Dienstag den 29. Mai 1883 Nr. 120, Gießener Anzeiger äftSS Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. PreiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Bnveau r Schulstraße 7. das Wohl ihrer treuen Unterthanen. und ■? .^ianfardeWvhM Wrt brziHn. Deutschland. Darmstadt, 26. Mai. Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz, Adtheilung für Schulangelegenheiten, hat unterm 17. Ä!ai 1883 folgendes Ausschreiben an die Großh. Kreisschul-CommWonen erlassen: Mit Rücksicht aus mannigfache Unzuträglichkeiten, welche sich dadurch ergeben haben, daß Lehrer sich mit dem Verkaufe von Schulbedürfnissen befaßten oder bestimmte Lieferanten für dieselben vorschrieben, sehen wir uns veranlaßt, den Lehrern und Lehrerinnen ebensowohl den Verkauf von Schul- bedürsnissen (Schulbüchern, Heften, Schreib- und Zeichenmürerialien, Stoffen zum Unterricht in weiblichen Handarbeiten u. s. iu.), wie auch die Vermittelung von Bestellungen auf solche oder die Empfehlung gewisser Lieferanten für die Folge zu untersagen. Sollten besondere örtliche Verhältnisse eine Ausnahme von diesem Verbot begründen, so kann auf desfallsigen Antrag des betr. Schulvorstandes durch die Großh. Kreisschul-Commission eine Ausnahme zugelassen werden. Auch in diesen Ausnahmefällen darf indessen dem Lehrer oder der Lehrerin, welchen der Verkauf gestattet wurde, ein Vortheil an Geld oder Geldeswerth daraus nicht erwachsen. m. Darmstadt, 27. Mai. Der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer ging eine solche des Finanzausschusses voraus, um sich über eine dem vielfach amendtrten Art. 3 des Gesetzesentwurfs über die Erbauung von Secundärbahnen zu gebende Fassung zu ewigen In der Ptenarberathung wird d s zur Redaclion dieser Fassung nur Art. 4 fortgefahren, der ohne Debatte angenommen wird. Zu Art. 5 beantragt Abg. Ellenberger den Zusatz: „Die von den Interessenten nach Art. 3 und 5 geleisteten Beiträge zum Bau einer von dem Staate erbauten und betriebenen Bahn sind, sobald die Nettoerträgnisse 4 pCt. des Anlagekapitals übersteigen, aus diesen Ueberfchüssen bis zu 4 pCt. zu verzinsen und hierauf nach und nach zu amortisiren, wobei jedoch die früher nicht gedeckten Zinsen unberücksichtigt bleiben." — Abgeordneter Maurer erklärt sich gegen den Antrag und glaubt, daß mit dem Dampfe bei dem bereits sehr ausgedehnten Eisenbahnsystem und den guten Chausseen in unserem Lande etwas Sport getrieben werde. — Nachdem sich die Adgg. Tecklenburg und Wasserburg für den Antrag Ellenberger erklärt, auch Ministerialrath Fink Namens der Kegterung keine besonderen Einwendungen dagegen geltend gemacht, da wohl eine 4 pCt. übersteigende Rentabilität solcher Bahnen nicht zu erwarten sei, wird Art. 5 mit dem Antrag Eüeuberger gegen 2 Stimmen angenommen. — Art. 6 wird nach kurzer Debatte mit einem Zusatze des Abg. Heinzerling angenommen, ebenso Art. 7 nach dem Anträge des Ausschusses, welcher für schmalspur'ge Localbahnen mit eigenem Bahnkörper den Staatsbeitrag von 15000 JL auf 12000 X pro Kilometer und für solche Bahnen, bet welchen vorhandene öffentliche Straßen und Wege für die Bahn- nnlage benutzt werden, von 12000 auf 10,000 «X ermäßigt. — Nachdem hierauf die Art. 8—18 meist ohne Debatte angenommen worden, verkündigt der Referent Theobald die nunmehrigen Anträge des Finanzausschusses zu Art. 