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T^hlenesDitnst' Vbanta»«-.^--- «äS S«*# , Rieden, ;6 mit.^-, Wieder- »•'Stüfe ü* uv« K-5^ ISS» Nr. 201 Zweites Blatt Sonntag dkN 30 August Antts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint vrät M warme Worte im Warnen der Armee und der Marine. daraus ausgeschifft und nach dem Bahnhose gebracht, von wo aus die lieber* führung nach Paris erfolgte; hier wird eine umsassendere Trauerseier statt* finden. — Die französische Regierung bereitet eine für Anam bestimmte militärische Mission vor, welche von Brest aus am 15. September die Reise nach dem fernen Osten Asiens antreten soll. Dir Mission soll aus 15 Officieren aller Waffengattungen bestehen; vielleicht wird man von derselben auch einen eingehenden Bericht über die Lage in Tongking erwarten können, denn jedensalls ist dort noch nicht Alles für die Frrmzosen, wie es sem soll. Besonders macken denselben die Schwarz-Flaggen noch immer zu schaffen, die trotz oller Streiszüge der Franzosen aus ihren Schlupfwinkeln am Rothen Fluffe nicht vertrieben werden können. Pariser Meldungen laffen erkennen, daß sich die Franzosen sogar in Unterhandlungen mit dem Führer der Schwarz-Flaggen, Liu-Vin-Pduoc, Herbeigelaffen haben, was allerdings nicht sonderlich sür die militärische Stärke der Franzosen in Tongking zeugt. Die Cholera-Epidemie im südlichen Frankreich gewinnt merklich an Ausdehnung. Sie ist jetzt in einer ganzen Reihe von Orten an der Rhone»Mündung constatirt worden, so in Landon, Cornillon, Grans, Jstres u. s. w.; in Toulon und Marseille selbst mehrt sich die Zahl der täglichen Choleratodeösälle. In der afghanischen Grenz frage scheint jetzt wenigstens die Zulfikar - Episode zu einem befriedigenden Abschluffe gelangt zu sein. Der neueste Vorschlag Rußlands zur Schlichtung der centralasiatischen Streitigkeiten zwischen ihm und England, den Zulfikarpaß bei Afghanistan zu belaffen, während die westlich davon gelegenen Weidegründe an Rußland fallen sollen, hat alle Aussicht, die Zustimmung des englischen Cabinets zu finden. Das letztere kann dem russischen Vorschläge um so eher zustimmen, als derselbe ja sich mit den Wünschen Englands vollständig deckte und so wird denn wohl die politische Atmosphäre zwischen London und St. Petersburg von nun an eine reinere sein. , „, „n. £ . Sir Drummond Wolff, der außerordentliche Bevollmächtigte Englands in Egypten, ist in diesen Tagen vom Sultan empfangen worden und das Londoner Cabinet wird also bald erfahren, ob seine Pläne in Bezug aus die künftige Gestaltung der egyptischen Angelegenheiten auf die Billigung der Pforte zu rechnen haben. Diese Billigung hängt natürlich von den Zugeständnissen ab, welche England betreffs Egyptens der Pforte zu machen gewillt i|t, doch hat noch nichts darüber verlautet, wie weit diese englischen Concessionen gehen; auch ist es überhaupt noch fraglich, ob sich aus der Mission Sir Drummond Wolffs mehr als eine bloße Annäherung der Türkei an England ergeben werde. lieber das deutsche Vorgehen in Zanzibar liegen aus englischen Quellen eine Anzahl vorläufig noch unverbürgter Nachrichten vor. Ain ivahrscheinlichsten klingt von denselben noch die Meldung, daß Admiral Knorr den Abschluß eines die deutschen Interessen wahrenden Handelsvertrags verlangt hat. Ferner soll die Schwester des Sultans von Zanzibar, welche mit einem inzwischen verstorbenen Deutschen verheirathet war und lange in Deutschland gelebt hat, vor oder in Zanzibar angekommen