Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
1883.
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Burraur Schulstraße 7.
Erscheint IL-ttch mit Ausnahme des Maniags.
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Preis vieri«lsithriich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pt.
Betreffend: Die Ausführung des Reichsgesetzes vom 20. Juli 1881 über die Bezeichnung des Naumgehaltes der Schankgefäße. Bekanntmachung.
Unter Bezugnahine auf die Verordnung vom 2. Juni d. I. — Regierungsblatt Nummer 15 — die Ausführung des Reichsgesetzes vom 20. Juli 1881 über die Bezeichnung des Naumgehaltes der Schankgefäße betreffend, wird hierdurch bekannt gemacht, daß der darin erwähnte Apparat zur Prüfung der Schankgefäße nunmehr durch Vermittelung der unterzeichneten Behörde von der Firma W. F. Nöllner dahier bezogen werden kann.
Der Apparat besteht im Wesentlichen aus zwei gläsernen Meßgefäßen, welche während des Transportes ineinander geschoben und in einem Köcher verwahrt werden. Beim Gebrauche stellt man dieselben einzeln auf einer möglichst horizontalen Unterlage (Tischplatte) auf. Um die horizontale Lage dieser Unterlage zu untersuchen, füllt inan das größere Meßgefäß bis zur Füllungsmarke für 1 Liter mit Wasser und sieht, ob der rings um das Gefäß herum- laufende horizontale Strich mit dein Rande der Waffersüllung zuiammenfällt. Ist dies nicht der Fall, dann muß die Unterlage auf der einen oder anderen Seite durch Unterlegen so lange gehoben werden, bis die horizontale Stellung erreicht ist.
Hierauf spült man die beiden Meßgefäße mit Wasser aus und läßt dieselben einige Secunden lang abtropfen. Hierdurch bewirkt man, daß ungefähr ebensoviel Flüssigkeit in jedem derselben znrückbleibt, als demnächst in dem zu untersuchenden Schankgefäße. Letzteres wird nun bis zum Füllstrich mit Wasser gefüllt und der Inhalt in dasjenige der beiden Meßgefäße, welches mit Rücksicht auf seinen Raumgehalt zum Messen benutzt werden soll, ausgegossen. Wenn dann der Wasserspiegel in diesem Gefäß, welcher am Rande desselben als dunkle Linie erscheint, mit der entsprechenden Füllungsmarke zusammenfällt, ober, doch nicht tiefer liegt, als die darunter befindliche Marke für die gestattete Abweichung, dann wird das Schankgefäß in Bezug auf seinen Inhalt als richtig angesehen.
Zur Prüfung des richtigen Abstandes des Füllstrichs vom Rande des Schankgefäßes ist der dem Apparat beigegebene Maßstab zu benutzen. Von den auf demselben eingeschnittenen Strichmaßen sind die an dem einen Ende befindlichen für Schankgefäße mit engem Halse (Flaschen und Krüge), die beiden anderen für weite Schankgefäße bestimmt.
Der Preis des beschriebenen Apparates beträgt für diejenigen, welche sich bis zum Schluffe des laufenden Jahres bei der unterzeichneten Behörde anmelden, incl. Köcher mit Tragriemen und Maßstab, 10 Jl. 80 H. Für einzelne Apparate, welche später nachbestellt werden, wird ein entsprechender Preis- Aufschlag eintreten.
Darmstadt, den 3. November 1883. Großherzogliche Aichungs-Jnspection.
__P f annmüller._________________________________________Rumpf.
Seutschkand.
