SLr. 177, Zweites Blatt Sonntag ben 2. August 188» Kießmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mü Brinfletfafcu Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark M Pl. Erscheint tSglick» mit A«Sni-hm« des Vrontckgs. eiiÄVtÄta i Schuler Wochen - Ueberficht. GieHen, 1. August. Die Bestimmungen über die Begegnung zwischen Kaiser Milhelm und Kaiser Franz Joses stehen nun endgültig fest. Der Kaiser und die Kaiserin von Oesterreich werden nächsten Donnerstag, den 6. August, Abends, in Gastein eintreffen und daselbst bis zum nächstfolgenden Abend verwesten. Während ihres Aufenthaltes in Gastein werden die österreichischen Majestäten im Hotel Straubinger Wohnung nehmen. Aus dem Umstand, daß Kaiser Franz Josef von der Kaiserin Elisabeth begleitet wird, darf man schließen, daß die Absicht Kaiser Wilhelms, einen Abstecher von Gastein nach Ischl zu machen, jetzt definitiv ausgegeben ist. Kaiser Wilhelm bekommt die Gasteiner Nachkur ganz ausgezeichnet und die ersreulichen Wirkungen derselben spiegeln sich auch in der heiteren Stimmung wider, welche an bem hohey Herrn von allen Personen, die mit ihm .verkehren, gerühmt wird. Der Kaiser lebt in Gastein sehr ruhig und zurück- -gezogen. Der Ausenthalt daselbst behagt ihm ganz außerordentlich und man darf mit Sicherheit annehmen, daß.der allgemeine Wunsch, den verehrten Monarchen gekräftigt heimkehren zu sehen, in Erfüllung gehen wird. Der Kaiser hat für die Verunglückten in Köln aus seiner Prioat-Chatulle 1000 JL gespendet. Die Gerüchte über eine Zusammenkunft auch zwischen Kaiser 'Franz Josef und dem russischen Monarchen haben in de« letzten Tagen durch Petersburger Mittheilungen eine Verstärkung erfahren, und nur bezüglich Ort und Zeit dieses Rendez-vous sind erst noch bestimmtere Nachrichten abzuwarten. Die Begegnung zwischen den Herrschern Oesterreichs und Rußlands ist als eine Folge der Drei-Kaiser-Entrevue von Skierniewice aufzu- sassen und zwar erscheint der Gegenbesuch, den der Czar dem österreichischen Kaiser in diesem Sommer abzustatten gedenkt, zunächst als ein Act selbstverständlicher Courtoisie. Dann aber hat diese Begegnung auch entschieden ihren politischen Hintergrund, durch sie erfährt die Annäherung zwischen Rußland und Oesterreich, welche sich nach einer langen Periode gegenseitigen Mißtrauens und kühlen Verhaltens zuerst durch den Kaisertag von Skierniewice wieder öffentlich documentirte, eine weitere Kräftigung und speciell beweist der angekündigte Gegenbesuch des Czaren aus österreichischem Boden, daß die Rivalität zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland aus Der Balkan-Halbinsel so gut wie beseitigt ist, was natürlich für die Erhaltung des europäischen Friedens von eminenter Wichtigkeit ist. Daß sich diesmal Kaiser Wilhelm an der Begegnung der ihm so eng befreundeten Herrscher von Oesterreich und Rußland nicht betheiligen wird, kann man wohl als wahrscheinlich betrachten, doch darf dies nicht überraschen, nachdem erst im vorigen Jahre seine Zusammenkunft mit Kaiser Franz Josef und Kaiser Alexander ftattgefunden hat und da auch Kaiser Wilhelm vor dem Besuche des Czaren in Oesterreich in altgewohnter freundschaftlicher Weise mit dem österreichischen Monarchen zusammenkommen wird. Das darf man aber als gewiß betrachten, daß man in Deutschland die bevorstehende Zusarn- menfunft zwischen dem österreichischen und dem russischen Kaiser mit deu herzlichsten Wünschen begleiten wird. Die anhaltende politische Dürre im Reiche ließ sich auch in dieser Woche constatiren und ist es schwierig, Nachrichten von einigem Belang aufzufinden. Heroorzuheben ist jedoch der