Ne VIS. Samstag den 30. Juni 1888. ichewr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Sureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MBl^agS. Preis vierteljährlich 2 M^rk 20 Pf. mit Bringerlvchn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar? 50 Ps. ÖS rsität Jfadrid) n - CUm. ! 1 Mk, n ter Dklicatessen- erSwrz), sowie bei renb ihrer Reise durch Achahm und wurde Mtlich in Bonn, das i gebracht. Hieße«. ijdjlojfene gyneinsms igen ßiittenwrfe und er ÄistW des Hetttß in Wetzlar 4J9, lw. n Vorstand'. ^Mtgen. s ii Cafe kcN Wr: innM K «t. ,ng. '*■ tri«** oi»s»8 KiZ h, Politische Ueberstcht. Gießen, 29. Juni. Der Kaiser, dessen Emser Trinkkur den erfreulichsten Verlauf nimmt, gedenkt, wie aus Ems gemeldet wird, am 18. Juli in Gastein zur gewohnten Nachkur einzutreffen, lieber die anläßlich des Gasteiner Aufenthaltes projectirte Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef verlautet noch nichts Näheres. Noch kurz vor dem Schluß der Landtagssession in Preußen ist der kirchenpolitische Streit im Abgeordnetenhause gelegentlich der am Montag stattgefundenen dritten Lesung der kirchenpolitischen Vorlage noch einmal in Hellen Flammen ausgebrochen. Während die beiden ersten Lesungen des genannten Gesetzentwurfes in durchaus sachlicher und ruhiger Weise verliefen — ruhiger als man vielleicht erwartet haben mochte — platzten die Geister am Montag scharf auseinander, der ganze Culturkampf lebte in seiner alten Bitterkeit und Schärfe wieder auf und in der Hitze des Wortgefechtes fehlte es auch nicht an persönlichen Ausfällen, so daß sich Vicepräsident v. Heeremann ge- nöthigt sah, nach mehr als einer Seite hin den Ordnungsruf zu ertheilen. An dem vorher schon mit Sicherheit zu erwartenden Resultate änderten jedoch die vierstündigen Verhandlungen nichts und die mit 224 gegen 107 Stimmen erfolgte definitive Annahme der kirchenpolitischen Vorlage in der Commissions- Fassung hat daher auf keiner Seite Ueberraschung hervorgerufen. Nur insofern unterscheidet sich das Resultat der dritten Abstimmung von dem der zweiten, als diesmal die Zahl der gegen die Vorlage abgegebenen Stimmen sich von 87 auf 107 hob, da außer den Nationalliberalen und den Secessionisten auch der größte Theil der freiconservativen Fraktion, sowie der Fortschrittler sich gegen die Vorlage erklärte. Vom Abgeordnetenhause ist der kirchenpolitische Gesetzentwurf sofort dem Herrenhause zugegangen, dessen Commission dem Entwurf, ohne irgendwelche Aenderungen vorzunehmen, bereits am Dienstag zugestimmt hat. Man kann daher annehmen, daß sich auch das Plenum des Herrenhauses in gleichem Sinne entscheiden wird und da anderweitige wichtigere Gesetzentwürfe den beiden Häusern des Landtages nicht mehr vorliegen, so dürfte der Schluß des Landtages möglicherweise schon morgen erfolgen. Unter den Tagesbegebenheiten der habsburgischen Doppel- Monarchie lenkt neben dem vor seiner Entscheidung stehenden Wahlkampfe in Böhmen die Tisza - Eszlarer Asfaire die Aufmerksamkeit zumeist auf sich. Die Schlußverhandlungen des zu Nyiregyhaza spielenden Monstre-Processes wegen der angeblichen Ermordung der Esther