Darmstadt, 15. November. Das Aintsblatt Großh. Oberconfistoriums Nr. .15 enthält Ausschreiben vom 19. October an die sämmtlichen evangelischen Kirchenvorstände, betr. die Lutherstistung. Daffelbe lautet:
Die evangelische Landessynode hat in ihrer Sitzung vom 12. d. Mts. den Beschluß gefaßt: „Die Synode ersucht Großh. Oberconsistorium, den Gemeinden der Lanveskirche in geeigneter Weise den Vorschlag zu machen, daß dieselben aus Anlaß des 400jährigen Geburtstags Martin Luthers Beiträge bewilligen zu einer Lutherstistung, die unter einer aus synodaler Wahl hervorgehenden Verwaltung, unter Betheiligung eines Vertreters der theologischen Fakultät zu Gießen an der Vermattung und mit dein Verwaltungssitze zu Gießen den Zweck haben soll, solche Studirende der evangelischen Theologie, vorzugsweise in Gießen, die sich verbindlich machen, der hessischen Landeskirche eine zu bestimmende Zeit zu dienen, durch Stipendien bei ihrem Studium zu unterstützen."
Die Absicht der Synode war, Anregung zur Schaffung eines Dankzeichens zu geben, welches noch den kommenden Geschlechtern Zeugniß von der dankbaren Begeisterung geben soll, woinit das evangelische Volk der Gegenwart, auch in Heffen, den Gedächtnißtag der Geburt seines großen Reformators gefeiert, und von der einmüthigen Liebe für die Kirche der Reformation, welche sich dabei kund gethan hat. Vesser als durch ein Denkmal von Stein und Erz glaubte man diesen Zweck durch Begründung einer Anstalt zu erreichen, welche für alle Zeiten bestimmt fein soll, tüchtige Diener unserer Kirche heranbilden zu Helsen, und welche somit den Gemeinden, aus denen sie hervorgegangen ist, wieder zu Gute kommt, indem sie das kirchliche Leben in derselben erhallen und pflegen hilft.
Die Mittel zur Ausführung dieses Gedankens erwartet die Synode von der Opserwilligkeit des evangelischen Volkes.
Entsprechend dem von der Synode an uns gerichteten Ersuchen wenden wir uns zunächst an die sämmtlichen Kirchenvorstände und fordern sie auf, aus den ihrer Verwaltung unterstehenden kirchlichen Fonds, je nach den Mitteln und Kräften derselben, Beiträge zur Begründung der Lutherstistung in Gießen zu bewilligen. Solche Kirchenvorstände, die über mehr oder weniger beträchtliche Ueberschüffe zu verfügen haben, werden in der Lage sein, verhältnißmäßig erhebliche Beiträge bewilligen zu können, und werden gewiß mit Freude die ihnen zu Gebote stehenden Mittel einem, die Ehre und Wohlfahrt unserer evangelischen Kirche so nahe berührenden Zwecke widmen. Aber auch kleine Gaben, wo die Verhältnisse nur solche gestatten, werden mit Dank entgegengenommen werden; wir glauben uns der Erwartung hingeben zu dürfen, daß keine Gemeinde an dem beabsichtigten Werke evangelischen Gemeinsinns ganz unbeteiligt wird bleiben wollen. Der Werth der angeregten Stiftung wird wesentlich dann bestehen, daß sie mit voller Freiwilligkeit und durch das einmüthige Zusammenwirken Aller zu Stande gekommen ist.
Ihre Erklärungen darüber, welche Beiträge von Ihnen in Aussicht genommen worden sind und bis zu welchem Zeitpunkte dieselben flüssig sein werden, wollen Sie uns baldigst durch die vorgesetzten Großh. Dekanate berichtlich zu- gehen lassen, worauf wir über Die Einzahlung der Beträge Bestimmung treffen werden.
Dr. G o l d m a n n.
Ackermann.
Nr. 16 enthält Ausfchreiben vom 19. October, bett. Schenkungen und Vermächtnisse für evangelisch-kirchliche Zwecke.
Nr. 17 enthält Ausschreiben vom 23. October, betr. Ausübung der Seelsorge in den Haftlocalen durch evangeliche Geistliche.