sein. Nach einer Version soll dies aus einem der Schiffe des deutschen Geschwaders geschehen sem und behauptet man, daß Frau Nunte — dies der Name ihres verstorbenen Gatten — ihr persönliches Eigenthum in Zanzibar reclamiren wolle. Wochen - Uebersicht. Gießen, 29. August. Die Kaiser-Zusammenkunft von Kremsier drückte der zu Ende gegangenen Woche entschieden ihr politisches Siegel auf. In allen Betrachtungen, welche über die in dem genannten mährischen Städtchen stattgesundene Begegnung zwiscken dem österreichischen Kaiser und dem Beherrscher des Czaren- reiches ongestellt worden sind und noch angestellt werden, herrscht die Ueberzeugung vor, daß diesem Ereignisse eine hochwichtige, für den Weltfrieden günstige Bedeutung inncwohnt und in der That bocinnenttrt der Besuch, welchen der Cmr, umgeben von den hervorragendsten Mitgliedern der russischen Kaisersamilie und den ersten Würdenträgern seines Reiches, dem österreichischen Kaiser abgestattet hat, abermals die Annäherung Rußlands an den deutsch-österreichischen Friedensbund. Es hat allerdings nicht an Stimmen gefehlt, welche in der Entrevue von Kremsier ein» gegen Deutschland gerichtete Kundgebung erblicken wollten und machten dieselben für diese Behauptung besonders den Umstand geltend, daß der deutsche Kaiser der Zusammenkunft zwischen Kaiser Franz Joses und Kaiser Alexander nicht beigewohnt habe. Ueberflüssig ist es indessen, einer solchen Anschauung noch besonder« ent gegentreten zu wollen und mit Recht betont das osficiöse „Journal de St. Pöttrslwurg" am Schluffe eines der Kaiser- Begegnung von Kremsier gewidmeten Artikels, daß die Abwesenheit des Kaisers Wilhelm und des Fürsten Bismarck bei derselben keinerlei Abschwächung in den herzlichen Beziehungen bedeuten, welche in so glücklicher Weise zwischen Deutsch- land und den beiden anderen Kaiserreichen bestehen. — Was im Uebrigen die Einzelheiten der Kaisertage in Kremsier anbelangt, so stimmen alle Telegramme und Schilderungen von dort darin überein, daß da« fürstliche Rendez-vous in Kremsier ein überaus glänzendes und farbenreiches Bild darbot; ebenso bekunden alle Berichte übereinstimmend den herzlichen Verkehr zwischen dem österreichischen Kaiserpaar und seinen russischen Gästen. Eine besondere Auszeichnung erfuhr der russische Thronfolger vom Kaiser Franz Josef dadurch, daß jener zum Inhaber eines österreichischen Ulanen - Regimentes ernannt wurde. Am Mittwoch unternahmen die beiden Kaiser, Kronprinz Rudolf und Großfürst Wladimir eine Jagd im Fürstenwald bei Kremsier; während dieser Zeit hatten Gras Kalnoky und der russische Minister v. Giers eine längere Unterredung. Am Mittwoch Abend reisten die russischen Gäste nach Gmunden weiter. Unter den sonstigen Vorgängen der auswärtigen Politik fesselt der deutsch-spanische Conflict wegen der Karolinen-Inseln noch immer in erster Linie die allgemeine Aufmerksamkeit. Spanischerseits bemüht man sich fortdauernd, die Affaire zu einer Haupt- und Staats-Action zu gestalten, eine hochgradige Erregung herrscht jenseits der Pyrenäen gegen Deutschland, und selbst die in Spanien noch mit ungeschwächter Krast wüthende Cholera-Epidemie vermag die politische Ausregung nicht zu dämpsen. Man spricht in Madrid allen Ernstes davon, ein Armee-Corps von 25,000 Mann nebst einer starken Flotte nach den Karolinen zu schicken, um den spanischen Ansprüchen aus dieselben den gehörigen Nachdruck zu verleihen — ein Beweis, welch' sonderbaren Blasen der überhitzte Nationalstolz