Sonntag den 26. August 1888 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ° ® Hl-, Erscheint ILglich mit Ausnahme des Moirtngs. VareaUr Schulstraße 7. 25. PreiK vierreljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohru Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pf. Ar. 197. Zweites Bl »tt. Hk. isai „ »i entgegensetzen wird. Uebrigens entgegenstehenden Versicherungen, auch durchaus nicht unglaubhaft erl smusik. ■ ’ree^pi» nanu, polmschen Blattes ein geharnischtes Dementi iol der Kanzler, trotz der von osficiöser Seite doch ein paar Stunden täglich arbeiten, was erscheint. Auf kirchenpolitischem Gebiete ... , ist durch den jetzt veröffentlichten Erlaß des preußischen Cultusministers v. Goßler vom 14. Juli d. Js. an die GteHen, 25. August. Unsere innere Politik ist urplötzlich aus ihrem Sommerschlafe zu einem, wenn auch vielleicht nur kurzem, Erwachen wieder aufgernttelt worden. Durch kaiserliche Verordnung ist der Bundesrath auf den 27., der Reichstag auf den 29. ds. einberusen, um, wie die „Prov.-Corresp." schreibt, den deutsch- spanischen Handelsvertrag zu genehmigen, der heilsame Folgen in Aussicht stelle für zwei Völker, deren wachsendes Einvernehmen ein weiteres Pfand des allgemeinen Friedens und der allgemeinen Wohlfahrt bilde. Der erweiterte Verkehr werbe sicherlich dazu beitragen. dieses gute Verhältnis; zu befestigen. Ob außer to deutsch-spanischen Handelsverträge dem Reichstag in seiner außerordentlichen Leision noch andere Vorlagen zugehen werden, ist noch nicht bekannt, jedoch wenig wahrscheinlich. Ueberdies dürsten die Verhandlungen über diesen Gegenstand schon an und für sich nicht ganz glatt von Statten gehen, namentlich dürste es bei der sog. Spiritusklausel, welche angeblich die Hamburger Sprit- Fabrikanten benachtheiligt, zu langwierigen Debatten kommen. Von hoher Wichtigkeit für eine rasche Erledigung der in Frage stehenden Angelegenheit ist die sofortige Beschlußfähigkeit des Reichstages bei seinem Zusammentritt und in dieser Hinsicht ruft allerdings der Umstand, daß gerade jetzt die Reise-Saison aus ihrer Höhe steht, Bedenken hervor, doch steht von der Pflichttreue der Abgeordneten zu erwarten, daß sie trotzdem möglichst vollzählig in Berlin erscheinen. Der König von Rumänien hat am Donnerstag Berlin wieder verlosen und sich über Dresden und Prag zunächst nach Wien begeben, wo er be- laMtlich mit König Milan von Serbien zusammentrifft. Die Frage, ob Kardinal Howard vom Fürsten Bismarck in Kissingen empfangen worden sei, beschäftigt die Tagespreise noch immer lebhaft. Gegenüber den wiederholten energischen Dementis der „Rordd. Allg. Kg." in dieser Hinsicht bringt jetzt auch der ultramontane „Kuryer Poznanski", wie er versichert, aus bester Quelle eine Mittheilung aus Kijsingen, wonach Fürst Bismarck mit Kardinal Howard couferirt habe und man darf deshalb gespannt sein, ob die „Rordd., Allg. Ztg." auch der Meldung des genannten preußischen Bischöfe ein neuer bemerkenswerther Schritt zu verzeichnen. Das vircutar des Cultusministers bezieht sich im Allgemeinen auf die Vorbedingun- M für die Bekleidung des geistlichen Amtes, erklärt die Bereitwilligkeit der Regierung, hierauf bezüglichen Wünschen des Episcopats so weit als möglich cntzegenzukommen und zählt zugleich die den Candidaten aus Grund früherer besehe schon gewährten Erleichterungen aus. Am Schlüsse des Rescriptes isricht Herr v. Goßler seine