Samstag den 23. Juni Rr 142 1883 Vvreau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. B Betreffend: Das Löschwesen im Kreise Gießen. Gießen, den 20. Juni 1883. 4 2ii spks ®w. Polizei-Reglement für Watzenborn und Steinberg eWeäSDltl- jtrrn Bailltz in aiftrs tW 4 H ölucrdti. § 1. Um die den Mitgliedern der Pflichtfeuerwehr auferlegten Dienste unb Verrichtungen (Bedienung der Spritzen, Handhabung der Rettungsgeräthe, der Signale re.) denselben gehörig bekannt zu machen, hat die Großh. Bürgermeisterei die Besugniß, jährlich zweimal Inspektion der gesammten zur Pflicht- seuerwehr gehörigen Mannschaft mit allen Geräthen, Spritzen re. abzuhalten und mit derselben eine Generalprobe zu verbinden. § 2. Wer bei der Generalprobe ohne Entschuldigung fehlt, sich auch nicht durch einen gehörig befähigten und im Voraus seitens der Großh. Bürgermeisterei angenommenen Ersatzmann vertreten läßt, oder den die Hebungen betreffenden Anordnungen der Großh. Bürgermeisterei zuwiderhandelt, hat Strafe von 1 bis 10 eX zu gewärtigen. Bürgermeisterei zu genehmigen und den Interessenten alljährlich im Voraus bekannt zu machen. Abweichungen von diesem Plane bedürfen der Genehmigung der Bürgermeisterei. § 5. Entschuldigungen wegen Nichterscheinens bei den Proben oder Bränden .sind alsbald und längstens binnen 24 Stunden bei der Bürger- mei^erei vorzubringen, welche zu entscheiden hat, ob solche begründet, sind. § 6. Gegen alle Verfügungen der Bürgermeisterei Grünberg ist Recurs an tu o vorgesetzte Kreisamt und gegen dessen Entscheidung an Großherzogliches Ministerium zulässig. § 7. Für den inneren Dienst der Pflichtfeuerwehr ist das Statut der freiwilligen Feuerwehr mit Dienst-Instruction maßgebend und bleiben im Hebrigen die Bestimmungen der Verordnung vom 21. März 1857 in Anwendung. § 8. Das unentschuldigte Fehlen bei einer Probe, oder einem Brande, sowie die Nichtbeachtung der Anordnungen der Vorgesetzten des Corps ist nach § 368, Nr. 8 des Strafgesetzbuches strafbar. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlvhn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Politische Ueberficht. Gießen, 22. Juni. ein. Sr H Vhr isilale. Einladung zu einer Sitzung der Mitglieder des Landespferdezucht-Vereins und Freunde der Pferdezucht auf Sonntag den 1. Juli, Nachmittags 2 Uhr, nach Butzbach, „Hotel Joutz". Tagesordnung: 1) Entscheidung mit dem Ausschuß über Ott, Zeit und Tagesordnung für einige in der Provinz im Interesse der Pferdezüchter abzuhaltenden Besprechungen. 2) Ankauf von Stutfohlen in Hannover oder Oldenburg. Entgegennahme desfallsiger Bestellungen. 3) Ergänzung der Ankaufscommission. Die Herren Ausschußmitglieder wie Vertrauensmänner sind in Anbetracht 1. der Tagesordnung höflichst gebeten, wenn irgend thunlich, unserer ergebenen Einladung zu folgen. Im Auftrag des Präsidenten des Landes-Pferdezucht-Vereins. Stamm heim, den 16. Juni 1883. Adf. Rullmann. _______ rtten. unb W ieIt/ Lammten, , hMuhen rc- Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzogliehen Bürgermeistereien des Kreises mit Ausnahme der Stadt Gießen. Da die Verordnung vom 21. März 1857 (Regier.-Bl. S. 117) nur von der Löschung von Feuersbrünsten handelt, fehlt es an einer Bestimmung, um die Theilnahme der Feuerwehrlnannschaften an den für sie unbedingt nöthigen Hebungen zu erzwingen, indem die Gerichte unter feuerpolizeilichen Anordnungen im Sinne des § 368, Nr. 8 des Strafgesetzbuchs nur förmliche Polizei-Reglements verstanden haben. Da sich die Klagen über Nichttheilnahme an den üblichen Feuerwehrproben mehren, bleibt nichts übrig, als entsprechende Polizei-Reglements zu erlassen. Wir geben daher nachstehend zwei im Kreise bereits eingesühtte Verordnungen im Abdruck wieder, von denen das erste für Orte empfehlenswerth ist, wo bereits freiwillige Feuerwehren bestehen Mendorf a. d. Lda., Grünberg, Heuchelheim, Hungen, Lang-Göns, Lich, Lollar und.Wieseck), das 'zweite für die Gemeinden ohne freiwillige Feuerwehr. Indem wir noch bemerken, daß es in unserer Absicht liegt, einen Kreis-Feuerwehr-Jnspector anzustellen, welcher nach unserer Weisung die Lösch- einrichtungen der Gemeinden zeitweise zu besichtigen, die Löschmannschaften erforderlichen Falles einzuüben und uns über den Befund Bericht zu erstatten und Verbesserungsvorschläge zu machen haben wird, beauftragen wir Sie, den Gemeinderath und, wo freiwillige Feuerwehren bestehen, auch den Vorstand derselben, zu vernehmen, ob auf Erlaß eines solchen Reglements, und welches von beiden, angetragen wird, sowie welche Aenderungen daran etwa als wünschenswetth erscheinen. Ihrer Vorlage sind wir binnen drei Wochen gewärtig. ' § 1. Die Grünberger Pflichtfeuerwehr wird gebildet aus sämmtlichen männlichen Einwohnern Grünbergs vom 20. bis zum 50. Lebensjahre, insoweit dieselben nicht nach § 2 der Verordnung vom 21. März 1857 von der Lösch- Hülse dispensirt sind. Diese Mannschaften werden von der Großherzoglichen Bürgermeisterei ; Grünberg der freiwilligen Feuerwehr daselbst nach vorherigem Benehmen mit : dem Commando derselben zugetheilt. ° 8 2. Den vorstehend erwähnten der freiwilligen Feuerwehr eingereihten ^Personen ist es gestattet, sich durch befähigte, im Voraus zu bezeichnende : Männer dauernd vertreten zu lassen. § 3. Der Commandant der freiwilligen Feuerwehr ist von dem Kreis- • amte nach Anhörung der Bürgermeisterei und der freiwilligen Feuerwehr zu ernennen und zu verpflichten. 