Nr. 15 L Freitag den 3. Juli 1885 Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. eri^ntgritaa*nttot Amtlicher HHeil. • Betreffend: Die Benutzung der Hunde als Zugthiere. Polizei-Verordnung für den Kreis Gießen. Mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 27. Mai 1885 und unter Zustimmung des KreisauSschusseS wird hierdurch der § 5, Absatz 1 der Polizeiverordnung für den Kreis Gießen vom 19. December 1883 dahin abgeändert, daß ein Hundefuhrwerk nebst Ladung höchstens 100 Kilo und wenn es mit mehr als einem Hunde bespannt ist, höchstens 150 Kilo wiegen darf. Gießen, den 30. Mai 1885. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. _____________________________________________________Dr. Boekmann.__________________________________________ Nr. 25 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 29. Juni, enthält: (Nr. 1619.) Vertrag zwischen Deutschland und Belgien, betreffend die Bestrafung der auf den beiderseitigen Gebieten begangenen Forst-, Feld-, Fischerei- und Jagdfrevel. Vom 29. April 1865. Gießen, am 1. Juli 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. Berichtigung. Im Reichs-Gesetzblatt für 1885, Nr. 17, Seite 112, Zelle 5 von unten ist hinter dem Worte „Maaren" einzuschalten: „sowie der unbedruckten und bedruckten Tuch- und Zeugwaaren der Tarifpositionen 41 d 5 und 6". Politische Uebersicht. Gießen, 2. Juli. Der Bundesrath hat in einer seiner letzten Ausschuß-Sitzungen eine Entscheidung getroffen, welcher man namentlich in Holland und Belgien mit Spannung entgegensah. Es handelte sich um die Vergebung der subventionirten Dampferlinien an den Norddeutschen Lloyd und bildete die Frage, an welchem holländischen oder belgischen Hafen die betr. Dampfer anlegen sollen, einen Hauptpunkt der Verhandlungen. Es konnten hierbei nur drei Häfen in Betracht kommen: Für Belgien Antwerpen, für Holland Rotterdam oder Messingen und alle drei Städte hatten Deputationen nach Berlin entsendet, um für sich die Entscheidung herbeizuführen. Man konnte maßgebenden Orts in Berlin die holländischen Delegirten und ihre Collegen aus Antwerpen indeffen nur aus den Bundesrath vertrösten und derselbe hat sich bei seinen Berathungen allerdings weniger durch die Rücksicht aus die Wünsche der betr. Hafenstädte, als vielmehr durch die Frage leiten lassen, welche von den drei concurrirenden Städten am meisten den Bedingungen zum Anlegen der subventionirten Dampfer entspräche. Die Wahl der Bundesraths-Ausschüsse ist nun auf Messingen gefallen, allerdings erst nach langen und eingehenden Verhandlungen. Messingen liegt in der niederländischen Provinz Zeelano, an der Mündung der Westerschelde und hat großartige Hafenanlagen, die auch den größten Seeschiffen den Zugang bis direct an die Stadt gestatten. Dieselbe zählt ca. 15,000 Einwohner und ist ihre Zukunft als Handelshafen ersten Ranges durch den Umstand, daß sie nunmehr zum Anlegehasen für die deutschen subventionirten Dampfer erwählt worden ist, gesichert. An der Zustimmung des Plenums des Bundesrathes zu der von den Ausschüssen getroffenen Wahl Messingens ist nicht zu zweifeln. In Frankfurt a. M. hat am Montag die gerichtliche Verhandlung über eine Frevelthat begonnen, die weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Aussehen und Entsetzen erregte und welche noch jetzt die Gemüther in Spannung hält: Der Proceß wegen Ermordung des Polizeiraths Dr. Rumpfs in Franksurl a. M. Die nochmalige Darlegung der sensationellen Umstände, unter welchen diese That erfolgte, würde uns an dieser Stelle zu weit führen und verweisen wir auf die eingehende Berichterstattung an anderer Stelle d. Bltts. Die Czechen haben in diesen Tagen wieder einmal ein Pröbchen von dem Fanatismus, mit dem sie Allem, was deutsch heißt, entgegentreten, gegeben. In Brünn, wo die deutsche Fahne trotz aller czechischen Bemühungen noch immer hoch gehalten wird, wurde am vergangenen Sonntag das Jubiläum des Brünner Männer-GesangvereinS gefeiert, welches sich durch die überaus zahlreiche Theilnahme sowohl deutsch-österreichischer Gesangvereine, als auch von Vereinen aus dem „Reiche" zu einer glänzenden deutsch-nationalen Kundgebung gestaltete. Czechischerseits versuchte man nun, dieselbe zu stören, indem Trupps von czechischen Studenten und Kaufleuten, Hetzlieder gegen die Deutschen singend, durch die festlich decorirten Straßen zogen und den Blumenschmuck