1888 Freitag den 22. Juni Nr. Hl irchemr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint täglich mit Ausnahme des MsntagS. inen Bureaut Schulstraße 7. Urnen Due ^ar/ölui-g nur 9 Jt 60 mb die Gewinne ntliche Ziehungs- Imers, elgien). »richt, oder den PreiS vierkykhrlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlchn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pf. mungsorte anlangen. In England läßt die furchtbare Unglücksbotschast aus der Stadt Sunderland selbst den Streit um die politischen Tagessragen momentan verstummen. In Bern ist am Montag die neue Session der schweizerischen Bundesversammlung eröffnet worden. Zum Präsidenten des Nationalrathes wurde Kaiser (radikal) und zum Präsidenten des Ständerathes Hauser (radikal) gewählt. Die rumänische Regierung kann sich mit den Beschlüssen der Londoner Donau-Conserenz, die bekanntlich keineswegs den Wünschen Rumäniens ireter: "stcinlage 28. iebtr Buchhandlung ilfrt entsprechen, noch immer nicht zufrieden geben. Erst kürzlich hat Herr Liteano, der Vertreter Rumäniens in Berlin, den Versuch gemacht, Deutschland zu einer Action gegen die Beschlüsse der Londoner Conferenz zu veranlassen. Gutem Vernehmen nach ist inoessen Herrn Liteano hierbei vom Fürsten Bismarck der deutliche Bescheid geworden, daß sich die Signatarmächte der Londoner Donau-Conferenz in keine neue Discussion über ihre Beschlüsse einlassen könnten. Ob sich Rumänien mit dieser Zurechtweisung begnügen wird, ist jedoch noch fraglich. _ L r , In Süd-Afrika wollen die Wirren kem Ende nehmen. Wie dem „Reuter'schen Bureau" aus Durban, dervHauptstadt der Transvaal-Republik, gemeldet wird, hat eine beträchtliche Anzahl Basutos einen Einfall m das Transvaal-Gebiet gemacht. Natürlich werden die Boers sich ihrer Haut wehren und den Basutos auf deren Gebiet vielleicht einen Vergeltungszug abstatten, was wiederum für die Engländer eine günstige Gelegenheit wäre, in ihrer bekannten Manier zu „irrcerveniren." __________________ M, 19x18,000, W' 89x10,000, M00,50x1600 X), 118 x 800, ■minnc von 350, 5- Der kleinste tatUt) betz Bring vrchnbe V . al« i"81 S(.ibe!v >OSE gesogen Politische Ueberfkcht. Gissten, 21. Juni. Stuf dem Gebiete der Innern wie der hohen Politik macht sich eine qewisse Debe, ein Mangel an hervorragenderen Ereignissen immer fühlbarer und wenn dies auch vom allgemein menschlichen Standpunkte aus gerade nicht zu beklagen ist, so eröffnet dieser Umstand doch für die journaüstlsche Sommer-Campagne keine allzugünstigen Aussichten. Für die nächsten Wochen werden uns indessen die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses, welches heute, Donnerstag den 21. d. Mts., nach zehntägiger Pause wieder Zusammentritt, wohl noch über die sommerliche Verlegenheit hinweghelfen, namentlich sieht man der für Ende dieser Woche in Aussicht stehenden Fortsetzung der kirchenpolitischen Debatte mit Spannung entgegen. Sonderliche Ueberraschunqen wird dieselbe aber schwerlich bringen; man wird vielleicht noch einige mehr ober minder höfliche Redensarten austauschen, Dieses und ^eneS noch einmal berühren, im Ganzen jedoch wird das Haus voraussichtlich der kirchenpolitischen Vorlage in der Fassung der Commission zustimmen. Bekanntlich ist von derselben Art. 4, welcher eine neue Regelung des Einspruchsrechtes gegen diejenigen Geistlichen enthielt, bei welchen die Anzeigepflicht noch festge- halten werden soll, gänzlich beseitigt worden, ebenso Art. 2, welcher die Verweser eines Pfarramtes von der in Art. 1 ausgesprochenen Aufhebung der Ameiaepflicht ausnimmt; dafür ist bei Art. 1 ein bezüglicher Zusatz ausgenommen worden. Außerdem hat auch Art. 5 einen Zusatz erhalten, nach welchem den staatlich anerkannten Bischöfen in erledigten Diöcesen die Vornahme von Weihhandlungen gestattet ist. In dieser Fassung hat die Commisflou der Vorlage mit 13 Stummen — Centrum, Conservative, Fortschritt — gegen 8 Stimmen — Freiconservative, Nationalliberale, Secessionisten — zugestimmt und es ist nicht anzunehmen, daß bei der definitiven Abstimmung im Plenum das Stimmenverhältniß sich wesentlich verschieben wird. Die von Berlin aus angeordnete Zurücknahme der auf die deutsche Unterrichtssprache bezüglichen Verfügungen der Posener Negierung soll auf die deutsche Bevölkerung in der Provinz Posen einen sehr verstimmenden Eindruck gemacht haben. Durch den betr. Erlaß des Cultutzministers wird die Ertheilung des Religionsunterrichtes in polnischer Sprache an die Kinder polnischer Zunge, soweit es sich um die Volksschulen handelt , wieder gestattet und glaubt man vielfach, daß dies nur ein Vorläufer zu weiteren Concesfionen an die Polen sei. Es heißt, daß der Oberpräsident von Posen, v. Günther, in Folge dieses Ministerial-Erlaffes seine Entlassung eingereicht habe. lieber die in Berlin erfolgte Verhaftung des in Dresden lebenden greisen polnischen Dichters Kraszewski, welche so viel Aussehen erregt, liegen noch immer keine definitiv aufklärenden Mittheilungen vor. Von Berlin aus ist Kraszewski nach Dresden transportirt worden, wo er sich gegenwärtig in Untersuchungshaft befindet. Zugleich wurden in Dresden drei mit Kraszewski befreundete polnische Schriftsteller verhaftet, von denen jedoch eurer, Konopacki, bereits wieder entlassen worden ist. , Anläßlich des Todestages Garibaldi's hat nun auch m der französischen Hauptstadt nachträglich eine Garibaldi-Feier, und zwar am Sonntage, stattgefunden. Dieselbe sollte zu einer großen politischen Demonstration, zu einem Verbrüderungssest zwischen der französischen und italienischen Nation aufgebauscht werden, glich aber bei Weitem mehr einer wahren Komödie. Die Theilnehmer, deren Zahl sich auf ca. 1500 belief, setzten sich zusammen aus französischen Radikalen, italienischen Irredentisten, verschiedenen Deputationen der „Freidenker-Gesellschaften" u. s. w. Den Vorsitz führte Delattre, MckgUed der äußersten Linken; die Redner hielten mehr oder weniger begeisterte Reden , m denen von der Verbrüderung der Franzosen und Italiener, der Tripel-Allianz, der Revanche Frankreichs gegen Deutschland und andern Dingen die Rede war, die selbstverständlich mit frenetischem Beifall ausgenommen wurden. Der Schrift- steller Raquoni ging in feinem Enthusiasmus sogar so weit, den Franzosen 100,000 Rothhemden (Freischärler) zur Wiedereroberung von Elsaß-Lothringen zu versprechen, was begreiflicher Weise ebenfalls stürmische Zustimmung sand. «Qm Uebrigen verlief die Feier ohne störende Zwischenfälle, einige „zweideutige Elemente, welche verschiedene Male versuchten, einen Scandal herbeizusühren, wurden glücklich zur Ruhe gebaacht. — Der in letzter Zeit mehrfach genannte Marquis Tseng, der chinesische Gesandte in Paris, ist am Montag von Petersburg nach Paris zurückgekehrt und hat seine Funktionen wieder übernommen. Man schließt hieraus wohl mit Recht, daß ein Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und China in nächster Zeit wenigstens nicht bevorsteht. Dem „Temps" zufolge wird das aus 3500 Mann französischer Truppen, ungerechnet die Landungs-Compagnien, und 1000 anamatischen Tirailleurs bestehende Expeditions-Corps für Tongking in ca. 14 Tagen an seinem Bestim- ub PläiitN- in |tlangf|L dkr unb bi, et.. ÄKS n unb neu M. Me Bebimng M qmgsvoll J SolW,u ,. Werkes „ba!t gf V Elsens Aug- Axs Darmstadt, 19. Juni. Der Verwaltungsrath der hessischen Ludwlgseiscnbahn- Gesellschast hat an die erste Kammer der hessischen Stände eine Vorstellung gerichtet, we che auf eine eingehend motivtrte Bitte um Ablehnung der von der zweiten Kammer beschlossenen Heranziehung der Actrengesellschaften zur Einkommensteuer hinauslauft. Aus dem ziemlich umfangreichen Actenstück heben wrr zunächst die Bemerttmg heraus, daß bei den Verhandlungen