1883 Donnerstag den 28. Juni Nr 146. nzerger ■tfiÖl" § lm Vorderhaus zp TT. ^kamun :°rf m-^rmietbm. ____Alnenftraße 28. unB mit 5 ober 8 Jims ues. Logis vcmicht ■MT°N^Ne. icr mit tonet zu w Hammsttake 4. l Laden zu verMhen, *----—--—--------- — —— - ~~ PreiS vierreijährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlchn. Bureau r Sch ul st raße 7. Erscheint täglich Et Ausnahme des MSNlagS. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps. Amtlicher HHeit. Betreffend: Die regelmäßigen Ergünzungswahlen der Stadt- und Ortsvorstände. Gießen, am 25. Juni 1883. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des Kreises. Nach Art. 13 der Landgemeinde-Ordnung ist die Stimmberechtigung bei den Wahlen an die Bedingung geknüpft, daß vom 1. Januar des dem Jahr, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergehenden Jahres Einkommensteuer gezahlt werden muß. Da diese gesetzliche Bestimmung nicht ausdrücklich aufgehoben worden ist, muß sie nach Weisung Großherzoglichen Ministeriums wörtlich befolgt werden, wenn auch mittlerweile das Etatjahr vom 1. ^anuar^auf den 1 1)ril verleat wurde - r Weiter geben wir Ihnen auf, außer der Liste E auch den nach unserem Amtsblatte vom 30. Juli 1874 Nr. 8 aufzustellenden Hülfsbogen anZdre Großherzoglichen Steuercommissariate mitzutheilen. y ö vr. Boekmann. @ipeb. ds. M. K , di- auf ein ffff steiWlU' ^repebjyL^ UZtz i Zqchm. kling chlmg, Photograph, ________Mi siiges, braves Dievst- Mh. Seltersweg U, ioreu l kstülk. Dem redlichen nungstiöwengasse 17. Üchcs Dicnstmädchm ’iudjt. >tT (fived. ds. Äl. ibter, mir Mutt m_>ppen2___ ges TitnfinMW 'N aut sofort » unb Poliren aller nde, msdesonbere voa 'Nutzen, W* :tto ic, -°»d * indi» k-ch-n t«"«^ MrhwSFsrA M k 30 besordm o» ***** Das Großherzogliche Stkuer-Commiffariat Gießen an die Grostherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks. Wir ersuchen Sie, den von uns zu prüfenden Verzeichnissen für die Gemeinderathswahlen auch die Hülfsbogen beizuschließen. Kieben, den 27. Juni 1883. puffert. ,ni ..........im..................................................................... III|| Politische Ueberstcht. Gießen, 27. Juni. Der Besuch, welchen der König von Dänemark nach Beendigung seiner Wiesbadener Kur Kaiser Wilhelm in Ems abgestattet hat, wird an maßgebender Stelle als ein deutlicher Beweis dafür betrachtet, daß bezüglich der nordschleswig'schen Optantenfrage keine Verstimmung zwischen Deutschland und Dänemark eingetreten sei. Diese Ansicht wird noch gestärkt durch die überaus herzliche Art und Weise, in welcher die beiden Monarchen miteinander verkehrten. Nachdem der dänische Herrscher noch der Kaiserin in Koblenz einen Besuch abgestattet, ist er nach Kopenhagen zurückgereist. Nach einer Mittheilung der „Nordd. Allg. Ztg." besteht das Unwohlsein des Reichskanzlers in einem heftigen Magenkatarrh, verbunden mit Gelbsucht, doch ist in den letzten Tagen eine Wendung zum Bessern eingetreten. Die Kur, welcher sich Fürst Bismarck auf den Rath des Dr. Schwenninger unterzogen hat, ist von keinem günstigen Einflüsse aus das Befinden des Fürsten gewesen, da sie gastrische Störungen verursachte. Die Kur ist nunmehr auf den Rath des Geh. Raths Frerichs eingestellt worden. In den Reihen der freiconservativeu Partei in Preußen sollen anläßlich der kirchenpolitischen Vorlage ernste Differenzen ausgebrochen sein. Ein Theil der freiconservativeu Abgeordneten, namentlich solche, welche katholische Wähler zu vertreten haben, haben sich entschieden gegen die von der Parteileitung ausgegebene Parole, wonach