'mil °btr (*^1 Donnerstag den 18. October 1883 Erstss Blatt 212. Erscheint Läßlich mit Ausnahme des Montags. Bureau: Schulstr atze 7. Gießen, am 16. October 1883. Betreffend: Die Ableistung des Verfassungseides. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post Bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Telegraphische Depeschen, WoLff'S telegr. Eorrespondenz-Bureau. Breslau, 16. October. Wie die „Bresl. Ztg." schreibt, sind in den Stallungen eines Grundstücks der Klosterstraße gestern drei Stück Rindvieh gefallen. Als Todesursache soll der telegraphisch herbeigerufene Professor Schütz von der Thierarzneischule zu Berlin die Rinderpest constatirt haben. Der Breslauer Viehkrug ist abgesperrt. München, 16. October. Der hiesige Magistrat hat zum Bau eines Künstlerhauses einen Zuschuß von 100,000 bewilligt und die unentgeltliche Abtretung des Terrains genehmigt, das zu dem bei der alten Maxburg bereits vom König gewährten Bauplatze gehört. f r Pesth, 16. October. Gegen den Redacteur des Journals „Fuegget- lenseg" Julius Verhovay und gegen dessen Bruder, Ludwig Verhovay, ist wegen Nueit, 1 c ntiftfien an unter Sir, S Wen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Die Ableistung des Verfassungseides der seit Mai I. I. aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großherzoglich Hessischen Nnterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, seit der bemerkten Zeit verheirathet haben, soll wie folgt stattfinden, nämlich derjenigen aus den in dem Anrtsgerichtsbezirk Gießen liegenden Gemeinden Donnerstag den 18 November, Vormittags 10 Uhr, in dem Negierungsgebäude zu Gießen, derjenigen aus den in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg und Homberg liegenden Gemeinden Montag den 19, November, Vormittags 10 Uhr, in dem Rathhaus zu Gründerg, derjenigen aus den in den Amtsgerichtsbezirkeu Lich und Butzbach liegenden Gemeinden Donnerstag den 22. November, Vormittags 10 Uhr, in dem Rath Haus zu Lich, und derjenigen aus den in den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Nidda und Laubach liegenden Gemeinden- Montag den 26 November, Vormittags 10 Uhr, in dem Rathhaus zu Hungen. Sie wollen die betreffenden Personen hiernach vorladen und daß dies geschehen, unter Namhaftmachung der Vorgeladenen, uns anzeigen oder berichten, daß Niemand vorzuladen war. Halten fick dergleichen Personen auswärts auf, so ist der Aufenthaltsort anzugeben. Dr. Boekmann. Irankreich. Paris, 15. Oct. Die zwei Tischreden, die Ministerpräsident Ferry inRouen und Havre gehalten, verkündigen den vollständigen Bruch der jetzigen Regierung der Republik mit den Radikalen und regen hier um so mehr aus, als sie gerade acht Tage vor der Eröffnung der außerordentlichen Parlaments-Session gehalten wurden und der angekündigte Kampf, dessen Ausgang sich nicht vorhersehen läßt, sofort beginnen wird. Ob ein Theil der Republikaner, der bisher mit Ferry ging, ihm in dieser Wendung treu bleiben oder sich von ihm trennen wird, ist abzuwarten. Verliert Ferry an Anhang, so bleibt ihm nichts übrig, als sich aus die Rechte zu stützen, dies würde aber die schon so verwickelte Lage npch erschweren. Die Börse ist in Folge der Ferry'jchen Rede matt. Dazu wirken indeß auch die Beziehungen zu Svanien. Endlich fürchtet man noch neue Beunruhigungen durch den Eintritt mehrerer deutschen Panquiers, die bis jetzt ausgeschlossen waren, in die Ottomanische Bank. — Die französische Regierung hat jetzt ihre Einwilligung dazu ertheilt, daß das spanische Cabinet an seine Agenten im Auslande ein