Rr. TS, Erste« Blatt Donnerstag den 2. April 1883 Gießener Anzeiger Amts- iinb Auzeigeblatt für den Kreis Gießen. •**“*' -chulst.-r- T. Erscheint täglich mit des Montage. M°a^Ps. Darmstadt, 31. März. Se. Excellenz Herr Staatsminister Finger und Herr Ministerialpräsident Weber sind zestern nach Berlin abgereist, um Sr. Durch!, den Fürsten Bismarck zur Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums zu beglückwünschen. Berlin, 30. März. Der Reichskanzler hat bestimm t, daß aus der in Folge des bekannten Reichstagsbeschlusses vom 15. December v. Js. gesammelten Ministerialdirector-Spende eine Stiftung gebildet werden soll, aus welcher bedürftige Beamte des auswärtigen Amtes alljährlich mit 100 JL zu unterstützen sein würden. Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Corresponderrz-Bureau. Berlin, 31. März. Bet dem morgigen Geburtstage Bismarck's wird der Kaiser mu den Prinzen des Königshauses persönlich seine Glückwünsche überbringen. Den Abendz-itungen zufolge würde der Kaiser eme nach den Zeichnungen deS Herolds- amtS gefertigte goldene Fürstevkrone als persönliche Gabe widmen, der Bundesrath und daS preußische Staatsministerium gratultren Bismarck morgen 11 Uhr. Namenü des BundeSralhS spricht StaatSm'Mster Lutz. Um I21/a Uhr erscheinen die hier anwesenden activen Generale unter Führung oeS cowmandtrenden Generals des Garde- CorpS, Pape. Die ChrfS und Angehörigen der ReichSämter erscheinen persönlich nur, Insoweit sie M tglteder des Bundesraihs sind; die übrigen geben Karten ab. Schon von den M'ttagSstunden an sind alle Straßen, durch welche der Zug der Krtegeroeretne und der Fackelzug seinen Weg nimmt, außerordentlich Hebt. In den reichgeschmückten Schaufenstern sind Büsten Bismarck's aufgestellt, tn der Wtlhelmstraße und den benachbarten Straßen ist vielfach geflaggt. In der ganzen Stadt ist ein festlich bewegtes Treiben. Viele Tausende von Fremden sind eingetioffen. Der F^stzug der Krtcger- vereine ist soeben beendet und glänzend verlausen. — Der Zug der Krtegeroeretne ist bet prachtvollem Wetter glänzend verlausen. Er umfaßte nahezu 4000 Mann. Um 3 Uhr marschiere der Zug vom Versammlungsort («rttllernkaserne) am Kupfergraben ab, an der Spitze daS älteste Veteranenkorps mit der Fahne aus den Jahren 1813 und 1814. Vor dem Kaiser Palais machte der Zug Halt, brachte dem am Fenster stehenden Kaiser em begeistertes Hoch und sang eie Nationalhymne. Bald nach halb 4 Uhr langte der Zug vor dem PalatS deS Reichskanzlers an, warschtrte vor demselben auf und präsenutte. Alsdann rückte der Fahnen- zug m t 70 Fahnen in den Hof deS Palais. Der Vorsitzende des VerbandeS, Gustav Müller, hielt eine Glückwunsch - Ansprache an den Reichskanzler, der im Portal erschienen war; die Rede schloß mit emem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Reichskanzler. Dieser erschien darauf im Hofe und dankte in herzlichster Weise. Alsdann erfolgte der Abmarsch nach dem Denkmal auf dem Kreuzberge, wo die Feier mit Ab- singung der Volkshymne und begeistertem Hoch auf den Kaiser schloß. — Der Fackelzug zu Ehren deS Fürsten Bismarck ist auf's Glänzendste verlaufen. Der Vorbeimarsch dauerte Über eine Stunde. Der Kaiser verblieb während d'sselben mit den andern Mitgliedern des kaiserlichen Hauses an dem Fenster deS Palais, vom Publikum und den Thetlnehmern des Zuges ununterbrochen enthusiastisch begrüßt. Bismarck stand während deS Vorbeimarsches deS ganzen Zuges am Fenster, von der dichtgedrängten Volksmenge