Empfang des seitherigen deutschen Botschafters, Fürsten Chlodwig von Hohenlohe-Schillingsfürst, durch Kaiser Wilhelm in Gastein, wodurch sich die Ernennung des Fürsten Hohenlohe zum Statthalter von Elsaß-Lothringen vollkommen bestätigt. Fürst Hohenlohe hat sich inzwischen nach Paris zurückbegeben, um seine dortigen Angelegenheiten zu ordnen, bevor er seinen Posten in Straßburg antritt. — Aus kirchenpolitischem Gebiete ist die Neuigkeit zu registriren, daß der frühere Erzbischof von Köln, Vaulus Melchers, vom Papste in dem jüngst zu Rom abgehaltenen Consistorium zum Cardinal ernannt worden ist, so daß ihn nun der Cardinalshut für den Verlust seiner erzbischöflichen Würde entschädigen muß. Auch ist der Nachfolger des Herrn Melchers, Bischof Dr. Crementz von Ermland, aus dem erwähnten Consistorium zum Erzbischof von Köln präcomfirt worden. In Frankreich hat die Madagaskar-Frage in der Deputirten- kammer plötzlich das Kapitel von der Colonialpolitik wieder zur öffentlichen Discussion gestellt. Nach dieser Richtung hin ist unstreitig die Rede, welche der frühere Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen, Herr Ferry, am Dienstag in der Kammer zur Vertheidigung feiner Colonialpolitik gehalten hat, bas Ereigniß der Woche und zwar weniger wegen ihres Inhalts, als vielmehr ihrer Wirkung aus die Kammer. Während von den Opportunisten, der Partei Ferry's, deffen Rede sehr beifällig ausgenommen worden ist, gaben die Monarchisten und Die Radikalen ihren Widerspruch gegen die Ferry'sche Colonialpolikik durch zahlreiche und erregte Unterbrechungen seiner Ausführungen zu erkennen, io daß der Kammerpräsident Floquet sich genöthigt sah, nach rechts und nach links zahlreiche Ordnungsrufe zu ertheilen. Die Sitzung schloß in großer Auf- wgung. Der Verlauf derselben ist für das Schicksal des Zwölf - Millionen- Kredits für Madagaskar, welcher den ganzen Verhandlungen der Deputirten- kammer seit Samstag zu Grunde lag, kaum von günstiger Vorbedeutung. Anderseits wird aber die Kammer kaum umhin können, den Kredit zu bewilligen, da von den geforderten 12 Millionen Frcs. angeblich bereits 7 Millionen verbraucht sein sollen und folgern hieraus die der Regierung nahestehenden Blätter die Nothwendigkeit neuer Kreditbewilligungen. — Nach den letzten, vom 18, Juni datirenden Nachrichten von der afrikanischen Westküste haben die Truppen vom Dahomey ihre Angriffe gegen das französische Schutzgebiet von Porto-Nuooo nicht erneuert. In Venedig hat am Donnerstag der Stapellaus des Panzerschiffes „Morosini" unter besonderen Feierlichkeiten stattgefunden. Der Festlichkeit wohnten der König und die Königin, fast särnmtliche Minister, ein Theil des diplomatischen Corps, viele Senatoren, Deputirte und sonstige Notabilitäten bei. Auch die marokkanische Gesandtschaft, welche zur Begrüßung König Humberts von Paris nach Mailand gekommen war, war bei dem Stapellauf des „Morosini^ zugegen. Im dänischen Ministerium Estrup ist durch den Austritt des Ministers des Innern, Finsen, welcher angeblich aus Gesundheitsrücksichten seine Entlassung eingereicht hat, eine Lücke entstanden. Die erschütterte Gesundheit des Herrn Finsen ist wohl nur ein Vorwand zu seinem Rücktritt und hat die Annahme viel mehr Wahrscheinlichkeit für sich, daß zu diesem Schritte die bekannten Verfassungswirren in Dänemark den Anlaß gegeben haben. Der leitende russische Staatsmann, Herr von Giers, gedenkt, wie in frühere« Jahren, so auch heuer, eine Badereise in'S Ausland zu unternehmen. Bereits knüpfen sich an diese Reise verschiedene Gerüchte über Begegnungen des Herrn v. Giers mit auswärtigen Staatsmännern, ohne