1868 «t. 279 gt*. 279. Freitag den 30. November Meßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Bureau: Schulstraße 7. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. «orrespondem-Bnrean. München, 28. November. Die Abgeordnetenkammer nahm heute das Reblausgesetz in zweiter Lesung mit einer unerheblichen Abänderung definitiv und mit Einstimmigkeit an und begann Die Berathung des Etats des Inn rn. Vor dem Eintritt in die Specialdiscustton erklärte der Btmlsier des Innern, die Regierung bestehe, gegenüber den Ausschug-Beschlussen, nur tn drei Fallen auf ihren Forderungen, ünter denen sich auch der Dispositionsfonds befinde. Letzterer wurde jedoch ohne Debatte abgelehnt. , ,, ,.. , Paris, 28. November. D-e Commission,sür die ^ongkirg-Avgelegenhethorte heute Vormittag die Minister Ferry, C-wpsnoii und P-won. Ferry th^rite ein cktnesikckes Memorandum und Frankreichs Antwort darauf mit, welche den einstMrmigen Än her (Sommiffion f anb. Dieselbe beschloß, die Angelegenheit in der Kammer nickt eher nur Diskussion zu bringen, bevor nicht die Crediidebatte fiattgefunden und .mÄ n„s /olaenden wet Gründen- 1) we'l kein Bruch der diplomatischen Beziehungen stottgefunden und die Unterhandlungen gegenwärtig fortdauern, A die Regierung $D?ctnot(itibum unb btß Sintiport bßTGtif in einem ©clbbucye 311 sagt, Frankreich habe Annam einen um a S«nBatea^ufeXt. Selber Ste&Ä««« die Rechte Chinas mißachte; es habe fltnnnm nnn.nriffen mit d-r Absicht, Bacntnh wegzunehmen, welches der Schlüssel des chinesischen Reichs sei. China wünsche unter allen Umständen die friedlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten, die chinesischen Truppen würden sedoch gezwungen sein, einem Anarisie Widerstand entgegenzusetzen, nm weiteres Blutvergießen zu vermelden- China habe an die Traditionen der Ehre und Loyalität Frankreichs appelltrt und würde be- Politifche U-v-rsicht. Gießen, 29. November. Der Kaiser gedenkt Ende dieser Woche mit den zur Zeit in Berlin anwesenden königlichen Prinzen und mehreren geladenen fürstlichen Gästen zur Abhaltung einer Jagd sich von da nach der Göhrde in Hannover zu begeben und dann am Samstag Abend von dort nach Berlin zurückzukehren. Die in den letzten Tagen in Berlin gepflogenen Verhandlungen mit den Vertretern Bremens wegen Uebernahme der Bremischen Bahnen durch den preußischen Staat haben einen befriedigenden Verlauf genommen. Die Bremer Commiflarien sollen sich mit dem von Preußen offerirten Preise einverstanden erklärt haben und es soll nur noch erübrigen, die Formalitäten der Auszahlung oder des Umtausches der Obligationen in Consols festzustellen. Im preußischen Abgeordnetenhause hat am Montag die erste Lesung des Etats ihren Anfang genommen, doch bot dw Debatte an diesem Tage keine besonders hervorzuhebenden Momente dar. 'Dieselbe wurde vom Finanzminister Scholz mit einem längeren Exposö eröffnet, in welchem er Die günstige Finanzlage Preußens ziffermäßig nachwies und hierbei als einen spre- chenden Erfolg für die Wirthschaftspolitik des Fürsten Bismarck die Thatsache anführte, daß Preußen gegenwärtig vom Reiche an Zöllen und Steuern den jährlichen Betrag von 16,5 Mill. JL bezieht. Bezüglich der weiteren Steuer- reformen kündigte der Minister die Abficht der Negierung an, dte Einkommen- stufen bi« zu 1200 X gänzlich zu befreien und diejenigen bis zu 10,000 JL. zu erleichtern. Von den Rednern der einzelnen Parteien sprach sich der CentrumS- Abqeordnete Frhr. v. Schorlemer - Alst ziemlich sceptisch dem Budget-Entwurf gegenüber aus, er bedauerte, daß keine höhere Börsenbesteuerung in Aussicht genommen sei und meinte, daß aus der Kapital-Rentensteuer wohl nichts werden würde. Namens der Conservativcn stimmte Frhr. v. Minnigerode den Ausführungen des Finanzministers unbedingt zu, während von Seiten der Secessionisten Abg. Rickert die neuen Steuerprojecte der Negierung lebhaft be- kämpfte, auch die Eisenbahnpolitik und das Wirthschasts-Sysiem der Negierung kritisirte der secesfionistische Redner in sehr auffälliger Weise. In Eisenach hat am Montag der erste allgemeine deutsche Bauerntag stattgefunden, dem 400 Abgeordnete aus den meisten preußischen Provinzen und den norddeutschen Staaten beiwohnten. Den Vorsitz führten Reichstags- Abgeordneter Ahlhorn und Bauerngutsbefitzer Amtmann Brünning. Das dem Hauerntag vorgelegte Programm und Statut wurden angenommen, worauf unter Hochrufen auf den Kaiser, den Großherzog von Weiinar und die übrigen deutschen Fürsten, sowie auf den Reichstag der Schluß der Versammlung erfolgte. , Der erbitterte Kampf zwischen Deutschen und C zech en in Böhmen hat innerhalb der deutsch-liberalen Partei Böhmens einen elgenthum- lichen Gedanken gezeitigt. Es ist nämlich der Vorschlag gemacht worden , Böhmen in administrativer Beziehung vollständig zu trennen und die Verwaltungsbezirke nach den sprachlichen Grenzen abzugrenzen, um hierdurch eme Colli,ton der nationalen Jntereffen möglichst zu. vermeiden. Der Vorschlag ist zwar innerhalb der deutschen Partei selbst auf lebhaften