Solymossy durch jüdische Schächter haben Erscheinungen zu Tage gefördert, welche auf die ungarische Justizpflege ein eigenthümliches Licht werfen. Wir haben da einen Staaatsanwalt, welcher zu Gunsten der Angeklagten plaidirt und den Untersuchungsrichter Bary als denjenigen bezeichnet, der eigentlich auf die Anklagebank gehöre, da tritt uns ein Präsident entgegen, der seine Voreingenommenheit gegen die Angeklagten nicht verbergen kann und was den Hauptbelastungs-Zeugen, den 14jährigen Moritz Scharf, anbelangt, so stellt sich jetzt heraus, daß dessen Aussagen theilweise gänzlich erfunden und den Machinationen gewisser hinter den Coulissen stehenden Persönlichkeiten zuzuschreiben sind. Auch die Aussagen anderer Belastungs- Zeugen haben sich als sehr zweifelhaft erwiesen und für Mittwoch stand die Vernehmung des Debrecziner Sicherheits-Commissars, Barcza, in Aussicht, der Kenntniß davon haben soll, wie Moritz Scharf zu den judenfeindlichen Aussagen abgerichtet wurde. Der Proceß von Nyiregyhaza scheint sich demnach zu einem hochsensationellen gerichtlichen Drama entwickeln zu wollen. Die Pariser radikalen und anarchistischen Kreise sind durch die Verurtheilung der „Bürgerin" Louise Michel in hochgradige Erregung ge- rathen. Lomse Michel, die echte Hohepriesterin des Petroleum-Cultus, hatte bekanntlich die in Paris vor einigen Monaten stattgefundenen Straßen-Tumulte veranlaßt, welche in der „Erstürmung" und Plünderung mehrerer Bäckerläden gipfelte. Wegen dieses Vergehens und wegen Vertheilung hochverrätherischer Brochüren an Soldaten wurde die Michel zu 6jähriger Einschließung und lOjähriger Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt, worüber die gesammte radikale Presse der französischen Hauptstadt außer Rand und Band gerathen ist. Die Anarchisten hielten am Sonntag im Saale Reine Blanche ein großes Entrüstungs-Meeting ab und die hierbei ausgestoßenen staatsgefährlichen Drohungen überschreiten alles Dagewesene. Der Gerichtspräsident Ramö und der Staatsanwalt wurden strmlich zum Tode verurtheilt und ein Individuum, Namens Cantet, erbot sich sofort, den Urtheilsspruch zu vollziehen; auch eine Proscrip- twasllste der Geschworenen circulirte. Außerdem wurde der Beschluß gefaßt, am. Juli, dem Nationalfesttag der Franzosen, schwarze Fahnen auszuhängen und durch Straßen-Tumulte die Feier zu stören. Die französische Regierung loll entschlossen fern, die wüthendsten Schreier wegen der ausgestoßenen 'Mord- drohungen zu verhaften. — Challemel-Laconr, der Minister des Auswärtigen, ist in Vichy nicht unbedenklich erkrankt; es heißt deshalb bereits, daß der Ministerpräsident Ferry die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten definitiv übernehmen werde. Für die in de-r englischen Armee herrschende Disciplinlosigkeit, worüber schon seit längerer Zeit heftige Klagen geführt werden, liefert ein blutiger Vorgang der letzten Tage abermals einen deutlichen Beweis. In Curragh (Irland) ist es zwischen Soldaten zweier Regimenter zu einem ernsten Zusammenstöße gekommen, bei welchem von den Schießgewehren Gebrauch gemacht wurde und 5 Soldaten tobt auf dem Platze blieben, während