188» Mittwoch den 2. September Nr. 203 Erscheint «ft M Monise». Gießen, am 25. August 1885. Unter Folgende: Gießen, am 31. August 1885. Zum Sedantage 1885. ESSEN (.nächst dem Kreuz j 75,|biä Ä ---Dotf. SreH vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit «ri Durch die Poft de-oyen vierteljährlich 2 Marl Montra^ - . ’ . V^jb__8ürfermeift'r wie ttlt von ,von Photographien ■ An und Greife. i><», jMMfitag. Wasche wird billig w, n unb gebügtlk. Hm lslnitgarlcheu 2u, 1 fr. ,e ^n5(igen. Setreffenb- Die Ausführung des Gesetzes über den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzkerzoglichen Bürgermeistereien des Kreisel Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, wiederholst an Erledigung der Verfügung °°m 29. Juli 1885 binnen 3 Sagen (Gießener Dr. Boekmann. lobten nicht!" — bar Wort ist noch nicht em leerer Schall im beutschen Reiche geworden und so lange diese« Wort alL eine tief ernste, bcherzigeniwerthe Mahnung durch deutsche Gaue klingt, so lange wird bas Sevansest al« ba« gefeiert werben, was es ist, als nationales Fest. Brauchen wir noch heute, nach 15 Jahren, nachbem Hunberte und Tausende von Malen über die Bedeutung des Sedanfestes gesprochen und geschrieben, auf die Weihe des Festes besonder« hinzuweisen? Gewiß nicht. Jeder Deutsche, der deutsch fühlt, weiß die gewaltige Macht jene« 2. September 1870 vollauf zu würdigen und wirb stch auch ferner Pflicht bewußt fein, der jüngeren Gene- ration die Bedeutung de« Tage« immer vor Augen zu ha ten. aber alle Worte, die gesprochen und geschrieben worden, fie habe» die Bedeutung de« Sedanta-e« nicht so glücklich charakteristrt, al« bte einfachen und eben ihrer Einfachheit wegen so tief zu Herzen gehenden Worte unseres geliebten, Mer. lichen Kriegsherrn: „Welch' eine Wendung durch Gottes Fügung^ Denn in diesen Worten da liegt das Bewußtsein der ^4 den kaiserlichen Mund verkündete und zusammengefaßle Jubelruf des ganzen deutschen Bol es uber d e Thatsache, die zwar Generationen hindurch erstrebt, aber erst auf dem Schlacht selbe von Sedan erreicht worden, die Freude über da« Werk bas nun doch endlich zur Wahrheit geworben: Die Einigung Deutschlanb; Unb ickon deshalb weil unser geliebter Heldenkaiser so recht mitten im Volke lieht und un ösbar ^7 bem Tage von Sedan verknüpft ist, schon deshalb je.ern wir den Sedantag "ach wie vor, wir wollen die Erinnerung an ihn um so weniger erbleichen lasten, als gar zu bald jene Zeit kommen kann, da ein jüngeres Ge< rht fein? «rnft unb seinen Muth stählen soll in bem Hinblick auf jenen Tag ÄfirÄSSU Waffenthaten. Gewiß, jedes demsche Herz wün cht den Frieden noch lange und so lange als möglich , aber im gne. h»r fiut -u fein unb sich zu bereiten für den Krieg. Wir Deutsche sind stolz genug und ruhig genug, die Schimpfereien Einzelner, das Revancheaeschrei wüster Hausen mit einem Achselzucken ju beantworten; aber bcs wollen wir uns doch nicht verhehlen, daß jene« große Volk, da» wir in bis ^Zeiger Nr. 175).-------- ------- ---------------~ Gießen, am 31. August 1885. Betressenb: Die Landeswaisenanstalt. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grokverzoglichen Bürgermeistereien des Kreise». Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstanbe sind, wiederholt an Erledigung der Verfügung vom 25. Juni 1885 binnen 3 Tagen (Gießener Anzeiger Nr. 146 und 195). vr. Boekmann. ’ iehener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ■Bl i*" !