Er. 9S, Zweites Blatt. Sonntag den 29. April 1883. Meßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureaur Schulstraße 7. ■ Erscheint tätlich mit Ausnahme des Msuta-1. tret- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshn. >urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheil. Bekanntmachung. Von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz sind mir beauftragt, folgendes, betr. die in ÄmsterdaM stattfindende Internationale Colonial- und Exporthandel-Ausstellung, zur Könntniß der Interessenten des Handelsstandes in unserem Bezirke zu bringen. Einige auf die erwähnte Ausstellung Bezug habende, insbesondere die Ausstellung der Kunstgegenstünde und Gartengewächse, sowie die Bestimmungen über die zu ertheilenden Anerkennungen betreffenden Drucksachen, tvelche von dem als Reichskommissär fungirenden Kaiserl. Konsul Hoyack in Amsterdam eingereicht worden sind, können auf der Registratur Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz eingesehen werden. Gießen, den 27. April 1883. ' Großherzogliche Handelskammer Gießen. E d. Silbereisen._______________________ Bekanntmachung. Von Großherzoglichem Ministerimn des Innern und der Justiz sind wir beailftragt, folgendes zur Kenntniß der Interessenten des Handelsstandes in unserem Bezirke zu bringen. Rach Mittheilung des Reichskanzlers wird zu Boston in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika am 1. September d. I. eine ausschließlich für fremde Manufaktur-, Kunst- und Industrie-Produkte bestimmte Ausstellung eröffnet werden, deren Dauer auf den Zeitraum von mindestens drei Monaten bemessen ist. Das von einem privaten Verein geleitete Unternehmen hat die Genehmigung der Behörde des Staates Massachusetts erhalten, eine besondere Congreßakte sichert den Ausstellungsgütern die Steuerfreiheit. Weitere Auskunft wird auf den amerikanischeii Consulaten in Deutschland ertheilt. _ . Zwei auf die Ausstellung bezügliche Drucksachen können auf der Registratur Grobherzoglichen Ministerlums des Innern und der Justiz emgefehm werden. Gießen, den 27. April 1883. Großherzogliche Handelskammer Gießen. Ed. Silbereisen.________'__________________ Wochenschau. Gießen, 28. April. Der Schwerpunkt der parlamentarischen Verhandlungen ruhte in dieser Woche weniger im Reichstage, als vielmehr im preußischen Abgeordnetenhause, wo am vergangenen Mittwoch die schon längst angekündigten Anträge Windlhorst's, bezweckend die Straflosigkeit des Messelesens und Sacramentespendens, zur ersten und zweiten Berathung gelangten. Zur Begründung dieser Anträge war Seitens des Centrums Herr v. Schorleiner-Alst in's Treffen geschickt worden. Es war dies für den gewandten Redner eine treffliche Gelegenheit, wieder einmal das weite Gebiet des Culturkampfes zu durchschweifen und die bekannten Klagen des Centrums von der angeblichen Vergewaltigung des katholischen Volkes, von der Verfolgung der Kirche, dem kirchlichen Rothstand zu wiederholen. Selbst das Duellwesen der Ofstciere und Studenten, der Tod Gambeita's und die Wortbruchs - Affaire des Generals Thibaudin mußten dem Centrums-Redner mit zu Stützpunkten seiner Anklagen !' gegen die preußische Regierung dienen, die in dem Hinweise auf die heranstürmende dynamitschwangere Revolution gipfelten, welche sich als letzte der in Folge der kirchlichen Politik drohenden Gefahren zeige. Seitens der Regierung hatte es der Cultusminister v. Goßler übernommen, den Ausführungen v. Schorlemer- Alst's entgegenzutreten und er that dies in einer den Wünschen des Centrums sehr entgegenkommenden Weise. Der Minister hob hervor, daß