daß indessen diese Gerüchte bis jetzt eine Bestätigung von zuständiger Seite erfahren hätten. Jedenfalls darf man aber die angekündigte Reise des russischen Ministers des Auswärtigen mit als ein Symptom für die friedliche Weltlage betrachten. Auf türkischem Boden hat sich dieser Tage ein Ereigniß vollzogen, welches in seinen Folgen einen wichtigen Cültursortjchritt auf der Balkanhalbinsel bedeutet. In Bellova ist am Montag der Anfang mit den Anschlußarbeiten des türkischen an das europäische Eisenbahnnetz gemacht worden und wird somit der Zeitpunkt nicht mehr allzu fern sein, an welchem die türkische Hauptstadt in directe Schienenverbindung mit dem europäischen Westen tritt. Di'e afghanische Grenzfrage ist ihres schwierigen und unsicheren CharacterS durch eine hochbedeutsame Banketrede, welche der englische Premier Salisbury am Donnerstag zu Mansionshouse (Londoner Rathhaus) gehalten hat, im Wesentlichen entkleidet worden. Lord Salisbury führte etwa Folgendes aus: Es sei der lebhafteste Wunsch der Regierung, auf dem Wege des Friedens und Fortschrittes vorzugehen und zwischen den europäischen Mächten das freundschaftliche Verhältniß zur Geltung zu bringen, das so wesentlich für die Völker sei. Er hoffe in nicht zu langer Zeit Rußland und England, umgeben von Verbündeten, friedlich Seite an Seite zu sehen, beseelt von den Gefühlen der gegenseitigen Achtung. — Speciell in St. Petersburg werden diese ftiedeathmenden Versicherungen des englischen Ministers sehr angenehm berühren. — In London starb am Dienstag im Alter von über 100 Jahren der bekannte Philanthrop Sir Moses Montesiore, welcher namentlich im Interesse seiner Glaubensgenossen, der Juden, rastlos thätig gewesen ist. Die neue preußische Lubmisfionsordnung. Die oft beklaaten Mängel des Submissionswesens haben der preußischen Regierung bekanntlich Veranlassung zu einem umfassenden Nefonnversuche auf diesem Gebiete gegeben und ein Erlaß deS preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten, dessen Kundgebung bevorsteht, setzt, unter Aufhebung der früheren Erlasse, die neuen „Bestimmungen, betreffend die Vergebung von Leistungen und Lieferungen", fest. Wir entnehmen dem Erlasse folgende Hauptpunkte: Arten der Vergebung. Leistungen und Lieferungen sind in der Regel öffentlich auszuschreiben. Mit Ausschluß der Oeffentlichkeit zu engerer Bewerbung können ausgeschrieben werden: 1. Leistungen und Lieferungen, welche nur em beschränkter Kreis in geeigneter Weise auSführt; 2. Leistungen und Lieferungen, bezüglich deren in einer abgehaltenen öffentlichen Ausschreibung ein geeignetes Ergebniß nicht erzielt morden ist. Verfahren bei Ausschreibungen. Der Gegenstand der Ausschreibung ut in allen wesentlichen Beziehungen bestimmt zu verzeichnen. Neber alle für die Preisberechnung erheblichen Nebenumstande sind vollständige, eine zutreffende Beurtheilnng der Bedeutung derselben ermöglichende Angaben zu machen. Für Bauarbeiten sind zur Verabfolgung an die Bewerber bestimmte Verdingungsverträge aufzustellen, in welchen sämmtliche Hauptleistungen, sowie die erheblicheren Nebenleistungen in besonderen Positionen aufzuführen sind. Dieselben dürfen von der Behörde ermittelte Preis- ansätze nicht enthalten. Tie Zeitperioden für Lieferungen zur Deckung eines fortlaufenden Bedarfs sind nach den besonderen Verhältnissen des einzelnen Falles zu bemessen. Umfangreichere Ausschreibungen sind derart zu zerlegen, daß auch kleineren Gewerbetreibenden und Handwerkern die Betheiligung an der Bewerbung ermöglicht wird. Bei größeren Hochbauten hat daher die Vergebung nach den einzelnen Titeln des Anschlages — den