und die Fahnen von den Häusern herabzureißen begannen. In Folge dessen kam es zwischen Deutschen und Czechen zu regelrechten Prügelscenen und wurden von der Polizei mehrere Excedenten von beiden Seiten verhaftet. Seitens der städtischen Polizei war auch Militär requirirt worden, doch kam dasselbe nicht zur Verwendung, da sich die Menge bereits von selbst zerstreut hatte. Zwischen den Cabineten von Paris und Bukarest ist eine nicht unbedenkliche Spannung entstanden, deren Ursachen auf handelspolitischem Gebiete liegen. Die rumänische Regierung will den mit Frankreich abgeschlossenen Handelsvertrag nicht verlängern, da inzwischen bekanntlich in Frankrvich die Einsudrzölle auf Vieh und Getreide beträchtlich erhöht worden sind und diese Maßregel empfindet man besonders schmerzlich in Rumänien, von wo jährlich für 20 Mill. Frcs. Getreide nach Frankreich exportirt wird. Die rumänische Regierung hat daher Repressalien gegen Frankreich in AuSficht genommen, während der französische Gesandte in Bukarest, Ordega, von seiner Regierung beauftragt worden ist, im Falle, daß das Bukarester Cabinet aus seinen Beschlüssen betreffs Nichterneuerung des jetzigen Handelsvertrages mit Frankreich beharren sollte, die Anwendung des französisch-türkischen Vertrages vom Jahre | 1861 zu verlangen. Eine Mittheilung der officiösen „Bukar. Ztg." besagt nun, daß allen Drohungen Frankreichs zum Trotz Rumänien vom 1. Juli ab den autonomen Tarif in Kraft treten lassen werde, und damit französische Erzeugnisse nicht auf Umwegen eingesührt werden, müssen alle vom Auslande kommenden Maaren mit behördlich beglaubigten Ursprungs-Zeugnissen versehen sein. Somit wäre der Zollkrieg zwischen Frankreich und Rumänien regelrecht eröffnet. — Die Nachricht des „Jntranfigeant", daß Olivier Pain, der als Betrach des Mahdi geltende französische Renegat, ermordet worden sei, und zwar wahrschein- üch auf englische Veranlassung, begegnet in Paris selbst Zweifeln und wird man demnach erst bestimmtere Mitteilungen hierüber abzuwarten haben. Das neue englische Tory-Ministerium dürste sich nunmehr mit der Ernennung Lord Bury's zum Unterstaatssecretär des Krieges und Webster's zum Attorney-General (Generalfiscal, Kronanwalt) vollständig con- solidirt haben. Es beeilt sich, nunmehr auch nach Außen festen Boden unter seine Füße zu bekommen und gedenkt offenbar, zunächst mit Frankreich wieder ein intimeres Verhältniß anzubahnen und hat Lord Salisbury selber dem französischen Botschafter in London, Mr. Waddington, sehr freundschaftliche Erklärungen gegeben, aus denen erhellt, daß er gewillt ist, die schwebenden Fragen in Übereinstimmung mit Frankreich zum Abschluß zu dringen. Bezüglich Egyptens scheint das Cabinet Salisbury gesonnen zu sein, wieder eine thatkräfligere Politik zu entfalten. Dongola soll wieder besetzt werden, was auch für die Sicherheit Ober-Egyptenö unbedingt nothwendig ist und womit für die Engländer wiederum eine sichere Basis geschaffen wäre, von welcher aus sie rasch gegen den Sudan vorgehen könnten. Die nordamerikanische Bundesregierung hat sich eine empfindliche Lection zugezogen. Für die erledigten amerikanischen Gesandtschaftsposten in Rom und Wien hatte sie beide Male Mr. Kelley präfentirt, aber dort wie hier ist Mr. Kelley zurückgewiesen worden, und zwar weil Mr. Kelley seine ultramontanen Neigungen in einer Weise zur Schau trägt, wie es ein Diplomat nun einmal nicht thun soll. Dem Washingtoner Cabinet bleibt natürlich nichts anderes übrig, als die erfahrene doppelte Zurückweisung ruhig einzustecken. Darmstadt, 30. Juni. Schluß des Inhalts Großh. Regierungsblattes Nr. 20, betr. den Bau und Betrieb von Nebenbahnen. § 21. Aus Beschädigungen und Abnutzungen der Nebenbahn, welche durch den gewöhnlichen Straßenverkehr entstehen, aus dem Zustande der Straßen und deren Kunstbauten, aus den hieraus entstehenden Einwirkungen auf die Unterhaltung und den Betrieb der Eisenbahn, aus Störungen oder Unterbrechungen des Bahnbetriebs in Ortsdurchfahrten, welche durch polizeiliche Maßregeln oder durch andere, im öffentlichen Dienst angeordnete Maßnahmen vorübergehend verursacht werden, endlich aus Hindernissen, welche durch die freie Benutzung der öffentlichen Straßen entstehen, können von dem Eisenbahn-Unternehmer Entschä- gungS-Ansprüche irgend welcher Art nicht hergeleitet werden, wie auch nicht aus Beschädigungen durch höhere