Hx. 277, Mittwoch den 28. November LOGA Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Durra«r Schulstrahe 7. Telegraphische Depeschen. Wolsf'S triegr. Sorresponvenz-Bueenu. Breslau, 26. November. Einer amtlichen Meldung aus Zabrze zufolge ist gestern ein Dampfkessel der Nedenhütte explodirt; 4 Personen wurden ge- tödtet, 7 verwundet, der Betrieb ist ungestört. atrtria 26 November. »Temps" bespricht das Decret Chinas, betreffend die Kriegs^rberettungsm^Er tadelt das Zaudern Frankreichs. Es wäre Zeit, Mretchen e (sstreitfrafte nach Tonakina m senden, um das unternommene Werk zu beenden. Hnsammenfftmna des Verstärkungscorps sei fesigestellt, all s bereit, die sofort h.eizir nesiamrten Trnvven mindestens zwei Regimenter zu je drei, achthundert Mann stark n Bata llonen, etnznschiffen. Gleichzeitig solle man jedes der drei in Tongking strhendeN afrikanischen Bataillone auf achihundert Mann mrsiamih Politische Ueberflcht. Gießen, 27. November. Unter den Jubelrufen der Bevölkerung ist Kronprinz Friedrich Wilhelm am Freitag in Spaniens Hauptstadt, und an der Seite König Alfonso'ö, eingezogen. War schon der Empfang in Valencia ein äußerst sympathischer, so gestaltete er sich in Madrid zu einer einzigen ununterbrochenen Kundgebung für den deutschen Kaisersohn; auf dem ganzen Weg wurde der Kronprinz mit fortwährenden sympathischen Zurusen begrüßt und von den Balcons wehten die Damen mit ihren Taschentüchern. Aus der ganzen großen Strecke von Valencia bis Madrid war dem Extrazuge mit dem hohen Gaste auf allen Bahnhöfen und bei jedem Wärterhause von Doppelposten der National- qarde salutirt worden, eine ganz seltene Auszeichnung. Madrid war bis m Die entferntesten Stadttheile prachtvoll mit Fahnen, Teppichen, Gmrlanden und Wappen geschmückt; das Militär bildete in den Straßen Spalier und unaufhörliche Ovationen der Bevölkerung begleiteten den Kronprinzen und den Komg während der ganzen Fahrt bis zum königlichen Schloß. Der Vundesrath hat in seiner am Donnerstag abgehaltenen Sitzung u. A. die Verlängerung des Kleinen Belagerungszustandes über Berlin und Umgegend bis zum 30. September 1884 beschlossen. Die kirchenvolitische Frage scheint für die nächste Zeit /'kaltgestellt" worden zu sein. Die Eröffnungsrede zum preußijchen Landtag enthalt über diesen Gegenstand nicht die geringste Andeutung und so darf man wohl annehmen, daß die Regierung keine Aenderung in den bestehenden tirchenpolltr- schen Gesetzen eintreten lassen will, wenigstens vorläufig nicht. Die Verhandlungen mit der römischen Kurie nehmen nach den Versicherungen der officiosen Blätter ihren ungestörten Fortgang, was allerdings dabei herauskommen wird, scheint für Berlin wie für Rom em Geheimniß zu sein. Jedenfalls wird aber die kirchenpolitische Frage in dieser oder jener Form im Abgeordnetenhause zur Sprache kommen, sie ist nun einmal zu wichtig, als daß sie so ohne Werteres fallen gelassen werden sollte und darf man wohl diesbezüglichen Anträgen aus der Milte des Hauses entgegensehen. . Der Münchener Magistrat hat ein bemerkenSwerthes Beispiel von Toleranz gegeben. Im Budget der Stadt München ist neben dem Bau von drei katholischen Kirchen auch der einer protestantischen Kirche und einer Synagoge vorgesehen und hat der Magistrat in einer semer letzten Sitzungen beschlossen , den für die genannten Bauten ausgesetzten Zuschuß un Betrage von 630 000 -X zu bewilligen. — Aus dem bayerischen Landtage wird gemeldet, daß die Petition des Landes-Ausschusses der deutschen Volkspartei um Einführung des allgemeinen