diplomatisches Rundschreiben über die Zwischenfälle voni 29. Septbr. und über die zwischen Grövy und dem Könige Alfonso gewechselten Erklärungen richte. Alle Minister werden morgen wieder in Paris zum Ministerrathe im Elyfte anwesend sein. Es ist die Rede vom Rücktritte des Handelsministers Herisson und des Unter- staatssecretärs Labuze, da beide der radikalen Linken angehören. Der „Temps" erklärt es für unbegründet, daß General Miribel oder General Lewal zum Generalstabs-Chef des Kriegsministers ernannt werden solle, und fügt hinzu, General Vuillemot werde bis zum März noch in seiner jetzigen Stellung als Generalstabs-Chef bleiben. i die EM )rt eimMgk i ngen Mm M schöne HaMm besitzen muß, iS r-Stelle m nir frei und km Hause echlw ni Aufenthalt te ich kaufmäiM \tcrate ConiM HHW* Jan die her!-tz ■*-S| obtr 1883. H I Ztakien. Rom, 15. October. Wie das Journal „La Capitale" wissen will, wäre heute eine Note des Kaidinals Jacobini an die Nuntiaturen abgegangen, welche die von den Liberalen veranstaltete Erinnerungsfeier an den 20. September 1870 zum Gegenstände habe. Auf derselben sei das Papstthum und die Religion beleidigt worden und d ese Thatsachen seien das Ergebnttz der fortdauernden Gewaltthätigketten gegen den heiligen Stuhl, welche ganz Italien zurückwetse. Denn die letzten beiden italienischen Pilgerfahrten bewiesen, datz Italien gegen die Vergewaltigung Roms protestire. Die Note soll von den päpstlichen Nuntien den Regierungen mitgetheilt werden. Türkei. Konstantinopel, 15. October. Auf der Insel Chios hat ein starkes Erdbeben stattgefunden, welches 8 bis 10 Secunden dauerte. Mehrere Häuser sind eingestürzt und eine Anzahl von Personen verletzt worden. Auf der Insel herrscht große Bestürzung. Auch in Syra, an den Dardanellen, in Smyrna und Avalik ist das Erdbeben wahrgenommen worden. Letztere Stadt ist erheblich beschädigt und sind außerdem mehrere Personen daselbst ums Leben gekommen. ißiges Mch,n .ds.T M w»®* «• rafte -UkW AM» M 'S?#-: Lokale*. G «lioklen, 17. Oktober. [Sterbllditdt in Gteßen.j Die Zahl der Todesfälle während der Woche vom 7. bi« 13. October belief sich im Ganzen auf 8. ES angeblicher Unterschlagung der durch das gedachte Journal für die Cscmgos gesammelten Gelder die strafrechtliche Untersuchung eingeleitet worden. Agram, 16. October. Heute Vormittag 9 Uhr wurden im Beisein eines Regierungs-Commisfars und einer Compagnie Militär unter klingendem Spiel die doppelsprachigen Wappenschilder von beiden Finanzgebäuden abgenommen und durch Wappenschilder ohne Umschrift erseht. London, 16. October. Aus Capetown wird gemeldet, daß der König Ketfchewayo sich gegenwärtig in Natal befinde, nachdem er dem englischen Residenten seine Unterwürfigkeit erklärt habe. Madrid, 16 October. Dei M nisterrath hat sich gestern mit den bekannten Vorgängen in Parts beschäftigt. Dem B-rn-hmm nach wird in der amtlichen Gazeta" der Inhalt der Unterredung »wischen dem König Alphons und dem Präsidenten Grevy veröff-ntUcht, womit der Zwischenfall als erledigt angesehen werden soll. Da« Journal „Dia" th-ilt mit, die portugiesische Truppenabtheilung, welche zur Unterdrückung des Bauernaufstandes bei Vatenca de Mino abgesandt war, sei von den Bauern zurückgedrängt worden, hab- sich nach Paredes zurückgezogen und dort verschanzt: übrigens sei der Bewegung keine Bedeutung beizumessen. Petersburg, 16. Ocwb-r. Bezüglich der neulichen Anhaltung eines britischen Schiffes bei Wladiwostok constatirt das „Journal de St. Pet-rsbourg", die amerikanische Gesellschaft Hutchison besitz- fett dem