Gewalt, Windfall von Bäumen, Rutschungen 2c. § 22. Für Beschädigungen und Demolirungen der Bahn, Wegschaffung von Betriebsmaterialien rc. im Kriege, mögen solche vom Feinde ausgehen, oder im Interesse der LanoeSvertheidigung veranlaßt werden, kann der Eisenbahn- Unternehmer einen Ersatz aus der Staatskasse nicht in Anspruch nehmen, unbeschadet jedoch der betr. Bestimmung des Reichsgesetzes vom 13. Juni 1873 über dw Kriegsleistungen und der dieserhalb künftig etwa ergehenden reichS- und landesrechtlichen Bestimmungen. § 23. Die Anstellung der leitenden Betriebsbeamten — Oberbeamten — bedarf Unserer Bestätigung. Diejenigen Beamten und Bediensteten der Bahn, welchen bahnpolizeiliche Verrichtungen übertragen sind (§ 47 der Bahnordnung für Deutsche Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung), sowie die Locomotivsührer bedürfen der in den §§ 36 und 49 der genannten Bahnordnung vorgeschriebenen Befähigungs- Nachweise, welche vor dem Beginn ihrer Thätigkeit Unserem Ministerium der Finanzen vorzulegen find und wonach die eidliche Verpflichtung dieser Beamten und Bediensteten angeordnet wird. Weber. (L. S.) gez. Wilhelm. ver- «rtheilt haben! drei- doch III MUPVII i Die Aufregung des Publikums ist eine ungeheure. (Sö werden Ritte laut, wie. ütl mit ttorl * Formen vertreten. Bad Enis, den 29. Juni 1885. zoglichen Siegels. Darmstadt, den 13. Juni 1885. Ludwig. welcher wie folgt lautet: Hauptfrage 1t Ob der Angeklagte der vorsätzlichen, in Gemeinschaft mit einem oder anderen ausgeführten Ermordung des Polizeiraths Numpff schuldig sei, wird mit mehr als 7 Stimmen bejaht. Hauptfrage 2: (Affaire Hockenheim) wird gleichfalls mit mehr alS 7 Stimmen bejaht. Hieraus wird der Angeklagte hereingeführt und ihm der Wahrspruch verlesen. Licske hört die Verlesung schweigend an. dann aber schreit er, wiederholt mit den Füßen stampsend: ,J» stehe für einen Mörder hier. Wie können Sie mich zum Tode verurtheilen. Nicht ein eiuriger Beweis ist beigebracht. Bringen Julius KesKe vor dem Frankfurter Schwurgericht. (Originalbericht des „Gießener Anzeiger".) Frankfurt a. M., 1. Juli. Die Verhandlung gegen Julius Lieske, den Mörder Rumpff's, entbehrte in der gestrigen Nachmittagssitzung, über deren Verlauf ich Ihnen bereits berichtet habe, jenes spannenden Interesses, das ihr bisher inncgewobnt hatte. Die Beweisaufnahme wurde geschlossen und alsdann einige anarchistische Prachtartikelchen aus dem tAbttt X4* Als LieSke in den Wagen gehoben wird, ruft er noch mit schallender Stimme in die herbeigestromtc Menschenmenge: „Werft Bomben, sie haben mein Leben genommen!" , , , ,, ., . Punkt 4 Uhr ging diese denkwürdige Verhandlung zu Ende, auf welche ich tn Kürze nochmals zurücttommen werde. . Frechheit'. Hinaus mit dem Kerl! ..... . ., . . lieske wird rasch abgeführr, wobei er die Hande zusammenklatscht und, ein maliges höhnisches „Ha, ha, ha!" ausstoßend, ruft: .Der Rnmpff ist In Vertretung des Statthalters: der Staatssecretär gez. v. Hofmann. An den Staatssecretär in Elsaß-Lothringen. Nom, 1. Juli. In der Kammer wiederholte Depretis die gestern von der „Gazetta ufficiale" über die Ministerkrisis veröffentlichten Mittheilungen unb füßte hinzu: Die gegenwärtigen Minister blieben beii liberalen Principien mit bcn bisherigen Mitteln, bereit sie sich bisher bei ber Negierung bedient haben, treu unb hofften durch ihre Hanblungen bas Vertrauen ber Kammer zu verbienen. Auf eine Anfrage über bie Lösung ber Ministerkrise nnb die weiteren Absichten der Regierung, hauptsächlich in der Eolonialpolitik, erklärte Depretis, die Lösung der Ministerkrise sei durchaus correct erfolgt, indem der Minister die Politik Mancini's verthcibigte und erklärte, zukünftig werde man nach Umständen mit äußerster Vorsicht vorgehen. Sein Alter bürge dafür, daß er sich nicht in gewagte Unternehmungen einlassen werde; wenn man gegen ihn stimme, würde er wissen, was er zu thun habe. — Nachdem dieser Zwischenfall erledigt war, wurde die Kammer ohne einen bestimmten Termin vertagt. Sie mir Beweise!* Der Staatsanwalt erhebt sich unb beantragt bie Todesstrafe, für bas Hockenheimer Verbrechen aber 10 Jahre Zuchthaus unb dauernden Ehrverlust. Rach kurzer Beratbung verkünbigt ber Gerichtshof bem Anträge bezüglich der Tobesstrafe entsprechenb, minbert bie Zuchthausstrafe aber auf 4 Jahre unb ben Ehrverlust auf bie Dauer von 10 Jahren herab. Der Präftbcnt fragt sobann Lieske, ob er noch etwas zu erroibeni habe. Lieske schweigt einige Secunden unb ruft bann: „Ich stehe hier . ." stockt bann unb schreit überlaut, wieberum mit bem Fuße auf- stampsenb: .Wehe Euch! Eure Bluturtheile werden Euch überleben und Eure «amen an de« Schandpfahl angeschlagen werden!