mehrere Andere Verwundungen davontrugen. Erst dem energischen Eingreifen der Officiere, welche drohten, auf die Meuterer schießen zu lassen, gelang es, dem Kampfe ein Ende zu machen; für den in der englischen Armee herrschenden Geist legt dieser Vorgang gerade kein günstiges Zeugniß ab. In den albanesischeu Bergen ist zwischen den türkischen Truppen und den aufständischen Stämmen eine Art Waffenruhe eingetreten, welche ver- muthlich mit der vollständigen Unterwerfung der Insurgenten enden wird. Hafiz Pascha, der türkische Befehlshaber, war von den Albanesen fast gänzlich eingeschlossen worden, aber durch ein geschicktes Manöver gelang es ihm, sich noch rechtzeitig aus der Klemme zu° ziehen und die Insurgenten in eine derartige Lage zu bringen, daß ihnen nichts übrig bleiben wird, als sich zu unterwerfen, resp. die Waffen zu strecken. Von Seiten der amerikanischen Regierung werden Maßregeln gegen die Einwanderung armer irischer Emigranten in das Unionsgebiet geplant. Die Commission für das Auswanderungswesen hat mehrere Beschlüsse gefaßt, durch welche die Landung von Auswanderern der bezeichneten Art in den Küstenstädten der Union verhindert werden soll. Die Commission schlägt vor, diejenigen Auswanderer, für welche die englische Regierung die Reisekosten bezahlt hat, zurückzuschicken. In Damiette (Unter-Egypten) ist die Cholera mit großer Heftigkeit ausgebrochen. Es erscheint dringend geboten, daß sich die europäischen Mächte zu einem gemeinsamen Schritte vereinigen, um die Verschleppung der Seuche nach Europa zu verhindern. Nyiregyhaza, 27. Juni. Tisza - Eszlarer Proceß. Der von dem Polizeichef und dem Oberstaatsanwalt mit der Ueberwachnng der Voruntersuchung beauftragte Sicherheits-Commissär Barcza deponirt, Moritz, zu welchem er zugelassen, habe ihm Anfangs die Ermordung der Esther in der bekannten Weise erzählt, später aber zugestanden, daß er eigentlich nichts gesehen und man ihn nur dadurch zu seiner Aussage vermocht habe, daß man ihm mit ewigem Kerker gedroht. Moritz und der Comitatsbeamte, in dessen Obhut letzterer steht, stellen dies in Abrede. Auf die Bemerkung des Präsidenten an Barcza, daß Zeugen behaupteten, er habe für seine Aussagen viel Geld erhalten, sagt dieser, das seien Jene, welche dem Untersuchungsrichter Bary einen Ehrenpokal gewidmet hätten. Zum Schluffe der heutigen Verhandlung wurve constatirt, daß der Kanzlist Peczeli mit dem Mörder identisch ist, der in Jllava 12 Jahre Strafhaft verbüßt hat. Derselbe verübte einen Mord an dem Gatten seiner Geliebten mit Hülfe der Letzteren und warf den zerstückelten Leichnam des Ermordeten in den Fluß. Die Conduitenliste der Gefängnißverwaltung bezeichnet Peczeli als einen lüderlichen, des Diebstahls verdächtigen Menschen. ______________________ Telegraphische Depeschen. Wolff s lelegr. Correspondenr-Bureau. Berlin, 28. Juni. Das Abgeordnetenhaus hat die dritte Berathung des Gesetzes über die Schulversäumnisse mit mehreren wesentlichen Abänderungen erledigt. Der von Bergenroth beantragte § la, wonach der Schulvorstand unentschuldigte Kinder durch Boten zur Schule führen lassen kann, wird trotz der Erklärung