nur das Größte, was zu seiner Zeit und an Er hat »den ungarischen Staatsgedanken December. Der Minister des Auswärtigen antwortete Kaufleute, er beabsichtige die Handels-Beziehungen der romanischen Länder zu begünstigen und kündigt an, daß für das nächste Jahr eine Ausstellung in Madrid beabsichtigt werde. Abg. v. Köller (ks.) giebt einen Rückblick auf die früheren Regierungsvorlagen in dieser Materie und die Behandlung, die sie im Hause gefunden. Wenn nun auch die diesmalige Thronrede von dem Entwurf nicht spricht, so wollen wir die als dringend nothwendig erkannte Abänderung des Reichsbeamtengesetzes wieder in Fluß bringen; aus unserem Antrag ist jedoch nicht zu schließen, daß wir die Reichsmilitärpensions- novelle für minder wichtig halten. Unter den jetzigen Pensionsverhältnissen bleiben viele Militärs mit Rücksicht auf die geringe in Aussicht stehende Pension zu lange im _ ,, _ . , i. zr. f ,, r , o vii v i activen Dienst. Soll die Frage der Communalbesteuerung der Offiziere gleichzeitia Seit Sonntag ruhen bte Gebeine Alfonso s XU. ut der | geregelt werden, so mögen die Freisinnigen einen Initiativantrag stellen, mit welchem AörngSgrust des Eskurial, der 300jährigen Begräbnißstätte der spanischen Herr- 1 sie so wie so im Rückstände sind. lNgen. Professor te Wohnung, be- e r Zimmer, Messer, Küche zweiten Stock, w. sowie Mägde! und geräumigen mrtenautheil, in ist zu vcr- iiebbar. eilt 'icbigsstraße 46. "Wohnung, bestes d. Bleichpl. und niethen. lfurterstiaße 31. lirte Zimmer zu Hartenstraße & rtes ZimmHit einen oder zwei Neuenweg 22. r zu vcrmiethen ahnhofstraße 24. >tr Weidengasse u. ir zu vcrmielhem MN, Bismarckstr. mit Logis per iethm. ind Wwe«, rdt SS. »31 il 7385 Beachtung. Bst sich zrisie««* -ntb-t-N' B 1^1 tner, N“,£' Rinnen, Gelvötdt, Abg. Rickert (bfr.): Beide Gesetze sind sehr nothwendig; mit dem Antragsteller v. Köller sind wir der Ansicht, daß es sich nicht nur um das Interesse der Beamten, sondern auch um das des Staates handelt. Staatssecretär v. Burchard: Die Vereinigung dieser Materie mit derReichs- militärpensionsfrage ist nach wie vor geboten. Die Negierungen haben keine Veranlassung gesehen, von diesem Standpunkt abzugehen. Abg. Graf Moltke: Ich will dem Hause nur die Mittheilung machen, daß ich angesichts der Wichtigkeit des Gegenstandes einen Antrag auf unverzügliche Vorlegung eines Neichsmilitärpensionsgesetzes gestellt habe. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. v. Bernuth (nat.-lib.) erklärt sich Namens seiner Partei für den Köller- schen Antrag. Die Negierungen werden, zumal dem wiederholten einstimmigen Votum des Reichstages gegenüber, nachdem durch den Antrag Moltke eine gesonderte Behandlung angebahut ist, ihren Widerspruch dagegen hoffentlich fallen lassen. Abg. Graf Belz-Behrenhoff erklärt sich für die Reichspartei mit dem Anträge und der gesonderten Behandlung einverstanden. Staatssecretär v. Burchardt: Ich scheine mißverstanden zu sein. Ich habe nicht gesagt, daß die Regierung sich gegen gesonderte Behandlung beider Materien entschieden habe, sondern nur, daß sie bisher keine Veranlassung gehabt habe, ihren früheren Standpunkt zu verlassen. Abg. v. Schalscha (6t.): Bedauerlich ist die Verspätung des Antrages, dem das Centrum sympathisch gegenübersteht. Die Verquickung mit einander nicht passender Dinge führt jetzt dazu, daß Beamte länger im Dienste bleiben, als es im Interesse dieses förderlich ist. Abg. Richter (dfr.): Die gehörten zwei Erklärungen des Ministers v. Burchardt decken sich heute ebenso wenig wie die zwei neulichen über die Tabaksteuer. Er scheint jetzt auf allen Seiten mißverstanden zu werden. Die Bemerkungen des Abg. v. Köller gegen uns sind ganz überflüssig. Das Verlangen des Grafen Moltke scheint mir das Schicksal des Antrages zu gefährden. (Gelächter rechts.) Denn dadurch wird wieder eine Verquickung geschaffen, die das Schicksal des Eivilbeamtengesetzes in Frage stellt. x Abg. Dr. Windthorst befürwortet den Antrag. Wenn die Offiziere zur Eom- munalsteuer herangezogen werden, wird auch das Militärpensionsgesetz leicht^durch- geführt werden können. Abg. v. Maltzahn-Gültz: Der Antrag Moltke ist durchaus kein feindliches Vorgehen gegen das Reichsbeamtengesetz, aber wir wollen keine Verquickung; wiewohl ich bezüglich der Eommunalbesteuerung der Ofsiziere