Nptoir 19»i-3«w "di? jjt » uib ! Mfienbt g «trau, ob„ aev '■ Wm ? SÄ'* " Moffr, »Port sler, rg 8. "St mit und ohne lrantiebeibilliMr — 6783 88 fürehiet roffen wurde, oder ‘Lde), Lähmungen, rankhaften Nerven- ie Broschiere „Leber u.Heilung\3.Auü., indw.-Bataillonsarzt 1 Vilshofen, Bayern, ^ziehen. 6310 l.WsM e Quantitäten von :rn können, werden unter L. 6.713 an >gler, Frankfurt _____________6817 iren der lüte ilorgt rajd) u. billig A. tzantzmann. ir sucht zu mietben Joseph Ser;. ibildete junge Dame ks, mit Änschluß ori @cfl Cfftrttn $ob M. trbtltif. i Mädchen für ’re Stunden der , au| sogleich ge- ' xped- d- &• V irt a. M. In Annoncen | lungend.Welt.il Hosten- II chläge I u. franco. // ^ee»ö. ] ' ;hsle und j x ligsto yik&l ienung.// E RV. 2SL. Erstes Blatt. Sonntag den 4. October 188K Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 5() PL mvax1 jb üWMmnww iu hm ■ ■ n wiiMaBsacm—r. Amtlicher Hßei f. Gefunden. 3 Portemonnaies, 1 Mädchenhemd, 1 Frauenhemd, 1 leinener Kragen, 1 Betttasche, 1 Hundehalsband und 1 Lotterieloos- Gießen, am 3. October 1885. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.__ An die Großhcrzogliche» Bürgermeistereien des Bezirks. Die Berichtigung der Ende September l. I. fällig gewesenen Holz- und Heugrasgelder der Oberförstereien Gießen, Schisfenberg und Treis a. d. Lumda hat bis zum 25. dieses Monats — October — bei Meldung der Mahnung — anher zu geschehen — wovon Sie Ihren Gemeinde-Angehörigen in geeigneter Weise Kenntniß geben wollen. Gießen, am 1. October 1885. Großherzogliches Rentamt Gießen. Deutschland. Berlin, 1. October. Der Chef der Admiralität hat im heutigen „Reichs-Anz." die traurige Thatsache öffentlich feststellen muffen, daß in der Thal feine Hoffnung mehr vorhanden ist, daß die in der Nacht vom 1. bis 2. Juni von einem Orkan überfallene Kreuzer-Korvette „Augusta" noch schwimme und ihre Besatzung noch am Leben sei. 223 brave deutsche Seeleute haben, sagt die „Köln. Ztg.", darüber kann kein Zweifel mehr obwalten, im Golf von Aden ein gemeinsames nasses Grab gesunden. Sie sind im Dienste des Vaterlandes und wahrscheinlich nach einem schweren Kampfe gegen Wogen und Wetter einem unabwendbaren Geschick zum Opfer gefallen. Zahlreiche Familien in der Heimath sind durch dieses jähe Unglück in Trauer und Jammer versetzt, viele ihrer Ernährer und Unterstützer beraubt. Die Bekanntmachung im „Reichs- Anzeiger" lautet: Sr. Maj. Kreuzer-Korvette „Augusta", in den Jahren 1862 bis 1864 bei Armand in Bordeaux erbaut, hatte bei einer Länge von 74 m und einer Breite von Um ein Deplacement von 1825 Tonnen, eine Maschine von 1300 indicirten Pferdekräften verlieh ihr unter günstigen Verhältniffen eine Geschwindigkeit von 14 Seemeilen. Die Korvette führte bei vollen Bunkern ein Quantum Kohlen, mit welchem sie bei einer Fahrt von 7 bis 9 Knoten ungefähr 2100 Seemeilen zurücklegen konnte. Barkgetakelt konnte sie mit gelichteter Schraube als mittelschnelles Segelschiff bezeichnet werden, steif genug, um selbst bei vollkommen leerem Kohlenraum sämmtliche Segel führen zu können. Sr. Maj. Kreuzer-Korvette „Augusta" trat im Herbst 1875 ihre erste größere Reise, und zwar von einjähriger Dauer, unter dem Commando des Korvetten-Kapitäns Kinderling, nach Westindien an; vorher, in den Jahren 1864, 1865 und 1866, war sie nur zu kurzen Sommer-Jndiensthaltungen herangezogen worden. Jrn Jahre 1869 erhielt das Schiff die erste Reparatur. Während des Krieges 1870 im December in Dienst gestellt, kreuzte