directen Wahlrechtes abgelehnt worden ist. . Die Colonialpolitik beider Westmächte scheint in eine bewegte snhafe eintreten zu sollen. Der Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und 66i„a S unmMar tum, imb di-Ni-d-rl-g° Sick- P-!ch°. >m Sudan kann nicht ohne Rückwirkung auf die Stellung Englands tn Egypten bleiben. Schwierigkeiten thürmen sich dort wie hier empor, und wenn ffe auch nicht gerade unüberwindlich sind, so sind sie doch groß genug, um,beiden Machtenim schaffen zu machen. Dabei dürsten recht artige Früchte der sog. westmachtlicyen Allianz zu Tage treten. Es ist eine, wenngleich nicht officiell emgestandene Thatsache, daß der treibende Faktor Des zähen chinesischen Widerstandes gegen die französischen Expansivgelüste in Oftasten nicht so sehr der Dunkel und der Fanatismus des chinesischen oder anamitischen Mandarinenthums, als die entschiedene Abneigung Englands gegen die Etablirung einesgrvßenranzostschen Colonialstaates an der asiatischen Küste des Großen Oceans ist. Engiland p tendirt die Monopolisirung des gesammten chmepchen Außenhandelsund sieht in der Festsetzung Frankreichs in unmittelbarer Stahe der chinesischen Grenzen eine permanente Bedrohung seiner eigenen dortigenBefi^bungen Es ' daher kein fiwcifel, daß in dem bevorstehenden franco - chinesischen Conflicte Englands Sympathien auf Chinas Seite sich befinden werden. Andererseits hort inan, daß die Truppen des Mahdi, welche das Heer Hicks Paschas vernichtethaben, von einem Franzosen organisirt und befehligt worden find, der unmittelbar nach dem Bombardement Alexandriens sich zum Mahdi aus dm Weg gemach und das Vertrauen desselben (vielleicht durch directe Emp ehlungen M an Mischen Vertreters in Egypten?) gewonnen hatte. Dazu kommt, daß gerade jetzt die mit den Negierungskreisen Fühlung haltenden Pariser Blatter vonl der englischen Politik in Egypten sowohl, wie auch in Syrien wred°r so wegwerfend sprechen als wie je in den Tagen der Enttäuschung, da, England seinen „Freund" und „Bundesgenossen" in so unzweideutiger Weife aus hinauscomplimentirte. Die Katastrophe im Sudan wird von dm französischen Blättern ohne ein Wörtchen des Bedauerns reglstrirt; fa aus der Art und Weise, wie sie von dem Ereigniß Notiz nehmen, merkt man die^msgehelm empfundene Genugthuung heraus, die sich sehrwohlcrkaren atz Ervansiv- Frankreich zum Durchbruch gekommenen Erkenntmß, datz den EN Expansiv Bestrebungen aller Orten und zu allen Zeiten die englische Elfeisucht undMeben buhlerschaft hemmend in den Weg tritt. Alle, künstlich gedrechselten^Freun schaftS-Betheuerungen helfen über den Umstand nicht hinweg, daß Englands un Frankreichs coloniale Interessen collidiren und daß -nthms.b«d« da in Gegensatz zu einander gerathen, wo sie a priori birect gar nicht engag zu sein scheinen. „ .. . Der ungarische Reichstag beschäftigt sich migenblicküch mst emem Gesetzentwürfe über die Civilehe zwischen Christen und -juben. Der Minister Präsident Tisza versicherte hierbei am Donnerstag in sehr nachdrücklicher Weise, daß er den antisemitischen Hetzereien nunmehr mit aller Strenge entgegentreten würde und daß hierbei auch die Möglichkeit einer Unterdrückung der ausgesprochen antisemitischen Organe durchschimmere; das Haus zollte den Ausführungen Tisza's lebhaften Beifall. , Der französisch-chinesische Conslict scheint sich wirklich zu einem Kriegsfall zuspitzen zu wollen. Die chinesische Regierung hat für ihre un Norden Tongkings stehenden Truppen in der Person Lin-Hans einen neuen Ober- besehshaber ausersehen. Außerdem