3. Nach kurzer weiterer Debatte über diesen Art kel gelangt derselbe nach den Ausschußanträgcn in folgender । BAUMANN teuenweg 7 Stätte, (rei. Kl-etro- ,1 tnik- Berlin, 26. Mai. In der heutigen Reichstagssitzung wurden in dritter Lesung die §§ 11 und 12 des Krankenkassengesetzes fast unverändert angenommen. Bei S 13 ergab sich auf erfolgte Bezweifelung der Beschlußfähigkeit ole Anwesenheit von 210 Mitglieder, . Die SS 13—21 wurden ohne erhebliche Aenderungen und Debatte genehmige. S 22 wurde mit einem Anträge Gutflelsch, wodurch die Carenzzeit auf 6 Wochen festgesetzt wird, dann die SS b>s 63 angenommen. — In seiner heutigen Sitzung lehnte das Abgeordnetenhaus den Antrag des Grafen Wilhelm von Bismarck zu S 32 des Subhastationszesetzes ab. Das ganze Gesetz, sowie das Kostcngesetz dazu wurde mit große" Mehrheit angenommen. Der E nführungstermin für beide Gesetze wurde vom 15. September auf den 1. November 1883 verlegt. — Nach der „Nordd. Allg. Ztg." von heute Abend beruhte das Verhalten der Reichsregierung gegenüber der Interpellation Johannsen auf einer ausdrücklichen Verabredung mit Minister v. Puttkamer, welcher der Meinung war, daß wenn die am 7. März im Landtage erörterte Frage allenfalls auch vor das Forum des Reichstags gezogen werden könne, die Ertheilung oder Versagung der Naturalisation doch lediglich eine preußische Verwaltungssache sei. Berlin, 25. Mai. Der „Post" zufolge sind die Verhandlungen mit Spanien in ein neues Stadium getreten. Spanien erklärte sich bereit, den Handelsvertrag abzuschließen, falls die Giltigkeit desselben für die außerhalb der Zollgrenze liegenden ReichStheile ausgeschloffen würde. Spanien geht davon aus, daß sein Handel und seine Industrie gerade durch die Einfuhr aus den Hansestädten zu leiden habe. Kiel, 26. Mai. Der Chef der Admiralität, Generallieutenant v. Caprivi, begab sich heute mit dem Dampfer. „Notus" nach Friedrichsort, besichtigte dort eingehend das Torpedo-Depot, die Kaserne, das Lazareth und die Festungs- Anlagen und kehrte Nachmittags hierher zurück. München, 26. Mai. Im Residenz-Theater hat gestern die erste Vorstellung bei elektrischer Beleuchtung nach Edison's System stattgefunden. Die Luft blieb rein, eine wesentliche Temperatur-Steigerung wurde nicht beobachtet. Die Negulirung des Lichtes war vollkommen, die Lichteffekte waren brillant. Oesterreich. Wien, 26. Mai. Die „Wiener Abendpost" schreibt: Die morgige feierliche Krönung des Kaiserpaares in Moskau ist ein Ereigniß, welchem die Welt mit großer herzlicher Theilnahme folgt. Die Krönung wird Angesichts der Abgesandten aller Höfe und Negierungen vollzogen werden. Eine Thctt- sache, welche die zum Heile und zur Wohlfahrt der Völker gereichenden guten Beziehungen Rußlands und seiner Nachbarstaaten sichtbar kundgiebt, wird vollzogen inmitten des zusammengeströmten russischen Volkes, welches dem Kaiserpaare seine Treue, Liebe und Anhänglichkeit begeistert entgegenbringt. Der Friede im Reiche und der Friede zwischen den Reichen, das ist das Zeichen, in welchem sich der glanzvolle und hochbedeutende Krönungsakt in Moskau vollzieht. Auch Oesterreichs Völker, welche in der Anwesenheit erlauchter Mitglieder des Allerhöchsten Kaiserhauses ein werthvolles Unterpfand der innigen Beziehungen der beiden Allerhöchsten Kaiserhöfe erblicken, begleiten die