ffrr. 302 Zweites Blatt Sonntag den 30. December 1883 Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheil. Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1884. Bekanntmachung. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1884 stattfindendeu rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. Februar 1884- 1. 2. 3. 4. und zu verpflegen; kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 15. December 1883. c. ein Unbescholtenheilszeugniß, welches von der Polizei-Obrigkeit ober der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist; d. einen selbstgeschriebenen Lebenslaus; Zu pos. b wird noch besonders darauf hingewiesen, daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung' des Vaters oder Vormundes, daß er in der Lage sei, den. Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf und daß die Unter- schrist des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur, Prüfung^ eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheits- zeugniß beizulegen. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburtszeugniß; b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten bei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speclellen das Folgende bemerkt: lange Zeit entbehrte Gleichgewicht in den Staatssinanzen Herstellen, der Wohlstand des Landes hob sich und Italien konnte trotzdem einige sehr wesentliche Verbesserungen in seinem Heeres- und Kriegsflottenwesen durchführen. Ganz ohnmächtig zeigte sich in den italienischen Kammern auch die demokratische Opposition und ist dies für das Gedeihen Italiens auch ferner zu wünschen. Einen großen nationalen Schmerz hatte aber Italien auch durch das Erdbeben auf Ischia, das Tausende von Familien in Trauer versetzte und das Mitleid- der ganzen gebildeten Welt wachrief. In Frankreich ist im alten Jahre leider Vieles beim Alten geblieben. Es gilt dies zunächst von der leidigen Revanche-Idee, welche die Franzosen noch immer nicht zur Ruhe kommen läßt, und dann von der Unbeständigkeit der republikanischen Regierung, deren Ministerien wieder bei leichten Windstößen in die Brüche gingen. Verhältnißmäßig fest und sicher tritt in Frankreich aber das gegenwärtige Cabinet Jules Ferry's auf, zumal feit die französischen Waffen den längst erwarteten Erfolg in Tongking errungen haben. Doch roirb- auch dieses Ministerium noch harte Proben zu bestehen haben, da in der Tong- kingfrage auch ein französisch-chinesischer Krieg auf dein Spiele steht und Frankreich leider ehrgeizige und leidenschaftliche Politiker genug besitzt, die eher geneigt sind, einem Ministerium ein Vein zu stellen, als dem Vaterlande einen Dienst zu erweisen. rp _ r Sehr schwer läßt sich hinsichtlich des verflossenen Jahres ein sicheres politisches Urtheil über Rußland fällen. Wahrest, daß die russische Regierung es mit manchem Experimente versucht hat, die Verwaltung und die Finanzen des Reiches zu bessern, auch hörte man glücklicher Werse nichts von neuen Schandthaten der Nihilisten, aber trotzdem glaubt noch Niemand an eine Besserung und Fortschritt in Rußland. Die beiden politischen Lichtpunkte sind in diesem großen Reiche während der verflossenen zwölf Monate wohl nur die ohne jede Störung stattgehabte glanzvolle Kaiserkrönung m Moskau und die günstiger gewordene Stellung Rußlands zu seinen westlichen Nachbarn. England konnte auch im letzten Jahre die Vorthelle seiner bevorzugten maritimen Lage commercieü ausbeuten und seine Reichthümer mit Hülfe der Schätze Indiens vermehren, auch erfreute es sich der Stetigkeit seiner Regierung unter Mrs. Gladstone. Es giebt aber auch einige bedenkliche Punkte am politischen Horizonte Englands, da die irische Frage noch immer nicht gelöst ist und die irische Landliga noch immer mit heimlicher, blutiger Hand arbeite^ sodaß selbst die englischen Minister für ihr Lebeu fürchten müssen. Auch hat sich England wohl auch hinsichtlich seiner Unternehmung in Egypten total verrechnet, denn in diesem Unglücksland wollen Ruhe, Ordnung und Wohlstand noch immer keine Stätte finden und es ist vor allen Dingen auch gar nicht abzusehen, wohin die von dem sog. „Mahdi" in Sudan und Kordofan geleitete Revolution gegen den Vicekönig von Egypten treibt und gegen welche vorzu- aehen England schwierig und bedenklich findet. Der Vicekönig hat augenscheinlich noch nicht die Macht, der Revolution Herr zu werden, wenn auch andere Nachrichten wissen wollen, daß die Macht des Mahdi im Schwinden sei und m lieber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Ersatz-Ord. — I. Thell der Wehr- Ordn. vom 28. Septbr. 