Nr. 2S« Dienstag den 3. November L88S 3886 ier, 7664 ihwaare«- 'tfeit werben $u leifa itim Rtämet, llerstrahe25. i, mMm Milden Knchmplatz 10. § Dienstmädchen wird (Antritt erwünscht, ngstraße 57, parterre- IkrjcijenT und Reinigen von , sowie Arbeit nach chnell, billig und bestes Ier in Giessen, j. November 1885, ittags 4 tthk ^cr-Vorßtllung. Quicken und itsmüadcben. rMri"3** Körner. lorstellung. itl und IW* ,rrn Julius Fiala, " i- 51 s.*» r^°^ch»-id-r L-f»1® wirt Publi^^.r SW Ä5-- Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. D«rea« r SchuIstr ° ß - 7. Erscheint tSglich nnt Ansnahme d°ö MontagS. Ndi-VN°n v7ers°ljihrNch ?''mw~ Amtlicher Höeil. Betreffend: Die Volkszählung im Jahre 1885. Bekanntmachung. Zur Ausführung der am 1. December l. I. stattfindenden Volkszählung ist eine größere Anzahl qualificirter Personen, welche als Zähler fungirerr sollen, nothmendig. Es werden daher solche, welche sich dein genannten Geschäfte, sei es unentgeltlich, sei es gegen Bezahlung, unterziehen wollen, aufgefordert, sich binnen 3 Tagen auf dem Bureau Grobherzoglichen Polizeiamts, Weidengasse, zu melden. Bemerkt wird, daß das Geschäft eine Dauer von 6 bis 8 Tagen haben wird. Gießen, den 30. October 1885. Der Vorsitzende der Zählungs-Commission für die Stadt Gießen. Fresenius, Polizeirath. Deutschland. ]f Darmstadt, 1. November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfing gestern Abend kurz vor 7 Uhr in den Assemblee-Zimmern des Großh. Schlosses in besonderer Audienz den königl. preuß. außerordentlichen Gesandten am badischen Hofe, Herrn v. Eisendecher, welcher bisher und zwar seit der Versetzung des Legationsrathes Slumm nach Kopenhagen interimistisch die Geschäfte der preuß. Gesandtschaft auch hier geleitet hat. Herr v. Eisendecher überreichte dem Großherzog fein Abberufungs-Schreiben und hatte darauf die Ehre, zur Großh. Hostasel gezogen zu werden, welche um 7 Uhr im Weißen Saale des Schlosses stattsand. An derselben nahmen die Spitzen der Militär- imb Civitbehörden nebst Damen, sowie die Großh. Hosstaaten Theil; im Ganzen waren 45 Gedecke aufgelegt. Der Nachfolger des Herrn v. Eisendecher, bezw. der definitive Nachfolger des Herrn Stumm als Gesandter am hiesigen Großh. Hose ist Herr Le Maistre, welcher bisher deutscher Gesandter in Rio de Janeiro war. Dem Eintreffen des Herrn Le Maistre am hiefigen Platze wird etwa im Januar entgegenzusehen sein. Darmstadt, 29. October. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 30 enthält: 1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Vorbereitung zu den Stellen des A'ifistenten und des Revioenten bei dem Oberbetriebs- Jnspector der Main-Neckar-Eisenbahn betreffend. 2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, den Locomotiv- betrieb aus der Verbindungsbahn zwischen der Actienzuckerfabrik Büdingen bei Stockheim und dem Bahnhof Stockheim betreffend. 3. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Erbauung von Nebenbahnen in der Provinz Oberheffen betreffend. Nachdem Se. Königl. Hoheit der Grobherzog zu genehmigen geruht haben, daß zur Leitung des Baues der in der Provinz Oberheffen zu erbauenden staatlichen Nebenbahnen vorübergehend eine Baubehörde mit dem Sitz in Nidda eingerichtet werde, welche die Benennung „Großherzogliche Baubehörde für Nebenbahnen" zu führen hat, so wird Vies hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht. 4. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Aussicht über das Landeszuchthaus Marienschloß betreffend. Nachdem Se. Königl. Hoheit der Großherzog mittelst Allerhöchster Entschließung vom 16. l. Mts. in cheilweiser Abänderung der Bestimmungen der Bekanntmachung vom 1. November 1884 (Regierungsblatt Nr. 31 von 1884) zu genehmigen geruht haben, daß die unmittelbare Aussicht über das Landeszuchthaus Marienschloß unter der oberen Leitung des Oberstaatsanwalts von dem Landeszuchthaus-Director geführt werden soll, so wird diese Allerhöchste Entschließung hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Berlin, 30. October. Die von der obersten Kriegsverwaltung für die Getreide- und ähnliche Lieferungen an die Truppen festgestellten Grundsätze werden jetzt in den einzelnen Corpsbezirken bekannt gemacht. Danach sind die Militärmagazin-Verwalrungen verpflichtet, bei Beschaffung ihres Jahresbedarss an Roggen, Hafer, Heu und Stroh in erster Reihe die Angebote der Hervorbringer zu berücksichtigen, wenn diese das Gewünschte in vorgeschriebener Beschaffenheit zu annehmbaren Preisen anbieten. Dabei wird gewünscht, daß die Hervorbringer unmittelbar und ohne Vermittelung von Zwischenhändlern mit den Verwaltungen in Verbindung treten. Für die Beschaffenheit des zu liefernden Getreides u. s. w. sind genaue Bestimmungen gegeben. — Zur Fürsorge der bei Eisenbahnbauten beschäftigten Arbeiter ist eine Regierungs-Verfügung erschienen, welche auch anderwärts und für die Ansammlung größerer Arbeitermassen überhaupt Beachtung verdienen dürfte. So soll den sich nur zu dem bestimmten Zweck der Beköstigung der Arbeiter niederlassenden Scher.kwirthen die Erlaubniß zur Schenkwirthschaft oder zum Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus nur ertheilt werden, wenn durch Rückfrage an ihrem früheren Aufenthaltsorte oder sonst in geeigneter Weise festgestellt ist, daß nicht Thatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, der Betreffende werde das Gewerbe zur Förderung der Löllerei mißbrauchen. Auch ist die Bedürsnißfrage einer strengen Prüfung zu unterziehen. Ferner sollen die Ar- Leiter ärztlicher Obsorge unterstellt werden. — Durch die neue Maß- und Gewichts-Ordnung ist bestimmt, baß eine Reihe eingeführter oder im Verkehre zugelaffener Maße und Meßwerkzeuge nunmehr allmälig beseitigt werden soll. Die zu beseitigenden Gegenstände sind nach der Zeit, in welcher die Beseitigung erfolgen soll, und zwar dergestalt in verschiedene Gruppen getheilt, daß für die einzelnen Gruppen Fristen bestimmt sind, an welchen die Erlaubniß zur Eichung neuer Gegenstände aushört, an welchen die im Verkehr befindlichen Gegenstände noch zur Berichtigung und Wiederholung der Eichung zuzulaffen sind, an welchen auch die Wiederholung der Eichung unzulässig ist, aber die Gegenstände, unter Voraussetzung ihrer Richtigkeit,' noch im Verkehre zu dulden sind, endlich an welchen sie überhaupt nicht mehr benutzt werden dürfen. Die Gegenstände nun, aus welche zunächst die Aufmerksamkeit zu richten ist, sind solche, welche weder zur Wiederholung der Eichung und Stempelung, also noch weniger zur ersten Eichung und Stempelung zuzulassen sind, aber bis zum 31. December 1888 unter Voraussetzung ihrer Vorschriftsmäßigkeit und Richtigkeit im Verkehre bleiben dürfen. Es find dies u. A. die eisernen Zmanzigpfund-Gewichtsstücke in Bombensorm u. s. w. Nach den neuen Vorschriften sind ferner Längenmaße fortan von 1 bis 10m in Abstufungen von je Im, von 10 bis 25m in Abstufungen von je 5m zulässig. Für größere Längen als 10m sind nur stählerne Bandmaße gestattet. Flüssigkeitsmaße können auch aus vernickeltem oder mit Nickel plattirtem Stahloder Eisenblech verfertigt fein; auch sind Maße aus Glas zulässig. Meßflaschen aus Glas von 1 Liter und 0,5 Liter Inhalt sind eichfähig. Trockenmaße können auch aus vernickeltem oder mit Nickel plattirtem Stahl- oder Eisenblech verfertigt sein. — Die bulgarische Frage geht in diesem Augenblick durch dieselben Wandlungen, durch welche die afghanische Frage bis zu ihrer Erledigung gegangen ist. Auch damals mußte man im Laufe der Woche seine Meinung verschiedene- mal wechseln, wenn man sich durch Zeitungs-Nachrichten beeinfluffen taffen ließ, und dürste heute Krieg fürchten, morgen schon wieder den Frieden als gesichert betrachten. Schließlich nach vielen und langen Beunruhigungen hat die afghanische Frage nicht zu einem Kriege geführt, daffelbe darf wohl von der bulgarischen Frage gehofft werden. Aber dieselbe schon als erledigt betrachten wollen, weck die Conferenz sich vereinigt, weil Serbien eine friedliche Note ergehen läßt — das zeugt doch von Schönseherei oder von Unkenntniß der Verhältnisse. Zunächst wird eine Einigung der Conferenz-Milglieder über die zu fassenden Be- schlüffe nicht ohne Schwierigkeit, jedenfalls nicht ohne Zeitverlust herbeizusühren sein. Wenn aber in dieser Beziehung Alles in befriedigender Weise geordnet sein wird — wann und ob überhaupt dies geschehen wird, ist vorläufig noch eine offene Frage —, dann wird es sich auch noch darum handeln, die Be- schlüffe zur Ausführung zu bringen. Auch dabei dürfte man noch auf Schwierigkeiten aller Art stoßen. Die an verschiedenen Stellen ausgesprochene Befriedigung über die Lösung der bulgarischen Frage ist demnach zur Zeit noch verfrüht. Berlin, 31. October. Der Kaiser ist mit den fürstlichen Jagdgästen Abends wohlbehalten hierher zurückgekehrt. Straßburg, 31. October. Nach Meldung der „Landes-Ztg." trifft der Statthalter hier am 5. November, Mittags, ein. Hesterreich. Wien, 31. October. Die Eröffnung der internationalen Conferenz zur Gewinnung eines einheitlichen musikalischen Normaltones ist auf den 16. November festgesetzt. Die Betheiligung des Auslandes ist sehr zahlreich. Prag, 28. October. Ter blutige Tag von Königinhof, der die böhmischen Zustände für alle Welt beleuchtet, bildet zur Zeit den Gegenstand einer aufregenden Gerichtsverhandlung in Königgrätz. Zug um Zug tritt nun das Bild der Königin- Hofer Vorgänge deutlich heraus und trotz des Versuchs der czechischen Angeklagten, ihre Schuld zu leugnen, trotz aller gefälschten Darstellungen czechischer Blätter ergibt sich aus den enthüllten Thatsachen ein überzeugender Gesammteindruck, der keines Kommentars bedarf. Die czechischen Angeklagten gehören keineswegs dem Pobel an. 4.er Bürgermeister von Königinhof, mit Warnen tocfyip, der Postmeister, einige Stadtverordnete und bezeichnenderweise der Gemeindewachmann sind mitbefchuldigt, Die Ausschreitungen gegen die deutschen Turner mitveranlaßt zu haben oder an denselben betheiligt gewesen zu sein. Fast sämmtliche czechische Angeklagte beginnen ihre Vcr- theidigung mit den Worten: „Ich fühle mich nicht schuldig" aber die folgenden Verhöre bilden eine wunderliche Beleuchtung zu diesen Uuschuldsbetheuerungen. Der Bürgermeister muß selbst zugeben, daß er sich zwei Tage vor dem Feste darum bemühte, die Versammlung der deutschen Turner in Komgmhof zu verhindern. Er überreichte der Bezirkshauptmannschaft eine Eingabe der „Severoczeska jednota“ (Nord- czechifcher Verein), daß es anläßlich dieser Feier zu Ausschreitungen kommen könnte. Auf den Vorhalt des Präsidenten, daß die Staatsgrundgesetze den Deutschen so