Krönung in Moskau mit inniger Theilnahme und herzlichen Wünschen. Sie hegen die frohe Zuversicht in die Erhaltung des Friedens, gestützt auf die Weisheit der Monarchen und auf die immerwährende Sorge dei> kaiserlichen Landesväter um das Gluck TW —-^rarny. • 3U ttnniethen u, ^ZenbergrrthE 3 BimmeTt »trmiefyn. ^kfutterstraße i zu Detmitfc Lchutzenstraßns uK iuvermich ErlenMe. Bekanntmachung. In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat April 1883 veröffentlicht:y Hafer JL 14.50, Heu 5.75, Stroh 3.75 per 100 Kilogramm. Gießen, den 28. Mai 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Ur. Voekmann. nett MM iftrtigw Fassung zur Annahme: „Die Gewährung eher staatlichen Beihülfe zu dem Bau einer Local- ober Straßeneisenbahn kann nur für solche Bahnen erfolgen, welche den Localverkehr mit einer bestehenden Hauptbahn vermitteln ober mehrere Hauptbahnen miteinander verbinden- — Die Gewährung einer staatlichen Beihülfe setzt in allen Fällen voraus, daß der gesammte, zur Ausführung des Bahnunternehmens nach Maßgabe der von unserer Regirrung festgestellten Pröjecle erforderliche Grund und Boden, insoweit nicht öffentliche Straßen mitbenutzt werden, von den betreffenden Gemeinden, sonstigen Inhabern eigener Gemarkungen, Kreisen oder Provinzial- oerbänben ober sonstigen Interessenten der Bahn beschafft und dem Eisenbahn- Unternehmer unentgeltlich und lastenfrei zur Verfügung gestellt wird. — Die Kosten des Geländeerwerbs sind, soweit sie von anderen Interessenten nicht aufgebracht werden können, von den Gemeinden und Gemarkungsinhabern in ihrer Gesammtheit zu tragen, welche in dem jeweils zu erlassenden Gesetz über die Gewährung der staatlichen Beihülfe zum Bau einer Local- oder Straßenbahn als be- theiligt bezeichnet werden. — Streiter' sich Gemeinden und Gematkungstnhaber über das Verhäliniß, in welchem die Kosten des Gcländeerwerbs von denselben getragen werden sollen, so entscheidet der Kreisausschuß nach Maßgabe der Kreisordnung, insbesondere des Art. 48, II, resp. 49 des Gesetzes vom 12. Juni 1874. Hierbei soll es nicht als ein Befreiungsgrund für eine Gemeinde ober einen Gemarkungsinhabec angesehen werden, wenn innerhalb ihrer Gemarkung öffentliche Straßen benutzt werden. — Für die Anlage und den Betrieb von Straßenbahnen innerhalb der Städte — Tramwaybahnen — wird eine staatliche Beihülfe auch bann nicht geleistet, wenn solche Bahnen mit anderen Haupt- ober Localbahnen in Verbindung stehen." o oO°° tliOllW" O* ""« i 0»< Kmnkreich. Paris, 26. Mai. Deputirtenkammer. Der Marineminister theilt den Inhalt einer ihm unterm 25. d. Mts. aus Saigon »otr1 JHbmiral 5D?eper zugegangenen Depesche mit. Darnach ist bei dem unglücklichen Ausfall au« Jort Hanoi der französische Truppen-Commandant Riviöre getödtet, ein höherer Officier tödtlich verwundet wordsn. Außerdem wurden 14 Soldaten bei der Ausschiffung getödtet und 22 verwundet. Verstärkungen sind nothwendig ^e Regierung von Cochinchina ist seit 8 Tagen von dem Stande der Dinge benachrichtigt. Annamiten lagern in großer Zahl vor Hanoi. Zwei Landungs- Compagnien wurden abgeschickt, andere sollen folgen. England. London 26 Mai Eine Depesche der „Times" meldet, der Abbruch der divlomatischen^ Beziehungen »wichen Frankreich und China in Folge der T naLraq st-h°unmittelbar bevor, der französische Gesandte