sympathisch begrüßt- Nach dem Fackelzug fand rin Commers statt, welcher programmmäßig verlief. In den Worten, womit der Reichskanzler den Kriegerveretnen bet deren Aufzug seinen Dank aussprach, hob derselbe hervor, daß alle das Band gemeinsamer Arbeit im Dienste des Vaterlandes verbinde. Mein Rath wurde ersprießlich durch Ihre That. Wir Haden miteinander zu Stande gebracht, daß die Pol t«k des Kaisers verwirklicht wurde. Ich bitte Sie, auf Se. Majestät und fein ruhmreiches Heer ein dreifaches Hoch auSzubringen. — Die „R. Allg. Z." meldet: Die Majestäten und königlichen Prinzen und Prinzessinnen haben sich vereinigt und machen BtSmaick zum Geburtstag mit der Kaiser- proclamat'on zu Versailles, von Anton Werner gemalt und von einem überaus kostbaren Rahmen umgeben, ein gemeinsames Geschenk. Berlin, 31. März. Leopold Ranke empfing Morgens, umgeben von seiner gelammten Familie, anläßlich seines 60jährigen Professoren-Jubiläums eine Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten unter Führung Forckenbeck's und Sttaß- mann's, w.lche den Ehrenbürgerbrief Berlins überreichte. Der CultuSmtntster überbrachte dem Jubilar den Stern als Großkomthur des Hohenzollernordens und überreichte gleichzeitig die Glückwünsche des gesammten Staatsministeriums. Außerdem erschienen D-putattoaM der Universität und der Commission für die Herausgabe des „Monumenta germaniae“. Später beglückwünschte Prinz Friedrich Carl persönlich Ranke. Die andern Mitglieder des Königshauses sprachen brieflich ihre Glückwünsche aus; der Kronprinz sandte sein Bild. Der Bundetzrath hat in seiner heutigen Plenarsitzung dem Gesetzesentwurf, betreffend die Postdampfschiff-Verbtndungen mit überseeischen Ländern, seine Zustimmung erthetlt. — Die »Nordd. Allg. Zig." erklärt eine von einem französischen Blatte gebrachte Nachricht, ein preußischer Officier im acitven Dienste habe bet einer Birminghamer Firma 20 Millionen Kartuschen für China bestellt und tn Empfang genommen, für eine plumpe Erfindung. London, 31. März. Unterhaus. Hartington erklärte, eine Diskussion über die englisch-russischen Unterhandlungen fei für jetzt nicht erwünscht. Die militärischen Vorberettungen bedeuteten nicht eine Drohung gegen Rußland, eine unvorsichtige Aeußerung könne leicht eine irrige Auffassung Hervorrufen und die friedliche Lösung, für welche jetzt Aussicht vorhanden, tn Frage stellen. Die Zusammenkunft des EmirS von Afghanistan mit Dufferin betreffe auch die Frage wegen der genauen Defiairung LeS bestehenden Arrangements mit dem Emir. Paris, 31. März. Ein Telegramm der „TempS" aus Hanoi meldet: „Die Schwierigkeiten hinsichtlich der Verprovianlirung zwangen die Brigade Regrier, sich von Langson auf Thamnoi Dongson zurückzuziehen. Die jetzigen französischen Positionen sind gut. Die Verproviantirung ist jetzt gesichert. Die Haltung der Truppen ist vorzüglich, die Entsendung von Verstärkungen nothwendig" — Die bisher gemeldeten Minister-Listen sind der „Agence Havas" zufolge erfunden. Freycinet conferirte heute mit mehreren politischen Persönlichkeiten, darunter Sadicarnot und Spuller. Abends sollte Freycinet dem Präsidenten Gröoy definitive Antwort geben. — Vom Kriegsministerium ist Befehl ertheilt rooröen, 8000 Mann Infanterie, 6 Batterien Artillerie und eine Escadron Spahis unverzüglich nach Tongking abgehen zu lassen. Das Project der Bildung eines Corps von 50,000 Mann bleibt bis zur Bewilligung des CreditS Seitens der Kammer ausgesetzt. Die transatlantische Compagnie erbietet sich, in 35 Tagen 10,000 Mann zu befördern, die Einschiffung würde alsdann vom 4.