Widerstand gestoßen, da, eine Zweitheilung Böhmens die Deutschen in den überwiegend czechischen Bezirken der Willkür der Czechen noch mehr preisgeben würde, doch ist er auf der in Prag am Sonntag stattgefundenen deutschen Partei-Conserenz mit zur Sprache gebracht und begründet worden. Indessen würde auch die Regierung einer administrativen Theilung Böhmens schwerlich zustimmen. , , . Die seit etlichen Monaten im französischen Knegsministerium unter dem Vorsitze des Generals Dumont tagende Commission, welche sich mit dem Problem der Jnsanterie-Bewaffnung beschäftigt, hat sich im Principe sur die Einführung des Magazingewehres ausgesprochen. Praktsich ist damit allerdings noch nichts gewonnen. Es sind Seitens der Commission mit mehr denn 50 Modellen eingehende Versuche angestellt, ohne daß auch nur ein einziges den Anforderungen entsprochen hätte, welche die Commisfron erheben zu muffen meint. In Ansehung der Kosten, welche die Einführung eine« gänzlich neuen Modellcs verursachen würden (mindestens 120 Mill. Frcs.), hat sich die Commission für Adaptirung des jetzt in der französischen Armee gebräuchlichen Gras- Gewehres entschieden, allein auch diesbetreffs noch keinen definitiven Entschluß gefaßt. Doch hofft man in den militärischen Kreisen von Pans, daß fie noch vor Jahresschluß zu einem positiven Resultate kommen und daß die französische Feldarmee alsdann ohne Verzug in den Besitz eines dem Gras-Gewehre muhelos anzupaffenden Magazinladers gelangen werde. In London hat am Sonntag die Trauerfeier für Sir William Siemens, einen Bruder des bekannten Berliner Electro-Techmkers, rn der West minster-Abtei stattgefunden. Die Trauerfeier wurde vom Dekan von Westminster unter Assistenz mehrerer anderer Geistlicher abgehalten. In dem außerordentlich großen Trauerqefolge befanden sich Vertreter aller wrstenschaftlichen Ges schäften Englands und viele Notabilitäten der Wiffenschaft. Die Beerdigung fand auf dem Kensal-Green-Kirchhofe statt. Die Häupter der italienischen Parlaments-Oppofition Cairoli, Crispi, Nieotera, Baecarini u. s. w. haben sich am Sonntag ml vielen ihrer Getreuen in Neapel ein Rendez-vous gegeben. _ Auf dem hierbei veranstalteten Banket platzte eine wahre Bombe von Reden, sammtuche Barlei- - führet: hielten lange Reden, in denen das Cabinet be Pretis wegen feinet inne n. - Vnlitik und namentlich wegen seines Hinneigens zum Klerikalismus scharf an gegriffen wurde. Dagegen äußerten sie sich bezüglich der auswärtigen Italiens scheu Politik mehr oder weniger zustimmend; hervorzuheben ist in dieser Beziehung die Rede des ehemaligen Bautenministers Zanardelli, welcher erklärte, ganz Italien wünsche ein intimes Einvernehmen mit den europäischen Centralmächten. Er halte es für wahrhaft wünschenswerth, daß dieses Einvernehmen als eine Garantie des Friedens angesehen werde. Er begrüße mit Freuden eine Allianz, welche nicht allein die Gleichheit und Gegenseitigkeit der Vortheile stipulire, sondern auch die Bedingungen enthalte, daß die nationale Würde und das öffentliche Recht Italiens dadurch nicht leiden. Man muffe Italien, welches seine Verträge gewissenhaft halte, mit gleicher Münze zurückzahlen; Italien müsse sogar verlangen, daß man auch seine Institutionen und seine Autonomie achte. Der Redner brachte schließlich einen warmen Toast aus König Humbert aus. . Heber den neuesten Nachrichten aus fernen Weltiheilen lagert eine dichte Wolke Pulverrauches. Frankreich und China sind engagirt. Während von den chinesischen Kriegsrüstungen der Schleier gefallen ist und kaum ein Zweifel mehr darüber obwalten kann, daß China die äußersten Consequenzen seiner in Anam und Tongking befolgten Politik ziehen wird, ist Frankreich zu weit gegangen, um noch mit Ehren einlenken zu können. Auch liegt dies gar nicht in der Absicht des Pariser Cabinets. Letzteres speculirt auf ein paar rasche, glänzende Waffenthaten des Expeditions-Corps, auf die Entmuthigung und nachfolgende Demüthigung Chinas — ad majorein rei publicae glomm. Die Chinesen ihrerseits, durch das brüske Gebühren Der französischen Politik erbittert und nicht gewillt, sich durch das Gaukelspiel des Vertrages von Hue um ein wesentliches Stück ihrer Machthoheit bringen zu lassen, nehmen den ihnen hingeworfenen Fehdehandschuh in der Hoffnung auf, den militärischen Feldzug mit ähnlichem Erfolg zu führen, als den diplomatischen. Bei der Unzuverlaffig- keit und Uneontrolirbarkeit der meisten, den gegenwärtigen Stand der chinesischen Wehrkraft betreffenden Angaben läßt sich ein auch nur annäherungsweises Urtheil über die Chancen eines franco-chinesischen Krieges zur Zeit nicht fällen. Der „falsche Prophet" ist seit seinem Triumphe über Hicks Pascha bereits zum Propheten schlechtweg avancirt. Der Rus des Massacres von El Obeid hat sich mit Sturmeseile dmtch die gesammte muselmännische Welt verbreitet und dieselbe in eine Gährung versetzt, welche dem Mahdi sehr zu Statten kommt. Alle Kenner der orientalischen, namentlich der egyptischeu Verhältnisse, sind über den Ernst der