8 4. Bezüglich der regelmäßigen Hebungen und der Hauptproben, welche die der freiwilligen Feuerwehr zugetheilten Mannschaften zu besuchen haben, ist alljährlich im Voraus von der Feuerwehr ein Plan aufzustellen, von der Dr. Boekmann. Polizei-Reglement für Grünberg on Mücke. | Lorstand. ’ Gesetzentwurf nichts Ernstliches einwenden zu wollen und somit kann das ßw trum am Schluß der Session triumphirend einen neuen Erfolg feiner Politik verzeichnen. Die Unterhandlungen der preußischen Regierung mit weiteren Eisenbahn-Gesellschaften wegen Uebernahme der betr. Eisenbahnbetriebe durch den Staat haben hinsichtlich der Breslau - Schweidnitz - Frewllrger Ecken- bahn bereits zu einem praktischen Resultat geführt. In der am Dienstag zu Breslau stattgefundenen Sitzung des Verwaltungsrathes der genannten Joa^n wurde die Verstaatlichungs-Offerte nebst Vertrag vorgelegt und nach eingehender Erörterung und Anhörung des Directoriums einstimmig genehnngt. Es wurde schließlich eine Commission ernannt, welche "."t Regierungs - Commiffaren m Berlin den desinitiven Ueberlassungs-Vertrag abschließen soll, vorbehaltlich der Zustimmung der demnächst einzuberufenden Generalversammlung. Unter den mancherlei Gerüchten, welche sich an die Mandats- Niederlegung des Herrn v. Bennigsen knüpften, befand sich auch dasjenige, wonach der zurückgetretene Führer der nationalliberalen Partei für den erledigten Posten des koburg-gothaischen Ministers des Innern candidirm wolle Dieses Gerücht, welches schon an und für sich sehr wenig glaubwürdig erschien, ist nun durch die j'tzt erfolgte Ernennung des Landrathes Frhrn. v. Ketelhodt in Deutschkrone zum Chef des Ministeriums des Innern für das Herzogthum icßemr Anzeiger Amts- und Anzeigeblnü für den Kreis Gießen. Die Zeit der politischen Sommerstille rückt immer näher heran, wie der sich immer bemerklicher machende Mangel an hervorragenden Ereignissen beweist. Es gilt dies sowohl in Bezug auf die auswärtige Politik, n au,»- , als auch auf unsere inneren Angelegenheiten; in den Regionen der hohen Sr Politik herrscht vollständige Windstille und selbst der französisch-chinesische Con- ßiet wegen Tongking scheint einen friedlichen Verlaus nehmen zu wollen. Auch in unserer inneren Politik wird demnächst vollständige Ebbe eintreten, da der Schluß des preußischen Landtages voraussichtlich schon in nächster Woche erfolgt. Zn die Schlußverhandlungen des Abgeordnetenhauses, welches am Donnerstag nach mehr als einwöchentlicher Pause wieder zusarnmengetreteu ist, fällt die Mite Lesung der kirchenpolitischen Vorlage, welche bekanntlich von der Mehrheil der Commission mit nicht unbedeutenden Abänderungen angenommen worden ist. Da man nicht annehmen kann, daß sich das Stimmenverhältniß bei der Abstimmmung im Plenum über die genannte Vorlage wesentlich von dem- Sin der Commission unterscheiden werde, so erscheint die Annahme der politischen Vorlage in der Commissions-Fassung gegen die Stimmen der h-HonaUiberaten, Secessionisten und Freiconservativen als sicher. Auch die Nietung scheint gegen den zu Gunsten der klerikalen Ansprüche veränderten $3: J siv Chr. r MM (ME I 9 MllenA--- Meßen MM ?. jetzt ab von 16 2» 16 Sachsen-Koburg entschieden widerlegt worden. — Daß übrigens Herr v. Bennigsen trotz seines Rücktrittes von der Leitung der nattonalkberalen Parte: durchaus nicht gesonnen ist, auf seine politische Thätigkeit gänzlich zu verzichten, geht aus der Antwort hervor, welche er auf die ihm jüngst überreichte Resolution seiner hannovercmischen Parteigenossen ertheilt hat. Herr v. Bennigsen betonte, daß er auch fernerhin mit seinen politischen Freunden eng verbunden bleiben werde, und zwar gerade mit denen in Hannover, wo ja die Wurzeln seiner Thätigkeit und seiner in Gemeinschaft mit den hannoveranischen Parteigenossen erlangten Erfolge sich befänden. Die Nachricht, daß der Oberpräsident von Posen, v. Günther, m Folge der von Berlin aus angeordneten Zurücknahme seiner Verfügungen vom 7. und 27. April d. Js. — bezüglich des Religions-Unterrichtes in deutscher (gpradje — seine Entlassung eingereicht habe, wird von competenter Seite für durchaus unbegründet erklärt. , r L , Die aus noch unbekannten Gründen erfolgte Verhaftung des m Dresden lebenden polnischen Dichters Kraszewski — derselbe befindet sich zur Zeit in Dresden in Untersuchungshaft — erregt auch in Oesterreich großes Aufsehen. Der galizische Landmarschall, Dr. Zyblikiewicz, soll sich eigens nach Wien begeben haben, um in einer Audienz beim Kaiser um dessen Verwendung für den schwer bedrohten Dichter nachzusuchen. Je mehr der Tag der