sollen demnächst Geldmittel und Munition an die in der südwestlichen Grenzprovinz Jünnan stehenden Truppen abgehen, und haben dieselben den Befehl erhalten, sofort an die Grenze zu rucken, um sich mit den „Schwarzen Flaggen" gegen die Franzosen zu vereinigen. In den übrigen südlichen Provinzen des chinesischen Reiches sollen die dort vorhandenen Streitkräfte nur die Grenze decken, ohne sie zu überschreiten. Diese Maßregeln, verbunden mit der Drohung, China würde den Vormarsch der Franzosen auf Bacninh als einen casus belli betrachten, deuten in der That darauf hin, daß China nicht länger gewillt ist, den müßigen Zuschauer in Tongking zu svielen und darf man gefpannt sein, wie Frankreich diese drohenden Schritte der chinesischen Regierung beantworten wird. — Die französische Deputirtenkammer hat am Freitag zwei antiklerikale Anträge angenommen. Dieselben wurden von dem radikalen Deputirten Roche eingebracht und wird nach dem einen derselben der Gehalt des Pariser Erzbischofs von 45,000 auf 15,000 Frcs. herabgesetzt, nach dem andern werden die Stipendien für die Seminarien aufgehoben; beide Anträge waren vom Justizminister Feuillöe lebhaft bekämpft worden. Schon in der vorigen Session hatte sich die Deputirtenkammer mit dem Anträge bezüglich der Gehaltsverminderung des Erzbischofs von Paris zu befassen, doch wurde derselbe damals abgelehnt; die antiklerikale Strömung tn der Deputirtenkammer muß demnach bedeutend gewachsen sein. . Der große Rath von Bern hat den Antrag aus Aushebung der altkätholischen Fakultät an der Berner Hochschule mit 150 gegen 30 Stimmen abqelehnt. — Bei Thonon am Genfer See stießen am Freitag Nachmittag ziver Schiffe zusammen, wobei, soviel bis jetzt bekannt, 20 Personen ums Leben gekommen sind. _ .. r , . . lieber die Organisation des feuischen Geheimbundes m Nordamerika hat jetzt ein Mitglied desselben im „Standard" interessante Enthüllungen gemacht. Die Leiter des Geheimbundes haben über Tod und Leben ihrer Mitglieder Gewalt und besitzen überhaupt eine unbeschränkte Herrschaft, -^der der den Befehl erhält, ein Attentat auszuüben, muß diesem Befehl sofort und mit Hintansetzung aller persönlichen Interessen nachkommen wenn er nicht vom Bunde geächtet werden will. Der Geheimbund erstreckt sich aus alle Kreise der amerikanischen Gesellschaft und selbst unter New-Yorker Postbeamten sollen sich Mitglieder desselben befinden. . , Die Lage der egyptischen Regierung ist un Sudan durch dre Vernichtung des gegen den Mahdi ausgesendeten Expeditions-Corps eine sehr kritische geworden. Auf die Vorstellung des Gouverneurs des Sudan hat der Khedive die Räumung der Positionen am blauen und weißen Nil angeordnet. Die Truppen am blauen Nil sollen in Sennaar, die am weißen Nil m Khartum concentrirt werden, wodurch die Garnisonen beider Städte sich aus je 4000 Mann erhöhen. Im Nothsalle soll die Garnison Sennaars diesen Ort räumen und sich nach Khartum zurückziehen. Der Gouverneur dieser Stadt wird sich mit den dort befindlichen englischen Functionären über die öertl)eit)u gungS-Maßregeln verständigen. Deutschland. Darmstadt, 26 November.. Die erste Kammer der Stände tritt voraussichtlich Dienstag den 11. December für mehrere Sitzungen, hauptsächlich zur Erledigung der Steuergesetze, zusammen. England. 