in Peking soll in Kurzem sein Pässe erhalten und der Vertreter Chinas in Pans die seimgen verlangen - Eine Bestätigung dieser Meldung aus Paris liegt bis letzt noch Uld,t London. Mit ber V-rw-ndbark-it des -l-ktrtsch-n Lichtes für Beleuchtung«- hürHpn in (Jnalanb bemnächst Experimente im Großen angeftellt werben. An ^mmtlichegrotzstäbtffchen Gemeinbeverwaltungen bes Vereinigten Königreichs sind kü^zttch Circuwre der Telegraph Construction und Maintenance Company erlassen, tn Die übrigen Artikel bes Entwurfs werben hierauf fast ohne Debatte nach ben Anträgen des Ausschusses angenommen, bte von bem Abg. Maurer beantragte zweite Losung wirb genehmigt unb schließlich auf Antrag des Abg. Tecklenburg beschlossen, In- der Ueberfdjrtft des Gesetzes die Bezeichnung „Nebenbahnen" anzunehmen. Der Antrag ber Abgg. Ellenberger unb Genossen auf Negulirung unb (5 inbämm ung ber Ntbber unb Nidda, sowie ber Antrag Dittmar auf Negulirung der Ufa werden nach längerer Debatte, an welcher Ministerialratb Luttheisen, sowie die Abgg. Schröder, Ellenberger, Osann, Dittmar unb Mrünewalb theilnehmen, angenommen unb ber Regierung zur balbigen Erledigung Überwiesen. Nächste Sitzung Dienstag Vormittag 9 Uhr. Tagesordnung: Jnterpellatlons- bemtwortungen. Erste Berathung der Steuergesetze. Zimmer sParim 14, NebeugedM Zimmer ju nermiüfe Fr. Fürst MA lock meines ^auitir anderweitig zu k • Petri, Marktpltz ’obnung nebst Zubis' Gartenantheil, istt m u. sogleich zu beD mthal, Licbigjir. 5 ndl. Wohnung, 3 K n Vorderhause zu ic August Kröll, imilienwohnung uni fc en bei corg Noll, [bfyii mit Äett M! M WH id in mtinem W i 8 Zimmern mit ® ihen. utzust MttUM». üieMszuvemiK »och, Westanlagr b,, Nowgoroder Metropoliten und den Anwesenden knieend dargebracht, während der Kaiser aufrecht stand. Nach beendeter Feier schritt das Kaiserpaar mit kleinem Gefolge nach der Blagowestschenvky- und Archangels-Kirche, verrichtete dort ein kurzes Gebet, kehrte dann über die rothe Treppe nach dem Palais zurück und zeigte sich auf der nach der Moskwa gelegenen Terrasse dem Volke unter dreimaliger Verbeugung. Um drei Uhr begann das Festbanket in der Granowttaja-Palata. Die Haltung des den Kreml in dichten Massen umgebenden Volkes war während der ganzen Feier eine musterhafte. Ueberall herrschte eine ernste, ehrerbietige Stimmung. Zahllose, aus allen Himmelsgegenden zusammengeströmte Volksmassen durchwogen die Straßen. Allenthalben herrscht die größte Ordnung; die Fremden werden mit entgegenkommender Höflichkeit behandelt. Während der Ceremonie war helles, sonniges Wetter; dann fiel hm und wieder ein leichter Gewitterregen. Moskau, 27. Mai, Abends 6 Uhr. Soeben ist das kaiserliche Manifest erschienen. Dasselbe verkündet den Erlaß aller Steuerrückstände per 1. Januar d. I. und zwar die Rückstände für Kopfsteuer, direkte und indirekte Abgaben, ferner die Strafmilderung aller Urthetle, welche die Gesetzeskraft noch nicht beschritten haben, außerdem die Erleichterung abzubüßender Strafen und die Aushebung der polizeilichen Aufsicht der auf administrativem Wege Verbannten. Das Manifest ertheilt ferner die Erlaubniß zur Rückkehr den über die Grenze gegangenen Flüchtlingen und Theilnehmern an der polnischen Jnsurrectton, denen bisher der Aufenthalt tn den Residenzen und in den polnischen Gouvernementsstädten, sowie