verschiedenen Gewerbs- und Handwerkszweigen entsprechend zu erfolgen. Besonders umfangreiche Anschlagstitel sind in mehrere Loose zu theilen. Bezüglich der Beschaffenheit zu liefernder Waaren und der Abmessung zu liefernder Gegenstände sind außergewöhnliche, im Handel nicht übliche Anforderungen nur insoweit zu stellen, als dies unbedingt nothwendig ist. Ist bei Lieferungen von Fabrikaten der Kenntniß der Bezugsquelle (der Fabrik) eine besondere Bedeutung für die Beurtheilnng der Güte beizumessen, so ist von dem Bewerber die Namhaftmachung des Fabrikanten, von welchem die Waaren bezogen werden sollen, zu verlangen. Für die Ausführung der Arbeiten oder Lieferungen sind ausreichend bemestene Fristen zu bewilligen. ch l« g tz e rt h e i l un g. Die niedrigste Geldforderung als solche ist bei der Zuschlagsertheilung keineswegs vorzugsweise zu berücksichtigen. Ter Zuschlag darf nur auf ein in jeder Beziehung annehmbares, die richtige und rechtzeitige Ausführung der betreffenden Arbeit oder Lieferung gewährleistendes Gebot ertheüt werden. Ausgeschlossen von der Berücksichtigung sind solche Angebote: a. welche den der Ausschreibung iu Grunde gelegten Bedingungen oder Proben nicht entsprechen; b. welche nach den von den Bewerbern eingereichlen Proben für den vorliegenden Zweck nicht geeignet sind; e. welche eine in offenbarem Mißverhältnisse zu der betreffenden Leistung oder Lieferung stehende Preisforderung enthalten, so daß nach dem geforderten Preise an und für sich eine tüchtige Ausführung nicht erwartet werden kann. Nur ausnahmsweise darf in dem letzteren Falle (zu d) der Zuschlag ertheilt werden, sofern der Bewerber als zuverlässig und leistungsfähig bekannt ist und ausreichende Gründe für die Abgabe des ausnahmsweise niedrigen Gebotes beigebracht sind oder auf Befragen beigebracht werden. Im Uebrigen ist bei öffentlichen Ausschreibungen der Zuschlag demjenigen der drei Mindestfordernden zu ertheilen, dessen Angebot in Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Umstände als das annehmbarste zu erachten ist. Bei engeren Ausschreibungen hat inner sonst gleichwerthigen Angeboten die Vergebung an den Mindestfordernden zu erfolgen. Sind ausnahmsweise den Bewerbern die näheren Vorschläge in Betreff der im Einzelnen zu wählenden Constructionen und Einrichtungen überlassen worden, so ist der Zuschlag auf dasjenige Angebot zu ertheilen, welches für den gegebenen Fall als das geeignetste und zugleich in Betracht kommenden Umstände als das preiswürdigste erscheint. Ist keines der hiernach in Betracht kommenden Mindestgebote für annehmbar zu erachten, so sind sämmtliche Gebote abzulehnen. Bei der Vergebung von Bvuarbeiten sind im Falle gleicher Preisstellung die am Orte der Ausführung oder in der Nähe desselben wohnenden Gewerbetreibenden vorzugsweise zu berücksichtigen. Inhalt und Ausführung der Verträge. Die Verbindlichkeiten, welche den Unternehmern auferlegt werden, dürfen dasjenige Maß nicht übersteigen, welches Privatpersonen sich in ähnlichen Fällen auszubedingen pflegen. In den Verträgen sind nicht nur die Pflichten, sondern auch die denselben entsprechenden Rechte des Unternehmers zu verzeichnen. Eontrole der Ausführung. Der Verwaltung ist das Recht vorzubehalten, in geeigneter Weise die Ausführung verdungener Arbeiten auf den Arbeitsplätzen :c. zu überwachen. Die Eontrole bei Bauarbeiten hat sich auch daraus zu erstrecken, daß der Unternehmer seine Verbindlichkeiten aus dem Arbeitsverlrage gegenüber den von ihm beschäftigten Handwerkern und Arbeitern pünktlich erfüllt. Für den Fall, daß der Unternehmer diesen Verbindlichkeiten nicht nachkommen