26 November. Der „Times" wird auS Khartum von Mr. Power netnpihrt • Die Katastrovbe im Sudan wird vollständig bestätigt. Araber berichten, bafi eine große Rebell-narmee sich nahe bei Khartum befindet. Der Mühbi hat allen Xrvt rrten tlPrfinfPtT (Sftrctbß Tldd) 1U fdlbCIt» hllOlll HUT |UK CtHCH Mona^rnnüa^ blos 2000 Mann, nm eine 4 (engl.) Meilen lange ^?rbftihHunrsHnktiuDert&e!bißcn. Die Bevölkerung ist ein schlummernder Vulkan. Di-NückmaSliMe m Lande ist veischlossen und diejenige auf dem Flusse kann morgen hängen, bes.tzt- Oberst Coetlegon leistet dem Pascha Beistand. r v m . Preis vierteljährlich 2 Mar! 20 Ps. mit Bringerlohn. Erscheint tirgltch mit Ausnahme des Montags. $urct) bie spcft biogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pt. Die liberale „Pall Mall Gazette" ist dagegen entschieden gegen jede meister Intervention Enxlanss. Eine Estenbahn von Euakim nach Berber werde mehr iut Vernichtung des Sklavenhandels beitragen als die Wiedereroberung des Sudan; der Khedive möge sich mit der Herrschaft über dasj-nige Gebiet, welches ihm noch ßm egyotischen Sudan liegen bis jetzt nur wenig weitere Einzelheiten vor. General Hick« beste einige Tage vor dem 1. November bet Melbas einen Sieg über die Schaaren des Mahdi errungen und -narschtrte nun an dem genannten Tage gegen El Obeid, um die Uebergabe dieses Platzes zu verlangen. Ein verrälherischer Wegweiser, welcher im Etüv.-rständniß mit dem Mahdi handelte, führte die Armee in ein felsiges, beroalotteS und wasserloses D-file, wo von den Anhängern des Mahdi ein Hinterhalt g-legt war. L tztcre waren mit Flinten bewaffnet und hatten auch Artillerie. H'ckS Pascha's Armee war in solcher Lage, daß sie nicht die Kanonen in Aktion bringen fönst; und, nachdem die Truppen sich drei Tage lang vertheidigi batten, wurden sie am 4 November vernichtet. B'zttelli, Der Zeichner des „Graphst", Art n und 50 Soldaten, weiche außerhalb des D-.file'S waren, kamen später dazu und wurden als Gefangene nach El Obeid geführt. Dst Aufständischen erbeuteten 36 Kanonen, alle Fahneis, Keiegsmaterial und Kameele. Mit Hicks Pascha fielen der Generalgouverneur Alabin Pascha, Abbas Bey, Oberst Farqahar, die Majore Seckendorfs, Masiy, Werner und Evans, die Capitäne Herlth und Anatyaga, der Oberarzt Georges Bey und der A'zt Rosenberg, O'Dosiovan, der Correspondent der „Daily News", der frühere Serg-anstMojor Morris Brody, sowie verschiedene Paschas, Beys und ungefähr 1200 Osfietere. Oberst Cottlogon, welch r den Weißen N-l von den Rebellen gefäubert und j den Zuzug zum Mahdi verhindert hatte, war gerade in Duem, als die Nachricht von der Katastrophe bet El Obetd anlangte. Er begab sich sofort nach Khartum unb bereitet dort die Verthnd.gung der Stadt vor, indem er alle kleineren Garnisonen, etwa 4000 Monn, aus dem Lande in Khartum concentrirt. Goetlogon und der Correspondent der „DmeS" (vermuthlich Herr Power) — so erzählt dieser selbst — sind die einzigen üorig gebliebenes Engländer im Sudan. Im ganzen Sudan sollen noch 16,000 bis 20,000 Mann stehen- Nach einem andern Bericht hatte H^ckS Pascha seine Truppen geibellt_; die eine Hälfte marschirte gegen El Obetd, die andere erwartete den Mahd! bei Kaz östlich von El Obeid. Am 2- November traf der Mahdi auf die erste Hälfte, welcher sich die andere bald anschloß. Alle zusammen, ungefähr 7000 Mann, bildeten ein Quadrat, das von den Rebellen h-sstg angegriffen wurde, wobei diese große Verluste erlitten. Am 4. Novnnber endlich führte der Mahdi wohlbewosfnete Truppen — es sollen die 3000 egyptischen Soldaten gewesen sein, welche nach der Einnahme von El Obeid in den Dienst des Mahdi traten — heran und nun wurde b«8 Quarre durchbrochen und die Armee vernichtet- Vor dem Angriffe soll der Mahdi Derwische zur egyptischen Armee abgesandt haben, um