Str. 2SL. Dienstag den 30. October L88B. Gießener Anzeiger Amts- Md für den Kreis Gießen. Bttreanr Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. W "lf>, fr i0M tner mit Cabinei g Sandgasse D. Logis zu vermieK Neuenweg 25. ädergehende, möbliüs 'errniethen. __Lahnstraße 11. ichtigt, das Hans trä iff (Marburgerstr. eflectanlen wollen ft nwalt.Steinberg n rem Hach find-te sräume, sowie ei t ott 3-4 Kmer k -sofort;» beziehen Georg Leib. lienlogis'mit'Zubehlni »rridor sosort zu M Sage der Sick ifi < w »eWoMZ bei der Geb. ds. M i Nw ede finden lohnende! • .Hütte beiHaiger!.. SW jagerbi®3 ÄH« Ä hurg. «, Lit-rgl°s 12 gSfiisJ' Aeutschland. Darmstadt, 27. October. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 24. October den Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Lauterbach, Wilhelm Müller, zum Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Gießen, den Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Ulrichstein, Ludwig Ludwig, zum Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Lauterbach und den Gerichts-Accessisten Heinrich Engel aus Mendorf an der Lumda zum Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Ulrichstein zu ernennen; an dems. Tage den Landgerichtsrath bei dem Landgerichte der Provinz Oberhessen, Friedrich Hirsch, auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit und unter Anerkennung seiner mit Eifer und Treue geleisteten Dienste in den Ruhestand zu versetzen. Darmstadt, 27. October. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 24) enthält: 1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend. 2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Erhebung und Controlirung der Uebergangsabgabe von Bier und Branntwein, insbesondere die zur Ausfertigung und Erledigung von Uebergangsscheinen ermächtigten Stellen betreffend. 3. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, den 10. Nachtrag zu den Statuten der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn-Geselljchaft betreffend. 4. Summarische Uebersicht der Rechnung Großh. Landes-Waisenanstalt zu Darmstadt für 1882/83. 5. Ordensverleihung: Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 6. October dem evang. Pfarrer zu Sellnrod Ludwig Bang das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen. 6. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. 7. Dienstnachrichten: Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 9. October dem evang. Pfarrer Franz Stammler zu Nieder-Weisel die erledigte evang. Pfarrstelle zu Gundernhausen und dem evang. Pfarrer Dr. Karl Eigen- brodt zu Hühnlein die erledigte evang. Pfarrstelle zu Auerbach zu übertragen. Am 5. September wurde dem Schullehrer Abel Zinn zu Reinhards die erledigte Diaconats- und erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kirtorf, am 21. September wurde dem Schulamtsaspiranten Johannes Schneider aus Psaffen-Beerfurth die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Darsheim, am 28. September wurde der Schulamtsaspirantin Katharina Nihlein aus Kostheim die Lehrerinnenstelle an der kath. Schule zu Gernsheim, am 30. September wurde dem Schullehrer Jacob Kremer zu Eppertshausen eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heidesheim übertragen; am 3. October wurde der Amtsgerichtsdiener bei dem Anitsgerichte Wald-Michelbach Valentin Räuber zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgerichte Lorsch ernannt; an dems. Tage wurde der von dem Herrn Grafen zu Stolberg-Roßla-Ortenberg auf die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mittel-Seemen präsentirte Schulamtsaspirant Franz Christoph Kloninger aus Siefersheim für diese Stelle bestätigt; am 5. October wurde dem Schullehrer Anton Heußlein zu Bürstadt eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Vendersheim, am 9. October wurde dem Schullehrer Franz Adam Wegerich zu Bürstadt eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hausen übertragen; am 10. October wurde der Feldwebel bei der 3. Batterie des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 25 (Großh. Artillerie-Corps) Georg Wolf zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgerichte Wald-Michelbach ernannt. 