1875 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Aufschluß. , Bezüglich des Prüfungs-Termins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung; auf specielle Ladung Politische Jahres-Rundschau. Gießen, 29. December. Im raschen Wechsel der Zeiten ist wiederum ein Jahr dahingerauscht, in schneller Folge flössen Ereignisse aus Ereignisse aufeinander und ehe das neue Jahr beginnt, liegt es wohl nahe, einen Rückblick auf das alte zu thun. ES wird Niemand behaupten wollen, daß das Jahr 1883 der Welt und dem Vaterlande besonders großartige Ereignisse bescheert hat, aber es blieb in diesem Jahre die Menschheit auch von großen Calamitätm verschont, denn die Erdbeben auf Ischia und Sumatra, sowie die Choleranoth in Egypten trafen nur einen verschwindenden Bruchtheil der Bewohner unserer Erde und wir dürsen das abgelaufene Jahr als ein befriedigendes, das manche Segnung und manchen b°"^Schon"estiBlick aus^unfer^eliebtes Vaterland, das deutsche Reich, genügt, um dies m bewahrheiten. Die Friedenspolitik Deutschlands, der sich bereits vor längerer Zeit Oesterreich und Italien angeschlossen halten, fand int »er- floffenen Jahre in dem Königreiche Spanien, Rumänien und Serbien neue Ser- kündete und auch Rußland fand es für gut, seine Beziehungen zu Deutschland berckick-r zu gestalten, sodaß i» Europa unter Deutschlands Führung entschieden der Friede dominirte und für alle wirthschastlichen und socialen Reformen den ersten «edel abaab. In dm Kreisen von Deutschlands Handel und Industrie sah man daher, wenn auch eine langsame so doch immer eine weitere Besserung im letzten Jahre, befriedigend zeigten sich auch die Verhältnisse der deutschen Finanzen und zur Beseitigung socialer Mißstände wurden durch die Aendernng LrGewerbeordnung und die Krankenversicherung der Arbeter werthvolle Stritte qethan. Diese Umstände im Verein mit dem stets wachsenden Ansehen des deutschen Reichs, was noch vor Kurzem durch die Reise des deutschen Kronprinzen nach Spanien und Italien glänzend bewiesm wurde , muffen alle Deulschen das vergangene Jahr als ein gesegnetes und die Aussichten sür das mUC alXfür'unfern nächsten und verbündeten Nachbarstaat, Oesterreich. Ungarn gestaltete sich das vergangene Jahr ziemlich günstig. Vom Raffen- kamöse und Deficit hörten wir zwar wiederholt aus Oesterreich, aber der erstere hat auch schon seine Grenzen empfinden muffen und die wtrthscha tliche «aae hat sich in Oesterreich im letzten Jahresabschnitte entschieden gebessert und das noch vorhandene Deficit läßt sich auf den Bau von Staatsbahnen und tue abnormen Zustände in den occupirtm Provinzen Bosnien und der He^ogewma mrücksührem Docb auch in diesen Gebirgstheilen hat eme wesentliche Besserung bet Verhältnisse während des letzten Jahres stattgefunden und die Lage ist Ungarn, Oesterreichs zweite Hälfte, kam im letzten Jahre etwas sckilechter weg: es zeigte sich in Kroatien eine Revolution wegen der ungarischen Anmaßungen und die ungarische Regierung hielt es nach Unterdrückung des Ausstandes für gut, Kroatiens alte Rechte unangetastet zu lassen. , Auch Italien, Deutschlands zweiter Verbündeter, hat em gesegnetes Zahr hinter sich, denn die italienische Regierung konnte wahrend desselben das Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Gros. dem egyptischen Heere in Sudan nur 3000 Mann nebst Hicks Pascha gefallen seien. In der einen Hälfte des skandinavischen Doppelreichs, in Norwegen, spielte sich im letzten Jahre ein seltsamer Proceß ab, dessen Schluß wahrscheinlich erst im neuen Jahre stattfindet. Der norwegische Reichstag hat auf Grund eines alten demokratischen Privilegiums das Ministerium in Anklagezustand wegen verfassungswidriger Regierung gestellt und man hat, natürlich ohne jeden positiven Erfolg, auch bereits verschiedene Stadien des Proceffes durchgesührt, Wird aber das Schlußergebniß wohl erst im Jahre 1884 erfahren. Von den Kleinstaaten Holland, Belgien, Dänemark, Griechenland, Portugal und der Schweiz sind aus letztem Jahre irgend welche hervorragende Ereignisse nicht zu melden. Die Regierungen dieser Staaten konnten unbehindert ihre Kraft dem inneren Wohle und der Erhaltung guter Beziehungen mit den großen Nachbarreichen widmen, die großmüthig genug waren, um den Kleinstaaten ihr Dasein zu erleichtern. Eine ungleich schwierigere Aufgabe als die vorerwähnten Kleinstaaten hatten im vergangenen Jahre die Balkanstaaten Rumänien, Serbien, Bulgarien und Montenegro, in denen es noch viel zu ordnen und zu Lessern gibt. Serbien mußte sogar eine Revolution bekämpfen, die nun glücklich wieder beseitigt ist und die Festigkeit der serbischen Königskrone erprobt hat. Bulgariens Fürst und Negierung waren in Forge der