Nr. 18 enthält Ausfchreiben vom 6. November, bett. Veranstaltung einer Kirchencollecte für die Lutherstistung.
Darmstadt, 18. November. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben dem Rechtsanwälte Dr. Karl Dornseiff zu Gießen aus Anlaß seines fünfzigjährigen Dienst-Jubiläums das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen geruht.
Berlin. Die Innere Haltlosigkeit der öffentlichen Meinung Frankreichs spiegelt sich recht deutlich wieder in der Taktik der Pariser Zeitungen, die Reise des deutschen Thronfolgers nach Madrid bald als gänzlich belanglos, bald als eine Art Affiont für da« französische Volk darzustellen. Die« Schwanken zwischen den entgegengesetzten Extremen erschwert den Franzosen selbstredend die Bildung eines zutreffenden Urtheils, macht sie reizbar, argwöhnisch und unzufrieden mit sich und der W-lt- Es steckt der grande nation schwer in den Gliedern, daß die dritte Republik auf der europäischen Bühne mehr eine passive alS acttoe Rolle spielt und daß einstweilen auch so gar keine Aussicht vorhanden ist, hierin einen die nationale Eitelkeit befriedigenden Wandel etn- tr«ten zu sehen- Der Grundtug der VolkSsttmmung trägt daher gegenwärtig den Charakter der Resignation. Die Fanfaronnaden der bekannten Hetzblätter wecken in der großen Masse kein Scho. Das Institut der allgemeinen Wehrpflicht sorgt schon dafür, daß jenfeiiS der Vogesen — unter normalen Verhältnissen wenigstens — die chauvinistischen Bäume nicht in den Himmel wachsen- Darin trifft der „Figaro" einmal ausnahmsweise daS Richtige, wenn er sagt, das französische Volk bade e> könnt, daß jeder künftige - europäische — Krieg für Frankreich die absolute Unterbrechung des gesammten inneren Lebens der Ration bedeute. Jeder kräftige Mann würde zum Heere eingezsaen werden, die Hochöfen der Industrie würden ausgedlasen werden und — ein schrecklicher Gedanke — selbst be Pflugschar würde rasten. Diese Eikenniniß bält aber weder den „Figaro", noch seine gleichgestimmten Preßkollegen ob, mit dem Feuer zu spielen und ernstgemeinte Warnungen mit arroganter Miene zurückzuweisen. Auch ist daS ein Stück des circulua vitiosus, in welchem sich die öffentliche Meinung Frarkreichs bewegt. Es ist der Kampf des Temperaments mit der gesunden Vernunft. Bis j tzt hat noch stets die letztere den Sieg davongetragen, wenn auch manchmal nur mit genauer Roth und nur, well andere L-ute kaltblütiger blieben, als die Fanai Irr an d-r Seine. Unsere transvogesischen Nachbarn leiden aber insofern an einer totalen Verkennung der tbstsächlichen Verhältnisse, als sie die Schuld ihres dermaligrn materiellen wie moralischen Rückgangs anderen U fachen denn den eigenen Fehlern beimessen und spcciell Deutschland zur Zielscheibe ihrer durch nrchts motivirten Anr- mositäl machen.
Berlin, 17. November. Die Eröffnung des Landtags findet Dienstag den 20. d. MtS., Mittags nm 12 Uhr, statt.
Berlin, 18. November. Hierher gelangten Depeschen zufolge ist ein russisches Geschwader im Hafen von Genua eingelaufen, um den deutschen Kronprinzen zu begrüßen.
Frankfurt, 17. November. Ihre K. K. Hoheit die Frau Kronprinzessin ist mit ihren Töchtern heute Mittag aus Wiesbaden hier eingetroffen, auf dem Bahnhofe vom Stadtcommandanten v. Loucadou empfangen worden unv hat sich zu dem Baron Meyer Karl v. Rothschild begeben, um dessen Kunstschätze zu besichtigen.
Rußland.