sie unter Befehl des Korvetten-Kapitäns Weikhmann mit Erfolg an der französischen Küste, bis sie von überlegenen Streitkräften im Hafen von Vigo blockirt wurde. Nach dem Waffenstillstand 1871 in die Heimath zurückgekehrt, wurde sie außer Dienst gestellt. Im Jahre 1874 trat sie ihre zweite größere Reise von 1 Jahr 9 Monaten unter dem Commando dcs Korvetten-Kapitäns Frhrn. v. d. Goltz nach Westindien und Süd- Amerika an. Nach Beendigung derselben erhielt sie neue Kessel und wurde sie schon 1876 zur Besetzung der australischen Station wiederum in Dienst gestellt. Commandant der Korvette aus dieser Reise war der KorvettenKapitän Haffen- pflug und nach dem im Auslande erfolgten Tode desselben der Korvetten-Kapitän Schulze. Diese Station erreichte sie um das Kap der guten Hoffnung gehend, sie blieb auf jener bis zum November 1877, dann ging sie durch Den Stillen Ocean nach Japan und kehrte von dort durch den Suezkanal Mitte October 1878 in die Heimath zurück. Vom August 1879 bis zum December 1881 erhielt das Schiff eine Reparatur von Grund aus. Zugleich wurde Der Kreuzmast für die kleinere Barktakelage umgeändert. Von dieser Zeit an lag die Korvette in zweiter Reserve bereit, bis sie am 14. April d. I. mit einer Besatzung von 9 Officieren und 214 Mann in Dienst gestellt wurde. Diese Besatzung war bestimmt, in Australien gegen ausgediente Mannschaften der Besatzungen dort befindlicher Schiffe umgetauscht zu werden. Die Korvette sollte ferner jenen Schiffen Materialien, Jnveutarien und Proviant zuführen. Sie hatte, um diese 32 Tons wiegenden Gegenstände. gut verpacken zu können, einen Theil ihrer eigenen Ausrüstung im Gewichte von 50,7 Tons, darunter 6—12 Cm. Geschütze, und 4—3,7 Cm. Revolverkanonen zurückgelassen. Die Belastung war mithin rund 19 Tons geringer als etatsmäßig. So ausgerüstet verließ die Korvette am 28. April Wilhelmshaven, traf am 6. Mai in Gibraltar, am 22. Mai in Suez ein und ging von dort am 25. Mai nach Perim. Letzteren Ort verließ sie in der Nacht vom 1. zum 2. Juni mit der Bestimmung nach Albany (Australien). Es ist wahrscheinlich, daß das Schiff in einem Cyclon, welcher dasselbe im Golf von Aden getroffen hat, untergegangen ist. Die durch das Commando des ostafrikanischen Geschwaders und die Consulate der Haupthandelsplätze des indischen Oceans angestellten Nachforschungen nach dem Verbleib der Korvette sind ebenso resultatlos geblieben, als die durch einen englischen Dampfer am 14. September auf den Chagos - Inseln erhobenen Nachfragen. Die Hoffnung, daß Sr. M. S. „Augusta" auf einer oder der anderen Insel des indischen Oceans erlittene Beschädigungen repa- rire, ist geschwunden. Da ferner feit dem Tage, an welchem die Korvette Perim verließ, vier Monate vergangen find, eine Zeit, welche für die Korvette mehr als genügend gewesen wäre, selbst bei eingetretenem Kohlenmangel oder havarirter Maschine einen Hafen zu erreichen, so ist feine Hoffnung mehr vorhanden, daß das Schiff noch schwimmt, die Besatzung noch am Leben ist. Der Chef der Admiralität: v. Caprivi. Schweiz. Bern, 2. October. Der Congo-Staat hat seinen Beitritt zum Weltpostverein von Neujahr ab erklärt. Amerika. Lima, 2. October. Durch Feuersbrunst ist in Jquique fast das ganze Geschäfts-Viertel der Stadt zerstört worden. Nur das Postamt und die Gebäude am Ufer blieben verschont. Der Schaden wird aus 2 Mill. Dollars geschätzt. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Eorrespondenr-Bnrea«. Berlin, 2. October. Ein Comite zur Bildung eines Unterftützungsfonds für die Hinterbliebenen der Mannschaften der „Augusta" ist in der Bildung begriffen, welchem zahlreiche angesehene Männer aller Kreise und Stände angehören. Es ist beabsichtigt, die Bestimmung des Fonds auch auf Einzel-Unglücksfälle bei der Marine auszudehnen. — Der rumänische Ministerpräsident Bratiano reist Nachmittags nach Fried- richsruh und begibt sich morgen von dort, wahrscheinlich mit eintägigem Aufenthalte in Wien, nach Bukarest zurück. London, 2. October. Graf Münster conferirte heute längere Zeit mit Salisbury. Rom, 2. October. Gestern zählte man in der Stadt Palermo 65, außerdem insgesammt 17 Eholeratodte. Kopenhagen, 2. October. Der Ezar war beim Eintreffen der bulgarischen Deputation in Fredensbourg daselbst nicht anwesend. Die Deputation hatte eine einstündige Unterredung mit Giers und reiste alsdann wieder von Fredensbourg ab. — Die Barke „British-Merchant", Capitän Vanselow aus Danzig, strandete gestern bei Harboere. Das Schiffsboot schlug um, 7 Personen ertranken, 6 wurden durch ein Rettungsboot gerettet. Risch, 2. September. Die Skupschtina wurde heute vom König eröffnet und wählte eine Commission von 21 Mitgliedern, um die vom Kriegsminister und Finanzminister eingebrachten Gesetzentwürfe vorzuberathen. Sofia, 2. October. Gavril Pascha wurde heute freigelassen und ist nach Konstantinopel abgereist. — Der Commandant der rumelischen Gensdarmerie, Borthwick, ist hier eingetroffen. Konstantinopel, 2. October. Da Essad Pascha in Paris verbleibt, wurde der Botschaftsrath in Berlin, Chan Effendi, zum Geschäftsträger ernannt. Der für Paris ernannte Edhem Pascha erhält wahrscheinlich einen Posten im Jnlande. Athen, 2. October. sHavas-Meldung.j Nachrichten aus Kreta zufolge haben die rumelischen Vorgänge zwar große Aufregung hevrorgerufen, jedoch werde die Haltung der Krctenser vom Verhalten Griechenlands abhängen. Eine Volksversammlung in Eanca beschloß eine Adresse an die Mächte zur Aufrechterhaltung des Berliner Vertrags. In der Adresse heißt es dann aber weiter, die Mächte dürften die Vereinigung. Kretas mit Griechenland nicht hindern, wenn sie die Union Bulgariens und Ru- meliens zuließen. — Die Regierung wird von der Presse dringend aufgefordert, die Steuern zu erhöhen. Das Volk werde die Steuern für die Vertheidigung des Hellenismus gern zahlen. XXXVIII. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner. V. Samstag den 3. October. Der gestrige Ausflug nach Wetzlar fand eine regere Theilnahme, als man erhoffen konnte: mehr als 300 Personen soll der Extrazug befördert haben. Nach Besichtigung der Sehenswürdigkeiten begab sich die Mehrzahl der Theilnehmer in das Casino, woselbst sie von Herrn Archivar Dr. Göcke mit einem schwungvollen Festgedicht begrüßt und von Oncken's Quartett durch einige Lieder erfreut wurden. — Unsere Berichterstattung über den Festcommers, an den sich die Sectionssitzungm (8 Uhr) beinahe anschlossen, müssen wir zu einer Zusammenstellung der zahlreichen Festreden verkürzen. Herr Bürgermeister Bramm eröffnete den Commers mit einem Salamander und übergab das Präsidium dem Herrn Gymnasiallehrer Dr. Dett- weiler. Derselbe brachte den ersten Toast aus auf Se. Majestät den Kaiser; die Festversammlung stimmte begeistert ein und sang stehend den ersten Vers von „Heil Dir im Siegerkranz". In gleicher Weise wurde unseres Großherzogs gedacht, zufolge des zweiten Toastes, den der neue Rector, Herr Professor v. d. Ropp, ausbrachte. Die folgenden