dec zweiten Kammer dre Kenntniß der thatsachlichen^Verhältnisse, wenigstens soweit die Ludwlgsbahn in Frage komme,, nicht in der wünschens- werthen Weise vorgeherrscht habe" Zunächst wirb gegen die viel ach verbre tete Ansicht, daß die Erträgnisse der Actiengesellschaften überhaupt nicht Einkommensteuer heran- grroaen würden, constatirt, daß ein solches Heranziehen allerdings der Fall fei und zwar tn bem Momente, wo diese Erträgnisse zum Einkommen einer consumirenden Persönlichkeit werden; die Aktiengesellschaft entwickele als solche keine conlumtrende, sondern lediglich eine produktive Thättgkett, sie könne deßhalb nur /u den aus der Produktion lastenden Steuern herangezogen werden. Im Uebrigen würden die ^ch ungetheilten Dividenden, durch die progressiv schwerere Belastung der höheren Einkommen, scharfer aetroffcn. als wenn sie nach der Vertheilung von jedem einzelnen Action ar.versteuert würden? was noch überdies für den ausländischen Acttonar einer hessischen Gesellschaft 6u einer Doppelbesteuerung führen und somit das ausländische Gew von der Capital- Anloge in Hessen abschrecken werde. Außer diesen prlncipullen Bedenken gegen dre Heranziehung der Aktiengesellschaften als solcher zur Einkommensteuer werden ferner noch eine Reihe besonderer Gründe gegen diese Besteuerung hlnstchtlrch der Eisenbärten und spectell der hessischen Ludwtgsbahn geltend gemacht- Eine ®l^/nnbap.n'®^,e?J*Q unterscheide sich von jeder freien Erwerbsgesellschaft dadurch, daß für Thättgkett ganz andere, den Capitalismus beschränkende Normen gezogen seien; in Wirklichkert erfülle die Eisenbahn-Gesellschaft nur eine, ihr von dem Staate übertragene, im öffentlichen Interesse liegende Aufgabe und zwar genau nach denselben Maximen und Gc- seüen welche auch für den Staatsbetrieb maßgebend seien. Es wird dann dargelegt, n wie hohem Maße die Ludwigsbahn, selbst unter ^intanfe6un0 ber effientl^en Erwerbsintenffen jener Aufgabe gedient habe; die Regierung selbst habe den Zuschuß, Sn "te neben d'm Staatszuschuß für die garanttrten Strecken zu leisten habe, m ihrer Vorlage zur Secundarbahnsrage auf ca. 710,000 beziffert Alsdann wird aus dem Wortlaute der Concessronsurkunde dargelegt, daß es hhdirt fraalid) erschiene ob ein solches Novum in der Besteuerung der hessischen ßub? wiZbaM Zulässig sei und ,schließlich durch vergleichende Statistik der Nachweis zu führen gesucht, daß die hessische Ludwlgsbahn sch^n letzt hoherbesteuert^W al* iebe anbere ^enbabn von gleichen procentualen Steuerertragnts en. Soweit wir unterrichtet sind, herrscht in der ersten Kammer wenig Neigung, den Beschluß der zweiten Kammer durch ihre Abstlmmung gutzuheißen. d Berlin, 18 Juni. Unser allen humanen Bestrebungen tn so hohem Grade zu- aänalickes Zeitalter hat auch die öffentliche Krankenpflege bis zu einem früheren Generationen unbekannten Maße sowohl der Leistungsfähigkeit als auch der effcktiven Pe tunaen aeförbeTt Mehr und mehr strebt die Tendenz der Gegenwart dahin die srüber sast ausschließlich in Betracht kommende Privatkrankenpflege emzuschranken, n°m nt ch wo es die Behandlung wirklich schwerer Lechen gilt- Mehr uno mehr «g Fall'VichwDskd-rBchm^an^ än d-rmtig großer, daß die oorhandenen Kräsle nicht «usreich-n, allen °n sie h-ran^ tretenden Ansorderungen im uotlen Umfaitfl /°st^,nn-roalv des großen Kräfte dringend wünschenswerth erscheint. Andrers l Institution und der !!W ÄS »MTB ä«" - * «■ verheiraihen sollten — verbürgt wird. ba§ Augenmerk allgemeiner, als Vorstehende Ausführungen^ verfolgen Z ^otöen Kreuzes wirkenden bislang geschehen, auf die unter dem Z -u g(bt uns ein Aufruf des Krankenpflegerinnen-Vereine hlurulenkem wofelbfi tn den nächsten Monaten Krankenpflegermnen-Jnstituts tn f § @r[etnung der Krankenpflege bevor- die Eröffnung eines neuen, h Attisch en Cur sus^ gmeigt sein sollten, steht. Jungfrauen oder Wittwen. w