Wahlen zum böhmischen Landtage heranrückt, mit desto größerem Interesse blickt man in Oesterreich aus den bevorstehenden Entscheidungskamps zwischen Deutschen und Czechen. Denn diesen Charakter trägt die gegenwärtige Wahlbewegung in Böhmen unzweifelhaft, für die Deutsch-Böhmen gilt es, der herandrängenden slavischen Hochfluth gegenüber Stand zu halten und jeden einzelnen Posten muthig zu vertheidigen, für die Czechen handelt es sich darum, endlich die so lang angestrebte Majorität in der Prager Landstube zu erlangen. Allenthalben sind die Deutschen mit Festigkeit und Unerschrockenheit in die Wahlbewegung eingetreten und da andererseits die Czechen mit allen Mitteln agitiren und außerdem offenbar die Regierung aus ihrer Seite haben, so wird die Wahlschlacht jedenfalls eine sehr heiße werden. Als ein gutes Omen für die deutsche Sache kann man es vielleicht betrachten, daß die vom Großgrundbesitz in Krain gewählten Abgeordneten zum krainischen Landtag durchweg der deutschliberalen Partei angehören. Die Tongking-Expedition scheint unter den Männern der französischen Regierung schon ihr Opfer fordern zu wollen. Herr Challemel- Lacour, der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Frankreichs, soll sich mit Rücktritts-Gedanken tragen, da die Tongking-Frage nicht den gewünschten glatten Verlauf nimmt und glaubt man vielfach, daß der gegenwärtige Aufenthalt Challemel-Lacour's in dem Badeorte Vichy nur der Vorläufer zur Demission des Ministers ist. Seltsam berührt es allerdings, daß der Minister des Auswärtigen gerade in dem Augenblick, wo Marquis Tseng, der Vertreter Chinas bei den Cabineten von Petersburg, Paris und Rom, in der französischen Hauptstadt eintrifft, eine Badereise antritt und somit anscheinend den doch so noth- wendigen Auseinandersetzungen mit dem Vertreter Chinas über die Lage in Anam und Tongking aus dem Wege geht; vorläufig hat der Ministerpräsident Ferry die Leitung des auswärtigen Amtes übernommen. In England waren in den letzten Tagen die Augen der-.politi- schen Welt auf John Bright, das bekannte radikale Parlaments-Mitglied für Birmingham, gerichtet. John Bright feierte kürzlich sein 2ojähriges Abge- ordneten-Jubiläum und hielt bei der ihm zu Ehren von seinen Birminghamer Wählern veranstalteten Feier eine fulminante Rede gegen die Widersacher des Kanal-Tunnelprojectes, die in ganz England großes Aufsehen erregt hat. Mit ächt angelsächsischer Derbheit bezeichnete Bright die Gegner des Kanal-Tunnels als Narren, denn Narren seien alle die, welche meinten, daß acht Millionen erwachsene Engländer nicht im Stande wären, ein Erdloch von 20 Fuß Weite zu vertheidigen. In Folge, dieser Aeußerungen beantragten die Conservativen im Unterhause, welche bekanntlich dem Kanal-Projecte nicht sonderlich geneigt find, ein Tadelsvotum gegen den Jubilar von Birmingham wegen Verletzung der parlamentarischen Privilegien, doch wurde dieser Antrag mit großer Majorität abgelehnt. Die italienischen Irredentisten sind durch einen Urtheilsspruch, den ein österreichischer Gerichtshof gegen einen Italiener gefällt hat, abermals in Aufregung gegen Oesterreich versetzt worden. Sabadini, welcher im September v. Js. den Attentäter Oberdank von Udine aus über die österreichische Grenze gefahren hatte und später verhaftet worden war, ist vom Innsbrucker Geschworenengericht des Hochverraths für schuldig erklärt worden. In Folge dieses Wahrspruches verurtheilte der Triester Gerichtshof Sabadini zum Tode. Die Franzosen machen aus Madagaskar immer größere Fortschritte. In den letzten Wochen haben die französischen Landungstruppen unter Admirol Piere die Städte Tamatave, Mohambo und Tanarino besetzt, ohne Widerstand zu finden. Die Hauptaction auf Madagaskar gilt hiermit als beendigt. — Im Süden von Tunesien ist ein Marabut (Priester, Heiliger) aufgetaucht, welcher den heiligen Krieg gegen die Franzosen predigt und schon starken Zulauf gefunden hat. Von den zunächst gelegenen französischen Garnisonen sind starke Militärabtheilungen mit einigen Geschützen in Eilmärschen nach dem aufständischen Gebiete aufgebrochen. Aeutschland. Görlitz, 21. Juni. Das Hochwasser in Meiffe ist das höchste seit 1829, in Jauer seit 1860, in Löwenberg seit 1863, in Lauban höher als 1880. Die Stadt Lähn ift völlig, Glatz, Jauer, Neisse, Schweidnitz, Frankenstein, Landshut, Löwenberg sind theilweise überschwemmt. In Schweidnitz, Leutmannsdors und im Zackenthale sind Häuser eingerissen. Menschen sind in Jauer und Hermsdorf ertrunken- Die Poft- und Bahnverbindung ist mehrfach unterbrochen. Auf der Strecke Konradsthal-Fell- hammer ist das Geröll 80Ctm. hoch. Die Zackenbrücken sind sämmtlich, die Wetstritz-, Queiß- und Boberbrücken theilweise weggerlssen. Der Schaden ist im Htrschberger Thale doppelt so groß wie 1882. (F. Z.) Frankreich. Versailles, 20. Juni. Bei der heutigen Einweihung des Ballhaus- Saales hielt der Conseilpräsident Ferry eine Rede, in welcher er der Männer des Jahres 1789 und ihrer Werke gedachte und hervorhob, sie hätten Frankreich gelehrt, daß das Recht und nicht die Gewalt triumphire. Ihr Zusammenhalten habe die Bewegung des Jahres 1789 unwiderstehlich gemacht, Frank- reich müsse wie sie einig sein. Ferry theilte schließlich mit, daß er demnächst o”!