Lage einig, nur Herr Gladstone scheint fich von feiner optimistischen Auffassung der Dinge ungern trennen zu wollen Nun ist der Gang der Ereignisse bei der Beschaulichkeit orientalischer Denk- und Handelsweise ja keineswegs von der im Abendlande üblichen „affenartigen Geschwindigkeit" • allein England hat es in Egypten auch durchaus nicht mit den Orientalen allein zu thun. Der französischen Regierung nahestehende politische Kreise tragen urplötzlich eine auffallende Besorgnis; um die im Sudan^ihres Erachtens schwer compromittirte Sache der europäischen Civilisation zur Schau und fchernen Lust zu verspüren, die gegenwärtige, dem Mahdi zu verdankende Conjunctur zu enter in integrum restitutio des in einem schwachen Augenblicke vreisgegebenen Einflusses der Republik zu benutzen. _______ Darmstadt, 28. Novbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: , „ , , . m , . ., Arn 28. November den Sohn Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Heinrich Karl Ludwig Georg Wilhelm Elimar Freiherrn zu Nidda in den Grafenstand zu erheben und zu befehlen, daß derselbe sich in Zukunft Graf zu Nidda nennen soll. .... n Darmstadt, 28 November. Se. Kaiser!. Hoheit der Großfürst Sergius von Rußland ist heute aus Paris, wo Hochderselbe seinen erkrantten Bruder, Großsüist Paul, besuchte, wieder hier eingetroffen und im Palais Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Alexander abgestiegen. Loyales. ©itfiett, 28. November. [£beater.J Statt des angekündigten Lustspiels Glück bet Frauen" mußten eingetrctcntr Hindernisse wetten „D es 3! aÄst en Hausbau" und „Flotte Burscke" wiederholt werden. Wir haben dem bet der ersten Aufführung Gesagt n nichts hinzuzufügen. dauern, wenn eS gezwnngen würde, seinen Rechten Achtung zuverschaffm. Die franzö- fische Antwort erinnert daran, daß Frankreich immer erklärt habe, weder Annam noch Tonaking anmktiren zu wollen. Der Vertrag von Hue habe den einzigen Zweck, den Vertrag von 1874 klarzustellen und das Pcoiektorat über T-ngk-ng zu konsolidiren. Frankreich habe es für angemessen befunden, Sontay und Bacntnh zu okkupiren, über nicktS Nebe einem gerechten Vergleiche tm Wege auf Grundlagen, dte Frankretch nie Uufaeaeben und die in dem Vertrage angedeutet seien. Feriy lhetlt weiter mit, daß er dem Marquis Tseng eine Note zugestellt habe, in welcher er denselben zu veranlassen lackte den mklitSrischen Befehlshabern Lpccialvollmachten zugehen zu lassen, um ein ffino-rnebmen herbeizuführen. Kraft dieser Vollmachten sollte China auf friedlichem 2Beae dem Admiral Courbet unter dem Vorbehalt eines weiteren Arrangements S»ntay und Bacntnh übergeben. Später sollte dann über ein definitives Arrangement in Ber. Handlung getreten werden. Diese Mittheilung Feny's habe sich mit einem Schreiben des Marants Tseng gekreuzt, in welchem die Anwesenheit chinesischer Truppm in Tong- Fna konstaiirt wurde, ohne' den Aufenthaltsort derselben zu nennen. Später habe Tfena den Vorschlag Ferry'S abgelehnt, do» habe Tseng wahrscheinlich ohne Instruktionen von V-ckina gehandelt. Der Kriegsminister General Cawpenon erklärt, es feien alle Maßregeln getroffen, um sofort 6000 Mann nach Tongking zu senden, ohne auch nur eine partielle Mobilisirung vornehmen zu müssen- D-r Marineminister P°yron con« ftatirte daß er kein neues Telegramm von Courbet erhalten habe; die Operationen des I hteren hätten bereits begonnen oder würden doch unmittelbar beginnen. Die lctzt- Devesch- Combtt's battre vom 17. ds. und melde, daß Courbet die Truppenconcen- triruna zum Angriff auf Bacninh beendet habe. Der Munster glaubt, daß Courbet die Ankunft des Trausportdampfeis „Correze", welcher 600 Mann Marmetruppe» dringe, abwarten wolle. Der „Correze" hätte heute in der Bay von Along eintreffen rnüffen. P.yron fügte hinzu, er habe Courbet vollste LktionSsrethlit gelaffen, mau h&tft volles Vertrauen in seine Umsicht und ferne Energie fitzen. — Die Commission wird um 2 Uhr eine neue Sitzung abhalten und sich, wie ,8 heiftt daraus beschränken, die geforderten 9 Millionen zu bewilligen. Die Regierung eikiärte.'ehe sie weitere Forderungen stelle, Leber Nachrichten von Courbet abwarlen zu wollen. a . ßiBf, tz-austragte Clemenceau, in der Kammer die Regierung darüber zu tnterpelltren, ob ein Memorandum exchire und ob der Vormarsch der Franzosen gegen Bacninh foitbuure. Paris, 28. November. Die Tongk ugs-Commisfion bewilligte den verlangten Eredlt von 9 Millionen mit 9 gegen 2 Stimmen. Varis, 28. November. Die Tongkingcommission ernannte L4on Renault zum Berichterstatter. Da Ferry in einer Privatunterhaltung mit Clemencrau sich weigerte, die angekündigten Anfragen zu beantworten, beabsichtigt KUmenceau morgen bet Beginn der Kammer wiederum Anfragen zu stellen und wenn Ferry noch die Beantwortung verweigern sollte, Anfragen in Form einer Jnterp-llat on vorzubringen. — Das neue Gelbbuch erscheint wahrscheinlich am Samstag. — Nach Cherbourg ist der Befehl gegeben, das Kanonenboot .Farcy" zur Fahrt nach Tongkin^b bei der Etatsberathw'g der