die Fraktion bei der dritten Lesung der kirchenpolitischen Vorlage geschloffen gegen dieselbe stimmen soll, erklärt. Es heißt sogar, daß die betr. Abgeordneten eventuell gesonnen feien, aus der Fraktion herauszutreten, der Vorstand der freiconservativen Fraktion erklärt allerdings, daß die von der „Nordd. Allg. Ztg." über diese Vorgänge gebrachte Darstellung in den wesentlichsten Punkten unrichtig sei, trotzdem scheinen in der That Meinungsverschiedenheiten vorhanden zu sein, welche der Vorstand der sreiconservativen Fraktion begreiflicherweise nicht in die Oeffentlichkeit gelangen lassen will. Der langjährige badische Gesandte am Berliner Hofe, Freihr. Türckheim von Altdorf, hat nach einer Mittheilung der „Post" seine Pensioni- rung nachgesucht und dieselbe auch erhalten. Zu seinem Nachfolger soll der Freihr. v. Marschall, welcher den Wahlkreis Karlsruhe im Reichstage vertritt und bisher der Diplomatie nicht angehörte, designirt sein. In den Wiener akademischen Kreisen hat die gerade nicht sehr deutsche Rede, welche der Rector der Wiener Universität, Professor Maassen, im niederösterreichischen Landtage zu Gunsten der czechischen Volksschule in Wien gehalten hat, große Entrüstung hervorgerufen. 63 Professoren der Wiener alma mater haben an Maassen eine Adresse mit der Erklärung gerichtet, daß sie seine im Landtage ausgesprochenen politischen und nationalen Meinungen nicht theilen und es als ihr Recht und ihre Pflicht betrachten, diesen Gegensatz öffentlich zu constatiren. Auch die Studentenschaft demonstrirte wiederholt gegen den Rector, so daß dieser laut Anschlages am schwarzen Bret seine Vorlesungen einstweilen eingestellt hat. — Die Schlußverhandlungen des Tisza - Eszlarcr Mordprocesses ziehen sich nun schon in die dritte Woche hinein und bei der großen Anzahl der zu verhörenden Zeugen läßt sich der Endpunkt der Verhandlungen noch nicht absehen. Die Zeugenaussagen lauten oft sehr widersprechend, was natürlich nicht wenig dazu beiträgt, den Proceß complicirter zu gestalten. Während man bisher annahm, daß chinesischerseits Marquis Tseng der Hauptträger der Verhandlungen seiner Regierung mit Frankreich fei, scheint dies Liou Chang zu sein. Wenigstens hat Liou, welcher m der Abwesenheit des Marquis Tseng die Geschäfte der chinesischen Botschaft in Paris führt, einem Journalisten gegenüber erklärt, daß die eigentlichen Verhandlungen zu Shanghai zwischen Lihung Chang und dem sranzösischen Gesandten Tricou geführt würden; die Unterredung, welche Marquis Tseng jüngst mit Jules Ferry gehabt hat, scheint demnach nur eine untergeordnete Bedeutung gehabt zu haben. Im Uebrigen heißt es, daß die Verhandlungen zwischen Lihung Chang und Marquis Tricou eine gütliche Beilegung des französisch- chinesischen Constictes erwarten lassen. Aus Saigon wird gemeldet, daß der dortige Gouverneur die anamitischen Consuln aus Cochinchina ausgewiesen habe, weil dieselben überführt seien, gegen die französische Herrschaft daselbst zu con- spirirem — Das Urtheil in dein Proceffe gegen Louise Michel und Genossen wegen Straßen-Emeute u. s. w. ist unerwartet streng ausgefallen, Louise Michel ist zu Ojähriger Einschließung und lOjähriger Polizeiaufsicht und Francois Pouget zu 8jähriger Einschließung und lOjähriger Polizeiaufsicht verurtheilt worden; drei Angeklagte erhielten geringere Strafen, während die übrigen Angeklagten freigesprocheu wurden. Die Verurtheilung der „bitteren Louise" wird in den Pariser radikalen Kreisen jedenfalls große Entrüstung Hervorrufen. Der englische Premier, Herr Gladstone, hat an den