Bereitwilligkeit aus, mit dem Episcopat, falls Wbe noch anderweitige Erleichterungen des Verfahrens wünsche, in ent- mchende Erörterungen einzutreten. Es geht aus dem Erlaß abermals das Äreben der preußischen Regierung hervor, der Seelsorgenoth unter ihren katholischen Untertanen möglichst zu steuern, hoffentlich findet dieses Bestreben auf Seiten der Kurie einmal die gebührende Anerkennung. Der württemb ergische Landesbisch os, Dr. v. Hefele in Rot- 'auburg, feierte am Dienstag sein 50jähriges Priester-Jubiläum, aus welchem ihm vom Papste eine goldene Medaille nebst Handschreiben übersandt -mrde. Von seinem Landesherrn wurde der greise Jubilar anläßlich seines Mentages zur Tafel gezogen, wobei König Karl in warmen Worten das W des Bischofs ausbrachte und den Wunsch aussprach, daß derselbe seine ^rdienstvolle Amtsthätigkeit zum Segen des Landes wie der seiner Leitung an- -Wrauten Kirche noch lange fortsetzen möge. Dieser Wunsch erscheint nur Mchtfertigt, denn namentlich dem milden und versöhnlichen Wirken des Bischofs Me hat es Württemberg zu verdanken, daß ihm die kirchlichen Wirren Wrt geblieben sind. S Die Nationalitätenfrage, welche das Völkerconglomerat des 'uerreichischen Kaiserstaates so lebhaft bewegt, ist nun auch zwischen Magyaren u Croaten in Hellen Flammen ausgebrochen. Den Unruhen in Agram, an die Adresse des Magyarenthums gerichtet waren, sind antimagy- JW Demonstrationen und Excesse in Zengg, Karlstadt und anderen Orten iiifc ftCttS Die Pesther Regierung ist über diese croatische Renitenz ■n . W empört und ist entschlossen, den Croaten gegenüber die Zügel der | Li.e?ungsgewalt straffer anzuziehen. Auf croatischer Seite ist man aber ent- ! «Ws ,/Uationalen Rechte" sich nicht verkümmern zu lassen und verlangen " o. der Gemeinderath und das Bürgercomite in Agram, daß auf den Finanz- I L™en Amts childer mit den gemeinsamen Wappen und croatischer Um- ! h ut ^gebracht werden. In Wien scheint man diese Vorgänge ernst zu & ^?n es finden hier gegenwärtig unter dem persönlichen Vorsitze des /^^rberathnngen statt, an denen u. A. der ungarische Minister- J Hent und der Finanzminister Szapary, sowie der Minister für I ^avonien, Bedekowitsch Komor und Banns Pejasevics theil- jedenfalls sind diese gemeinsamen Berathungen bestimmt, einen nach- I m. ns vivendi zwischen Ungarn und Croatien zu finden. — Am jl $ 'ln^ me 14 Mitglieder der österreichischen Nordpol-Expedition, welche, te 17 - BiftiE ;ger Chmdl^ :e in einer M Deite in 20, tat in je 3 flirt« 5* ) bestehen. -4 | ;en ein aW 3 ) cntscheideiic! I en in W- iettfämpie $ phinr" M lllier griilii!; SÄ 4* , »h\ sie sind tintig Ehrfurcht C' tWetfc;., Welt cerjajit nicht ost ft man’i isP 5 zu entjünta i treffend A mehr zu W anger steifer^ rst zu wchir meistens auiici i Dielfeitigtt. i ittes „Tie weiten inet, p euzband fiiüi mt Septeck.!! > nur Ul r in Briefs- lebition derart in WaldkW^ abgeschlossen von allem Verkehr mit der Außenwelt, dreizehn Monate auf der unwirthlichen Insel Jan Mayen zugebracht haben, wieder in Wien eingetroffen. Die Franzosen beschäftigen sich gegenwärtig fast mehr mit anderer Leuten Angelegenheiten als mit ihren eigenen Affairen. Namentlich erörtert die französische Presse die bevorstehende Reise des Königs Alfonso nach Deutschland des Langen und Breiten und zwar in einer für Deutschland höchst verletzenden Weise. Die „Nordd. Allg. Ztg." hat sich deßhalb schon veranlaßt