Finanzminister die Finanffaae Frankreichs günstiger wie in 1882; dieselbe bessere sich mit lebem Tage. Die Ausweise^ der Zollämter berechtigen keineswegs zu pefsimtsttschen Schatzungen, die schlechten Ernten und die Krise in Mobilien- und Jmmobilien-Werthen führten zwar «ine Verlangsamung der Transaktionen herbei, aber die Einnahmen des Budgets litten darunter nicht Der Finanzminister bekämpft weiter die Absicht der Comm.ssion, die AmortisationS-Summe von hundert auf fichSztg Millionen herabzumindern und halt für noihMendig, die Budgetreserven zur Amvrt strung zu verwenden, allerdwgS mit Maß und großer Vorsicht, denn d e Reserven fe en für die Zukunft von größtem Notz.n- Die Kamm r vertagt die Weiterberathung auf morgen. , L . Ronvair, 28. November. In einer Tuchfabrik, welche fünzrhnhundert Arveiter beschäftigt, brach heute Nachmittag Fm-r aus,^w-lcheS sich auf eme benachbarte^bedeutende Fabrik verbreitete und nun das ganze Stadtviertel bedroht. DasFmn brennt noch fort. Der bisherige Schaden beträgt bereits mehrere Millionen. London, 28. November. Nach einem Telegramm des „Standard aus Kairo forderte Baker Pascha die türkischen Officiere auf, ihn nach dem Sudan zu begleiten und willigte die Mehrzahl derselben ein. , VeterSburg, 28. November. Das „Journal de St. Potersbourg dementirt die Meldung des „Gaulois" über eine kürzlich gegen das Leben des Kaisers entdeckte Verschwörung, sowie über die Verhaftung mehrerer Beamten. vermischte-. — Die Buchdruckerstatist'k vom 1. October 1882 dir Ende September izzz dürfte vom grBfeten Interesse auch für weitere Kreise fein. Derselben entnehmen w*r daß die durchschnittliche Zahl der arbeitslosen Buchdruckergehilfen über 1500 beträgt. Es befanden sich auf der Reife: October 869, November 7iß December 532, Januar 455, Februar 383, März 362, April 433, Mai 580, Jani 68?' Juli 818, August 931, September 918 Gehilfen. An den einzelnen Orten hielten sich' arbeitslos auf: October 152, November 119, December 136, Januar 138, Februar N Mär, 106, April 96, Mai 136, Juni 156, Juli 171, August 217, September 264 Gehilfen Unter den vorgenannten Ziffern sind nur di'fiuigen Buchdruckergehilfen inbegriffen welche schon länger dem Unterstützungsverein Deutscher Buchdrucker angehören; ei ist somit eine größere Anzahl, welche zur Reise- und Arbeitslosen-Unterstützung, die ein- längere BettrasSlcistung in den Verein voraussetzt, keine Berechtigung hat, nicht in Anrechnung gebracht. Ferner umfaßt der Verein mit seinen 11,000 Mitgliedern erst Zweidritiel der sämmilichen Buchdruckergehilftn und ist nach den statistischen Aufnahmen erwiesen, daß die Arbeitslosigkeit unter dm Nichtmitgliedern noch eine weit größere, die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen mit 1500 also eher zu nichtig gegriffen ist. Diese in steter Zunahme begriffene große Zahl der Arbeitslosen ist keineswegs in einem Rückgang des Buchdruckergewerbes zu suchen, sondern bat ihren Grund in der Aufnahme einer zu großen Zahl von Lehrlingen. So kommt eS denn, daß in Deutschland sich über 7000 Buchdruckerlehrlinge bei kaum 16,000 Gehilfen befinden. Es gibt Buchdruckereten, die, nm recht billig arbeiten zu können, fast nur Lehrlinge beschäftige. Wie es dm Letzteren nach der Lehre geht, ob sie in Folge der mangelnden technischen Ausbildung überhaupt im Stande sind, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, das ist Nebensache. Die Verkennung der thatsächiichen Verhättnisse vn- anlaßt noÄ heute viele Eltern und Vormünder, ihre Kinder, bezw. Pflegebefohlenen dem mit Arbeitskräften überladenen Buchdruckergewerbe zuzuführen, ohne sich zu erkundigen. ob dieselben sich für dm Beruf eignen, das betreffende Geschäft eine Garantie für die nöchige Ausbildung des Lehrlings bietet und ob nach verfloffener LehrzM auch Aussicht auf eine Beschäftigung vorhanden ist. W r halten es deshalb für unsere Pflicht, auf die angeführten Verhältnisse aufmerksam zu machen. Mögen Eltern ur.b Vormünder, L-Hrer und Erzieher die mtt Ziffern belegten Angaben der nöthigm Beachtung würdigen. 2 i t e rar t f ch e s. Goethe's Werke, illustrtrte Ausgabe der Deutschen Verlagsanstalt, vormals Eduard Hallberger in Stuttgart, sind bis zur 49. Lieferung nunmehr zur Ausgabe gelangt. Es befindet sich damit nun der vollständige zweite Band, sowie der größte Theil des dritten, welcher, wie uns die Verlagshandlung mittheist, ebenfalls noch vor Weihnachten fertiggestellt fein wirb, in den Händen deS Publikums. Vom Beginne ber ersten Lieferung bis zur nunmehrigen 49. ist das Prachiw-rk, wie wir schon deS öfteren erwähnten, ein solches, welches in Bezug auf Ausstattung und Eleaan, der Verlagshandlung alle Ehre macht. Rechnen wir hierzu den Gehalt d-S Werke« an sich, die unsterblichen Geistesproducte deS Dichters und nehmen dann noch hen beauemen Bezug deS Werkes in S eferungen, welche für geringen Preis zu haben find, so dürfen wir getrost den Lesern hier eine Weihnachtsgabe empfehlen, welche dem damit Beschenkten ganz gewiß große Freude bereiten wird. Handel und Vermehr. Gießen, 28 November. Auf dem gestern und heute dabier abgehaltenenBieh- markt waren aufgetrieben: 2 Pferde, 793 Stück Rindvieh und 532 Stück Schweine. Trotz deS lebhaften Handels wichen dir Preise von denjenigen am vorigen Markte nicht wesmtlick^ab.r bin 1L und Mittwoch den 12. December d. I., am letzteren Tage auch Krämermarkt (letzter Vieh- und Krämermarkt in 1883). ° Frankfurt, 28. November. Ans dem heutigen Markt kostete der Centnerß-n ,, 2 80—3 50 Stroh X 3.20—3.50, Eier das Hundert 6.40—9.o0, Butter 1 Qualität X 1.30, 2. Qualität X 1.20, Kartoffeln per Gentner X 1.70-2.25, Kolflrabi 3-5 4 per Stück, Erbsen per Psd. 00—00 Rothkrant per LdS.