Donnerstag den 1. October 1885 Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brii Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart Erscheint tSHkLH mit «KSmchme de« Montag». Vmeeanr Schulstraße 7. Kriegsstärke der Armee könnte ange- auch nichts. 4 der activen Armee mit 815,000 Mann. Territorial'Armee mit 454,000 Mann aufgestellt werden können, und zwar aus tonaler Kavallerie und Artillerie. Die nommen werden: An Infanterie aus 815 Bataillone Arankreich. Pari-, 28. September. Frankreich hat fleißig und mit Erfolg an seiner neuen Heer- und Wehr-Organisation gearbeitet. An materiellen Mitteln hat es saft einen Ueberfluß und ist in dieser Hinsicht der Fehler von 1870 vollständig gut gemacht. Wenn trotzdem behauptet wird, daß die französische Armee noch nicht fertig ist, so sind die Ursachen hierfür zu suchen in dem ewigen Aendern und Wechseln, der geringen bisherigen Stetigkeit der Entwickelung, in dem ießencr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Hierzu kommen noch 180 Bataillone der Infanterie. Die Kavallerie würde bestehen aus 392 activen und 148 Terri- torial-Escadrons, die Artillerie aus 545 activen Batterien (incl. Festungs- Artillerie) und 35 Territorial'Batterien mit 180,000 Mann und 2500 Geschützen , und die Genietruppen aus 50.000 Mann, so daß die active Armee sich im Ganzen aus 1,030.000, die Territorial-Armee aus rund 555,000 Monn zusammensetzen würde. Dieses würden sämmtlich Cmnbattanten sein. Rechnet man die noch nothwendigen Mannschaften für die Kadres des Trains und der Verwaltungs-, sowie Sanitätstruppen hinzu, so ergiebt sich eine Gesammtmachd von 1 800,000 Mann. Nach seinem augenblicklichen Wehrgesetz versügt Frank- reich über rund 3,700,000 Mannschaften in den Listen u. s. w., so daß der Kriegsbedarf vollauf gedeckt ist. In dieser Beziehung also kann Frankreich mit Ruhe der Zukunft entgegensetzen. Die Hauptarbeit bleibt aber noch zu leisten, das ist die innere Kräftigung der Armee, die wahre Detailarbeit in Ausbildung der Mannschaften und Osficiere und die Erziehung zu einer Disciplin, wie wir sie in unserem Heere gewohnt sind. Ohne eine solche Helsen die größten Massen Rr. 228. Erstes Blatt Frankreich ist im Stande, im Mobilmachungsfall sofort aus seinen 19 Armee-Corps 24 zu sormiren, welche in erster Linie verwandt werden können und die ungefähre Stärke einer deutschen haben. Es treten hinzu voraussichtlich 8 Kavallerie-Divisionen. In zweiter Lmie würden noch 8 Armee-CorvS Marsch - Infanterie - Regimentern terri- reunbIi^ 14. "Nrn,. SJltorkrtt. ,«Ä SSÄml 6°nruhjg7 1 wrmietbtn Keutschkand. Baden-Baden, 29. September. Um 4 Uhr Nachmittags erfolgte der feierliche Einzug des Erbgroßherzoglichen Paares Am Bahnhof wurde dasselbe begrüßt vom Freiherrn von der Goltz Namens des Kaisers, vom Grafen Fürstenstein Namens der Kaiserin, vom Stadtdirector v. Goeler und dem Ober- Bürgermeister Goenner. Das neuvermählte Paar hielt seinen Einzug unter Glockengeläute und Kanonendonner in die glänzend geschmückte Stadt nach dem neuen Schloß, wo der Großherzog nebst Gemahlin und der deutsche Kronprinz das Paar begrüßten. Sämmtliche Vereine defilirten. Den Schluß bildete der Hochzeitsmarsch und Hymne von Pohl, componirt von Rübner. Abends findet Vorstellung bei den kaiserlichen Herrschaften statt, alsdann erfolgt ^eine Rundfahrt durch die illuminirte Stadt. (Fr. Ztg.) Chemnitz, 28. September. Socialistenprozeß. Nach dem Anklagebeschluß wird den Angeklagten zur Last gelegt, an einer Verbindung zur Beförderung und Erreichung bestimmter, der geschlossenen Zahl ihrer Mitglieder bekannter Zwecke der in $ 1 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie gedachten Richtung theilgenommen zu haben, beziehentlich Theilnehmer einer solchen Verbindung zu sein, deren Dasein, Verfassung und Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden soll und zu deren Zwecken oder Beschäftigungen es gehört, Maßregeln der Verwaltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern oder zu entkräften, insbesondere dadurch, daß sie möglichst viel Preßerzeugnisse des in S 11 des Socialistengesetzes erwähnten Inhaltes trotz der entgegenstehenden Bestimmung dieses Gesetzes hergestellt und verbreitet haben. Letzteres haben sie auch bezüglich bereits nach diesem Gesetze verbotener Druckschriften, darunter die periodische Druckschrift „Der Socialdemokrat" gethan. Schließlich werden die Angeklagten beschuldigt, Versammlungen der in 8 9 des genannten Gesetzes gedachter Art bez. Versammlungen überhaupt mit Umgehung der in dieser Beziehung bestehenden gesetzlichen Vorschriften über das Vereins- und Versammlungsrecht heimlich abgehalten zu haben. Die Angeklagten bekennen sich sämmtlich der ihnen zur Last gelegten Strafthat nichtschuldig, nachdem Bebel Namens Aller auf Befragen die Erklärung abgegeben hatte, daß sie sich auf die wider sie erlassene Anklage auslasfen wollten. Der Vorsitzende gab hierauf einen kurzen Uebcrblick über die Wandelungen in der socialdemokratischen Partei und ihre Organisation bis zum Erlaß des socialistengesetzes. Seitens der