Petersburg, 17. November. Mittelst gestrigen Militär-Tagesbefehls sind der Oberstlieutenant Rüdiger, Kapitän Logenoff und Lieutenant Moffolosf, welche ehemals in Diensten der bulgarischen Armee standen, wieder in die russische Armee eingestellt worden und zwar wurde ersterer zur Verfügung des Chefs des Hauptstabs gestellt, während die beiden letzteren in.ihre früheren Regimenter zurückversetzt worden sind.
— In Folge der vorgestern Abend erfolgten Entgleisung eines Guterzuges bei Pokos, wobei 5 Waggons zertrümmert wurden, war Die Bahn derart be-
schädigt worden, daß sie erst nach neunstündiger Arbeit wieder freigemacht werden konnte.
AranKreich.
Varis, 16. November. Der Anarchist, weicher bett Ministerpräsidenten F-rry su tSdten veavsichtigte, ist ein Bäcker, 18 Jahr- alt, nennt sich Curien und Ift geoürttg yOn Hagenau; derselbe erschien um 2 Uhr Nachmittags im Ministerium des öffentlichen Unterrichts und wurde durch den Privatffcretär Lervy, der ihn vorlieb, bedeutet, daß der Minister abwesend sei und daß derselbe ihn daher nicht empfangen könne. Er «ntsernte sich darauf, kehrte aber 10 Minuten später zurück und erzwang den Eintritt in den Salon, wo er den Ministerpräsidenten zu finden glaubte. Er hielt dabei den Revolver schußsertig in der Hand. Der Thürhüter ergriff ihn und wurde seiner nach «inigem Widerstande mächtig, Curien rief dabei wiederholt: »ES lebe der SocialismuS, es lebe di- Commune!" Außer dem Revolver, dessen sämmtliche Läuse geladen waren, führte Curien gegen 30 Patronen bet sich, deren Ladung auS gehacktem Blei bestand. Curien gab an, er habe in einer geheimen G.sellschait in Lille die Tödtung der Mii- glteder der Negierung vorgeschlagen, sein Vorschlag sei angenommen wordcn, er fd zu dessen Ausführung nach PanS gekommen und bedaure nur, daß eS ihm m:t der Ausführung nicht geglückt sei; wenn er wieder auS d m G-sängniß herauSkomme, werde «r einen neuen Versuch wachen und dieser werde ihm nicht fehlschlagen. Der Minister- nrästdent Ferry war während dcS Vorganges im Senat und . erhielt erst Abends 6 Uhr von demselben die erste Kenntniß. ,
Paris, 17. Nooember, Der Ministerraih hat heute Vormittag beschlossen, sich für den Gegenvorschlag Lelievre'S Über die parlamentarrschm Inkompatibilitäten aus- rusprechen. Der Miniftrrrath wird einige Modifikationen vetlangen, aber keine Cadinets- frage daraus machen. Der Marineminifter Piyron theilte die l tzten Depeschen aus Tongking mit, welche Courbel'S Krankheit, das Bombardement von Kanton sind andere alarmtrende Gerüchte dementire». Ferry wird am Donnerstag der Commission für die Tongking-Angelegenheiten weiter« Mittheilungen machen.
Aegypten.
Kairo, 17. November. Der englischen Regierung ist Seitens der egyp- tischen eine Note zugestellt worden, in welcher für Egypten das Recht in Anspruch genommen wird, bei jedem neuen den Status quo bezüglich des Suezkanals betr. Arrangement gehört zu werden. Man nimmt an, daß der englische Generalconsul Baring sich der Auffassung Egyptens anschließe.^
Telegraphische Depeschen.
Wolsk'» telegr» Torrespondtm-Nttreau.