sich die Staatsregierung mit den Antragstellern in dem Wunsche begegne, den kirchlichen Noth- itändm der Katholiken ein Ende zu machen, aber er betonte hierbei, daß gerade [die Annahme der vorliegenden Anträge einer diplomatischen Action zwischen Preußen und der Kurie nur hindernd in den Weg treten könne. Schließlich gab Herr v. Goßler die Erklärung ab, daß die Antwort des Reichskanzlers auf die Note der Kurie bereits redigirt sei und dem Kaiser zur Entschließung vorliege, sie enthalte bestimmte Vorschläge, welche hoffentlich eine Verständigung ermöglichen würden. In die sich hierauf entwickelnde allgemeine Discussion griffen die Redner aller Fraktionen je nach ihrem Standpunkte ein, wobei von verschiedenen Seiten Amendements zu den Windthorst'schen Anträgen gestellt wurden. Bemerkenswerth erschien hierbei die innerhalb der Fortschrittspartei zu Tage tretende Meinungsverschiedenheit, indem Dr. Hänel für Uebergang zur Tagesordnung plaidirte, während Herr Richter Commissionsberathung beantragte. Von conservativer Seite befürwortete Abg. Marcard den Antrag seiner Fraktion, wonach eine organische Revision der Maigesetze nach günstigem Verlaufe der diplomatischen Verhandlungen verlangt, vorweg aber in diesem Falle die Beseitigung der im Anträge Windthorst gekennzeichneten kirchlichen Rothstünde gewünscht wird. Namens der Freiconservativen erklärte sich Abg. v. Zedlitz gegen die Windthorst'schen Anträge und auch gegen die vorgenannte Resolution der Conservativen, in ähnlichem Sinne sprach sich von nationalliberaler Seite Abg. v. Epnern aus; von dm Polen befürwortete Abg. v. Stabslewski die Annahme der Windthorst'schen Anträge. Herr Windthorst selbst wünschte in ieiner Rede die einfache Annahme seiner Anträge, aber keine Commijsions- berathung. Bei dm nun folgenden Abstimmungen wurden zunächst die Windthorst'schen Anträge mit 229 gegen 133 Stimmen abgelehnt, dann auch die übrigen Anträge und schließlich wurde die Resolution der Conservativen, für welche Conservative, Centrum und Polen stimmten, mit 209 gegen 154 Stimmen angenommen, womit diese neueste Culturkampf - Episode vorläufig erledigt ist. Der Reichstag setzte am Dienstag die Berathung des Kranken- kassen-Gesetzes bis zu § 15 (Ortskrankenkassen) fort und erledigte die auf der Tagesordnung stehenden Paragraphen durchaus im Sinne der Commissions- Anträge. Am Mittwoch hielt der Reichstag wegen der im preußischen Abgeord- netmhaufe stattfinbmden Berathung der Windthorst'schen Anträge keine Sitzung ab, am Donnerstag nahm er jedoch die Specialdiscussion des Krankmkassm- Gesetzes wieder auf, die sich vielleicht noch bis in nächste Woche hineinziehen dürfte. In Frankreich beschäftigt, was die innere Politik anbelangt, die Convmtirungs-Angelegenheit ausschließlich die Gemüther. Indessen sind die Befürchtungen, welche man bezüglich dieser Angelegenheit für die Stellung des Finanzministers Tirard hegte, bis jetzt nicht eingetroffen, im Gegmtheil hat die französische Deputirtmkammer am Dienstag die Convertirnngs - Vorlage mit großer Majorität angenommen und dadurch ihr Vertrauen in die Finanzpolitik der gegenwärtigen Regierung ausgesprochen. Auch der Senat wird voraussichtlich dem Convertirungs-Projecte Tirard's zustimmen. In der auswärtigen Politik ist es die Tongking-Frage, welche jetzt das Interesse der Franzosen in Anspruch nimmt. Es besteht kaum mehr ein Zweifel darüber, daß diese Frage eine gewaltsame Lösung finden wird, da der Herrscher von Anam sich zu keinerlei ernstgemeinten Unterhandlungen mit Frankreich hsrbeilassm will. Die französische Regierung hat darum die