Angeklagten wurde hiergegen keinerlei Einwand erhoben, Nachdem eine Reihe belastender Artikel aus dem „Socialdemokrat" und andere schriftliche Aufzeichnungen vorgelesen worden waren, suchten die Angeklagten darzuthun, daß die socialdemokratische Partei nach Erlaß des Socialistengesetzes keine feste Organisation mehr besitze, wenigstens keine solche, daß man von einer „Verbindung" im Sinne der Anklageschrift sprechen könne. Als eine Reichstagsrede Dollmar's verlesen werden soll, macht der Vertheidiger, Rechtsanwalt Freytag, darauf aufmerksam, daß diese Maßnahme im Hinblick auf die Verfassung unstatthaft sei; der Vertheidiger bemerkte ausdrücklich, daß er der Verlesung nicht widersprochen habe, weil er den Inhalt der fraglichen Rede für die Angeklagten burchaus nicht als belastend ansehen könne, er habe formell das Recht des Reichstagsabgeordneten gewahrt wissen wollen. Da Rechtsanwalt Munckel der Verlesung dieser Rede ausdrücklich widersprach, so zog sich der Gerichtshof zur Beschlußfassung zurück und verkündete bei seinem Wiedereintritt den Beschluß, den Einwand der Ver- lheidigung als unbegründet zu verwerfen. Hierauf erfolgte die Verlesung der gedachten Rede. 16 • ' 16 [ Mangel einer Disciplin, wie sie aus dem Gefühl der Treue und Anhänglichkeit I ar. k-n angestammten Herrscher und Kriegsherrn entspringen kann, und in dem geringen Abschluß der Armee als solcher gegen die verderblichen Einflüsse des politischen Lebens. Die französische Armee ist uns ein Beispiel, wie die Stärke eines HeereS'Organismus noch auf anderen Faktoren beruht, als blos auf der Grundlage möglichst großer Mittel an Personal und Material. Letzteres hat Frankreich besonders berücksichtigt und wenn die Armee seit 1870/71 noch nicht den innern festen Halt gefunden hat, so ist dieser daraus kein Vorwurf zu machen, wohl aber der im Lande herrschenden Parteiwirthschaft. Es ist interessant, sich einen Ueberblick zu verschaffen über die enormen Zahlen an personellen Streitkräften, mit denen unser westlicher Nachbar nach kaum 14jähriger Neuordnung seiner Heerverhältnisse rechnen kann. Landes - Baugewerkschule Darmstadt. Die Landes-Baugewerkschule zu Darmstadt beginnt ihre» zehnten Jahres - Cursus am 16. November l. I., welcher 4 Monate, also bis zum 15. März 1886 andauert. Dieselbe soll, zwischen Handwerkerschule und technischen Hochschule die Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Mühlenbauern, Gelegenheit bieten, sich die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb erforderlichen theoretischen Kenntnisse und die nothwendigen Fertigkeiten im Zeichnen und Entwerfen von Plänen für die praktische Ausführung zu erwerben. Auch soll die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Parlieren, Bau- aufiehern rc- dienen. Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen Tageszeit ertheilt. — Die Schule umfaßt 2 Klassen mit folgenden Unterrichtsgegenständen • Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie (einschließlich Schattenconstructionen und Perspective), Bauconstructionslehre (einschließlich Stabilitäts- und Festigkeitsberechnungen), Elemente der Maschinen-Constructionen, Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunde (einschließlich Planzeichnen), Materialienkunde, gewerbliche Buchführung, Theile der Bauführung mit Unfertigen von Kostenvoranschlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Modelliren in Thon, Holz rc. Die Unterrichtslocale befinden sich Neckarstrabe Nr. 3, unfern von den Bureaulocalitäten, der Bibliothek und der technischen Mustersammlung des Großherzoglichen Gewerbvereins, so daß die letzteren von den Schülern besucht und geeignet benutzt werden können. Bedingungen zur Aufnahme sind: 1. Für vie untere Abtheilung, die !• Klaffe: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, tvelche eine mindestens ein? jährige Beschäftigung in einem technischen Gewerbe nachweisen können; Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällen gestattet. Von den Auszunehmenden wird nur der Nachweis der Kenntniffe verlangt, welche den von der Oberklasse einer Volksschule Entlaffenen zukommen sollen. 2. Für die obere Abtheilung, die II« Klaffe, muß außerdem der Nachweis ausreichender Kenntniß der niederen Arithmetik, einer angemessenen Fertigkeit im Freihand- und geometrischen Zeichnen, sowie in der Lösung einfacher Aufgaben der darstellenden Geometrie, und der Befähigung, sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich machen zu können, geliefert werden. u r Das Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit 30 Mark und ift beun Beginn des Curses vorauszubezahlen. Anmelduugen zur Aufnahme wolle man möglichst frühzeitig und längstens bis zum 31. Oktober l. I. schriftlich bei der unterzeichneten Stelle oder auch mündlich auf dem Büreau derselben — Neckarstraße 3 im III. Stock bewirken. Darmstadt, den 15. September 1885. Großherzoaliche Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein. _____________________F int B u sch. ____________________________________________ 1 Stübchen zu Der ^apP.GachM W vermieden. Mgärtcben 20. | ock meines Hause; 6or) pr. December I ranz Gerbode. ! irte Zimmer zr Flügelsgasse 24. i u vermiethen, an; Steinstraße 43. I linterhanse ist ein ein belles trockenes mitten. Elsoffer. | frnmilligt. ( wr mitten. I irb^nlay 28-_ I mer per b Oc- | tt, Marktplatz.