“ir @ibrflU(b oon •i K-iier-MMaff-r . «An si ifinüB ilt, PM- Jtn, W* Zementbeton, = gj .führt dM ht Stein, WeW, tentwaaretv^L— .—-—TZTtit jüler, Selbst wenn jene Stimmen, die da meinen, er sei nunmehr an der Zeit, von einer weiteren Feier der Sedantages abzusehen, weniger ungehört verhallen wachten, al« die« thatsächlich der Fall ist, selbst wenn wirklich da« deutsche Volk die Absicht hätte, ba« Sedaujest nicht mehr al« nationales Fest zu feiern, was wiederum nicht bet Fall ist, — selbst bann würde diese« Fest in diesem Jahre sicherlich begangen werden. Denn der 2. September 1885 ist der Tag, an dem zum fünfzehnten Male jener Zeitpunkt im Wechsellaus der Jahre emtntt, ba der stolze Franzosen-Kaiser tief gebeugt und das Volk, bem wir sonst in keiner Weise zu nahe treten wollen, das aber im Jahre 1870 den blutigen Krieg durch feinen verblendeten Uebermuth herausbeschworen, belehrt wurde, daß der „deutsche, autmüthige Michel", wennschon er sich viel gefallen läßt, in dem Augenblr^e, wo seine Geduld erschöpft ist, mit „kräftiger deutscher Hand derarttg daremzu- lchlagen versteht, daß dem Getroffenen das Ausstehen wohl für einige Zett vergehen dürste." Die Erinnerung an eine große Zett, — und welcher Deutsche wollte bezweifeln, daß die Jahre 1870/71 nicht eine solche gewesen § - laßt sich nicht hinwegdisputiren und so wenig als jene Stimmen, die m allzugrotzer Eourtoisie für das Nachbarvolk die Sedanfeier als „nunmehr genug gefeiert hinstellen, den Sedantag selbst aus dem Buch der Geschichte ausstreichen können, * «rrasiä11“1 f0 wenig werden sie jemals die Feier des Tages inhibiren können, so lange $^11 bQ6 Volk diese Feier will. Und das Volk läßt sich diese Ennnerungs- rfi* v'in few ftier nicht nehmen, das ist unzweifelhaft; das beweisen die am Sedantage statt- N11-11/ ' findenden Festlichkeiten der Vereine aller Art, das beweisen die Schulfeiern, das „»t deuten die wehenden Fahnen und Flaggen, die rauschende Festmusik und das ’ ffeftli&e Treiben des Volkes an. Und das deutet auch jene stille Feier an, be« gangen .im stillen Heim, jene Feier zum Gedächtniß Derer, die auf dem Schlacht- selbe ben Tob sür's Vaterlanb gestorben sinb. „Vergiß mein Deutschlanb Duner Bekanntmachung. D,.W-nb„„.- 61m» H.I » 6.t.u6m6 eine M«. mit de, 3 ««» M.i,-b- de. Dr.I«Ie»m,em-«- ft- dm Provinzialhauptstabt Gießen vorn 3. August 1878 in Betrieb zu setzen. 6 Gießen, ben 31. August 1885. Großherzogliche« Polizeiamt Gießen. p Fresenius. — Betressenb Die Ausstellung ber Voranschläge ber Lanbgemeinben bes Kreises Gießen für 1886/87. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzo glichen Bürgermeistereien des Kreises. Vertreter ber Forenfen sinb gemäß Art. 40, Absatz 2 ber Landgemeindeordnung zur Beratung ber Voranschläge emzuladen, wenn 2, L^deSL^LM^r^ssZ^M- AZ ^bien G ° ft aUft. ^O'ueit ,te- x Gchu^raße 7 BL 5861 M»»— erwäsche bei J y. Haub Sausburschen inrfit r' Wilh. Hartmann, Neustadt 24- rere tüchtige 2chnciver nute unb baiicrnöeifctcllut . ihn unb Reisemgütimsi Uniform inadicn foniw; lorjufl. Näheres. I. Kurt!) in Aaäicn. 31 BÄ nem 28. 