Der Eintritt in den Staatsdienst verwehrt gewesen war. Ausgeschlossen sind hierbei Mörder, Räuber und Brandstifter. Außerdem wird für eine Anzahl begangener Verbrechen thetlwetse Amnestie verkündigt. Telegraphische Depeschen. Wolff'« telegr. Eorresponden,-Bureau. Dresden, 27. Mai. Die Kaiserkrönung in Moskau wurde von der hiesigen russischen Kolonie mit einem feierlichen Gottesdienst und T-dcum Lljan gggetmat, 27. Mai. Anläßlich der heute in Moskau stattgehabien Kaijerkrönung wurde heute in der hiesigen russischen Kirche ein Fettgottesdienst abgehalten, welchem die Großherzoglichen Herrschaften und der gesammte Hof beiwohnten. Nachmittags fand ein Galadiner bei Hofe statt. Petersburg, 27. Mai. Anläßlich der heutigen^ Krönungsieier in Moskau bringen fämmtliche Zeitungen dem Feste angemesiene Artikel. Das „Journal de St. Pötersbourg" lagt, die engen Bande, welche das ru||ifche Volk mit seinem Monarchen verbinden, sind dadurch begründet, daß das russische Volk den Kaiser nicht allein als staatliches, sondern auch als geistliches Oberhaupt betrachtet. Keine Jntrigueu und keine verbrecherischen Versuche vermögen viese Bande zu lockern, welche die Basis sind für die Kraft Rußlands im Innern und die Achtung, welche Rußland von Seiten des Auslandes genießt. Das Vertrauen des russischen Volkes lege sein Schicksal in die Hand des Kaisers, es erwarte aus dieser Hand und aus keiner anderen sein Glück und seine Wohlfahrt. Petersburg, 27. Mai. Nach der soeben eingetroffenen Meldung aus Moskau, nach welcher die Krönuugs-Ceremonie vollzogen ist, erschallt von sämmt- ttchen hiesigen Kirchen festliches Glockengeläute. Der Gottesdienst, der in allen Kirchen stattgefunden hatte, war zahlreich besucht; auf dem Platze bei der Isaaks-Kirche findet eine glänzende Parade der hiesigen Garnison statt. Die Stadt ist in allen Theilen auf das Festlichste geschmückt. Am Nachmittag wird auf dem Marsfelde ein großes Volksfest veranstaltet. Zu einer für den Abend in Aussicht genommenen Illumination werden die umfangreichsten Vorkehrungen g'.troff^m 27 Die Krönungsceremome ist glänzend und genau nach dem »orgeschriebenen und bekannten C-remoniell verlausen. Die fremden Boischalter,Uhren um 8*/2 Uhr des Morg-ns unter Führung des deutschen Botschafters tn Galaequtpagen von dem Haus- des deutschen Botschafters nach dem Kreml, woselbst alle an dem Kränungsakte Th-iln-hm-ndcn bereits versammelt waren und dle Aufstellung der Deputationen, der Sänger und der Musikcorps beendet war. Nachdem all- Personen, welch- in der Krönungskirebc dem eigentlichen Krönungs- und Salbungsacte beizu- wohnen eingeladen waren, ihre Plätze eingenommen hatten und der Kronungszug In den Säl-n des Kreml für die eigentliche Procession geordnet war, erschien das Kais-r- paar und nahm im Throniaal unter einem Baldachin Platz. Es begab sich nun der Zug des Thronfolgers nach der Krönungskirche. In diesem Zug- schritten alle russischen Großfürsten und Großfürstinnen, sowie di- fremden Prinzen „mit den vornehmsten Personen des G-solges. Um 9 Uhr 30 Min. verließ der kaiserliche Zug >n vorge- schr,ebener Ordnung den Kremlpolast, von den aus den Tribünen zwischen den Kirchen ausgestellt-n Zuschauern mit enthusiastischen Hurrahrufen begrüßt. Dt- C-remonw der Krönung und Salbung dauerte von 10 bis W Uhr. Als der Kaiser kniend