^ Zimmer per > n. ter, am Brand. nrerM vermietbm- Kühne senior. lthorstraße. il. Zimmer sogleich BohMttaße^, Zimmer nächst der EorstraßeH^ ^ampsmolkerei seil- lungen, soivtt.M' mb Burschenzlmim auf Wunsch am tt), Bierbrauerei- Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Eorrespondeur - Bureau. Berlin, 29. September. Vormittags wurde im Reichstagssaale durch den Cultusminister der Geologencougreß eröffnet. Der Minister begrüßte die erschienenen Geologen 9tamens der Regierung. Dechen wurde zum Ehrenpräsidenten, Prosesior Beyrich zum Präsidenten gewählt. Nachmittags erfolgt die Eröffnung der geologischen Ausstellung in der Bergakademie. Berlin, 29. September. Die „Nordd. Allg. Ztg." widerspricht der Itachricht von einer bereits factisch vollzogenen directen Verständigung zwischen Spanien und Deutschland und fügt hinzu, zunächst bleibe die zweite spanlsche Note deutscherseits zu beantworten. Der Entwurf der Antwort liege dem Kaiser vor, das Actenstuck werde voraussichtlich erst Ende der Woche nach Madrid abgehen. ritt, L °'e',or GM meint? M anbermeit n Aber,» bkjichi. -SüMBtDn. I Wiuwrmirtjtl —Asterweg 4u. Ammer, für änen I :r Echüier passend, JU 2. (Hage (g mcs bei ^§k--Neustabt. Anzeigen. ^Promenadck^ «der jS föiffltn M b. AS!' 164 20 1 1 19^ Baden-Baden, 29. September. Das kaiserliche Paar empfing heute Mittag den Besuch des Nachts eingetroffenen Königs von Belgien. Nachmittags ist bei dem Kaiserpaare zu Ehren des belgischen Königs ein kleineres Diner; darnach erwarte dasselbe den ersten Besuch des erbgroßherzoglichen Paares nach seiner Vermählung. Kiel, 29. September. Capitän Stenzel ist zum Geschwaderchef des zu formiren- den Schulgeschwaders, Eapitän Karcher zum Oberwerstdirector von Wilhekmshaven ernannt. Chemnitz, 29. September. Im Socialisten-Prozeß wurde heute die Beweisaufnahme fortgesetzt. Um den Nachweis zu liefern, daß die Parteileitung geheim gehalten sei, wird ein Artikel des „Socialdemokrat" vom 9. November 1882 verlesen. Bebel erklärte, die Parteileitung übernehme mir dann die Verantwortung, wenn ein Artikel unterzeichnet sei. In Betreff der Wiedergabe des Stenogramms der Reichstagsrede Hasenclever's schloß sich der Gerichtshof einer Entscheidung des Reichsgerichts an, wonach das Stenogramm als Urkunde zum Beweise dafür, daß die incriminirte Aeußerung gethan worden, zu betrachten sei. Munckel protestirte gegen die Verlesung und verlangte die Gegenwart Hasenclever's, worauf der Staatsanwalt das Beweismittel fallen läßt. Ein weiterer Artikel des „Socialdemokrat" wird verlesen, welcher schließt: Wir pfeifen auf Eure Gesetze. Bebel erklärte, dies sei eine Phrase, die er und seine Partei oft und gern gebrauchten. Gegen die vom Staatsanwalt beantragte Vorlesung einer Reichstagsrede Vollmar's protestirte Munckel, weil Vollmar abwesend sei, auch in diesem Falle verzichtete der Staatsanwalt auf die Beweismittel. Chemnitz, 29. September. sSocialisten-Proceß.^ Bezüglich der Theilnahmc an dem Kopenhagener Congreß sind Die Angeklagten geständig; sic geben zu, daß sic sich unter falschen Namen anmeldeten, nm Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Hierauf werden Auszüge aus dem „Socialdemokrat" verlesen, worin der Aufruf an die Parteigenossen zur Theilnahmc an dem Congreß publicirt ist. Bebel gibt zu, daß der Aufruf unter der Verantwortung der Parteileitung erfolgte, verwahrt sich aber dagegen, für deren Einladung verantwortlich zu sein. Der Angeklagte Heinzel, der bei seiner Vernehmung in Kiel die wesentlichen Anklagepunkte als richtig zugegeben, erklärt heute, er sei damals von einer langen Geschäftsreise zurückgekehrt, körperlich und geistig erschöpft gewesen, habe viel schweren Familienkummer gehabt und sei in diesem Zustande einem anderthalbstündigen Verhör unterzogen worden. Mit den inneren Parteiverhältnissen sei er wenig vertraut und habe die Tragweite seiner Aussage nicht bemessen. Seine Aussage sei in unwissender, unüberlegter Weise erfolgt, er müsse jede Verantwortung für dieselbe heute ablehuen. Die Beweisaufnahme ist beendet, die Verhandlung wird morgen fortgesetzt. Bern, 29. September. Das Rheinthal im Canton St. Gallen ist theilweise überschwemmt; die Eisenbahn zwischen St. Margarethen und Rheineck ist unterbrochen. Innsbruck, ' 29. September. Die Südbahn ist auf der Strecke Salun-Neu- markt durch Hochwasser zerstört; die Reichsstraße ist überfluthet uud der Verkehr unterbrochen. Die Etsch ist an mehreren Stellen ausgetreten und zerstörte dte Cvmmuni- cationen. Aus einigen Gegenden fehlt jede Nachricht. Trieft, 29. September. Gestern Abend hat ein furchtbarer Südweststurm sämmtlichc Ufer und umliegende Straßen überschwemmt. Ein österreichisches Barkschiff ist gesunken, die Mannschaft gerettet. Meran, 29. September. Der Himmel ist wieder aufgehellt. Das