8. Charakterverleihungen. 9. Ruhestandsversetzungen: Am 21. September wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Wersau Johannes Heußel auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. October d. Js. an, in den Ruhestand versetzt. 10. Concurrenzeröffnungen: Erledigt sind: Eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Wald-Michelbach mit einem nach dem Dienstalter des betreffenden Lehrers sich bemessenden jährlichen Gehalt von 1000 bis 1250 «X Eine mit einer evang. Lehrerin zu besetzende Stelle an der Volksschule zu Gießen mit einem jährl. Gehalt von 1200 j-t. Die evang. Pfarrstelle zu Hartershausen; dotationsmäßiger Gehalt 2232 «X; das Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt v. Görtz, zu. Die evang. Pfarrstelle zu Klein-Umstadt; dotationsmäßiger Gehalt 1467 =X 10. Sterbefälle: Gestorben sind: Am 26. Juni der Hofgarten-Jnspector Ludwig Göbel zu Darmstadt; am 29. Juni der evang. Pfarrer Otto Eckhard zu Nauheim; am 6. Juli der pensionirte Lehrer Georg Wollpert zu Gundersheim. Berlin, 27. October. Der türkische Unterstaatssecretär Wettendorf constatirt in einem Schreiben an die „Nordd. Allg. Ztg.", daß die Mittheilungen der Zeitungen über Aeußerungen, welche er einem Vertreter der hiesigen Presse gemacht haben soll, in mannigfacher Beziehung unzutreffend, beziehentlich ungenau sind. Kassel, 27. October. Heute Mittag fand hier auf dem Bildergallerieplatz die Enthüllung der von Prof. Haffenpflug hergestellten Büste des früheren Oberpräsidenten v. Möller in Gegenwart der Civil- und Militärbehörden und eines zahlreichen Publikums statt. Namens des Verschönerungs-Vereins, welcher das Denkmal gestiftet hat, hielt Justizrath Peters die Festrede, die mit einem begeistert avfgenommenen Hoch auf Se. Maj. den Kaiser schloß. Wernigerode, 27. October. Nachdem die Jägerei heute früh um 7 Uhr im Schloßhof den Weckruf geblasen und später das Trompeter-Corps der Halberstädter Kürassiere eine Morgenmusik dargebracht hatte, begann der Aufbruch zur Hasenjagd auf der Altenroder Flur. Die Fahrt ging durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt, in denen die Schulen und Vereine Aufstellung genommen. Auf dem Marktplätze erwartete und begrüßte der Magistrat Se. Maj. den Kaiser. Das Wetter ist mild und klar. — Se. Maj. der Kaiser traf heute Vormittag gegen 10 Uhr, begleitet von dem Grafen zu Stolberg, im Jagdrevier Altenrode ein. In zwei Treiben wurden 400 Hasen erlegt, davon 80 durch den Kaiser. Die Rückfahrt erfolgte nach 1 Uhr, und zwar nicht durch die Stadt, sondern direct nach dem Schlosse, wo um lJ/2 Uhr das Dejeuner stattfand. Um 4 Uhr erfolgte die Rückfahrt nach Berlin. Auf dem Bahnhofe hatten sich die gräfliche Familie, em Theil der Jagdgäste und die Spitzen der Behörden zur Verabschiedung eingefunden. Die gräfliche Jägerei, die Ilsenburger Hüttenbeamten, der Kriegerverein, die Schuljugend und die Turner bildeten Spalier. Unter enthusiastischen Hochrufen setzte sich der Zug in Bewegung. General Graf v. Blumenthal gab Sr. Maj. bis Magdeburg das Geleite. — Aus Anlaß des am 30. d. Mts. stattfindenden 25jährigen Regierungs- Jubiläums des Grafen Otto zu Stolberg hat Se. Maj. der Kaiser demselben sein in Oel gemaltes Brustbild, Se. Majestät in der Uniform der Garde du Corps darstellend, verehrt. Dänemark. Kopenhagen, 27. October. Im Folkething hat heute der Finanzminister eine Vorlage, die Altersversicherung für Arbeiter betreffend, eingebracht. Die Beiträge des