mit den eingeborenen Oificieren derselben zu verhandeln. «Wir", so sollen die Abgesandten erklärt haben, «sind Muselmänner wie Ihr. Warum wollt Ihr kämpfen? Ergebt Euch!" Die Boten wurden mit einer Salve empfangen und darauf begann die Schlacht. Seit dem 5. November weiß man nichts mehr •nem Mahdi, allein man vermuthet, daß derselbe sich nicht mehr weit von Khartum befindet. Von den englischen Blättern wird die Situation im Ganzen als eine verzweifelte angesehen. So schreibt die „Times": „Die Niederlage im Sudan wird unzweifelhaft der Autorität Englands im ganzen Orient einen furchtbaren Schlag »ersetzen und alle muselmännischen Fanatiker Astens und Afrikas in Aufregung bringen. Der ganze Orient wird Hicks Niederlage alS Englands Niederlage ansehen. Diese Schlacht ist ebenso verhängnißvoll für England rote der Rückzug aus Afghanistan im Jahre 1842. Wir können nicht annehmen, daß das Cabinet heute noch daran denkt, die englischen Truppen aus Egypten zurückzuziehen. Diese Maßregel würbe ohnehin von allen Vernünftigen veruttheilt und muß daher aufgegeben werden. Auch der konservative „Globe" glaubt, daß Die Aufrcibnng der egyptischen Truppen sm Sudan unter allen Umständen eine gleiche praktische Bedeutung habe, als ob eine britische Macht und nicht blos ein unter dem Befehle eines englischen Generals stehendes Heer eine Niederlage erlitten hätte. Egypten j tzt den Egyptern zu überlassen, wäre darum nichts Anders als ein Akt des Wahnsinns. Die „Morning-Post", der „Admr- tifer" und der „Daily Telegraph" treten entschieden dafür ein, daß man den Khedive jetzt, wo ihm von Süden her Gefahr droht, das Land von barbarischen Horden überlaufen zu sehen, nicht ohne Hülse lasten dürfe, die überdies im ureigensten Interesse Englands geleistet werden müsse- Von einer Räumung Egyptens, ja selbst von einer Verringerung der dort stehenden Armee dürfe keine Rede länger sein; es handle sich vielmehr tim ein thatkräsiiges Einschreiten, welches nur durch eine entsprechende Verstärkung der Milstärmacht geschehen könne, wozu der „Dafly Telegraph" die Heranziehung indischer Truppen empfiehlt- Die „St- James's Gazette" findet es ganz unbegreiflich, wie das Unternehmen, das so vnhänguißvoll endete, überhaupt nur geplant werden konnte. Der Untergang des kleinen Heerhaufens in dem unwlrthlichen Lande, einem fanatischen, nach Hunderttausenden zählenden Feinde gegenüber, mußte unvermeidl'ch fein. Das Blatt schreibt: „Das verhängnißvolle Ereigniß berührt aber unmittelbar unsere politische Autorität in Egypten- Wir haben uns verpflichtet, der egyptischen Regierung, die wir geschaffen haben, zum Siege zu verhelfen, unb der Sieg des Mahdi bedroht fie mit mehr sls dem bloßen Verluste des Vertrauens. In einem großen Unternehmen Mißerfolg gehabt zu haben, ist schlimm genug; dem siegreichen Rivalen aber das Feld zu überlassen, ist noch schlimmer. Er kann sich mit seinem Erfolge zufrieden geben; er braucht dies aber nicht zu thun. Von El Obeid nach Kairo ist ein weiter Weg. Niemand vermag ihn aber schneller und sicherer zurückzulegen als die Araber- Eine mächtige muselmännische Bewegung ist ausgebroSen; der Sieg über General Hicks hat ihr neue Nahrung zugeführt. Wer weiß, wohin sie sich verbreitet. Eines ist sicher: wir dürfen von der Räumung Kairos nichts weiter hören." Ger»tfchte». Schlüchtern, 22. November. Dienstag Abend hat sich in dem Personenzug 22 der Frankfurt-Bebraer Bahn auf der Strecke zwischen Elm und Schlüchtern ein anständig gekleideter Reisender im Aller von 23 bis 25 Jahren in