Hochwasser hat sich verlaufen, der Eisenbahnverkehr nach dem Norden blieb ohne Unterbrechung. Paris, 29. September. Die „Republique francaise" sagt: Der Friede des Contincnts fordere die Anerkennung der vollendeten Thatsachcn in Bulgarien, ohne die Existenz der Uebcrrefte des ottomanischen Reiches in Europa in Frage zu stellen. Amsterdam, j?9. September. Gestern Abend gab cs abermals Menschenansammlungen in den Straßen. Größere, vorwiegend aus Socialdemokraten bestehende Trupps durchzogen, von Tausenden Neugieriger gefolgt, unter dem Gesänge socialistischer Lieder, die Straßen. DiePolizei beschränkte sich jedoch auf die Ueberwachung. Ernstere Ruhestörungen kamen nicht vor. London, 29. September. Lord Salisbury begab sich gestern nach Hatfield und der auf heute anberaumt gewesene Cabinetsrath ist bis zum 6. October verschoben. -- England wird bei den Botschafter - Berathungen in Konstantinopel, deren Beginn alsbald nach dem Eintreffen des auf der Reise befindlichen deutschen Botschafters. Erwartet wird, durch den Gesandten White vertreten sein. Rom, 29. September. Cholerabulletin vom gestrigen Tage. In den Provinzen Palermo 159 Erkrankungen und 89 Todte; Ferrara 13 Erkrankte, 5 Todte; Massa- carrara 4 Erkrankte und 1 Todter; Modena 1 Erkrankter und 1 Todter, Parma 5 Erkrankte und 7 Todte. — Die italienische Regierung machte gleichfalls Vorstellungen in Athen und Belgrad zur Annahme einer ruhigeren Haltung. Petersburg, 29. September. Das ,-,Journal de St. Pctcrsbourg" schreibt: Bei der diplomatischen Action in Konstantinopel, zu welcher Rußland die Initiative ergriff, handelt es sich nicht um eine förmliche Conferenz, sondern um eine Botschafter- Vereinigung, um der diplomatischen Action der Großmächte einen einheitlichen Character zu geben. Angesichts der versöhnlichen und friedlichen Dispositionen der Groß- mächre werde hoffentlich die Krisis keine Ausdehnung erfahren und eine baldige Beruhigung finden. Bukarest, 29. September. Wie verlautet, ist eine Verstärkung der Garnisonen in der Dobrudscha angeordnet. — Der König empfing den in einer Specialmission eingetroffenen serbischen Generaladjutanten Katargi. Belgrad, 29. September. Auf der Eisenbahn nach Nisch ist der Personen- und Güterverkehr eingestellt. Es werden nur noch Truppen und Kriegsmaterial dorthin befördert. Sofia, 29. September. Einige Agitatoren und Badenführcr wurden an der Grenze verhaftet. Bukarest, 29. Sept. Die „Agencc Havas" meldet: Die Nachricht aus Belgrad, wonach zwischen Serbien, Griechenland und Rumänien ein Einvernehmen wegen einer gemeinsamen Action bestünde, wird seitens der rumänischen Regierung formell als gänzlich unbegründet bezeichnet. Ebenso entschieden wird demcntirt, daß der Regierung irgendwelche Agitation willkommen sei und um selbst das Aufstcigen eines jeden derartigen Verdachtes zu vermeiden, wurde beschlossen, die alljährlich im Herbste stattfindenden Einberufungen von Mannschaften für dieses Jahr zu unterlassen. Der König besichtigte nur das Militär in den Garnisonen. Kaltaro, 29. September. sHavas-Meldung.^ Hier eingegangenen Nachrichten zufolge nahmen die Miriditen gegen 200 Pferde weg, welche für die türkischen Truppen an der Grenze bei Gussinjc bestimmt waren. Athen, 29. September. Die Truppensendungen nach der Grenze dauern fort. Nachrichten aus den Provinzen melden, daß die Rede des Königs vom Sonntag einen bedeutenden Eindruck gemacht habe. In den meisten Städten fanden Versammlungen zu Gunsten einer Actionspolitik statt. Ein Decret, welches die Kammern einberuft, soll demnächst erscheinen. XXXVIII. Uersammlung deutscher Philologen und Schulmänner. ii. Die auswärtigen Mitglieder und Gäste sind im Laufe des gestrigen Tages hier eingetroffen. Das auf dem Lenz'schcn Fclsenkellcr errichtete Empfangs- und Auslunfts- Bureau mar sehr zweckmäßig eingerichtet so daß alles Nothwendige rasche Erledigung finden konnte. Eigens dazu decorirte Schüler der höheren Lehranstalten hatten die Aufgabe, die Herren in ihre Quartiere „zurcchtzuwciscn", ein Thätigkcitswort, das sonst bei den Schülern nur im Passivum vorzukommen pflegt. Am Abend fand eine freie Vereinigung zu gegenseitiger Begrüßung in Stein's Garten statt; in Anbetracht der rcdereichen kommenden Tage hatte das Präsidium die dankenswcrthe Bestimmung getroffen, daß an diesem Abend jede officicöe Redelust hinter „das Gehege der Zähne" gebannt wurde, und so konnte denn die gegenseitige Begrüßung in ungezwungener Weise stattfinden. Alte, im Schuldienst ergraute Schulmonarchen, die vor Jahren bei ähnlichen Festen sich kennen lernten, Studienfreunde, die die Willkür des Schicksals in entfernte Gegenden verschlagen Alle hießen sich freudig willkommen und tauschten Gruß und Handschlag. Nachdem die Fremdlinge einigermaßen seßhaft geworden waren, erfreute der Männerquartett-Verein unter der schneidigen Leitung des Herrn Kron bau er die Anwesenden durch einige Lieder-Vorträge, die reichen, wohlverdienten Beifall fanden. Tann suchten die Herren allmälig ihre Quartiere auf, um sich von der Reise zu erholen und Stärkung für die kommenden