bereits treibt. Ja, ein spanischer General, Namens Salamanca, hat sogar den preußischen Orden, der ihm gelegentlich der Anwesenheit des deutschen Kronprinzen in Spanien verliehen wurde, wieder zurückgesandt — ein Verfahren, welches selbst durch die bis zur höchsten Potenz gesteigerte nationale Empfindlichkeit nicht entschuldigt wird. Charakteristisch ist im Gegensatz zu der spanischen Hitze die Ruhe, mit welcher man deutscherseits die ganze Angelegenheit betreibt. Man bemüht sich in den leitenden Berliner Kreisen offenbar, unter möglichster Schonung der etwaigen spanischen Ansprüche vorzugehen: hiervon legt auch die jüngste Note, welche die deutsche Regierung an das Madrider Cabinet gerichtet hat, Zeugniß ab, in welcher erklärt wird, daß Deutschland die Karolinen-Inseln bis zur Entscheidung der Frage als Niemanden gehörig betrachte; vielleicht gelangt man nun auch in Madrid zu einer kühleren Auffassung der Sachlage. Von bemerkenswerthen Ereignissen in der inneren Politik war in dieser Woche absolut nichts zu verzeichnen. Dagegen verdient der Aus- flug, den die Mitglieder der internationalen Telegraphen-Confe- renz nach Bremen, Geestemünde, Hamburg, Kiel u. s. w. unternommen haben, wegen der geradezu glänzenden Aufnahme, welche sie namentlich in Bremen und Hamburg gesunden haben, hervorgehoben zu werden. Auch ist noch zu registriren, daß der Feciensenat des Reichsgerichtes zu Leipzig die von Lieske, dem Mörder des Frankfurter Polizeiraths Rumpff, gegen seine Verurtheilung eingelegte Reoi- fion verworfen hat. Es bleibt demnach bei dem Urtheil, welches Lieske sür seine Frevelthat den Tod zuerkennt. Aus Böhmen wird wieder einmal ein Heldenstückchen der Czechen gemeldet. In der Stadt Königinhof wurde ein deutsches Turnfest gefeiert, welches von dem czechischen Pöbel in brutalster Weise eine Störung erlitt, indem 1500 Menschen in das Hotel einzudringen versuchten, in welchem sich der Turnsaal befand. Sie wurden von der Polizei und der Gensd'armerie allerdings zurück- Hewiesen, trotzdem nahm die Haltung der Volksmenge einen immer drohenderen Charakter an, so daß die Turner auf Ersuchen des Bezirkshauptmanns die Feier schlossen. Aus der Nachhausefahrt wurden alsdann die fremden Theil- nehmer mit Steinwürfen angegegriffen, welche zahlreiche, zum Theil schwere Ver- ketzungen verursachten. Hoffentlich gelingt es der eingeleiteten strengen Untersuchung, die Urheber dieses nichtswürdigen Exceffes zur vollen gerichtlichen Verantwortung zu ziehen. Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit vringeri^-. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 56 Pf. In Hyores, an der südsranzösischen Küste, hat am Mittwoch die erste Leichenseier für Admiral Courbet an Bord des „Bayard" stattgefunden. Die Admirale Dupcrrä und Krantz widmeten dem Anderk-n des tapferen Admirals Der Sarg wurde UniverfitätS - Chronik. — Der außerordentliche Professor Dr. Friedrich Gustav Ha h n in Leipzig ist zuni außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Königs- berg ernannt worden. , „ , . — An 8 Häusern der Stadt Erlangen, in welchen hervorragende Professoren der Universität gewohnt haben, sind Marmor-Gedenktafeln angebracht worden, deren furxe Anschrift unter dem Namen der Betreffenden die Dauer ihres Wohnens in diesen Häusern angibt. Es sind die Namen: Thomasius, v. Glück, F. Puchta, Friedr. Rückert, v. Döderlein, v. Raumer, v. Nägelsbach, v. Siebold. — Der Astronom Clausen ist in Dorpat in seinem 84. Lebensjahre gestorben. 