liberalen Verein des von ihm im Unterhause vertretenen schottischen Wahlbezirkes Mid- lothian ein Schreiben gerichtet, worin er die Hoffnung ausspricht, seinen Wählern noch im Verlaufe dieses Jahres den versprochenen Besuch abstatten zu können. „Ich hoffe auch", fügt der Premier hinzu, „daß, wenn diese Zeit gekommen ist, ich noch un Stande sein werde, zu sagen, was ich jetzt sagen kann, daß ich nämlich weder die Action der zersetzenden Kräfte, welche während der letzten Jahre der Negierung von 1868 bis 1874 thätig gewesen sein sollen wahrnehme, noch irgend einen Grund zur Annahme finde, daß das Land seine Denkungsart über tue wichtige Frage, die 1880 entschieden worden, geändert habe." Mit andern Worten — Mr. Gladstone gedenkt, ohne den Radikalen noch den Conservativen Concessionen zu machen, im liberalen Sinne die Geschäfte weiter zu führen. Das norwegische Storthing ist in voriger Woche durch den Präsidenten des Staatsministeriums, Selmar, ohne jedes Ceremoniell geschlossen worden. Der Schluß der Session erfolgte unter sehr elgenthümlichen Umständen, denn giebt es wohl im politischen Leben etwas Merkwürdigeres, als ein ganzes Ministerium, welches von der Volksvertretung wegen schlechter Regierung regelrecht unter Anklage gestellt worden ist? Rian kann es Herrn Selmar nicht verdenken, wenn er einem so widerspenstigen Parlamente gegenüber nicht noch viel Worte verlieren will und so ist denn der Schluß des Storthing ohne Sang und Klang erfolgt, im Gegensatz zu andern Ländern, wo man den Schluß der parlamentarischen Verhandlungen in mehr oder weniger feierlicher Weise zu markiren pflegt. , r m r In Vera Cruz (Mexiko) richtet das gelbe Fieber große Verheerungen an. Während der verstossenen beiden Monate sollen gegen 1000 Personen, theils Amerikaner, theils Europäer, gestorben sein. Vera Cruz mrt semer sumpfigen Umgebung ist zur Entfaltung des gelben Fiebers allerdmgS vortressuch geeignet und bei dem lebhaften Verkehr Vera Cruz' mit den Kustenstadten er südlichen Union kann man sich auch hier auf den Einzug des unheimlichen Gasteo gefaßt machen.___________________ _______ Deutschland. Darmstadt. 27. Juni. (Privat- Depesche). Heute Margen gegen halb 6 Uhr ziemlich hestig-r Erdstoß. Richtung "mUibiP,“liT Juni. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben beute Abend 6Vo Ubr den von Sr. Maj. dem Kaffer von Rußland zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am hiestgeit Hofe ernannten Geheimerath v. Staat behufs Entgegennahme seines Beglaublgungv-^chrerbens ***g W öÄ w» »-?««? -->>*-, Am 20. Juni den außerordentlichen Professor an der technpchen Hochschule Dr. Richard Lepsins zum ordentlichen Professor au dieser Hochschule zu brennen. , 25 gimi. Se. Hoheit der Fürst von Bulgarien ist, nack rebutäaiacm Aufenthalt bei seinen Eltern, von Schloß Heiligenberg gestern Abend wieder abgereist und wird, nach einer dreiivöchigen Badekur m Gastern zur Herstellung seiner angegriffenen Gesundheit, ohne weiteren Aufenthalt nach Bulgarien znrückkehren. Berlin, 25. Juni. Man erinnert sich wohl noch der seiner Zett von den französischen Journalen in gehässigster Form tnscenirten Deutschenhetze, welche damit mottvirt wuroe, daß seit langen Jahren gefälschte Chininpräparate, welche aus deutschen Fabriken stammen sollen, in den Pariser Hospitälern Verwendung gefunden hätten, natürlich zum Nachtheil der betreffenden Patienten. Deutscherseits wurde zwar Zug um Zug der Beschuldigung entgegengetreten und ihre völlige Grundlosigkeit nachge- wtesen, dennoch wollen wir nicht unterlassen, auf eine in