Tage zu suchen. Doch dürfen wir, als gewissenhafte Berichterstatter, nicht verschweigen, daß noch ein auserlesenes Häuflein in später Stunde literarhistorischen Studien oblag, indem es das Schlußwort von Schillers Fieseo in's Praktische übersetzte: in der altehrwürdigen Brauerei Weidig, in der viele bejahrte Festgäste vor vielen Jahren studirt hatten, wurde von froher Tafelrunde noch ein vorzüglicher Schlummerschoppen eingenommen. Wir crwähren noch, daß auch für das Club-Concert (heute Abend) Gesangsvorträge des Quartett-Vereins in Aussicht gestellt sind. Paradies und Hölle. Monte-Carlo, im September. Wer von meinen lieben Landsleuten gleich mir den Spaziergang hierher, nach der herrlichen Riviera antritt, der bekommt unterwegs immerhin ein Stückchen gewaltig schöner Gotteswelt zu sehen. Beim ersten Strahl der ausgehenden Sonne ist man vor den Lagunen. Venedig im Morgenkusse mit der Sonne: braucht man da mehr zu sagen? Das ganze Stück „Oberleder" des italienischen „Stiefels", das nun folgt, besonders die Lombardei, wirkt etwas ermüdend auf den Beschauer aus dem Coupe- Fenster. Es ist schönes Flachland, aber immerhin nur Flachland, und die Waggons der „Alta Italia" lassen an Bequemlichkeit genug zu wünschen übrig. Eine Promenade durch Milano übrigens läßt die ausgestandenen Strapatzen leicht vergessen. Dann fährt man weiter und je mehr man sich dem Genuesischen nähert, desto mehr kommt man in's malerische Italien hinein. Er ist doppelt malerisch, dieser Theil der „Bella Italia", vermöge der Berge mit ihrer Vegetation und vermöge der Häuser, ja, der Häuser. Es kann Einer leicht Architekt dort fein. Die Leute bauen sich kahle viereckige Häuser, malen sich die schönsten Facaden darauf und der Palast ist fertig. Gemalte Gesimse, gemalte Balkons, gemalte Fenster — nur keine gemalte Frauen, trotzdem sie dort alle bildhübsch sind. Auf einmal ist man hart am Golf von Genua, bezw. am mittelländischen Meer und verläßt cs nicht wieder bis Nizza und noch weiter. Das Rauschen der Meeres übertönt weit das stärkste Tosen des dahinjagenden Zuges und nur in den zahllosen Tunnels poltert das Dampfroß mit feinem Anhängsel allein. Immer das wunderbare, schöne, blaue Meer, herrliche Buchten, Orangenbäume — den Qualm der Locomotive schlägt die Seebrise in's Land hinein und ungehindert dringt die würzigste Paradiesesluft in das Coupö. Eine Göttcrfahrt! Ah, diese herrliche Riviera! Von Ventimiglia ab ist's geradezu berauschend; Mentone, selbst ein kleines Paradies auf Erden, und dann, kurz vor Nizza, das wirkliche Eden. Das festungsmäßige Häuserwerk dort am Felsen oben, hart am Meere, mit dem Schloß und der unteren Stadt, ist Monaco — und gegenüber, von Kunst und Natur zur höchsten Schönheit gebracht, ist Monte-Carlo — das Paradies und auch zugleich die Hölle. Vom politischen Standpunkte aus ist es ein putziges Staatswesen, dieses Fürstcn- thum Monaco mit seinen etlichen Schock Untertanen und seinem Dutzend Soldaten. Muß schwere Sorgen haben, dieser Herrscher von Monaco; und er hat gewiß seine leibhaftigen Minister und Staatsräthe, der Fürst ... Da dieselben ihre Gagen, wenn auch indirect, aus jenem wunderbar schönen Palaste, aus dem ich soeben komme, erhalten, so muß in diesem Spielercilündchen vielleicht nicht einmal die Steuerschraube zu fest angezogen sein. Ja, dieser Palast, dieser Wunderbau, der da mit feinem palmstrotzenden, märchenhaft schönen Park in's Meer hineinragt, dieser Palast ist die Spielbank von Monte-Carlo und Monaco. Auch ich hatte mich im Gänsemarsch mit schönen Damen und noblen Herren unter Vorweisung meiner Visitenkarte um eine „Carte d’entröe exceptionelle“ beworben. Vorerst gelangte man in einen Vorsaal, dessen tiefe Pracht nahezu verblüffend lvirkt. Was muß dieser Bau für Geld gekostet haben! — Geld? Das Geld ist hier buchstäblich Chimäre, das hat früher hier der hochselige Mr. Blanc gelehrt und das lehrt jetzt die Gesellschaft be§ „Cercle des etrangers“, seitre Nachfolgerschaft. Geh' nur hinein durch jene Tbür: so Mancher ist hier mit einem Vermögen in der Tasche hin ein - geschlüpft und zur onberen Thüre mit der Aufschrift „sortie“ hinausgcwankt, mit 4 Francs für je verlorene Tausend als Reisegeld. Und manchmal hatte er dann an Reisegeld tausend und noch viel mehr Francs in der Tasche, manchmal aber nur ein gewisses Instrument mit einer Trommel ohne Kalbfell mit sechs harten Pillen darin. Wozu übrigens alte Geschichten erzählen? Ich ging hinein. Im ersten Saale stehen zwei Roulettes und im zweiten deren sechs.. Sämmtliche Fenster sind mit doppeltem grünem und weißem Gewebe verhängt; angenehmes Halbdunkel herrscht in dieser parfümgeschwängcrten Atmosphäre. Nur wenige Lampen brennen an den mit Amorettenfresken verzierten Wänden, blos die bewußten, dicht umdrängten grünen Tische sind durch vierfache Schirmlantpen an langen Broncekctten beleuchtet. Hier glitzern goldene Napoleons und silberne Fünf- frankenthaler. Die Croupiers schieben sie mit dem hölzernen Schausclchen bin und bedeutend öfter her — eine luftige Xylophon-Musik — der Bankhalter schichtet sie