8„il l. 3. ist de. »Ito« >«. S«M-h--,»L»-»ftII° nnf 42 e-M werte«. Sie tote »Ito.f bei Ausstellung ber Beilage 6 Rücksicht nehmen. A ) Bei Berechnung der Holzerlöse sinb bie seitherigen Tarifpreise zu Grunbe zu legen. ° »* * 'N junges Mchen ( 'irb in ber Manusacin« ren-Brancht (int geht M nebst Bedingungen be । b. Bl. altes Zinn tt. Klc höchsten Preise 'Hannes Zufall, fierei, Neuen M/e 21, Wng von gebührenden Schranken zurückzuweisen gezwungen waren, nicht anstehen wird, uns bei günstiger Gelegenheit wiederum die Waffen in die Hand zu zwingen- Wir wollen keine Angreiser sein, aber auch nicht schutzlos Angegriffene. Und wenn die Zeit kommen sollte, die wir nicht wünschen, aber die wir auch nicht iürchten, dann soll die Erinnerung an den Tag von Sedan in allen deutschen Herzen lebendig sein, damit sich die Söhne würdig zeigen ihrer Väter. Auch eine besondere Ehrenpflicht liegt uns an diesem Sedantage ob. Wieder ist Einer von den großen Helden, die Deutschlands Söhne zum Siege geführt, heimgegangen zur großen Armee; Prinz Friedrich Karl, jener ritterliche Held, der sich einer Popularität in der Armee erfreute, wie solche nur echte Kriegsmänner besitzen, weilt nicht mehr unter den Lebenden. Wie der Held auch mit seiner Kraft und mit seinem siegenden Schwerte eingetreten ist für Deutschlands Ruhm und Ehre, es ist bekannt und das dankbare Volk roirö auch diesen Mann nimmer vergeffen. Auch jenes Mannes, der als Verweser der wiedergewonnenen Reichslande seine Kraft und seinen besten Willen für Deutschland eingesetzt hat, des Feldmarschalls v. Manteuffel, der dem kühnen Prinzen nach kurzer Zeit gefolgt ist, sei heute gedacht. Und wenn wir am heutigen Tage noch die Blicke den Lebenden zuwenden, so treten aus dem Kreise geschichtlich bedeutender, dem deutschen Volke unvergeßlicher Persönlichkeiten, die unseren greisen Heldenkaiser umgeben, ganz beson» ders zwei Helden hervor: „unser Fritz" und „unser Reichskanzler." Der deutsche Kronprinz, er steht dem Herzen des deutschen Volkes so nahe, daß ihn keine Macht der Erde daraus zu verdrängen möchte; und der Reichskanzler, er wird ja nicht umsonst der „eiserne" genannt. Der Mann, der die Feder wie das Schwert gleich schneidig zu führen verstanden, der den „geographischen Begriff" Deutschland zu einer „Ration" gemacht hat, er soll an dem nationalen Feste nicht vergeffen sein. Wir Alle aber wollen am Sedanfeste nicht vergeffen. daß wir ein nationales Fest feiern, ein Fest, an dem wir uns Alle, ob Jung ob Alt, ob Arm oder Reich, ob Hoch ober Niedrig, mit Stolz als Deutsche fühlen. Und diesen Geoanken wollen wir festhalten für alle Ewigkeit, damit die Antwort in des Liedes Frage: ,,Was ist des Deutschen Vaterland ?" nie anders lauten möge, als „Das ganze Deutschland soll es sein!" Aentschland. Berlin, 30. August. Die Mitglieder der internationalen Telegraphen- Conferenz sind Ende voriger Woche von ihrem Ausfluge nach Bremen, Hamburg, Lübeck u. s. ro. wieder nach Berlin zurückgekehrt. Es ist den fremden Gästen auf ihrer Fahrt so viel des Schönen und Interessanten geboten worden und man ist ihnen überall mit solcher Liebenswürdigkeit entgegengekommen, daß sie den Ausflug nach der deutschen Nord- und Ostseeküste gewiß mit zu-ihren angenehmsten Erinneruntzen zählen werden. Noch in voriger Woche haben auch die Commissionen der Conferenz theilweise wieder ihre Sitzungen ausgenommen; so hielt die Commission II am Freitag eine Sitzung ab, in welcher verschiedene technische und Reglements-Fragen erledigt wurden. Hesteneich. Wien, 29. August. Der Kaiser Franz Josef hat sich von Kremsier birect zu den in der Gegend von Pilsen stattfindenden Manövern begeben. Die Nachricht, daß die russischen Majestäten von Kremsier