einem Coupt 2- Stoffe erschossen. Derselbe soll in Fulda auf ein Billet 3. Classe eingestiegen fein und erst in Elm, wo er ein Zuschlagbillrt löste, die 2- Wagenklasse benutzt haben. Der Selbstmörder soll ein junger Kaufmann Namens Kröger aus Osnabrück fein. O estri ch , 22. November. Tod im Brunnen fand man hier jüngst ein Ehepaar. Man nahm an, daß es in Streit geraden, sich angepackt und dabei durch einen Sturz tn den Brunnen verunglückt fei. Wie der „M- A-" nachträglich mittheilt, fand man, daß die beiden Hände der Frau mit einem Gurt an den Leib gebunden waren, mithin der sicherste Beweis des Mordes fettens des Mannes vorltegt, welch' letzteren sie, trotzdem sie gebunden war, mit sich in den Brunnen hineinzog und krampfhaft im Tose fcsthielt. In der Tasche des Mörders sand man einen Brief eines Koblenzer Fräuleins vor, welcher so schwere Judicien ergab, daß man sie verhaftete. Die Fran wurde fecirt und mit kirchlichen Ehren bei Tage in die Reihen der Tobten auf hiesigem Kirchhofe beerdigt; der Mörder wurde zur Nachtzeit hlnausgetragen und an der Knch- hossmauer begraben- — Welche ungeahnte Ausdehnung die Lebensversicherung in den letzien 3 Jahrzehnten genommen, ergibt stch auS folgenden Zahlen. Im Jabre 1852 gab es im Ganzen 12 deutsche Lebcnsversicherungs.Anstalten, bet denen ca. 47 Tausend Personen mit ca. 173 Millionen Mark versichert waren. Ende des Jahres 1882 waren bei 48 deutschen Gesellschaften 859 Tausend Personen mit nahezu 3 Milliarden Mark versichert. Diese Summen kommen innerhalb eines Menschenalters an die Erben re- der Versicherten zur Auszahlung- Wie viele Existenzen "können mit diesen Erbschaften gegründet und gefördert werden, welch reicher Segen für hunderttausende Familien, welch unermeßlicher volkswirihschaftlicher Nutzen für Gesellschaft unb Staat überhaupt erwachsen aus b'efen tausenden von Millionen! Zu denjmigen Gesellschaften, welche mit das größte Vertrauen genießen und bei ihrer Solidität und äußersten Billigkeit, sowie bet ihren liberalen Einrichtungen einen besonders hohen Zugang seit vielen Jahren aufzuweisen haben, gehört die Lebensversicherungs--und Ersparniß- dank in Stuttgart- Diese Bank hat dermalen einen Versicherungsstand von 204 Millionen Mark und besitzt einen Bankfonds von ca- 43 Millionen Mark, darunter eine Extrareserve von ca. 8 Millionen. Da sie Gegenseitigketts-Anstalr ist, so kommt der Gewinn (Dividenden) den Versicherten ausschließlich zu, und da dieser ein sehr hoher ist, so stellen sich die Prämien aufs niedrigste Maß. Die Dividenden können von Anfang an in vollem Betrag oder in fueeessiv steigender Weise bezogen werden; in letzterem Fall wird der Versicherte nach einer gern ff tn Versichervngsdauer nicht nur von jeder Prämienzahlung frei, sondern bekommt auch noch eine jährlich steigende Rente- Wer seine Ersparnisse — denn Versichern ist Sparen — bei einer soliden und voithell- baften Lebensversicherungs-Gesellschaft anlegt, hat für seine Nachkommen aufs beste und sÜr alle F8lle gesorgt. Schiffsnachrichten. Bremen, 26. November. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfcr Donau, Capt- R. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. November von Bremen und am 13. November von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Handel «nd Verkehr. . s Gießen, den 27. Novbr. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.15, Hühnereier per Stück 7—8 H, Käst Stück 4^-8 H, Käsematte 3 H, Erbsen per Liter 20 H, Linsen 30 Tauben per Paar 60—70 H, Hühner per Stück X 0.90—1.30, Hahnen per Stück X 0.75—1.30, Enten pr- St. X 1.50—1.80, Ochsenfleisch per Pfund 70—72 , Kuh- unb Rindfleisch 56—60 Kalbfleisch oO bt» 54 Schweinefleisch 62—64 H, Hammelfleisch 60—70 H, Kartoffeln per 100 Kü» X 3.00-3.40, Milch pr. Str. 13—18 Gänse pr. Psd. 4 36-50. Zwiebeln per (Str. X 7. Weißkraut per Hundert 4-00—6. Frankfurt, 26. Nov. (Getreide-Preise.) Weizen ess. hiesiger und Westerauer X 19'Vi—20, fremder X 191/?—20, Roggen ess. hies. X 16—Vz, fremder X 16— /«, Gerste eff. hies. u- SZBetterauer X 17—18, fremde X 18—20, Hafer eff., hiesiger X 14—140111111 sc ca. 15 P empfiehlt ZUM blonder, sich, als anznwent lieferante fabricirte Nuss » 70 4 fettende r Dr. » 70 stellung 1 in gros 6435 mefteer nchr zur »°n; der .'bltfbtn, ib seinen und dies LE und Innern thun. 1 liberale dern daß gvungm fcung am iSdtischen krlaubniß zur Ab- irlaubniß i»r Herrundbuch, nie. ulaesetzeS. nenzugLL n ein an, । 2. Klaffe und erst er Eelbst- Ehepaar. nen Sturz and man, n, mithin Steren sie, 'pfhaft im Coblenzer Die Frau f hiesigem der Kuch- i 3 Jahr- ;ab es im Personen uaren bei >en Mark Erben rc- irbschasten Familien, überhaupt ii, welche Billigkeit, eit vielen parniß- tand von , darunter so kommt r ein sehr en können i werden; r nickt nur nde Rente, d voitheil- S beste und oftdampfcr November ist gestern per Pfund atte 3 5b ühner per 1.50-1.80, isch 50 bis :■ 100 Kil» n per Ctr. Wetterauer 4L 16—3/i, ff. Iiiefiger thien von en. Ange- 12 Kälber. Kühe und >, 2. Oual. YÄ BVb, Rord- en 151%, inte 72*Vi6, —, 4°.-o 50/0 Türke» n da auch ). R-d. Mittwoch den 28. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, .... ;n der Flett'schen Hofraithe «Ä gegen Baarzahlung versteigert: « Kavbas, 7 Kommoden, 1 Spregel- S 5 Kleiderschränke, Tische, S( Spiegel, 1 vollständiges Bett, 2 Nähmaschinen, 1 vollständiges Con- verfationslexik.n, 1 Dreschmaschine mit Locomobile, 1 Schleudermaschme, S’S und 2 Rinder. Gießm?den 27. November^883. 7795 Großh. Gerichtsvollzieher. s—-----— Aeikgeßokenes. 7717 Ein feuerfester Cassaschrank und ein Halbverdeck, beides fast neu, «Nia zu verkaufen durch I. Blitz., Frische Veilchen und Theerofen ^"'^Karl Berger, Lindenplatz. Allgemeiner Anzeiger. 3u Weihnachts - Gescheuten geeignet empfehle eine Parthie Wollewaaren als: Umhättg- Ti-cher, Krpftü-b-r, Saputzen für Samen und Kinder, Knaben-, Wolle- und -Pelzkappen. 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Mittwoch den 28. cL M,, Abends S Uhr: Generalversammlung im Saft Schwiim And werden die Herren Mitglieder zu recht zahlreicher Betheiligung höflichst eingeladen. Tagesordnung: Vereinsangelegenheiten. Rechnungslegung. Ergänzungswahl. (7797)Der Vorstand. Verein für Krankenpflege. Donnerstag den Decsmber 1883, Abends 8 Uhr: Generalversammlung im Cafe Ebel. Tagesordnung: Berichterstattung, Nechlumgslegung, Ergänzungswahlen. '7800 Der Vorstand. General-Versammlung des Cmcert-Vereins Mittwoch Den 28. November 1883, Abends 6 Uhr im Cafe Ebel (Balzer): 1) Bericht über das vorherige Vereinsjahr, 2) Rechnungsablage, 3) Vorstandswahl. 