mit der Geschicklichkeit eines Eskamoteurs in Rollen, dann dreht er wieder an jener zierlichen Maschinerie, die Kugel rollt eine Weile, dann klapp, steckt sie. Nummer und Couleur werden angegeben, wieder fliegen die Münzen — so ein Bankhalter wirft ein aewonncnes Goldstück dem Betreffenden beinahe in die Tasche, so geschickt manövriren Diese Herren mit weißer Binde — und wieder dreht sich die Roulette. Das ist das „Rouge et noir* mit seinen 36 Nummern, das Kinderspiel mit wenig Risiko. Mait kann höchstens einige Hunderttausende dabei verlieren und dann steht man auf, denn es wird langweilig. Da drin, im dritten Saale, an diesen beiden Tischen mit der biftinguirten Umgebung, das nenn ich mir ein Spiel! „Trento et quarante“, da geht es nur mit großen Goldstücken, dann mit Tausendfranksbillets. , Der mindeste Satz ist ein Louisd'or. Hier kann in einer Viertelstunde der Millionär zum Bettler und allerdings and) der Bettler zum Millionär werden, vorausgesetzt, daß er den unumgänglichen Louisd'or mitbringt. „Re jeu est fait!" sagt der Bankhalter und wirst dann von Neuem die Karten. Die Herumsitzenden sagen gar nichts. Ein jeder dieser Herren und jede von diesen Damen verrathen eine andere Heimath, trotzdem sie alle französisch sprechen und alle aus Nizza kommen. Eigentliche verzweifelte Gesichter konnte ick) mit dem besten Willen nicht entdecken. Ich sah einen jungen Mann in farrirtem Anzuge „auf einem Sitze" genau sechzigtausend Francs verlieren, abzüglich der inzwischen eingegangenen Nummern. Nur etwas ärgerlid) sprang er auf, klemmte fein Monocle ein und im nächsten Moment lachte er drüben auf dem Sopha mit einer Dame. Die Leute müssen eben Geld haben wie Heu. Das geht so fort, von 11 Uhr Vormittags bis 11 Uhr Nachts, ununterbrochen, überdies noch in verschiedenen separaten Spielzimmerchen. Trotzdem sich auch eine große Zahl Professionsspielcr in Monaco „anständig" ernährt — denn betrogen wird nicht, bas muß der erbittertste Feind dieser Hölle im Paradiese einräumen — muß die Spielbank-Gesellschaft ihr gutes Auskommen haben. Ihre Auslagen belaufen sich pro Tag genau auf 67,000 Frcs. Wer bezahlt dies mitfammt dem sehr erklecklichen Gewinn? — Das p. t. Publikum. Aber es zahlt ja gern. Beim Verlassen dieser maurisch-stilvollen Säle fielen im Park rasch nacheinander Zwei Schüsse. Ick) war entsetzt. Doch ein Selbstmörder! Schrecklich! Wird man denn nicht doch den Spielteufel and) von hier austreiben? Meine Erregung war grundlos; unten im Park, hart am Meeresufer, werden Tauben geschaffen. Die armen Täubchen, die gefehlt werden, fliegen rasch wieder in den Schlag, in die eigene Armensünderzettc. Die getroffenen zuckenden Symbole der Sanfmuth aber apportirt ein gut dressirter Vorstehhund. Nur den Anhängern dieses „Sport" gönne ich es von Herzen, daß man sie da oben um ein paar lumpige Millionen leichter macht. Lokale-. 0- GieHen, 30. September. (Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle während per Woche vom 20. bis 26. September belief sich im Ganzen auf 7, wovon sich 5 bei Erwachsenen, 2 bei Kindern ereigneten. Bei den erwachsenen Personcir war Todesursache: Lungenblutschlag, Lungenschwindsucht, Tuberculosc der Gelenke je. I . s 5. eiWll, Ifi. o- ^j.fune eine llnSflin««lkrSrä PfStn fern.1; liDiv öw .j. be Dank cerpfti' \W }U4e Hülfe lvu rn c.jf i|nb verbori M di- M ixt« «■ d.l s «SftÄ esas Cniißvenen her ra Ä I werben. -indem die&Wr Wen w 'm einem HerM 'm des betr. W Am benachrichtigt L rit eindringlichster^ Mit dieselben nicht Vom i. Cd unb ben PechW m ÄWX x «ö OchM Am 1 October l naümetürif für die 5 Infusorienerde und S Äben diessei ^sächlichsten in Kraft. ^Tie gegenwärtig rarifsahe für Grube wellen gelangen da '* 'M Taxerk men sind, finden l'ü zm 15. “ataa. Mm' -öerbandsHütererpi Gießen, den 26. । Gwßherzog Ieikge. Ne Dan । Ber0mann’s 6977 IMAlkn O. Ntt W \ ' „(Mist 6er- M Sri JtoburgEt W enb) Ptember. 9,Net, n°ch ^en Seivaltjg ^e ist man man da niebr ?uu folgt, bf: \?£m (Souper ^Waggons we Promenade r*. Dann ® .knehr kommt der „Bella An m, ber 'A kahle vier- ^fertig. (^ allen, trotzdem mittelländischen Rauschen der -d nur in den Immer das den Qualm )ctl bringt die )u berauschend; das wirk- iart am Meere, ber, von Kunst 1 Paradies und dieses Fürftkn- tzcnd Soldaten, hat gewiß seine 'fn ihre Gagen, soeben komme, Steuerschraube 1 seinem palm- Palast ist die noblen Herren eile* beworben. . bluffend wirkt. ift hier buch- unb bas lehrt )' nur hinein lasche hinein- gewantt, mit • er dann an aber nur ein Pillen darin. . zweiten deren webe verhängt; ivsphäre. Rur nden, blos die hirmlantpen an / silberne Füm- selchen hin und schichtet sie mit ;r an jener zier- Nummer und khalter wirst ein hickl nianovriren Das ist das ig SiflfO-, M t man aus, denn iftinguhini ll”,: itm, d°mi mit r tann in ,nl.,r r jum 'UhUionur sW nuf einem menRummen'. Moment chen Geld haben , urnmtrf*; -LL S’5‘5 lteteÄ*^ ■n raM ’v.r, der identzjcses Rnha-Lgionen :uinP'lfe • einmal, Liebs zweimal. Don den Kindern starb das eine wenige Stunden nach der Oebun an allgemeiner Schwäche, das