zunächst nach Gmunden, der Residenz des Herzogs von Cumberland, abgereist feien, war eine irrtümliche , sie sind vielmehr ohne Umwege nach Rußland zurückgeteist. Auf der Rückreise hat Minister v. Giers, welcher seinen Souverän bis Trübau begleitete und dann nach Franzensbad zur Fortsetzung seiner Kur zurückkehrte, eine De- pesche an seinen Adjuncten Mangali, der interimistisch die Geschäfte des Petersburger auswärtigen Amtes leitet, gesandt. Dieselbe spricht aus, daß die russischen Majestäten den besten Eindruck von dem Empfang, den sie in Kremsier gefunden und von dem vollkommenen Einvernehmen, welches sie bei der Zusammenkunft zeigte, mit sich genommen haben. — Die Königinhofer Affaire, bei welcher die Teilnehmer an einem deutschen Turnerkränzchen von den Czechen in so brutaler Weise angegriffen wurden, hat unter der deutsch-böhmischen Bevölkerung selbstverständlich von Neuem tiefe Erbitterung gegen die czechischen Gewaltthätigkeiten hervorgerufen. Dieselbe ist namentlich in Reichenberg eine derartige, daß der dortige Magistrat öffentlich die deutsche Einwohnerschaft vor Ausschreitungen gegen die in Reichenberg wohnhaften Czechen warnt. Charakteristisch ist die Haltung, welche die meisten Czechenblätter den beklagenswerthen Vorgängen in Königinhof gegenüber einnehmen; sie stellen die deutschen Turner als den provocirenden Theil dar, der die friedlichen czechischen Bürger erst gereizt habe. Der Umstand, daß von den beteiligten Deutschen zehn zum Theil sehr schwer verletzt worden sind, während aus czechischer Seite keine einzige Verwundung constatirt werden kann, beweist wohl zur Genüge, wer der provocirende Theil gewesen ist. England. London, 29. August. Während sich in der auswärtigen Politik Englands gegenwärtig eine gewisse Ruhe ausdrückt, werden aus Irland wieder einmal bedrohliche Symptome der dort herrschenden Gährung gemeldet. In dem Dorfe Mullinavatt ist es anläßlich der Exmittirung einiger aufsässigen Pächter zu einem blutigen Conflict zwischen der Polizei und dem Volke gekommen, in welchen: e« auf beiden Seiten zahlreiche Verwundete gab. Diese Vorgänge illustriren deutlich ßen Geist der Widerspenstigkeit, der sich von der „grünen Insel" nun einmal nicht bannen lassen will und es ist sehr leicht möglich, daß weitere Ausschreitungen der irischen Bevölkerung den Entschluß oes gegenwärtigen Tory'Ministeriums, auf die Erneuerung des Zwangsgesetzes zu verzichten, wieder wankend machen werden. Telegraphische Depesche». Wolffs telegr. Korrespondenz-Bureau. Berlin, 31. August. Oberstabsarzt Dr. Börner, Herausgeber der Deutschen mcdiciniichen Wochenschrift und des Reichsmedicinalkalenders, ist gestorben. Wiesbaden, 31. August. Von dem Afrikareisenden Paul Reichard ist heute hier folgendes Telegramm eingetroffen: Am 29. August in Zanzibar ganze Karawane angekommen; bleibe hier vierzehn Tage. Regensburg, 31. August. Sc. K. u. K. Hoheit der Kronprinz iraf heute frufr ?Vi Uhr hier ein und wurde von der zahlreichen Bevölkerungsmenge, welche denselben erwartete, mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Der Kronprinz stieg m der königlichen Villa ab, nahm dort das Frühstück ein und begab sich bereits 81/i Uhr nach dem Manöverfelde bei Moosham. Aw, . . Drontyeim, 31. August. Der Prinz von Wales ist gestern Abend auf der Yacht „Osborns hier angekommen, nahm auf derselben die Begrüßung der hiesigen Behörden entgegen und begab sich später ans Land, um im Britanniahotel Wohnung zu nehmen. Die Stadt hat ihm zu Ehren Flaggenschmuck angelegt. Toulon, 31. August. Gestern sind hier siebzehn Personen an der Cholera gestorben. Kiew, 31. August. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten gestern Vormittag das historische Petschersk-Kloster, woselbst dieselben dein Gottesdienste beiwohnten, und nahmen alsdann den Thee beim Metropoliten Platon ein. Mittags begaben sich die Majestäten zur Truppenparade, welche glänzend verlief; in's Palais zurückgekebrt, empfingen dieselben die Civilbehörden, den Adelgund Damen aus der Stadt. Abends wohnten der Kaiser und die Kaiserin dem schlagen einer Pontonbrücke über den Dnieper durch Militär bei und unternahmen darauf mit einer hierzu geladenen Gesellschaft eine Dampferfahrt. Konstantinopel, 31. August. Die „Aaence Havas" meldet: eir Srunimoub Wolff ist gestern vom Sultan in mehrstündiger Privataudienz empfangen worden, welcher.auch der Minister des Auswärtigen beiwohnte. Tie Unterredung soll bic egyptische Frage nur allgemein berührt haben. Bordeaux, 31. August. Jules Fern) entwickelte gestern vor einer von etwa 4000 Personen besuchten Versammlung ein Programm, das für diejenigen bestimmt sei, welche aufrichtig den Fortschritt wollten. Er sagte, aus diesem Programm Tür Die nächste Legislatur-Periode müßte jede Verfassungsrevision, sowie die Aufhebung deS Cultusbudgets ausgeschlossen bleiben. Tic Politik der colonialen Ausdehnung sei völlig abgeschlossen. Die Vervollständigung des indo-chinesischen Colonialbesitzes sei ihm inchr durch die Umstände aufgezwungen worden, als in seinen Wünschen gelegen habe^abcr Dank dem in Tongking cingeführten Protectorat, welches ganz wie das für Tunis organisirt sei, werde Tongking bald die Kosten der Occupation zahlen. Ferry zählte weiterhin die anzustrebenden Reformen auf, deren wichtigste darin bestehe, daß die Republik eine wirkliche Negierung sei. Die Republik stehe keineswegs isolirt in Europa da; man befolge Frankreich gegenüber in legaler Weise eine Politck der Nichtintcr- vention, für die Frankreich keinen Preis bezahlt habe. Wenn man Frankreich achte, so geschehe es, weil Frankreich stark sei. Man müsse eine Politik des Vertrauens und der Achtung der Rechte anderer "Rationen befolgen. Dazu aber sei die Stetigkeit der Regierung erforderlich. Einer Republik, welche der Anarchie preiSgegcbcn sei, würde Europa kein Vertrauen schenken. Lokales. Gießen, 1. September. Tagesordnung für die Stadtverordncten-Sitzung am Donnerstag den 3. September 1885, Nachmittags 4 Uhr. 1. Definitive Besetzung der 1. Lchrerstelle an der Stadtknabenschule zu Gießen. 2. Der Submissionsholzverkauf aus den Großhcrzoglichen Domanialwaldustgcn pro Wjrthschaftsjahr 1885/86. 3. Die Waldculturarbeiten im Stadtwald pro 1886^ 4. Die Anbringung von Schneißenschildern in den Stadtwaldungen. 5. Gesuch des Ludwig Christoph Rübsanien dahier um Ucberlassung eines Kieslagerplatzes auf der rechten Seite der Lahn unterhalb der Lahnbrücke. 6. Gesuch des Kalkbrenners Georg Weiß III. von Großcnlindcn um Uebcr- lassung des überflüssigen Wassers aus dem Bassin am Lutherberg. 7. Gesuch des Jacob Helfenbein dahier um käufliche Ucberlassung eines Bauplatzes an der Licherstraße. 8. Gesuch des Färbers Adolf Vogt dahier um Erlaubniß zum Bauen in der Sonncnstraße. 9. Gesuch der Heinrich Fillmann Wittwe um Erlaubniß zur Anbringung, eines Kellerlichtes. 