einigen Pariser Samstagsblättern an ganz versteckter Stelle untergebrachte Notiz hinzuweisen, welche auf's Deutlichste bekundet, daß nur bewußte Perfidie den deutschen Fabrikanten den oben erwähnten Vorwurf machen konnte. Thatsache ist nämlich, daß die achte Kammer des Pariser Crtminalgerichts soeben den Drogutsten Lacombe, welchem die Chininlieferungen für die Pariser Hospitäler übertragen waren, zu einjährigem Gefängniß wegen betrügerischer Lieferung einer gänzlich nutzlosen und sogar schädlichen Substanz, des Ctnchonidin, ver- urthetlt hat. t Der an Stelle des verstorbenen Herrn Professors vr. Brat ns check auf den philosophischen Lehrstuhl berufene Professor Hermann Stebeck aus Basel hat außer seiner in Halle erschienenen Jnaugural-Dissertatton „über die Ueberemstimmung der Aristotelischen und Herbartschen Psychologie" noch folgende Arbeiten veröffentlicht: „Das Wesen der ästhetischen Anschauung"; „Ueber das Bewußtsein als Schranke der Naturerkenntniß". Gießen, 27. Juni. Schwurgerichtsverhandlung am 26. Juni l. I. gegen Wilhelm Vetter, Sohn des Wilhelm Vetter II. von Burg-Gräfenrode wegen Brandstiftung. Vetter war beschuldigt: Daß er zu Burg-Gräfenrode am 10. Febr. l. I. die Scheuer des Conrad Vetter V. und am 12. genannten Monats die Scheuer des Wtlh. Roß vorsätzlich tu Brand gesetzt habe. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage und wurde demgemäß Angeklagter in eine Gesammtzuchthausstrafe von 6 Jahren verurtheilt. Gleichzeitig wurde auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 4 Juhren erkannt und Polizeiaufsicht ausgesprochen. England. London, 25. Juni. Das „Reuter'sche Bureau" läßt sich aus Damitte melden, daß die Sanitäts-Commission die dort herrschende Epidemie in der That für Cholera erkläre und daß die Zahl der Erkrankungssälle besorg- nißerregend zunehme. Außlavd. Baku, 25. Juni. Morgen geht die Expedition zur Erforschung des von Tschernajeff entdeckten Weges nach Central-Asien ab. Dieselbe wird zunächst den Eingang in die Mertwyi-Kultuk erforschen.__________________________ Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Eorresponderrz-Burearr. Landau, 26. Juni. Nach neuerer Feststellung erhielt bei der Reichstags-Ersatzwahl im Kreise Neustadt-Landau der Rechtsanwalt Mahla (nat.- liberal) 9406, Sartorius (fortschrittlich) 9277, und Dresbach (Socialdemokrat) 72 Stimmen. Hamburg, 26. Juni. Der Direction der internationalen landwirth- schastlichen Thierausstellung, welche am 3. Juli hier eröffnet wird, hat Se. Majestät der Kaiser auf die Bitte, die Ausstellung mit Allerhöchstfeinem Besuche beehren zu wollen, mittelst Cabinets-Schreibens eröffnen lassen, daß Aller- höchstderselbe sehr bedauere, durch die Badereise verhindert zu sein, dieser Bitte zu willfahren, jedoch beschlossen habe, als Beweis der besonderen Theilnahme, welche Se. Majestät dieser landwirthschastlichen Ausstellung widme, einen Ehrenpreis zu stiften und zu diesem Zwecke ein mit den Ansichten des königlichen Schlosses und des königlichen Palais in Berlin geschmückte Porzellanvase ausgewählt habe. Der Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha hat das Ehrenpräsidium der Gesammc-Jury übernommen und wird zugleich auch als actives Mitglied in der Jury Der Abtheiluüg I (Pferde) fungiren. Prinz Max Emanuel von Bayern hat der Ausstellung seinen Besuch ansagen lassen. Prinz Wilhelm von Preußen hat der Ausstellungs-Direction eröffnen lassen, daß er aus Rücksicht auf das in nächster Zeit bevorstehende frohe Ereigniß in feiner Familie verhindert sei, nach Hamburg zu kommen. Die