andere, ein Mädchen von 8 Jahren, an Tuber- culose des Gehirns. Vermischtes. — Odenhausen a. d. Lahn, 29. September. In der Nacht vom 26. auf den 27. d. M. erscholl gegen 1 Uhr früh dahier der Ruf: Feuer. Eine bis obenhin wohlgefüllte Scheune einer in der ganzen Umgegend wohl gekannten und geachteten, wohlhabenden Familie stand mit einem Male in Hellen Flammen, und gelang es nur mit Aufbietung aller Kräfte, das mächtige Feuer von den ringsum stehenden Wohnhäusern und Scheuern fern zu halten. Die Einwohner unseres Dorfes sind den benachbarten Ortschaften, ganz besonders auch dem wirksamem und schleumgem Eingreifen der Feuerwehren von Ruttershausen, Lollar und Staufenberg aus dem benachbarten Hessen sehr zu Dank verpflichtet. Die Hülfe wurde bereitwillig, prompt und mit Geschick geleistet und sie verdient I lebhafte Anerkennung. In derartigen Nothfällen ist vortreffliche Gelegenheit zu wirk- | samer Betätigung der Nächstenliebe geboten. Fast scheint es, als läge der traurige Fall von Brandstiftung vor, und es hat sich eine Reihe von Jndieien ergeben, die auf diese beklagenswerte Perrrrung i Ees neidischen oder von Haß erfüllten, gesunkenen Menschen schließen lassen. Wünschenswerth ist es, wenn dergleichen Verbrechen, wo solche vorliegen, nicht verdeckt und verborgen bleiben, sondern wenn sie ans Tageslicht gefördert werden. Das fordert die Ruhe und Sicherheit und der gute Ruf der Einwohner eines Dorfes. T rei§ a d. Lumda, 29. Sept. Heute Morgen um 8 Uhr, als gerade der größte Theil der Einwohnerschaft im Felde bei der Kartoffelernte beschäftigt war, ertönten plötzlich die Sturmglocken. In dem Hause des Heinrich Wolf dahier war Feuer ausgebrochen. Ein in dem oberen Stockwerke des Hauses sich befindliches Bett war dadurch in Brand geraten, daß ein vierjähriges Mädchen, wie cs sogleich selbst cm- | gestanden hat, mit Streichhölzern spielte, dieselben entzündete und hinwegwarf, wobei dann ein solches auch in betreffendes Bett geflogen sein muß. Dank dein energischen I Eingreifen der rasch herbeigeeilten Leute konnte das Feuer bald als gelöscht betrachtet | werden Jedoch sollte dieser Vorfall der Familie selbst einen traurigen Verlust bringen, indem die Schwiegermutter des qu. Wolf, welche schon von verschiedenen Unglucks- fällen heimgesucht wurde, durch den jähen Schrecken verursacht, bei dem Ausräumen von einem Herzschlag getroffen zusammensank und bald darauf eine Leiche war. Die Frau des betr. Wolf, welche aus dem Felde kam, fiel, als sie von beiden Uiiglucks- fällen benachrichtigt wurde, in Ohnmacht. Dieser traurige Vorfall mahnt abermals mit eindringlichster Stimme, beim Aufbewahrcn der Streichhölzer Vorsicht zu gebrauchen, damit dieselben nicht geistig noch unmündigen Kindern in die Häiide fallen können. —E.— Homberg a. d. Ohm, 28. September. (Einweihung von Neu-Ulriche ftdn.J Heute Mittag wurde die Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrichstein, sals völlig fertiggestellt, eingcweiht. Die Feier begann um 1 Uhr Mittags unter Beisein der Herren Prälat Habicht-Darmstadt, Sr. Excellenz derGeheimerath Dr. Goldmann-Darmstadt, Prov.-Direktor Dr. Boekmann, Pf. Dr. Strom berger-Zwingenberg (Bergstraße), Polizeirath v. Hergen Hahn-Frankfurt, Ministerialrath Rothe-Darmstadt, Freiherr v- Rabenau-Friedelhausen u. A. m. In ihren Ansprachen suchten die genannten Herren darzulegen, mit wie viel Mühe, Arbeit und Kosten das ganze Werk verknüpft gewesen sei und sprachen die sichere Erwartung aus, daß die ganze Anstalt nicht umsonst entstanden sei, sondern vielen dem Versinken Nahenals sicherer Rettungsort dienen möge. Die Ansprachen wechselten mit kirchlichen Liedervorträgen, die von den Kolonisten (z- Z- 11) und einigen Handwerkern gesungen wurden, ab. Bei dem hierauf folgenden Gabelfrühstück leerte Herr Regicrungspräsident v- Wurmb-Wiesbaden, der bemerkte, daß man eben nicht in den lauten Jubel, in dem sich unsere Herzen befänden, einstimmen könne, still sein Glas, auf das Wohl unserer Landesfürsten, die sich in so liebevoller Weise der Anstalt angenommen hätten Um 4 Uhr war allgemeiner Aufbruch; es wird dieser, einem so ernsten Zwecke gewidmete Mittag, Jedermann im Gedächtniß bleiben und wünsch.'n auch wir der Anstalt ein rasches und fröhliches Emporblühen. Heining mit Gascokes. Beim Herannahen der Bedarfszeit erlauben wir uns, unsere aus westphalischen Kohlen gewonnene Gaseokes als gutes und besonders reinliches Heizmaterial für Wohnräume, Geschäftslokalitäten und Säle in empfehlende Erinnerung zu bringen- Die Gascokes gewinnen als beliebtes Heizmaterial auch hierorts wie anderwärts immer größere Verbreitung und sind insbesondere ein vorzügliches Heizmaterial für die verschiedenen Construetiouen von Füllöfen. Es ist für das gute Brennen der Eokes von) besonderer Wichtigkeit, daß dieselben in möglichst gleichmäßiger Größe — Nußgröße verwendet werden und sind wir durch die Anwendung einer Cokesmühle in den Stand gesetzt, unsere Gascokes in der zweckmäßigsten Größe zerkleinern und liefern zu können. Um einen Versuch mit denselben zu erleichtern, geben wir solche schon in halben Centnern ab; auch sind wir gerne bereit, in solchen Fällen, wo es gewünscht wird, sachkundige Anleitung zum Heizen mit Eokes zu ertheilen. Da wir bei dem häufigen Zusammentreffen zahlreicher Bestellungen im Winter mitunter nicht alle Aufträge so schnell wie wünschenswerth ausführen können, empfiehlt es sich, den betr. Bedarf möglichst zeitig vorher aufzugeben. 