-9. April statthaben. — Die Deputirtenkammer votirte einstimmig einen Credit von 50 Mill, für Tongking, das Votum über den weiteren Credit wurde bis nach der Con- stituirung des neuen Cabinets vertagt. — Die heutigen Morgenblätter sprechen sich dahin aus, daß der Cabinets- wechsel in den internationalen Beziehungen Frankreichs RichlS ändern werde. — Die „Röpublique fran^aise" sagt, in dem neu zu bildenden Cabinet müßten alle Gruppen der Majorität vertreten sein. Rawalpindi, 31. März. Der Herzog und die Herzogin von Con- naught trafen gestern Abend und der Emir von Afghanistan heute früh hier ein. Der Letztere wurde in einem glänzenden militärischen Aufzuge von dem Bahnhose zu der für ihn hergerichteten Residenz geleitet, wo ihn der Vicekönig von Indien empfing. London, 31. März. Ter „Times" zufolge haben die Vertreter der Türkei gestern die Deklaration und Convention bezüglich der egypüschen Finanzen unterzeichnet. — Aus Suak.rn von gestern wird gemeldet: Die Stämme sind von Osman Digrna abgesallen, Letzterer ist mit nur 100 Anhängern nach Tamanieb geflohen, ein Abgesandter Osman Digma's ist unter weißer Flagge im englischen Lager eingetroffen mit der Anfrage, unter welchen Bedingungen Friede geschloffen werden könne. — Rach einem Telegramm des „Standard" aus Mesched von gestern würden russische Truppen angeblich bei Urushtofhan tn der Nachbarschaft von Pendjeh concentrirt. — Die „Times" sagt, England wolle keinen Krieg mit Rußland provo- ciren* Rußland aber auch keine strategischen und politischen Mittel gewähren, einen^ Krieg gegen England später wirkungsvoller führen zu können. Wenn der streitige Wüstenstrich eines Kampfes nicht werth sei, möge Rußland auf denselben verzichten. Universität-- Chronik. — Der Privatbocent Dr. IunuS Saniere in Straßburg Ist zum äußere ordentlichen Professor tn der mathematischen und naturwtssenschaftltchen Fakultät daselbst ernannt worden. — Der Gymnasial-Oberlehrer amLoutsen-Gymnasmm, Professor Lio. Deutsch, tst zum außerordentlichen Profissor tn der theologischen Fakultät zu Berlin ernannt worden. — Professor Dr. Hyrtl in Wien, der berühmte Anatom, beging am 23. März sein 50jShrtges Doctoijublläum.__•_______________ Fürst Bismarck. Gedenkblätter zum siebzigsten Geburtstage. Bon P oftstor Dr. Aduloert Horawltz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „WaS unS gehalten hat, war gerade daS spectfische Preußenthum. Es war der Rest deS veikchenen Stockpreutzenthums, der die Revolution überdauert hatte, die preußische Armee, der preußische Schatz, b;e Früchte langjähriger tntelltgenter Verwaltung und die lebendige Wechselwirkung, die in Preußen zwischen König und Volk besteht. Es war die Anhänglichkeit der preußischen Bevölkerung an die angestammte Dynastie; es waren die alten preußischen Tugenden von Ehre, Treue, Gehorsam und Tapferkeit, welche die Armee von deren Knochenbau, dem Officierscorps, ausgehend dts zu den jüngsten Rekruten durchziehen." So sprach der Abgeordnete v. Bismarck tn der zwölften Sitzung der zweiten Kammer tn Berlin am 6. Sept-mber 1849 — und aus diesen Worten klingt es wie die Melodie des Dessauer und Hohenfriedberger Manches — dte Helden Friedrichs und der Befreiungskriege hätten ihre Freude daran gehabt. Der Smn dieser Rede richtete sich gegen die R itungSprojecte, welche die durch die Nichtannahme des deutschen Kaiserthums durch