Reden, die sämmtlich mit einem donnernden Salamander schlossen, hielten die Herren: Rechtsanwalt Curtman (in lateinischer Sprache). Director Spangen- berg im Auftrag der Philologen auf Gießen, seine Gastfreundschaft und seine Damen, Beigeordneter Heß auf die Gäste, Director Droncke aus Trier auf das Präsidium, den Kronbauer'scheu Gesangverein und Prof. Oncken'sSeminar-Quartett, Director Adam aus Urach rührend und herzlich auf die Tage von Gießen, Director Wecker aus Stettin auf den „Consul Cuttmanus", Rechtsanwalt Bai st aus Gießen auf frohes Wiedersehen, Gymnasiallehrer Dr. Nover aus Mainz auf Gießen's Frauen und Jungfrauen, Dr. Baur aus Gießen auf den Stadtvorstand. Die Reden der Herren Curtman und Nover fanden, als wirklich vorzügliche Leistungen, stürmischen Beifall. Der ^aal war noch in seinem prächtigen Schmucke, für die leiblichen Genüsse war sehr gut gesorgt und so kann denn der Stadtvorstand sich sagen, daß er seinen Gästen ein herrliches Fest geboten hat. Eröffnung der Arbeiter-Colonie Neu-Ulrichstein. Am 27. September herrschte auf dem Bahnhofe der Station Kirchhain der Main-Weser-Bahn ein reges Leben. Wagen von mancherlei Beschaffenheit und Gestalt waren vorgefahren, die alle dasselbe Ziel im Auge hatten. In raschem Trabe ging es dann, Wagen hinter Wagen, in südöstlicher Richtung durch anmuthige Waldthäler und über sanft ansteigende Höhen auf der Staatsstraße über Niederklein, Lehrbach und die schauerliche Brandstätte des erst kürzlich so schwer heimgesuchten Appenrod immer weiter aufwärts bis zu dem Plateau, auf welchem ein einsamer, von beiden nächstgelegenen Orten je eine Viertelstunde entfernter Hof weithin die Gegend beherrscht. Hier befindet sich in 344 Meter Mecreshöhe die Arbeitercolonie Neu-Ulrichstein, die junge Schöpfung menschenfreundlicher Liebe, zu welcher Hunderte, ja Tausende aus dem Großherzogthum Hessen, dem Regierungsbezirk Wiesbaden und besonders auch aus Frankfurt werckthätig mitgeholfen haben. Heute sollte sie feierlich eröffnet werden, nachdem schon vom 1. Juli d. I. an ihre Thätigkeit begonnen hatte. Aber in dem unfertigen Zustande, in welchem sich damals noch die inneren Einrichtungen befanden, hätte sich die Colonie gewiß nid)t so vortheilhaft prüfentirt, als es jetzt, wo die Thätigkeit des Großh.Kreis- biuamts ihr Ziel so ziemlich erreicht hat, der Fall ist. Der Präsident des Vereins, wirklicher Geheimerath Dr. Goldmann aus Darmstadt, empfing denn auch die zahlreich aus der Nähe und Ferne erschienenen Gäste — man konnte es deutlich bemerken — mit dem Gefühle froher Befriedigung über das gelungene Werk. Der Verein kann mit Recht stolz darauf sein. In dem neu hergerichteten Anstaltssaale, der als Speisefaal und bei feierlichen Anlässen als Versammlungsort dient und in seiner geschmackvollen Schlichtheit einen sehr wohl- thuenden Eindruck mücht, hatten sich die Colonisten, 11 an der Zahl, mit dem Jnspector versamnielt. Sie begrüßten die von nah und fern zusammengekommenen Gäste mit einem von Harmoniumspiel begleiteten Choral. Der Präsident Dr. Goldmann eröffnete die weihevolle Stunde mit einer Ansprache, in welcher er die Erschienenen begrüßte und Allen, welche mit Rath und That, mit Geldbeiträgen und in anderer Weise an dem Zustandekommen des Werkes mitgeholfen, insbesondere auch den beiderseitigen Regierungen, Namens des Vereins dankte; Herr Pfarrer Dr. Stromberger, der als Vorstandsmitglied sich um die innere Einrichtung große Verdienste erworben, schloß eine würdige Betrachtung