* Ter Gefangenwärter reißt ihn heftig zurück, derPrästbent ruft: „Na, na, mir nicht so gewaltsam!" Lieske roeiibet sich zum Staatsanwalt unb ruft: .Und Sie, Herr Staatsanwalt, werden mich nicht überlebe«! Ich bin der Letzte, den Sie zum Tode Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau. Berlin, L Juli. Der „Norbd. Allg. Ztg." zufolge nahm ber Justizausschuß des Bunbesraths in seiner heutigen Sitzung ben Antrag, betreffeub bie braunschweigische Angelegenheit, einstimmig an. Wie weiter verlautet, ist ber Ausschußbericht auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung des Bundesraths gesetzt worden. — Die Neu - Guinea - Gesellschaft hat mit dem Eoutreabmiral a. D. Werner Verhanblungen wegen Uebernahme bes Postens als Lanbeshauptmann bes Kaiser Wilhelmslanb unb bes Bismarck-Archipels gepflogen. Dieselben sinb nunmehr abgeschlossen unb wirb Eoutreabmiral Werner im Herbst diese Stellung antreten. I Köln, 1. Juli. Der „Köln. Volksztg." geht eine Mittheilung des Erzbischofs Paulus Melchers aus dem Orte seines Exils zu, daß er in Folge einer Aufforderung des Papstes noch im Laufe dieser Woche sich nach Rom begeben werde. Braunschweig, 1. Juli. Der Landtag ist heute bis auf Weiteres vertagt worben. Der Staatsminister Graf Görtz-Wrisberg verlas ben Schriftwechsel mit bem Herzog von Cambridge, welcher Ansprüche auf bie Regentschaft, Vormuubschaft unb event. auf bie Succession erhebt........ Das „Braunschweiger Tageblatt" theilt über bie geheime Sitzung bes Lanbtags weiter mit, es habe sich darum gehandelt, die Stellung des Landtags zu dem bekannteil preußischen Anträge im Bundesrathe festzustellen und ferner die Ansicht der Versammlung bezüglich des Verhaltens Braunschweigs bei der Abstimmung im Bunbesrath^zu hören. In letzterer Beziehung habe ber Lanbtag dem Regentschaftsrathe vollstänbig freie Hanb gegeben. Staatsminister Graf Görtz-Wrisberg habe barauf eine Anzahl Aktenstücke verlesen, welche viel neues Material zur Begrünbung bes preußischen Antrages enthalten haben sollen. In glänzenber Weise soll ber Minister unter lebhaftem Beifall ber Versammlung bas Ministerium unb ben Regentschaftsrath gegen bie bekannten Angriffe ber Welfen gerechtfertigt haben. Rachbem ein Mitglieb ber Versammlung einige Bebenken gegen ben Commissionsantrag erhoben hatte, verlas Graf Görtz-Wrisberg ein Aktenstück, besten Inhalt eine überaus große Wirkung auf bie Abgeorbneten ausgeübt haben soll. Das Resultat war, baß ber Lanbtag einstimmig den Antrag ber staatsrechtlichen Commission annahm, bahin gehenb, baß ber braunschweigische Lanbtag sich mit bem preußischen Antrag an ben Bunbesrath vollstänbig einverftanben erklärte. Straßburg i. E., 1. Juli. Die „Lanbeszeitung" veröffentlicht folgenben Allerhöchsten Erlaß, betreffeub bie interimistische Weiterführung ber Geschäfte bes Statthalters in Elsaß-Lothringen: t ™ t Auf Ihren Bericht vom 27. Juni b. I. bestimme Ich hinsichtlich ber Behano- lung der Geschäfte, welche dem verstorbenen Generalfeldmarschall Frhrn. v. Manteuffel als Meinem Statthalter in Elsaß-Lothringen übertragen waren, bis zur Wiederbesetzung dieses Postens das Folgende: 1) In den durch Meine Verordnung betreffend die Uebertragung landesherrlicher Befugnisse auf den Statthalter in Elsaß-Lothringen vom 23. Juli 1879 bezeichneten Angelegenheiten ist, so oft eine landesherrliche Verordnung ober Verfügung nothwenbig wird, an Mich zu berichten unb Meine Entschließung einzuholen. 2) Das Gleiche hat zu geschehen bei Abordnung von Commissaren in den Bundesrath auf Grund des $ 7 des Gesetzes betreffend die Verfassung und die Verwaltung Elsaß-Lothringens vom 4. Juli 1879. 