Jury der Ausstellung tritt am 1. Juli in der Billa des H^rrn Albertus v. Ohlendorfs, des Vorsitzenden der Ausstellungs-Direction, unter dem Vorsitz des Ehren - Präsidenten, des Herzogs von Sachsen-Koburg-Gotha, zusammen. Nyiregyhaza, 26. Juni. Tisza-Eszlarer Prozeß. Bet Beginn der heutigen Verhandlung theilte der Präsident mit, er habe bcn Vicegespan angewiesen, die polizeiliche Bewachung der wegen der Bekleidung der Dadaer Leiche verdächtigen Persönlichkeiten aufzuheben, da dieselben bereits vorgeladen worden seien. Hierauf soll die Vernehmung des Kanzlisten Peczelly fortgesetzt werden, dem gegenüber Moritz Schars zuerst seine Kenntniß von dem angeblichen Morde zugestanden hat. Vorher beantragte Verthetdiger Dr. Friedmann, es möge die Verfügung getroffen werden, daß der Sicher- heitskommtssär Reczy, der Kanzlist Peczelly und Moritz Scharf während der Vernehmungsdauer nicht miteinander verkehren könnten; ferner, daß der Untersuchungsrichter Bary, dessen Vorgehen bet dem Verhöre des Moritz Scharf festgestellt werden soll, der Verhandlung nicht beiwohnen dürfe. Der Präsident erwidert, daß jeder anftändige Mensch der Verhandlung beiwohnen dürfe, ausgenommen, er solle als Zeuge erscheinen. Der Staatsanwalt erklärt hierauf, er habe bereits beantragt, daß Bary darüber vernommen werden solle, ob er Moritz versprochen habe, seinem Vater werde kein Leid geschehen. Nach halbstündiger Berathung beschließt der Gerichtshof, von der Vernehmung des Untersuchungsrichters, als ungewöhnlich und unmotioirbar, abzusehen. Der Staatsanwalt und die Verthetdigung melden dagegen die Nichtigkeitsbeschwerde an. Verthetdiger Eötvös fragte den hierauf vernommenen Zeugen Peczelly, ob er nicht jener Peczelly sei, welcher wegen eines grausam verübten Mordes zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden und 12 Jahre thatsächlich abgebüßt habe. Als der Zcuge die Antwort verweigert, übergtebt der Staatsanwalt dem Präsidenten die Auskunft der Jllavaer Strafanstalt. Lokales. Gießen, 27. Juni. ^Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle in Gießen beltef sich während der Woche vom 17. bis 23. Juni im Ganzen auf 11. Es wurden 4 Kinder und 7 Erwachsene betroffen. Von 3 Kindern im ersten Lebensjahr starb eins rasch an Schlagfluß, 2 an Scharlach. Ein 4 Jahre altes Kind erlag der Diphtherie. Bet den erwachsenen Personen war zweimal Schlagfluß, zweimal Krebs, je einmal Lungenschwindsucht, Lungenentzündung, Altersschwäche die Todesursache. G. X l l ß e M e i n e — Bezüglich der Sitzungen des Schwurgerichts hat eine Aenderung in der Weise stattgefunden, daß diejenigen vom Mittwoch und Donnerstag wechselsweise verlegt worden sind. Es kommt sonach nunmehr zur Verhandlung: Mittwoch den 27. l. M- Strafsache gegen Christian Hofmann von Gießen und Susanne Schilling von Offenbach wegen betrügerischen Bankerutts. Donnerstag den 28. l. M. Strafsache gegen die Ehefrau Stubba von Berlin, Großh. Dtstrtcts-Etnnehmer Frank von Laubach und Marie Reitz von Merlau wegen Abtreibung der Leibesfrucht und resp. Anstiftung dazu. Vermischtes. Berlin, 21. Juni. sTod in der Chloroform-NarcoseO Am Dienstag Vormittag ereignete sich in der chirurgischen Abtheilung der hiesigen Charit6 ein höchst bedauerlicher Vorfall, der in medtctnischcn Kreisen das größte Aussehen erregen wird. Ein dem Arbeiterstande angehöriger Mann von sehr kräftiger Körperconstttutton, her wegen eines Schenkelbruchs sich zur Charilä begeben hatte, sollte — so berichtet der „B. B -C " — an dem genannten Tage behufs Vornahme einer Operation, welche Geheimerath