unverzügliche Ausrüstung von 2000, nach andern Mittheilungen jedoch nur von 1500 Mann beschlossen, die sofort nach Anam abgehen sollen, sobald die Kammern dm für diese Expedition geforderten Credit bewilligt haben werden. Aus England liegt in dieser Woche, wenn man von den Verhandlungen in den verschiedenen Mord- und Dynamitprocessen absieht, nichts wesentlich Neues vor. Im Unterhause ist die Bill, betr. den parlamentarischen Eid, eingebracht und von conservativer Seite sofort heftig bekämpft worden. May erblickt hier in der Bill nur eine Hinterthür, durch welche anerkannten Atheisten, wie Bradlaugh, der Eintritt in's Parlament ermöglicht wird; ein Resultat der Debatte über den parlamentarischen Eid liegt noch nicht vor. Bezeichnend für die Zustände in Irland ist es, daß die Jury in dem zu Dublin anhängigen Mordproceß gegen Kelly über den Wahrspruch sich nicht zu einigem vermochte, obwohl sie sich viermal zurückzog. Die Jury mußte schließlich aufgelöst werden, was den Geschworenen lieber sein dürste, als wenn |ie durch einen Wahrsvruch auf „Schuldig" sich der Rache der irischen Vehme ausge- setzt hatten.^der Italia irredenta hat das freisprechende Urtheil im Processe Ragosa große Befriedigung hervorgerufen. Die Anhänger der Jrredenta in Neapel sandten an Ragosa ein Begrüßungs-und Begluckwunfchungs- Telegrarnrn, in welchem demselben die Anerkennung der Jrredenta ausgedruckt wird' In andern Städten Italiens stehen anläßlich der Freisprechung Ragosa s ähnliche Kundgebilngen der Irredentisten und Radikalen ui Aussicht. Norwegen wird jetzt der Welt das seltene Schauspiel der gerichtlichen Verfolgung einer Regierung durch die eigene Volksvertrctu^ bitten. Das Odelsthing hat kürzlich nach langen Verhandlungen den Antrag des Protokoll-Comitds, die Mitglieder des. Staatsrathes m S°lge des Versaffungs- Conflictes in Anklagestand zu versetzen, gegen.die.Stimmen ^Rechten ange nommen, in Folge dessen Die norwegischen Minister behu 2 hrer Verant vor- tuna vor dem Zieicbsaerichte zu Christiania zu erscheinen haben. Ein vollständiger Ministerwechsel wird nothwendiger Weise die letzte Cvniequenz dieses Schrittes der norwegischen Volksvertretung lern. • Die nordamerikanische Regierung hat sich m einem am Mitt- woch abgehaltenen Cabiuetsrath mit der Angelegenheit der auf amertkamschem Boden befindlichen Dynamitverschwörer beschastigt. Es ist teme Frage, daß die veridiiedenen von den Feniern in England unternommenen Dynamit-Attentate, auf Tmeti änitoem »oben geplant worden sind und jüngste Aieldungen lassen auch "an^cher Anwesenheit gewisser Personen in den Vereinigten Staaten zum Zweck der Organisation eines Dynamit-Complotes keinen Zweifel. Einen Be- Ichluß faßten die Mitglider des CabinetS noch nicht, sondern tauschten nur ihre Ansichten über die Politik aus, welche die Regierung gegenüber den Bestrebungen der gedachten Personen einzuschlagen haben werde.__ Nc Sterblichkeit im Großhenogtstum Hesse«. Darmstadt, 21. April. Im Monat Januar 1883 wurden im Großherzogthum im Ganzen 2019 Todesfälle verzeichnet gegen 1730 tm vorausgegangenen Monat; auf 10,000 Einwohner 21.0 gegen 18.1. Davon entfallen auf die Provinz Starkenburg 915 (788), auf Oberhessen 526 (416) und auf Rheinhessen 578 (526); in allen Provinzen war die Zahl der Todesfälle gegen den Vormonat eine erhöhte, am auffälligsten in Starkenburg. Von der Gesamuttzahl der Verstorbenen gehörten dem kindlichen Alter an 842 (745) und standen davon tm ersten Lebensjahre 465 (430), im Alter vom zweiten bis fünfzehnten Jahre 387 (315), zu den Erwachsenen zählten 1177 (985); eine