3) In allen sonstigen Befugnissen unb Obliegenheiten wird der Statthalter durch den Staatssecretär und im Falle ber Verhinderung des Staats- secretärs durch ben zu besten Vertretung berufenen Unterstaatsfecretär, in ben bisher für ben Fall ber Verhinbenmg des Statthalters gebräuchlichen § 24. Der Unternehmer einer Nebenbahn ist verpflichtet, Geleiseverbindungen mit gewerblichen Anlagen, Steinbrüchen, Bergwerks-Anlagen, Holzlagerplätzen, Torsstichen, Waldungen rc. zu gestatten, falls die BetriebS'Verhältmffe dies zulaffen. Können der Eisenbahn-Unternehmer uno der Anschlußsuchende stch über die Ausführung der Geleiseverbindung nicht einigen, so entscheidet Unser Ministerium der Finanzen. Solche Anschlußgeleise stnd aus Kosten der Besttzer der gewerblichen Anlagen rc. so herzustellen und zu unterhalten, daß für die Nebenbahn keine Betriebs- Schwierigkeiten entstehen. § 25. Es bleibt überall vorbehalten, neue, von emer concesfronirten Nebenbahnlinie abzweigende Bahnen, sowie Verlängerung der ursprünglichen Lmie zu concesfloniren oder aus Staatskosten zu bauen. Soweit durch solche Kreuzungen und Anschlüffe Aenderungen an der bereits hergest-llten Nebenbahn nöthig werden, stnd dieselben aus Kosten des Unternehmers der neuen Anlage herzustellen. Der Eisenbahn-Unternehmer kann aus der Ertheilung anderer Concessto- nen für neue, etwa concurrirende Linien keinerlei Entschädigungs-Ansprüche herleiten. r , Dem Unternehmer einer Anschlußbahn bleibt die Mitbenutzung der bereits vorhandenen Nebenbahnen ganz oder theilweise gegen zu vereinbarende eventuell von Unserem Ministerien der Finanzen festzusetzende Fracht- oder Bahngelder vorbehalten. , „ „ „ m § 26. Der Eisenbahn-Unternehmer hat die Staatskaffe gegen alle Ansprüche, welche Dritte wegen Beschädigungen durch den Bau oder Betrieb der Bahn gegen den Staat erheben, zu vertreten und schadlos zu halten. Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Großher- Schandblatt Most's verlesen, deren Inhalt sich in den Punkten, die ich noch nicht in meinem gestrigen Bericht mitgetheilt, ber Wiebergabe entzieht. Jedenfalls werben wir burck derartige Artikel belehrt, mit wie sreunblichen Augen unsere ganze moderne Gesellschaftsordnung von jenen anarchistischen Umstürzlern angesehen wirb. Ein kalter, eisiger Hauch wehte uns an bei ber Verlesung bieser Artikel, in beneu Meuchclmorb unb andere todeswürdige Verbrechen gepredigt, geplant, vorbereitet wurden. Sehr werthvoll und anerkennenswcrth war eine Bemerkung, welche der Vorsitzende bei dieser Gelegenheit den Geschworenen gegenüber machte. Er hielt für feine Pflicht, die Geschworenen darauf aufinerksam zu machen, daß man nicht, Social- bemofraten unb Anarchisten verwechseln dürfe. Bekanntlich wird diese selbstverständliche Unterscheidung von anderer Seite oft unterlassen unb man findet es unter Umständen sehr bequem, beide in einem Topf zu werfen. Recht interessant waren die Aufklärimgeii, die Hei-r Erirninalcommissarius Hacke über die Organisation anarchistischer Arbeitervereine in der Schweiz gab, in deren geheime Sitzungen er sich vermummt gewagt hat und bei deren einem auch Lieske Mitglied war. Ganz zum Schluß tauchte dann noch ein edles Paar jugendlicher Stromer auf, bereu einer bem anbern unter bem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut haben soll, er selbst unb nicht Lieske habe ben Polizeirath Rumpfs ermorbet. Als diese beiden neuen Zeugen, Trautsch und Voll, nun aber heute Morgen leibhaftig vor dem Gerichtshöfe erscheinen, da schwindet auch dem sensationsbedürftigsten Zuhörer jede Hoffnung, daß durch diese beiden Basserinann'fchen Figuren dem Prozeß eine ganz neue Wendung gegeben werden konnte. Voll ist ein ehrbarer Optiker, der, wahrscheinlich um seinem Namen Ehre zu machen, nur dem Trunk etwas ergeben zu sein scheint und sich alsdann recht renommiftild), zu benehmen liebt. So hat er dem jungen zwanzigjährigen Trautsch mitgetheilt, er sei der Thater^ wobei ihm Traittscki bei Gott schwören mußte, darüber reinen Mund zu halten. Den Schwur hat er so tapfer gehalten, daß die beiden Jünglinge heute vereint vor Gericht stehen und als so ungefährlich betrachtet werden, daß Der Gerichtshof sofort ihre Vereidigung beschließt. Das Hauptinteresse concentrirte sich in der heutigen Verhandlung natürlich auf die Plaidoyers des Staatsanwalts und des Vettheidigers. Herr Staatsanwalt Dr. Fr eh fee entwickelte in sehr klarer unb lichtvoller, wenn auch etwas troefeuer Weise bas erbrücfenbe Beweismaterial, währenb ber Vertheidiger, Herr Dr. Fester, sehr geschickt seine Motivirung in einige kleine Lücken bes Jnbicien-Beweises cinsetzte unb bas Hauptgewicht barauf legte, baß bie That unmöglich von einem einzigen Menschen vollführt worben sei unb baß gcrabe ber Verkehr mit etwaigen Mttthätern dem Angeklagten