die Ansicht der Linken theile. Abg. Richter: Der Moltke'sche Antrag wird den Widerstand der Regierung nur verstärken. Die Beamten werden von der heutigen Verhandlung sehr enttäuscht sein. Statt des versprochenen Brodes erhalten sie den alten Stein des früheren Entwurfes. Abg. Pfafferoth (cons.) beantragt zu der Bestimmung, daß das Gesetz mit dem Tage der Verkündigung in Kraft treten soll, die Abänderung dieses Termins auf den 1. April 1883. Abg. v. Köller und Rickert wollen es bei der Bestimmung des Entwurfes belassen, der dann auch die Zustimmung des Hauses erhält. Der danach zur Berathung stehende Antrag des Abg. v. Jagdzewki, betr. Die Abänderung des Gerichtsverfassunasgesetzes, verlangt, daß in den der Krone Preußen 1772 zugesallenen polnischen Lanoestheilen die polnische Sprache neben der deutschen gleichberechtigt sei; und daß, wo sonst im Reichsgebiete unter Parteien verhandelt wird, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, ein Dolmetscher zugezogen und in diesem Falle ein Nebenprotokoll in der Sprache der Parteien ausgenommen werden soll. Nachdem der Antragsteller seinen Antrag begründet, erklärt Abg. Kablä (Els.) Namens seiner Fraktion, für den Antrag einzutreten. Jedes Volk müsse im Gebrauche der ihm eigenen Sprache geschützt werden, nicht aber dürfe eine Sprache, wie dies mit dem Französischen im Elsaß geschähe, geknechtet werden. Abg. v. Euuy (natl.). Diese Sache ist ganz unbegründet. Wo die französische Sprache im Elsaß überwiegt, ist auch jetzt noch die Gerichtssprache französisch. Jetzt wird für die polnischen Landestheile die Gleichberechtigung der polnischen mit der deutschen Sprache verlangt. Aus dem Natiönalitätsprinzip erklärt sich aber diese Forderung keineswegs, jene Landestheile sind doch nicht, z. B. Danzig und Marienwerder,, polnisches Sprachgebiet. Wir werden also hiergegen stimmen. Gegen den zweiten Theil des Antrages besteht kein wesentlicher Widerspruch. Abg Dr. Hartmann (cons.) und Rintet en (Etr.) sprechen sich für Kom- missionsberathung aus, die sodann vom Hause beschlossen wird. Es folgt die erste Lesung der von Abg. Auer (Soc.) und Genossen eingebrachten Antrages auf Arbeiterschutz, in Verbindung mit den von den Abgg. Lieber, Hitze und Lohr en gestellten Anträgen. Abg. Pfannkuch (Soc.): Trotzdem Herr v. Puttkamer seiner Zeit über unseren Antrag gespottet, sehen wir jetzt, daß das Centrum und die Conservativen verwandte Anträge stellen. Wenn die Industrie selbst den Ausfall der Sonntagsarbeit nicht tragen kann, so ist sie überhaupt nicht concurrenzfähig. Wir verlangen die Aufhebung der Kinder- und Sonntagsarbeit und die Einführung des Normal-Arbeitstages. Den vom Centrum gestellten Anträgen gegenüber verhalten wir uns nicht ganz ablehnend. Der jetzige volkswirthschaftliche Krieg wirkt mörderischer als der Schlachtenkampf; die sociale Frage würde hier auch heute noch nicht ohne die Directive der socialdemokratischen Partei erörtert sein. Das Bestehen der Socialdemokratie nach siebenjähriger Dauer des Socialistengesetzes zeigt, wie solidarisch die Socialdemokrätie mit den Arbeiterinteressen ist. Die Besserung des Menschen anzustreben, ist unsere Aufgabe. Der socialistische Staat wird kommen und dann auch bestehen bleiben. Morgen wird die Berathung fortgesetzt. Telegraphische Depeschen. Wolff'» telegr. Eorrefporrdenz - Bureau. Darmstadt, 2. December. Die „Darmstädter Zeitung" veröffentlicht einen Erlaß des Fürsten von Bulgarien aus dem Hauptquartier Pirot, worin der Fürst sowohl den Korporationen wie Privatpersonen im deutschen Reiche, welche ihm so zahlreiche telegraphische und schrifttiche Glückwünsche anläßlich des siegreichen Vorgehens der bulgarischen Armee haben zugehen lassen, seinen herzlichsten Dank ausspricht. Halle, 2. December. In dem Diätenproceß gegen den Reichstagsabgeordneten Hasenclever ist der Vertreter des Fiskus jetzt angewiesen worden, gegen das abweisende Erkenntniß des hiesigen Landgerichts Berufung einzulegen. Breslau, 2. December. Wie der „Breslauer Zeitung" aus Kattowitz gemeldet wird, hat heute Mittag auf dem Nortfelde der Grube „Wildensteinsegen" ein Durchbruch von Schlammerde stattgefunden. Die in der Grube beschäftigt gewesenen Arbeiter sind bis auf einen, welcher vermißt wird, gerettet. Fiume, 2. December. In dem Orte Grahovo (Gebiet von Fiume) sind durch Erdrutschung in Folge von Unterwaschung durch andauernde Regengüsse von 21 Häusern 19 eingestürzt. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen. Paris, 2. December. „Havas"-Meldung aus Belgrad: Es geht das Gerücht, bie Bulgaren hätten Pirot in Brand gesteckt. London, 2. December. Die „Times" erfährt aus serbischer Quelle, Serbien habe durch seine officiellen Vertreter erklärt, es sei entschlossen, den Krieg wieder zu beginnen, falls der Fürst Alexander auf einer Geldentschädigung bestehe. Petersburg, 2. December. Das „Journal de St. Pet." schreibt: Der Tagesbefehl des Kaisers bezeugt, daß Rußland nie aufgehört habe, eine sympathische Fürsorge für das Bulgarenvolk zu hegen. Unglücklicherweise sei es aber nicht möglich, zu vergessen, daß Diejenigen eine schwere Verantwortlichkeit auf sich geladen, welche Rußlands Hoffnungen getäuscht, seine Rathschläge verkannt und das Volk in einen brudermörderischen Kampf gestürzt hätten, wodurch Bulgariens Geschick auf's Spiel gesetzt worden. Die nichtofsiciellen Blätter erkennen den Tagesbefehl des Kaisers, welcher die bulgarischen Truppen lobt, als einen thatkräftigen Beweis für jene sittlichen Bande an, welche Rußland mit Bulgarien noch jetzt verknüpfen. Die „Neuzeit" sagt: Die allerhöchste Bestätigung dieser freundschaftlichen Bande müsse die Mißhelligkeiten beenden, welche die Rivalen Rußlands auszubeuten nicht abgeneigt seien. Sie hofft, daß die Schritte des Kaisers nicht nur in Bulgarien, sondern auch in London und Wien richtig verstanden und gewürdigt werden. „Swet" hält für angezeigt, in dem außeramtlichen Theile die gegen die bulgarische Regierung vorliegenden Judicien zu perisiciren. Dosta, 2. Dezember. (Meldung der Ag. Havas".) Einige Artikel halbamtlicher österreichischer Blätter über die Erklärungen Kh e v en Hüller' s im bulgarischen Hauptquartier riefen hier lebhafte Erregung hervor. Um über die diesen Artikeln beizulcgende Bedeutung vollständige Klarheit zu erhalten, richtete die Regierung heute an den hiesigen österreichischen Vertreter eine diesbezügliche Note. Pirot, 2. December. In Folge der Nachricht, daß ein türkischer Kommissar nach Ostrumelien enrsandt sei, begab sich eine Deputation von allen rumelischen Regimentern, welche im Lager von Pirot anwesend sind, an ihrer Spitze Oberst Nikolajew, zum Fürsten und erklärte, sie könnten, da die Rumelier ihr Blut auf dein Schlachtfelde an der Seite der Bulgaren für die Verteidigung Bulgariens vergossen hätten, niemals eine Trennung von denselben annehmen. Der Fürst erwiderte, wenn er die bulgarischen und rumelischen Truppen an die serbische Grenze hätte marschiren lassen, so sei dies in Folge der Kriegserklärung Serbiens geschehen, nicht wegen des Verzichts auf die Union. Wenn die Bevölkerung gegen eine Trennung protestire, so habe er nicht das Recht, die Union zurückzuweisen. Wie gestern sei er auch beute bereit, sich für die heilige Sache Bulgariens zu opfern. — Heute früh erschien ein serbischer Abgesandter und überbrachte den Vorschlag, beide Kriegführenden sollten die von ihnen besetzten feindlichen Landestheile räumen. Die Waffenruhe sollte bis zum 1. Januar verlängert werden. Dieser Vorschlag wurde bulgarischerseits abgelehnt, worauf der serbische Abgesandte das bulgarische Hauptquartier wieder verließ. — Die von den serbischen Abgesandten überbrachten Vorschläge sind: Waffenstillstand bis zum 1. (13.) Januar, Beibehaltung der Vorposten auf dem am 16. (18.) November (Tag der Einstellung der Feindseligkeiten) besetzten Terrain, Belassung des Gros der Truppen auf diesem Terrain, möglichst baldige Räumung der beiderseits besetzten Gebiete. Diese Vorschläge wurden entschieden zurückgewiesen, weil sie den bulgarischen Waffen keinerlei Schadloshaltung, für die errungenen Erfolge boten, dagegen wurden bulgarischerseits folgende Gegenvorschläge gemacht: Vollständige Räumung des von den Serben besetzten bulgarischen Gebietes; Belassung der bulgarischen Truppen auf dem durch die Demarkationslinie begrenzten Terrain; unmittelbar nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes die Ernennung von Delegirten zur Unterhandlung über die Friedensbedingungen. Es heißt, der serbische Abgesandte werde heute Abend oder morgen früh hierher zurückkehren. - 9*^$' December. (Officiell.) Ungeachtet der schon vor