erhebliche vermehrte Zahl der Todesfälle entfällt sonach auf die letzteren. An epidemischen Krankheiten zusammen waren verstorben 209 Personen gegen 191 im vorausgegangenen December und zwar in Starkenburg 139 (130), in Oberhessen 37 (35) und in Rheinhessen 33 (26); darunter waren Todesfälle an Masern 59 (56), von diesen entfallen 55 auf Starkenburg; an Hals- und Rachenbräune verstorben waren 61 (52), an Scharlach 33 (27), an Keuchhusten 19 (34), an Blattern 2 (0), an Rose 4 (0) und an Abdomtnaltyphus 31 (22) Personen, von letzteren 17 in der Provinz Starkenburg. Sterbfälle im Wochenbett ereigneten sich 16 (11). Von anderen wichtigeren Krankheiten hatten Lungenschwindsucht 255 (190), acute entzündliche Erkrankungen der Athemorgane 239 (181), Schlagfluß 71 (53), Darmkatarrh und Brechdurchfall 32 (50) und akuter Gelenkrheumatismus 3 (0) Todesfälle veranlaßt. Allen übrigen Krankheiten erlegen waren 843 (717) Personen, unermiltelt blieb die todtbringende Krankheit bet 297 (292). Todesfälle gewaltsamer Art kamen vor 54 (45), darunter durch Verunglückung 32 (23), durch Selbstmord 22 (20) und burcb Mord 0 (2) Von hervorragendem Emflutz auf die erhöhte Sterblichkeit dcS Januarmonats erwiesen sich sonach vor Allem acute Krankheiten der Athemorgane, Lungenschwindsucht und Schlagfluß und die Todesfälle, die unter die Rubrik aller übrigen Krankheiten fallen, in minderem Maße fand eine geringe Zunahme der Sterbefälle durch einzelne epidemische Krankheiten statt, während von den letzteren Keuchhusten eine erheblich verminderte Zahl von Todesfällen aufwics. Im Monat Februar 1883 ergaben sich im Großherzogthum insgesammt 1778 Todesfälle, auf 10000 Lebende, den Monat zu 31 Tagen gerechnet. 20,4, wonach sich die Sterblichkeit als eine etwas geringere als im Vormonat ergibt. Von beü Todesfälle- kommen auf bie Provinzen: Starkenburg 834 (915), Oberhcsfen 487 (526) und Rheinhessen 457 (578) Von den Verstorbenen tm Ganzen waren Kinder 753 (842) und unter diesen im ersten Lebensjahr 416 (465), tm zweiten bis fünfzehnten Jahre 337 (387); den Erwachsenen gehörten zu 1025 (1177). Todesfälle in Folge von epidemischen Krankdetten wurden verzeichnet 190 (209) — in Starkenburg 104 (139), in Oberdessen 61 (37) und in Rbeinhessen nur 25 (33) — und zwar an Rachen- und Halsbräune 60 (61), an Scharlach 44 (33), davon 28 in Oberhessen, an Masern 31 (59), an Blattern 1 (2) an Rose 4 (4), an Keuchhusten 33 (19), davon 28 in Starkenburg, am Abdominaltyphus 16 (31) und an Ruhr 1 (0). In Folge des Wochenbettes kamen 20 (16) Sterbfälle vor. Von den wichtigeren Krankheiten N'cht epidemischer Art brachten acute Erkrankungen der Athemorgane 260 Sterdfälle gegen 239 im Vormonat. Lungenschwindsucht deren 228 gegen 255, Schlagfluß 48 gegen 71, Darmkatarrh und Brechdurchfall 34 gegen 32, acuter Gel-nkrheumatismus 1 gegen 3. Allen übr'gen Krankheiten erlaaen 719 Personen gegen 843, unbekannt blieb die tödtllche Krankheit M 248 gegen 297. Eines gewaltsamen Todes verstorben waren 30 Personen gegen 54 tm Vormonat und unter diesen durch Verunglückung 16 (32) und durch Selbstmord 14 (22). In Vergleich des Vormonats waren Todesfälle durch epidemische Krankheiten im Ganzen zwar in gleichem Betrage verblieben. Masern- unb Typhussterbfälle hatten aber eine beträchtliche Abnahme erfahren unb solche durch Scharlach unb Keuchhusten, erstere in Oberhesscn, letztere in Starkenburg, erheblich zugenommen. Von den vorherrschenden Krankheiten waren bei Berücksickt-gung der Verfchiedenheit in bet Tageszahl bet beiden Vergleichsmonate die Sterdfälle an Lungenschwindsucht sowohl