auf Grund des Psalmwortes Pf. 127, 1 daran. Dann hielt Herr Geistliche Rath Münz en berg er aus Frankfurt eine warme Ansprache an die Colonisten, in welcher er sie aufforderte, den ihnen von allen Seiten entgegen gebrachten guten Willen ihrerseits durch „guten Willen" zit erwidern, und hierdurch nicht nur sich zeitlich eine sie befriedigende Existenz zu gründen, sondern auch den wahren inneren Frieden zu finden. Herr Ministerialrath Rothe aus Darmstadt brachte die sympathisch aufgenommeue Versicherung der Großh. Staatsregierung, auf deren Domanialgrund die Anstalt sich befindet, daß sie das bereits bewiesene Wohlwollen der guten Sache fernerbin bewahren werde. Herr Landesdirector Sartorius, der sich ebenfalls mit ernsten Worten an die Colonisten wandte, gab für den Regierungsbezirk Wiesbaden eine ähnliche wohlwollende und alle Anwesenden angenehm berührende Erklärung ab, - und dann schloß mit einem Gebet die Feier. Alle Redner hoben hervor, daß hier ein Werk geschaffen sei, zu welchem alle Confessionen sich brüderlich die Hand gereicht hätten, und welcher auf der Grundlage herzlicher Duldung fort und fort bestehen solle. Hier werde also kein Zwang über die Gewissen geübt; jeder Con- fession bleibe ihr Recht unverkümmert. 9hin vertheilte sich die inzwischen immer mehr angewachsenc Versammlung über die Anstaltsräume. Alles ist neu hergerichtet, solid, einfach und practisch. Rechts unten ist die Küche mit Speisekammer, links ein kleineres Versammlungszimmer, eine Stiege hoch befinden sich die außerordentlich langen Schlafsäle, die wegen ihrer Größe und der Ventilationseinrichtungen je 75 Mann aufnehmen können. An jeden Schlafsaal stößt ein Schlafraum für den Aufseher, von wo aus er den Saal überblicken kann. In einem anderen Gebäude befindet sich die Badcstube mit äußerst practischen Einrichtungen, Douchen, Badewannen, auch Desinfectionskammer, ferner Werkstätten für Schreiner und Schuhmacher. Vorgesehen ist auch ein Jsolirzimmer für Kranke. Die Geräthekammer mit ihren mannigfaltigen Utensilien erregte die besondere Aufmerksamkeit, ebenso der Viehstall mit dem prächtigen Rindvieh. Diejenigen, welche sich trotz des rauhen Wetters auch einen Blick auf die Felder gestatteten, überzeugten sich, daß der Boden ertragsfähig ist, und wenn, wie beschlossen, die Drainirung in größeren! Maße erfolgt ist, sogar recht gute Ernte ergeben dürfte. Auch beweisen die schönen und zum Theil reich beladenen Obstbäume, daß dieser Zweig der Landwirthschaft hier oben eine Zukunft hat. Gegen 3 Uhr verfammelte sich die Gesellschaft im Speisesaal zu einem Gabelfrühstück, bei welchem der Freude über das gelungene Werk und der Hoffnung auf eine gedeihliche Weiterentwickelung der Colonie Ausdruck gegeben wurde. Verschiedene Toaste, voran der auf Se. Majestät den Kaiser und Se. König!. Hoheit den Großherzog von Hessen, ausgebracht von Herrn Polizeipräsident Hergenhahn, folgten sich. Auch des Jnspectors und seiner jungen Gattin wurde freundlichst gedacht, haben doch beide den günstigsten Eindruck auf die Anwesenden gemacht. Daß das große Verdienst des Herrn Vereinspräsidenten auf das Zustandekommen des schönen Werkes gebührend gewürdigt wurde, versteht sich von selbst. Ebenso wurde anerkennend gedacht des Herrn Pfarrer Dr. Stromberger und des Herrn Kreisbaumeister Schnitzel. — Die Wagen waren inzwischen vorgefahren und entführten die Gäste nach verschiedenen Richtungen dem Orte, der von nun an eine Art von Mittelpunkt der barmherzigen