-Ausst. 1882. Seit 19Jahren mit größtem Erfolg eingeführt und von vielen Aerzteu empfohlen gegen .Hautaussehläge aller Art, tusbesoudere gegen Hautjucken, Flechten, Grind, Kopf- und Bartschuppen, Frostbeulen, Schmeißfüße und Krätze, ä 35 nebst Anweisung. Theer - Schwefelseife, vereinigt die vorüglichen Wirkungen des Schwefel und Theer. ä 50,5) bei Htiur. Wallach^in Gießen.6759 Gopirpressen, Gopirbücher, mit Patentregister, CornpLoir-Menfilitn groß,es Lager billigste Preise empfiehlt 4612 Eoist Balser« Buchbinderei. H. Hühxx Papier- und Schreib materialien-Handlung Grosses Lager in 7686 praktischen Gegenständen ZU ■ Gilt noch neuer, großer Petrolenm- behiilter, 2 elegante Thekensäalen mit Wölbung gebe sehr Lillig ab 7806_______PH. Nau, Schulstraße 10. Änthracit-Kohlcn, Gew. Nußkohlen, Hessenbrück. Braunkohlen (beste Sorten) empfiehlt 6730 KXÖll- DWmWW mit FirmendrrrcL in allen Farben und Aualitaten von M. 2.50 pro mille an und höher empfiehlt .. „ Ottmar Kohler, Lindenplatz. 5666 Ei« Esel, verkaufen bei 7840 Wilh. Backhaus Wwe., Beuern. Destillerie der Abtei zu Fecamp (Frankreich) Liquenr Echter Ma» verlange auf eckige Etikette mit der Unterschrift des General-Directora. vortrefflich stärkendes Verdauungsmittel, der beste aller Zjiqueiare. Die Destillerie der Abtei zu Fdcamp fabricirt ferner den Alcool de Menthe und das Melissen-Wasser der Benedictiner, vorzügliche, äusserst gesundheitsfördernde Mittel. VERITAELE UQUEUR BENEBICTINE jeder Flasc|le die vier- Brevetee en Trance et a lEtranger, - --- Der ächte Benedictiner-Liqueur ist bei den Machfolgenden zu haben, welche sich schriftlich verpflichteten, keine Nachahmung dieses Liqueurs zu führen. In Giessen bei EmsB BTiscIlbach) H. Kinkel, Oonditor und Carl Schwaab’s Delicatessenhandlung. 7563 J. H. FUHR Spiele aufmerksam. 7783 Sonnenstr. 25 Sonnenstr. 25 Gleichzeitig mache auf eine schöne Auswahl Puppen-Zimmer, -Möbel, -Küchen und Küchen- Einrichtungen, Läden, Festungen, sowie die neuesten Gesellschafts-undSelbstbeschäftigungsr Grosse Wciliiiadils-iiisstelhiiig in Kinder Bpielwaarm von Berlinische Lebens - Uerfichernngs - Gesellschaft gegründet 1836. Gesammt-Garantie-Capital: Mk. 30,983,027.1 Bestehende Versicherungen Ende 1882: 23382 mit Mk. 107,809,300 Capital. Jahres»Einnahme pro 1882: Mk. 3,173,647. Die Gesellschaft schließt Lebens-, Aussteuer-, Altersversorgung^ und Renten-Versicherungen gegen billige feste Prämie oder mit Anspruch auf Dividende ohne Verpflichtung zur Nachzahlung. Die Dividende der Versicherten, seit Jahren ununterbrochen steigend. beträgt pro 1883 31% der Jahresprämie. Als Vertreter der Berlinischen Lebens-Verstcherungs-Gesellichaft, welche sich als bestfundirtes Institut seit ihrem 47jährigen Bestehen durch gewissenhafte und solide Geschäftsführung, promptes und coulantes Verfahren bet Regulirung von Sterbefällen rc. vortheilhaften Ruf erworben hat, bin ich zur Entgegennahme von Anträgen, sowie unentgeltlichen mündlichen oder schrift- gerne Wilh. Mcsler, Schillerstraße 11 ar« <50 7854 tichen 7838 e r: s CT K) z rr -r erbauten Hauses (Ecke der Schillu- straste und Asterweg) ist zn vcr< miethen. Petri III. "7834 Zwei ineinandergehcnde, elegant möblirte Zimmer in erster Etage, auf Wunsch mit Burschenzimmer, zu m- micthen- Näheres in der Exped- ds. Stadt-Theater. Freitag den 30. November 1883. 6. Vorstellung im 3- Abonnement. Der Bibliothekar. Schwank in 4 Akten von G. v. Mosen Anfang 7«/, Uhr. — Ende 10 Uhr. F. Kraulleehf. Wermiethungen. 7843 Ein schönes, nröblirtes Zimmer an einen ruhigen Herrn zu vermiethen. Carl Schwaab. 5921 Man beabsichtigt, das Haus des Herrn FritzKempff (Marburgerstr.65) zu vermiethen. Reflectanten wollen sich an Herum Rechtsanwalt Steinberger wenden.___________________ 5245 In meinem Hause find die unteren Geschäftsräume, sowie ein Farnilienlogis von 3—4 Zimmern zu vermiethen und sofort zu beziehen. Georg Bjelbi "7791 Gut möblirtes Zimmer zu vermiethen. Franks urterstr.^43, 3. St. '7753 Zwei neuhergerichtete Wohnungen, bestehend aus je 3 Zimmern mit Zubehör, sowie eine große Werkstätte, zu jedem Geschäft geeignet, sofort zu vermiethen- Karl L oth, Brandgasse 5. 7633 Schillerstratze 14, 3. Stock (Nordanlage) ein event. zwei schön möblirte Zimmer zu vermiethen. 7439 Ein schönes, möblirtes Zimmer (auf Wunsch mit Kost) zu vermiethen bei Heinrich Kiefer, Neuenweg 32. 