gesehen, einen warnenden Artikel an die Adresse der Chauvinisten an der Seine zu richten, welcher hoffentlich seine Wirkung nicht verfehlen wird. Uebrigens wird jetzt ein neuer Erfolg der französischen Waffen aus Anam gemeldet, so daß sich die Aufmerksamkeit der Franzosen nun wohl wieder auf den ostasiati- schen Kriegsschauplatz concentriren wird. Die Franzosen haben nach dieser Meldung die Stadt Haidzuong eingenommen und hierbei 150 Kanonen und 50,000 Dollars erbeutet; die annamistischen Truppen sollen sich in das Innere des Landes zurückgezogen haben. Ueber die jüngsten Kämpfe in Anam meldet eine Depesche der „Times" aus Honkong: 2000 Franzosen mit 500 Mann Gelbslaggen rückten am 15. August von Hanoi gegen Santoi vor und stießen bei Phekai, 7 Meilen von Hanoi, auf den Feind. Ein Theil der Franzosen wurde gezwungen, sich zurückzuziehen, die Central-Colonne besetzte Phekai; sie verließ es aber bald wieder. Die Franzosen verloren 17 Todte, darunter 2 Officiere, und 70 Verwundete. Nachdem es den Italienern nicht gelungen ist, sich in Tunis und Tripolis sestzusetzen, scheinen sie es mit Marokko versuchen zu wollen. Anläßlich verschiedener zwischen Italien und Marokko schwebender Differenzen befindet sich bereits ein italienisches Geschwader in der marokkanischen Hafen- Jtabt Tanger, welchem in diesen Tagen eine zweite Escadre gefolgt ist. Auch ist der Akinister des Auswärtigen, Mancini, aus seiner Sommervilleggiatnr plötzlich nach Rom zurückgekehrt und bringt man dies mit den marokkanischen Angelegenheiten in Verbindung. Für die Balkan Halbinsel ist der Besuch des Fürsten Nikolaus von Montenegro in Konstantinopel das Ereigniß der Woche. Die Auszeichnung, mit welcher der montenegrinische Herrscher und seine Begleiter vom Sultan behandelt worden, läßt den Schluß zu, daß es der Pforte um eine ernstliche Aussöhnung mit Montenegro zu thun ist, welcher nach einer definitiven Regulirnng der türkisch-montenegrinischen Grenzfrage wohl auch nichts mehr im Wege steht. Im Süd osten des nordamerikanischen Freistaates Minnesota hat ein Orkan große Verheerungen angerichtet. lieber beit Bezug von Maaren Seitens der Consumenten von auswärts. Nachdem schon oft genug durch übeischwengliche Inserate Seitens sogenannter Jmportcure oder Grossisten an Seeplatz«n, bezw. Grotzstädten, in vielen Haushaltungen, specicll bei der Landbevölkerung, ein verhältnißmäßtg großer Absatz erz'elt worden ist, wird in letzter Zett der auf niedriger Basis beruhende Geschäftsbetrieb jener sogenannten Großhändler noch dadurch erweitert, daß dieselbe Reisende nach Stadt und Land schicken, um unter allen Umständen Aufträge zu sammeln. Noch jedesmal ist die Hausfrau, di« d«n glatten Worten dieses Reisenden, der so fabelhaft billige Preise stellt, nicht widerstehen konnte, oder auf das Inserat hin eine bedeutende Bestellung aufgab, gründlich hereingerallen; denn es stellte sich heraus, daß sie für ihr gutes Geld, welches sie bezahlen mußte, entweder Schund erhielt oder eine Waare, die sie in e'nem jeden Laden weit vortheilhafter hätte einkaufen können. Wenn man sich befragt, wo steckt denn eigcntlich ein solcher Importeur oder Grossist, der so billig vei kaufen kann, so wird man in der Regel dahin beschtebeu, daß die „große Firma" am S-eplatze selbst gar nicht bekannt ist. Gewöhnlich hat sich em solcher Grossist in irgend einem obskuren Stadtviertel ein Zirnmerchen gemiethet — auch vielleicht ein Lädchen — auS dem die Inserate in die verschiedmen Blätter los- gelassen werden, welche in der vor zunehmenden Operatlonsgegcnd von den Hausfrau-'N mit Vorliebe gelesen werden. Laufen nun Aufträge ein, so sucht sich unser Biedermann btt einem wirklichen Kaufmanne — womöglichst auf Credtt — dre bestellten Maaren zu beschaffen und führt dann die ersteren unter Postnachnahme aus. Die Qualität der Waare ist dem Preis, der dafür berechnet wird, selten ent- entsprechend, vielmehr herrscht das Pr.