lch oa^^^^ ^chs gebeten. Anwartschaft werden um Einsendung etneö beaü0l UO Persönlichkeiten, welche von kräftiger auf Berücksichtigung haben lndeß nur )oi überschritten haben, Ausweise über SSX. s 5ÄÄ <•»>• ■» iw*" Krankenpflegerinnen-Personals ist für §er Bekanntmachung des Frankfurter sanitärer Hinsicht zu wichtig, als b^man bU möglichst größte PublicitSt und° Mrkung"wünschcn^sollte. Mächten diese Zeilen zur Verwirklichung des Wunsches beitragen Heisern Die Totalsumme der beim Reichstage eingegangenen i Gelder für "e Ueberschwemmten erreichte, wie der Präsident bei Schluß der und Civilbeamten ist hier eingetroffen ist die Bahnstrecke Der Bober ist bei herbeisühren. Fulda, 20. Juni. Der Cultusminister v. Goßler und hat dem Bischof einen Besuch abgestattet. Breslau, 20. Juni. In Folge des Hochwassers Konradsthal - Fellhammer - Königszelt - Striegau unfahrbar. Session mittheilte, die Höhe von 1,692,464 wovon allein aus den Vereinigten Staaten 1,461,599, aus Deutschland 86,681, aus der Schweiz 22,947, aus Luxemburg 21,450, aus Brasilien 19,051, aus Peru 10,573, aus der Türkei 10,230 u. s. w., die germgsten Beträge kamen aus Frankreich, 243, und aus Oesterreich, 38 ^(!). Bis auf 58,204 JL ist die ganze Summe verthellt, und zwar an Bayern 583,230 (darunter Donaugebiet 96,160, Unterfranken 206,080 und bayerische Pfalz 278,990), an Elsaß-Lothringen 53,759, au Hessen-Darmstadt 326,750, an Baden 197,280, Regierungsbezirk Wiesbaden 46,105, Rheinprovinz 225,420, außerdem Eifelgebiet 100,000, Württemberg 59,140, Kreis Gersfeld (Hessen-Nassau) 1000, Tyrol 1430 und für die Weichsel-Uberschwemmten 40,000 Vermischte-. Mainz, 16. Juni. Gestern Abend entstand in der vorderen Präscnzgaffe ein kleiner Brand, welcher jedoch rasch gelöscht wurde- — Eine komische Scene ereignete sich gestern Nachmittag an der Militärbadestelle unterhalb Kastel. Einer der Soldaten hatte durchaus keine Lust, mit dem Wasser in nähere Berührung zu kommen und wurden daher eine Anzahl Leute commandirt, den Wasserscheuen unterzutauchen. Dies geschah, doch der Soldat, der merkte, baß er noch mehrmals sich von chen Fluthen umspielen lassen sollte, entriß sich den Kameraden und in vollständig adamttischem Zustande suchte er sein Heil in der Flucht ; sofort verfolgten ihn mehrere Soldaten, doch wie ein gehetzter Hirsch floh der völlig packt" Mensch der Amöneburg zu, unterwegs wurde er tndeß eingeholt und nochmals ins Bad getrieben. — Wettere Nachrichten über die Katastrophe in Sunderland lassen dieselbe noch schrecklicher erscheinen, als man vermuthen konnte. Zwei Knaben hatten sich beim Verlassen des Zaubertheaters in eine enge Thür an der Galerie-Treppe gezwängt und damit war das Schicksal von 200 Kindern entschieden Die Kinder oben sahen nicht, was unten vorging, sie drängten nach und bald kämpften auf der Treppe 400 Kinder, die jüngsten kaum 5 Jahre alt, um ihr Leven, während ihre ahnungslosen Sptelgenossen auf der Galerie frohe Lieder singen! Niemand außerhalb hatte eine Ahnung von dem, was vorging, Niemand legte dem Lärm eine Bedeutung bei. Erst nach emtgen Minuten kam der Hausmeister zufällig zu der Thür, half dem einen Knaben aus seiner Lage, der ihm freundlich „danke, Herr!" zurief und davonetlte; der Mann war entsetzt, als er den zweiten Knaben als Leiche hervorzog; ein kleines Mädchen fiel ihm entgegen und starb sofort in seinen Armen; und als er nun auf die Treppe blickte, sah er nichts als ein Gewirr von tobten und sterbenden Kindern mit verrenkten und gebrochenen Gliedmaßen, mit dem Zeichen furchtbarer Kämpfe auf den starren, unschuldigen Gesichtern! Einer Ohnmacht nahe, rief der Mann um Hülfe und diese ließ leider lange auf sich warten; erst nach etwa 10 Minuten kamen einige Männer, vermochten aber die Thüre, die sich nach Innen zu öffnete, nicht aufzumachen und eilten nun auf die Galerie, um von oben