6425 Gießener Gaswerk. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Vom 1. October er. ab wird der zum Anschluß an den Courierzug 301 und den Personenzug 306 an den Sonntagen beförderte Personen - Extrazug von Wildungen nach Wabern nicht mehr gefahren. Cassel, den 27. September 1885. Königliches Eisenbahn - Betriebs - Amt. (Main-Weser- Babn.) 7006 Mrhesßslhe Am 1 October d. A. tritt ein Ausnahmetarif für die Beförderung von Holz, Infusorienerde und Braunkohlen-Briquets zwischen den diesseitigen Stationen und den hauptsächlichsten belgischen Stationen in Kraft. Die gegenwärtig bestehenden einzelnen Tarifsätze für Grubenholz und Eisenbahnschwellen gelangen dadurch zur Aufhebung, soweit jedoch Taxerhöhungen damit verbunden find, finden die billigeren Sätze noch bis zum 15. November d. I- Anwendung- Nähere Auskunft ertheilen die Verbands-Güterexpeditionen. 6981 Gießen, den 26. September 1885. Grobherzogliche Direktion- Aeifgeöotenes. Jede Dame versuche Bergmann’s Lilienmilch-Seife von Bergmann & Co., Frankfurt a. M. Dieselbe ist vermöge ihres vegetabilischen Gehaltes zur Herstellung und Erhaltung ■ eines zarten blendend weissen Teints unerlässlich Vorräthig ä Stück 50 H bei 6977 Carl Schwante. Täglich von heute ab ' (in Eispackung): Schellfische, Seezungen, Zander, Hechte. Neuer ruff. Kaviar, ff. geräuch. RheinlachS, Sardinen, Sardellen, Apetit Sild, ger- Aale, Aal in Gelse rc. bei A. Koch, 7000 Hamburger Mschhandlnng. 7001 Das Neueste in Wottwaaren als Kopf- und Umhangetücher, Ca- Putzen, Westen und Handschuhe empfiehlt A. Fangmann. 7008 Ein gebrauchter Samtiger Gas- tronleuchter zu kaufen gesucht. Näheres Markt 9. = Das geläufige Sprechen = Schreiben, Lesen und Verstehen ---des Engl. it. Franz, (bei Fleiß u. — Ausdauer) ohne Lehrer sicher zu er- ---reichen durch d-in32. Ausl vervollk. ---- Orig -Unt.-Briefe n- d. Meth. Tous- — saint-Langen scheibt. Probebriefe kl — Langenscheidt'sche N.-Vuchl). Berlin SW. 11. "* NB. Wie der Prosp. nachweist, haben Viele, d. nur diese Briefe (nie mündl. Unt.) benutzten, d Examen als Lehrer d. Engi, u. Frz. gut bestanden 6980 Urtheil d. N. Freien Preste r „Wer kein Geld wegwersen u- wirkt, z. Ziele gelang, will, bediene sich- nur dieser, von Prf. Dr- Büchmann, Dir. Dr. Diesterweg, Prf. Dr. Herrig, Staats- min. Dr- v. Lutz Exc, Staatsfekr. Dr. Stephan Exc. u. and. Autoritäten empfohlenen Orig -Unterrichtsbriefe." Syrenenduft. | Neues, überraschend schönes Parfum aus den Blüthen des Nägelchen- oder Fliederbaumes destil'irt. Vorräthig ä Fl. JL 1.—, 1.25 u. Jt. 1.50 bei Carl Schwaab.___ 3/i Morgen gute Korbweiden zu verkaufen. 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Eine große Anzahl von bunten Originalmuftern dient zu Vorlagen von Canevasstickerei, eine noch umfangreichere Menge schwarzer Muster für Häkel, Filet-, Stick- und Strickarbeiten aller Art. Natürlich fehlt es nicht an eingehenden Erklärungen zur Ausführung dieser schönen Vorlagen. Für's Haus (Dresden). — „Selbst der faulste Backfisch wird Lust zu Handarbeiten bekommen, schenkt das Mütterlein ihm die mit vielen Vorlagen für leichte und geschmackvolle Handarbeiten, sowie einer großen Menge farbiger Originalmuster für Canevasstickerei versehene Zeitschrift: „Die Arbeits- Neue Preußische (KreuzOZeitung (Berlin). — „Die Sorgfalt, die auf das Unternehmen verwandt ist, verdient Anerkennung. — Germania (Berlin). — „Sowohl die zahlreichen farbigen und schwarzen Muster als auch der erklärende Text dieses für Hausfrauen höchst nützlichen Journals sind vortrefflich. —" tSHBT Abonnements auf die „Arbeitssuche" nehmen alle Buchhandlungen und Postämter, sowie die Verlagsbuchhandlung F. Gebhardi in Berlin W. 62 entgegen; 2 Probehefte franco gegen Einsendung von 20 H in Briefmarken- Äk Herrenkleider T*®. Neuenweg 7. Annahmestellen bei 7012) bei kürzester Lieferungsfrist. § Thüringer Kunstfarberer Königsee Chemische Waschanstalt. Geschwe Heerz, werden durch chemische Reinigung wie neu und die Anschaffung neuer wird dadurch ost unnöthig. Verschossene Herrengarderobe wird acht und solid um- oder aufgefärbt, gacon bleibt stets erhalten. Billigste Preise Ci Mechaniker, Neue Baue Burckhardt'sches Hau» empfiehlt sich zu Anlagen von 1829 Nett. Haus- und Hotkl-Telegrsphen, Schellen, Telephons etc. Ar. 6877 ■in H tCc lllä ll iw iw cKf^ empficfM in größter ftusioaftt »u Sen feittigstcn e7reie>cn N 8 Mein Bureau befindet sich von heute ab <5E5^7* Ludwigstraße TI. Gießen, den Hl. Septbr. ISS». R. Hirschhorn, 6982 Rechtsanwalt. Geschäftslokal - Gesuch. Zum 1. Januar oder 1. Februar 11886 wird in bester Lage ein geräumiges Lokal mit hübschem Schaufenster gesucht. 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