Berlin, 18. November. Der Kaiser empfing heute Nachmittag um 2 Uhr den Abgesandten des Königs von Spanten, Generaladjutant Marqms Hijosa de Alaoa in besonderer Audienz, welcher auch der spanische Graf Beno- mar beiwohnte. Der Abgesandte wurde durch eine königliche Equipage von seinem Absteigequartier im „Kaiserhofe" abgeholt und auch wieder dorthin zurückgefahren.
Hannover, 18. November. Bei der gestrigen Hosjagd im Saupark zu Springe wurde der Generallieutenant v. Thile durch eine ricocherirende Kugel verletzt, jedoch ist das Befinden deffelben ein vollständig befriedigendes.
Strelitz, 18. November. Der russische Botschafter, v. Saburow, ist zum Besuch der Großfürstin Katharina von Rußland, verwittweten Herzogin Georg von Mecklenburg-Strelitz, in Remplin eingetroffen.
Metz, 18. November. Der Kriegsminister, General Bronsart v. Schellen- Lors, begiebt sich heute Mittag nach Diedenhofen.
Prag, 18. November. Heute Vormittag hat hier die feierliche UeBergo.be des neuen böhmischen Nationaitheater« von Seiten beS Baucomltt's stattgefundeu. Die Bühne des Theaters, auf welcher der Uebergobeakt erfolgte, war mit elektrischem Lickte erleuchtet. Dr. Rieger übergab bett Neubau Nam nS deS BsukonsortiumS und hi lt dabei eine die künstlerischen JMeressen und Ziele d-S Theaters beleuchtende Rede, die von den Versammelten mit einem dreimaligen S-avr Nazdar «ufgenommen wurde. Der Vorsitzende deS BauksnsoriiumS, kk-aml'k, erklärte, daS Th-ater werde bestrebt sein, die echte Kunst dem Volke zu erschließen. Der Dir-ctor Schubert gab daS Vcr- sprcchen, daß die Künstler im Geiste der Männer wirken würden, die den Kuvst- 1-mpel begründet und vollendet hätten. Mit einem dreimaligen Slavarufe schloß die Feier.
Valencia, 18. November. Die hiesigen Behörden sind mit Vorbereitungen für den festlichen Empfang des deutschen Kronprinzen beschäftigt. Der deutsche Gesandte in Madrid, sowie der Oberst-Kämmerer und ein Flügeladjutant des Königs werden am nächsten Dienstag hier erwartet.
Genua, 18. November. Der deutsche Botschafter, v. Keud-.ll, ist heute Vormittags 9 Uhr hier eingetroffen und hat heute Nachmittag mit dem Generalkonsul Dr. Bamberg, bei welchem er daS Diner eingenommen hatte, dem Commandanten deS deutschen Geschwaders, Capitän z. S- Menstng, an Bord de» »Prinz Adalbert" einen Besuch abgestattet. Der Kaiser Alexander von Rußland hat zur Begrüßung Seiner K- K. Hoheit deS Kronprinzen den Admiral Tschebyochtesi mit der Corvette »Svetlaua- und noch einer zweiten Corvette hierher ents-ndtt, welche heute früh hier etngelausm sind. Die Einschiffung Sr. K. S. Hoheit de» Kronprinzen, welcher heute Nacht 12 Uhr hier eintrifft und im Palazzo Reale absteigt, erfolgt morgen. Die Abfahrt von hier nach Spanien ist vorläufig auf 6 Uhr Abends festgesetzt. Von allen Seiten treffen Fremde hier ein, die Witterung ist schän und sehr warm.
Gerrua, 18. November. Der deutsche Kronprinz wird heute Abend um 12 Uhr hier erwartet. Trotz des JncognitoS wird ein festlicher Empfang durch zahlreiche Mitglieder der deutschen Kolonie und dir Spitzen der Behörden von Genua stattfinden. Die Stadt ist in freudiger Bewegung.
London, 18. November. Ein Telegramm des „Reuter'schen Bureaus" aus Shanghai besagt: In Hau-Kan ist em Adjutant aus Pengyulia ringe- troffen, um ca. 20,000 Freiwillige für den Fall des Eintritts von Feindseligkeiten zwischen Frankreich und China auzuwerben.