Fnedc.ch Wilhelm IV. gescheiterte Gothaer Partei versucht hatte, um doch noch einen Theil der deutschen Einheit unter das Dach zu bringen. Alles Unklare, Berschwommeni:, Aprionfttsche mußte aber dem durchaus conservaliven und loyalen Manne der praktischen Erfahrung um so hinfälliger und widerwäi tiger vorkommen, alS an jenem Werke die Demokraten mttgearbeitet hatten, die er, als strammer Verfechter des Königthums, schon — als Vertreter von Jerichow — im preußischen Landtage bekämpft hatte. Gewiß, wer die Verhandlungen der zwei vereinigten Land, tage und der zweiten Kammer tn Berlin durchlieft, wird auf die zahlreichen Bemerkungen bei BiSmarck'S Reden (Zischen, Murren, Heiterkeit, Unruhe, Glocke u. s. w.) aufmerksam werden müssen. ES konnte auch gar nicht anders fein. Der Abgeordnete für West-Havelland-Zauche wußte dem RadrcalismuS wie dem doctrinaren Liberalismus ein wahrhaftes enfant terrible werden; allen ihren liebgewordenen Axiomen btftrttt er die Existenz, allen ihren Schlagwörtern f.tzie ec Hohn und Spott entgegen, für ihre Ideale hatte er nur die Ironie des an der Realisfiung beifdben, ja, des an ihrem Werthe zweifelnden Politikers. Hier befitmmten vor All-m bte ganz o-rschi-den-n Bildung?,l-mmt- d-s con- servattven LandedelrnanneS und der Majorität der national-demotrattschen Partei. In Bismarck's Wesen lag mit Fug der festeste Glaube an die Haltbarkeit und die durch nichts zu ersetzende Tüchtigkeit des Friedericianischen Staates, der durch christlichen Glauben, einfache Sitte, ausdauernden Fleiß und vor Allem durch stramme Zucht in Schule, Amt und Heer so geworben war. Wie konnte Bismarck ruhig bleiben, wenn er hörte, wie die Republikaner jenes Königthum, an dem jeder echte Preuße mir all.» gafern fk unb Anderes ein Verständnlß zu erzielen. Utber bte Stadt, bte er schon auf seiner Brautreise gesehen, schreibt er an seine Frau: Alle, bte ich bisher kennen gelernt, sind demerkenSwerth liebenswürdig und die Stadt ist zwar heiß unb engstraßig, aber doch eine ausgezeichnete Stadt. Dennoch findet er, auf das ^Geschäft" eingehend, sich zu der Bemerkung veranlaßt: „’fl g'fallt mar hier gar net, bte Leute Haden entweder nicht daS Bedürfntß, sich mit unS zu arrangiren, oder fitzen eS bet unS tn höherem Grade voraus, alS eS vorhanden tst. Ich fürchte, dte Gelegenheit zur Verständigung geht ungenützt vorüber; das wird bet uns einen bösen Rückschlag üben, denn man glaubt, einen sehr versöhnlichen Schritt durch meine Sendung gethan zu haben und sie werden sobald nicht wieder E>nen herschicken, der so geneigt ist. stch zu verständta'n und dabei so freie Hand hat, wie ich." Auch in den Berichten über die Unterredungen mit dem Grafen Burl spricht fich BiSmarck in ähnlicher Art auS; er findet bet dem österreichischen Minister sogar einen gewissen Mangel an Entgegenkommen in den Formen und sieht jede gedeihliche Br- banblung her Streitpunkte ausgeschlossen. Um so angenehmer fühlt er stch von der Persönlichkeit deS österreichischen Kaiser- berührt. „Er faßt schnell auf, urtheilt sicher und besonnen unb bat eine Zutrauen erweckende E nfachheit unb Offenheit in seinem Wesen." Nicht minder rühmt er seine hohe Wahrheitsliebe. BiSmarck benutzte die Anwesenheit in Dkn am kaiserlichen Hoflager, um Ungarns Landschaften zu durchwandern. Ungern kehrt er zum grünen Tisch der Bundesversammlung zurück. Hier gab eS stets dieselben Weiterungen; tn der Wüste der Verhandlungen bildet nur die Sorge Preußens für wissenschaftliche