*1 .oIentwurf vorlegen werde, betr. die Errichtung eines Denkmals im >zayre 1889 zum Andenken an die constituirende Versammlung. Bei dem auf die Einweihung folgenden Banket protestirte Ferry gegen die Gerüchte von Differenzen nn Ministerium, die Angriffe der Gegner der Regierung bewiesen nur, daß die Sachen gut stehen, auch sei der Senat jetzt eine festere Stütze der Republik geworden. Dian müsse die Constitution verbessern aber nicht brechen, zu diesem Zwecke appellire er an das Zusammenhalten aller Republikaner. Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Correspondenr-Birrearr. Berlin, 21. Juni. Das Abgeordnetenhaus nnhm heute § 1 des Gesetzes über Behandlung der Schulversäumnisse an. Abg. Mosler erklärte, das Centrum stimme gegen ein Gesetz, welches den Schulzwang stärke, umsomehr, als demnächst die Uebertragung der Aggression von dem Gebiete der Kirche aus das der Schule zu erwarten sei. Die Berathung wurde bei § 4 abgebrochen. Morgen: Zweite Lesung der Kirchenvorlage. — Der „Reichs-Anz." veröffentlicht das Gesetz über die Krankenkassen für Arbeiter. Berlin, 21. Juni. Nach weiteren heute früh aus den Ueberschwemmungs- Distrikten etngegangenen Nachrichten stehen der südl che Thetl der Stadt Reichenbach, sowie die Dörfer Ernsdorf, Neudorf und Faulbiück unter Wasser, doch fällt dasselbe gegenwärtig. In dem Dorfe Bromberg sind zwei Manschen ertrunken. Der Verkehr auf der Schmiedeberger Zweigbahn ist unterbrochen. — Nach weiteren hier eingegangenen Mittheilungen aus dem Ueberschwemmungs- gebiet hat das Regenwetter aufgehört. Die Oder steigt noch, während die Glatzer Neffse heute stark gefallen ist. Die Ueberschwemmung erstreckt sich auf die Stromgebiete der Glatzer Neisse, des Bober und der Lausitzer Neisse. Die Communicattonen sind vielfach z rstört, die Vermögensbeschädigungen erheblich. Sproltau, 21. Juni. Der Bober ist seit Mittag rapide gewachsen und steigt fortwährend, der Wasserstand beträgt jetzt 12 Fuß. Das Boberthal ist ein wogender See, Fischerwerder steht unter Wasser, bei Oberleschen soll ein Dammbruch erfolgt fein. Feuerwehr und Militär sind zur Rettung der bedrängten Bewohner thät'g. Neisse, 21. Juni. Naclus 12 Uhr brach das Wehr und die Schleuse 1 unter der Wucht der andrängenden Wasserfluth. In einer halben Stunde später war das Wasser um IV2 Meter gestiegen- Die Garnison ist fett Mitternacht an der Arbeit, ebenso die Feuerwehr. Der Damm an der Kaserne 4 wurde gehalten und die Friedrichstadt vor der Ueberschwemmung geschützt. Jetzt fällt das Wasser langsam, seit zwei Stunden ist es um einen Fuß gefallen. Die Noth in einzelnen der überschwemmten Dörfer ist groß. Prag, 21 Juni. Der Wasserstand ist konstant 150 Zentimeter über normal. Die Hochwassergefahr ist gew'chen, das Wetter völlig heiter. Nyiregyhaza, 21. Juni. Tisza-Eszlarer-Proceß. Bei dem Beginn der heutigen Verhandlung verlangte der Vertheidiger Auskunft über das Gerücht, wonach durch Juden ein Versuch gemacht worden wäre, Moritz Schars zu entführen oder durch Dynamit zu tödten. Der Staatsanwalt erwiderte, er habe die Polizei zur Einleitung einer Untersuchung beauftragt. Hierauf verhörte der Staatsanwalt die Mutter Esther's bezüglich der Einzenlheiten des Verschwindens. Wien, 21. Juni. Der „Polit. Corresp." wird aus Innsbruck gemeldet, daß der dortige Gerichtshof sich zu Gunsten der Umwandlung der über Sabadini verhängte Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe ausgesprochen habe. Eine kaiserliche Entscheidung in diesem Sinne sei mit aller Bestimmtheit zu erroar ten. Unsere Sandsleute in Paris. In Betreff unserer Landsleute in Parts geht uns folgendes Schreiben zu: Es wird Ihnen bekannt sein, daß seit Jahrzehnten Tausende von evangelischen Deutschen sich in Paris aufhalten. Im Krtegsjahre vertrieben, sind die meisten früher oder später dahin zmückgekehrt. Hatten sie doch ihre Habe und Geschäft, zum Thetl Familienglieder in der fremden Stadt zurücklassen müssen. Andere werden durch Arbeitslosigkeit uno durch die Noth des Lebens in unsere Stadt geführt. Alle unsere Warnungen, sie zurückzuhalten tn der Heimath, sind vergeblich. Neun Zehntel dieser unserer Landsleute und Glaubensgenossen sind arme Straßenkehrer, Lumpensammler, Fabrikarbeiter, hauptsächlich aus Hessen*) und Bayern gebürtig, die aus den Nahrungs- lorgen nie herauskommen, oder kletne Handwerker, die zum großen Theil entschlich ausgenutzt werden, Dienstboten, Lehrer und Lehrerinnen, junge Kaufleute aus allen Gegenden Deutschlands. Unser Comitö stellt sich die Aufgabe, diesen unfern deutschen Brüdern und Schwestern den Trost des Evangeliums zu bringen, Halt und Stütze tn den vielfachen Versuchungen der Weltstadt zu bieten und sie dem Glauben ihrer Väter zu erhalte», Das Comilö hat zu dem Zwecke