des Cultusmmisters, daß derselbe das Zustandekommen des Gesetzes gefährde, angenommen. Die Schlußabstimmung wird verschoben. Nächste Sitzung übermorgen. — Das Herrenhaus nahm die Verwaltungsgesetze in der Fassung des Abgeordnetenhauses (§ 61 des Organisations-Gesetzes debattenlos, § 13 des Zuständigkeits-Gesetzes mit 84 gegen 24 Stimmen) an. Kiel, 28. Juni. Der Ches der Admiralität', Caprivi, ist heute Mittag hier eingetroffen. r r Aschersleben, 28. Juni. Der Commandeur des hiesigen 10. Hufa- renregiments, Oberst FPhr. v. Troschke, wurde heute auf dem Bahnhofe von einer Rangirmaschine erfaßt und getödtet. Alexandrien, 28. Juni. (Telegramm des „Reuter scheu Bureaus ). Innerhalb der letzten 24 Stuüden sind in Damiette 113 Personen an der Cholera gestorben. Aus Mansurah sind während der letzten 3 ^.age 11 Cholerafülle berichtet, von denen 4 tödtlich endeten. Einen Todesfall in ^antah schreibt man gleichfalls der Cholera zu. Da die Krankheit sich fett gestern auch in Port Said gezeigt hat, ist es allen nach Suez gehenden Schiffen verboten worden, mit den Stationen des Kanals zu verkehren. , _ Kalkutta, 28 Juni. Eine von der mdifchen Regierung an den Crmr von Afghanistan abgesanvte Munitions-Colonne ist von den Grenzstammen der Schimvaris und Afridis angegriffen worden und nach einem heftigen Kampfe 7- Schiffsrhedern statt, worin die Gutachten zweier hervorragender Advoeaten über das von Leffeps beanspruchte Monopolrech am Isthmus von Sn z be- rathen wurde. Die Gutachten bestreiten den Anspruch Lesseps unbedingt und sollen dieselben Seitens der Schiffsrheder unverzüglich zur Grundlage einer Aktton gemacht werben , um die Behörden für den Ban eines zweiten Kanals SÄSÄ'aESF «- >«»»«--» wegen Maßnahmen bezüglich der Cholera znsammen. Ein von Alexandrien kommendes russisches Packetboot ist nach Mündiger Quarantäne m den Dardanellen einqetroffen, wurde aber nach den Dardanellen zuruckgeschictt, nm eine zehntägige Quarantäne zu halten. Selbst die Ausladung der Briefe ist untersagt. WMl ° ^vhanueS -Mb ach hat §ckig den Acke M Namen dn Meutei dm 1M 1854 e 'M nchüge Zahli Hl gehörig r Achrnche an 6 Wochen hier a die Zahlung als M Löschung he Berliche Serfügi Tießen, ben 22. Grc Witterungskunde. ) 30. ^uni. Im Allgemeinen Morgens wolk'g bis bedeckt, dann Aufheiterung, auf Mittag zu Haufenwolk.n, Nachmittags besser, Abends gewitterhaft- Namentlich in den südlichen Gebieten sind 'mwer noch kurze, örtlich ergiebige Regenschauer mit Gewitternatur zu erwarten. Dir Winde sind dabei im Allgemeinen mäßig, im Süden und Südweslen ziemlich lebhaft Der Wassersland des Rheins dürfte bet Köln eine mittlere Höhe von 3 bis 4 Metern baden- 1 Juli. Sonntag- Frühmorgens graublau bis schleierig, dann sich aufheiternd, schwül, stellenweise gewitterhaft Vormittags und Mittags; Nachmittags schön und sehr warm. Das nächtliche Temperaturminimum sinkt im Nordseegebiet. Es beginnt eine Gewitttrperiode, die namentlich dem Süden mit den Tagen fortschreitend plötzliche und massige Niederschläge bringt. D'e Wasserstände steigen, soweit sie von den Nieder.