Institute eine Oase. Da wird etrra versucht, die w ssenschattlichen Vereine SüddeuischlandS tn ein» Verbindung mit Berlin zu brngen, das Germanische Museum der Fürsorge deS Königs und d'S preußischen EultuSministerlumS empfohlen, kurz, neben den politischen und wn-thschaftlichen Factoren für die künftige Einigung auch der geistigen Bindemittel nicht vergessen. Doch mitten in diese Bestrebungen fiel die Kunde von einer großen en'ovälschen Verwicklung; der Krimkcieg erregte ganz Europa. Man weiß, wie sich die Machte gruppirten. Bismarck schien auch dieses Ereigniß eine Aufforberung an Preußen, bte nationalen Elemente um sich zu grupptren Kam es auf ihn an, so stand Preußen damals schon an der Spitze ber beutfeben Staaten. Höchst beachtenSwerth war sein Rath bezüglich der Haltung Frankreich gegen« über. Eine Concentration der französischen Streitkräste am Rhein müsse sofort zur Zusammenziehung der deutschen Contingente führen, um die Südwestspitze, den Schluß- *) Sie liegen nur in den ungemein werthvollen Publikationen auS den königlich preußischen Staatsarchiven in den von Herrn von Poschinger berauögegebenen vier Bänden .Preußen im Bundestag 1851-1859', Leipzig, S- Hirzel, vorstein deS deutschen Gewölbes zu schütz'v- »Ich bin üb:rzeuzt, baß in Paris der Glaube an unsere Entschlosiende't tm jetzigen Stadium mehr wirkt, alS bte Maßregeln selbst in einem späteren Wenn bte französischen Absichten, Truppen durch Deutschland zu führen, pcakt sch näher träten, fo ist meine Ansicht bte, baß man ihnen Marsch uib Operationfllinien burch Baben, Württemberg u. s. w. unter keinen Umiiänben gestatten kann, lieber daS Bajonnet fällen; benn efl würde daraus ohne Zweifil dalb die militärische Herrschaft Frankreichs tu diesen Ländern halb mit Liede, halb mit Gewalt sich entw'ck In' BiSmaick verschmähte in dieser Defensivpoliiik durchaus nicht auf dem legalen Boden befl Bunbeflrechtev zu strh.n; dem hoctwüthigen Worte bstärkt. ES verlohnt der Mühe, seinen Bericht über den Beherrscher Frankreichs an General von Geilach, den Gcneraladjutanten deS Kön'gS, zu lesen. Doch B smarcks Stellung in Frankfurt war erschüttert. Er meinte, wolle man ihn lediglich aus Gefälligkeit für Stellenjäger diflponiren, fo werde er sich unter die Kanonen von Schönhausen zurückzieben — „bte Aussicht auf frischen, ehrlichen Kampf, ohne durch irgend eine amtliche Fessel genirt zu sein, gewistermaßen tn politischen Schwimm- Hosen. bat fast ebensoviel Retz für mich, olfl bte Aussicht auf ein fortgesetztes Regime von Trüffeln. Depeschen und Großk.-euz'N * Unb doch blieb eS b*t letzterem, denn BiSmarck wurde alfl Gesandter tn Petersburg, wie er sich auSdrückie, kalt gestellt. Seinem Minister hm'erließ er eine weitläufige Schrift über Preußens künftige Politik, die an sehr beachtcnswerthen Bemerkungen üb.r bte Ultramontanen unb Kap taltften reich ist. Seine Stellung tn Petersburg, wohin er unter großen Strapazen gekommen war, — an feinem Geburtstage 1859 überreichte er Alexanber fein Beglaubigungsschreiben — verlangte eifrige Thätigkcit Vor Allem bte Verständigung mit Rußland! Und btrfe gelang — Dank den Qualitäten befl neuen Gesandten, ber namentlich ein Liebling der Ka serin-Mutter wurde, vollkommen. BiSmarck befand sich tn Pei-rSburg vorzüglich wohl. ES fehlte aber trotzdem nicht an rrtrospeciiven Aenßerungen über feine E fahrung'N am Bundestage, die er dem Minister Schleinitz zu bedenken gab. So schrieb er unter Anderem am 12. Mat 1859.: „DaS Wort