wie die an acuten entzünbl chen Krankheit- n der Athmungsorgane der des Vormonats genau gleich geblieben; Todesfälle an Schlagfluß wiesen einen erheblichen Rückgang auf, ebenso diejenigen durch Verunglückung und Selbstmord. (D. Z.) e r m i f 6 f H, Marburg, 24. April. Der „Köln. Ztg." wird aus Bern geschrieben: „Gestern ist in Lausanne Professor Gustav Soldan, 71 Jahre alt, gestorben. Gebürtig aus Hessen, kam derselbe in den dreißiger Jahren als deutscher polnischer Flüchtl'Ng nach der Schweiz und war mit Mazz-m in dem schwarzen Buche verzeichnet, welches der damalige eidgenössische Vorort den einzelnen Cantonen zustellie. Trotzdem von Canton Waadt gastsreandschaftlich ausgenommen, wurde er am College in Lausanne als Lehre der latelmschen Sprache angestellt unb zum Professor honorarius an der Akademie ernannt, in welcher Sellung er Pis zu feinem Ende verharrte unb sich allgememe Liebe und Achtung e warb." Kess eistabt, 24. April. Arn Samstag Nachmittag prügelten sich zwei kleine, kaum schulpflichtige Knaben, wobei der etne zu Boden stützte. Das Kind hatte unglücklicher- und leichtsinnigerweise ein Küchmmesser in der Tasche, mit dem es sich Weiden zu Pfeifen schneiden wollte und stieß sich durch den Sturz dasselbe so in den Leib, daß die Eingeweide austraten. Der Schrecken und die Angst der armen Eitern läßt sich denken, doch soll erfreulicherweise die Verletzung des Kmdes nicht lebensgefährlich sein. Mainz, 24. März. Der „Mainz. Anz." veröffentlicht beute eine Zuschrift, die auch wir glauben aufnehmen zu sollen, weil sie dazu angethan ist, bte Behörden auf die Ergreifung von Vorsichtsmaßregeln zeitig aufmerksam zu machen. Die erwähnte Zuschrift lautet: Es ist em öffentliches Gehcimniß, daß in Wiesbaden die Blattern ausgebrochen sind. Mit unbegreiflicher Zurückhaltung schweigen aber die Tagesblätter über dieses Unglück. Wir begreffen recht wohl, wie unangenehm der bedenkliche Zwischen- sall für die im Beginn einer neuen Saison stehende Badestadt ist; allein hier können solche Rücksichten kein H.il bringen. Ua§ erscheint die Anwendung des Vertuschungssystems bei solch ernster Sachlage um so bedenklicher, als Wiesbaden in Kürze von vtelen Tausenden von Menschen besucht werden wird. Die dortigen Behörden haben zwar ein sehr einfaches Mittel gefunden, sie weisen ihre Blattern-Kranke und-Jnficirte, so lange es noch angeht, einfach aus der Stadt, ohne sich viel darum zu kümmern, wohm jene sich wenden. Den größten Nachtheil haben natürlich wir Mainzer. Ist, fragen wir, dieses Verfahren der Wiesbadener Behörden rechtlich statthaft? Braucht sich eine Stadt wie Mainz, trotz Freizügigkeitsgesetz, so tn Gefahr bringen zu laffes? Wahrscheinlich halten die dortigen Behörden so etwas gegenwärtig für erlaubt, da es beim Beginn der Saison unb während der Anwesenheit des deutschen Kaisers recht unangenehm ist, so viele Blatternfälle in der Stadt zu haben. Ob es jedoch sehr vorsichtig von dcr Badeverwaltung war, einem so hohen Kurgast von dem gegenwärtigen Besuch nicht adzurathen, wollen wir ununtersucht lassen- Berlin, 24 April- Einen unheimlichen Reisegefährten fand am Samstag Abend ein Herr, als er, um die Stadtbahn zu benutzen, am Bahnhof Bellevue in ein Coupä 3 CI ässe stieg. Am Ende des Coupes sah er einen Passagier, der, anscheinend etnßefd)hifen, den Kopf in die Ecke nach dem Fenster zu netßte. Zuerst nahm der Neuangekommene keine Notiz von dem schweigsamen Reisegefährten, als er aber vor demselben plötzlich einen Revolver liegen sah, neigte er sich vor, um dem Anderen ins Gesicht zu sehen- Da war denn freilich sein Schreck