gut rote den Czechen das Recht zu solchen Versammlungen verbürgen und daß die Eichen ebensogut die Tricolore angelegt hätten wie die Deutschen ihre schroarzrothgoldenen- Abzeichen, hat Schip keine Erwiderung. Im Augenblicke der höchsten Gefahr, als die Turner abfuhren, that Schip laut die aufreizende Aeußerung: „Herr Bezirkshauvt- mann, dafür, daß wir Sie schützen, beschimpfen L>ie uns noch!" worauf der Bezirkshauptmann erwiderte: „Das ist nicht wahr!" Auf die Bemerkung des Präsidenten, daß es Schip's Pflicht gewesen wäre, durch Wachmänner für Ruhe und Ordnung zu sorgen, daß aber thatsächlich nirgends Wachleute zu sehen waren, erwiderte der Bürgermeister, er habe sich auf seinen Stellvertreter verlassen. Auf irgend Jemanden muß ! sich Herr Schip auch verlassen haben, als er, da es dunkel wurde, die Straßcnlampen j nicht anzünden ließ — eine Unterlassung, in Folge deren das Gedränge einen un- | heimlichen Character annahm und die Ruhestörer sich mit noch größerer Sicherheit | bewegen konnten. Sehr bezeichnend ist der Umstand, daß der Postmeister Broz die ; Turner in einem der Wagen bis knapp vor die Stadt begleitete, hier aber abstieg und nach Königinhof zurückkehrte — wenige Schritte hinter der Stadt begann der furchtbare Steinhagel auf die Abfahrenden. Die schwersten Wunden hat bekanntlich der Kutscher Baudisch aus Trautenau davongetragen. Die Aussagen dieses schlichten Mannes machen einen erschütternden Eindruck. Die Beschuldigung, er habe „Ezechische Hunde!" gerufen, erklärt er für entschieden unwahr. Er sei kein Czechenfeind; erlasse seine eigenen Kinder czechisch lernen und habe zwei ezechische Frauen geheirathet. In ergreifender Weise schildert Baudisch die Scenen. Die mitfahrenden Damen seien in einer Weise beschimpft und verhöhnt worden, daß er sich schäme, die Ausdrücke zu wiederholen. Weder bei Ankunft noch bei Abfahrt der Turner sei Polizei sichtbar gewesen. Stein auf Stein traf ihn und blutüberströmt konnte er die scheuenden Pferde kaum halten. Die im Wagen Sitzenden mußten zum Schutze gegen die Steine Tücher über den Köpfen halten. Vierzehn Tage lag Baudisch, dessen Kopfwunden noch nicht vernarbt sind, zwischen Leben und Tod. Die Aerzte hatten Anfangs wenig Hoffnung auf die Erhaltung seines Lebens. Bei diesem Punkte der Aussagen lassen einige ezechische Angeklagte und einige Czechen im Saale Gelächter vernehmen. Der Präsident erhebt sich streng, zeigt einen scharfen großen Kieselstein vor, der Baudisch an den Kopf geflogen war, und sagte: „Wenn man mit einem solchen Steine am Schädel getroffen wird, so ist es ein Wunder, wenn man nicht tobt auf dem Platze bleibt." ^Bewegung.) Der Staatsanwalt hat auch einige deutsche Turner auf die Anklagebank gebracht; welcher Beweisführung er sich dabei bediente, zeigt am besten die Anklage gegen den Fabrikanten Leopold Mandl, den Sprechwart des deutschen Turnvereins in Königinhof. Mandl sagte zu einem fanatischen Czechen, der sich in den Turnsaal begab und nach kurzer Auseinandersetzung meinte, es werde schließlich Militär herbeigeholt werden müssen: „Ja, das wollen wir auch, das Militär soll mir kommen." Darauf nun, daß diese Aeußerung Mandl's, als eines bei den Czechen unbeliebten Mannes, von jenem Hetzer in die Menge hinausgetragen wurde, soll sich Mandl der öffentlichen Gewaltthätigkeit schuldig gemacht haben! Mandl wird überhaupt von allen Czechen in der Verhandlung als angeblicher Friedensstörer angefeindet. Es stellt sich aber heraus, daß Mandl's ganzes Verschulden gegen die Czechen darauf zurückzuführen ist, daß Mandl in Königinhof, wo tausend Deutsche leben und in der deutschen Umgebung für die Errichtung deutscher Schulen sorgte, daß man aber czechischerseits Mandl verfolgte, ihn mit so und so vielen gerichtlichen Klagen, die allerdings erfolglos blieben, bedrohte, und daß endlich sogar der Bürgermeister amtlich an den in Wien lebenden Vater Mandl's schrieb, der letztere möge abberufen werden, weil für seine Sicherheit nicht mehr gebürgt werden könne. Arankreich. Paris, 30. October. Der Mann, der aus Freycinet's Wagen geschossen hat, wurde noch gestern Abend in das Gesängniß des Justizpalastes gebracht. Im heutigen Verhör beharrte er bei der Weigerung jeder Andeutung über seine Person und Vergangenheit und erklärte, er werde nur vor seinem Vertheidiger Aussagen machen. Hier glaubt man, Der Verhaftete leide an einer fixen Idee. Diesen Nachmittag um 3 Uhr war der Verhaftete noch im Verhör bei dem Untersuchungsrichter. Die Sicherheits-Polizei glaubt, sie werde in Kurzem über die Person des Verhafteten Näheres herausbringen. Freycinet erhielt Glückwünsche wegen seiner Rettung von allen auswärtigen Regierungen. Der erste Diplomat, der gestern Freycinet beglückwünschte, war der Geschäftsträger der deutschen Botschaft, Freiherr v. Rotenhan. — Laut dem „Temps" hat die Pforte die Erklärung, ste betrachte das Einrücken serbischer Truppen in Bulgarien als Kriegsfall, mit Zustimmung und selbst aus Rath der Mächte abgegeben. — Der französische General-Consul Patrimonic, der in Zanzibar einge- troffen, hat Auftrag, mit den Vertretern Deutschlands und Englands bei der Grenzbestimmung des Staates des Sultans mitzuwirken. Paris, 31. October. Die mit der Untersuchung des Attentäters gegen Freycinet beauftragten Aerzte halten denselben für