und hierdurch das angemessene Fortschreiten der Arbeiten in Frage gestellt werden sollte, ist das Recht vorzubehalten, Zahlungen für Rechnung des Unternehmers unmittelbar an die Betheiligten zu leisten. Meinungsverschiedenheiten. Für die Entscheidung über etwaige, den Inhalt oder die Ausführung des Vertrags betreffende Meinungsverschiedenheiten ist die Bildung eines Schiedsgerichts zu vereinbaren, lieber eine Ergänzung des Schiedsgerichts für den Fall, daß außer den erwähnten schiedsrichtern Stimmengleichheit sich ergeben sollte, ist ausdrücklich Bestimmung zu treffen. Gegen Anordnungen, welche die Art der Ausführung eines Baues betreffen, ist die Anrufung eines Schiedsgerichts nur wegen der dadurch etwa begründeten Entschädigungsansprüche zu- zulassen. Persönliche Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit der Bewerber. Bei der Vergebung von Arbeiten oder Lieferungen hat Niemand Aussicht, als Unternehmer angenommen zu werden, der nicht für tüchtige, pünktliche und vollständige Ausführung derselben — auch in technischer .Hinsicht — die erforderliche Sicherheit bietet. Form und Inhalt der Angebote. Die Angebote sind unter Benutzung der etwa vorgeschriebenen Formulare, von den Bewerbern unterschrieben, mit der in der Ausschreibung geforderten Ueberschrift versehen, versiegelt und frankirt bis zu dem angegebenen Termine einzureichen. Die Angebote müssen enthalten: a. die ausdrückliche Erklärung, daß der Bewerber sich den Bedingungen, welche der Ausschreibung zu Grunde gelegt sind, unterwirft; b. die Angabe der geforderten Preise nach Reichs- Währung und zwar sowohl die Angabe der Preise für die Einheiten als auch der Gesammtforderung; stimmt die Gesammtforderung mit den Einheitspreisen nicht überein, so sollen die letzteren maßgebend sein; c. die genaue Bezeichnung und Adresse des Bewerbers; d. seitens gemeinschaftlich bietender Personen die Erklärung, daß sie sich für das Angebot solidarisch verbindlich machen und die Bezeichnung eines für Geschäftsführung und zur Empfangnahme der Zahlungen Bevollmächtigten; letztes.Erforderniß gilt auch für die Gebote von Gesellschaften; e. nähere Angaben über die Bezeichnung der etwa mit eingereichten Proben. Die Proben selbst müssen ebenfalls vor dem Bietungstermine mit eingesandt und derartig bezeichnet sein, daß sich ohne Weiteres erkennen läßt, zu welchem Angebot sie gehören; f. die etwa vorgeschriebenen Angaben über die Bezugsquellen von Fabrikaten. Vermischte 4. — sEine originelle Sitte.] Dieser Tage langte bei einer Wiener Militärbehörde ein sichtlich mit besonderer Mühe und Zeitaufwand ausgefertigtes Schriftstück eines Landgemeinde - Bürgermeisters ein, in welchem mit einer außerordentlich erheiternden, leider aber nicht drucksähigen Tetailmotivirung die höchst originelle Bitte gestellt wird: Das bochlöbliche Eommando wolle den in seine Heimatbs- gemeinde — den Ort des Beschwerdeführers — beurlaubten Gemeinen Josef M. ehcbaldigft wieder einberufen, weil derselbe, seitdem-er bei „die Soldaten" ist . . . bei den Weibsleuten im Orte zu viel Unheil anrichte! Man kann sich die Heiterkeit vorstellen, welche diese Eingabe bei der betreffenden Militärbehörde heroorrief. Berlin, 23. Juli. ^Schöffengericht.] „Herr Ierichtshos, ick wollte Ihnen jehorsamft jebcten Haden, mir nick zu kompleliren! Ick hin 'ne anständige Frau un blamire mir nid) jcrn vor die Menschheit!" So replicirte die Handelsfrau Ida Mürbel heute auf die Frage des Schöffenrichters, was sie aus die Anklage wegen Unfugs, Beleidigung und Erregung eines Auflaufs auf öffentlichem Markte zu sagen habe. Präs.: Womit handeln sie denn auf