1862 wurde er als Observator und interimistischer Director an die Sternwarte daselbst berufen und 1865 Professor der Astronomie in Nachfolge des berühmten Mädler. Er trat 1872 in den Ruhestand. „ — Dr. Sehring in Bonn hat einen ehrenvollen Ruf nach ^reivmg 6 _ Die Ernennung des bisherigen Privatdocenten Dr. M. Nu b n e raus München zum Professor der Hygieine in Marburg bedeutet einen wichtigen Vchrnr in der Entwickelungsgeschichte der preußischen Universitäten, denn sie beweist,» - - f preußische Staatsregierung sich im Principe mit dem Plane des CultusmiNisters einverstanden erklärt, auch an den kleineren preußischen Universitäten -.ehrltuhle uno Unterrichtsinstitute für Hygieine und sliahrungsmittel-Ehemie zu errichten. Bio jetzt bestand in ganz Deutschland neben dem ältesten aller hygicinNchen ^mtitute unter Pettenkofer in München nur in Göttingen (Professor Flügge) und in Berlin < Professor Koch) ein solches. Die nächste Universität, welche damit bedacht wird, ist Greifswal - Eidelb erger Universitätsbibliothek wird demnächst ein werthvolles Geschenk empfangen. Der bekannte Londoner Buchhändler ^Nikolaus Trubner, erir geborener Heidelberger, der vor einiger Zeit starb, hatte, wie er wiederholt ber Lebzeiten sich äußerte, die Absicht, der Universität, semer Vaterstadt zu deren bOOiahrigem Jubiläum eine werthvolle Bibliothek zum Geschenk zii machen. Em rascher *■ hinderte Trubner, seine Absicht zur Ausführung zu bringen, ^re Wlttwe Trubner » hat jedoch in hochherziger Weise den Gedanken ihres verstorbenen Gatten verwirklicht und dessen ganze Bibliothek, darunter über 100 Handschristen, der Universität zum Geschenk angeboten, das selbstverständlich dankbar angenommen wurde. Die Sendung, aus 13 großen Kisten bestehend, befindet sich unterwegs und wird dieser Tage in Heidelberg eintreffen. — Dem ordentlichen Professor in der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fakultät zu Straßburg, Or. de Bary, ist vom König von Schweden das Ritterkreuz des schwedischen Nordstern-Ordens verliehen worden. verwischtes. Alsfeld, 24. August. (Vogelsberger Höhenclub.^s Die vor einigen Tagen im „Deutschen Haus" Hierselbst unter Vorsitz ocs Herrn Oberamtsrichters Fresenius aus Schotten stattgefundene 5. Generalversammlung des Vogelsberger Höhenclubs war auch von auswärts ziemlich zahlreich besucht. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in warmen Worten der Verdienste des seitherigen Präsidenten des Vereins, des verstorbenen Steuer - Eommissärs Klingclhöffer zu Schotten, den zu ehren die Versammlung sich von ihren Sitzen erhob. Der von dem Vorsitzenden Namens des Central - Ausschusses erstattete Rechenschaftsbericht zeigte — wenn auch einige Sectionen rühriger hätten sein können — ein erfreuliches Bild gesunder Ver- ^nsthätigkeit. Die Zahl der Mitglieder in den 19 Sectionen beträgt mehr als 1000; überall im Oberwald sind Wegweiser angebracht; eine Anzahl Aussichtsgerüste ist an hervorragenden Punkten errichtet, andere werden in der Kürze in Angriff genommen. Während des Winters wurden hie und da geeignete wissenschaftliche Vorträge gehalten oder gernüthliche Zusammenkünfte gehalten, an welchen auch die Damen Antheil nahmen. Von den vielen gefaßten Beschlüssen seien nur erwähnt: 1) daß der Hauptausflug auf den Hoherodskopf im künftigen Jahre versuchsweise an einem Werktage abgehalten werden soll, um auch Geistlichen und Lehrern die Theilnahme zu ermöglichen; 2) daß der Section Schotten zur Errichtung