geisteszerrüttet. — „Voltaire- glaubt, das Occupations-CorpS in Tongking werde bis auf 12,000 Mann rebucirt und dürfte mit einem Corps von 32,000 anamiti- fchen Rekruten genügen, die Ruhe des Deltas, des Rothen Flusses und Munnans zu sichern. Die französischen Streitkräfte auf Madagaskar würden nur an den für den Handel wichtigen Punkten concentrirt, so besonders in Tamatave, Ma- junka und Diego Suarez. — Freycinet empfing eine Armenier-Deputation, welche bat, daß, falls die Conserenz den Rahmen ihrer Berathungen erweitere, die Großmächte die Wünsche Armeniens in Betracht ziehen möchten. Freycinet bekundete Sympathien für Armenien, fügte jedoch hinzu, er glaube nicht, daß die Mächte geneigt wären, über die rumelische Frage hinauszugehen. — Dem „Temps" zufolge fällt im Budget für 1887 das extraordinäre Budget fast gänzlich fort — Der Urheber des Attentats gegen Freycinet wählte den intranstgenten Deputirten Laguerre, bisher einen völlig unbekannten Advocaten, zum Rechtsbeistand. Stafien. Rom, 31. October. In der Provinz Palermo erkrankten an der Cholera 31 und starben 21 Personen, davon in der Stadt 17 resp. 13, in der Provinz Trapari erkrankten 5 Personen. Spanien. Madrid, 31. October. Der Admiral Topete ist gestorben, Bulgarien. Sofia, 31. October. Die bulgarische Regierung dementirt die Nachrichten der serbischen Regierung über die Haltung der bulgarischen Behörden und Truppen an der Grenze. Türkei. Konstantinopel, 31. October. Der Minister des Aeußern, Said Pascha, ist zum Vertreter der Pforte aus der Conserenz ernannt worden. Aegypten. Kairo, 31. October. Heute Vormittag empfing der Khedive im Abdin Palaste Sir Henry Drummond Wolff. Nachdem letzterer sein Beglaubigungsschreiben verlesen hatte, antwortete der Khedive, alle zwischen England und seinem erhabenen Souveränen vereinbarten Maßnahmen wurden seine wärmste Unterstützung finden. Nach der Audienz besuchte der Khedive Sir Henry Drummond Wolff. MMrMmMaiwwwrTWijMwr’waMJo« । gwmtpr»—a—rirai,m ■—■iwuifi iiimi—!■ imwi ■> Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr, Korrespondenz-BttLea«. Paris, 1. November. Das „Journal officicll" veröffentlicht ein Decret, durch welches die Kammern auf den 10. November ein berufen werden. — Die Königin von Dänemark hat heute Morgen die Rückreise nach Kopenhagen angetreten. — Der Mann, welcher das Attentat auf den Minister Freycinet verübte, ist ein Corse Namens Mariotti; derselbe gibt als Grund des Attentats an, er sei im Jahre 1880 bei den Arbeiten für den Panama - Canal beschäftigt gewesen; dort sei seine Tochter durch einen Agenten der Compagnie entehrt worden und in Folge erlittener Gewaltthätigkeiten gestorben. Er sei deßhalb verzweifelt nach Frankreich zurückgekehrt, habe hier aber vergebens gerichtliche Hilfe verlangt. In Folge dessen habe er durch einen Gewaltstreich die Aufmerksamkeit auf sich lenken, aber den Minister Freycinet nicht tobten wollen; er habe deßhalb den Revolver nur gegen den Boden und nicht gegen den Minister gerichtet abgefeuert. Die Richtigkeit der von Mariotti in Bezug auf seine Tochter gemachten Angaben ist von der Panama - Canal - Gesellschaft bestätigt worden. Wie verlautet, beabsichtigt Freycinet, die Freilassung Mariotti's in Rücksicht auf das Schicksal seiner Tochter zu beantragen. — Die Münz - Conferenz einigte sich gestern über alle Fragen mit Ausnahme der Bedingungen für die eventuelle Wiederaufnahme der freien Prägung von Silbcr- Thalern. Die Delegirten der Schweiz und Italiens beantragen von Neuem, die Meinung der betreffenden Negierungen einzuholen. Die Conferenz wird morgen wiederum zusammentreten. — Der deutsche Botschafter, Graf Münster, ist mit seiner Tochter gestern Abend hier eingetroffen. Petersburg, 1. November. Das „Journal de St. Petersbourg" sagt: „Angesichts der seltsamen Polemik zwischen Sofia und Belgrad sei cs von Dringlichkeit, daß die autorisirte Stimme Europas sich vor dem Ausbruche eines blutigen Conflictes vernehmen lasse, der ein Schimpf für die Menschheit sein würde und dessen Urheber sich gegenseitig die Verantwortlichkeit zuschieben würden, ohne in der Lage zu sein, die Folgen allein zu tragen. Das Journal tritt der Meinung des „Pesther Lloyd" bei, welcher die Conferenz beschwört, sich ohne Verzug an die Arbeit zu machen; die Wiederherstellung des statne quo sei um so nothwendiger, als Fürst Alexander sein Versprechen nicht gehalten habe und durch seine Handlungen bezwecke, die Union definitiv zu machen, indem er den Bevölkerungen den wahren Zustand der Dinge verberge und das Land terrorifire. — Dem „Grashdanin" zufolge wird der Minister des Innern, Tolstoy, die Leitung des Ministeriums erst in dieser Woche wieder übernehmen. Sein Aussehen erscheint rüstiger und gesunder als seither. Moskau, 1. November. In dem bei dem hiesigen Bezirksgerichte am 29. October begonnenen und gestern beendeten Processe gegen das Ehepaar Nadeshdin,, welches wegen gewinnsüchtiger Brandstiftung an dem Hause Chotkewitz am 23. März d. I., wobei 22 Menschen um's Leben kamen, angeklagt war, haben die Geschworenen Nadeshdin für schuldig erkannt, während sie die Frau freisprachen. Nadeshdin wurde sodann zu 12jährigcr Zwangsarbeit verurtheilt. Nisch, 1. November. Der neuernannte türkische Gesandte Tin Bey trifft heute hier ein, um sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Kalkutta, 