v. Baldeleben auszuführen beabsichtigte, chloroformirt werden. Kaum hatte jedoch der Kranke 3 bis 4 Minuten in der Narcose dagelegen — dieselbe war noch keine vollständige, da dem Manne erst ein Zehntel von der nöthtgen Dosis verabreicht worden und die Operation war noch nicht begonnen worden — da bemerkte einer der Assistenzärzte, daß bet dem Patienten plötzlich ein Stillstand in den Athem- ■ und dann auch in den Herzbewegungen eintrat. Sofort wurden von Gehetmrath Bardeleben, im Verein mit seinen Assistenten, die umfassendsten Wiederbelebungsversuche angestellt: Es wurde nicht nur die künstliche Athmung eingdeitet und der Luft- röhrenschnttt gemacht, sondern auch zur Belebung der Herzihatigkeit Einspritzungen von Strychnin, einem Gegengifte des Chloroforms, gemacht- Alle jene Bemühungen, welche über IV2 Stunden fortgesetzt wurden, waren resultatlos; die Thätigkett des Herzens, das durch jenes durch seine schmerzstillende Wirkung sonst so segensreiche Betäubungsmittel gelähmt worden war, konnte nicht wieder angeregt werden. Die Schuld an diesem Unglücksfalle kann keinem der Betheiligten in irgend einer Weise betgemessen werden, da nicht nur die Qualität des Chloroforms eine tadellose war, sondern auch nicht die Rede davon sein kann, daß dem Manne eine zu große Quantität hiervon verabreicht worden sei, da zu seiner Betäubung erst 10 Gr. verbraucht worden waren, während sonst 100 Gr. zu einer solchen nöthig sind. Es muß hier eben gefolgert werden, daß bet dem Patienten, der, wie hervorgehoben werden muß, die Erscheinungen des Säuferwahnsinns zeigte, aus unbekannten Ursachen im Anfangsstadium der Chloroformnarkose eine Herzlähmung eingetreten sei. Dieser Vorfall ist wiederum ein eclatanter Beweis dafür, daß es gewisse Menschen gibt, die eine aus unbekannten Ur- , fachen entspringende Prädisposition für die schädlichen Wirkungen des Chloroforms haben. — WitterungSkunde.*) 28. Juni. Das Wetter bleibt trüb und regnerisch, namentlich in Südwest- und Südeuropa mit kurzen besseren Zwischenzeiten, besonders Vormittags und Nachmittags. Im Norden und Nordosten ist Ausbesserung zu erwarten. Auch in einigen günstig ge- legenen Strichen, wie in dem niederrheinischen Gebiet dürfte es mehr trocken bleiben, wenn auch Sonnenblicke mit Trübung abwechseln. 29 Juni. Nach Osten und Nordosten, wenn auch Frühmorgens dunstig bis bedeckt, so doch Morgens bis Vormittags aufgebessert, Mittags mehr wolkig. Nachmittags Neigung zu Aufheiterung, Abends wieder mehr bedeckt. Nach Westen und Südwesten zu im Allgemeinen mehr bedeckt, namentlich in Süddeutschland nicht ohne Niederschläge, die am Abend mäßig gewitterhaft auftreten. 5 30. Juni. Im Allgemeinen Morgens wolkig bis bedeckt, dann Aufheiterung, auf Mittag zu Hanfenwoikm, Nachmittags besser, Abends gewitterhaft- Namentlich in ben südlichen Gebieten sind 'mmer noch kurze, örtlich ergiebige Regenschauer mit Gewitter- natur zu erwarten. Di? Winde sind dabei im Allgemeinen mäßig, im Süden und Südwesten ziemlich lebhaft. Der Wasserstand des Rheins dürfte bei Köln eine mittlere Höhe von 3 bis 4 Metern haben. *) Aus Dr. L- Overzier's Wetter-Prognose für den Monat Juni, abgeschlossen am 15. Mai (Verlag der M. rLengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 XV — Nachdruck verboten. ______________________________ I Nrankifirrt <». 