eines Aussichtsgerüstes auf dem Reippcrts eine Beihülfe von 150 Jt, 3) der Section Nidda zur Errichtung eines Säulentempels auf der Altenburg eine solche von 50 JL verwilligt wurde. Zum Präsidenten wurde Herr Kreisrath Dr. Wolf in Schotten, als Mitglied des Central- Ausschusses Herr Apotheker Scriba daselbst einstimmig gewählt. Nach Schluß der Versammlung fand ein gemeinschaftliches Essen im Fries'schen Garten statt, an welchem ca. 70 Personen theilnahmen und das durch gute Musik (Kapelle Kimpel) und eine Reihe ernster und heiterer Toaste gewürzt war. Hieran reihte sich ein gemüthliches Gartenfest, welches auch die Damenwelt durch ihre Anwesenheit verschönerte und dasdie Gäste bis zum Abgang der letzten Züge zusammenhielt. Die 6. Generalversammlung wird in Nidda stattfinden. Darmstadt, 27. August. Gestern Abend war die Obergasse wieder der Schauplatz eines größeren Auflaufs, der dadurch veranlaßt worden, daß ein Stein in die Ulrich'sche Wirtschaft geworfen wurde. Da das dort im Quartier liegende Militär annahm, dieser Wurf gelte einem Sergeanten, rückte schnell ein Trupp Soldaten vom 117. Infanterie-Regiment mit aufgepflanztem Seitengewehr aus, was das Signal zur Ansammlung einer großen Menschenmasse gab, verschiedene Militärpatrouillen herbeizog, die auch eine Anzahl Civilperjonen, welche sich ihren Anordnungen nicht fügen wollten, festnahmen. Da die Leute tndeß nichts gethan hatten, so wurden sie von der Polizei alsbald wieder entlassen; zu Ausschreitungen, resp. Thätlichkeiten kam es übrigens nicht. (N. H. V.) Seligenstadt, 23. August. Verschiedene Tagesblätter brachten unlängst die Mittheilung, daß Herr Hainebach, Sohn des hiesigen Kaufmanns Herr H. Hainebach, nach mehrjähriger Abwesenheit zum Besuche seiner Angehörigen hier eingetroffen sei. Derselbe sei seither in der Wörmann'schen Factorei auf einer Hulk in einem Flusse des Kamerungebietes als Beamter enaagirt gewesen. Nach seinen Mittheilungen hätten sich die Niederlassungen deutscher Lanosleute in dortiger Gegend ungemein vermehrt, seitdem dieselbe unter dem Schutze des deutschen Reiches stehe. Behufs Berichtigung der in jener Notiz unterlaufenen Jrrthümer können mir aus bester Quelle mittheilen, daß Herr Hainebach weder auf einer Hulk, noch in einem Flusse des Kamerungebietes beschäftigt war und noch nie eine Aeußerung bezüglich der angeblichen Vermehrung deutscher Niederlassungen gethan hat. Der junge Herr war vielmehr Agent einer Zweigstation am Kuiluflusse, welcher ungefähr unter dem 4. Grade südlicher Breite liegt. Er wohnte etwa 50 Meilen oberhalb der Flußmündung, nicht auf einer Hulk, sondern auf dem Festlande. Das Kuilugebiet steht nicht unter deutscher, sondern ieit einigen Monaten unter französischer Herrschaft. Herr Hainebach hält es für ungemein schwer, den Lesern einen annähernden Begriff von jenem Gebiete zu verschaffen. Wir beschränken uns darum vorläufig auf folgcnoe, allgemeines Interesse beanspruchenden Mittheilungen: Die Kamerun-, Gaboon-, Ogenee-. (Sette kama-, Kuiln- und Congogebiete stehen momentan nur in den ersten Anfängen Der Civilisation. Die dortigen Europäer sind bezüglich ihrer Naturalverpflegung fast ausschließlich auf die Zufuhr aus Europa angewiesen. Nur für Handelszwecke europäischer Häuser existiren die dortigen Ansiedelungen. Der Plantagenbau liegt noch in der Wiege. Die klimatischen Verhältnisse sind recht ungünstige, obgleich bei einer soliden und regelmäßigen Lebensgewohnheit das Klima weniger schädlichen Einfluß