nicht gering, denn der vermeintlich Schlafende stierte wie ein Tobftr sein Vis-k-vis an unb von feiner linken Schläfe troff bas Blut in starkem Strahl auf bie Kleider herab. Der Marn, hatte sich in ber That erschossen. Sein weniger lebensmüder Begleiter erhob nun ein mörderisches Geschrei, in Folge dessen der Körper des Selbstmörders, freilich erst auf dem Lehrter Bahnhof, aus dem Cpup6 geschafft wurde. Der Selbstmörder wurde als der Sohn eines Hofschuhmachers aus ber Französischen Straße recognoscirt- — Ein hübsches Dokument rotrb in den „Neubans-Ofterer Nachrichten" (Holstein) veröffentlicht. Dasselbe lautet wörtlich: „Dem Häusling ..... seit 6 Jahren im Besitze der bürgerlichen Rechte hier anwesen, sei 15 December 1880 nach Buxtehude verzogen, wirb hiermit bezeugt, daß er sich das volle Vertrauen der Emgesessen erworben- Auch bat derselbe sich während feiner Anwesendheit hier der Partei der Socialdemokraten nicht angeschlossen, sondern überall liebevoll bewiesen. Jork, den 26. Januar 1881. Der Gemembe- Vorftanb." — Ein gemüthlicher Sachse, welcher in Berlin bestohlen worden war unb vor dem Schöffengerichte daselbst vernommen wurde, ließ sich über eine Verwundung, die er einige Tage vorher erhalten und welche die Amputation eines Fingers noihwendig machte, in folgender charakteristischer Weise aus: „Ja so, mit den Finger; des war Sic ä kaoz dumme Keschtchte. Kenau auskerechnet vier Dage vorher war ich Sie nach Kr-mme kereest, wo mer meine Schwester tbren Keburtstag kemüthlich fefeiert haben. Un wie ich denn uf den Nachmittag noch ä recht scheenes Schälchen Koffee ketrunken habe, will ich heeme reefen un sitze Sie ooch schon tn’n Wagen, Life (plaudere) aber noch mit ’n tuten Freind, der mer’s Keleite kekeben hatte; ich denke Sie ooch an karnischt Arges, wo denn der Schaffner kommt und mit kroßem Krawall be Dübre zuschme.ßt. Nu denk' ick aber ooch sokleich, ich soll Sie in'n Erdboden sinken. Hat Sie mir ber Mensch, weeß Knäppchen, zwee Finger mit be Dühre inkeklemmt. Ich war Sie vor Schmerz ’n reener Tyrann keworben un hätte Sie ’n Bären in’n Käfig erwürgen können. Ich rufe Sie benn ooch kleich mit ’ne Donnerstimme dem Mann burchs Fenster zu: „Ei, nut Knister, S:e 'haben mer aus Verleben die Fingern 'n bißken inkeklemmt; sind Se so sreindlich und machen Sie kanz keschwinde be Dühre wi.der uf!" Un weil ich Sie nu ’n recht böses Kffichte machte, war Sie ber Manu ooch schon vernünftig un macht Sie richtig bie Dühre roteber uf. Na, ich bade ihm nachher ’n paar Kroschm zn’n Däppchen Bier kekeben; er hätte Sie boch be Dühre erlebt ur be nächste Station ufzumachen Lbraudbt." HeilgrboLkneS. 2908 Ein stückiges Wohnhaus, mitten in hiesiger Stadt gelegen, ist zu dem wirtlich billigen Preis von 13000 zu ver- kaufen durch I. Blitz. Goldfisch.© wieder eingetroffen. 2942 I. Schäfer, Kirchenplatz. ^ßHOCOLAT xjuchard 2- Vereinigt vorzüglichste ^Qualität mit'vmässigem Preise, , Niederlagen: C. Schwaab's Deli- catessenhdlg., Conditor H. Kinkel. 161 Loose zur Kasseler PferdemarKt- fotterie ä Ä cAl. sind in der Expedition dieses Blattes zu Habeli. Kl*! Wlsf liefert zum billigsten Preise, Bisschränk© bester ($ o n ft r n c t i o n zu Fabrikpreisen 2849 H. Lchluall, „Hess. Hof". Allgemeiner Anzeiger. PfoamtasieNtoflTe aus Jute«, Wolle und Seide in 130 Ctm. 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Pietsch) in Gi-ben. die Nen b1' r-dlich 2 r 9SS'I Darmch aeschrieben: Mit da Finanzministm corrrctlonswerk öle praktische $ daß bk Regten Bezug auf bk Guiachlen ber! beiläufig klares inzwischen für war, steht jetzt - es sei b