herab den nur noch leise um Hilferufenden Kleinen beizusprtngen. Der Anblick, der sich diesen Männern bot, war em derartiger, daß sie anfangs vor Schrecken stehen blieben und sich dann zur Flucht wandten. Nur der Kutscher eines Doclors fand den Muth, in den Leichenknäuel hinetnzugreifen und die armen Kinder hervorzuz ehen. Manche athmeten noch, die meisten waren aber tobt. Bald kamen mehrere Helfer; Polizisten, Aerzte und trotz aller Bemühungen, schnelle Hilfe zu leisten, dauerte es volle vier Stunden, ehe man die Treppe frei gemacht und die Tobten im Erdgeschosse der Halle in langen Rethen neben einander gelegt hatte. Der Anblick war ein herzbrechender. Manches kleine Gesicht war ganz schwarz und blutunterlaufen, das Blut sickerte bet vielen aus Mund und Ohren hervor; klaffende Wunden, zerrissene Kleider, krampfhaft geballte Händchen zeigten, wie unter der Kinderschaar um das Leben gekämpft worden war. Der Jammer der ihrer Kleinen beraubten Eltern entzieht sich jeder Beschreibung. Eine arme Frau wui de beim Anblicke der Leichen ihrer beiden Knaben tobsüchtig; eine andere riß den kleinen Leichnam ihres Mädchens an sich und versuchte es mit tausend Schmeichelworten zum Leben zurückzurufen! Die ganze Nacht über kamen Männer und Frauen, um jammernd die ihnen entrissenen Kinder unter den Leichen aufzusuchen. Biele liegen noch im Hospital oder sind zu Hause unter ärztlicher Behandlung und man fürchtet, daß ein großer Theil derfelben noch ben erhaltenen Verletzungen erliegen wird. Ob er stein, 17. Juni. Im Mat wurde in dem benachbarten Dorfe Götzen- roth eine Hochzeit ubgehalten, bet welcher nicht weniger als ein Rind von 500 Pfund Gewicht, 11 Kälber, 2 Schweine und 8 Schinken verzehrt wurden, dazu 2 Oefen voll Brod. Zu den Hochzeitskuchen waren 8 Centner Weizenmehl etforderl ch. Getrunken wurden 1525 Liter Wein. Die Gäste waren in 5 Häusern untergebracht. Zum Tanz für die Jugend dienten zwei im Freien errichtete Tanzböden. Zwei Bäcker hatten eine ganze Woche zu thun. Unter den Gästen bemerkte man auch den Landrath von Berncaftel, sowie sämmtliche Postbeamte aus Lengkam. — Am 8. Junt schlug in Nteder- Hosenbach, Fürstenthum Birkenfeld, der Blitz in eine Heerde Hämmel und tödtete 76 Stück, sowie eine dem Schäfer gehörige Ziege Hamburg. Dieser Tage wurde gegen Frau Major Petersen, geb. v. Rönne und deren Tochter Warinka verhandelt. Die Damen sind angeklagt der Ansttftung zur wiederholten Urkundenfälschung, Beleidigung und Bedrohung Es ist dies die Schmähbriefaffaire, über die bereits berichtet wurde. Die am 11. Juni stattgehabte Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt, da der Inhalt der zur Verlesung bestimmten anonymen Briefe der denkbar unfläthigste ist. Dieselben sind sämmtttch an Leute gerichtet, welche mit den Petersen's in demselben Hause wohnten. Bet deren Verhaftung hörten die Sendungen auf. Uebrtgens charakterisirte sich das Treiben der Angeklagten dadurch als ein recht eigenartiges, daß sie die Namen ihrer Hausbewohner zu allerhand grotesken Bestellungen fälschten. So wurden der Frau Consul Besta Hochzeitskutschen, Krankenwagen, eine Kiste Käse, 16 Pfund Karpfen, ebensoviel Pfund Butter u dgl. ins Haus geschickt. Der Staatsanwalt hält die Schuld der hartnäckig lmgnenden Angeklagten durch die Zeugenaussagen und das Gutachten der Schrfltverständigen für vollkommen erwiesen und beantragte für Frau Petersen eine Gefängnißstrafe von 15 Monaten und Fräulein Petersen von 18 Monaten, für beide außerdem 2 Jahre Ehrverlust. Der Vertheidiger, Dr. Goeschen, hält zunächst das Gutachten der Schriftoerständigen für hinfällig und beantragt, weil keinerlei directe Beweise für die Schuld der Angeklagten vorliegen, Freisprechung, event. Untersuchung des Geisteszustandes, unter allen Umständen aber ein geringeres Strafmaß. Das hier mit großer Spannung erwartete Urtheil wurde am 