absolut nicht nachgewiesen werben könne. Währenb bes Plaidoyers des Staatsanwalts wendet Lieske kein Auge von bem Letzteren. Sein scharfer, böser Blick ist unverwandt auf den ofientlichen Ankläger gerichtet, während Lieske später der glänzenden Rede seines Vertheidigers ganz theil- nahmslos zuhört, als interessire ihn die Procedur der Mohrenwäsche nicht im Geringsten. Freilich kann sick) auch der unbefangene Zuschauer nicht völlig der Ansicht des Vertheidigers anschließen, der zum Schluß seines Plaidoyers den jungen 22jährigen Menschen so harmlos als nur möglich hinzustellen sucht. Dieser verschlagene, tückische Blick erzählt nichts von jener Gemüthlichkeit, die ein Zeuge bem Lieske naebgerubmt i hatte. Harmlos ist Lieske nicht, ob er nun wirklich der Mörder ist, oder ob er nun an der Stelle steht, an der vielleicht ein ganz Anderer stehen sollte. Ehe ber Staats anwalt zur Replik kam, trat eine halbstündige Pause ein, so daß bie Verhanblung erst um 1 Uhr roieber aufgenommen wird. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung erklärt der Vorsitzende, daß der Gerichtshof die Fragestellung an die Geschworenen geändert habe. Die beiden fragen, bie benselben vorgelegt werben, lauten bemnach: 1) Ist ber Angeklagte Julius Lieske schuldig, am 13. Januar 1885 allein ober in Gemeinschaft mit einer ober mehreren anderen Personen (bat ursprünglich gefehlt) ben Polizeirath Dr. Rumpff vorsätzlich getöbtet unb bie Töbtung mit lleberlegung ausgeführt zu haben? > 2) Ist ber Angeklagte Julius Lieske schulbig, am 19. Januar 1885 zu Hockenheim ben Ensckluß, einen Menschen vorsätzlich (hat ursprünglich gefehlt) zu tobten, burch Hanblungen, welche ben Anfang ber Ausführungen bieses unooUenbeten Verbrechens enthalten, betätigt zu haben? Der Vertheibigcr beantragt bie Eventualfragen: 1) Ist ber Angeklagte Julius Lieske schulbig, zur Begehung des Frage 1 er- | wähnten Verbrechens den Thätern ober bem Thäter burck) Rath unb That wissentlich Beihilfe geleistet zu haben? 1 2) Ist ber Angeklagre Julins Lieske schulbig, von bem Vorhaben, eine solche That zu begehen, zu einer Zeit, als ihre Verhütung möglich war, Kenitt- niß erhalten zu haben, ohne hiervon ben Behörben ober ber bebrohten Person rechtzeitig Anzeige gemacht zu haben? Der Staatsanwalt proteftirt nur gegen letztere Frage, weil sie ein vollständig | für sich allein stehendes Verbrechen involvire. Der Gerichtshof acceptirt bie Fragen. Nach einigen Bemerkungen bes Herrn Staatsanwalts, sowie kurze Entgegnung des Herrn Vertheibigers, nimmt Lieske zu einer kurzen Bemerkung das Wort. „Ich bin", sagt er sehr ruhig unb ernst, „am 13. Januar Mittags von hier weggegangen. Don bem Morb habe ich nichts erfahren. Ich bin an demselben ganz unschuldig. I Daß ich die Orte, wo ich übernachtete, nicht mehr weiß, meine Herren, ist doch erklär- I lich, ich kenne sie nicht und habe sie auch nicht ausgeschrieben." Präsident: Haben Sie noch etwas zu bemerken? Lieske: Nein. Der Herr Gerichtspräsident Dir. Leykaufs belehrt nunmehr die Geschworenen I über die Frage und die Consequenzen ihrer Beantwortung, worauf sich die Geschworenen I 2i/, Uhr zur Berathung zurückziehen. Ilm 4 Uhr erscheinen die Geschworenen wieder und der Obmann verkündet ihren Wahrspruch, Universität- Chronik. — Professor Dr. Semisch zu Berlin wird zu Ostern k. I. sein fünfzigjähriges Doccnten - Jiibiläimi feiern. Derselbe steht noch in voller Manneskraft unb ferne Vorlesungen üben eine starke Anziehungskraft aus; gleichwohl will em umlaufendes Gerücht wissen, Professor Semifch gedenke nach der Feier fernes ^ubrlaums in den Ruhestand Stürzinger, Privatdoccnt für romanische Philologie an der Universität Bonn, ein geborener schweizer, hat einen Ruf an das Bryn. A awry Coll.m Philadelphia erhalten und angenommen. Sturzmger rft der erste deutsche Romarnst, der als Professor nach Amerika geht. , , cm * — Professor Schweningerj gibt eine Sammlung älterer und neuerer Werke heraus, die in der medicinischen Buchhandlung von Th. sicher in Berlin (Dorotheen- ft>6c)ln ^Ärl°"d und Cambridge haben der deutschen Kaiserin ein Eremvlar der rcvidirten Bibel durch den Caplan der englischen Kirche ui Lttn Archibald Wh ite , Überreifen lassen. Die Bibel trägt salzende Jnschris.: Dieses Cremplar der ersten Ausgabe der reoidirten englischen Bearbeitung der heiligen Bibe wurde der deutschen Kaiserin von den Universitäten