Staates sind vorläufig auf zwei Millionen bemessen. IsranLreich. Paris, 27. October. Die äußerste Linke beschloß, ihre Interpellation über Tongking erst nächsten Montag einzubringen. — Das Gerücht, daß zwischen dem Ministerpräsidenten Ferry und Leon Sap eine Besprechung stattgefunden habe und daß es sich um eine Wiederübernahme des Finanzministeriums durch Löon Say handle, wird von der „Agence Havas" als unrichtig bezeichnet. — Der bekannte Physiker Breguet, Mitglied der Akademie, ist heute gestorben. Bulgarien. Sofia, 27. October. (Telegramm der „Agence Havas.") Ein am Abend des 25. d. Mts. vom Fürsten einberufener Ministerrath beschäftigte sich mit der Frage der Abberufung der Adjutanten des Fürsten. Es wurde beschlossen, den Oberst Rödiger in Arrest zu schicken, die in der bulgarischen Armee dienenden russischen Officrere zu entlassen und die in der russischen Armee dienenden bulgarischen Osficiere sofort in ihre Heimath zurückzuberufen. Am darauf folgenden Morgen forderte der Fürst den Oberst Rödiger auf, um seine Entlassung nachzusuchen; Oberst Rödiger verweigerte dies und erhielt darauf eine 24stündige Frist, um Sofia zu verlassen. Oberst Komanikoff erhielt den Befehl, die Leitung des Kriegsminister zu übernehmen, sobald die dazu von Petersburg alsbald erbetene Ermächtigung eingegangen sein werde. Rußland. Petersburg, 27. October. In Taschkent ist heute früh 2 Uhr 20 Min. eine Erderschütterung mit heftigem unterirdischem Getöse wahrgenommen worden. Acgr-pten. Alexandrien, 27. October. Gestern sind hier 8 Personen an der Cholera gestorben. ___ Telegraphische Depeschm. WoM's telegL. Correspondenz-Brrreau. Neu - Ruvvin, 28. October. In Anwesenheit des Geh. Regierungsraths Dr. Jordan aus Berlin, sowie der von der königlichen Kunstakademie und der technischen Hochschule in Berlin, ingletchen von dem Berliner Künstler verein entsendeten Deputationen sand heute Mittag 12 Uhr hier die feierliche Enthüllung des Schinkel- denkmals statt. Der Landrath von Quast das Officrercorps der hter garMsonirenden Truppen, die Mitglieder der hiesigen Behörden, die L.hrer und sammtltche Gewerke der Stadt, welche mit ihren Fahnen und Emblemen aufzogen, nahmen an der Feier ^hetl. Bürgermeister v. Schulz leitete die Feier mit einer Ansprache ein, Geh. Regierungsrath Dr. Jordan feierte Sch'vkel als Reformator auf dem Gebiete der Archltectur, sowie als Staatsdiener und Menschen, richtete Worte der Anerkennung an den anwesenden Schöpfer des Denkmals, Bildhauer Max Wiese, und übergab das Denkmal der Stadt Namens welcher dasselbe vom Bürgermeister v. Schulz übernommen wurde. Die Feier'schloß mit einem enthusiastischen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, sowie unter dem Niederlegen von Kränzen an dem Denkmal und mit Gesang. Metz, 28 October. Nach einer Meldung der „Lothringer Zeitung" ist der Retchstagsabgeordnete Antoine auf Beschluß des Reichsgerichts Leipzig, d. d. 22. d. M., heute ohne Caution aus der gegen ihn verhängten Untersuchungshaft entlassen worden. Die Untersuchung gegen denselben dauert fort. Bern, 28. October. Der Kanton Tessin hat von Der Errichtung eines selbstständigen Bisthums abgesehen und wird sich damit begnügen, daß der frühere Bischof Lachat als provisorischer Administrator fungire. Als Bischof von Basel soll, wie es heißt, der Domprobst Fiala in Aussicht genommen sein. Wien, 28. October Das bulgarische Amtsblatt publicirt die fürstlichen Dekrete, feetr. die Enthebung des Obersten Rüdiger von der Leitung der Geschäfte des Kriegsministers und die Entlassung desselben aus dem Dienste der bulgarischen Armee, sowie die Ernennung des Oberstlieutenants Komanikoff zum Gereuten des Kriegsministeriums. Ferner wird folgende Ordre publicirt. In Anbetracht, daß ohne meine Zustimmung die Rückberusung der Adjutanten Leo- sovoy und Polskov