russischen Vormundschaft in ein sehr schlimmes Dilemma gerathen,. welches durch Rückberufung der russischen Generäle Kaulbars und Solowieff und die Ernennung des russischen Generals Kantakuzenos zum bulgarischen Kriegsminister vorläufig gelöst erscheint. Die Türkei machte unter der Regierung des energischen und reformeifrigen Sultans Abdul Hamid im letzten Jahre gewaltige Anstrengungen, um den morschen Osmanenstaat noni Untergange zu retten. Zur Einführung der Reformen im türkischen Heere, der Verwaltung und der Steuern waren vorwiegend deutsche Offieiere und Beamte thätig und gelang es ihnen vielleicht, Gutes für. die Türkei zu stiften. In Ostasien regt sich der chinesische Koloß, um den Franzosen gegenüber in Tongking den Herren zu spielen. China hat mehr als einmal die Kriegsfrage an Frankreich gestellt und den Frieden vom Verzichte Frankreichs auf Tongking abhängig gemacht. Die Franzosen haben aber schließlich mit der Eroberung der tongkingnesischen Stadt Sontay geantwortet und es wird sich nun zu zeigen haben, ob die Chinesen im neuen Jahre das Schwert ziehen. Aus Amerika ist zu berichten, daß die große Republik der Vereinigten Staaten Dank des kostenlosen Vodenreichthums, der zahlreichen Einwanderer und der Thatkraft ihrer Bürger gute Fortschritte in wirthschaftlicher Beziehung machte und in Südamerika die Republiken Chili und Peru nach dreijährigem Kriege endlich Frieden schloffen. Vermischte-. Darmstadt, 27. Tecember. DaS Programm für die am 6.Januar 1884 hier stattfindende Landesoersammlung der deutschen Fortschrittspartei in Hessen ist nunmehr endgültig festgestellt: Um VsW Uhr Vormittags werden die Vorstünde der deutsch- fortschrittlichen Vereine Hessens unter Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Herrn W- Büchner im Darmstädter Hof zu einer Vorbesprechung zusammentreten. Die Verhandlungen der LandcSversammlung beginnen um 11 Uhr- An denselben werden sich die bis jetzt angemeldeten Reichstagsabgeordneten Herren W- Büchner. Eugen Richter und Albert Träger betheiligen. Um S1/» Uhr findet eine allgemeine und öffentliche Wählerversammlung im Saalbau statt. Die Tagesordnung für diese Versammlung lautet: 1) Vortrag des Reichstagsabgeordneten Herrn Albert Träger über die politische Lage. 2) Ansprache des Reichstagsabgeordneten Herrn Eugen Richter über die Bedeutung der nächsten Neichstagswahlen. — Nach den bis jetzt schon eingetroffenen Anmeldungen dürfte die Londesversammlung sehr stark besucht werden. sowie den Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag 2. Januar 1884, u /, 5- lr „ 8. „ 9. „ 10. 12- „ lö. V ff 16. „ 17. „ 19- , Bekanntmachung. Zur Bezahlung der Zinsen, welche von ^en bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar: Montag den 31. December 1883, Die Interessenten werden daher aufgefordert, die Zahlungen an diesen Tagen 'in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren- Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen Lie übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, den 28. November 1883. Der Rechner der Spar- und Leihkasse. Kehr. Ieisgeöotmes. 7217 Ein mitten in der Stadt gelegenes großes Wohnhaus mit Hintergebäude und Garten ist unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Näheres bei der Exped. ds. Bl. Wasserdichte Pferdedecken, Wagen- und Lagerdeckcn empfiehlt billigst 7761 Louis Wittich II., Markstraße 7, Vertreter von W. Wolf in Cöln. Copirpressen, Copirbüeher, mit Patentregister, Comptoir-Utensilien großes Lager billigste Preise empfiehlt 4612 Ernst Balser. 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Tagesordnung: Rechnungsabhör, Vorstandswahl. Mit dieser Generalversammlung feiert die Gesellschaft ihr fünfzigjähriges Bestehen; es werden daher die Mitglieder ersucht, zahlreich ru erscheinen und auch die früheren Mitglieder dazu höflichst eingeladen. Gießen, den 27. December 1883. 7429 Der seither von H^rrn Kappenmacher Sepp innegehabte Laden nebst Logis ist zu vermiethen. Wettergasse 5, 2. St. Ein solider, ehrlicher und fleißiger Hausdiener, der im Serviren und allen Hausarbeiten erfahren und gewandt ift, wird sofort gesucht. Guter Lohn wird zu- gesichert und dementsprechende Leistungen verlangt. Nachweis über seitherige Tätigkeit und beste Zeugnisse unbedingt erforderlich. Offerten sind zu richten an Herrn Ferd. Schnitzler in Wetzlar- 8480 Mermietyungen. 7831 Möblirtes Zimmer zu vermiethen. _____________________Stemstraße 51. 7804 Ein Familienlogis zu vermiethen. Neuenweg 31. 7421 Wohnung von 5 Zimmern mit allem Zubehör vom 1. April event. auch früher zu vermiethen. 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