Athen, 18. November. Die Deputirtenkammer hat die von der ministeriellen Partei aufgestellten Candidcten mit einer Majorität von 40 Stimmen zu Vicepräsidenten gewählt.
Lokales-
Gietzen, 19. November. Se. Majestät der deutsche Kaiser hat dem Großh. Provinzial-Director der Provinz Oberheffen, Herrn Dr. Boekmanu den Kronenorden 2. Classe verliehen.
Gießen, 19. November. sSpruchliste der Geschworenen pro 4. Quartal 1883].
1. Herbert, Heinrich III., Beigeordneter in Steinbach.
2 (Kröninger, Wilhelm Adam, Leimsieder zu Butzbach.
3. Werth Heimer, Max, Banquter zu Büdingen.
4. Ronthaler, Konrad HL, Bürgermeister in Langd.
5. Will, August, Agent zu Gießen.
6. Reibeling, Johannes I. zu Brsuerschwend.
7. Koch, Jakob, Qeconom zu Stockheim.
8. Bückina, Johannes VIII., zu Alkfeld.
9. Kratz, Konrad VH„ Beigeordneter zu Ober-Ohmen.
10. Diezel, Ernst, Kaufmann zu AlSseld.
11. Kröck, Jakob VIII., Wirth zu Heuchelheim.
12. Siffert, Johannes, Bürg-rmeister zu Hörgenau.
13. Keller, Heinrich, Landwirth zu Wetterfeld.
14. Müller, Sebastian, OrisgerichtSmann zu Grebenhain.
IS. Ruppel, Adam, Kaufmann zu Schlitz.
16. Koch, Friedrich, Pachter zu Marienborn.
17. Von ffitff, Konrad IV., Bäcker zu Grünberg.
18. Bur, Peter, zu Okarben.
19. Mai, Johannes iv., Landwirth zu Stockheim.
20. Ehrmann, Rudolf, Kaufmann zu Düdelsheim.
21. Vogt, Dr. Emii, Apoiheker zu Butzbach.
22. Döll, Heinrich IV., Landwirth zu Wallenrod.
23. Mest, Johannes, zu Arnshain.
24. Hensel, Adam Friedrich Wilhelm, zu Dortelweil.
25. Emrich, Georg XII, Landwirth zu Bleichenbach.
26. Hoffmann, Ludwig II, Rentner zu Ärünberg.
27. Schmidt, Georg, »u Eckzell.
28 Groh, Johannes VI, Bürgermeister zu Rieder-Rosbach.
29. Gatzert, Peter, Rentner zu Friedberg.
30. Dörner, Heinrich, Metzger zu Lauterbach.
Gieß««, 19. November. Am Samstag Nachmittag verunglückte ein Arbeiter in e'ner hiesigen Schnetdmühle derart, daß er in eine Transmission gerieth und ihm hierbei die beiden Füße abgerissen wurden. Der Bedauernswerthe ist gestern seinen Leiden erlegen.
Vermischte*.
Ober-Mörlen, 17. Nooember. Vorgestern Abend gegen 7 Uhr brach in unserem Ort ein heftiger Brand aus, der diö 11 Uhr wüihere und 5 Scheunen mit zahlreichen angrenzenden Stallungen in Asche legte. Zum Glück war es ziemlich windstill und eS so möglich, mit Hilfe der zahlreich erschienenen Spritzen daS Feuer, das noch größeren Umfang leicht hätte annehmen können, zu bewältizen. Die Scherm n und Stallungen enthielten retchlicke Stroh- und Futtervorräthe. lieber die Entstehung de« Feuer« bietet sich vorerst noch kein Anhalt und dürfte die etngeleitete gerichtliche Untersuchung das Nähere ergeben. Aon den Abgebrannten ift nur ein kleiner Theil, wie wir erfahren konnten, versichert und sehen die nicht Versicherten nun dem Winter betrübt entgegen. Erwähnt sei hier noch, daß die j tzige Brandstätte sich gerade wieder da befindet, wo vor ca. 2 Jahren ein Brand ausbrach.