Oxford und Cambridge überreicht A. D. MDCCCLXXXV." Die Kaiserin hat den Gebern der B»el m einem aus Baden-Baden vom 13. Juni datirtcn Schreiben ihren Dank für das werthoollc («elchcn^abgest°N-t ; 3(uf ben ,cl<.gravhischen Gruß an Se Mas. den Kaiser Seitens i>e - am »origen Sonntag in Atarburg. versammelt gewe enen Marburger, Gi Heuer und Göttinger Professaren erfolgte rrn Allerhöchsten Auflage d-e Antwort dast das Telegramm Allerhachstdemselben hohe Freude bereite habe und er den versammelten Universitätslehrern besten Tank für diese Ovation dreier deutscher Hoch- schulen aussprecke. Lokale-. G. Giesten, 2. Juli. lSterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich während der Woche vom 21. bis 27. Juni auf 9 und Hw ar wurden 2 Minder und 7 Erwachsene betroffen. Beide Kinder starben m noch zartem Alter an allaemeiner Abzehrung. Von den Erwachsenen starb je eine Person an Lungenschwino- sucht, Lungenentzündung, Schlagsluß, Gehirnerweichung, Altersschwache Em Mann erlag ben Folgen der Verletzungen, die er im Bergwerke durch einen Herabsturzenden Stein erlitten und in einem Falle fonnte eine bestimmte Todesursache nicht naher an- gegeben werden.__ __ Vermischte-. Alsfeld Bei dem Gewitter, was sich am Freitag Nachmittag über unserer Gegend entlud, beschädigte der Blitz einen Gartenzaun in der Hohft indem er einige hatten abriß und sie in einer Unmasse von Splittern weit über das Gelände verbreitete. Jii unserem benachbarten Eifa setzte der Blitz zuerst em an der Giebelwand einer Scheuer etwas heraushängendes Gebund Stroh in Brand, nahm dann feinen Lauf m den daranstoßenden Stall und erschlug drei Stück Großvieh. Das Feuer konnte gluck- licherw^uvch recht,estigigeloMst werdMmittag 4 J?g ci„ ^ftigeS ©eroitter, welches uns außer einem wolkenbruchartigen Regen auch einen heftigen Hagelfchlag brachte, über die Stadt und Umgegend. Viele Straßen wurden wieder unter Wasser gefetzt. Ob der Hagel auch auf ben Feldern Schaden verübt hat, konnte zur Zelt bei Absendung dieser Correfpondenz noch nicht conftatirt werden. Hanau, 27. Juni. Gestern entlud sich gegen halb 4 Uhr em schweres Gewitter über unserer Stadt und nächster Umgebung. In der Villa des Herrn Walz brannte kurz nach einem Blitzschläge die Gasleitung über der Kuchenthur, An dicstr Stelle lauten einige Telephondrähte über das Gasrohr und vermuthet man, daß der Blitz außerhalb des Hauses in die Telephonleitung einschlug, das Gasrohr durchschmolz und das Gas entzündete. Ein Glück war es, daß die Gartner sich vor dem Wetter gerade in den Hausflur geflüchtet hatten und den Brand gleich gewahrten. Dieselben warfen einen nassen Lumpen auf das Feuer, stellten den Haupthahn ab und verhüteten so weiteres Unglück. — Während des Gewitters waren vier Heubauern mit ihren leeren Geschirren von Frankfurt kommend auf dem Heimwege begriffen: dieselben fuhren, wie gewöhnlich, dicht hintereinander. Als der zweite Wagen, dem Bauer Diez von Rohrbach gehörig, eben die Kreuzung der Frankfurter Chausse und der Kastanieii- allee passirte, fuhr ein Blitz nieder, durchschnitt an beiden Pferden die sogen. Auf- fTtthnltf». warf die Pferde rechts und links zu Boden und zertrümmerte den ganzen Wagen. Ter Manu selbst fiel vom Wagen herunter und kam wunderbarer Weise mit dem Schrecken davon. Durch rasch herbeigeeilte Leute von Kesselstadt gelang es, das eine Pferd sofort auf die Beine zu bringen, das zweite wurde aber erst nachdem Herr Kreisthierarzt Collmann erschienen war, wieder soweit hergestellt, daß es unter beständigem Zittern seinen Weg fortsetzen konnte. Hoffentlich werden sich beide Thiere wieder erholen, damit der Fuhrmann, welcher sehr arm sein soll, keinen größeren Schaden erleidet. An dem dritten Geschirr wurden ebenfalls die Aufenthalte der Pferde wie mit einem Messer durchschnitten und die Thiere rechts und links an den Wagen geworfen, jedoch ohne weiteren schaden zu nehmen. (Sin 10—15 Zentimeter im Durchmesser großes Loch auf der Chaussee zeigte die Stelle, wo schließlich der Blitz in die Erde schlug. — Ein dritter Schlag fuhr in schräger Richtung vom linksmainischen Ufer aus in die Dechert'sche Schwimmanstalt, durchriß die mitten in derselben angebrachte dicke Kette und fuhr in einen diesseitigen Ponton, löste dort alle an demselben befindlichen Ciientheile ab und machte denselben dadurch leck. Sofort begann dieser Thcil der Anstalt zu