Nr. 228 Zweites Blatt Donnerstag den 1. Oktober 1889 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. .W S>ÄTM* r Schulstraße 7. Erscheint tLglich mit SvSnahme des wwbw-. ' also die Verhandlungen von Cabinet zu Cabinet fortgesetzt werden und sei die । ^°ffnun9 "och keineswegs aufgegeben, daß bei der Loyalität und Aufrichtigkeit ! der diplomatischen Beziehungen, die zwischen dem deutschen Reiche und Spanien tfaass ■n »■ 5Ia”Litiil Ichaftlichen Interessen aller Länder und Völker Oesterreichs, besonders aber die Wahrung der Einheit und Machtstellung des Reiches betont und mit Genug. t Ahnung auf die Theilnahme der Vertreter aller Völker Oesterreichs an den w I ^beiten des Reichsraches hingewiesen. Schließlich empfiehlt die Thronrede den .^geordneten den Geist der Mäßigung und eine ruhige sachliche Prüfung aller t Vorlagen- Auffallend erscheint, daß in dem knappen, der auswärtigen Politik Düten-, Papier- & Cigarrenhandlung. L® Striiss I Giessen | Bismarckstr. 7. | Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brivgerlechv Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf. gewidmeten Passus des Aufstandes in Ost-Rumelien mit keiner Sylbe Erwäh- wng gethan wird. — Gleichzeitig mit dem österreichischen Reichstage sind auch beiden Häuser des ungarischen Reichstages zusammengetreten. Im Un- obwalten, die Herbeiführung einer unmittelbaren Verständigung über den strittigen Gegenstand, gelingen werde. Die Thronrede, mit welcher am Samstag der neugewählte öster- Zur friedlichen Lösung der Karolinen-Frage sind in jüngster Leit zwei Kundgebungen zu verzeichnen. Wie bekannt, hat Spanien die von Deutschland vorgeschlagene Vermittelung des Papstes angenommen und säst unmittelbar daraus wurde gemeldet, daß sich das Berliner Cabinet durch die Ent- schuloigung, welche die spanische Regierung wegen der Madrider Pöbel-Excesse gegeben hat, für befriedigt erklärt hat. Durch diese Erklärung hat die ceremo- nrelle Seite der Karolinen-Angelegenheit ihre Erledigung gefunden und die fach- l,che Seite derselben wird jetzt allein hervortreten. Ob die päpstliche Ver- Mittelung wirklich nur eine solche sein oder ob sie vielmehr den Charakter eines Schiedsgerichts tragen wird, ist noch etwas unklar. Während die „Germania" wiffen will, der Papst werde in der That als Schiedsrichter fungiren, schreiben die „Berl. Polit. Rachr.", daß es sich eben nur um eine Vermittelung handle. Diese Vermittelung würde indessen erst dann Platz greifen, wenn sich eine directe Verständigung beider Theile nicht erzielen lassen sollte. Zunächst würden Ltt mW. Hospital M solche, die iahen und unw u berücksichtigt.^ Politische Ueberskcht. Gießen, 30. September. Die Anwesenheit des Fürsten Bismarck in der Reichshauptstadt hat sich, wie man jetzt erfährt, in der Hauptsache auf den Termin für die preußischen Landtagswahlen, die Berufung der parlamentarischen Versammlungen, die Landtags- und Reichstags-Vorlagen — besonders über Budget- Angelegenheiten — bezogen. In den letzten Tagen ist hierüber vom Kanzler mit den Ressort-Chefs eingehend conferirt worden und dürften die bezüglichen Anordnungen in der Hauptsache den Gegenstand des letzten Ministerrathes gebildet haben. Daß auch die braunschweigische Frage während des Aufenthaltes des leitenden Staatsmannes in Berlin