Jahr- El ein aus chließlich-s Monopol auf der Kommandanieninsel und Umgegend. Andern Sch'ffen sei daselbst der Frsch- sang nur mH Genehmigung des Generalgouverneurs von Oststbirien gestattet. Dies sei im Jahre 1882 m San Francisco und in den japanischen Häseni durch die russischen Consuln v röff-nilicht worden und die Beschlagnahme des britischen Schiffes sei daher gesetzlich. Di-Angelegenheit werde übrigens demnächst vor das kompetente Gericht gelangen. putsche „St- Petersburger Zeitung" veröffentlicht ein Telegramm des OberhauptmonnSgericbls zu Hasenpolh (Kurland), nach welchem auf Grund von gerichtlichen Geständnissen der an dem Moide des Barons Nolde behelligten Persönlichkeiten von einem durch den Vaier des vertührten Mädchens verübten Racheakt keine Rede sei. — Verschiedenen Blättern zufolge hätte sich ein junges Mädchen als Mörderin der Sarah Becker bekannt. Dadurch wird der gegen den früheren Polizeibeamten Mironowitsch bezüglich der Thäterschaft erhobene Verdacht nahezu beseitigt. Das Mädchen ist verhaftet und die Untersuchung eingdeltd. Alexandrien, 16. October. Die deutsch- Commission zur Erforschung der Ursachen der Cholera hat sich nach Kairo begeben und wird in etwa 10 Tagen dre Reise nach Indien antreten. __—— Nolrstoff im Napier m entdecken. Nack einer in her Mchrist „Lithographin" enthaltenen Mittheilung befeuchtet man, um Holzstoff im Papier zu entoeden, dasselbe mit einem Tropfen einer Mischung von drei Thesten starker Salpetersäure und einem Theil Schwefelsäure. Holzstoff enthaltendes Papier soll dadurch braun gefärbt werden. Um die Richtigkeit dieser Behauptung zu beweisen und die Wirkung des ange- geb-nm Mittels für Papiersorten von verschiedenem Holzftosfgehalt zu erproben, wurde tm ?eLn°wgifchen G-werbemuseum in Wien, eine Ret - von Untersuchungen unter- uommkn bei welchen Papiersorten ohne Holzzusatz und solche mit 20, ^0,,40, 50, 60, 70 nnd »0 Nvnn nt (ÄLbalt an Lolzstoff in Anwendung kamen. Das Ergebnitz dieser Versuche^b-steht nach den „MWilungen" des t^nologischen Gewerbe-Museums in Folscndcm - Holzzusatz erleidet durch das Befeuchten nur eine wenig wahrnehl^are Bräunung, welche nach dem Trocknen des Fleckes in einen schwach grauen Ton übergebt. Papier nimmt unmittelbar nach dem Betupfen eine duokel^a.m ^arbe^ an der B-seuchtungsstell- an. Die Raschheit, mit welcher bfe Bräu!una anIntensität gewinnt,^ka»n als Maßstab für den Geholt bes Papiers ^n Hchzstoff galten: j-rascher die Bräunung vor sich geht, desto holzstoffreicher ist das P"vier. ber trocfcn gewordenen Flecke können gleickfalls zur Beur- theilung des H^lzstoffgehaltes dienen- je holzstoffreicher das Papier ist, desto dunkler erscheinen die Befeuchtungsstellen und der nach dem Trocknen entstehende, st- umsäumende ?V»gM"l?/ge^Bunstpapine^ erleiden je nach ihrer Farbe verschiedene V-r- änderunge^a^den Beiupsungsitellen. Blaues Papier zeigt grünliche, kirschrothes gelb- braune, gelbes braune und grünes Papier rothlich-braune Flecken. Nm WhhCi A Sorlcns. \ Nrtiiom. U ins- d. .®# s» trctung. im^^ en, «ltz i l l|t, DUR^lU lnkner,U< Wge »ffenröikt ji 691 ds.A. 9- Oftober wick- iMeffeu, $ ictt vonM.