dem Markt? — Angekl.: Mit außer- halbschet Fleesch, aber wissen Se, nid) mit so'n Mumpitz-Fleesch, roic’t so von drüben 'rüber hier so eingeschmuggelt wird — o nee, nid) in de la main! Mit so wat jeden wir uns nid) ab. Mein Fleesch is so zart und so weiß wie der Hals vou'n frisch jewaschenet Mädchen. — Präs.: Sie sind am 5. Mai auf dem Markts mit einer Dame in Eonflict gekommen; wie ist das zugegangen? — Angekl.: Fragen de mir?! Wenn Eener mit de dollste Unvernünftigkeet eene Geschäftsfrau, als wie icke, molcftiren duht und dann nod) 'ne große Lippe riskiren will, denn kann ick Ihnen sagen, denn is et mit meine Jeduld ooch man blos Essig. — Präs.: Erzählen Sie doch mal den Vorfall. — Angekl.: Also ick hatte een Kälbeken an meine Bude uff- jehängt — een Kälbeken, sage ick Ihnen, bet hieß Otto Bellmann. Dazu kamen denn noch een Paar fcheene Hammelsripsken und een Dickeribbenietftück — so scheen wie Tafft mit joldene Frangen. — Präs.: Zählen Sie uns aber nicht Ihr ganzes Waarenlager her, sondern kommen Sie zur Sache. — Angekl.: Wie ick schon sagte, kommt da so'n spinöset Frauenzimmer an meine Bude, wat sich noch immer zu den „jungen" rechnet und sich „jnädiges Freilein" schimpfen läßt, obschonst se schon 'ne Mandel Jahre aus dem Schneider 'raus is. Herr Ierichtshos, ick kann Ihnen sagen, wenn Sie als 'ne olle anständige Jeschäftsfrau von 5 Uhr an uff'n Marcht stehen und nischt im Leibe haben, als en paar Tässekens Lorke, u» dann kommt so 'ne olle Schreckschraube, die um zehn Uhr man eben erst aus de Posen jekrochen is und looft so herablassend wie 'ne Jräfin mang de Buden hin — denn kann Ihnen ooch schon der Jraul anjehen. — Präs.: Sie scheinen eine recht angenehme Stimmung für das Marktpublikum zu haben. — Angekl.: Na, von die Sorte, die somit bet Halb- f eibene schon in alle Frühe rumlooft unb mit 'n Küh wer weeß wie stoß unb mit 'n Hut, ber wie ’n Thurmban zu Babel über bc Ponmjs balaneirt, von bie Sorte habe ick schon jenug, wenn ick se von Weitem sehe. Unb jerabe bie Sorte buht so, als verstäube se wat von Fleesch unb vom Marcht unb von be Wirthschaft. — Präs.: Hat Ihnen heim bie Verkäuferin, welcher Sie so böse mitgespielt haben, etwas zu Leibe gethan ober Sie irgenbwie gereizt? — Angekl.: Nee, so Eene kann mer nid) reizen. Also benfen Se sich solche List: ick haue eben 'ne Kalskeule von Pfunbener fünfe ab, ba steht bie olle Schachtel, bie so aussah, wie een neu anjestrichnct ollet Jerümpel unb quasselt mit ihre Inste immer über mein Fleesch. Mit be eene Hand hält sie bie Lorgnete vor be Oogen, mit be anbere talkschl se immer an's Fleesch rum bis ick zu ihr sage: Freilein, haben e>e sich ooch be Hänbe hübsch reene gewaschen sonst könnten Se am Enbe bet Fleesch schmutzig machen! Da kiekt se mir benn an wie 'ne Kuh bet neie Dohr, unb sagt zu ihr Mächen : Dtein, Auguste, bas Fleisch können wir auch gar nicht kaufen, bas ist ja ganz trocken unb ganz blau, bas ist gewiß vor einer Droschke alt geworben." Wann aber raus, buchte ick unb sagte es ooch zu ihr: Wissen Se, wenn Ihr bisken Fleesch, wat se sich ba in's Jesichte mit 'n Maurerpinsel ufflacfiri haben, blos eene Jeringigkcit von bem Saft hätte, bann würben Sie uff Ihre ollen Dage am Enbe noch Eeenen finbeu, der e>ie im Finstern vor eil scheenes Mächen halten können. Aber so seh'n Se ja aus wie 'ne angeknabberter Kalbskopp und for so 'ne dröge Jungfrau verkoofe ick überhaupt feen Fleesch nid)! — Präs.: Na, solche Liebenswürdigkeiten hat sid) die Dame aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gesallen lassen. — Angekl.: Nee, denken Se blos so wat an. Sie hat mir denn noch een „olles