angefangen, seine deutschen Glaubensgenossen zu Gemeinden zu sammeln. Im Zentrum der Stadt hat es die Rädemption-Gemeinde gegründet; von ihr aus als Tochtergemeinde die Gemeinde der Vorstadt von La Billette. Die letztere besteht aus circa 3000 armen deutschen Arbeitern. In der ganzen Gl- metnbe haben wir nur drei etwas wohlhabendere Familien, alle andern sind blutarm, haben oft nicht einmal einen Stuhl, ein Belt tn ihrem niedrigen Zimmer, welches für manchmal 6—8 Personen Wohn- und Schlafzimmer, Küche und Keller zugleich ift Für die Kinder dieser armen Leute haben wir auf dem Hügel (La Billette) deutsche Schulen errichtet, die von 360 Kindern besucht werden. E>ne ähnliche Schule in ben IV2 Stunden entfernten Quartier St. Marcel zählt 70 Schüler. Die armen Eltern schicken ihre Kinder trotz der Gefahr, der sie auf den belebten Straßen ausgesetzt sin>, oft 3/4 ja IV2 Stunden weit in unsere Schulen, weil sie fühlen, daß nur diese ih« Kinder der Familie erhalten können, während die Heranwachsenden Kinder ihnen sorst oft schon mit fünfzehn Jahren davonlaufen und ein Leben beginnen in Sünde urd Schande. Unsere Schulen sind deßhalb in hohem Maße nicht nur Bildungs- und Erziehungs-Anstalten, sondern auch Bewahr-Anstalten für die Familie, für die evangi- lische Kirche. Für die jungen deutschen Männer, Kaufleute und Handwerker, ist seit dm Jahre 1879 eine wohleingerichtete Herberge zur Heimath mit vorläufig 30 Betten gi- schaffen, die stets überfüllt ift. Von den Anschaffungkosten her lastet aber noch ein Deficit von 3500 Frcs. auf uns. Eine ähnliche Anstalt möchten wir für die alle Jahre zu Hunderten nach Paris strömenden jungen Mädchen gründen. In den kleinen Hotels, die zum Theil wah« Lasterhöhlen sind, gehen unzählige zu Grunde. Wir halten es für unsere, für dis evangelischen Deutschlands Pflicht, ihnen ein sicheres Unterkommen und mit ihm guten Rath und Unterweisung zu schaffen. Mit dieser Mägdeherberge wünschen wir ein Heim für deutsche Erzieherinnen, von denen sich alljährlich gegen 600 in Parts aufhaltm mögen, zu verbinden. Die Engländer haben hier zwei solche Anstalten, wir Deutsche feine. Ein Eapital von 26,000 Frcs. ist von uns für diese Zwecke gesammelt, aber mindestens 100,000 Frcs. sind uns nöthig für den Bau dieser Doppelanstalt. Ebenso bedürfen mir der Unterstützung für unsere armen Arbettergemeinden und unsere Armenschulen. Fonds haben wir gar nicht, Staatszuschuß für unsere Kirchen und Gemeinden nicht einen Centime, für unsere Schulen durch die Gnade unseres Kaisers und des Grotzherz'ogs von Hessen 5000 Frcs. Aber wir haben für die Schulen allein circa 12,000 Frcs. nöthig, von dem Gehalt unserer Geistlichen und sonstigen Kirchendiener, das wir vollständig aufbringen müssen, gar nicht zu reden. Dem gegenüber fehlt es hier nicht an Opferwill^gkeit. Für unsere Kirchen und Schulen sind im letzten Jahre in Paris über 12,000 Frcs. aufgebracht worben; für kirchliÜt Armenpflege außerbem ca. 3000 Frcs. Aber von den verhältnißmäßig wenigen wohlhabenden evangelischen Deutschen m hiesiger Stadt allein kann nicht alles geschehen. Wir müssen die Hülfe der Heimath in Anspruch nehmen, bitten einen Jeden, der ein Herz hat für seine Brüder im fremden Lande, helft uns an unserem Werk, helft uns, baß Diejenigen, die nicht Fremde, *) Bet Weitem die meisten kommen au8 dem Kreise Gießen. ,rt <*&» Das -lat Ache d. S' Till Pastor psst Gießen, 2 'Turnfeit m Samstag den dm AhnM. « ft»'’ KuchÄM d-r j llhr SeflrUBung i SonM den ankommenden Turn 2 Uhr Abmarsch d« Klelübunzen, Tmnc auf dem Mplatz u der Gesangvereine 1 Festplatz. Montag den Preisgerichts- 7 U Mergesellschast an /Mr gelösten Eintv wahrend des Pre c- Mhalle, 2 Mark p feierliche Preisoerlh belustigung. Dienstag den 11 Uhr Concen und iiirnfpiele, Schauli Tanz und Volksbeü Fahrpreiserm Mwigsbahn-Geieü Mrksahrt dis 17. Murbillete vom flehenden Bahnen Preisermäßigung. Gießen, 2 Herr K. Demut! dem er vorher fd)i hatte. Wahrend I dem aufopfernden Vereins verdanken turnen ftM mit 6, W her Mbaun und feiner Umfidjt Aste seines 1. ti Mise gedacht und buch ein Banket tr * üeiifc» xvsmustkdlrertor H Wien gegebene Q Mes. Auch aw ,y Meiche Lie IMnen Genust. das Een. Daneb.'n r Außerordentliches chs. Ungewöhnlich ^nger, dieses so "Ä M " Rt ftraft J ftifrr b * Yi " $a -2 § 0) § 1 beä g(, b'-°dttkirch^- 161S 4 abgebrM :r ^ranfenfajiai ^^^metnmunsi; ier Tn? doch W dgssF fünfen. Der Vklch m ^^erf^inemiiiuiini; während die ' nui die Stromgeb!,!! wmunlcationtn fioi { Machsm und sich! -rtha^ ist ein wograto Umbruch erfolg, hner that'g. ib die Schleuse 1M stunde spater wat M Urnacht an der Ml, zrhalten und die Fiied- asier langsam, seit M m der übnschmmM ■.ntimettr über normal. 4 Zei dem Beginn . skunjl über bas $= M, Moch Schars ianmalt erwiderte, er ; rtragl Hieraus ver- ' Der Einzenlheiten des aus Innsbruck ge- mwandlung der über ausgesprochen habe, lüer Wumtheit zu § Schreiben zn: ibe von evantziuMW inb die mchen W b GeschW, M M Andere werden burfi lpM. M-"A e3lmn W'1* febrer, Lumpensawmm, xiiauSb-nW1 , ‘ g*k 111 ■nÄfüf m niirtD " lr haben j "M dmllcht» 8rib"«M; glüh m d!" J > )laub(n81*i,|Jt 8013 beg'nneri os nfi" ^anrilie, I * 7„”S«w* NW rSäfe Jnfi^ id””1 Indern @uer Fleisch und Blut sind, ihrem Glauben und deutscher »jucht und Sitte erhalten bleiben.