15. Juni publicirt. Die Majorin Petersen und deren Tochter wurden wegen anonymer Schmähbriefe zu 6 bezw. 9 Monaten Gefängniß verurthellt. — Aus Philadelphia kommt die schauerliche Meldung, daß der am 24. v. M. gegen den Irländer Thomas Lyons wegen Ermordung des Chinesen Chung Wah Aou verhandelte Schwurgerlchtsproceß vertagt werden mußte, da sämmtliche Geschworenen während der Sitzung von einem Uebelbefinben befallen wurden, das alle Symptome eines Vergiftungsrersuches an sich trug. Nur den energischen Anstrengungen der schnell herbeigerufenen Gerichisarzte gelang es, die schädlichen Wirkungen des Giftes durch schnell gereichte Gegenmittel zu paralisiren, so daß d«e Mitglieder der Jury noch vom sicheren Tode gerettet werden konnten. Die gerichtlich eingeleitete Untersuchung dürfte ohne Zweifel ergeben, daß einige Complicen des Mörders, der einem jener berüchtigten „gangs“, jener Verbrecherbanden, wie sie die amerikanischen Großstädte zeitigen, angehörten, den Vergiftungsversuch planten und zur Ausführung brachten, was um so leichter war, als bekanntlich die amerikanischen Geschworenen nach dem englischen Gerichtsverfahren am letzten Tage einer Schwurgerichtsverhandlung das Gerichtsgebäude nicht mehr verlassen dürfen und ihre gemeinschaftlichen Mahlzeiten aus einem in der Nähe liegenden Restaurant beziehen müssen. Aus Schlesien, 15. Juni. In der Strafanstalt zu Görlitz, in der vor wenigen Wochen ein Aufseher beim Verlassen eines Arbeitssaales hinterrücks von einem Sträfling angefallen und tödtlich verwundet wurde, ist schon wieder ein Mordversuch, diesmal in dem Schuhmacherarbeitssaale, an einem Beamten verübt worden. Diesmal versetzte ein Sträfling mit einer Schusterzange dem Werkmeister Stöße und Schläge an den Kopf, daß der Angefallene mit Blut Überströmt wurde. Der Thäter ist ein wegen Einbruchs in Straßburg i. E. zu 10 Jahren Zuchthaus mrurtheilter, vielbestrafter lunger Mensch aus Krotoschin. Der Zustand d?s Beamten ist gefährlich. Für die Anhänger der Prügelstrafe ist der Vorgang ein Dementi. Dem Mörder des kürzlich ^stochenen Aussehers sind, wie die Lokalblätter berichteten, auf Veranlassung oder mit Genehmigung der Regierung in Liegnitz bald nach der That Hiebe in der zulässig verabreicht, jedenfalls, da er selbst unschädlich gemacht war, zur Warnung und Abschreckung für Andere. Und nun sind nur wenige Wochen vergangen — da t Le* r derselben Anstalt ein neuer Mordversuch von einem Sträfling gemacht, ja es heißt sogar, daß diesmal mehrere Sträflinge an dem Verbrechen beteiligt sind. - Luthers Handbibel befindet sich im Märkischen Museum zu Berlin. Bis 1865 war sie im Besitz des Professors Lommatsch in Wittenberg, der sie für 9000 JL und eine Jadresrenie an den Sanitäisrath Lutze in Köthen abtrat. Aus dessen Nachlaß erwarb sie 1877 das Märkische Museum. Die Bibel ist die große Baseler lateinische Ausgabe vom Jahre 1509 cum pleno apparata (mit vollständigem Material) und von Luther, der sie zu seinen Studien für die Bibel-Uebersetzung benutzte, von vorn bis hinten durchgearbeitet. Seine Handschrift begleitet nicht blos den Text und die §?^?!bn^are, sondern füllt auch die inneren Seiten des Schweinslederdeckels. Das Titelblatt ziert der Spruch: „Wo Dein Wort Herr mich nicht tröstet, so verginge ich yn meinem elende. 