mit erörtert worden ist, geht aus der längeren Conferenz hervor, die er in voriger Woche mit dem braunschweigischen Staatsminister Grafen Görtz-Wrisberg gehabt hat. Merkwürdig ist, daß von Braunschweig von officiöser Seite aus auch jetzt noch geleugnet wird, es seien bezüglich der Regentschafts-Frage bereits feste Bestimmungen getroffen, ja, es werden auch alle über die Person des zukünftigen Regenten von Braunschweig umlaufenden Mittheilungen als durchaus unzutreffend bezeichnet. Da es ein offenes Geheimniß ist, daß dem in etwa 3 Wochen zusammentretenden braunschweigischen Landtag vom Regentschaftsrathe nach wie vor nur Prinz Reuß als Regent vorgeschlagen werden wird, erscheint das Verfahren der braunschweigischen Officiösen unerklärlich. Die erwartete kaiserliche Verordnung, welche das Jnkraft- treten des Unfallversicherungs-Gesetzes in seinem vollen Umfange vom 1. October an verfügt, ist erschienen. Das Schriftstück ist datirt Baden-Baden, den 25. September 1885. Zwischen die sächsischen und preußischen Landtagswahlen fallen die Wahlen zum badischen Landtage und beginnen die llrwahlen am 9. October. Wie bei den Reichstagswahlen, so handelt es sich auch bei Äen Landtagswahlen in Baden in der Hauptsache nur um einen Kampf zwischen den Nationalliberalen auf der einen und Ultramontanen und Demokraten auf der anderen Seite. Bis jetzt blldeten die liberalen Abgeordneten in der badischen zweiten Kammer gerade die Hälfte der Mitglieder, nämlich 42. Es ist aber gerade nicht unwahrscheinlich, daß den Liberalen jetzt einige Mandate verloren gehen, da Ultramontane und Demokraten vielfach zusammengehen werden. In diesem Falle würde jedenfalls zunächst das badische Schulgesetz, d. h. die gemischte Schule, fallen und wahrscheinlich noch so manche Errungenschaft der liberalen Aera unter dem Ministerium Turban. Ob letzteres jedoch schließlich selbst dem Anstürme der badischen Centrumspartei wird weichen müssen, ist noch «ine Frage, denn es ist bekannt, wie hoch gerade das Ministerium Turban in dem Vertrauen des Großherzogs steht. Leib). n 4, rctobc* terhause wurde von Krany eine Interpellation über die auswärtige Politik der Regierung, insbesondere mit Rücksicht aus die Kaiserbegegnung in Kremsier und die Ereignisse in Ost-Rumelien angekündigt. Außerdem meldete der Deputirte Helfy eine Anfrage an die Regierung über den Besuch des Kaisers in Bosnisch- Brod an. Ein Telegramm aus Sofia meldet, daß 300 bewaffnete Macedo- nier dort eintrafen und sofort von der Grenze weg nach Ost-Rumelien dirigirt wurden. — Die „Times" bezeichnen die Gerüchte, die britische Regierung verlange den Status quo ante in den Balkan-Staaten, für unbegründet. Die britische Regierung that keinerlei Sonderschritte, sie cooperire mit den Mächten, um einen Ausgleich der sich widersprechenden Ansprüche herbeizuführen. Eine Uollrsdouche. Wichtigkeit der Hautpflege für die menschliche Gesundheit ist einer der wenigen Punkte, über die wohl alle Sachverständigen einig sind. Mit der Förderung der in der öffentlichen und persönlichen Gesundheitspflege eine so große Rolle spielenden Reinlichkeit ist indessen die Bedeutung von Waschungen und Bädern keineswegs erschöpft. Eine weitere, sehr wichtige Wirkung derselben besteht darin, daß sie dem Körper Wärme entzieht. Als