« baldige Meldu, t Sonmfi L l wurden betroffen 6 erwachsene Personen und 2 Kinder. Von den letzteren starb das eine, nur einen Monat alt, an Darmcatarrh, daS andere tm Alter von 2 Jahren an Scharlach- Bet den Erwachsenen war Todesursache: Lungenschwindsucht 2mal, Wochenbettkrankheiten 2mal, KrebS Imal, organische Herzkrankheit Imal. Gießen, 17. October. Von Großh. Strafkammer wurde gestern ein vor 3 Wochen wegen Majeftütsbeletdtgung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verhafteter hiesiger Einwohner zu 5 Monaten Gefängntß verurthetlt- — Ein Einwohner von Alten-Buseck, welcher tm Sommer d.J. junge Bäumchen an der Marburgerstraße in frevelhafter Weife beschädigte, wurde von demselben Gericht mit 6 Monaten Gefängniß belegt. — Heute Morgen wurde ein sechsjähriger Junge von einem Frachtfuhrwerk in der Marktstraße überfahren und am Hinterkopfe, Hals und Gesicht nicht unbedeutend verletzt. Der Junge, welcher über die Straße gehen wollte, wurde von den Hufen der Pferde des betr. Fuhrwerks niedergetreten. Der Kutscher, welcher zu stark gefahren haben soll, wird seiner verdienten Strafe nicht entgehen. Vermischte-. Friedberg, 15. October. Der regelmäßige Betrieb der Actien-Zuckerfabrik „Wettcrau" wird, nachdem alle Maschinen re. probirt sind, morgen eröffnet werden. Vilbel. Einem hiesigen Gaftwirthe, welcher bet dem Fourageempfang in dem Magazin dahier die Eantine übernommen hatte, wurde ein Faß Bier entwendet. Sofort angestellte Recherchen ergaben, daß das leergetrunkene Faß auf einem mit Fourage rc. beladenen Bauernwagen mit Militärbcgleitung vor Gronau gefunden wurde. Die Anzeige bei der Militärbehörde wurde erstattet und hat der Gastwirth bereits eine Vorladung an das Kriegsgericht zu Darmstadt erhalten. (O- A.) Mainz, 15. October. Ein Soldat vom 117. Infanterie-Regiment war gestern Abend im Begriffe, in eine Wirthschaft tm Gartenfeld zu gehen, als er plötzlich mit Steinen beworfen wurde und in Folge dessen eine ziemlich heftige Verletzung erhielt. Darüber war der Soldat selbstverständlich aufgebracht, er zog deshalb seinen Säbel und drang damit auf seine Peiniger ein. Darauf hin holte einer der letzteren eine Holzoxt und schlug damit auf den Soldaten, so daß dieser alsbald schwer verletzt zusammenbrach und in das Militärlazareth gebracht werden mußte. Nach diesem Vorfälle geriethen nun die beiden Kerle selbst miteinander in Streit und einer derselben hieb seinem Gegner über den Hinterkopf, daß der Getroffene ebenfalls lebensgefährlich verletzt zu Boden stürzte und alsdann in das Hospital transportirt wurde. Außer diesen zwei Verletzungen wurden an demselben Abend im Gartenfeld noch weitere 4 Personen mittelst Messerstichen verletzt. (F. I.) Köln, 13. October. Gestern Abend Übergaben zwei Unterofficiere der vierten Batterie einen Soldaten, der von derselben Batterie befertirt war. Derselbe machte wiederholt den Versuch, zu entkommen. Heute früh 6 Uhr bat er, austreten zu dürfen. Die Erlaubniß wurde ihm erthetlt, zwei Leute ber Wache begleiteten ihn Als er zurückkehrte und wieder an der Thür der Hauptwache ankam, entsprang er plötzlich. Seine Begleiter setzten ihm nach und riefen ihm zu, stehen zu bleiben- Da er nicht Folge leistete, machte einer von ferner Feuerwaffe Gebrauch und streckte ihn durch einen Schuß in den Kopf nieder. Er war sofort tobt. Breslau. Der Magistrat von Neumarkt erläßt folgende Bekanntmachung: „Der massenhafte Zuzug von Arbeiterfamilien nach der Stadt und das dadurch hervorgerufene Anwachsen der Armenlast zwingt uns, an den Bürgersinn der Hausbesitzer die Bitte zu richten, doch ja keinen neu anziehenden Arbeiterfamilien mit reichem Kindersegen, die früher oder später doch einmal bet Armenkasse zur Last fallen, Wohnung zu gewähren. Die Armenkasse wird im entgegengesetzten Falle niemals Unterstützungen zur Bezahlung rückständiger Wohnungsmtethe geben. Neumark, 24. September 1883. Der Magistrat." Frielendorf, 11. October. Heute früh um 3 Uhr gerieth die Farbwaaren- fabrik (Kasseler Braun) des Herrn Kramm in Brand. Trotz der raschen Hülfe brannte dieselbe vollständig nieder. Aus Schlesien, 13. October. Unter der Ueberschrift: Gift statt Brod bringt die katholische „Rat.