deutsch für preußisch möchte ich gern erst dann auf unsere Fahne grschrieden sehen, wenn wir enger und zweckmäß ger mit unseren übrigen Landsleuten verbunden wären, alfl bisher." Und weiter: „Ich seh' in unserem BundeSverhältniß ein Gebrechen Preußens, welches wir früher oder später ferro et igni werden heilen müssen, wenn wir nicht bet Zetten tn günstiger Jahreszeit eine Kur dagegen vorn hmcn ' Wäbrcnd aber BiSmarck dem deutschen Staatswesen eine Kur diagnosticirte, ward er selbst auf das Krankenlager geworfen. Petersburgs Aerzte konnten ihm nicht helfen; er mußte in bte Hetmath zurück wo ibn vor Allem die treue Pfl ge seiner Frau genesen machte Dock brfiel ihm bald darnach auf einer Reise zu feinem Freunde eine Lungenentzündung. Seine Stimmung nach wirdererlangter Gesundheit war mitunter trübe unb ärgerlich, weil Preußen durchaus nicht die Stellung einnahm, bte er mit ganzer Seele ersehnte; er wurde oft pessimistisch. (Fortsetzung folgt ) Lokales. Gießen, 1. April. Der beute zu einer Sitzung zusammengetretrne Kreistag dcfl Kreises Gießen richtete ein Glückwunsch-Telegramm an Se. Durchlaucht den Fürsten Reichskanzler zu dessen heutiger GebuitStagSseier. G Gießen, 1. Avril (Sterblichkeit in Gießen.) Während der Woche vcm 22. bis 28. März war die Sterblichkeit eine geringere, alS bte in ber oorberqebenben Woche, efl ereigneten sich im Ganzen 10 Tobesfälle, davon 4 bet K nbern, 6 bei Erwachsene--. Von den Kindern waren zwei roch tm ersten Lebensjahre und starb bafl eine derselben an Darmcatarrh, bafl andere an allgemeiner Schwäche. Von den bridrn filteren Kindern erlag bafl eine der Lungenschwindsucht, bafl anbere einer Gehirnentzündung. Bet den erwachsenen Personen war TobkSursache: Lungenenfzündunz, Lungenschwindsucht, Bronchienerweiterung, Altersschwäche, Krebfl unb Brighttsche Krankheit. Gießen, 1- April. Dafl Gesammtrrgebniß der Sammlungen für die Biflmarck- fpenbe tn d.r Provinz Oberhessen bet der hiesigen Sammelstelle beträgt nach Abzug aller Kosten 6212,05 vH. ES sind eingegangen: AuS den AmtsgerichiSbezirken Altenstadt 24,10 X, Büdingen 313,65 JL, Butzbach 247.78 X, Gießen 3986,16 X, Grünberg 120,40 X. Herbstein 115,95 X, Homberg 75,90 X. Hungen 41 X. Laubach 41.46 X. Lauterbach 91,85 X. Uicb 218 C6 X, Bad-Nauheim 224,15 Nidda 193,15 X, Ortenberg 343,72.*, Schütz 105 X, Vilbel 76,70 X Summa 6218,03 Aufl bcn AmtSgerichtflbezirken Alflfeld, Friedberg, Schotten, Ulrichstein find Beiträge dahier nicht eingegangen, dieselben sinb d'.rect an bafl Landes,Comit4 tn Darmstadt etnaefanbt worden. Der oben angegebene Reinertrag von 6212,05 X ist dem Landefl Comsts in Darmstadt übermittelt worden. Vermischtes. Prag, 27. März, lieber bafl Grubenunglück bei Dombrau liegen folgende nähere Mifiheilungen vor: Die Gruben der Dombrau-Ostrauer B'rgwerkSrGefellfchaft — Eigenihümer Baron Albert Rothschild, Pächter die Herren R v. (Luttmann und Wondraczik — liegen in nächster Nachbarschaft ber Karw'ner KohltNwerke. Zwanzig Minuten vor 12 Uhr NachtS tm Wilhelm-Ludwigfl-Flöh des vierten Horizontes befl Bettina-Schachtes, welcher vier Horizonte hat, erfolgte die Explosion. Im Bettina- Schachte waren 200 Mann ctraelaufen, davon 86 im Wilhelm-Ludwigfl-Flötz.