nach Rußland erfolgte, schließe ich aus meiner Armee die Officiere aus, welche russische Unterthanen sind, nämlich Oberst Lewignon, Ka- pttän Messolon, Dienstarzt Grün. Ferner ordnet der Fürst Alexander an, daß 35 bulgarische Officiere, welche russischen Truppen attachirt sind, telegraphisch nach Sofia zurückberufen werden. Paris, 28. October. Der „Ternps" dementtrt die den französischen Soldaten in Tongktng zugeschriebenen Grausamkeiten, ebenso erklärt derselbe die Nachricht von einem angeblichen Tagesbefehl des Generals Bouet, in welchem die Niedermachung aller Annamtten anbefohlen worden sei, für unbegründet. Rouen, 28. October. Der Kardinal Bonnecchose ist gestorben. Alexandrien, 28. October. Gestern starben hier 12 Personen an der Cholera. New-Aork, 28. October. Nach Berichten aus Jamaika ist der Ort Port Antonio am 18. d. Mts. durch eine Feuerstbrunst fast gänzlich zerstört worden. Der Verlust übersteigt eine Million Dollars. Lokales» Gießen, 29. October. Heute Morgen Schlag sieben Uhr wurde das Todes- urtheil an dem vom letzten Schwurgerichte zum Tode verurtheilten Sebastian Schneider von Willofs durch den Königl. Sächsischen Scharfrichter Brand von Pfaffenroda bet Dresden vollzogen. Die Executton dauerte nur wenige Minuten. Vom ersten Stadtpfarrer Herrn Dr. Naumann aus der Zelle geleitet, wurde, nach kurzem Gebete vom Ersten Staatsanwalt Herrn Zimmermann, das Todesurthetl für vollstreckbar erklärt und der Delinquent dem Scharfrichter mit dem Befehl übergeben, „den Verurtheilten vom Leben zum Tode zu befördern." Mit den Worten: „Adieu, ich bitte um Entschuldigung, meine Herren", bestieg der arme Sünder unter Assistenz des Geistlichen und der zwei Gehülfen des Scharfrichters das Schaffot. Dortselbst rief er: „Herr Jesus Christ, in Deine Hände befehle ich meinen Geist" — und innerhalb weniger Secunden war der Gerechtigkeit Sühne geleistet. Während der Execution ertönte vom Friedhöfe das Armensünderglöckchen. Die Verbindung vom Provinzial-Arrefthause mit der Friedhofscapelle war mittelst einer Signalkette, von Mannschaften des hiesigen Regiments gebildet, hergestellt. Eine zahllose Menschenmenge umstand das Justtzgebäude, welches von Militär, Gendarmerie und Schutzleuten abgesperrt wurde. Gießen, 28. October. (Theater.) Der Pfarrer von Ktrchfeld von L. Gruber. Ein Tendenzstück im eigentlichsten Sinne des Wortes, aber nicht ohne gute Seiten. Dahin rechnen wir vor allem die treffliche Zeichnung einiger Figuren, die Geschicklichkeit und fließende Leichtigkeit im scenischen Aufbau und die glückliche meist kernhaft-volksmäßige Sprache. Ein junger katholischer Geistlicher, Pfarrer Hell von Kirchfeld, ein vortrefflicher Character, der den segensreichsten Einfluß auf seine Gemeinde ausübt, nimmt auf Bitten eines Amtsbruders die muntere, schöne und rechtschaffene Anna Birkmeter, ein armes Waisenkind, als Beistand seiner alternden Dienerin in sein Haus auf. Zwischen beiden entkeimt eine stille Neigung, ihnen selbst so unbewußt, daß erst dritte Personen ihnen die Augen öffnen müssen. Noch ist das Wort „Liede" nicht zwischen ihnen gefallen; aber ein Bauer, der sie bei einem Zwiegespräche belauscht, erkennt ihren Gemüthszustand, bringt sie im Dorfe ins Gerede und erschüttert dadurch das Ansehen des Pfarrers aufs Ernsteste. Anna erhält davon Kunde, und um'den Pfarrer zu rehabilitiren und alle Lästerzungen zum Schweigen zu bringen, reicht sie einem braven Burschcn die Hand, der sie schon längst im Stillen liebt Mit blutendem Herzen läßt der Pfarrer sie von sich, findet aber Trost, Beruhigung und Halt in seinem heiligen Berufe, zumal es sich fügt, daß er dem nämlichen Bamr, dem „Wurzelsepp", der seinen Ruf untergraben hat, Böses mit Gutem vergelten kann- So wett wäre nun Alles gut; die Handlung hat einen innerlichen Abschluß erreicht und das