- schlügen in südlicheren Gebieten abhängen. Nach Osten und Nordoften zu ist mehr Aussicht auf vorwiegend trockene und heiße Tage mit Gewittern Vormittags bis Mittags und vereinzelt Nachts. r,o r, , 2. Juli Montag. Frühmorgens blau, dann grau- bis weißlich blau bei hoher Dunstspannung, Mittags gewitterhaft und schwül mit Niederschlägen namentlich im Süden, Nachmittags schön und warm. *) Aus Dr. L- Overzier's Wetter-Prognose für den Monat Juni, abgeschlossen am 15. Mai (Verlag der M- Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 JL}. — Nachdruck verboten. N- i"dt" MW $ . , hem Mrgenl Mtere 6 Gießet oe An den Son Ä Postsachen durc Damstadt, d M| Wllft? '«ir Ä 6“ 650 Mit bem i. gonborf «eit L°ll°r Npofl W de-s Die zwischen «1. 3uli,?b V schweigt- - Staatsanwalt: Wie wurde der Leichnam weggeschafft? — Moritz: Das weiß ich nicht. - Angekl. Buxbaum (deutsch): Zu welchem Zweck hat man eigentlich das Mädchen in den Tempel gerufen? - Moritz: Ich spreche nicht deutsch, sondern nur ungarisch. - Josef Scharf: Du verstehst schon ganz gut, wenn Du nur willst. — Moritz: Ick weiß nur ungarisch. — Scharf: L>o? Rede nur deutsch, Du Lump- — Präsident: Keine Beleidigungen. Ich werde die deutsch gestellten Fragen ungarisch wiederholen. — Buxbaum: Erinnerst Du Dich, wie das Messer ausgesehen hat? — Moritz: Es war ein Schächtermeffter. — Dre Angeklagten schlagen die Hände zusammen. Weißstem: Em Schächtermesser entweihen? — Braun: Moritz, sag mir, was für Augen hat die Esther gehabt? — Moritz: Solche wie ihre Schwester. — Vertheidtger Eötvös: Was für Augen hat aber die Schwester gehabt? — Moritz schweigt. — Braun: Was für Augen hat die Schwester gehabt? — Moritz: Sie haben zu schweigen. — Jos. Scharf: Sage mir nur, hast Du während der ganzen Zett nie Sehnsucht gehabt, mich zu sehen/ Ich habe Dich wahrlich wiederholt sehen wollen- — Moritz: Nein. (Bewegung.) - Scharf: Schön von Dir! Du willst also auch in Zukunft nichts von mir wissen ? — Moritz: Nein. — Schars: Wer wird aber für Dich sorgen? — Moritz: Man wird mich schon versorgen. — Scharf: Aber wer denn? — Moritz: Das Königlich ungarische Ministerium des Innern. (Sensation.) — Schaff: DaS weißt Du auch? — Moritz: Ihnen müßte man das nicht sagen! — Scharf: Mit mir sprichst Du per Sie? — Moritz: Soll ich Sie nicht vielleicht einen gnädigen Herrn heißen? — Scharf: Du weißt Dich Deinem Vater gegenüber sehr schön auszudrücken. — Moritz: Wozu fragen Sie mich, wenn Sie sich einen Vertheidtger ge, nommen haben? — Scharf (im Niedersetzen): Ich möchte mich auch wirklich lieber >elbst vertheidigen. — Angekl. Lustig: Moritz, ist es wahr, daß Du gesagt hattest, daß Du k.in Jude mehr fein willst und daß Du Dich um Deine Glaubensgenossen nicht mehr kümmerst. — Moritz: Ick will kein Jude sein, will auch nichts wissen- (Sensation). — Es folgt nunmehr vas Verhör durch die Veffhffdiger. U. A. fragte Szekely: Wa-um haben die Juden die Esther ermordet? — Moritz: Vielleicht ist es in ihren Gesetzen- — Präs.: Woher vermuthest Du das? — Moritz: Man hat es gesagt- — Vertheidiger: Man hatDtr das gesagt? — Moritz: Auch mir. — Vertheidiger: Wer denn? — Mor'tz: Viele, auch große Geistliche. — Ver- theidiger: Was für