Mittel, die Wärmeabgabe unseres Körpers zu be-. schleunigen, sind sie natürlich besonders in heißer Jahreszeit geschätzt. Eine dritte noch nicht allseitig genügend gewürdigte Bedeutung kommt den kalten Waschungen und Badern dadurch zu, daß ihre regelmäßige Anwendung abhärtend aus das Hautorgan wirkt. v Von Erkältungskrankheiten hat Jeder gehört, wenn nicht selbst daran gelitten. Der plötzliche Uebergang von einer hohen in eine niedrige Temperatur, der Einfluß von Rässe, gleichviel ob diese Vorgänge nur örtlich wirken oder den ganzen Körper treffen, rufen bei Vielen Erkrankungen hervor. Je nachdem dieser oder jener Theil weniger widerstandskräftiger ist, kommt es zu Katarrh der Nase (Schnupfen), des Rachens (Halsentzündung), des Kehlkopfs, der Luftröhre und Lungen (Husten), des Darms (Durchfall), wohl auch zu schmerzhaften Affectionen der Gelenke und Muskeln (Rheumatismus, Reißen). Je geübter die mit der Megulirung der Wärmeabgabe betrauten Muskeln, Blutgefäße und Nerven der Haut sind, dem Kältereiz in einer Weise zu begegnen, welche den Körper nicht schädigt, desto weniger ist derselbe für Erkältung empfänglich. Die Erfahrung lehrt nun, daß kalte Bäder und Waschungen einen werthvollen Schutz gegen Erkältung gewähren. Wie du Bois-Reymond mit Rosenthal ver- muthet, beruht dieser Schutz auf einer Hebung der glatten (unwillkürlichen) Muskeln der Haut und ihrer Gefäße. Kalte Waschungen und Bäder- sind „Turnen" der glatterr Hautmuskeln. Bassins-, Fluß- und Seebäder leisten ausgezeichnete Dienste, sind aber nicht immer und nicht für Jeden anwendbar. Da sich für kalte Bäder gewöhnliche Badewannen nicht wohl eignen, weil diese für die im kalten Bade nöthigen Bewegungen zu eng smd (in Badeanstalten benutzt man deßhalb zu kalten Vollbädern große Bassins), so hat man längst Douchen hergestellt, die es zu jeder Jahreszeit ermöglichen, im Hauff ein sogenanntes Regenbad zu nehmen. Die Wassermengen, welche zu diesen Badern gebraucht werden, sind sehr gering, weil das Wasser in seiner Vertheilung außerordentlich sparsam zu verwenden ist. Zu Wannenbädern sind viel bedeutendere Wassermengen nothig. Einen weiteren Vortheil gegen das Wannenbad bietet das Regenbad dadurch, daß es viel weniger zeitraubend ist. Außerdem regt es durch die mechanische Einwirkung des herabfallenden Wassers die Nerven und Gefäße der Haut kräftiger an. Aus diesen Gründen bürgern sich auch die Regenbäder in neuerer Zeit immer mehr in öffentlichen Anstalten ein; namentlich in Kasernen hat sich die Massen- douchung der Soldaten, auch in Bezug auf die Reinheit der Luft (was helfen alle Ventilationseinrichtungen, wenn der Mensch selbst durch Unreinlichkeit eine Quelle der Luftverunreinigung bildet!) ausgezeichnet bewährt. Mit Recht wird daher für Volks- und Fabrikbäder dem System der Regenbäder warm das Wort geredet, zumal sie sich ohne große Kosten einrichten lassen. Tie meisten Zimmer-Doucheapparate sind dagegen zu kostspielig, als daß an ihre allgenieine Einführung zu denken wäre. Einen billigen Ersatz liefert die bekannte Handbrause. Angenehmer als diese wirkt die von Herrn Pfarrer R. Lechler in Roßwälden (Württemberg) erfundene Volksdouche, welche nebst Rolle je nach der Länge des Seils für 6 7 ^ einschließlich der Verpackung (durch ganz Deutschland portofrei) vom