7803 Der Vorstand des boncert-Vereins. Stadt -Theater in GiessenT" Mittwoch den 28. November: Erste Aufführung der Novität. Glück bet Frauen. Lustspiel in 4 Akten von G. v. Moser. Aufgeführt: Berlin (Königl. Hoftheater), Hamburg (Thaliath.), Dresden (Königl. Hofth.), Wien (Stadtth.), Breslau (Lobeth.), Wiesbaden (Königl. Th; St- Petersburg (Deutsch. Kais. Hofth.), Prag (Kgl- Dtsch. Landesth.), Bremen (Stadtth), Augsburg (Stadtth.), Stettin (Smdtth.), Anclam, Barmen (Stadtth.), Brandenburg a. H., Bromberg (Stadtlh.), Chemnitz (Thaliath) Colberg, Culm, Döbeln, Düsseldorf (Stadtth.), Eisenach, Elbings Frankenberg, Frankfurt a. O., Franzensbad, Freiberg, Gießen, Glanl chau, Glegau, Görlitz, Göttingen, Graudenz, Guben, Halle (Stadtth), Hannover (Hofth), Hermannstadt, Jauer, Kiel (Stadtth.), Kissing« (Königs. Th-), Landsberg a- W., Leipzig (Stadtthh Liegnitz, Lübeck (Stadtth), Marienbad, Meissen, Memel, Naumburg, Nordhausen, Oppeln, Posen (Stadtth), Potsdam (Königl. Th.), Sondershausen, Stockholm, Thorn, Wehlau, Wittenberg, Würzburg (Stadtth.), Krems, Zürich. Lebensversicherung»- & Ersparniss-Bank in Stuttgart. Gegründet im Jahre 1854. — Auf reiner Gegenseitigkeit beruhend. Versicheruugöstand ult. September 1883: 204 Millionen Mark. Der gegen pupittarische Sicherheit angelegte Bankfonds beträgt circa 43 Millionen Mark und ist darunter eine Extra-Reserve von ea. 8 Millionen inbegriffen. Aller Gewinn stießt voll nnd ungeschmälert den Versicherten zu. Die seit Bestand der Bank zur Vertheilung gebrachten Dividenden bewegten sich zwischen 33 bis 46 Prozent für die lebenslänglich Versicherten und zwisckm 40 bis 60 Prozent für die alternativ (abgekürzt) Versicherten, nach Maßgabe der lebenslänglichen Prämie- Die Dividende kann von Anfang an in vollem Betrag oder in successi» steigender Weise bezogen werden. In ersterem Fall hat jede Prämie Anspruch auf Dividende und berechnet sich dieselbe für eine Versicherung von 1000 Mark auf Lebenszeit nach Abzug der bisher vertheilten Durchschnitts-Dividende im Alter von z. B. 25 30 35 40 45 rc- Jahren auf nur 1392 15.35 17.22 19.97 2440 rc. Mark) für eine Versicherung von 1000 Mark, zahlbar beim Tode oder spätestens im 65. Lebensjahre, im Beitrittsalter von z. B. 25 30 35 40 45 rc. Jahre« auf nur 16(52 18.92 22.50 2777 36 42 rc- Mark. Beim steigenden Dividendenbezug wird die Prämie nach 5 10 20 30 Jahren || 51 Ankauf von Lumpen. Knochttb Papier und alten Arten. Louis R-thenberger- Neuenweg 22. „ Todes-Anzeige. Statt jeder besonderen Mittheitung hiermit die traurige Mittheilung, daß unsere liebe Mutter, Großmutter und Schwiegermutter Frau M. Baer Wwe. gestern Mittag im 78. Lebensjahre nach langem Leiden sanft entschlafen ist. Lang-Göns, Gießen, Leihgestern, den 27. November 1883. Die trauernden Hinterbliebenen. Stadt-Theater. Mittwoch den 28. November 188$* 5. Vorstellung im 3. Abonnement. Zum ersten Male: "W Glück foei Franc». Lustspiel in 4 Akten von G. v. M°1"' Anfang 7Vs Uhr. - Ende 10 Uhr. F. um 15% 30% 60% 90% rc. voraussichtlich vermindert. Nach weiterer Versicherungsdaucr wird der Versicherte nicht nur von jeder Prämienzahlung frei, sondern er hat alljährlich noch eine steigende Rente zu beziehen. m An Beamte werden Darlehen zu Cautionsstelluug gegen liberale Bedingungen gewährt. , , ,, Die Bank kennt als reine Gegenseitigkeits-Anstalt kein anderes Streben als sie Interessen ihrer Banktheilhaber (Versicherten) zu fördern. Zu weiterer Auskunft, sowie Entgegennahme neuer Anträge ist gern bereu Die Agentur: 7793 M. FEieU. Westanlage 28. Eine Mühle an der Lumda, welche zwei Mahlgänge sowie eine Schlagmühle enthält und hierfür das ganze Jahr genügende Wasserkraft hat, ist zu verpachten. Nähere Auskunft ertheilt Freiherrlich von Rabenau'sche Rentei in Londorf. 7541_______S ch m i d t.____________ 7728 Ein ordentlicher Junge kann sogleich oder später in die Lehre treten bei H. Sack, Schreinermeister. Verantwortliche Redaction: A> Scheydg, — Druck und Verlag der Brüchl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.