zwei Tagen be- schlostenen Einstellung der Feindseligkeiten und trotzdem daß die Bulgaren auch von den serbischen Commandanten hiervon verständigt wurden, erfolgte gestern früh ein unvermuthetcr heftiger Angriff der Bulgaren auf die serbischen Positionen bei Wlasina mit 4 Bataillonen Infanterie und einer Escadron Cavallerie. Auf serbischer Seite wurde dem Angriffe Stand gehalten. Der serbische Commandant hatte kurz vorher die Bulgaren von der erhaltenen Weisung bezüglich der Einstellung der Feindseligkeiten verständigt. Belgrad, 2. December. Heute fand in Risch großer Kriegsrath über die militärische Lage statt. Es heißt, bei Fortsetzung des Krieges würde ein Coalitions- mrmsterium gebildet werden, um alle Parteien im Kampfe gegen Bulgarien zu einigen. Konstantinopel, 2. December. Officiell wird gemeldet, daß Lebib Effendi und Gadban Effendi an der ostrumelischen Grenze gut ausgenommen worden und mit einer Eseorte, bestehend aus einem Officier und 20 Gensdarmen, nach Philippopel weitergereist sind. — Gestern fand eine Sitzung fcr Conferenz statt, aber Beschlüsse wurden Nicht gefaxt. , ~ .Eine officiclle Depesche meldet das Eintreffen Lebib Effendi's und Gadban Effendl's in Philippopel, wo sie mehrere Petitionen um Wiederherstellung des status qno ante empfingen. Der zum provisorischen Generalgouverneur von Ostrumelien ernannte Djevdet Pascha geht heute Nacht nach Philippopel ab. Rangun, 2. December. (Telegramm des Reuter'schen Bureaus.) König Thibau hat sich den englischen Truppen, welche Mandalay ohne Schwertstreich besetzten, bedingungslos unterworfen. London, 2. December. Einer amtlichen Depesche aus Rangun von heute zufolge ist der König Thibau auf englischem Gebiete eingetroffen. Newyork, 2. December. (Telegramm des Reuter'schen Bureaus.) Rach hier eingetroffenen Nachrichten aus Mexiko brach im Staate Nuevo Leon eine aufständische Bewegung zu Gunsten des Ministers des Innern, Rubio, aus, welcher als Prätendent für die Präsidentschaft auftritt. Es kam bereits zu Zusammenstößen. Man fürchtet, die Bewegung werde sich über das ganze Nordmexiko ausbreilen. Vermischte-. Köln, 2. December. Der hohe Wasserstand des Rheins, hier 5 Meter 53 Centi- meter, wird verursacht durch die Hochfluthen des Neckars, der Lahn und der Sieg, auch Ruhr und Lippe tragen am Niederrhein zum Wachsen des Wassers bei. Der Neckar stieg gestern den ganzen Tag über, die Lahn war heute Morgen noch fortwährend im Steigen begriffen; in Wetzlar hat sie einen Theil der Neustadt unter Wasser gesetzt. Die Sieg hat gestern schlimm gehaust, heute ist sie bei einem Stande von 3 Meter zum Fallen gekommen. Die Ruhr setzt augenblicklich die Lagerplätze und Magazine bei Ruhrort in Gefahr, da in Folge des großen Zuflusses in den Rhein dreser bei Ruhrort auf 5 Meter 6 Zentimeter gewachsen ist. Die Mosel fällt seit fleftern'—' (F- 3.) Eingesandt. _ „ , . Gieße«, 3. December. Geehrter Herr Redacteur! Erlauben Sie mir, der Notiz in der vorletzten Nummer Ihres geschätzten Blattes betr. Reformburschenschaft, eine berichtigende Bemerkung beizufügen. r c ist wahr, daß eben eine Burschenschaft „Arminia" mit ihrer Conftituiruna befaßt ist, jedoch muß ich entschieden bementiren, daß der Akademisch-Litterarische Ver- Ä c§ ""ach kurzer Existenz in die Burschenschaft auflösen wolle". Thatsachlich liegen die Verhältnisse so: Der Akademisch-Litterarische Verein hat aus sich heraus beschlossen, sich als Burschenschaft zu conftituiren, d. h. die Ideen und Prmciplen, welche er seither vertrat, auch fernerhin als Reformburschenschaft im engsten Anschluß an den „Allgemeinen Deutschen Burschenbund" unter der hiesigen Studentenschaft zu vertreten. Beweggrund zu dieser Umwandlung war die Erwägung, daß der Verein m seiner neuen Gestalt seinen Tendenzen eine entschiedenere Stellung verschaffen könne. Eine genauere Darlegung dieser Tendenzen wird an anderem Orte erfolgen. _r Imin er noch das alte Lied: Die Lahn ergießt sich in's Neustädter Feld. — Als vor einigen Jahren an dieser Stelle in Folge der fortgesetzten Lahnüberschwcmm- ungen Nothschreie ertönten und auf Mißstände und Unterlassungssünden, wodurch die Ueberschwemmungcn der Felder geradezu gefördert, aufmerksam gemacht wurde, nahm "^au.,von Seiten der Stadt einen gewaltigen Anlauf, um diesem Uebel abzuhelfen. Zunächst wurde das