Flaschner (Klempner, Spengler) Th. Kurfeß in Aalen (Württemberg) durch die Post verschickt wird. Der auf der Landesausstellung in Stuttgart 1881 prämiirte Apparat hat auf der Berliner Hygieine-Ausstellung sich die Anerkennung der Sachverständigen, insbesondere auch jene des Herrn Generalarzt Pros. Dr. Roth (Dresden) und des Herrn Prof. Dr. Lassar (Berlin) erworben, dessen Volks(Regen)-Bad sich auf der Hygieine-Ausstellung eines so großen Beifalls erfreute. Der überaus billige Preis erklärt sich dadurch, daß Herr Lechler „zum allgemeinen Besten" auf eine Patentirung der Volksdouche verzichtet und dieselbe ausdrücklich preisgegeben hat. Ehre und Dank dem Menschenfreunde! Die Douche besteht aus einem Blechgefäß, in dessen Boden eine mit Stöpselventil versehene Brause eingelassen ist und das an einem Seil über eine Rolle auf- und abgelassen werden kann. Die Rolle wird entweder in einen Deckenbalken oder in einen besonderen an der senkrechten Wand befestigten Wandarmträger eingeschraubt. Nach unseren Erfahrungen empfiehlt es sich, bei der Bestellung der Douche ausdrücklich zu verlangen, daß die Brause mit wagrechter Fläche geliefert wird. Besitzt dieselbe eine convexe Wölbung, so sprüht das Wasser stark über das Unterstellgefäß hinaus und benaßt den Fußboden. Als Unterstellgefäß dient am zweckmäßigsten eine runde, mit einem etwa 15 (Zentimeter hohen Rand versehene Zinkwanne von wenigstens 1 Meter Durchmesser. Bemerkt sei noch, daß sich die Volksdouche auch sehr leicht für den Gebrauch von Strahlendouchen, wie solche häufig als Heilmittel verordnet werden, einrichten läßt. Zu diesem Zwecke läßt man an der Seite des Blechgefäßes, dicht über dessen Boden, eine kleine, etwa 6 (Zentimeter lange Blechröhre einlöthen, auf welche der mit einem Messinghahn versehene Gummischlauch befestigt wird. Der letztere kann auch zum 2ln: und Abschrauben eingerichtet werden. Wer fein Hautorgan durch kühle Regenbäder abhärten will, der beginne in der warmen Jahreszeit und zwar Morgens sofort nach dem Aufftehen. Anfangs benutze mau bis auf 28° R. erwärmtes Wasser und gehe allmälig bis zur Zimmertemperatur herab. Keiner besonderen Betonung bedarf es, daß dem Bade eine rasche und kräftige Abtrocknung zu folgen hat. Auch zu Reinigungsbädern läßt sich die Volksdouche benutzen. Dian doucht sich mit Wasser von 28° R. ab, seift den Körper ein und entfernt durch ein nochmaliges Douchen die Seife. Jin Interesse der Abhärtung dürste es sich empfehlen, schließlich eine kalte Uebergießung folgen zu lassen, wozu ein bereit- stehender Eimer Wasser genügt. ig! Vorkommen. lauer, in. ------- ren der lüte iorflt rasch u. billig l bt/inM Hd} »r pffe 3. chmidt, M.___ Zagen würbe eine Hb. ötobaiöon gebeten, biefelbe Exped. d. Bl- ab- ndieteti- .i.r^,,«x?tonreöe> mit welcher am Samstag der neugewählte öfter- t . reuhlsche Retchsrath rite eröffnet worden ist, liegt nunmehr in ihrem Wortlaut vor. Das Hauptgewicht legt die Thronrede auf oie innere Politik und zählt —PJoCCPni öa^e ^ihe von Vorlagen auf, welche das Arbeitsprogramm des Reichs- l] | rathes bilden werden. Unter ihnen erscheinen die Vorlage, welche sich auf die »Erneuerung des Zoll- und Handels-Bündnisses mit Ungarn bezieht, das Landsturmgesetz, die Vorlage über Abänderung des Zolltarifs, das Krankenversiche- n