auf den menschlichen Körper äußert. Eine dauernde Ansiedelung von deutschen Auswanderern an den Kamerun- und Kuilngcbieten ist kaum möglich, da für diese Leute auch nicht die mindeste Bequemlichkeit vorhanden ist, vielmehr nur die Unbilden des Klimas und der Eingeborenen den Einwanderer erwarten. Der Handel ist vorzugsweise Tauschhandel. Die Agenten kaufen Elfenbein, Gummi elaetik, Palmöl und Palmkerne. Als Zahlung dienen diverse europäische Artikel, als Zeug, Rum, Pulver, Feuersteingewehre, Glasperlen, Messer u. dergl. Geld ist wenig oder gar nicht bekannt. Die Eingeborenen sind Neger, träge, feige und hinterlistige Menschen. Obwohl nicht civilisirt, sind sie doch sehr empfänglich für Cultur. Indessen dürften noch viele Jahre verstreichen, ehe jene Gegenden den Segen der Civilisation einigermaßen genießen. (N. H. V.) — sFaßglasurI Zum Zweck der Conservirullg von Holzgefäßen wird die in Nachstehendem beschriebene Faßglasur empfohlen, welche sv ziemlich den im Handel vorkommenden Faßglasuren entsprechen dürfte: Es werden 1 Kg. brauner Schellack, 125 Gr. venetianisches Terpentin und 125 Gr. Colophonmm in einem geräumigen Gefäße geschmolzen; man läßt die Masse hierauf so weit abkühlen, daß sie gerade noch dünnflüssig erscheint, und versetzt sie alsdann mit 6 Liter 90proccntigen Alkohols, wodurch sie stark aufquillt. Die Glasur kann hierauf sofort verwendet und auf das Holz, welches gut trocken fein muß, aufgetragen werden. Ein-, zwei- bis dreimaliger Anstrich derselben genügt, um alle Poren zu schließen und die Oberfläche des Holzes glatt und glänzend zu machen. Die Glasur verträgt, wenn sie einmal verhärtet ist, Temperaturen bis zu 70 Grad Celcius, ohne darunter zu leiten; dieselbe soll das Eindringen von Flüssigkeiten in die Wände von Fässern und anderen Holzgefäßen völlig verhindern. Mit Ocker gemengt, kann die Glasur auch als Fußbodeulack Verwendung finden. Ak l gemeine Ausverkauf. Weqen Geschäftsaufgabe verkaufe meine sämmt- lichcn Artikel zu Kostenpreisen. Carl Merkel, Tabak-, Cigarren- und Parfümerie-Handlung, Marktstraße 16. Daselbst ist vollständige Ladeneinrichtung mit Glasschrank z« verkaufen. 5646 . — [SEie gewonnen — fo ;enonnen.J Heber die Bewahrheitung dieses alten Sprichwortes erzählt die „Neue Zeitung" Folgendes: Es wird sich io Mancher noch eines Mannes aus den sechsziger Jahren erinnern, der im alten Hofjäger Blümer» verkaufte und wegen seines sprudelnden Humors viel Abnehmer für seine Waare, die ausgewürfelt wurde, fand. Ter Händler hatte sich bereits ein Sümmchen erübrigt. Da gefiel ihm das Handwerk mit den Kindern des Frühlings nicht mehr, er gab ihn auf, zog nach Weißenfee und fing an, mit Ländereien zu speculiren. Das Glück war ihm auch hier hold — in nicht zu langer Zeit war er ein reicher Mann, große Land- ttrmplexe waren sein eigen und sehr bald wurde eine Straße nach ihm benannt. Equipagen, edle Pferde, gallonirte Diener wurden angeschafft und mit weltmännischem Jade fuhr der Begüterte durch die Straßen Berlins. Aber wie gesagt, lange währte Die Freude nickt. Die Ausgaben waren sehr große — plötzlich schlugen einige ^peculationen fehl, der Betreffende gerieth in große Differenzen, aus denen ihn immer neue sehr gewagte Speculationen befreien sollten — vergebens. Es ging mit seinem Vermögen rapid bergab und jetzt — jetzt fährt der ehemalige Millionär wieder mit einem Handwagen zum Markte, um Blumen feilzuhalten. — .Ein recht artiges Anekdötchen, dessen Mittelpunkt der Berliner Bankier