1. November. Die erste Abtheilung des für Birma bestimmten englischen Expeditionscorps ist heute nach Rangun abgegangen. Athen, 1. November. Vei der Bcrathung der in Beantwortung der Botschaft von der Kammer an den König zu richtenden Adresse erklärte Ministerpräsident Delyannis, daß die Regierung die hellenischen Interessen mit allen Kräften wahren werde, über die Absichten der Regierung habe sich die Botschaft des Königs zur Genüge ausgesprochen. — Die Creditforderung für die Marine beträgt 12 Millionen. Lokales. *** Gießen, 1. November. Heute trat unser Concertverein sein 94. Vereinsjahr an mit dem ersten Abonnements-Concert, welches, wie alljährlich, reiche Betheiligung von Seiten des Publikums fand. Bei solch' großem Auditorium fehlte es natürlich auch nicht an Wärme, mit welcher die concertirenben Künstler ausgenommen wurden, erstens war die Wärme des Saales geradezu fürchterlich und die des Beifalls nicht minder! Excuse — wir wollten sagen: recht rege und meistens auch wohlverdient. Das Trio „Schrattenholz" ist uns schon vorher reichlich gerühmt worden und mag es wohl unseren etwas hochgespannten Erwartungen zuzuschreiben sein, wenn nicht Alles Gold war, was glänzte. Soviel aber steht fest, der kleine Leo sprach auf dem Cello in wundersamen Worten zu uns, fein Spiel war so vollendet, so edel und groß, daß sich mancher Künstler hinter ihm verstecken muß. Diese Reinheit der Töne, diese Seele im Vortrage, diese kräftige und sichere Bogenführung, alles konnte nur die reinste Bewunderung erwecken. Wir hätten ihm wieder und immer wieder zuhören mögen; der kleine liebenswürdige Knabe erreichte vor unseren Augen eine Niesengröße, indem sein Instrument die schönste Herzenssprache redete. Daß natürlich der ältere Ernst als Violinist einen schweren Stand dem Brüderchen gegenüber hatte, unterliegt keinem Zweifel und wenn er sich auch im Triospiel anständig zu behaupten wußte, so ist ihm doch nur der kleinere Antheil am Gelingen zuzuschreiben, da er als Wunderkind wohl einen ersten Rang beanspruchen darf, als Künstler jedoch noch nicht ganz reif ist, was besonders im Vortrage Tartinns G-moll Sonate zu erkennen war. Der Vater der beiden jungen Helden, Herr Musikdirector Max Schrattenholz, führte sich besonders als geistvoller Interpret von Joh. Brahms ein, dessen H-moll Ryapsodie er mit ausgezeichneter Virtuosität zu Gehör brachte. Bei den beiden Trios zeigte er sich als wackerer Leiter und gediegener Ensemblespieler. Fräulein Hedwig von Rechenberg, eine jugendliche angenehme Erscheinung, verfügt über herrliches Stimmmaterial, verbunden mit leidlicher Schulung, welcher jedoch noch manche Feinheit abgeht. Das Franz'sche Lied: „O danke nicht für diese Lieder" hätte ihr etwas mehr vom Herzen kommen können; denn daß die junge Dame Innigkeit besitzt, hat sie in Liszt's „Es muß ein Wunderland sein" bewiesen und wenn sie in Dessau.er's spanischem Liede: „Nach Sevilla" vielfaches Entzücken hervorrief, so stand sie doch erst in „Meine Liebe ist grün" von Brahms auf der ganzen Höhe ihrer Kunst, da sich ihre liebliche aber kleine Sopranstimme hier ganz entfalten konnte. Im Allgemeinen hat das Concert einen wirklich schönen Eindruck gemacht, der gewiß vielen unserer Musikfreunde lange im Gedächtniß bleiben wird. —a— Vermischtes. Lang-Göns, 1. November. Für die Hinterbliebenen der mit S- M- Cor- vette „Augusta" untergegangenen Besatzung gingen bei der Sammelstelle hiesiger Post- agentur die Summe von 28 Mark ein. Hiervon entfallen auf die von dem Präsidenten hiesigen Kriegeroereins Herrn Kiefer vorgenommene Sammlung 18 Mk. 50 Pf., während der Nest mit 9 Mk- 50 Pf. direct bei der Postagentur einging. Dank den edlen Gebern! Darmstadt, 30. October. sPostpersonalnachrichten.j Angestellt ist der Post- assistent Altvater in Darmstadt als Bureauassistent. Versetzt sind: der Ober-Post- fecretair Gundel von Schlettstadt nach Mainz, sowie die Postsecretaire Beck von Bielefeld nach Mainz und Kokel von Mainz nach Wonns. Darmstadt, 30. Dctober. Die behufs Ausbeutung des mächtigen bei Messel vorhandenen Kohlenschieferlagers erbaute große Parafinölfabrik wird in aller Kürze betriebsfähig sein. — Ein Frankfurter Jäger verletzte am Sonntag bei Messel einen Mann durch einen kräftigen Schrotschuß ziemlich erheblich, während ein Hund auf der Stelle tobt blieb. (Tagbl.) ®es bauten des mGießen, W em uni tennin auf Tonnabe« . , Vorn, dem Garni anberaumt. Qualificirt W mit de u iie A brr «äs niiflt mddK11^ ßjn ""ypn ?1 Obaier- Z ' Berlin, $or einigen *id)i£ten.Pe fidj in W.1^, u Polizelsolda Gensdarmen iiertoW ibcitungen- i« wm.wH«’’” 5S» zanze Anzahl d BzeUesteht. einer Sanste um leute und (M schwarze MIÄ richten müffen, liebe PolizeiberM Vergeben und U Vorgesetzten, cm sehr entgegen un ihre Küche zur Ehcinni wurde und am kürzlich die beibi absichtlich abidu Das hiesige Lar klagten der vors 2. Elasse des A urtheilt. Da Arbeiterabtheiü seiner Entlassn zu werden. - lieb cinnaMolksb Telegraphen-^ beiressende Bi der self-made- bärtigen Post lebendsten 3t deutscher her1 rooHenbtr (Ffit imuerbiiWid) ausgesuchteren Redner, der si r 2 H , tt's «Ä i 7895 [,d)t cin Decret x irer/ durch I teiteiit 'm ton [«Sä« 7m-'.'1 L rS: nach tt- I rt JÄM zurück- 7ei,b=-te «SB 5S" mit fai*t yQ9ung von Silber- ö°n Neuem die I *'»! wirb morsen ; gestern Abeub '^bourg" sagt: > « m Dringlichkeit, c$ blunaen ConflicteL I \unc. ^sten Urheber I a iu die -s »Pesther Lloyd" bei I die § Fürst Alerander sein wecke, die Union befinv mb der Dinge verberge I 5 Innern, Tolstoy, die men. Sein Aussehen en Bezirksgerichte om > >as Ehepaar Nadeshdin, chotkemih am 23. Mr, haben die Geschworenen hen. Nadeshdin wurde ile Tin Bey trifft heule. für Bima bestimmlen 11 ifmorhmg der BoW 11 lärte Mmisterprasidenl ; allen Straften wahren t -es Wmgs zur fr I Ionen. nein sein 94. 