rungsgesetz , das Gesetz über die galizische Flußregulirung und das Militär- UoWWir ^lictengefftz als die wichtigsten. Ueber den Nationalitätenzwist gleitet die kaiserliche Thronrede mit großer Vorsicht hinweg und bewegt sich nur in )1OS', <>land- allgemeinen Ausdrücken. In denselben wird die Pflege der geistigen und wirth- . a Zlayv . Interessen aller Senhor vL Vermischte-. — Bad Salzschlirf (an der Eisenbahn Gießen-Fulda). Nachdem von den neuen Besitzern des hiesigen Bades manche verbessernde Einrichtung in Bezug auf gute Verpflegung und angenehmen Aufenthalt getroffen und für dauernde Besetzung der badeärztlichen Stelle gesorgt wurde, (das gegentheilige Verhältniß wurde früher oft als Mangel empfunden) hat sich die Frequenz unseres Kurortes ganz bedeutend gehoben. Mitte Juni waren bereits nicht nur sämmtliche Wohnungen in den 3 Logir- hausern des Etablissements, sondern auch die Logis in den meisten Privathäusern besetzt und reichten, trotzdem deren Zahl durch Neubauten für dieses Jahr vermehrt worden waren, in der hohen Saison nicht aus; es ist in Folge dessen bereits die Herrichtung weiterer Wohnungen für die nächste Saison projeclirt. Schon zu Anfang August war die höchste Frequenzziffer der früheren Jahre überstiegen. Die überaus große Wirksamkeit der Salzschlirfer Kurmittel macht sich in immer weiteren Kreisen bekannt, wofür wohl als Beweis angeführt zu werden verdient, daß 7pCt. der die hiesige Kur gebrauchenden Gäste Aerzte waren. Auch das Ausland hatte diesmal eine verhältnißmäßig hohe Zahl von Besuchern gestellt. Außer dem stark eisenhaltigen Temchelbrunnen, der Schwefel- und Bitterwasserquelle, den Sool- und Moorbädern, sowie der an keinem Luftkurort besser anzutreffenden sehr ozonreichen Luft, kommt der Bonifaciusbrunnen als Kurmittel hauptsächlich in Betracht. Dieser steht als stärkste aller existirenden Lithionqucllen einzig da; sein Gehalt an Lithion (als specisisches Heilmittel gegen Gicht, Nieren- und Blasenleiden, Harngries, Nieren-, Blasen- und Gallensteinbildung geltend) übertrifft denjenigen der bedeutendsten concurrirenden -Quellen von Baden-Baden 4mal, Aßmannshausen 7mal, Homburg lOmal und die Kronenquellen in Obersalzbrunn 20mal. Coblenz, 27. September. Wenn je eine Nachricht im ganzen Rheinthal Schrecken verbreitet hat, so ist es die von dem ganz ungeahnten und alsbald so massenhaften Auftreten der Reblaus in den ausgedehnten Weinbaubezirken um Honnef. Der Fall greift zu tief in unseren nationalen Wohlstand ein, um mit Gleichgiltigkeit behandelt zu werden. Alle Vorsicht, welche die Regierung schon in der Gegend von Linz, mit oft fast zu scharfer Rücksichtslosigkeit gegen die Besitzrechte der Winzer, angewandt hatte, hat sonach nichts geholfen und wir sehen den edlen Rheinwein mehr als je vom Untergange bedroht, leider wieder durch die Einfuhr amerikanischer Reben. An solchen ausländischen Stöcken beim Steinbüscher Hof bei Honnef wurden die ersten Rebläuse entdeckt und der gestern hier eingetroffene Bericht darüber redet von einer enormen Ausdehnung der Phylloxera in der Honnefer Gemarkung. Am räthselhaftcsten ist dabei die erste Entstehung dieses Heerdes, denn der am meisten angegriffene Weinberg wurde schon vor 30 Jahren angelegt und er trug schon seit ca. 12 Jahren, seit 1873, kranke Reben, die