Liebesübung an unseren arbeitslosen Mitbrüdern bilden wird. Es ist Hoffnung vorhanden, daß zu den Gebieten, welche Neu-Ulrichstein ihre Arbeitercolonie nennen, sich vielleicht auch recht bald der Regierungsbezirk Kassel, wenigstens zum Theil, gesellen wird. Wie dem auch sei, eines steht fest: Soll Neu-Ulrichstein gedeihen, so darf der schöne Eifer, der sich für dies Werk allenthalben geregt hat. nicht erkalten. Es sei daher auch bei dieser Gelegenheit allen Menschenfreunden herzlich empfohlen. Lokale-. Gießen, 3. October. Unseren Lesern, soweit sie Mitglieder des Eisvereins sind, bringen wir in Erinnerung, daß Aenderungen in der Zahl der zu einer Mitgliedskarte gehörigen Personen, sowie Austrittserklärungen bis zum 15. October zur Kenntniß des Vorstandes gebracht werden müssen. Handel MAS Werkrhr. Gießen, 3. October. Auf dem heuttgen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.15—1.20, Hühnereier pr. Stck. 6—7 Enteneier St. 0—0 Käse pr. St. 5—8 4$, Käsematte 3—0 Erbsen pr. Liter 22 H, Linsen 32 H, Tauben per Paar 0,50 bis 0,60 H, Hühner per Stück X 0.85—1.30, Hahnen pr. Stück X 0.50—1.00, Enten per Stück X 1.40—1.70, Ochsenfleisch per Pfund 68—00 H, Kuh- und Rindfleisch 56—60 Schweinefleisch 50—60 H, Hammelfleffch 60—70 H, Kalbfleisch 48—50 X Kartoffeln per 100 Kilo X 3.00—4.00, Milch per Liter 12—16 Zwiebeln per Centner X 4.00-6.00. Temperatur in Gießen. September 1885. Niederste 4- 2,0 °B. Mittlere 4- 10,43 , Mittel früherer Jahre 4- 11,00 „ Höchste 4- 21,5 „ Niederschlag an 14 Tagen .... 1,58 Par. Zoll. „ im Mittel früherer Jahre an 12 Tagen 1,75 „ „ Brodpreise vom 4. bis 18. October 1885. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische G e in e i n d e. Getraute. Den 26. September. Christian Friedrich Hüllsiek, Schriftsetzer zu Bonn und Katharine Belloff, Tochter des zu Beuern verstorbenen Landwirths Johann Jost Belloff. Den 27. September. Ludwig Becker, Schreiner zu Gießen und Margarethe Luise Henriette Junker, Tochter des Schlossers Lndwig Junker zu Gießen. Getaufte. Den 27. September. Dem Dienstmann Carl Heil eine Tochter, Elise Katharine Elisabeth, geboren den 22. August. Denselben. Dem Schreiner Georg Beck Zwillingstöchter, Katharine Caroline und Elise Maria, geboren den 24. August. Denselben. Dem Oeconomen Philipp Schwan I. Zwillingskinder, Wilhelmine Meta und Georg Wilhelm, geboren den 21. Juni. Denselben. Dem Hilfsbremser Johannes George eine Tochter, Elfriede Philippine Johanna, geboren den 24. August. Den 1. October. Dem Heizer August Giffey eine Tochter, Luise Marie Elise Frida, geboren den 28. August. Beerdigte. Den 27. September. Elisabethe Bellof, geb. Kern, Wittwe des Schäfers Christian Bellof, alt 77 Jahre, starb den 24. September. Den 30^ September. Christian Wilhelm Platz, Schriftsetzer, alt 47 Jahre, starb den 27. September. Den 3. October. Sophie Worms, geb. Haas, Ehefrau des Privatmanns Adolf Carl Worms, alt 75 Jahre, starb den 30. September. Auszug aus deu Standesamtsregistern des Standesamts Gießen. Aufgebote. September: 26. Der Weichensteller an der Main-Weser-Bahn Johann Heinrich Feisel in Kleinlinden mit Anna Hinder, Tochter des verstorbenen Schäfers Adam Hinder von Günterod. 29. Der Stationsvorsteher der Cölbe-Laspher-Bahn Johs. Pfeil in Caldern mit Henriette Wilhelmine Luise Platt, Tochter des verstorbenen Schreiners Jacob Platt in Gießen. 