^ b£|g #nf ber H„berge lastet, hat unsere Kirchen- und Schul- fn«ß ein solches von 14,000 Frcs, das trotz unserer eigenen Anstrengungen in diesem Jahre wachsen muß, wenn uns nickt von Deutschland her kräftig unter die Arme gegriffen wird. 1883 Da?^Comitö Ker deutschen (Gemeinden A. C. der Redemption und La Billette zu Paris. Frtstus, Pastor, 171, Faubourg-Poissonnibre. Klattenhofs, Kaufmann (Secretär), 8, rue de Braque. Scheumann, Pclzhändtt'r. v. Sey blitz, Pfarrvikar in La Billette. Tillmanns, Kaufmann. L el Pastor Fristus wird nächsten Sonntag in der hiesigen Stadtktrche predigen und in einer freien Versammlung am Abend wettere Mttchetlungen machen. Bet beiden Anlässen ist Denen, welche zur Unterstützung dieses patriotischen Werkes etwas deizutragen wünschen, Gelegenheit dazu gegeben. __________ Lokales. Gießen, 22. Juni. Der Fest-Ausschuß für das 14. Mitt elrHeinische Turnfest in Gießen hat an die Kretsoeretne nachfolgendes Programm versendet: Samstag den 14. Juli: Vormittags 11-12 Uhr Empfang der Vertreter an den Bahnhöfen. Nachm ttags 1^,2 Uhr Sitzung des Kreisausschusses; 2^2 Uhr Turntag ; von 4Vz Uhr an Wahl und Sttzuna der Pre^ger.chts, Sitzung der Commtsstoa zur Beurthetlung der Mujlerriegen. (Sämmtliche Sitzungen in Wenzel's Garten ) Abends 8 Uhr Begrüßung der Gäste und Concert in der Festhalle. Sonntag den 15. Juli: Vormittags 6 Uhr Weckruf. 8-12 Uhr Empfang der ankommenden Turner. Nachmittags 1V2 Uhr Aufstellung des Festzuges am Waltthor. 2 Uhr Abmarsch des Festzuges. Nach Eintreffen desselben auf dem Festplatz: Festrede, Freiübungen, Turnen der Musterriegen, Schauturnen. Während des Turnens Concert auf dem Festplatz und in der Festhalle. Abends von 7 Uhr ab: Großes Concert der Gesangvereine in der Festhalle, Tanzvergnügen und Volksbelustigung auf dem den 16. Juli: Vormittags 6 Uhr Weckruf. 6V2 Uhr Sitzung des Preisgerichts. 7 Uhr Beginn des Pretsturnens. 91/2 Uhr'Auffahrtder-Gießener Rudergesellschaft an deren Bootsplatz, auf der Lahn, tn nächster Nahe des Festplatzes. (Alle gelösten Eintrittskarten zum Fest berechtigen zum freien Eintritt hierzu.) Concerte während des Preisturnens und der Auffahrt. Nachmittags 1 Uhr Festeff en in der Festhalle, 2 Mark per Gedeck. 4 Uhr Schauturnen und Schaufechten. Abends 7 Uhr feierliche Pretsverthetlung. Nachmittags und Abends Concert, Tanz und Volks- belustigung bgn 17 Vormittags 7 Uhr Ausflug nach der Burgruine Gleiberg. 11 Uhr Concert und Frühschoppen in der Festhalle. Nachmittags 3 Uhr Schülerturnen, Turnspiele, Schauturnen und Concert auf dem Festplatz. Abends 7 Uhr Concert, Tanz und Volksbelustigung- , rrip, ... - crc. Fahrpreisermäßigungen: Die Oberhessischen Eisenbahnen und die Hessische Ludwigsbahn-Gesellsckaft gewähren den mit Festkarten versehenen Turnern freie Rückfahrt bis 17 Juli, die Direction der Matn-Neckar-Bahn Verlängerung der Retourbtllete vom 12. bis 19. Juli. Auf den unter preußischer Staatsverwaltung stehenden Bahnen genießen 30 und mehr zusammen reisende Personen 50pCt. Fahrpreisermäßigung. Gießen, 22. Juni. Wie wir hören, waren es am 20. d. M. 10 Jahre, daß Herr K. Demuth als 1. Turnwart des hiesigen Turnvereins gewählt wurde, nachdem er vorher schon einige Jahre als 1. Schrtftwart dem Vorstand desselben angehort hatte Während dieser 10 Jahre hat er sich ununterbrochen mit ungewöhnlichem Eifer dem aufopfernden Amte eines 1. Turnwarts gewidmet. Die activen Turner des Vereins verdanken ihm sämmtlich ihre turnerische Ausbildung und n):nn sie bei Preiskurven stets mit den ersten Preisen bedacht werden, so haben sie dies nicht zum geringsten Thetl der Ausdauer ihres Turnwarts, die ihn Tag für Tag auf den Turnplatz führt, und seiner Umsicht im Unterweisen zuzuschreiben. Der Verein hat denn auch der Verdienste seines 1. Turnwarts gelegentlich seiner 10jährigen Wirksamkeit tn würdiger Weise gedockt und wird dieselbe außerdem Samstag den 23. d. M., Abends 8 Uhr, durch ein Banket im Restaurant Schnell feiern. —k- ** (Bilse-Concert.j Das am Mittwoch und Donnerstag vom König!, ^ofmusikdtrector Herrn B. Btlse mit seinem Virtuosen-Orchester im Wenzcl'schen Garten gegebene Concert erfreute sich einer glänzenden Aufnahme und zahlreichen Besuches. Auch aus dm Nachbarorten hatte das vorzügliche Renomm^ der Btlse'schen Musik zahlreiche Liebhaber herbeigelockt, welche sich diesen für eine Provinzialstadt so seltenen Genuß, das Orchester dieses weltberühmten Meisters za. hören, nickt versagen wollten. Daneben versprach auch das sehr geschmackvoll zusammengestellte Programm Außerordentliches. Und man hatte sich nicht getäuscht, wenn man etwas Außerordentliches, Ungewöhnliches erwartete. Diese Präcision, dieser gleichmäßig elegante Strich der Geiger, dieses