Ausziegeln der Länder längs des Lahnufers verboten. Die technischen Beamten der Stadt nivellirten und machten Pläne zu Dammbauten mit Schleußen und sonstigen Chikanen, der Kostenanschlag soll bis zur Höhe von 40,000 JL ^tte also eingesehen, daß etwas geschehen müsse, um schreienden Mißständen abzuhelfen. Das war wohl zu weit ausgeholt. Dämme wollten sich auch die Mühlenbesitzer und andere Anwohner vom Wehr lahnabwärts nicht gefallen lassen und da mar es ganz bequem, nachdem man den guten Willen gezeigt hatte, für die Sicherung der Feloer gegen rleberfluthungen durch die Lahn gar nichts oder doch äußerst wenig r _ Dicht oberhalb der Gail'schen Wollspinnerei ist der ärgste Schaden. Hier hatte man es unbegreiflicher Werse geschehen lassen, daß Aecker samml einem städtischen Jiatn, die fast unmittelbar auf dem Lahnufer dammartig sich hinstreckeu, ausgeziegelt murden. Der Stadtvorftand, an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, suchte nach- traglich dem vollständigen Ausziegeln des einen Ackers Einhalt zu thun, jedoch ohne Erfolg. Es wurde dem Unternehmer aufgegeben, den städtischen Rain wieder her- zustellen es ist nicht geschehen. Heute noch, es sind drei Jahre inzwischen ver- »gangen, liegt das ausgeziegelte circa 200 Meter lange Loch unmittelbar auf dem Lahn- user und zeigt dem Hochwasser den Weg in die Felder. — Warum wird jener 9 reiches noth 3000 a an bl un vorzüglich, trinken unb W ML nutzt mch (taubes, bage! nicht eifriger m Sherff. Wenn > fein. Ä doch L Daö gelegen Verkehr mit er bedeutung Haven- Aber einv jeder Mr. in die ben Stadtlackel Das tbmi diele l in absehbarer Bei Mir liegt ^Bonität in bem rechnung jährlich Tilgungsrenten. Wahrend alljährlich vom S: ruhig mit an, wi Lahn, und ohni nasser stets in bi Wir haben von altersher cii im Lctober aus November hat de das Wasser über Lahnüberfluthung steuern; neugierig Am Mitt München zum ei ging, in umfasse, mutigem Drama mobMmsWg, torischer Einsicht Mg Hand in Ha die Leistung der - bezeichnet werben Umgebung zu käi Kraft ihrer hohe, Fräulein Jr sch i wstungen, ihrem Absiind sich beme ,, Leider fehlt einen Siegfried, 'plegelte, schwand, oustteten sahen, n Geschmack der Bri nicht leiden mag, Um besonderer $i n „.Wenneine Publikum wirft Nert wtrtfje G HerrDirec ^hmen, und die Auch Herr wr. Die Chriu welche uns einige Qar, wie es der bim Verein 5639 Zu passe J*?‘S $465 "Mpe ' ib-r * Stott. »Ile'i *y«6 •sjä hätte marfr1111 sM X;«Ä SLW «r be§ r ?eider eitZ u L-d°Ä ae 5}?/n' ^egen 'Sumun9 des ?r^en Truppen ° n°ch Unters- ei-Ä^Ndlung erbe heute Abend J M Tagen be- Wn auch von früh ein nen bn Wlasina f serbischer Seite HEe km Dor[)fr r Feindseligkeiten egsrath über die e ein Coalitms- eu Bulgarien zu >°ß Lebib tzfsendi worden und mit "ach Philippopel öeschlüssc wurden di's und Gadban erherNellung des von Ostturnelien .] König Thibau besehteri, bedingen non fade. $u- it§J 3lad) hier ne auMndifche als Prätendent Man furchtet, > Meter 53 Centi- n und der Sieg, Lassers bei. Ter borgen noch fort; er!)leustadt^un!er bei einem Staude ie Lagerplätze und jie§ in den Rhein e Mosel fallt seit (F. 3.) euftäbter Feld. ddi-xM ^die^icheruuö ist- |tr* Mit i* n W1 Leber W’ „d'«L-°5 i. Tecember. geschätzten Blattes, hier konstituirung chrLitterarische Dn- auflösen wolle. he Verein hat aus h. die Ideen M !mschast im enM hiesigen Sjudentew srwagung, daß del uere Stellung^ an anderein ~rt( Unternehmer nicht mit Energie angehalten, die eingegangenc Verpflichtung zu er; lütten, warum kauft die Stadt das wüste, werthlose, ausgeziegelre Loch nicht an und läßt es für einige hundert Mark wieder ausfüllen, so hoch als ursprünglich die Aecker lagen? An einer anderen Stelle ist thatsachlich etwas geschehen. Lahnaufwärts an der preuß. Grenze, kurz vor der Launsbacher Gemarkung, hatte das Hochwasser im Laufe der Jahre sich eine tiefe Mulde gewühlt und auch von dieser Stelle aus wurde das Feld überfluthet. Hier flickte man mit einigen hundert Eubikm. Schutt, gerade aus; reichend, um einer Hochfluth wie der heutigen den Eintritt in das Feld zu wehren; würde der Weg auf seine ursprüngliche Höhe aufgefüllt, und das bedeutet für die Stadt eine Ausgabe, da es sich um -höchstens 200 Cbin. Schutt handelt, von nickt 300 -X, so würde auch größeren Hochfluthcn der Eintritt in das Feld hier verlegt fein. Die