^ Von bf'fen 86 sind 54 verunglückt, 27 gerettet und 5 verwundet, weich' letztere tnfl Spital befördert wurden B>fl um 8 Uhr Äbenbfl waren 36 Todt beraufbefördert D>e Tobten liegen in einem Lokale nächst dem Unglücksschacht, weiß anoekleidet. Aufl ihrem GesichtSaufldruck ist erkenntlich, daß sie eines jähen Erft'ckongfllodeS gestorben Alle wurden aano’cht- Nur wenige Tobte pigen Brandwunden und andere Verletzungen. Nur der Wilbelmfl-Flötz tst durch die Exolofion verwüstet die anderen Horizonte und Flötze sind intakt. Die Weiterfübrung ist vollkommen herrestellt. Der Ventilator funetfontrt unb der Wetterfchacht ist nicht gestört. Die Haltung d r Bergmannschaft ist musterhaft Die Retiungflarbeiten. welche sehr schwierig sinb, werden unter ber unermüdlichen Leitung ber Beamtenschaft fortgesetzt. Die Ursache der örplofwn tn noch unbekannt. Wenige M'nuten vor ber Explosion wurde ber UnglückSflotz tnlpicirt. Den Wittwen wurde sofort Geld angewiesen. ES gab unter denselben herzzerreißende 6 cm en- °li'üea tz", Je^> tut, ?l ®«Qbt JÄ®®» Stlmmiiög ' .' die Prz- 't‘e fflkb Mi ,,nur- rm u 6W Un, °öe tönmti; ntdit ‘‘örantcetd) et‘ bann bie nter ben ob- l'Uftung aus, ^rde fedj’en •n $on Juan rlkuhrn mih. i» wenn bog e Freunbltj- monb in bä? Wn lelhft Sw« «2* -r Napoleon ^ig-Holsteiv 11 Beherrscher ß®, zu le|en. llr man ihn f bie Kanon«! Kampf, ohne !N Schwllnm- ehtrS Rkgiini fetertm, denn falt gestelli. nftlge $olltif, ) KaplaW en ßtfommtc fglaublßun^ ult Rußlao! ! !amentlich (in aber tiojte Stage, in it 12. WM g>iWtn ten oitbunbtii Itnifc ein 0u tiltn o/W, fawn.e .en M nijt je leinet , FrM'M war nWr m, bie R6Ü »er Woche m votherqehe^ ictn, 6 del fr und starb» Von ben M einer Getzlt ie :*•"$ Ä$ Ä O sr» Aufruf! Eine entsetzliche Katastrophe hat in der Saargegend zahlreiche Opfer gefordert. Fast 500 Wittmen und Waisen betrauern den Verlust ihrer Ernährer. Zu dem Schmerz gesellen sich die Sorge und das Elend. Da gilt es helfen und je schneller die Hilfe zur Stelle ist, um so größer wird ihr Segen sein. Wir wenden uns deshalb an das Mitgefühl und den Wohl- ihatigkeitssinn unserer Leser mit der Bitte, die noch immer von Erfolg gewesen ist: Nehmt Euch der Unglücklichen an, spendet für sie Jeder nach seinen Kräften! Nach Ausspruch eines berühmten H. Universitäts-Professors wären bei künftigen Generationen wenig oder keine Kahlköpfe mehr zu erwarten, wenn man sich von Jugend auf statt der schädlichen Oele und Pomaden ausschließlich des ^tmmafferd v C Retter, München bedienen würde, welches allein Alles enthält, was einer rationellen Haar- und Kopf- hautpflege dienlich ist. Zu haben um 40 Pfg. u. Mk. 1,10 bei C. Merkel. 458 Y\ j rr n i lrl0t *rzt in Frankfurt a.M., früherAmIbl Ur, IDCu. 1L (renscn. ^of. rnoor6'B,kari8, heilt raech, gründl. u. ui. vvuoviij ohne grosse Kosten alle Nerven-, Frauen-, Haut* u. Geschlechtskrankheiten (Syphilis) nach eigener Methode. Sprechstunden 10—1 und 3—b. Stiftitraflon 9? T * newört* hri»flieh Rcdaction und Expedition des „Gießener Anzeiger". Die Expedition des „Gießener Anzeiger" erklärt sich zur Annahme von Gaben für die Hinterbliebenen der Opfer der Camphauscn-Grube bereit. __________________ Für die in dec Grube »Campbaufen" Verunglückten gingen ferner bet uns ein: Von dem Verein „Union" 15 JL, A- I a. T-, Lich 450 JL, H. I. 3 JL, Frau S. Hombergcr 3 J4, Ungenannt 1 H. 5 JL, H Vogt 3 JL gesammelt von Mitgliedern der Gesellschaft Heiterkeit 16,80 JL, K. K. 1 JL 9L 3L b v4L Summa 57,30 X Jnsgesammt 1019,78 M V 11 £JL >1 ff A V I Frühjahrs-Ueberzieher, sowie CoolirmaiideB-Anziige T' 2384 Schönes Kornftroh verkauft Frau Pfaff, Tiefenweg 3. Billig u. gut! Gedr. Kaffee garantirt rein und kräftig schmeckend, per Pfund 97 Pfg., roh per Pfund 80 Pfg. bei