30. Der Restaurateur Gustav Karl Hermann Wilhelm Gühlholz mit Gertrude Luise Friederike Wilhelmine Stammann, Tochter des Kaufmanns Carl Stammann in Lübz. 30. Der Schriftsetzer Otto Hermann Paul Ettel mit Katharine Friederike Georgine Auguste Karoline Löber, Tochter des Spenglermeisters Wilhelm Löber in Gießen. Eheschließungen. October: 2. Schuhmacher Balthasar Wacker mit Dorothea Hammel, Tochter des Schmieds Wilhelm Hammel in Gießen. 2. Kaufmann Johann Ludwig Hartmann mit Elisabethe Schlabach, geb. Schweiker, Wittwe des Kaufmanns Rudolf Schlabach in Gießen. 3. Dreher Emil Schneider mit Wilhelmine Jacobine Eimer, Tochter deS verstorbenen Schneidermeisters Ludwig Eiiuer in Gießen. Geborene. September: 23. Dem Kaufmann Edmund Wetter ein Sohn, Wilhelm Karl Johann Rudolf. 24. Dem Schuhmacher Heinrich Krug ein Sohn. 25. Dem Schlosser- meister Carl Flett eine Tochter, Bertha Marie. 26. Dem Gärtner Heinrich Eschinann ein Sohn, Heinrich Christian. 27. Dem Friseur Hermann Plank eine Tochter, Theodore Leopoldine. 28. Dem Schuhmacher Georg Appel ein Sohn, Wilhelm Martin. 28. Dem Güterexpeditor an der Oberhessischen Bahn August Zöckler ein Sohn. 29. Dem Major Freiherr Wilhelm von Follenius eine Tochter. Gestorbene. September: 25. Schuhmacher Jacob Rinn XV., 45 Jahre alt, von Heuchelheim. 25. Marie Koch, 36 Jahre alt, Ehefrau des Ludwig Anton Koch von Geilnau. 26. Schmied Jacob Weiß IV., 66 Jahre alt, von Steinberg." 27. Schriftsetzer Christian Platz, 47 Jahre alt. 28. Landwirth Jost Dern, 73 Jahre alt, von Langgöns. 29. Taglöhner Jacob Glockengießer, 35 Jahre alt, von Wetterfeld. 29. Philipp Becker, 7 Jahre alt, von Rodheim a. d. Bieber. 30. Ein unehelicher Sohn Heinrich August, 1 Monat alt. 30. Schuhmachergeselle Louis Hiebenthal, 40 Jahre alt. der Bäcker $ 1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod . ... 27 2 ,, (4 Pfd.) Weißbrod .... 54 1 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 24 2 „ (4 Pfd.) Schwarzbrot» 1. Sorte 48 1 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 21 2 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42 3 „ (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte bei K. Haas, Johs. Lein, L- Keil 63 Gießen, den 3. Oktober 1885. der Brodverkäufer H 1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27 2 „ (4 „ ) ,, 54 1 ft (2 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 24 2 < (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sötte 48 3 „ (6 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sötte — 1 ff (2 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 21 2 „ (4 ) Schwarzbrod 2. Sorte 42 3 „ (6 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 63 Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Ganz seidene Spitzenstoffe 70 cm. br. schwär; u creme) M. 1.95 bis M. 25.— per Meter (Chantilly, Guipure und echte Schweizer Stickerei) vers. meter- und stückweise denfabrik-Mpöt G. Henneberg (K. u. K> Höflich) rürio°b.^Muste? umqehm^'' Briefe kosten 20 Pfg, Porto. " 7035 A llßL M einer A n z § i g e T. Tanz-Unterricht. Dienstag den 2. November beginnt mein Tanzunterricht. Anmeldungen beliebe man in meiner Wohnung zu machen. F- Schmidt, 7085 Wetzsteingasse 31. Witze und Anekdoten zum Todtlachen. Reichhaltige Anekdoten- Sammluug, zur Unterhaltung für lochlustige Leute. Neue, zweite Reihe (Heft 17—32). Gegen 90 H in Briefmarken Franco-Zusendung von E. Weingarts Verlag in Erfurt. 7095 7C88] Mädchen für Küche und Haus linden Stellung, und ein älteres Mädchen sucht Stellung bei Kinder und für leichte Hausarbeit durch Frau Hütten- berger, Westaulage 15. 