nothwendige Gesammtausgabe beträgt im höchsten Falle für die Stadt 3000 uMa. — Jetzt, da das Wasser hoch ist, wäre es für die betr. Beamten Zeit, sich an £>rl, und Stelle von dem, was geschehen muß, zu überzeugen. Das Wasser nivellirt vorzüglich, der Schreiber dieses ist bereit, die Herren so zu führen, daß sie nicht ertrinken und daß sie doch genug sehen. Das Sehen, nachdem sich das Wasser verlaufen hat, nutzt nicht viel. — Ich will nur die Herstellnng des früheren Zustandes, dagegen können Mühlenbesitzer und andere Jnteresfenten nicht Einspruch erheben. Es ist auffallend, daß die Stadt im eigenen Interesse die Angelegenheit bisher nicht eifriger verfolgte. Die städtischen Gräben, mehrere tausend Meter, sind in diesem Felde mit erheblichen Kosten aufgemacht, die Straßen frisch, mit Basaltsteinen ein; gedeckt. Wenn sich das Wasser verlaufen hat, werden die Gräben vielfach mit Schlamm und Geröll gefüllt, die Chailsseefteine werden von der'Straße in die Gräben gespült fein. Ist doch in früheren Jahren selbst die Packlage stellenweise aufgeriffen worden. — Daß gelegentlich Postpferde ertrinken, die Insassen der Post. gefährdet sind, der Verkehr mit der Stadt oft für Tage gesperrt ist, das mag ja wohl blos eine Nebenbedeutung haben. Aber eins sollte der wohllöbliche Stadtvorstand dock wohl bedenken, daß nämlich jeder Acker in diesem Felde, und es sind wohl bis 1000 Hess. M., die in Frage kommen, den Stadtsäckel ganz erheblich mit Geld versorgt in Form von Communalsteuem. Das thun diese Acker alljährlich seit Menschengedenken und müssen es auch wohl noch in absehbarer Zeit thun. & Mir liegt gerade eine Steuerberechnung über 7.5 Hess. M. Ackerland der geringsten Bonität in dem Neustädter Felde vor;.jeder h. M. bezahlt nach dieser amtlichen Berechnung jährlich 2.83 Jt an Communalsteuem, abgesehen von directen Steuern und Tilgungsrenten. Während nun die Stadt mit lobenswerthem Eifer es sich angelegen fein läßt, alljährlich vom Acker 2.83 Jt an Communalsteuem beizutreiben, sieht sie es fortgesetzt ruhig mit an, wie dies Land fort und fort geschädigt wird durch das Hochwasser der Lahn, und ohne daß Maßregeln getroffen werden, welche verhindern, daß das Hochwasser stets in die Felder tritt Wir haben einen Schäfer in der Gießener Gemarkung, dem wie allen Schäfern von altersher eine prophetische Gabe eigen ist. Der Mann sagt: „Wenn die Lähn im October aus den Ufern geht, dann giebt's in jedem Wintermouate eine Fluth." Der November hat den Mann nicht im Stich lassen wollen, noch am letzten Tage schäumte das Wasser über die Uferränder. Wenn wir wirklich in diesem Winter noch drei Lahnüberfluthungen haben werden, dann hat jedenfalls die totabt ihre Communal- fteuern; neugierig bu» ich jedoch, wie lange es noch dauert, bis sie Abhilfe schafft. 8. Theater. *** Gießen, 2. December 1885. Am Mittwoch Abend trat Fräulein Magda Jrfchick vom Hoftheater in München zum erstenmale bei uns auf und rechtfertigte den Ruf, welcher ihr vorausging, in umfassendster Weise. Die Künstlerin gab die Brunhild in Ge ibel's gleichnamigem Drama und erntete die Sympathieen des Publikums in hohem Maße. Ihr modulationsfähiges Organ glänzte in der Parthie und gestaltete dieselbe in deelama- torischer Hinsicht zu einem vollendeten Ganzen. Die feine Ausarbeitung der Rede ging Hand in Hand mit verständnißvollem Spiel und künstlerischer.Auffassung, sodaß die Leistung der Fräulein Magda Jrschick mit Recht als eine wahrhaft gediegene bezeichnet werden kann. Wir bedauern nur, daß die.Künstlerin mit einer mangelhaften Umgebung zu kämpfen hatte, aus der sie nur mit unendlichem Ringen, mit der ganzen Kraft ihrer hohen Begabung als Siegeritz hervorging. Wie schön muß es doch fein, Fräulein Jrfchick auf einer Bühne zu sehen, wo Alles ganz ihrer Erscheinung, ihren Leistungen, ihrem Werth angemessen ist, wo Eins in das Andere greift und kein greller Abstand sich bemerkbar macht. Leider fehlte es der Aufführung bei uns an dem Nothwendigften, denn wir hatten keinen Siegfried. Der schöne Traum, den uns der Zettel mit Herrn Wieland vorspiegelte, schwand, als wir Herrn Director Rheinberger in der so wichtigen Rolle auftreten sahen, nicht einmal sattelfest, und in so fragwürdiger Gestalt, daß wir den Geschmack der Brunhilde bewunderten, die um einen solchen Siegfried den Günther