-ncip vor, billig etnzukaufen und dem Besteller möglichst theuer zu berechnen. r Hat nun der Biedermann eine Zeitlang das G schäftchen betrieben er reflektirt ja nur auf ein Geschäft, was ihm schon genug einbringt, so verduftet er und vergißt nebenbei seine Rechnungen — zuweilen auch die Inserate zu bezahlen. Ein wirklicher Grossist wird unter keinen Umständen und niemals weder durch Inserate noch durch Reisende seine Maaren den Consumenten tlnbteten. Das Auftreten der Reisenden ist auch charakteristisch. Ein solcher Onkel geht natürlich von Hnus zu Haus und macht seine Offerten, mit dem Salz anfangend, welches er zu 5 das Pfund zu liefern verspricht- Daß er nicht vergißt zu bemerken, einen bedeutenden Auftrag schon bei der Frau so und so erhalten zu haben, ist selbstverständlich — wenn es auch gerade nicht wahr ist. Die guten Leute sind nun erstaunt ob der Preise, die den glatten Worten des Reisenden gemäß wesentlich niedriger sind als in den Läden. So wird beispielsweise das Pfund Reis mit 8^, das Pfund Kaffee mit 1 angcpriesen, welches dieselbe Sorte sei, die im Laden mit 1 20 verkauft wird u. s. w. „ _ r ,, ,, a Schließlich wird nun dem Herrn ein großer Auftrag eriheilt und die kluge Hausfrau berechnet im St'llen die Vottheile, die sie bei dieser Bestellung gemacht und denkt vielleicht auch schon daran, wie sie das Ersparte anderwttt verwenden will. $|t nun die Gegend durchreist, so erscheint eines Tages der Postbote mit den vielen Säckchen und Päckchen und verlangt, bevor er sie auslrefert, das Geld. Der Biederma-'-r. borgt nämlick nicht! Nachdem das G-ld - wohl gar oft mit schwerem Herzen - bezahlt ist, will die Hausfrau schleunigst sehen, was sie bekommen hat und möglichst den Herrn Gemahl mit der Mtttheilung überroschm, daß sie von dem fremden Reisenden zu enorm billigen Preisen prachtvolle Waare gekauft habe. Aber o Schrecken! Ei, den Kaffee habe ich doch nicht bestellt! — Et, wo ist denn das Salz? D, Probezeit, Ratenzahlung. Man verlange Catatoge. -TU LV" Vertreter gesucht. m OnkrnrMühlen i. OCnrOl v.45 Mk.an. Bordeaux-Weine. ©inem verehrt. Publikum die ergebene Anzeige, daß ich an hiesigen Platze ein Lager in Bordeaux-W einen vom Hause Evariste Dupont &. Co. in Bordeaux, £ieferanten der deutschen Flotte sowie vieler sonstiger Anstalten, wie auch del hiesigen akadem. Krankenhauses (Klinik) errichtet habe und solche zur gefl. nähme bestens empfohlen halte. Wegen des gleich hohen Eingangszolles für alle Qualitäten führe ich mti bepere Sorten und empfehle als absolut rein und preiswürdig: Medoc per 1/1 Flasche mit Glas M 1.50, Listrac „ ch ®n« finb,h Flasche X 1.30 , 1.50 . 1.50 5581 Die dicht am Bahnhof Braunfels im Lahnthal gelegene Brücken- mü-hle mit guter, dauernder Wasserkraft, mit ^Wasserrädern, LMahlgängen, 3 Kolleren gen rc. Brennofen, Kugelmühle, ge- niumigen Wirthschafts- u. 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