7833 Einmöblirtes Zimmer mit (Sabiner, in 1. Etage, zu vermiethen. Näheres in der Erved ds. Bl. Fahrplaa (vom 15. Oktober an). Abfahrt von Giessen nach: Frankfurt 2", 4-«, 8'°*, 632, 8»&*, j[5b 445 ?6 *# 7-50. Marburg Ö28, ß54. Casscl 12'", 1", 3«, 9«*, ll53, 1* r 4", 811*. ,, Wetzlar 5'“*, 6,822,12s, 12 0 4«, 7 , 7's, 9:JS (geht bis Betzdorf). Emö°Coblenz 522*, 6, 8« lz‘, 4«, < • T>s (geht bis Weilburg). Deutz 6«. 12so, 4ss. Fulda 6", 11 ss, 5. Lauterbach 6", ll55, 5, V30. Gelnhausen 8M, 12", 4<°. Nidda 8’“, 12", 4“, 745. Ankunft in Gießen von: Frankfurt 1", 8», 939*, 11", l15*,^ " 430 715, 336* 10«, 12'-*- Marburg 6M, 72*. «asset 2®, 5,3*,819*, ll29, 429, ß59*, U - Wetzlar 72°, 8\ 940, hsi, 1-*, 3«, 492, b14, 910* 1120 12>*. , Ems-Coblenz 940, l2*, 313, 658, 9i0, 12 Deutz ll31, 432, Hto- Fulda H29, 429, 10. , . Lauterbach 810, ll2'9, 429, 10. Gelnhausen 925, 83?, ß56- Nidda 625, 925, 335 ß56. .... * dedeutet Schnellzug. Die fetten ZM«' s;, spa*tftunbett. _ M. Vrtrerrri D Hauses und na uisses a T tägiger 5 diesmal eine Bu Windth! gegraste langte ! Centrur des Fin der Sei entwurf des Rei das Eis lerer F Herrn < Bedürft fanden Führer! Finanz! College verthetd Ziehung ein Voi sondern «ins Be Katholi das Ha folge, u des Fir Budget rathunx 5 nächst c auf da zum B auch d nennun' osfenba Philipp der Pes Wischer Zweifels c auf bei schiedli, über g unwahi es auf sollen 5400 Bpath begdnn beantr< von de daß du Zeit w Franzo erklärt Tongki trachtet c handln wieder am S sich du Julins Schulze, Sonnenstrasse 20 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in: Filz- und Veloursröckeu, Kinderkleidchen und -Jäckchen, Kaputzen, Tüchern, Westen, Strümpfen, Gamaschen, Unterjacken u. Hosen, Handschuhen, Corsetten, Schürzen, Schleiern rc. Zu bekannt billigen Preisen. Eine Parthie zurüBgeseHLsr WollwsareA offerire zu Ein- kaufspreisen.7606 Zu haben bei Herrn Cai't j§eä&wa<äS> in Giessen. 6610 LaiibsagevorlaMN, fertig zum Ausschneiden (auf Holz gezeichnet), empfiehlt 7537 Lottis LvNy. l 's Kur die besten Cacao-Sorten werden verarbeitet. Pllder-Cacao’s, absolut rein und scha- lenfrei, daher leicht verdaulich. Choooiaden mit 5 u. lOn/o Sago-Zn- U satz per «/, Ko. von Ä 1.25 ab; mit «i Garantie-Marke .ReinCacao undZucker< M von ..4L 1.60 ab. Die */•" u. '/«-Kilo-Tafeln tragen die Verkaufspreise. Unsere Kaiser-Chocolade (pr. */z Ko. a X 5) ist das Beste, was in Chocolade H gefertigt werden kann. 3 Pdpöt-Schilder kennzeichnen die Verhaufs- stellen, woselbst auch ndssonscliaitliebe Ab- D handlangen Uber den Nährwerth des Cacao erhältlich. | Köln. Gehr. Stollwerck, Z Kais., könisl, Grossherzgl. $t, Hoflief. Emser Pastillen (ächt in plombirten Schachtein) ein bewährtes Mittel gegen Husten, Heiserkeit, Verschleimung. Magenschwäche und Verdauungsstörung. Emser Victoriaquelle. Vorräthig in Giessen bei Emil Fischbach und Heinr. Wallach. 7598 König Wilhelm's Felsenquelle in Ems. Ierrmetöungen. 7595 Ein möblirtcs Zimmer ist auf 1. December zu vermietben. __Marktstraße 16. 7566 Möblirtes Zimmer mit Cabinet zu vermiethen.__E. Plank, Marktplatz. ‘“7182 Der mittlere Stock unseres Hauses ist zu Vermietheu und sogleich beziehbar. Gebrüder Schmatt, Neuen-Biiue 27. Wohnung. S^mit Zubehär^iu- rnitten der Stadt, in schönster Lage), zu dem billigen Preis von 350 r. verbundenmt er-Erschemmgen, einziger BcßP icfte und 'Ingen, sowie dA ent Gebiete bet ; und Illusion, cue Pieckn. sonst. Lindcnplatz). , das alles A°- ' 7539 Dresden. chieden ist. 3. lrenerr. ' in Ni ermit ZederinM rieb Etwas ° i, da ich für NF v, Schuhmacher rbciten jeder Äs lich besorgt. raße 6, 3. Sto^ Ar. 269. Erstes Blatt» Sonntag den 18. November LG8S. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. N W A T W? 'W Bureau: Schulstras.e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinzerlshn. Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf. Amtlicher Hßeil. Gefundene Gegenstände: 1 blaue Schürze, 1 Paar Glacehandschuhe, 1 Paar braune Handschuhe, 1 unechter Siegelring, 1 schwarze Frauenschürze, 1 Taschentuch, 1 Hammer, 1 Tischtuch, 1 Regenschirm, 1 Säckchen mit Straminarbeit, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken. Gießen, den 17. November 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. __Fresenius.__________________■___________ ___ Darmstadt, 16. Novbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 24. October dem Oberlehrer zu Bessungen Georg Ludwig Glock das silberne Kreuz des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen, am 7. November dem Schullehrer an der Gemeindeschule zu Niedcr-Mörlen, im Kreise Friedberg, Georg Kempf, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste" und am 12. November dem Steuercommissär des Steuercommissariats Friedberg, Steuerrath Georg Schober, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienst- Ordens Philipps des Großmüthigen — zu verleihen. Telegraphische Depeschen. Wolst's telegr. CorresPondtnz'Bursau. Berlin, 16. November. Der Kronprinz verabschiedete sich heute Nachmittag vor seiner