nicht leiden mag, den wir bei weitem vorgewgen hätten, obgleich auch Herr Zehl kein besonderer Vertreter für derartige Rollen tft. Wenn eine Vorstellung, die den größten Ernst beansprucht, humoristisch auf das Publikum wirkt, dann ist's mit Spiel und Tanz vorbei, und eine Darstellerin wie unsere werthe Gästin nur zu beklagen. Herr Director Rheinberger sollte doch unterlassen, derartige Rollen zu übernehmen, und die Langmuth des Publikums nicht allzu sehr auf die Probe stellen. Auch Herr Flachsland war alles andere, nur kein Hagen- Die Chrimhilde der Frau Cornelia Rheinberger war noch die Einzige, welche uns einigermaßen mit dem Ganzen versöhnen konnte, wenn sie auch nicht tlond war, wie es der Dichter vorschreibt. Mit dem sehnlichsten Wunsche: „Gute Besserung" wollen wir für heute schließen. — Harrde! und Verkehr. v. 2'cO^cember. lieber die hiesigen Bahnhöfe äußert sich der Jahresbericht der hiesigen Handelskammer: \. 2m Imst 1883 richtete die Kammer ein Schreiben an die Königl. Eisenbahn- orrectlon Hannover, worin auf das Bedürfniß einer Erweiterung und eines Umbaues des hiesigen Bahnhofs zur Beseitigung bestehender Mißstände hingewiesen wurde. Kurz darauf erfolgte auch bie erfreuliche Mittheilung, daß die nöthigen Arbeiten höheren Orts genehmigt morben feien unb zur Ausführung gelangen würden. Dennoch blieb SJ1?. ?ej öefabrbrohenbiten Mängel der hiesigen Bahnhofseinrichtungen unbeseitigt unb worben. Wir meinen ben süblichen liebergang an bein v Güterschuppen. Auf biesem Uebergang liegen 12 bei Tag unb ytacbt fast ständig befahrene Schienengeleise. Die Wärter an den Barrieren find häufig an den Welchen beschäftigt und können deshalb die gefährliche Stelle gar nicht ge- ’rad^ Verkehr ist daselbst sehr stark. Auf der Vahnseite (westlich der Geleise) liegt die Margarethenhutte, welche zahlreiche Arbeiter beschäftigt, ferner Steinsabrik, eine chemische Fabrik, eine Knochenmehlfabrik u. f. w. Einige 20 Familien, welche jenseits der Schienengeleise wohnen, passiren täglich den Heber- gang, um iu die Stadt zu gelangen. Viele Stein-, Kohlen- und andere Fuhrwerke smd auf diesen Uebergang angewiesen. Viele Arbeiter aus nahgelegenen Dörfern nehmen über das Geleise ihren,Weg, der sie hier am schnellsten in die Stadt führt. Alle diese Umstande wurden in einer nochmaligen Eingabe an König!. Eisenbahn- n Hannover des Näheren dargelegt und um Abhülfe gebeten, welche allein durch Ueberbiuckung oder Unterführung des gefährlichen Uebergangs geschaffen werden'kann. Wir sprechen die Hoffnung aus, daß dieser Mißstand beseitigt werden wird, ehe größere Ungluckvsalle vorgekommen sind. c, K ähnlichen Beschwerden von Seiten der Bewohner des südlichen Theiles der Stadt Giegen hat der Uebergang über die Oberhessischen Eisenbahnen an der katholischen Kirche gesuhlt, wobei zu bemerken ist, daß es sich hier zunächst nur um einen gefahr- Fußlanger handelt. In noch zwei anderen Fällen sind die Straßenzustände m der Nahe des Bahnhofs Gegenstand begründeter Beschwerden. Einmal bandelt es sich um Erlangung einer Verbindung des oberen Theiles der Franks ui ter Strafe und. der Wilhelmsstraße mit den Bahnhöfen und ferner um Beseitigung der Sperre des vsm Bahnhofe aus längs der Bahngeleise nach dem ehe- maligen Güterschuppen der Koln-Mindcncr Bahn führenden Fahrwegs. Die in den letzten Fallen ergangenen Petitionen der Betheiligten waren an die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Gießen gerichtet und ivurden der Kammer zur Kenntniß- naMMüMitgetheilk, woraus man beschloß, dieselben bei geeigneter Gelegenheit zu e 2 D-c-mber. Rother 2Bewn M. 13.90, weißer Weizen Jt. 13 90, fei i°00%Ä100900.0- 6afer •* M0' ÄartoffcIn ä 100 Mund 0.00, F^o^urt, 2. December Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter Jt 3.oO—4.00, Eier das Hundert Jt 6-50—8.00, Butter per Pfund Jt 110 bis 1-30, Weißkraut per Stück 12-00 J,. Rathkraut per Mück 20-25 Kohlrabi p^SMck 3-00^ Ochsenfleisch per Pfund 60-70 Kuh- u. Rindfleisch 50-60 4, ?°Z75 Hammelfleisch 45-65 4, 1 Hahn ^ 0.80-0 90, 1 Huhn Jt 1.00—2.00, 1 Ente Jt 2.50-3.00, 1 Gans Jt 4.00—8 00 1 Taube 40-60 Welsche Jt 5.00-12-00. ' Literarisches. cv Tribunal, Zeitschrift für praktische Strafrechtspflege (Verlag von I. F. Richter in Hamburg) bringt tnt Nooemberheft: im westlichen. Deutschland. (Fortsetzung und Schlich.) x 0 2) Die Brandstifterin Johanna Duda. Dargestellt von Dr. Benedi? Ratlbor. 