Stück könnte damit zu Ende sein. Allein der Dichter, mcht zufrieden damit, seinen Helden den schweren Seelenkampf auskämpfen zu lassen, verwickelt ihn noch in einen Kampf mit feinem kirchlichen Oberen. Plötzlich nämlich trifft ein Ab- fttzungs-Decret für Pfarrer Hell ein nebst einer Vorladung vor em geistliches Gericht und man erfährt, daß dieser harte Schlag ein Werk des Fürstbischofs Grafen Finsterberg ist. Der unglückliche Pfarrer denkt einen Augenblick an Selbstmord, doch auf das Zureden Annas, die er soeben ihrem Gatten angeiraut hat, beschließt er, das Leben zu ertragen und sich dem geistlichen Gerichte zu stellen- Was nun aber weiter? Was wird sein ferneres Schicksal sein? Wird er unterliegen, oder den Kampf siegreich bestehen? Der Himmel weiß es; das Stück ist zu Ende, es schließt m t dem Wunsche, daß, wie ein einiges und freies deutsches Reich erstanden sei, so auch eine freie und einige Kirche darin erstehen möge! Die Hauptpartien der Anna und des Pfarrers ruhten in den bewährten Händen des Fräulein Kohrsen I. und des Herrn Schölermann. Fräulein Kohrsen I. war im Spiel vortrefflich; den Dialect, in dem sie zu reden hat, beherrschte sie mit Sicherheit. Herr Schölermann spielte edel und gemessen und wußte selbst in die zum Theil langen Reden seiner Rolle Farbe und Leben zu bringen. Herrn Muff lag als ^Wurzelsepp" die Aufgabe ob, einen Menschen zu zeichnen, dem geistliche Intoleranz und bigotte Beschränktheit das Lebensglück vernichtet haben; er ist bitter und pessimistisch; nur eine schöne Regung ist ihm geblieben, die Liebe zur Mutter, und an diesem Faden wird er wieder zur Seelenruhe und zum inneren Frieden zurückgeleitet. Herr Muff entledigte sich dieser Aufgabe in ausgezeichneter Weise, er hatte die Partie in allen ihren Nüancirungen klar erfaßt und erzielte lebhafte Wirkung- Herr Rickel t verkörperte den Pfarrer von St. Jakob aufs Beste: ein kindlich-einfältiges Gemüih von beschränktem Gesichtskreis und gutmütiger Resignation- Voi den übrigen Mit- spielenden haben wir besonders Frau Brede (Haushälterin B-igltte), Herrn Voigt (Michel Berndorfer) und Herrn Sauermann (Schulmeister von Alt-Oettling) mit Lob zu nennen. Das Publikum nahm die Vorstellung mit lebhaftem Beifall auf. Gießen, 29. October. Heute Vormittag wurde in der Lahn, in der Nähe der Burck'scken Mühle, die Leiche eines Unbekannten geländet. Morgenztg." hier folgen: Angeklagt, durch fortwährende Jrrthumserregung sich einen rechtswidrigen Vermögensvortheil verschafft zu habrn, erschien die 40 Jahre alte Ehefrau des Th. Kersting, Gertrude, geb. Hagesieb, von hier vor den Schranken. Dieser vielfach vorbestraften Kartenlegerin wird zur Last gelegt, durch die falsche Vorspiegelung sie könne den Teufel bannen, Hellsehen und Wahrsagen rc., im August d. I. aas Vermögen des Fabrikarbeiters H. El. geschädigt zu haben. Auf welch unglaubliche Art die Kersting die Frau El. zu bethören wußte, so daß dieselbe ein völlig willenloses Werkzeug des gewiss nlosen Weibes wurde, ist bereits früher erwähnt- Die Aermste glaubte völlig vom Hexenspuk und Zaubereet umstrickt zu sein. So schleppte denn die Frau El. Teller, Töpfe, Messer, Gabeln, Kannen, Schüsseln, Fleisch, Brot, Kaffee, Kleidungsstücke rc. hmter dem Rücken ihres Mannes der Kartenlegerin zu. Diese oer- stand das Ausziehen meisterhaft, nahm ihr die Schürze vom Leibe weg und l-eß sich die silbernen Oh gchänge nushändigen. Und alles unter dem Vorwande, die Sachen seien behext. Weiter forderte sie ein Stück Leinen um es in der Kirche um den Altar zu häng-'n, einen Strumpf von dem linken Bein, Wollgarn u. s. w., befahl der be, thörten Frau, das Haus von oben bis unten zu räuchern, sowie ein leckeres Mittagsmahl zuzubereiten, da, durch der Hellseherin geheime Zauberkräfte gezwungen, die „Hexe" bei der Rathsucherin zu Gast erscheinen