Abreise nach Spanien vom Kaiser, welcher sich zur Hofjagd nach Springe begab. — Anläßlich der Reise des Kronprinzen nach Spanien hatte der Pariser „National" von dem unüberschreitbaren Abgrund zwischen Dynastien und Völkern gesvrochen, welchen die Souveräne selbst und zwar dadurch gegraben, daß sie sich der deutschen Politik nicht feindlich gegenübergestellt hätten. Die „Nordd. Mg. Ztg." sagt, außerhalb Frankreichs werde das schwerlich Jemand glauben. Dagegen würde die „Nordd. Allg. Ztg." nicht widersprechen, wenn der „National" von dem Abgrunde svräche, welchen die französische Hetzpreffe zwischen den Dynastien „Europas und dem französischen Volke gegraben habe. Münster, 16. November. In Sachen des Schifffahrts-Kanals Dortmund untere Ems beschloß heute das Gesammt - Comitö der Interessenten aus Rheinland, Westfalen und den Seestädten, bei dem Handelsminister, Arbeitsminister und Finanzminister die Wiedervorlage des im Herrenhause abgelehnten Kanalgesetzes mit den nothwendig erscheinenden Ergänzungen zu beantragen. Eine Petition soll die Zusicherung aussprechen, daß ein bedeutender Theil der Grunderiverbskosten aufgebracht wird. Ferner wurde die Bildung eines Kanalvereins für Westdeutschland beschlossen. Paris, 16. November. Die „Lcherte" dementirt formell die allarmi- renden Börsengerüchte über den Stand der Tongking-Angelegenheiten und weist auf die Depesche Courbesis vom 8. November hin, welche den vorzüglichen Gesundheitszustand der Truppen constatirt und die Ankunft der Transportschiffe „Aveyro" und „Shamrock" anzeigt. Courbet erwartete bis zum 10. November oucE) das Transportschiff „Bienhoa"; er beabsichtigte nach Ausschiffung der Truppen und nach einer dreitägigen Ruhe, etwa zwischen dem 15. und 20. November , Sontay anzugreifen. Daher hat die Expedition wahrscheinlich bereits begonnen. An der heutigen Börse wurde ein Individuum, welches beunruhigende Gerüchte verbreitete, verhaftet. London, 16. November. Gestern Abend kam es in der Memorial Hall, in welcher der Hofprediger Stöcker einen Vortrag über den christlichen Socialismutz halten sollte, zu Ruhestörungen. Obwohl der Eintritt in den Saal nur gegen Einlaßkarten gestattet war, bemächtigte sich doch eine große Anzahl Socialisten des Saales, begrüßte Stöcker mit Schreien und Murren und stimmte die Marseillaise an. Im Saale wurden Fahnen in den republikanischen Farben entfaltet. Die Socialisten setzten sich unter dem Rufe, es lebe die dem- uächstige Revolution, in Besitz der Plattform. Stöcker und seine Anhänger wurden gezwungen, stch zurückzuziehen. Die Versammlung ging auseinander. — Nach einer Meldung aus Shanghai von heute concentrirt China beträchtliche Streitkräfte bei Kanton, um das Eindringen der „Schwarzen Flaggen" zu verhindern, sobald dieselben von den Franzosen aus Tongking vertrieben Kin würden. Belgrad, 16. November. Das amtliche Blatt veröffentlicht eine Mitteilung der Regierung, welche die vollständige Bewältigung des Aufstandes constatirt und anzeigt, daß nunmehr die Untersuchung über die Ursachen und die Urheber des Aufstandes beginnen werde. Sofia, 16. November. Dem Vernehmen nach soll über die Stellung ber russischen Officiere in Bulgarien eine Verständigung in der Weise erfolgt k,n- daß der Kriegsminister mit Genehmigung des Kaisers von Rußland durch °en Fürsten Alexander ernannt wird. Die Entfernung deffelben von dem Ministerposten erfolgt stets durch den Fürsten allein. Der Kriegsminister enthält stch jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten Bulgariens und ist für stwe Akte und für das Kriegsbudget öetn Fürsten und der Nationalversammlung verantwortlich. Die russischen Officiere dienen mit Zustimmung des Kaisers 3 Jahre in der bulgarischen Armee und haben dem Fürsten, der Verfassung J6 "en bulgarischen Gesetzen Gehorsam zu leisten. Lokales Gietztn, 17. November. Die Schwurgerichtssitzungen der Provinz Oberhessin für das IV. Quartal 1883 beginnen Donnerstag den 13. December. Znm Vorsitzenden ist Herr Landgerichtsdtrector Dr. Stammler ernannt. Gietzen, 17. Novbr. sSitzung der Stadtverordneten vom 15. November.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller nnd Hetz, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst, Diery, Gail, Hanstetn. Hornberger, Kauf, Lüdektng, Ad. Noll, Ang. Noll, Petri, Scheel, Dchopbach, Vogt und Wortmann. — Nach 8 88 des Gesetzes, betreffend die Kranken-Verstcherung der Arbeiter, treten die Bestimmungen dieses Gesetzes, soweit sie die Beschlußfassung über die statutarische Einführung des Versicherungszwanges, sowie die Herstellung der zur Durchführung des Verstcherungszwanges dienenden Einrichtungen betreffen, mit dem 1. December 1883, die übrigen mit dem 1. December 1884 tn Kraft. In einer früheren Sitzung der Stadtverordneten-Ber- sammlung wurde beschlossen, nach Anschaffung der nöthigen Anzahl von Exemplaren dieses Gesetzes und stattgehabter Kenntnißnahme fettens der Herren Stadtverordneten zunächst diejenigen SS des Gesetzes zu behandeln, welche den Einfluß und die Befugnisse