Geistliche? — Moritz: Auch katholische Geistliche. — Ver- ihcidiger: Wer sind diese Geistliche? — Moritz: Ich weiß nicht, mir haben es Andere erzählt. — Vertheidiger Funtak: Erinnerst Du Dich, wie das Blut aus der Halswunde geflossen ist, dünn oder dick, langsam oder schnell? — Moritz: Es ist ganz dünn und langsam geflossen. — Vertheidiger: Ich mache Dich aufmerksam, daß Du da etwas sehr Unwahrscheinliches behauptest, denn das Blut spr'.tzst, wenn auch nur eine Ader am Halse durchgcschnitten ist. Deine Aussage ist erlogen! (Unruhe im Publikum.) Staatsanwalt: Da in der That diese Aussage des Moritz Scharf bezeichnend ist, verlange ick die Vorladung von Experten, damit diese über die angeregte Frage ihre Meinung äußern. Gleichzeitig muß ich dem Gerichtshof bekannt geben, daß ich die Nachricht erhielt, in der Zeit, m welcher er sich unter gerichtlicher Aufsicht befinde, habe Moritz einmal das Geständmß abgelegt, seine ganze Aussage sei vom ersten brs zum letzten Worte erlogen. Er habe nichts gesehen und was er gestanoen, fe< ihm angelernt worden; da ich weiter höre, daß der Daniel Barcza hierüber Authentisches berichten kann, verlange ich dessen Vorladung als Zeuge. Hierauf entsteht ein ungeheurer Lärm; ein Ruf wird laut: Ist benn auch der Staatsanwalt V er ihetdiger der Schächter?" — Vertheidiger Friedmann bittet, den Knaben der Obhut tegenb einer dritten Person zu übergeben, denn so lange er bei fernem jetzigen Hüter bleibe, fei sticht zu erwarten, daß man seinen Aussagen Glauben beimessen wird, denn dorr hat man ihm gelehrt, Vater und Mutter zu hassen und gibt ihm überhaupt keine sittliche Erziehung. (Unruh?, M'irr-n 'm Publikum.) KirehUGe Anzeigen der StsrdL Giesteu. 6 y n n g e l i f d) t Gemeinde. WottsühierrS: Samstag den 30. Juni. Nachmittags 2 Ahr: Beichte, Pfarrer Schlosser. Sonntag den 1. Juli (6. nach Trinitatis). Vormittags 9'/r Uhr: Professor Dr. Gottschick. Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Kinderkirche: Vormittags 8 Uhr, Pfarrer Schlosser. Katechismuslehre für die Gymnasiasten und die Stadtschüler Nachmittags 2M in der Friedhofkapelle. Katechismuslehre für die Mädchen Nachmittags 2 Uhr in der Klemkmderschuie Am Sonntag, den 8. Juli, feiert der Zweigverein der Gustav- Adolf-Stiftung im Dekanat Gießen sein Jahresfest hier in Gießen. Der Fest- gotkesdienst, in dem Herr Pfarrer Ritsert ans Darmstadt predigen wird, findet m der Stadttirche, Nachmittags um 20a Uhr, statt. Von Uhr an soll eine freie Nach- Versammlung in Wenzels Gartens aal gehalten werden, in der Herr Dekan Strack, Pfarrer Ritsert und Pfarrer Dr. Naumann Ansprachen halten wollen. Die P f a r r g e s ch ä f t e in der Woche vom 1. bis 7. Juli besorgt Pfarrer Dr. Naumann. Katholische Gemeinde. 7. Sonntag nach Pfingsten. (Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus.) Von 6 Uhr an: Beichte. 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. ValO Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Andacht. Gottesdienst in der Synagoge. Freitag Abend 7« Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 9^ Uhr. __ , Wafserwärrue der Lahn. „ Am 29. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: 4- 18V? R., Luftwarme 4- 23 L. Ehr. RÜbsamen. £ o ( a 1 H. 29 ^uni In vergangener Nacht wurde auf hiesigem Bahnhofe ein Fr-u-nV^'o-rhaL welch-- tm Verdacht stehl, einem Herrn -in- G-.droll- aus der Tasche 'ntw-nd-t,uJ®«». 26 auf btn 27. b. M. wurden am Rtegclpsad. Bahn- . .17 u5d W lb- mslr-ß-mehrer- Garl-nthor- auSgehängt und sorts-schleppt sowie W°r-, Schilde,° abgerissen. D.e THLt-r wurden ermittelt und zur Anzug- gebracht. Oswaldsgarten beim Ausst-ll-n der F-sthall- schlug gestern eine Leiter um und"einem L?er a°us den Kops, so daß derselbe -in- klaffend- Wunde d-ooutrug. 731) 1 Jeher die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeil urigen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn mam vnn der Annoncen - Expedition von KlA AftBE <5* ’e Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die- auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt Vermischt* 26 ^unt Am 15. d. M wurde von dem Amtsgericht Darm- ftnht urtbed in der Strafsache gegen eine große Anzahl Pflichlfeuerwehrleute aus Arbeilgen^ wegen Nichterscheinens bet einer ordnungsmäßig angesagten uebung oer- 2n v,. e 9inneHaaten in Strafe und Kosten verurthellt und ließ MU?'b7ea§in“^bebe^;^b^.0e“anfltee"nem<^rOntntafte hätten sie nicht nöihtg. an so,ch-n U°buugeNrth°.l^n-h^n^ nicht g-l.°m (Rnffe im töaufe Nr. 13, dem Kaufmann Herrn Christian Dorr gehörig, ^euer aus das größere Dimensionen anzunehmen drohte, weßhalb bte5rei^)l^fge Reiter' D?e Feuerwehren leisteten Vorzügliches und gelang es ihr n .‘“ä ä ».“i ^n"dem das ?eeu°r -nltuckt wurde, erlitt am Kopse und den Armen nicht minheb- licke Brandwunden. Nach halbstündiger Arbeit war das Feuer keioscht. Mehrere Familien deren Eigenthum sehr niedrig versichert ist, kommen in großen Schaben. Frankfurt a. M-, 29- Juni- Uebcr die Entstehung des Feuers in der Neuen Scklesinaeraasse läßt sich nichts angeben. Als eins der in den Mansarden schlasenden Mädchen fiüh kurz nach 5 Uhr die Kammerthür öffnete, ^lugen die Flamen bereits mit solcher Heftigkeit entgegen, daß der Kopf und die Arme des Mädchens Rrandwund st erhielten. Das Geschrei des Mädchens weckte d'e Schläfer, etwa 20 Versomn die sich in größter Hast unter Zurücklassung aller ihrer Habe, viele nur mit e-nem Hemde bekleidet, über die Stiege, die hie und da bereits ^euer gefangen batte und ieben Augenblick einzustürzen drohte, retteten. Wie man siö denken kann, herrschte eine furchtbare Verwirrung unter den entsetzten Menschen. Daraus Erklärt es sich wohl, daß ein kleines Kind zurückgelassen wurde dessen verzweifelnde Mutter auf der Straße herumlief und nach dem Kinde schrie- Ohne sich einen Augenblick zu Minnen ergriff einer der Anwesenden ein Frauenkleid, durchnäßte es, warf es über sich und'drang, in jeder Hand einen gefüllten Wassereimer mitnehmend, ln das Haus em. Nach wenigen bangen Minuten erschien er, tm Arme ein etwa 8 ,^onate Ql!e^ Äinb haltend das er aus einem bereits brennenden Zimmer gerettet hatte und der weinenden Mutter stillschweigend übergab- Den Dankesworten derse!br 1Tntprfllrhunna, Scharf (der Vater): Was hast Du damals gesagt, als