sinken. Mil großer Anstrengung gelang es schließlich, dieselbe wieder zu heben unb ben schabhaft gewordenen Ponton durch einen großen Kahn zu unterstützen, so daß jetzt jede Gefahr wieder beseitigt ist. Das Gewitter war von Hagel begleitet, jedoch haben die Hasclnußgroßen Eisstücke keinen großen Schaden verursacht. — Einer Meldung aus Kopenhagen zufolge hat sich der Socialdemokrat v. Vollmar am 15. Juni mit Fräulein Julia Kjölberg aus Stockholm civil trauen lassen. Die Dame soll mehrfache Millionärin sein. Eingesandt. Wir machen die Freunde des Thier schütz Vereins, sowie die Polizeibehörde auf bie Steinfuhren aufmerksam, die jetzt täglich nach dem Bauplatz der neuen Kaserne am Trieb angefahren werden. Wir sahen gestern, wie große, mit den ' schwersten Steinen beladene Wagen ohne das, bei aufsteigender Höhe nöthige Vorspann, nur von zwei, ja sogar nur von einem keuchenden und ermatte- den Pferde gezogen wurden. Wir meinen, hier Hütte der Thierschutzverem eine ebenso naheliegende wie segensreiche Pflicht zu erfüllen, indem er solche Thierquülereien wer hüten hilft. Ein Mitglied des Thierfchutzvereius. Literarische-. — T. U. Z. Diesen geheimnißvollen Titel führt eine, in der ersten Juli- nummer der seit Januar in Berlin erscheinenden, echt volksthümlichen Zeitschrift ^Was Ihr wollt!" beginnende hochinteressante Geschichte „aus den Papieren eines alten (Sriminal beamten", die, wie wir verrathen dürfen, die intimsten Pfade des Verbrechens enthüllt. Das Mannscript derselben, das der Oeffentlichkeit aus Rücksichten besonderer Natur vorenthalten werden sollte, gelangte durch Zufall aus einem Nachlaß in bie Hände der Verlagshandlung, die es nunmehr zu publiciren sich entschlossen hat. Da das Vierteljahrsabonnement auf das genannte Blatt (bei allen Buchhandlungen und Postanstalten) nur 1 JL beträgt, so dürfte die Lectüre dieser Enthüllungen Jedermann zugänglich sein. „Was Ihr wollt!" gehört übrigens schon heute durch die Vorzüglichkeit seines Inhaltes zu den meist gelesenen Blättern, obwohl es erst auf ein Halbjahr des Erscheinens zurückblickt._________ SchiffSn ach richt en. Bremen, 29. Juni. [$er transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Elbe Capt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. Juni von Bremen und am 18. Juni von Southampton abgegangen war, ist am 27. Juni, 3 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen. — Ein Künstler-Concert eigener Art findet nächsten Sonntag in Pöschels Bierhalle statt. Die ungarische Zigeuner-Capelle Urban Cuszon, welche in Frankfurt, Hanau und Soden Concerte giebt, wird am obigen Sonntage hier ein einmaliges National- Concert mit Gesang und Tanz geben. Es ist dies die einzige ungarische Capelle, welche Damen Gesang und Tanz in ihrem Programm aufgenommen hat, und somit läßt sich daS genannte Concert als außerordentlicher Kunstgenuß empfehlen, möge daher Niemand versäumen, da die Truppe nur dieses Eine Concert geben kann. Temperatur der Lahn und der Lust nach Reaumur gemessen am 2. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 15Va°, Luft im Schatten 15°. L. Chr. fR übfamen, Turn- und Schwimmlehrer. Oimhesßslhe Eisenbahnen. Freitag -en 3. Juli, Nachmittags 3 Uhr, soll ein der Oberhessischen Eisenbahn gehöriges Grasstück im Riegelpfade dahier, 2030 qm groß, für das laufende Jahr an Ort und Stelle meistbietend verpachtet werden. Gießen, den 1- Juli 1885. Der Eifenbahnbaumeister. 4865__________ Stegmayer._____ Bekanntmachung. Der Landwirth Konrad miiUer XX. von Langr GöuS ist als Verschwender entmündigt und als Curator desselben Heinrich Brückel II. bestellt worden- Die Gläubiger des Konrad Müller XX. werden aufgefordert, ihre Forderungen zum Zweck gerichtlicher Vermögens - Regulirung binnen 14 Tagen am Amtsgericht Gießen einzureichen. Gießen, den 17. Juni 1885. Großh. Amtsgericht Gießen- __________Müller. 4622 Heule den 3. Juli 1885, Mittags 2 Uhr, Fortsetzung der Versteigerung im W. Seibert'schen Local. Es kommen hierbei neben Klein- eisenwaaren auch 2 große Hängelampen, 1 gutes Bett, Comptoirpult, Werkzeugkasten, Laubsägeholz zum Ausgebot. F. Hoffmann, 4889 Conkursverwalter. Allgemeiner Anzeiger. Feinsten Himbeersaft aus Gebirgsfrüchten bereitet, offerirt in Vi und * i/2 Flaschen, sowie auch ausgewogen billigst die Drogerie von Otto Schaar, 4661 Seltersweg 39. 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