der Gemeinde-Behörde auf dasselbe berühren. Der hiernach zunächst in Betracht kommende S 2 des betr. Gesetzes schreibt vor, daß die Anwendung des Versicherungs- zwanges durch statutarische Bestimmung einer Gemeinde für ihren Bezirk erstreckt werden kann: 1) auf diejenigen Personen, deren Beschäftigung ihrer Natur nach eine vorübergehende oder durch den Arbettsvertrag im Voraus auf einen Zeitraum von weniger als einer Woche beschränkt ist; 2) auf Handlungsgehilfen und -Lehrlinge, Gehilfen und Lehrling« in den 1 Apotheken; 3) auf Personen, welche in anderen als in den in S 1 (siehe diesen) bezeichneten Transportgewerben beschäftigt werden (z. B. Kutscher, Fuhrleute, Trambahnbeamte rc); 4) auf Personen, welche von Gewerbtreibenden außerhalb ihrer Betriebsstätten beschästtgt weihen; 5) auf selbstständige Gewerbtreibende, welche in eigenen Betriebsstätten im Auftrage und für Rechnung anderer Gewerbtre.bender mit der Herstellung oder Bearbeitung gewerblicher Erzeugnisse beschäftigt werden (Hausindustrie); 6) aus die in der Land- und Forstwirthschaft befchäftigten Arbeiter. Herr Bürgermeister Bramm äußert feine Ansicht dahin, daß für die hiesige Gemeinde die Bestimmungen des Gesetzes auf die in S 2, 1—6 bezeichneten Personen anzuwenden seien, wohingegen von anderer Seite die Meinung vertreten wird, man könne die unter Po!. 2 bezeichneten Personen (Handlungsgehülfen und Lehrlinge), namentlich aber Gehülsen und Lehrlinge in Apotheken hiervon ausschlteßen. Herr Stadtverordneter Haustein stellt den Antrag, Beschlußfassung über die unter S 2 bezeichneten Perfon-n auszusetzen und es vorläufig bei den tn $ 1 bezeichneten, dem Verstchcrungszwang unterworfenen Personen bewenden zu lassen. Unter die in 8 1 bezeichneten Personen gehören: 1) die in Bergwerken, Salinen, Aufbereitungsanstalien, Brüchen und Gruben, in Fabriken, Hüttenwerken beim Eisenbahn- und Binnendampsschifffahrts- betriebe, auf Werften und bei Bauten Beschäftigten; 2) die im Handwerk und in sonstigen stehenden Gewerbebetrieben Beschäftigten; 3) diejenigen, welche in Betrieben beschäftigt sind, in denen Dampfkessel oder durch elementare Kraft (z. B. Wasser, Dampf, Gas rc) bewegte Triebwerke zur Verwendung kommen, sofern diese Verwendung nicht ausschließlich in vorübergehender Benutzung einer nicht zur Betriebsanlage gehörenden Kraftmaschine besteht. Ausnahmen hiervon machen nur die in 8 2, Pos. 2—6 genannten Personen, welche zwar nicht versichert werden müssen, aber durch statutarische Bestimmung von Gemeinden rc. versichert werden können- Dieser Antrag wird angenommen- Desgl. wird § 6 angenommen, welcher in seinem 3. Absatz handelt von der Ermächtigung der Gemeinden, zu beschließen, daß bei Krankheiten, welche die Bethetligten stch vorsätzlich ober durch schuldhafte Betheiligung an Schlägereien rc-, durch Trunksucht, Ausschweifungen rc- zugezogen, das Krankengeld theilweisc oder gar nicht gewahrt wird, sowie daß Personen, welche der Verstchcrungspflicht nicht unterliegen und frei» willig der Gemeinde-Kranken-Versicherung Bettreten, erst nach Ablauf einer auf höchstens 6 Wochen vom Beitritt ab zu bemessenden Frist Krankenunterstützung erhalten. Der ferner als wesentlich tn Betracht kommende 8 16 schreibt die Berechtigung der Gemeinden vor, für die tn ihren Bezirken beschäftigten verstcherungSpfltchtigen Personen Orts-Krankenkassen zu errichten, sofern die Zahl der in der Kasse zu versichernden Personen mindestens 100 beträgt. Die Ortskrankenkassen sollen in der Regel für die in einem Geschäftszweige ober in einer Betriebsart beschäftigten Personen errichtet werben. Auch ist die Errichtung gemeinsamer Orts-Krankenkassen zulässig, wenn die einzelnen Gewerbszweige weniger als 100 Personen beschäftigen Gewerbszweige ober Betriebsarten, in welchen 100 und mehr Personen beschäftigt werden, können mit anderen Gewerbszweigen ober Betrieben zu einer gemeinsamen Ortskrankenkasse nur vereinigt werden, nachdem den in ihnen beschäftigten Personen Gelegenheit zu diesbezügl A-ußerung gegeben ist- Weiter heißt es in 8 60: „Ein Unternehmer, welcher in einem Betriebe ober in mehreren Betrieben 50 ober mehr dem Krankenversicherungszwange unterliegende Personen beschäftigt, ist berechtigt, eine Betriebs- (Fabrik-) Krankenkasse zu errichten. — Der Unternehmer kann aber auch durch Anordnung der höheren Verwaltungsbehöide verpflichtet werden, wenn di s von der Gemeinde, in welcher die Beschäftigung stattfindet, ober von der Krankenkasse, welcher die beschäftigten Personen angehören, beantragt wird. Von der Anordnung ist dem Unternehmer, sowie den von ihm beschäftigten Personen ober von biefen gewählten Vertretern unb, falls der Antrag von einer Ortskrankenkasse ausgegangen ist, auch der Gemeinde zu einer Aeußerung darüber Gelegenheit zu geben." Nach 8 61 können Unternehmer, deren Betriebe für die beschäftigten Personen mit besonderer Krankheitsgesabr verbunden sind, auch bann, wenn sie weniger als 50 Personen beschäftigen, zur Errichtung einer Krankenkasse für ihr Etablissement ange-