Dich bei richl-r zum ^rst-p Mal- fragt-? - Morttz: Ich hab- g-sagt. tchn chts w-,l Sie nur verboten haben, etwas von dem Cadavrr zu sagen. — ^^arf Du lügst, schlechter Junge! Du weißt ja nzcht einmal, was Cadaver bebautet. Moritz: O ja, es ist ein Leichnam. — Scharf: Also, wenn ich sage, ^ lei nicht wahr^was Du aussagst, so lüge ick? - Moritz: Ja ©, rinJ, m *4i” ««ä|t 4 «u* airtli® litbtt „6 6‘N bitt, lU auch nichts wissen. N'M. U. 31. frflfll( Moritz: Vielleicht ist r ~ Moritz: Man ' Mor tz: Auch wir. : Geilllicbe. - Ter- Nilidit. - Ker- W, mir haben es ''e das Blut aus der ■ - Moritz- Es iß Dich aufmerksam, 5 Blut spntzst, wenn ze iß erlogen’ (Un= r des Montz Scharf diese über btt ange- pstzoi bdannt geben. ■ gerichtlicher Aussicht anze Aussage sei vom mb was er gestanden, arcza hierüber Anthen- Hierauf entsteht ein Manmlt Veriheidiger iben der Obhut irgend m jetzigen Hüter bleibe, inessen wirb, denn dort dm überhaupt keine sitt- bann Aufheiterung, nuf ft Namentlich in den | nschauer mit Gewitter- lagip, tm Süden und g beifiöln eine mittlere i bann sich *Hemb Matzs schön Wb W bitt. Es degiMi ein chrrrtenb plötzliche md fit von ben Nredkr- Notboftea zu ist wehr KorMiags bis Mittag ridligm «°««M • gudianblune » ” itatWj jtf cßtfi. ^'vogi-e^ * ß ertheüt 3t®3* iH Sä"*’* WS-.-" <«>"’> «’.S r in W. 11, bis *■ J »4 BekaRntmachung an Lollar ab ej Mainzlar X Treis (Hessen) ” Ullendorf a. d. Londorf an Hagemann. II. 5° N. 5" ,, 61,, 61,, I. 615 V. 650 „ 725 „ 755 ‘ ff 8” „ K et an ntÄmchung. Der städtische Steinbruch im Hangelstein soll Dienstag den 3. Juli c., Vormittags 10 Wr, «uf dem Bürgermeisterei - Bureau im alten Realschulgebäude auf -weitere 6 Jahre verpachtet werden. Gießen, den 29. Juni 1883. Großherzogliche Burgermersterer Großen. 4485 A. Bramm._______________________ I. 11° V. 10» „ 955 „ 9“ „ II. 4“ N. 3™ „ 055 ff 2“ „ 2° „ werden 9° „ . Lda. (Hessen) K» ab Sill UWl ^V.....«ÖV.. ।_____... „ ,— - Hie Postsachen durch eine Botenpost einmal des Morgens früh befördert. Darmstadt, den 25. Juni 1883. Der Karsertrche Ober-Postdrrector: Mit dem 1. Juli geht das zur Postbeförderung zwischen Gießen und Pondorf benutzte Privat-Personenfuhrwerk ein. An dessen Stelle werd -zwischen Lollar und Londorf neben der bereits bestehenden eine zweite Landpost eingerichtet, welche auch zur Beförderung von Reisenden für Rechnung und Gefahr des Landbriefträgers dient _ , Die zwischen Lollar und Londorf verkehrenden Landposten erhalten vom 1. Juli ab folgenden Gang: den Sonntagen fallen die Fahrten aus. An diesen Lagen Die Spar- und $ciljlm|Tc Dich betr. Nachdem nunmehr alle Umstände, welche der vollständigen AustösUW der Spar- und Leihkasse Lich seither entgegenstanden, beseitigt sind, soll nach gäbe der Beschlüsse der Generalversammlung vom 19. Juni 1879 dre Restmasse unter die Gläubiger vertheilt werden. Dieselbe besteht ausweislich der bei Herrn Rechner Leidich in Grüningen vier Wochen lang zur Einsicht der Interessenten offen liegenden Rechnungen aus einem Baarvorrath von 5286,48 JL. welche mit 3/t Procent auf die ursprünglichen Einlagen in dw Sparkasse, oder im Ganzen mit 4824,91