1542. Mart. Luther D." , . cv “ •§ur Wiederherstellung des Heidelberger Schlosses hat der „Badische Architekten- folgende Vorschläge gemacht: 1. Vor allem den Otto Heinrichsbau durch Dachung, Gebälke und überhaupt durch inneren Ausbau so zu schützen, daß er au gemeinnützigen Zwecken verwendbar ist; 2. den Bau Friedrichs des Vierten durch ?2e ^emneten Bauvornahmen in guten Stand zu versetzen; 3. den achteckigen Thurm m gleicher Weise wieder herzustellen; 4. die Bauten Rudolfs und Rupprechts durch Dachungen zu schützen und so weit wieder herzustellen, als dies im Aeußeren noth- wendig erscheint; 5. die übrigen Thürme in ihrem gegenwärtigen Zustande sorgfältig bann in zweiter Linie: 6. den Bau Friedrichs des Zweiten wieder her- I‘ ben englischen Bau in seinem gegenwärtigen Zustande als Ruine zu orage, wie restaurirt werden soll, wird dahin beantwortet: mit äußerster J? engsten Anschlüsse an die Architectnr der einzelnen Bauten — L;.Lg £6ter Selbstverlaugnung des Architecten, mit Unterlassung des HereinttagenS neuer Composttionen, wie dies bei Restaurationen so gerne geschieht. Telegraphische Depeschen. Wolffs lelegr. Correspondenr'Bureau. Berlin, 20. Juni. Die „Prov.-Corresp." bezeichnet die Streichung des Art. 4 der Kirchenvorlage als unerwünscht und von mehr principieller als praktischer Bedeutung. Dasselbe Blatt nimmt an, daß der Landtag am 30. Juni geschlossen wird. — Die „Nordd. Allg. Ztg." theilt mit, daß die Nachrichten über das Befinden des Ministers Maybach fortdauernd günstig lauten, wie denn auch besonders wichtige Geschäftssachen demselben nachgesandt werden und die neueste Eisenbahn-Verstaatlichungs-Aktion von ihm dirigirt worden ist. Gegenwärtig hält sich der Minister in Flims jenseits Chur auf und dürfte Mitte Juli nach Berlin zurückkehren. Dieselbe Zeitung erfährt, daß der Bundesrathsbeschluß, das Pensionsgesetz für die Reichs-Civilbeamten vor der dritten Lesung im Reichstage zurückzuziehen, einstimmig gefaßt worden ist. Da die Novelle zum Militär-Pensionsgesetz keine Aussicht auf Annahme habe, würde die Annahme des Civilpensions- Gesetzes eine ungleichmäßige Behandlung der Officiere Landshut, die Neisse bei Glatz ausgetreten. Die südlichen Stadttheile von Glatz stehen unter Wasser und ist auch dort der Bahnverkehr unterbrochen. — Der gestrige Abendzug der Breslau-Schweidnitz-Freiburger Bahn ist in Folge eines bei Salzbrunn niedergegangenen Wolkenbruchs entgleist. Personen sind dabei nicht verletzt worden. Breslau, 20. Juni. Auch zwischen Conradsthal und Fellhammer ist gestern Abend ein Personenzug entgleist. Verletzungen sind habet nicht vorgekommen. Zwischen Königszelt unb ©trtegau ist eine eiserne Ueberführunng eingestürzt, ber Bahndamm unterspült; bei Landshut ist ber Bober ausgetreten. In Glatz steht bas Wasser zwei Meter höher als 1829, die südlichen Stadttheile sind tnunbtrt In Frankenstein finb bie Silberberger unb Glatzer Vorstädte überschwemmt. Viele Ortschaften des Franken- fteiner Kreises sind in großer Gefahr, bei Altreichencm hat das Striegauer Wasser die Weidenmühle, bie Buschmühle unb bas Dorf Schwetnz vollstänbig überschwemmt. Die wüthenbe Neiße bei Kauder und Rohnstock ist ausgetreten. In Leutmannsdorf wurden die Brücken roeggeriffen, die Straße überfluthet, zwei Häuser theilweise zerstört; der Verkehr ist in den überschwemmten Gebieten überall unterbrochen. Schweidnitz, 20. Juni. Das Weistritzthal ist in Folge eines im Gebirge niedergegangenen Wolkenbruchs überschwemmt. Mehrere Straßen von Schweidnitz stehen unter Wasser, ebenso mehrere Fabriks- unb Mühlengrunbftücke. Die Brücken über die untere Weiftritz sind theilweise zerstört, bie Kleim'sche Fabrik ist zum Theil eingestürzt, eine Gärtnerei total vernichtet. Menschenverlust ist nicht zu beklagen, bagegen ist Vieh umgekommen. In Leutmannsdorf finb mehrere massive Häuser eingestürzt. Auch von Hansdorf wirb Hochwasser gemelbet. Bei Freiburg ist bie Polsnitz ausgetreten. Hirschberg, 20. Juni. Ein Wolkenbruch in ber Nähe der Schneegruben richtete hier unb in der Umgebung große Verwüstungen an; der Bober ist ausgetreten und überschwemmte einen großen Theil ber Stabt. Nachts wurde die Feuerwehr unb bas Militär alarmirt Aus einer ifolirt an dem Bober gelegenen Schaubube würben acht Menschen aus Lebensgefahr errettet. In Cunersdorf, Hermsbors, Giersdorf, Agneten- dorf wurden die Stege metstentheils roeggeriffen, einige Häuser sind eingestürzt. In Hermsdorf