Langen, 17. November. Ein Bienenzüchter an hiesigem Platze, Herr Teller Hai in dem benachbarten Walde einen Eichstamm käuflich erworben, der so colossale Dimensionen hat, daß der Käufer beabsichtigt, 16 Bienenvölkern Wohnung darin zu geben. Für Freunde der Bienenzucht dürste diese neue Art Bienenwohnungen von Interesse fein.
Mainz, 17. November. Für die Gartenbauausstellung, die vom 13. bis zum 21. April 1884 in der neuerbauten Statthalle vom hiesigen Ganenbauverein veranstaltet werden wird, ist bebufs Prämiirungen vom Verbände Rheinischer Gartenbauvereine eine große goldene Medaille, vom Mainzer Gartenbauverein eine Summe von 4000 X und außerdem noch eine Anzahl werthvoller Ehrenpreise zur Verfügung gestellt worden. Die Anmeldungen zur Betbeiltgung haben btS spätestens den 1. März 1884 an den Präsidenten des hiesigen Gartenbauvereins, Dr. Nies, zu geschehen. Der von dem Aussteller beanspruchte Raum muß in Quadrat-Metern angegeben werden, ebenso die Höhen der Pflanzen. Die Transportspesen haben die Einsender zu tragen. Unterhandlungen wegen TranSportvergünstigungen sind im Gange. Mit der Ausstellung ift eine große Perloosung von in derselben angekausten Gegenständen verbunden.
— Ein ungenannter Deutscher im AuSlande hat dem Verein für Kmderheil- stSite« an den deutschen Seeküsteu 100,000 X geschenkt. Erfreulich, wie diese That großherziger Freigebigkeit an sich, ist nicht minder daS Interesse, welches sich darin für die Förderung der K nderheilstätten an unseren Küsten kundgibt. In England, Frankreich und auch Italien ist man seit geraumer Zeit schon darauf bedacht gewesen, die durch künstliche Mittel nicht zu ersetzende Heilkraft der Seeluft und Seebäder den schwächlichen Kindern der armen oder wenig b-mittelten VolkSklassen, namentlich den an Scropheln, Blutarmnth und Neigung zur Schwindsucht leidenden, durch Erbauung von Heilstätten zugänglich zu machen. In Deutschland ist erst 1881 auf die Anregung und durch die unermüdlicke Tbätigkrit deS zu früh »erstorbenen Geheimen Medicm«!- Rath Bencke, unter dem Schutze des deutschen Kronprinzen und der Fran Kronprinzessin, jener Verein ins Leben gerufen, welcher sich die Errichtung solcher Ätnbtrbeilftätten an unseren Küsten zur Aufgabe gemacht hat. Obwohl erst im dritten Jahre seiner Wirksamkeit stehend, hat der Verein doch schon namhafte Erfolge aufzuweiseu. Nachdem in seinen provisorischen Hospizen auf Norderney (ein Gießener, Dr. med. Adolf Boekmann, ist Dirigent deS HospizcS auf Norderney. D-Red ) und in Groß-Myntz an der mecklenburgischen Küste die günstigen Erfahrungen anderer Länder vollauf ihre Bestätigung erhalten, ist im Jul! d. I. ein größeres Hospiz in Wyk auf der Insel Föhr eröffnet, das 70—80 Kindern Ausnahme gewährt. Die Anstalt in Myritz ist, Dank einem namhaften Beitrag auS LandeSmitteln, bereits im Umbau begriffen und wird wesentlich erweitert. Gegenwärtig handelt es sich darum, ein großes Hospiz von 250 Betten auf Norderney zu errichten und