27. Juni, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphisch^ Coursber cht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft 21 Ibert Kaufmann in Gießen) Creditactien 255V<, Staatsbahnactien 2783A, Galizier »257, Lombarden 1325/9, Nord- weftbahnactien 172^2, Gotthardbahnactien 120Vs, Darmstädter-Bankactien 1551/<„ j Disconto Commandit 1973/ö, Oesterr. Silberrente 67s/ie, 4% Ungar. Goldrente 76*4, Z 4o/o 1880er Russen 72Vs, 5% 1877r Russen 91u allen Größen und Weiten, Socken, Leibbinden, Hosenträgern. Stets da^ Neueste in allen Arten Shlipsen, Sommer- und Glacv -HandschmM Sonnen- und Regenschirmen u. s. w. Hemden nach Maß liefere unter Garantie des Gutsitzens in solider gutcr Waare und Arbeit. 2680 Bfe Gießen rvad J »z 3uli 1880 Kchl eiB <*en SerbitSNun; Metts-Mien MbtiÄonhir* «tzeiMnde und HemÄeten Forde Dienstag den 3 Vormittage w demmierzeichne Mbemmt. Allen Personen, Äckrsmch gehöv laben oder zur & Wig sind, wird MdenGemeinfchm A zu leisten, aud chilegt, von^ dem ßii von den Forde aus der Zch Äigung in Anst jckrsvemalter l 1 Anzeige zu r Wn, den 26. L- Großh. Är Dr. G Deröf 9hi Gericht Arbrits-K Zamstag bett Sormittac W wf bem Ml Wechen und Ft scheinen zury ÄNermauern i#, sowie die Mo Nemng von 25 Q Aes erforderlich. Mert werden. Ngen, den 25. buchen -' Bert iw -9tife JJ*? “’b öl ftm tt KB b=« fetSÄ ‘•»88t •Ä ®“tbt auf U ’*« »-«L " Änderung tn dri 00 °-chs-Iswch o7 tere,l Bon ' non Miilij h ®Wa9 So» » «arttt ein Wch, “fiepen tmgtn wlrti örpeiconftitution, bet - bt* her itr Operation, welche mirt werben, kaum Irgen — dirM war r nötigen DO ver- ■orbtn - da bewerfe Island in den Athem- rben von Geheimrats n Wiederbelebungtzm- ngcleitet und der Lust leit Einsvritzungen vor e Bemühungen, welch! Tätigkeit des Herzens gensreiche Beiäubungs erden. Die Schuld ai einer Weise beigemessv Lose war, sondern auij QuanM hiervon verbraucht worden waren, liuß hier eben gefolger! muß, die Erscheinungei angSstadium der M laü ist wiederum ett t aus unbekannten 11p .ngen des Mosormi stich in Südwest' unfc tags und Nachmittags tn einigen MtzA , mehr trocken vleiden, üdmorgens dunstig^ mehl wolkig. Nch- ^ddeutschland nicht ? r den ^°naÄg, guchhandlnng sSgs^ Ar«.«-» Konkursverfahren. Ueber das Vermögen des Bierbrauers Johannes Forlsch in Gießen wird heute am 26. Juni 1883, Vormittags 10 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Herr Rechtsanwalt Bai st m Gießen wird zum Konkursverwalter -ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 23. Juli 1883 bei dem Gerichte anzumelden. , Es wird zur Beschlußfassung über Die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigeraus- schusses und eintretenden Falls über die in § 120 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Dienstag den 31. Juli 1883, Vormittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitz der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 23. Juli 1883 Anzeige zu machen. Gießen, den 26. Juni 1883. Das Großh. Amtsgericht Gießen. Dr. Gilmer. Veröffentlicht: R eidhart, __________Gerichtsschreiber. 4407 Arbeits-Versteigerung. Samstag den 30. ds. Mts., Vormittags 11 Uhr, soll auf dem Rathhaus zu Dorf-Gill das Brechen und Fahren von 12 Cbm. Mauersteinen zur Herstellung der Sockel und Kellermauern am Schulhaus daselbst, sowie die Maurerarbeit und die Lieferung von 25 Ctr. schwarzem Kalk und des erforderlichen Sandes öffentlich versteigert werden. 4406 Hungen, den 25. Juni 1883. I. A.: H e i n e ck, Bezirks-Bauaufseher. Buchen -Nutzholz- Verkauf♦ 4410 Eine größere Parthie Buchen- Nutzholz in Stücken von 10 Fuß Länge, für Wagner und ähnliche Zwecke vorzüglich geeignet, verkauft im Ganzen oder kleinen Parthien billigst Director Jaekel, Süd-Anlage 21. Dienstag den 10. Juli, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf hies. Ortsgericht die Immobilien des Johannes Schneider II., dahier Flur XXXlX/77Vi0,1076 Mtr. Grabgarten, rechts des Wiesecker-Weg, XXXIX/77710, 393 Mtr. Hofraithe daselbst meistbietend versteigert werden. Gießen, den 27. Juni 1882. Großherzogliches Ortsgericht. 