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Ein Arbeiter stürzte beim Oestnen der Thür am Ofen der dortigen Portland-Cementfabrik in die Gluth. Der Aermste ward von der furchtbaren Gluth nicht nur augenblicklich getödtet, sondern so vollständig aufgezehrt, daß nach kurzer Zeit auch nicht ein Atom mehr von ihm zu sehen war. — Ein Amerikaner hat sich der höchst nützlichen Arbeit unterzogen, das Gewicht der Stubenfliegen festzustellen. Er hat gefunden, daß 48000Stück auf IPfundgehen. Wer's nicht glaubt, muß schon die Probe anstellen! — fDer Altbayer im Hoftheater.j Logendiener: „Wünschen Sie ein Glas?" Altbaier: „A Moaß!" Berlin, 28. October. Eine Nachricht aus Westafrika ist gestern hier von dem vor einigen Monaten wegen der Organisirung einer Polizeimacht im Kamerun-Gebiet abgeschickten Sergeant Biehlccke vom Franz-Negiment eingetroffen. Derselbe befindet stch in Bajeida im Togo-Gebiet in Westafrika und wird dort verwandt, um Schwarze zu Polizeisoldaten nach dem Vorbilde unserer militärisch geschulten Schutzleute und Gensdarmcn auszubilden. Der Brief enthält, wie die „Voss. Ztg." schreibt, sowohl über die Einzelheiten des Dienstes als auch über die ganze dortige Lebensweise Mit- Iheilungen. Zusammen mit dem Genannten sind noch zwei andere Unteroffiziere, einer vom Kaiser Franz-Negiment und einer vom zweiten Garde-Regiment, zu gleichem Zwecke nach Kamerun gegangen. Die kleine Expedition war vortrefflich ausgerüstet und hatte verschiedene Militär-Seitengewehre, Karabiner und 20,000 Patronen von hier mitgenommen. Mit diesen Waffen sind nun dort drüben die zum Polizeidienst auserwählten Schivarzen ausgerüstet und einexercirt worden und jetzt versehen schon eine ganze Anzahl der Eingebornen den Sicherheitsdienst, der meist in Feld- und Flurpolizei besteht. Sergeant Biehlecke sind 4 schwarze Diener untergeordnet, die ihn in einer Sänfte umhertragen müssen, wobei er die Controle über die schwarzen Schutzleute und Geusdarmeu ausübt! Seiner ganz speciellen Aufsicht sind drei schwere schwarze politische Verbrecher, die beim dortigen Vicekönig Bell Zwangsarbeiten verrichten müssen, unterstellt worden. Täglich muß Biehlecke, ganz wie bei uns, „amtliche Polizeiberichte" über alle Vorkommnisse, Unglücksfälle, Arretirungen, Verbrechen, Vergehen und Uebertretungen abfassen und bei unserem Consul Schmidt, seinem nächsten Vorgesetzten, einreichen. Die Kaufleute der Kameruner Colonien kommen Herrn B. sehr entgegen und haben ihm, da man Restaurants dort noch nicht hat, bereitwillig ihre Küche zur Verfügung gestellt. Chemnitz. Ein Dienstknecht, der im Juni d. I. zum Militär ausgehoben wurde und am 7. November in Leipzig beim 107. Regiment eintreten sollte, hatte sich kürzlich die beiden vorderen Glieder des rechten Zeigefingers durch eine Häckselmaschine absichtlich abschneiden lassen, um sich auf diese Weise der Dienstpflicht zu entziehen. Das hiesige Landgericht hat neulich in dieser Angelegenheit verhandelt und den Angeklagten der vorsätzlichen Selbstverstümmelung für schuldig befunden, denselben in die 2. Classe des Militärstandes versetzt und außerdem zu einem Jahre Gefängniß ver- nrtheilt. Da der Verurtheilte nach dem Urtheil des Sachverständigen für die Arbciterabtheilung im Militärdienst immer noch verwendbar ist, so wird derselbe nach seiner Entlassung aus dem Gefängnisse überdies noch daran glauben müssen, Soldat zu werden. — Ueber den Minister Stephan macht der Berliner Correspondent des „Cin- cinnati-Volksblattes" seiner Zeitung in einem Berichte gelegentlich der internationalen Telegraphen-Conferenz einige sehr interessante Mittheilungen. Stephan, schreibt der betreffende Berichterstatter, ist in Deutschland ein sehr populärer Mann; er ist einer der self-made-men Deutschlands, der es vom armen, blutarmen, aus Pommern gebürtigen Postsecretär bis zum Chef feines Departements und gleichzeitig zur ange- sehendsten Stellung innerhalb feines Berufskreifes in der Welt gebracht hat. Als Ver- deutscher der Sprache, als Feind unuöthiger Fremdwörter, als energischer und wohlwollender Ches, der zuerst ein Novum im deutschen Beamtenverkehr einführte, die unverbrüchlich und eifersüchtig durchgeführte Verordnung, daß das Publikum mit der ausgesuchtesten Höflichkeit zu behandeln sei, ein launiger Dichter, ein vielgewandter Redner, der sich mit den Gelehrten herumbalgt, ein passionirtcr Jäger, ein Mann, der durchaus nicht zugeknöpft, Jedem zugänglich ist und das Talent fördert, wo er es findet, der Einzige unter den Ministern, der bei Bismarck ein Stein im Brett hat, weil er es wagt, ihm manchmal entgegenzutreten, und gleichzeitig der Einzige, der von ihm nicht entbehrt werden kann, weil es keinen Ersatz giebt — so steht er dem Herzen des Volkes nahe. Wien, l. November. In Folge