Goldberg ist, kursirt augenblicklich in Börsenkreiscn. Als jüngst der finanzpolitische Vertreter einer fremden Regierung, die sich in permanenten Geld-Schwulitäten befindet, jur Einleitung von^Finanzoperationen in Berlin weilte, sprach auch Herr Goldberger vor. Der Geheim-Secretär meldete den Besuch seinem Vorgesetzten mit den Worten: „Herr Goldberger wünscht Excellenz zu sprechen." — „(Soli) berg er?" wiederholte oiefer mit Nachdruck — wir können jetzt nur einen Geldborger brauchen!" Diese Worte waren so laut gesprochen worden, daß sie der anticharnbrirende Bankier durch die nur angelehnte Thür hören konnte. „Wie schlecht muß es um Eure Finanzen stehen" — soll darauf der schlagfertige Berliner Financier ausgcrufen haben, indem er ohne Antwort abzuwarten, sich entfernte — „wenn man bei Euch schon Buchstaben versetzt!" lDic Tournüre als Spitzbube.^ Einen neuen Beitrag zu den ebenso zahlreichen als erbaulichen Geschichten von der Tournüre entnehmen wir der „Köln. Z.": Da heißt es: Gestern 'Nachmittag fuhr ein Pferdebahnwagcn durch die Comödicn- straße. Der (Sontroleur steigt auf den Hinterperron auf, vor ihm steht der Eon- ducteur, derselbe schaut fortwährend auf den Boden, bald links, bald rechts, dann guckt er in seine Geldtasche und schüttelt bedenklich den Kopf. Plötzlich springt er mit einem Satze vom Wagen herunter und eilt einer Dame nach, welche soeben vom Wagen abgestiegen ist. Diese hat — auf ihrer gewaltigen Tournüre den Blechkasten mit dem Fahrbillets hängen; sie hat denselben beim Absteigen, ohne es zu merken, mit ihrem Aufsatz von der Ledertasche des Conducteurs aufgehoben und schreitet nun, den Apparat mit den Fahrscheinen auf der Rückseite trageno, stolz davon. Nach kurzem Dauerlauf hat der Wagenbegleiter sie erreicht und seine theurell Billels abgehoben. Die Dame war nicht wenig erstaunt, als sie bemerkte, welchen Diebstahl aus Fahrlässigkeit ihr Anhängsel begangen hatte. teinQtjanbt. Gießen, 29. August. Wenn man die Vergnügungsorte in der Umgegend Gießens besucht, so muß man, mit einer einzigen Ausnahme, sagen, daß in den letzten Jahren nicht roenia zur Bequemlichkeit und Verschönerung derselben geschehen ist. Um so auffallender ist daher auch der Contrast, wenn man diese Ausnahme, den an und für sich sonst schönen Punkt, „die Badenburg", eines Besuches würdigt. Diese malerische Ruine geht mit Riesenschritten ihrem totalen Verfall entgegen. Es scheint sich hier auch Niemand um die Erhaltung dieses Alterthlims zu kümmern. Macht die nähere Besichtigung schon einen traurigen Anblick von außen, so ist dies noch mehr bei Einsichtnahme des Innern der Fall. Hoffentlich geben diese Zeilen Veranlassung zur Erhaltung und Renovirung dieser alten und früher gern besuchten Burgruine, und cs wird dann bei einiger aufmerksamer Bedienung und Verabreichung guter und prciswerther Speisen und Getränke der Erfolg ein lohnender sein. Literarische-. — sZur Unfallversicherung der Arbeiters Mit 1. October d. I. wird das Reichsgesetz über die Unfallversicherung der im Gesetz ($ 1) näher bezeichneten Arbeiter und Betriebsbeamten im deutschen Reiche in Kraft treten. Nach diesem Gesetz sollen künftig Arbeiter in Bergwerken, Fabriken, Bauhöfen :c. :c. oder deren Angehörigen gegen die Folgen der bei dem Betriebe sich ereignenden Unfälle dadurch gewissermaßen sichergestellt fein, daß sie durch obligatorischen Beitritt zu den beir. Versicherungskassen entschädigungsberechtigt werden. Den Versicherten werden Entschädigungen