Carl Schulze 11^ 2366 Neuen Bäue 17. Sämereien empfiehlt 1803 Th,. Loos, Neuenweg. Täglich frische Sendung Nheinsalm Wesersalm Zander Hechte Karpsen Steinbutt Schöllen Cabeljau Schellfisch Bratfische ger. Störsleisch Pfd. 1.50 Brat-Bückinge Fett-Bücklinge Speckaale Speckflundern ff. Nheinlachs Sardellen 2lal in Gelee Nollmöpse Sardinert süße Mefsina-2lpfelfinen 70 Psg. per Dtzd. in der Hamburger $ifd)f)anblung 2387 von "A. Koch. (Körbe und Kisten k St. 10—25 Pf.) 2386 Eine Garnitur Gartenmöbel zu verkaufen. I. Rothenberger, Lindenplatz. Saiz von der Großhenogl. Saline Bad-Naahelm aus gradirter Soole dargesteklt, ausgezeichnet durch seine Schärfe und Leichtlöslichkeit, Kochsalz, Viehsalz, Badesalz, Gissalz, Mutterlauge, letztere in Salinenkannen, alles bester Qualität, iuu allgemein anerkannt, ist stets vorräthig und zu den billigsten Preisen zu beziehen bei Herrn Kaufmann «5. auf dem Markt in Gießen. Grossh. Salinao- und Bargamt __________3ad-Wajhaim._________ FuWoden-Anftrich Oelfarbe, fertig zum Anstrich, rasch und hart trocknend, Leinölsteeativ, zum Einölen, Weingeistlack, sofort trocknend, Lackfarbe, in wenigen Stunden trocknend, sowie alle sonstigen Ingredienzien zum Anstreichen und Wichsen der Fußböden empfiehlt 2094 Emil Fischbach, Gehr. Kaffee pr. Pfund 100, 120, lao 100 und 180 Pfg. empfiehlt in bekannten guten Quali- täten Robert Stuhl, 1900__________Neustadt 23.________ Frische weisse Hefe 2301 Brauerei Förtsch. MarWrake 32. Grosser Ausverkauf Uarktflrake 32. des Sächsischen Strumpf" u. Handschuhlagers Um dem Wunsche meiner werthen Kunden welche mir bei dem letzten Ausverkauf fehlten, zu k Mal wegen zu großem Andrang der Zutritt nicht t Seidene Herren-, Damen- und Kinder-Handschuhe, in allen Farben und Nummern, von 50 H an, Zwirn-Tricot-Handschuhe, in allen Nummern, V< Dtzd. von 50 an, Filet-Handschuhe, sowie Filet-Jacken von 1 JL an, Kinder-Tricots für Knaben u. Mädchen von 1 Jl. an, Herren-, Damen- und Kinder-Hosen und -Jacken von 1 JL an, ebenso Unterröcke für Damen und Kinder, in weiß und bunt, von 1 «X an, gestrickte Herren-, Damen- und Kinder-Strümpfe, Va Dtzd. von 50 an, desgl. Wäsche in allen Nummern, Vt Dtzd. von 1.50 u entsprechen, habe ich mich entschlossen, noch auf 'ten. Dazu bleibe ich einige Tage, um auch diejeni; rglich war. Nachstehender Preiscourant meiner Spec bunte und weiße Damen- und Kinder-Schürzen, Stück 50 /$, Vt Dtzd. von 1 tAL an, weiße gestickte Damen- und Kinder-Röcke und -Hofen von 1 JL an, Schleier, Federn, Seidenband und Morgenhäubchen zu jedem Preis, Spitzen in weiß, schwarz und bunt, in allen Breiten und Nummern, bunte und weiße Kinder-Kragen, gestickt, in jeder Breite, '/« Dtzd. von 1 Jl. an, ebenso weiße und bunte leinene und baumwollene Taschentücher, das */i Dtzo. von 25 an, i der Größe des Posten- entsprechenden »reu find angekommen. Die bei mir gek rktstrasae 3 2, im Lad einige Tage einen Ausverkauf mit allen Neubeiten, jen Herrschaften bedienen zu können, welchen voriges ialitäten zur geft. Kenntnißnahme: besonders mache ich aus meine leinenen und halbleinenen Herren- und Kinder-Kragen, in allen Nummern aufmerksam, Vi Dtzd. von 50 an, ebenso Herren- und Kinder-Stulpen. Ein Posten Oberhemden mit Einsätzen von deinen und Shirting, mit Kragen und Stulpen, in den neuesten Dessins, pr. Stück von 2.50 JL an. Uhrfeder sowie alle anderen Sorten Corfcttes von 1 vch - n«? ein, QUett' I» c?s ** N" Miigliü . b) Th 0n . .^Ic Großh, pt^ürbg9 * Wf 5 51*>itun eAüiki