ist ein Mann ertrunken. Die Bahnverbindungen von Hirschberg nach Breslau sind unterbrochen, der Verkehr stockt gänzlich. Die heutige Schwurgerichtsverhandlung wurde wegen Ausbleibens der Zeugen vertagt. Neisse, 21. Juni. (Privat-Depesche). Seit 25 Stundin haben wir furchtbares Hochwasser, der höchste Stand seit 1829. Die evangelische Schule, Kirche, Kaserne, sowie 204 andere Kellerwobnungen sind unter Wasser, das Postamt zum Theil, die Mühlen ganz im Wasser. Christiania, 20. Juni. Das Storthing lehnte heute mit 80 gegen 32 Stimmen den Antrag ab, die Apanage des Kronprinzen um 50,000 Kronen zu erhöhen. Nyiregyhaza, 20. Juni. Tisza-Eszlarec Proceß. Der Angeklagte Josef Scharf, Vater des 14jährigen Belastungszeugen Moritz Scharf, bezeichnet die Anklage als eine unsinnige Erdichtung. Die Confrontation Scharfs mit der Mutter Esther Solyrnossy's verlief resultatlos. - Die heutige Verhandlung schloß mit einer nochmaligen Vernehmung Moritz Scharfs. Wien, 20. Juni. Die Donau ist hier im Steigen begriffen; aus Böhmen und Mähren lausen besorgnißerregende Nachrichten über den Wasserstand ein. Amsterdam, 20. Juni. Heute Morgen ist eine hestige Feuersbrunst auf der Werst der königlichen Marine ausgebrochen. Das Feuer theilte sich alsbald den beiden Kriegsschiffen „Doggersbank" und „Kortenser" mit, von denen das erstere durch den Einsturz der Werstmauern zerstört wurde. Der Schaden wird auf 3 bis 4 Mill. Fres. geschätzt, über die Ursache des Brandes ist noch nichts bekannt. Der Marineminister, sowie Vertreter der übrigen Behörden waren auf der Brandstätte erschienen. Drei Personen sollen verwundet, ein Feuerwehrmann umgekommen sein. ZkereS, 19. Juni. Von 17 Mitgliedern der „Schwarzen Hand", welche der Ermordung Blanko's angeklagt waren, wurden 7 zum Tode, 8 zu Zwangsarbeiten verurtheilt. rflrt U Athali her wM®a"b «ibeiltii bt< W; Sc FraM!° 10w K« 22. sf; Während na« lio Keffer Ift m ,d> ' mit Mm*"» mch jlemlldl «) Ms Dr. • abgeschlossen am 1 1 Jt)- - 91 Die Stelle eine- aufsehers mit unb einem Gehalt i soll mit einem 7 werben, welcher m schling im Hoche km theoretische ir ch besitzt. Be Nungen unter bchn Thätigkeit Wissen über t 30. b. M. hierhe Gießen, am 1! Der KcköausW Dr. Z ÄMvel Moatag ben Vormittags s soll das diesjährig Mn MarieM Li 00 Morgen Mkungen Lich, ' Nithjen versteige, 2er Anfang ist a,t der Straße Pfrfl Sah 4II 1 a)3?Ntn ' >itt( ^2 ?i<”N den ; fl Zmittags vo Igelte , n Urten ■’btl> i' W ,Ntci, “"JO« EU ei. (ö*^ttüC Achen. Kreppe ?.en N "iber Jj* ** I-epp ÄV'tl Ä LZLr ihm fiel il! -Pe blttfie QmB> '»«<» utlb 1 J'411 treu, unfdjff1 .'»SSL "SÄ .®bLu M®tn «i* £*’»• Salb fi« *"nb btt 0t hatte. Der UM a»: Ä'ä M an sich M Die ganze Nch -nssenen Kinder unter ,.*7 .WMe unter 11 NM vvtz b(n harten Dorfe Wtz^ 1 Rind von 500 Md i dazu L OA voll »sorderl ch. Amten ^gebracht. Zm Tonj - Zwei Backer hallen oueb den Landrolh von Zunt schlag in Nleder-; t Hammel uud Mete etersen, geb. v. Rönne igeklagt der Anstistunz m Es ist dies die a 11. Juni stattgehabie da der Inhalt der zur ;ste ist. Dieselben sind iselben Hause rvohnten. charakterisirte sich doö iß sie die Namen ihrer §o wurden der Fm ; 16 Pfund Karpfen, anwalt halt die SM n und das Gutachten te für ffrau Peterfw an 18 Monaten,- tilr .scheu, halt zunächst oeil keinerlei directe ' eoent. MMM öttasmatz. Da^tn Mi. M Masock e zu kdezw. 9 Monaten una, daß bet mH z des Chinesen W mutzte, da sämmtl iallm wurden, da m rra'schen AnflrmßUN^ bai b-e ® ktn b-s SW'KÄ ft, bit °M' K «Mb I« »** lrlitz, in der vor weg lcksoonetnewStla^ rbffl. ®*e9g» 6 AL'Fs ' Mörbn EZ ■'•W — sVacante Stellen für Militsiranwärter im Bereich des 11. Armeecorps.j Arnsberg, Regierung, Regierungs-Hauptkassen-Wächter, 1,50 pro Nachtwache. Aumenau, Postagentur, Landbriefträger, 960 «X Burghausen, Postamt, Landbrief- träger, 510 JL Carlshafen, Postamt, Postschaffner, 872