werde. Als die „Hexe" sich jedoch n cht etnstellte. mußte Frau El- das Essm der Kerst ng bringen, die sich den „vom Teufel besessenen Hahn" sehr gut munden ließ. Frau El. führte auch alles getreulich aus- Als ihre H^xenbannerin aber immer noch mehr verlangte, wie z. B- den besten Anzug ihres Bruders, Tücher, Federkissen rc., ohne daß die Hexe erschien, gingen der Wahnbethörten in Folge Dazw schentretens ihres Mannes und der Nachbarsleute die Aug-n auf. Sie erkannte den Schwindel und machte Anzeige. So wurde denn die „H-?xen- bannerin" heute wegen ihres gemeingefährlichen Treibens zu 7 Monaten Gefängniß, 30 Geldbuße, eoent. weitere 10 Tage Gefängniß und zweijährigem Ehrverlust vcr- urtbellt Erwähnt muß noch werden, daß die Kresting sofort nach erfolgter Anzeige den größten Theil der erhaltenen Sachen — theilwetse waren sie schon verbraucht — wieder herausgerückt hat. Vor Gericht spielte sie sich als die selbstloseste Person von der Welt auf, sie glaubte an die Macht ihrer Mittel und habe alles aus purem Mitleid gethan, um die Frau aus dem H-xenbanne zu erlösen. Witterungskrrnde.*) 30. October. Dienstag. Frühmorgens und Morgens kühl und bedeckt, dabei windig, örtlich zumal an den Küsten stürmisch aus Nordwfft, auch droben Niederschläge; nach Osten zu Vormittags etwas aufgebessert, Mittags dagegen wieder mehr drohend zusammengezogen, Nachmittags aufgeheitert bis zu schönem Abend; Nachts bedeckt mit Niederschlägen, dabet windig, an den Küsten stürmisch, wahrscheinlich aus Südwesten. 31. October. Mittwoch. Die Witterung ist noch unruhig, Morgens aus Mittag zu bedeckt, örtlich Hagelböen, Nachmittags aufgeheitert bis zu gutem Abend; Nachts windig mit Niederschlägen, die nach Nordwesten zu gewitterhaft auftreten. Jenseits der Alpen dürften die Niederschläge jetzt und in den folgenden Tagen, zumal Nachts, bedeutender fallen. Das Minimum liegt zwischen 2 und 4° C-, in günstigeren Lagen etwas höher; in cxponirten Lagen dagegen mäßiger Nachtfrost (in Süddeutschland Föhn?) *) Aus Dr, L. Overzter's Wetter-Prognose für den Monat October abgeschlossen am 20. September (Verlag der M-Lengftld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 JLY — Nachdruck verboten. ' Gießen, < ® wird I L w * IKMinber v. bei Großer Mimch den r Nachinitta, rirben in der Aarzahlung n "Sophas.KomM Tische, ISMem 3 Whmaschmen, 1 Conversaiions-. 2 Rinder. Gießen, den 29. Oi ; I Großh. Kommenden Dienst den 30. tct Nachmittal habe ich in der F ,. Her folgende Gegei In Baarzahlung ve 1 Comode mit Gl Asch, 1 Waschtisch, 1 Comode, 1 Spieg mer: 1 zweithüriger schrank, 1 Spiegel, :iiter: 1 Kleiderschr mit Glasaussatz, 1 o 1 Consol mit Au ■ 1 viereckiges Tischch 1 Wanduhr, 1 Spie Tielen, 25 Stück tc Nie: 1 Kleiderschrän Gießen den 27. Oct W ■ -viityn R Tchrnü H. Rübsamerr 6322 7050 Regenschirme für Damen und Herren empfiehlt — Die heilkräftigen Eigenschaften des Theers gegen Hautkrankheiten sind allgemein bekannt, unangenehm aber bleibt immer seine ungefällige Farbe, die Beschmutzung und Verderbmß der Wäsche, der penetrante Geruch und schließlich auch feine schädliche (toxische) Eigenschaft. Dahingegen aber verdient das aus dem Theer gewonnene Naphtol die größte Beachtung, denn dasselbe entspricht allen heilkundigen Anforderungen, ohne die üblen Eigenschaften des Theers zu besitzm. Die vaselinehaltige Naphtolschwefelseife von A. H- A. Bergmann in Waldheim vereinigt in sich alle Vorzüge der Theer haltigen Seifen, nicht aber deren Mängel und wird dieserhalb als die wirksamste Seife zur Entfernung langwieriger und lästiger Hautunreinigkeiten, sowie auch zur Erzeugung einer gefunden und schönen Haut empfohlen. Die Zellen sind durch Dampf geheizt. Verschiedene Salze, Mutterlauge und Bade-Extracte sind in der Bade-Anstalt zu haben. 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