sorgfältige Ensemblespiel der verschiedensten Instrumente, die bald donnerartig gewaltig brausten, bald wie Blitze zischten, bald wie Zephyrgeflüster im zartesten Ptanissimo säuselten, dies Leben, welches jeden einzelnen Künstler beseelte, seine ganze Kraft zum schönen Gelingen des Ganzen daran zu setzen — alles dies schien uns in seiner Weise neu, meisterhaft und unübertrefflich. Es ist tn der That bewundernswerth, was dieses Olch.fter von einigen 60 Mann an physischer Machtwtrkung und im Ensemblespiel leistet, bis zu welcher Höhe etn- müthtgen und beseelten Vortrags es durch die Kunst und die Begeisterung seines Führers emporgehoben ist. Nur technische Meisterschaft und grenzenlose Hingabe an die Sache auf Seiten des Leiters vermochte die Kräfte und Fähigkeiten eines so vielgestaltigen Körpers bis zu dem Grade zu schärfen und zu stählen, daß seine Lebensäußerungen an Macht und Bedeutung die vielen Rivalen wett übertreffen. Der erste Thetl des Mtttwoch-Concertes begann mit der Ouvertüre zu Tannhäuser, die wir in dieser Reinheit und Vollendung noch nicht gehört haben. Das Vorspiel zu dem Bühnenweihfestsptel „Parstfal" wurde hinreißend schön vorgetragen. Man mag über Wagnerische Musik, seine Dissonanzen, den Mangel an faßbaren Melodien denken, wie man will, dem etgenthümlichen Zauber dieses Stückes wird sich gewiß Niemand haben entziehen können. Die langgezogenen Töne der Hörner und Posaunen klangen durch das Spiel wie Orgclton und Glockenklang und hoben das Herz zu weihevoll andächtiger Stimmung. Unter den anderen P bcen heben wir besonders hervor: Die herrliche Ouvertüre zu „Oberon" von C. M. v. Weber, welche das Orchester in seiner ganzen Kraft und Künstlerschaft zeigte. — Wenn auch die Ouvertüre zur Oper „Wilhelm Tell" schon bet gewöhnlichem Vortrage einen Erfolg zu erzielen pflegt, wie viel mehr mußte dies hier der Fall sein, wo d'.e Tonmalerei des Kuhreigens, der Schalmei, der Lawine rc-, Künftlerhänden anvertraut war. Die Schlußpldce des 2. Theils, Ungarische Rhapsodie von Franz Liszt war besonders in ihren letzten Theilen, wo die Geigen zum Ausdruck der höchsten Lust fieberhaft durcheinanderschwtrrten und sich dann zu schöner Harmonie wieder zusammenfanden, ganz dazu angethan, die Sehnsucht nach dem öfteren Genüsse eines solchen Concertes tn uns wach zu rufen- Der zweite Abend wurde mit einer — für uns wenigstens — neuen Nummer der „Akademischen Fest-Ouverture" von Joh. Brahms eröffnet. Die „akademische Feft-Ouverture" muß jeden Freund fröhlicher Studentenzeit wie der reminiscenzenreiche Rückblick eines wohl ernst gewordenen, aber noch gern von der alten Bmschenherrlich- kett träumenden Mannes anmuthen. Fast grämlich klingt der Anfang, doch als Helle Trompetenklänge anheben: „Ich hab' mich ergeben mit Herz und mit Hand", da verschwinden die Falten von der Stirn, farbenreiche Bilder thun sich auf, Einnerungswonne und Sehnsucht ziehen (mit dem reizend eingefügten Fragment aus dem Landesoater) wie Sonnenstrahlen und leichte Wolken darüber hin; auch der lachende Humor will sein Recht geltend machen: „Was kommt dort von der Höh'" erscheint in der interessantesten Metamorphose und nach manchen ernst gedankenvollen oder stillseligen Zwtschenbetrachtungen bricht alles Hin- und Herwogen der Stimmung unaufhaltsam aus in ein kräftiges, geradezu imposant wirkendes „Gaudeamus". Von Anfang an im höchsten Grade gefesselt, sind wir am Schluß überzeugt und gewonnen und stimmen von Herzen in diesen Jubel mit ein. Unter den Virtuosen waren es besonders Herr Charles Mol6, Herr Concert- meister Johan Smit und Herr Eugöne Baudot, die glänzende Proben ihrer Künstlerschaft ablegten und deren unübertrefflichen Leistungen stürmischen Beifall fanden. Der erstere begeisterte namentlich das Auditorium durch den Vortrag des Carneyal von Venedig, Jntroduction und Variationen für Flöte. Herrn Johan Sm t's Spiel ist seelenvoll, fein nuancirt und doch so kräftig, daß es die begleitenden Geigen stets domtntrt. — Am Mittwoch Vormittag brachte unsere Regimentsmusik Herrn Hof-Musikdirektor Bilse ein Ständch n. Herr Btlse sprach hierbei sich sehr lobend und anerkennend über das Spiel unserer Regimentskapelle aus, welches Lob aus einem so gewichtigen Munde unserer Kapelle zur Genugthuung und weiterer Anetferung dienen kann. — Witterungskunde/) 23. Juni. Frühmorgens schön die Nebel zertheilen sich, doch tritt Vormittags und Nachmittags Bedeckung bis zu Haufenschtchtwolken ein; spätnachmittags heitert sich der Himmel auf, der Abend wird besser, während in der Nacht Gewitter drohen. Im Allgemeinen dürfte sich das im Norden mehr heitere und warme Wetter immer mehr nach Süden ausdehnen. Am Fuß der Alpen und im südemopäischen Gebiete sind indessen noch Niederschläge zu erwarten. 