4432 Mütter. ei* i« Ieikgeöotenes. 4419 Das Heugras von mehreren Wiesen verkauft Friedr. Lampus. I” Kölner Leim' 4423 Kriihmer'sLeirnfabrik, Köln. 4431 Zwei ovale, polirte, nußbaumene Tische und lackirte Bettstellen billig zu verkaufen. Schreiner Schwan, Neuen-Bäue. Normal-Hemden & Hosen (System Prof. Dr. Jäger), sowie Tourniquet-Hosmträger (System Pros. Dr. Esmarch) empfiehlt 2686 H. 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Etwaige Einwendungen gegen diese Verleihungen müssen bei Vermeidung des Verlustes des Vorzugsrechtes binnen drei Monaten durch gerichtliche Klage gegen den Bergwerks- eigenthümer geltend gemacht werden. Während dieser Frist ist die Einsicht der Situationsrisse bei der Bergmeisterei Gießen Jedem gestattet. Darmstadt, den 3. April 1883. Großherzogliche Obere Bergbehörde. Daup. Tecklenburg. Großherzoglichc Obere Bergbehörde. Zaup. Tecklenburg. 8 Linoleum. X Englische Patent-Korkteppiche, bestes Fabrikat, X empfiehlt in reicher Auswahl 4080 Ernst Blödner. Griechische Weine Von der Firma E. A. Toovle in Cephalonia Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf die Artikel 34 und 35 des Berggesetzes vom 28. Januar 1876 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Ludwig Friedrich Buderus zur Audenschmidte bei Weilmünster unterm heutigen Tage mit den Eisen- und Manganerz-Bergwerken „Krisis und „Gottfried" in den Gemarkungen Dorf-Gill und .Hausen, Kreises Gießen, beliehen worden ist. Etwaige Einwendungen gegen diese Verleihungen müssen bei Vermeidung des Verlustes des Vorzugsrechtes binnen drei Monaten durch gerichtliche Klage gegen den Bergwerkseigenthümer geltend gemacht werden. Während dieser" Frist ist die Einsicht der Situationsrisse bei der Bergmefftere: Gießen Jedem gestattet. Darmstadt, den 3. Aprll 1883. Oeffentliche Impfung. Die diesjährige Impfung wird Freitag den 29. Juni und Freitag den 6. Inti d. I., jedesmal Nachmittags 3 Uhr, im alten Rathhaus abgehalteu werden und die Nachschau, zu welcher die geimpften ßinber nochmals erscheinen müssen, 8 Tage später. Jmpsflichtig im laufenden Jahre sind die im Jahre 1882 geborenen Kinder, sowie die Mckständigen aus früheren Jahren. Es dürfen jedoch auch Kinder, die erst in 1883 geboren find, zur Impfung gebracht werden und auch Erwachsene werden auf ihren Wnnsch geimpft. Es kommt nur Kälberlymphe aus dem LandeS-Jwpf- institut zur Verwendung. Wir laden die hiesigen Einwohner zur Benutzung dieser Termine nut dem Bemerken ein, daß alle in denselben vorgenommenen Impfungen für den Einzelnen unentgeldlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß auf eigene Kosten die Impfung vornehmen lassen. Kinder, deren Zurückstellung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können in den Terminen gleichfalls dem Jmpfarzt vorgestellt werden. Gießen, den 25. Juni 1883. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 4390____________________A. Bramm. Bekanntmachung. Luxury ....... „ » „ 2.50 J Ich bemerke noch, daß ich nur die feinsten griechischen Weme unporttre, des bohen Zolles wegen der Import von billigen Wernen nicht rathsam M- Carl Schwaab, Delikatessenhandlung. Herr Wilh. Wenzel hier unterhält ebenfalls Lager von diesen »tnen^unb werden solche auch im Glas bei demselben verabreicht. 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