jemeines Frauenzimmer" an den Kopf geworfen, worauf ick blos sagte, se könnte schon Gift druff nehmen, bat ick ihr als Vogelscheuche an de einsame Pappel nffpflanzen würde, wenn ick nid) befürchten müßte, bat be Spatzen sich über so 'n Jammerjeselle lustig machen. — Präs.: Ihre Schimpfereien Haden aber einen gewaltigen Auflauf verursacht unb bafür müssen Sie in Strafe genommen werben." — Angekl.: Det kummt so: bie Leite hatten jedacht, bat Freilein is be Eis- riefe unb ba wollten se ihr blos be übliche Ovation bringen. —, Aus ber Beweisaufnahme ergab sid), baß Frau Mürbel in ber That durch die Käuferin etroaS stark gereizt worden war, und der Gerichtshof verurtheilte sie deßhalb nur zu 5 M Geldbuße. Allgemeiner Anzeiger. 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Die zum Neubau des Infanterie- KaserneiuentS in Gießen erforderlichen Eisengußarbeiten veranschlagt zu 5960 «X 42 und die Schmiedearbeiten veranschlagt zu 7759 «X 88 sollen in öffentlicher Submission vergeben werden. Hierzu ist Termin auf Sonnabend den 8. August 1883, Vormittags 10 2 Uhr, in dem Baubureau, Restauration Germania in Gießen anberaumt, wozu qualistcirte Unternehmer mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die Zeichnungen in dem bezeichneten Bureau, die Bedingungen und Kostenanschläge dagegen in dem Garnison-Verwaltungs-Bureau zur Einsichtnahme aufliegen, von wo die beiden letzteren gegen Erstattung der Copialien auch in Abschrift bezogen werden können. 5398 Gießen, den 23. Juli 1885. Grobherz. Garnison-Verwaltung. Aeikgebotenes. Meine gebrannten reinschnieckenden Kaffee’s von 98 Pfennig per Pfund an, bringe ich hiermit in empfehlende Erinnerung. Eberh. Metzger, 3410 Neustadt Nr. 8. (EmmadiläUer empfiehlt billigst Louis fjony, 5495 Marktstraße 23. Lotterie von Baden-Baden. 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Sonntag den 2. August: ABEND-CONCERT i)rs Lietzener Zithcrkranzcs. Anfang 8 Uhr. [5528] Entree 20 Pfg. ggflp Die Halle ist vor Zugluft vollständig geschützt. Zu zahlreichem Besuche ladet ein Der Vorstand. Vielseitigen Wünschen zu entsprechen, feiert der Metallarbeiter - Fachverein am 2. August noch ein Waidfest am Ludwigsbrunnen. Abmarsch 2 Ubr vom LudwigSplatz mit Mufik. Entree 23 Pfg. Bier ä Schoppen 13 Pfg. Fremde haben Zutritt- 5419 Abends bengalische Beleuchtung des WaldeS. Zahlreichem Besuch sieht entgegen Das Comite, Auf dem Marktplatz (Oswald s Garten). KrieheVs großes Löwen-, Tiger- und Elephnnteu-Theater ^er eingetroffen. Den geehrten Bewohnern von hier und Umgegend vZ LC die ergebene Anzeige, daß ich mit meiner großen Menagerie hier eingetroffen bin und mit meinen unübertroffen dressir- ten Raubthieren Sonntag die ersten Vorstellungen geben werde. Verzeichnis der in meiner Menagerie befindlichen Thiere: »Toni*, indischer Elephant «gut dressirt), „Mustafa*, „Seida", „Sultan* und „Prinz", vier schöne große Berberlöwen (sämmtlich sehr gut dressirt), große bengalische Tiger, verschiedene Arten Panther, Jaguare und Leoparden, gefleckte und gestreifte Hyänen, lsehr gut dressirt), russische und sibirische Wölfe, (unübertroffen dressirt), braune und schwarze Bären, afrikanisches Stachelschwein, Antilopen, Lama, Känguruh, Vogel Strauß, Adler, Pelikan, Lämmergeier, große Kollektion von Affen und Ziervögeln, kolossalen Riesenschlangen und Krokodilen. Darstellungen finden statt um 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 9 Ahr Nachmittags resp. Abends. Haupt Borstellungen verbunden mit Fütterung sämmtlicher Thiere um 4, 6, und B Uhr Nachmittags. Programm der Vorstellung: 1. Abth.: Neu engagirt, Monsieur Platzaloni, der