3) Vernrtheilung wegen Meuchelmordes ohne objectiven That- bestand. Nachträgliche Erinnerung der angeblich Ermordeten. Dargestellt von Prof. Dr. I. Rosenblatt, Krakau. Indem wir uns Vorbehalten, auf die letztgenannte Abhandlung demnächst ausführlich zuruckzukommen, verfehlen mir nicht, heute besonders auf den Aufsatz • Die Lustmorde im westlichen Deutschland" (oergl. Octoberheft des „Trib.") aufmerksam zu 'n°ck>-n. Der Verfasser desselben, Landrichter Barre-Düsseldorf hat versucht, die Grunde für^das Aufkommen des hier in Frage stehenden Verbrccherthums fcstzustellcn und ist zu dem Resultate gelangt, daß es in den von der fraglichen Verbrechensseuche betroffenen (volks- und verkehrsreichen) Gegenden hauptsächlich an einer entsprechenden Organisation der Kriminalpolizei mangele. Des Näheren auf diese Erörterungen, sowie auf die Reflexionen des Verfassers über die psychologifchen und luristischen Merkmale der Lustmorde'einzugehen, verbietet der zur Verfügung gestellte Raum. Auch dürfte es Jedem, der - Kriminalist oder Laie - der Frage naher treten will, anzurathen fein, die gut geschriebene Abhandlung selbst zu ftnoiren. P ö Temperatur in Gießen. November 1885. Niederste........ 8,0 °R Mittlere.......+ 2,36 „ Mittel früherer Jahre.....4-2 63 Höchste........+ 16,7 „ Niederschlag an 12 Tagen . 1,94 Par. Zoll. Mittel früherer Jahre an 16 Tagen 1,97 „ „ Allgemeiner Anzeiger. VereÄMsfaBaMesB, Banner, gestickt u. gemalt, -Vereinsabzeichen, Schärpen. — Fahnen und Flaggen, Wappenschilder, Transparente, Lampions, Feuerwerk. Offertes, Skizzen. Preisverzeichnisse versenden wir franco u. umsonst. Bonner Fahnenfabrilx (Hof-Fahnenfabrik) $639____________________in Bonn a. Rhein.__________________ Zum Weihnachtsfeste. 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Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen- Gießen, dep 28. November 1885. Der Rechner der Spar- und Leihkasse. Kehr. .Ich suche auf sofort einen zuverlässigen Schreidgehülstn. heute 5 Uhr verschieden ist. Burg Gleiberg, den 2. December 1885. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Freitag Mittag Uhr zu Glei- berg statt. 8646 8577 ' Ein möblirtes Stübchen ru ver- miethen.Flügelsgasse 9. Holzversteigerung im Gießener Stadtwald. Montag den 7. Dezember 1885, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwald in den Districten Ursulum, Tanne, Sandberg und Philosophenwald nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Brennholz. Scheith. Prügelh. Stockh Reish. Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen * darunter 2400 Durchforstungswellen fB. Bau-, Werk- und Nutzholz. 3 eichene Stämme mit 2,47 Festmeter, darunter zwei Schnitthölzer, 350 fichten und kiefern Stämme mit 94,47 Festmeter, 71 Fichtenstangen mit 8,42 Festm. Die Zusammenkunft ist aus der Grünbergerstraße au der 5. Schneise. Gießen, am 1. Dezember 1885. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. I. Rothenberger ______Lindenplatz 8. Bekanntmachung. Zur Bezahlung der Zinsen, welche von ben bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Capitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar: 1. Samstag, den 5. December 1885, Reue Sendungen Wintermäntel sind eingetroffen. Empfehle Plüsch-PaletotS, ca. 125 cm. lang, prima Qualität zu 12 Mark. Hermann Katz, im früher Heichelheim'schen Kaden. Stadt-Theater in Giessen. Freitag den 3. December Bei erhöhten Preisen! Außer Abonnement. „Letztes Gastspiel der königl. bayer. Hofschauspielerin Frl. Magda Jrschick. Die Märchen der Königin von Navarra, oder Rache für Pavia. Lustspiel in 5 Akten von Scribe und- Le gauvs. Die Direktion. 2. Dienstag 3. Mittwoch 4. Donnerstag 5. Samstag 6. Dienstag 7. Mittwoch 8. Donnerstag 9. Samstag 10. Dienstag 11. Mittwoch 12. 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Alls । Grobherzogliche KO Zlllvü Gief ' Bl Das t dem Jahre 18c Wir b Gief Lettin, eingefrorenen Ä Man-Ws er Telegramm der Regierung sei ' Mim Vectra tischen Mitteln und eine Armee und furchtsame Pforte nicht nen energische; @in[d .wrang nach bei Rumelien durch j und lebhaften Pi tation von allen ßnd. sich A nachdem su an gariens vergosset ^er Urft gab; aber deutlich du möglich halte, urch das Einlei fchen Union imn »'ZZ Cr