außerordentlich starken Schneefalls und furchtbaren Sturmwindes sind die telegraphischen Verbindungen von Lemberg unterbrochen. Auf der Czernowitzer Bahn mußte der Verkehr eingestellt werden. (F. Z.) Universität^- Cbronik. — Am verflossenen Samstag feierte Geh. Rath Prof. Dr. H. L. Fleischer, der bekannte Orientalist, in Alt-Schönefeld bei Leipzig sein 50jähriges Professoren- Jubiläum und zwar unter allgemeiner Theilnahme der gelehrten und städtischen Körperschaften. Nicht weniger als 117 Orientalisten aus allen Welttheilen brachten eine von Prof. Schilling in Dresden entworfene Büste und ein Album mit den Bildern feiner zahlreichen Schüler dar. Der 85jührige Jubilar gedenkt im Winter wieder Vorlesungen zu halten. — Die beiden Aegyptologen der Universität Berlin, die Professoren B rüg sch und Erman, sind verhindert, in diesem Semester Vorlesungen zu halten. Professor Brugsch ist damit beschäftigt, die Ergebnisse seiner persischen Expedition zu ordnen und zu bearbeiten, und Prof. Erman wird im Auftrage des Ministeriums eine wissenschaft- liche Reise unternehmen. — Prof. Dr. Studern und, welcher von Straßburg nach Breslau berufen ist, ist vom Kaiser durch Verleihung des Hohenzollern'fchen Hainsordens ausgezeichnet worden. — An Studemund's Stelle wird Hofrath Prof. Dr. Windelband zum Mitgliede des Oberschulrathes von Elsaß-Lothringen ernannt werden. — An Stelle des nach Marburg berufenen Prof. Niese ist der außerordentliche Professor zu Leipzig Dr. E. Meyer zum ordentlichen Professor für alte Geschichte in Breslau ernannt worden. — Der Privatdocent für Augenheilkunde, Dr. A. R. von Reuß, der Privat- docent für praktische Medicin, Dr. L. Oser und der Privatdocent für Otiatrik, Dr. V. Urbanschisch in Wien find zu außerordentlichen Professoren daselbst ernannt worden. Oanbei unv Werkehr. Grünberg, 31. October. (Fruchtpresse.) Weizen X 16.60, Korn X 14 00, Gerste X 13.30, Hafer X 12.50, Erbsen X 14.70, Linsen X 00.00, Lein X 00.00, Samen X 19 00, Kartoffeln X 0.00, Wicken 00.00. Frankfurt, 31. October. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter X 3.50—4.50, Eier das Hundert X 6 50—8.00, Butter per Pfund X 1.00 bis 1.20, Weißkraut per Stück 10—00 H, Rothkraut per Stück 15—25 H, Kohlrabi per Stück 3—00 H, Ochsenfleisch per Pfund 60—70 H, Kub- u. Rindfleisch 50—60 X Kalbfleisch 50—60 X Schweinefleisch 70—75 H, Hammelfltisch 50—65 H, 1 Hahn X 0.70—1.50, 1 Huhn X 1.00—2.00, 1 Ente X 2.00—3.50, 1 Gans X 4.00—8.00, 1 Taube 40-60 H, Welsche X 5-00—12.00. Kirchliche Anzeigen der evsnget. Gemeinde. Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibel stunde in der Kleinkinderschule, Joh. Kap. 17, von Vers 1 an, Pfarrer Dr. Naumann. Kepertoir der vereinigten Ätadttheater zu Frankfurt a. M. Opernhaus. Dienstag den 3. November: A'i'da. (Radamcs: Herr Oberländer vom Hoftheater in Carlsruhe als Gast.) Mittwoch den 4. Woocmber: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Barbier von Sevilla. Hierauf: Coppelia (Ballet). Außer Abonnement. Donnerstag den 5. November: Postillon von Longumean. Freitag den 6. November geschlossen. Samstag den 7. November: Margarethe. (Faust: Herr Oberländer als Gast.) Sonntag den 8. November: Mignon. (Wilhelm Meister: Herr Nachbauer als Gast.) Schauspielhaus. Dienstag den 3. November: Veilchenfresser. Mittwoch den 4. November: Letztes Gastspiel der Frau Marie Geistinger. Die Fledermaus. (Rosalinde: Frau Geistinger.) Donnerstag den 5. November geschlossen. Freitag den 6. November: Zum ersten Male: Frau 'Susanne. Schauspiel in 4 Akten von Paul Lindau und Hugo Lubliner. Samstag den 7. November: Reif-Reiflingen. Vorher: Ein Wort an den Minister. Sonntag den 8. November: Zum ersten Male wiederholt: Frau Susanne. Bekanntmachung. ! Zur Vergebung der Ausführung der . Glaserarbeiten zu den Nebenbauten des Infanterie - Kasernements | in Gießen, veranschlagt yxJt. 818,05 ist ein unbeschränkter Submissionstermin auf Sonnabend den 7. November, Vormittags 9 Vs Uhr, in dem Garnison-Verwaltungs-Bureau anberaumt. Qualificirte Unternehmer werden hierzu mit dem Bemerken eingeladen, daß die betreffenden Bedingungen, Kostenanschläge und Offerten-Formu- lare in dem bezeichneten Bureau zur Einsichtnahme aufliegen. 7883 Güßen, den 31. October 1885. Großherzogl. Garnison-Verwaltung. Dienstag den 3. November, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Hofraithe des Herrn Louis Flett dahier verschiedene Mobiliargegen- : stände, als: Schränke, Kommode, Tische, Stühle, Sopha's 2c-, sodann 1 Wagen, 1 Clavier zwangsweise gegen Baarzahlung versteigert. Gießen, den 2. November 1885. Bühner, 7902 Gerichtsvollzieher. Dienstag den 3. d. Mts, Nachmittags 2 Uhr, in der Flett'schen Hofraitbe dahier, sollen 2 Betten, 1 Wagen, 1 Hundewägelchen gegen Baarzahlung versteigert werden. Gießen, den 31. October 1885. Engel, 7895 Gerichtsvollzieher. Allgemeiner Anzeiger. Buntstickerei, wie: Pantoffel, Hirsen, Eckbrett- chexi, Papierstickerei etc. in den geschmackvollsten Dessins, empfiehlt 7893 __/'/•■ Teipel. Zur Nachricht! Einem verehrlichen Publikum zur Nachricht, daß ich nur Bier aub der hiesigen Aetienbrauerei, prima Qualität, verzapfe und zwar Exportbier per Schoppen 15 3/io Liter 10 Lagerbier per Schoppen 12 Äug. Albold, 7787 Restauration „Zum kühlen Grund". Täglich frische Treber sud- und zuberweise. 