folgender Art gemährt: 1. Krankengeld, 2. Sterbe- oder Beerdigungsgeld, 3. Rente für die Wittwe und Kinder oder sonstige Asccndenten eines Getödteten, 4. Abfindung der Wittwe eines Getödtetcn im Falle ihrer Wiederverheirathung, 5. Rente an Verletzte bei völliger oder theilweifer Erwerbsunfähigkeit. Diesen sämmtlichen Bezügen muß der aus dem täglichen Arbeitsverdienst eines Verunglückten nach $ 3 Abs. 2 des Gesetzes berechnete Jahresverdienst zu Grunde gelegt werden. Hat nun schon die Einführung des Krankenversichnungsgesetzes ben damit betrauten Beamten und Behörden manche Schwierigkeiten verursacht, so ist dies noch mehr der Fall bei Einführung und Handhabung des UnfallversichcrungsgesetzeS. Es wird daher den vielen hierbei Betheiligten, wie u. A. den Beamten der Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und der Reichspost sehr angenehm sein, zu erfahren, daß Herr Amtsreoident Ehret in Weinheim, derselbe, dessen „Hilfstafeln zu dem beigedruckten Reichsgesetze über die Krankenversicherung der Arbeiter" (Weinheim, Verlag von Fr. Ackermrann, Preis 1 , au“?. ^*4$» ÄS» ^chwulitätenb?^ auch ötrr L ffnbct» S-r brauchen'^K rrs-rr 41 W°n Buchstaben 4« den ebenso zahl- / durch bie Comödien- .* N bet Sw L* r«6t§, bau, ■»Ni« tat« mit 1' ?*lche soeben ooin «e den Blechkastm zu tneften. mit jno M\t\ nun, den Noch turpem urcn abgeboben. cn Diebstahl aus Fahr: <>*. »dltr" 9" Grummctgras- versteigerungen -rr Fürstlich Solm fischen Rentei Lich. Das Grnmmetgras von den Fürstlichen Wiesen rc. wird versteigert: Freitag den 4. September, Bormittags präcis 8 Uhr, vc den Wiesen in der Gemarkung Lich, oberhalb der Stadt, zusammen 115 Morgen- Zusammenkunft an der Saubrücke, nächst der Peinmühle. An demselben Tage, Nachmittags präcis 1 Uhr, von den Wiesen unterhalb der Stadt Lich, sowie Tburm und Bleichgarten und von der großen Teichwiese, Gemarkung Hof Albach zunächst der Staatsstraße Lich- Gicßen, zusammen ca. 20 Morgen- Zusammenkunft im Schloßgartcn an der Eisenbahnbrücke. Montag den 7. September, Bormittags präcis 8 Uhr, von den Fürstlichen Wiesen in den Gemarkungen Mühlfachsen, Tber- und Niederbesstttgcn,im Ganzen 130Morgen. Zusammenkunft in Mühlsachsen. Dienstag den 8. September, Bormiltags präcis 9 Uhr, von der Fürstlichen Mönch- und Strauch- waldwiesc.GcmarkungBurkhardsfelden, zusammen 70 Morgen Zusammenkunft in der Mönchwiese. Die Ausgebote geschehen in Abteilungen von 1 bis 2 Morgen. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis Martini d. Z. gestattet. Lich, am 26. August 1885. Fürstlich Solmsische Rentei. ________Kreiling._________6087 kn, 29. August. Hens besucht, so muß Jahren nicht wenia zur so auffallender isldchr für sich sonst schöncn :olalen Verfall eiitgege?. llerthums zu fümmeri )on außen, so ist dir- iltung und Renoviriiin ) bann bei einiger m t &pi'iftn unb Getränt! . October b. I. wiib ‘ 1) näher bezeichn I [en. Nach diesem EG 2c. oder deren Anzu Unfälle dadurch gewisski- ^benbett.Arsichmmg^ oerden Entschädigung^ erdigungsgeld, 3. AtU Setödleten, 4. Absmdm mg, 5. Rente an VerlG >n Arbeitsverdienst eM Ä S5 | ■ ««*&&» ’e' Äeiter" 'er ^beller v ch lmd u-w As ne^ nun auch f . «toftü «nÄr«» oerdreust ^eben c se Üanfe \ (t , unter d m -*s, »«Älf Ich-n-m, Ptf»«*** find eingetroffen. 6081 S. Weiiiierslieim tohlWer. Sämmtlichc Neuheiten in Kleiderstoffen Trauer-Hüte für Damen, in allen Formen und Qualitäten empfiehlt in großer Auswahl 6062______A. 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