damals $11111 Theil auch rasch abstarben, so daß man das geheime Vorhandensein einer gefährlichen Krankheit fürchtete. Seit 2 Jahren stand das Wachsthum der ganzen Fläche total still und alle Operationen der Winzer halfen nichts mehr; die Blätter der sämmtlichen Stöcke, so sagt der Bericht, hingen welk und matt, als ob sie zu dünn seien, nieder und es zeigten sich keine Nebenansätze mehr; als dann die Winzer den Stöcken durch scharfes Zurückstutzen neuen Antrieb geben wollten, muß gerade dadurch jedenfalls der Brut des Jnsects freier Spielraum gegeben worden sein, denn nun begann erst das Absterben der Reben in weiterem Kreise, so daß nmn fast von Tag zu Tag die fortschreitende Verwüstung beobachten konnte, bis endlich die Negierungscommission den wahren Grund feststellte. Man sollte nun denken, jeder Winzer werde ähnliche Anzeichen in seinem Besitzthum sofort zur Anzeige bringen, da er sonst die sichere Vernichtung seines Eigenthums erwarten darf, aber immer noch werden alle Rückgänge der Reben nur dem Regen, schlechtem Boden oder zu wenigem Dünger zugeschrieben und die Reblauscommission wird möglichst hinter's Licht geführt, weil sie möglicherweise, um die Ausbreitung eines Jnfectionsheerdes zu verhüten, gezwungen ist, eine Anzahl Stöcke, wenn auch gegen Vergütung, auszureißen. Zum Glück sind, wenigstens die Gegenden des eigentlichen engeren Rheinthals von hier auswärts bis gegen Bingen und Johannisberg, noch frei von der Reblaus, es wäre aber ein Verlust von Millionen, wenn die Districte Rüdesheini, Geisenheim, Aßmannshausen rc. inficirt würden und deshalb kann die Vorsicht gar nicht streng genug walten. Die Ernteaussichten sind diesmal doch noch ganz leidlich, es wird keine großen Massen geben, auch an der Mosel nicht, aber die Sorten stehen ziemlich alle in guter Qualität, die den Ausfall schon ersetzen kann! Süße weiße Trauben sind hier schon lange auf dem Markte und kosten pr. Pfund 25 Pfg., der Preis sinkt aber auch bereits und wird wohl bis auf 10 Pfg. gehen. — ^Deutliche Namensunterschrift.j Der Reichskanzler hat an die Behörden folgende Verfügung gerichtet: „Mehrere Herren, welche Actenstücke an mich einreichen, schreiben ihren Namen so, daß die Unterschrift zwar ihnen selbst als Ausdruck desselben gelten kann, für Andere indessen unverständlich bleibt. Es ist dies absolut unzulässig und eine deutliche Unterschrift nicht allein aus Pflichten des Amtes, sondern schon aus denen der Höflichkeit nothwendig. Auch abgesehen von meiner Person, hat Jedermann, welcher eine amtliche Unterschrift erhält, das Recht, den darunter befindlichen Namen mühelos und ohne Zuhülfenahme des Staatshandbuchs außer Zweifel zu stellen. Es wird mir unerwünscht sein, wenn ich genöthigt werde, einzelne Herren besonders und persönlich aus diese Verpflichtung aufmerksam zu machen; ich werde aber dazu schreiten, sobald mir wieder Veranlassung geboten werden sollte. Ich stelle die dienstliche Forderung, daß jeder Beamte seinen Namen so schreibt, daß er nicht allein entziffert, sondern auf den ersten Blick geläufig gelesen werden kann." — Das dürfen sich auch andere Leute gesagt sein laffen, die in möglichst undeutlicher Namensunterschrift oft das Unentzifferbarste leisten. — sWeibliche Geschäftsreisende.) Der „Magd. Ztg." schreibt man: Ein Kaufmann in S. in Süddeutschland bat seit einigen Wochen weibliche Reisende angestellt, um Geschäfte zu machen und an Gehalt, Spesen rc. zu sparen. Ist das nicht ein Zeichen der Zeit? In G. habe ich heute selbst mit einem weiblichen „Zeichen der Zeit" und zwölf männlichen Collegen im Gasthause gesessen und unter uns Allen hatte das jungfräuliche „Zeichen der Zeit" die besten Geschäfte gemacht. Warum auch nicht? Sieht man doch ein junges hübsches Mädchen immer gern und kauft ihr folglich auch etwas ab. Für sog. Confectionsartikel namentlich sind Damen, denen vom Wickelkissen an der Putz im Kopfe steckt, wie geboren, und an Geläufigkeit der Zunge (Haupterforderniß eines Reisenden) fehlt's, wie allbekannt, Damen auch nicht. Das betreffende Haus hat bereits 5 Damen als Reisende angestellt und soll sich sehr gut dabei stehen. Uns männlichen Reisenden will ich nur wünschen, daß der Erfinder ein hundertjähriges Patent auf seine weiblichen Reisenden genommen hat, damit es kein Concurrent nachahmen kann, sonst sind wir Alle — perdu. (Wo bleibt aber das „ewig Weibliche", wenn die Damen nächstens Jahr aus, Jahr ein auf der Landstraße liegen, wie die Geschäftsreisende zu sagen pflegen, und häufiger in den Hotels und in Herrengesellschaft als im häuslichen Kreise zu finden sind? Weibliche Wein- und Liqueurreisende würden dieser Neuerung die Krone aufsetzen. R.) — Das bekannte Couplet „Schwamm drüber" in der Operette „Der Bettelstudent" ist durch folgende Verse bereichert worden: Im Lande der Kastanien, Im wunderschönen Spanien, Dort, wo der Don Quixote^ Der Welt einst ward zum Spotte, Da ist man jetzt sehr kitzlich. Karline sei nicht hitzig; Du hast das Jnselfieber, Schwamm drüber. College Salamanca, Der sandte jüngst mit Dank ja 'nen Orden uns zurücke, Weil der ihn etwus drücke. Ha! ^>tolz liej)' ich den Spanier, , So denkt der Sevillanier. Ich aber sag': mein Lieber, Schwamm drüber. — sEr meint's gut.] Ein Dampfmühlenbesitzer empfiehlt sich, wie folgt: Den geehrten Ackerbürgern und den herumliegenden Landleuten empfehle ich als vorzügliches Düngemittel Knochenmehl. Auch bin ich gegen eine geringe Vergütung bereit, den Herren Landwirthen ihre eigenen Knochen zu mahlen. Literarisches. — Das Geographische Institut zu Weimar publicirte kürzlich das dritte Blatt der von ihm herausgegebenen vierblättrigen Karte von Afrika, im Maßstabe von 1 : 8 Millionen. Erwähntes Blatt umfaßt das äquatoriale und südliche Afrika, mit Ausschluß der Westküste. Indem dadurch u. a. auch die mächtigen Besitzungen der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft, sowie das ebenfalls unter deutschen Schutz getretene Sultanat Witu auf der Karte zur Darstellung gelangen, erhält dieselbe gerade heute ein besonders erhöhtes Interesse. Sieben diesen neuen deutschen Erwerbungen seien als namentlich interessante Theile der Karte u. a. noch erwähnt: Die vollständig neue Form des oberen Congo und seiner Seen, welche wir den Forschungen des kühnen Reisenden Giraud verdanken; ferner die Abgrenzung der äquatorial-afrikanischen „Freihandelszone" und des „Congo-Staates", sowie die Einzeichming des neuen britischen Protectoratsgebiets im inneren Südafrika. — Wie die Verlagshandlung anzeigt, eröffnet sie zu Anfang October ein neues Abonnement auf diese Kettler-Müller'sche Wandkarte von Afrika und zwar in 4 halbmonatlichen Lieferungen ä 2 — L. Wingelmüller, Das Anlegen von Käfer- und Schmetterlings- Sammlungen. (Magdeburg, Crentz'sche Verlagshandlung, R. u. SJL Kretschmann.) broch. 