7901 Gebr. Röhrle. «Haus. In Gießen ein ..... Haus mit Garten und Hofraum zu kaufen gesucht. Angebote befördert die Expedition dieses Blattes. 7881 Vorziigl. Speisekartoffeln Samenkartoffeln, pr. 100 Ko. «X. 4,50, späte Nofenkartoffeln, pro 100 Kilo 3 Jt., liefert frei in's Haus das Rittergut N o r d e ck. Bestellungen nimmt jederzeit der Milchkutscher Am end Darmstädter Haus, entgegen. 7875 Sauerkerrutfast in großer Auswahl, werden billigst abgegeben bei 7189 Carl Heil, Schloßgasse. Mittwoch den 4. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Flett'schen Hofraihe dahier Kleiderschränke, Kommoden, 1 Nähmaschine, 1 Secretär, Sopha's, 1 Glasschrank, 1 Wanduhr, Tische, 1 Regulator, 1 Bettlade und sonstiges Mobiliar, sowie ein Rind meistbietend versteigert werden. Gießen, den 2. November 1885. Geißler, 7899 Gerichtsvollzieher. Mittwoch den 4. d. M., von 10 Uhr Vormittags ab, sollen in der Baumschule des Ritterguts Nord eck 500 Mstbüume öffentlich meistbietend versteigert werden 7876 F. Pfeffer. Seilgeöolencs. Sanerkrautfäffer in allen Größen empfiehlt billigst 7900 Heinrich Becker, Löwengasse *^8. FiMziier unübcrrrefflich, cntzünvet sofort ohne Anwenvung von Papier oder Holz jeoes Brennmaterial. Zu haben bei 7523 Emil Pi stör. 7903 Ein gutes Pianino preiswürdig zu verkaufen. I. 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Entrve 30 Pf. Ich habe mich in FrOIihatlSCU als practisoher Mrzt niedergelassen. Dr. Ostertag, bisher Assistenzarzt an der medicinischen Universitäts- Klinik zu Marburg. Fronhausen, den 1. November 1885. 7879 Stein’s Garten. Hierdurch zur gefälligen Nachricht, daß ich für tägliche Wirth schäft zwei Zimmer eingerichtet habe und halte ich hierbei ein seines Glas Gießener Aetienbier ä 12 im Zapf. Verschiedene Spiele stehen zur Verfügung; desgleichen mehrere Zeitungen. Achtungsvoll 7746 " CL Stein. Wohnungs-Veränderung. Mein Laden nebst Wohnung befindet sich von heute an 7415 Seltersweg 30* .Halte mich in Zinngießerei, sowie selbstangefertigten Schirmen bestens empfohlen. Achtungsvoll Johannes ZufalL Reparaturen sowie das Ueberziehen der Schirme wird sofort angefertigt. Todes - Anzeige. Gestern Morgen 8 Uhr verschied nach längerem Leiden unser innigstgeliebter Gatte und Vater Hemrich ftam was wir tiefbetrübt mit der Bitte um stille Theilnahme anzeigen. Gießen, den 1. November 1885. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag 3 Uhr von der Klinik aus statt. 7878 Gießen. Unser verstorbener Kamerad Nain wird Dienstag Nachmittag 3 Uhr von der Klinik aus beerdigt. Versammlung der Vereinsmitglieder (siehe § 13 der Statuten): 2J/2 Uhr bei Kamerad Weber, Liebigstraße. 7891 Vereinsabzeichen sind anzulegen. Der Vorstand. Frsiw. Gail'sche Feuerwehr. Die Beerdigung des Kameraden H. Rain findet Dienstag Nachmittag 3 Uhr statt und versammelt sich das Corps 2y2 Uhr an der Klinik. (In Uniform.) 17894 ] Der Vorstand. Zum Krautschneiden empfiehlt sich 7630 I. Balser, Brandgaffe 4. 7806] Mathematirnnterrickst—ertheilt * ein stud. matU. Wer? sagt die Exp. d. Bl. 7887 Eine gelb-grau-weitze Katze entlaufen. Dem Wiederbringer eine Belohnung. Seltersweg 4. 7868 Ein tüchtiger Schlosser gesucht. Carl Stohr I. Msenkranlcheitm (auch Bettn., Stein rc.), Geschlechts- kr., Schwäche, Impotenz, Frauen- kraukh. rc-, selbst in den verzm. Fällen, heilt sicher in kurzer Zeit. — Prosp. gratis. — F. C. Bauer, Specialarzt, Basel- Binningen !.Schweiz). 7880 cJ “E -Kr tu H SB a • 6? 3 Die Nr. 5 enthält: Unser Neffe. Erzählung von L. F. Born. (Fortsetzung. > — Karl Spitzweg. Mit Porträt und Bild: Der Kaktusfreund. Gemalt von Karl Spitzweg. — Durch die vulkanische Eifel. Von Ferdinand Hey'l. Mit 9 Illustrationen. — Berlin-Ostende mit zehntägigem Netourbillet- (Fortsetzung.) Von Hans Arnold- — Am Familientisch: Die Thränr. — Gesundheitsrath. — Eine Kleinkinderausstellung. Mit einer illustrirten Beilage: Zum Gedächtniß der Tobten. — Umschau in fernen Landen. Silvana. Siehe Neue Musik-Zeitung IV. Quartal. Preis bei der nächst. Postanstall, Buch- Qy | o. Musikalienhandlung nur 962 Ankauf von Lumpen, Knochen Eisen, Messing, Werg, Akten, Geschäftsbüchern rc. zum Einstampfen. Neuenweg 22. Krautschneiden wird besorgt. e 7527 Bleichstraße 12. Neustadt 15. 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Nidda 625, 930, 335 g,6. * bedeutet Schnellzug. Die fetten Ziffern die Nachtstunden. Nedaction: A. Schepda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ebr. Dletsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthält 1 Blatt und 1 Beilage. Die bei m Hardthof Mges engl. B aber vom Dabei' eom feinsten C Rio ft gelbe1 rother ■ gut in jeder 2 Nn. g. ■Qualität, w-iß- 8 7760 Sonnen- strasse 25 (paffi vWen Preis, l NN Silbersti °n Leinenst Handt xAi iu ber w »enbur «eörih, Nnen ist auf besonn »em schnell h, NcheiNc *d)eit fV. Sonnenstraße 2S. «f a Ins I™*&ihF Sonnenstraße 28. empfiehlt für die Mrntersaifon 7730 L L Lindenplatz Lindenplatz Gewerbestand. jg> 9d|Q Papier- und Schreibmaterialien Handlung, 128 . 7760 7129 In Fäßchen von 25 Liter an per Liter JL 1.05. in', Stwölbk, ÖtreS Problems: „Gesunde tr” jii hTtrn. Zhre An- schwächliche Kinder kommt ihr gleich. Stets frisch, stetö gleich- m toensmnke 7 mehrfach bewährt gegen Feuer u. 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