24. Juni. Die Wetterlage ist im Allgemeinen veränderlich mit Neigung zu Gewittern Mittags und Nachts. Nach Westen und Nordwesten sind die Morgen zunehmend schön und warm, im Binn nlande vielfach heiter, auf Mittag zu namentlich >m Südnesttn und Osten Schleier- bis Haufenwolken; Nachmittags ist es aufgehellt bis heiter, dann gewttterhaft. Abends schön- 25. Juni. Im Binnenlande sind die Morgen sommerlich schön, auf Mittag zu rückt cirröse bis cumulöse Bedeckung herauf, die Nachmittags strichweise sich aufbessert, dann aber wieder gewttterhaft zuntmmt Die Abende sind wohl besser, wenn nicht durch die gewitterhaften Nieverschläge die Temperatur zu sehr herabgeht und dadurch Bewölkung emtritt. Frankreich und wohl noch mchr Britann'en hat bet abnehmender Temperatur Trübung mit Regen. Im Osten und Südosten ist es noch ziemlich heiter. *) Aus Dr. ß. Overzier's Wetter-Prognose für den Monat Juni, abgeschlossen am 15. Mai (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 ^ Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mrttag 4 Uhr, Samstag Abend 910 Uhr. Am 22. Sunt, Mittag« Msch^n^»^2 Uhr: + 1Rüb^lncn. 11ÜLIUS BESSEY | DE LINCK'S s i SCHUTZMARKE in und Materialwaaren-Handlungen 3631 I STUTTGART. | Vertreter der Fabrik: Herren Gebr. Hanstein in Giessen. Schram’sche Reis-Stärke, feinste Qualität, zu haben in jeder größeren Colonial-, Material-. 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Gestern Abend 5^4 Uhr verschied nach kurzem aber schwerem Leiden im Alter von 56 Jahren unser innigstgeliebter Gatte, Vater und Bruder Herr Christian Georg. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 22. Juni 1883. Die Beerdigung findet Samstag Nachmittag um 5 Uhr vom Sterbehause (Seltersweg) aus statt. 4307 Freitag den 29.1 Mts, Vormittags 12 Uhr, wird behufs Aufführung von Staudämmen auf den städtischen Wiesen hinter den Eichgärten eine zu 832 JL veranschlagte Erd- und Planir- arbeit vergeben, wofür Voranschlag und Accordbedingungen bei dem Unterzeichneten einzusehen und auch die Offerten bei demselben einzureichen sind. Gießen, den 22. Juni 1883. Im Auftrag des Gießener Eisvereins: Stief, Stadtbaumeister. 4309 Verantwortliche Redaction: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brüh l'kchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Bekanntmachung. Bei der Stadt Gießen sind zwei zweirädrige einspännig zu fahrende, noch in brauchbarem Zustande befindliche Gießfässer von 1400 und 1200 Liter Inhalt in Folge Anschaffung zweier Gießfässer von größerem Inhalt billig zu kaufen. Gießen, den 20. Juni 1883. Ein Haus mit Nebengebäuden und kleinem Garten in guter Lage der Stadt ist unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Näheres bei Wilh. Krämer. 4295 Mittel zum Auffrischen von Linoleum empfiehlt 4203 JErnst Btöclner. Vogelsberger Hohen Club. Sonntag den I. Juli: Hauptausslug aus Den Hoherodslrops. n ..Abfahrt: Samstag den 30. Juni 12'* (über Nidda) nach SchEen Zuruckkunft (über Ulrichstein-Mücke): Sonntag Abend 10 Uhr. 4305 o . Bei ungünstiger Witterung findet der Ausflug Sonntag den Jull statt. ____________________________ Der Vorstand. lieber die Lage unserer Landsleute in Paris wird Pastor Frisius von der deutschen evangelischen Gemeinde in Varis Sonntag den 24. Juni, Abends 8 Uhr in Wenzels Garten (Saalbau) Mrttheilungen machen. Die Bewohner von Stadt und Land welche sich dafür interessiren, besonders auch die Behörden, welche auf die Auswanderung Einfluß haben, werden dazu herzlich eingeladen. Samstag den 23. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, werden in der F l e t t ’ schen Hofraithe dahier versteigert: 4 Sophas, 4 Commoden, 3 Tische, 5 Kleiderschränke, 2 Nähmaschinen, 1 Dreschmaschine mit Locomobile, und 1 Flügel, und auf meiner Amtsstube eine Quantität Leim. Gießen, den 21. Juni 1883. 20-Francs-Stücke . . . do. in 1/2 . Englische Souvereigns Russische Imperiales . . Ducaten ...... Dollars in Gold . . . OlmhesMe EiseMlMu. Die Ausführung eines Anbaues an dem Güterschuppen im hiesigen Bahnhof soll durch Submission vergeben werden. Die Bedingungen, Pläne und der Kostenanschlag sind im Verwaltungsgebäude, Zimmer Nr. 6, ausgelegt. Der Termin zur Abgabe von Offerten ist auf den 30. ds- Mts. festgesetzt. Dieselben sind spätestens bis 6 Uhr Abends des genannten Tages an die Adresse des Unterzeichneten, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, einzusenden. Gießen, den 20. Juni 1883. g. A. - _____________Schlosser, Pfarrer. 4229 Eine gesunde Amme sucht auf sogleich Stelle. Näheres bei der Exped. ds. Bl. 4303 Einen guten Arbeiter sucht Th. Schneider, Schuhmachermeister. Heugrasoerfleigerung. Mittwoch den 27. Juni er. lasse ich das Heugras meiner Wiesen, ca. 16 Morgen, öffentlich versteigern. Anfang Vormittags 9 Uhr in der Thurmwiese. 4296 H. W- Moll, Mendorf a. Lda. Arbeitsvergebung. Dienstag den 26. ds. Mts., Nachmittags 2 Uhr, soll in dem Gemeindehaus zu Garbenteich Pflasterarbeit, veranschlagt zu 336 Jt, durch öffentliche Versteigerung in Accord gegeben werden. Gießen, den 22. Juni 1883. Aeilgeöotenes. Einen gut erhaltenen Emmerich er Patent-Kugel-Kaffeebrenner (Inhalt 20 Pfund) hat billig abzugeben 4250 Robert Stuhl, Neustadt 23. 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