das Gebe für sein Volk sprach, überwältigte ihn die innere Bewegung dergestalt, daß er laut weinte. Die Anw s'nden, welche während dieses Gebetes standen, waren in diesem Augenblick auf das Tiefste ergriffen, so daß man mehrfach lautes Schluchzen hörte. Das hieraus folgende Gebet für den Kaiser im Namen des Volkes wurde von dem Rußland. Moskau, 26. Mat. Heute Morgen um 9 Uhr wurde zum dritten Male unter dem gleichen Ceremontell wie vorher, der Kiönungstag verkündet. Die kaiserlichen Reaalien werden beute aus der Rüstkammer in den Thronsaal übergefuhrt. — Morgen, als am Krönungstage, soll ein umfangreiches Manifest des Kaisers erscheinen, in welchem derselbe u. A. eine politische Amnestie für dieienigen polnischen Insurgenten bewilligt, welche, indem sie sich zur Rückkehr in ihre Heimath bereit erklären, ihre Unterwerfung und ihre Treue gegen den Kaiser veffprechen werden. Dieselben werden aber noch zwei Jahre hindurch unter Überwachung der Staatspolizei stehen. Der Kaiser bewilligt tn dem Manifeste ferner zahlreiche Strafnachlasse für nickt politische Vergehen und hebt eine große Anzahl von Geldstrafen uuf. Für gewisse Klassen der ärmeren Bevölkerung werden außerdem die Steuerrückstande erlassen. Wettere partielle Amnestien, Gnadenerlaffe und Würdenverleihungen sollen neben dem Manifeste erfolgen- — Der Himmel ist bedeckt, es herrscht starkes Regenwetter. Moskau, 26. Mai. Nachdem die Krönungsinsignien in feierlicher Weise und unter Entfaltung großer Pracht heute aus der Rüstkammer (Otschennaia Palata) nach dem Thronsaale (Andreassaale) übergesührt worden waren, fand um 4 Uhr Nachmittags ein feierliches Tcdeum tn der neuen Erlöserkirche statt, welchem der Kaffer, die Kaiserin und die Mitglieder der kaiserlichen Familie beiwohnten. - Im Laufe des Tages fanden bet den Mitgliedern des kaiserlichen Hauses weitere Vorstellungen von Setten der Krönungs-Botschafter und -Gesandten und der Mitglieder ihrer Missionen statt. Das Regenwetter dauert fort. r W ofa w-Ä > Mi«, Mw ob« a bei «L Men iß , IM« werde» 61 <Ä ^n Amerika. Washington, 26. Mai. Dem hiesigen auswärtigen Amte ist nunmehr die Bestätigung der Nachricht von der Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Chili und Peru zugegangen. _ — Hier eingegangeneff Nachrichten zufolge ist rn dem ^-nedensvertrage zwischen Chili und Peru bestimmt, daß Tarapaca an Chili abgetreten wird und von demjenigen Staate, in dessen Besitz schließlich Tacna und Araca uver-- gehen, dem andern contrahirenden Staate die Summe von 10,000,000 Dollars gezahlt^we^den^ soll.^ .fi bÄ”J unbtgt. tt k rrxhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine 731) Ueber die Höhe der Kos e , nieroa)9 enttäuacht sehen, wenn man flder mehre Zeitungen verur , AftK’VSTEIR* 4« l»°" ° z «' Äwwf ■ Ausverkauf. 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Pietsch) in Gießen. pvreou- Schulst Seit, »n die Großhi Muscheoheiw, Der Expe beurlaubt und der Die ®art Hecken die Rarg Diejenigen 50 Mo W des Säum Gießen J a lief) Ä !*>in K ;Sg sä * »»«*5 sS stz Ieinem 31” »k dK Cb- In unjei Wieder einmal be !Üeberzeugung vor, punkte angalangt) mW M V0i Wh derjelben t, ilinzche Unterhandlungen «Wt M volljtänk wird und k 16rerNt'iiM N* als die ^lamnienwirkeiis i yefaafogeln Wen des Centn W k>ar und dies 7/len Politik her, ^tend machen düff