erste Thierbändiger der Welt, mit seinen unerschrockenen und kühnen Leistungen in dem neuen 14 Quadrat- Meter großen Centralküfig mit 4 Löwen, Tiger und Ulmer Dogge- 2. Abth-: Frl- Alma als Schäferin der Wüste, große Produktion mit Bären, Hyänen, Wölfen und Schafen- 3. Abth.: Vorführung des wunderbar dressirten Elephanten .Toni- durch den berühmten Elephanteu-Dresseur Gottsr- Kr ichel. Preise der Plätze: 1. Platz 75 Pfg-, 2- Platz 50 Pf., 3. Platz 25 Pf. — Kinder auf 1. und 2. Platz die Hälfte, 3. Platz 15 Pf. Für den Besuch ganzer Schulen oder einzelner Abheilungen derselben werden ermäßigte Preise bewilligt. NB. Erlaube mir noch zu bemerken, daß meine Menagerie nur schöne und wohlgenährte Thiere enthält, die Versicherung der Käsige ist sehr gut und kann ich einen jeden Besucher versichern, daß er meine Menagerie und Vorstellung mit großer Zu- 5546 sriedenheit verlassen wird Mit'Hochachtung Fr Krichel. Hie: selbst einige ächte junge engl. Möpse zu verkaufen- Sonntag den 2. August 1883 feiert die Tapeaiersr - Hranlssalsasse im Saale des Cafe Leib das 1. Stiftungsfest verbunden mit Concert u. Ball. Anfang 7 Uhr. Bier im Glas Eintritt 75 Pfg. NB. Nichtmitglieder haben Zutritt. 5515 II Westanlage Kari Wszf Westanlage II liefert als Specialitüt Obst-u.Weiiipressen^Kelterselirauben sowie alle Arten von Schrauben und Spindeln für Pressen rc-, schmied» eiserne Roststabe für Dampskesselfenerungen, Ziegeleien, Brennereien, Bäckereien 2c., und übernimmt die Ausführung v»?n Eifen- ' constructioncn, sowie alle ins Schmiedefach einschlägigen Arbeiten. 5115 5006 Ein möblirtes Zimmer, auf Wunsch mit Kost, oerinietbct Heine. Kiefer, dieuemveg. 4882 Die Parterre-Wohnung, best. aus 8 Zimmern, Pserdestall, Boden, Blecch- plah u. m. Benutzung des Gartens, aus 1. October zu vermiethen. Zu erfragen Fcankfurterstr. 31, ll. St 5373] Gut moblirte Zimmer mit Ca- lunct zu vermiethen. Ederstraße 8- 5410 Zwei ineinandergehende moblirte Zimmer, auf Wunsch auch getrennt, sind zu vermiethen Liebigsstraße u3, nahe der Aula. 5436 Die bisher von Herrn Professor Stammler inuegehabte Wohnung wird durch dessen Versetzung pr. 1- November anderweit vermielhbar. Reflectauten wollen sich wenden an Rud. Wolff, Liebigsstraße 46- 5453 Ein Logis von 3—4 Zimmern, mit Zubehör, Bleichplatz und Stückchen Garten, ist wegzugshalber zu vermiethen, 1. Oktober, auch früher, beziehbar. _GicbßartenJ2,ji. b. Grünbergerstraße. 5472 Ein schön möblirtes Zimmer im 1. Stock zu vermiethen. Neuenweg 22. 5478 Eine Wohnung von 2 Zimmern mit Zubehör ist zu vermiethen und am 15. October beziehbar. I. Ruckstuhl, Steinstraße 47.^ 5510 Möblirtes Zimmer mit Cabinet vermiethet Wwe- Appel, Riegclpsad 41 5527 Dammstratze 1 l'Nord-Anlage) III. Etage, bestehend in 5 Zimmern nebst Zubehör, zu vermiethen. 5524 Zwei möblirte Zimmer zu vermiethen^________._________Ostanlage 9.__ 3130] Freundlich moblirte Zimmer zu vermiethen- Fcankfurterstr. 4(\ Hl- St- 4385 Der seither von Frau Staatsanwalt Schober bewohnte dritte Stock meines Hauses, Südanlage 15, ist anderweit zu vermiethen und pr. 1. October zu beziehen. A. Malz. 2827] Laden mit Woynung, gr. o. tl-, zu vermiethen. Wettergasse 5 11. 4715 Ein neueingerichteter Laden nebst Wohnung ist Neustadt 18 zu vermiethen. Näheres bet Wilh. Plank, Bahnhofstraße 18. 5355] Laden mit Cabinet in befter Lage der Stadt zu vermiethen- Näheres in der Exped. d- Bl- 4957 Laden mit Logis zu vermiethen bei Georg Schomber, Seltersweg 30. Wermischte Anzeigen. Photographische Anstalt von e Franz GerBtode G-IESSEN Kaplansgasse (nächst dem Kreuz). 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