7109 Ein Kanarienvogel entflogen Dem Wiederbringer eine angemessene Belohnung. Marburgcrstraße 10. 3od. •mIB. 3Ä*taridi ^chasers Adam Qnn T^ritlQnn «in, Tochter des §°nnPaulAel ^penglerineistcrs löW, Tochter ,ÖR Hartmann udch Schlabach crz Lochter des Wilhelm Karl Dem Schlosser- arich Eschmann chler, Theodore irtin. 28. Dem ;9. Dem Major 5n Heuchelheim. , von Geilnau. Hetzer Christian von Langgöns. Philipp Becker, iieinrid) August, zu Bonn mid inn IostBelloff. mb Margarethe en. Aise Katharine aüne (SavoVwt ex, Wilhelmine liebe Philippine lije Marie Clise rchäsers Christian , alt 47 Jahre, eivatmanus Adols äuser 4 k .27 ob .54 ■jbrob’l.’Sorte 2j rbr-d^K 5 Mod!• SorJ' 9, «tob 2. ©ort' 21 -,brob 2.6»rtt« MdLS-rt-K , rin." rt nb M Dienstag den 6. d Mts, Vonnittags 9 Uhr, sollen im alten Rathhaussaale versteigert werden: Dtzd. 50 P> Handschuhe für Herren lunb Damen, "/, Dtzd. 50 3., seidene Shlipse und Kravatten, 3 Stück 50 Schirme von X 1,50 an. Sommerhüte, garnirt und ungarnirt, zu jedem Preise. Ein Besuch Zum billigen Laden rentirt sich schon beim geringsten Einkauf. 7108 Marktstr. 32.Marktstr. 32. ■ Sdl iS7C: 22 Centralgescb.il. 6ber 600 F1L in BeaUchl.1 -Txtie - M [N°54.] Z AcsL Praia-Courant gratis u. frco. Filiale in • 7091 Oswald Nier’s (R&nptpeschäft: BEBl-iN. Walhtr. 25) wohlbekannt ** gesunde, ; chemisch untersuchte, reine. I uigtgypstefranzös. Natur weine Giessen bei Herrn 8 Elsoffer Täglich Irisch zu haben! 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Laiserin, wie t Kau vollendete an Geburtstag bei gek m der Mitte der t len, patriotischen £ Zur Wahl neue Kundgebung breitesten Raum Ausruf aneüennt doch auch nnnmu -rangen der Rat' Heranbildung bei tzesetze, namentliij . des Spenbeirä de baten gemalt we. »all iinb gant, ein; freifinniger Partei! selben wird auch ( gewesen war, dem Zn Berli logen'Congreb, Am frühe der bayerische: morden ist. Dem vorgelegt, welches scblug StabWran Steuer nach dem1 ^ubhastalions-Orl Ausbesserung Die Verl nw am Mittwoü Urtheils sei! erfolgen. .. Dem Ver 4» Gesandten ^erzehnten - schert, daß ü( ®5nen Candivatur Vöge abhänge. L,.?"Ar-n M SS den ** nndB & * ante1J’1™ Wermicthungen. 7082 Ein einzelnes Zimmer zu ver- miethen- Lindenplatz 3. 6962 Ein kleines schönes Familien- Logis auf sofort zu vermiethen. Ferd. Drebes, Marktplatz 21. 7096 Im Russischen Hof ist ein Logis zu vermiethen.___________________________ 7078 Mehrere fein möblirte Zimmer zu vernnethen. Ederstraße 6. *6709] Möbl. Zimmer zu vermiethen. 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Die trauernden Hinterbliebenen« Die Beerdigung findet statt: Sonntag den 4. October, Nachmittags 4 Uhr vom Sterbehaus, Wallthorstrasse 6 (Darmstädter Haus). 7115 Ueber die unvergleichliche Schönheit der Lindener Sammete, welche in der ganzen Welt ihren „Deutschen Ursprung44 als Ehrentitel führen, spricht sich der von achtzehn Preisrichtern aller Stationen ausgefertigte vfficielle Philadelphiaer Preiskrönungsbericht folgendermaßen ans: „Gewebe und Appretur prachtvoll! Farben schön, dauerhaft, vortrefflich und so harmonisch glanzend, daß sie dem Stoffe das Aussehen des Seiden- sammetes verleiben. Ein vollständiger Triumph in Bezug auf Qualität und Farbe." Wir offerireu diese Lindener Sammete wie folgt: Farbige Costüm- und Besatz-' 7110 Zwei kleine freundl. Familienlogis sind an ruhige Familien zu ver-- miethen- Neustadt 23. 7113 Ein möbl. Zimmer, I. Stock, pr- sofort zu vermiethen. Ehr. 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