1.50 JL, gebunden 2.25 Als ein zierlich und überaus geschmackvoll ausgestattetes Buch liegt diese practische Anleitung zum rammeln und Präpariren von Käfern und Schmetterlingen vor. Der Verfasser ist, wie sich aus jedem Abschnitt ergiebt, ein durchaus erfahrener Sammler, welcher sämmtliche.Vorschriften, die er ertheilt, auch selber vielfach erprobt hat. Vorzugsweise werthvoll ist das Buch sodann noch dadurch, daß es zugleich Anleitung giebt, zur Einrichtung und Handhabung einer Raupenzucht, um seltene und kostbare Schmetterlinge auch auf diesem Wege zu erlangen. Alle Anleitungen sind durch entsprechende Holzschnitte erläutert. neu, leicht, solid, elegant, preiswürdig. Abbild, gratis IIUlvvkLvkM-MUgktt, [6612J J, G. Rumpf, Eis. Hand, Frankfurt a/M. tx z-n pral ton«di-s-lb-"! ioMnkoß-u on logen werben kM Kiefen, den -s Gr°ßh. Garm lleues $i neue ringe M- u. empfiehlt Herren- u. MA V\ Elchen. 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Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 6873 Zur Verdingung der zum Neubau des Jnfanterie-Kasernements in Gießen erforderlichen Pflasterarbeiten, veranschlagt zu 36870 *< 77 H, ist ein unbeschränkter Submissionstermin auf Dienstag den 6 Oetober er. Vormittags 10 Uhr, in dem Baubureau, Restauration Germania hier, anberaumt. Qualificirte Unternehmer werden hierzu mit dem Bemerken eingeladen, daß die Bedingungen nebst Kostenanschlag in dem Garnison-VerwaltungS- Bureau zur Einsichtnahme aufliegen, von wo dieselben gegen Erstattung der Copialienkosten auch in Abschrift bezogen werden können. 6862 Gießen, den 25. September 1885. Großh. Garnison-Verwaltung. Keilgevolenes. Neues Sauerkraut, neue emgem. Bohnen, Säst- u. Essiggurken empfiehlt 6907 __________L. Kalkhof. Herren- u. KnabenHIzliüte billigst bei Gießen. Louis Bertrand, 6252 Filiale: Wettergaffe 3. ~ T übeFoseia u. frische Veilchen empfiehlt 6956 Karl Berger, Lindenplatz. Täglich frisch gekelterten Apfelmost bei G g. 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Zimmer zu vermiethen bei 6825 Pauly & Schmidt, Wallthorstraße 46. Turnverein Gießen. Sonntag den 4. Oktober Feier des 39. Stiftungsfestes, in Stein’s Garten (früher Menzel). Programm. Nachmittag präcis 3 Uhr Festzug von Oswald's Garten aus, 3V2 bis 6 Uhr Schauturnen und Concert, von 8 bis 11 Uhr Banket, von 11 Uhr ab Tanzvergnügen. E' t-'tts ^'^^^^9^^oncert haben auch Nichtmitglieder gegen 30 Pfg. Abends kann der Eintritt nur den Mitgliedern nebst Familien, sowie den eingeladenen Gästen, gegen Vorzeigung der Einladungskarten gestattet werden. Bei ungünstiger Witterung fällt das Nachmittagsconcert aus und findet alsdann von 4 Uhr ab Schauturnen mit Musik in der Turllhalle statt. Die Concerte werden von der hiesigen Negimentsmusik unter Leitung des Großh. Musikdirectors Herrn Krauße gegeben. 6890 Der Vorstand. 6153 Ein geräumiges Bereinslocal | 6924] Fruchtlager sucht zu mieten abzugeben. Näheres in der Exp. d. Bl. 1 Joseph Herz. 6892] Möblirtes Zimmer per 1. October zu vermiethen. 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