10. Gesuch des Sigmund Rosenbaum dahier um Erlaubniß zur lieber? brückung des Schoorgrabens. 11. Herstellung des Daches auf dem nördlichen Neuenweger Thorhaus. Vermischtes. Hungen, 31. August. Ta in diesen Blättern noch nichts Speciclles über den. im Allgemeinen schon erwähnten Festzyg bei der landwirthschaftlichen Ausstellung gebracht worden ist. so nehmen wir Anlaß, daraus im besonderen noch den von der Stadt Hungen gestellten W a g t n d e r Ceres hervorzuhcben. Ein Pflug mit dem Sämanne bildete auf dem Wagen naturgemäß die erste Gruppe, woran sich die Gruppen der Schnitter und der Drescher anreihten, zugleich auch die betreffenden Jahreszeiten darstellend. Auf der Rückseite war auch noch des Gartenbaues gedacht. Neber Allem erhaben strahlte die Göttin Eeres auf einem Throne von Garben, allen ländlichen Segen spendend, in weißem Gewände mit goldenem Gürtel und kornblumenblauem von goldenen Achren gehaltenem Mantel, einem goldenen Aehrenkranzc in goldblondem Haare, von welchem ein weißer Schleier mit cingeftickten Blumen niederwallte. Mit der rechten Hand reichte sie die Sichel einer Schnitterin dar, in der linken Hand trug sie Aehren mit Feldblumen. Weiß und kornblumenblau waren auch die hervortretendcn Farben des reich decorirtcn Wagens, dessen Eckpfosten mit Weizen, Korn, Hafer und Gerste und landwirthschaftlichen Gerüthschaften geschmückt waren. Zu beiden Seiten zeigte der Wagen noch das Wappen der Stadt Hungen. Das Ganze war zart und finnig, von vollendeter Anmuth und macht sowohl den einzelnen Darstellern, als auch denjenigen, welche den Plan durchdacht und ausgeführt haben, alle Ehre. LM.1XJ !—-Vi—— . ». ’J.' ■.!!'.M2.L!".!.11 "■■■.!>!- - '11" 1 FF.'J ..1 '■■'■F." und Dcrksdr. Gießen, 1. September. Auf dem heutigen Markt kostetet Butter per X 0.80—0 85, Hühnereier 2 Stck. 11—0 Enteneier St. 6—7 H, Käse pr. St. 5—9 -i», Käsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 18 Linsen 28 H, Tauben per Paar 0,40 bis 0,65 Hühner per Stück vft 0 90—1.40, Hahnen vr. Stück 0.40—0.75, Enten per Stück .A 1.20—1.50, Ochsenfleisch per Pfund 68—00 H, Kuh- und Rindsteisch 56—60 H, Schweinefleisch 50—60 H, Hammelfleisch 64—70 H, Kalbfleisch 48—50 Kartoffeln per 100 Kilo X 5.00—6.00, Milch per Liter 12—16 H, Zwiebeln per Centner JL 6.00-7.00. Kepertoir der vereinigten Itadttheater;u KranKsurt a. M. Opernhaus. Dienstag den 1. September: Fidelio. Mittwoch den 2. September: Die Hugenotten. Außer Abonnement. Donnerstag den 3. September: Das Glöckchen des Eremiten. Hierauf: Carnevalsfest (II. Act). Ballet. Freitag den 4. September: Walküre. Außer Abonnement. Samstag beii 5. September: Jessonda. Sonntag den 6. September: Aida. Schauspielhaus. Dienstag den 1. September: Die Leibrente. Mittwoch den 2. September: Emilia Galotti. (Orsina: Fräulein Giers als Antrittsrolle.) Donnerstag den 3. September geschloffen. Freitag den 4. September: Arria und Messalina. Samstag den 5. September: Die Sch ul reit er in. Freund Fritz. Sonntag den 6. September: Fedora. Montag den 7. September: Esther. Die Schauspielerin. Für die Abgebrannten in Appenrod gingen ferner bei uns ein: N. N. 2 Fr. Hensel 5 JL Summa 7 JL Jnsgesammt 54.75 JL Weitere Gaben werden von der Erped. d. Bl. gerne entgegengenommen. 6051 Pferdekr. £ troffen. 6235 6132 Ort 6. ß- empfiehlt Bahnhofstrasse 45. 6226 5785 Robert Haas. Seltersweg 18. 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