auch in Zoppot bei Danzig die Gründung eine? Hospizes in Angriff zu nehmen. Für beide ist der Bauplatz bereits erworben, für das erstere hat der Kaiser in voller Würdigung des nationalen Zweckes die 250,000 X betragende Hälste der Baukosten aus seinem Dispositionsfonds in RuSücht gestellt und voraussichtlich werden in der Folge auch an andern Orten unseres lang« gestreckten Küstengebietes ähnliche Pflegestitten herzustellm fein. Die nationale Bedeutung dieser Unternehmungen läßt sich nicht verkennen- Ist es doch ihr Zweck, schwächliche Kinder au» allen Theilen Deutschlands, und ihre Zahl ist leider sehr groß, die durch erbliche KrankheiiSanlagen oder durch ungünstige Wohnungs- und Ernährunzs- verhältniffe, die traurigen Folgen der Armuth, dem Untergang oder dauerndem Sieck- thum und damit den WohlthätigkeitSanstalten verfallen find, der Gemeinde und dem Vaterlande als lebenskräftige und nützliche M tglieder zu erhallen. Solchen Erwägungen wird »«eifelSohne die reiche Gabe entsprungen sein, die der Verein unserem wohlthätigen LandSmann zu verdanken hat. Möge da» hochherzige Beispiel, welches er gegeben, nicht vereinzelt bleiben und dazu beitragen, auch im Jnlande Herz und Hand den gemeinnützigen Bestrebungen des Vereins zu öffnen. Die Gelegenheit, diese durch Gaben zu fördern, ist Jedem geboten, namentlich durch die mit Genehmigung der deutschen BundeSreg terungen vom Verein veranstaltete Lotterie, deren Ertrag zunächst dem großen Hospiz in Norderney ge- widmet ist.
Handel «»d Derkede.
Grünberg, 17.November. (Fruchtpreise.) Weizen X 19.10, Korn X 17.20, Gerste X 14.00, Hafer X 14.20, Erbsen X 18.00, Lein X 00.00, Samen X 24.00, Kartoffeln X 0.00.
Frankfurt, 17. November. Auf dem heutigen Markt kostete der Eentner Heu X 2.80—3.70, Stroh X 3.00—3.80, Eier das Hundert X 6 00—7.00, Stück 7 H, Butter 1. Qualität X 1.25, 2. Qualität X 1.15, Kartoffeln per Eentner X 1.70—2.00, Koblrabi 3-5H per Stück, Erbsen per Pfd. 00—00 Rothkraut per St. 12—30 L. Poularden X 0—0, Huhn X 1.50—2.20, 1 Ente X 2.00—3.00, 1 Taube 50—60 H, Hahn X 0.75—1.30, Gans X 5—9.00, Welsche X 8—9-
Kepertorr der vereinigten Stadltheater ;u Frankfurt a. M.
OpornhauS»
Dienstag den 20. November: Die Maecabäer.
Mittwoch den 21. November: VolkSvorstellung- Maria Stuart. Außer Abonnement. Ermäßigte Eintrittspreise.
Donnerstag den 22. November: Neu einstudirt: Die Heimkehr aus der Fremde. Neu einstudirt: Der Wasserträger.
Freitag dm 23. Navember geschlossen.
SamStag dm 24. November: Oberen.
Sonntag dm 25. November: Götterdämmerung.
Schauspielhaus»
Dienstag dm 20. November: Zum ersten Male: Der Schriftstellertag. Lustspiel in 3 Akten von Heinrich Heinemann.
Mittwoch dm 21. November: Boccaccio-
Donnerstag dm 22. November geschloffen.
Freitag den 23. November: Rosenkranz und Güldenstern.
SamStag den 24. November: Krisen.
Sonntag den 25. Nooember: Zum ersten Male wiederholt: Der Schrift» stellertag.
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