-Leobsch. Ztg." aus Ratibor einen Artikel mit so schwerer Anschuldigung gegen die oberschlesischen Gutsbesitzer, daß er nicht unbeachtet gelassen werden darf, zumal das genannte Blatt sich erbietet, den Beweis der Wahrheit anzutreten. Der Artikel lautet: „Auf einem in der Nähe befindlichen größeren Gute sind' plötzlich heftige Darm- und Magenleiden epidemisch aufgetreten. Die Ursache wird von der Polizei in der mangelhaften Deslnfect'on der Aborte und Düngergruben gesucht. Wir wollen für dergleichen Fälle der hohen Behörde einen Wink geben, für den sie uns hoffentlich dankbar sein wird. Die Epidemie ist fast nur auf dem Gutsbezirk, nicht auf den Rusticalgütern aufgetreten und die Ursache liegt in dem verdorbenen Getreide, welches den Leuten als Deputat geliefert wird. Wer sich überzeugen will, daß man es hier mit einem großartigen Vergiftungsproceß zu thun hat, der komme auf die Redaction der „Rat-Leobsch. Ztg."; man wird ihm eine Probe von der Gerste vorlegen, mit welcher ein Gutsbesitzer sein Lastvieh, wir wollten sagen seine Arbeiter, füttert. Dieser Fall soll sich übrigens, w-e uns neulich aus dem Koseler Kreise geschrieben wurde, nicht gerade selten wiederholen." Frankfurt a. M., 15. Ociober. Zum Empfang des Kaisers nach Schluß der Manöver sind neben der von der Stadt bewilligten Summe von 15,000 «X noch 82,000 JL gezeichnet und theilweise verwendet worden. Stuttgart, 14. October. Nach anderthalbtägiger Verhandlung hat gestern das hiesige Schwurgericht den des Raubmords an dem Viehhändler Jos. Werthhermer von Bretten am 27. März 1881 angeklagten Taglohner Joh. Jak. Götz von Kaltenthal bei Stuttgart in der auf Entscheidung des Reichsgerichts in Leipzig vor sich gegangenen Wiederverhandlung neuerdings zum Tode verurtheilt- Wie schon früher mitgetheilt, hat Götz vor mehr als 2% Jahren den Viehhändler Werthheimer in seinem (dem Angeklagten) Stalle in Kaltenthal erschlagen und dessen Leichnam in seinem Keller vergraben, wo er erst in diesem Jahre anläßlich eines Brandts dcs Götz’schen Hauses entdeckt wurde. Die Vertheidigung des Angeklagten, R.-A. Kapp, hatte auf den Wunsch des Götz Berufung gegen das am 6. Juli d. I. ausgesprochene Todesurtheil eingelegt und es hat das Reichsgericht denn auch am 13. September b. I. die Sache deshalb zur Wied.'rverhandlung an das Schwurgericht zurückoerwiesen, weil die Fassung der Hauptschuldfrage, welche auf „vorsätzlich und mit Ueberlegung ausgeführte Tödtung" ging, nicht ganz im Einklang mit dem § 211 des Str.-G-B. stehe, welcher lautet: „Wer vorsätzlich einen Menschen tobtet, wird, wenn er die Tödtung mit Ueberlegung ausgefühi t hat, wegen Mordes mit dem Tode bestraft." D-r Präsident des hiesigen Gerichts erklärte Eingangs der Verhandlung, daß er sich dieses Unterschiedes zwar bewußt gewesen sei, ein rechtliches Bedenken jedoch nicht gehabt habe. D e Verhandlung lieferte im Wesentlichen dasselbe Resultat, wie das erste Mal und es gelang der Vertheidigung trotz Aufbietung aller juristischen Kraft nicht, die Bejahung der Frage durchzusetzen nach der Götz nur des einfachen Todtschlags schuldig zu sprechen wäre. So fällte denn das Gericht auf Grund des Verdicts der Geschworenen von Neuem daS Todesurtheil über den Angeklagten, der nun seit 6. Juli L I. in banger Erwartung des Ausfalls seiner Berufung in Untersuchung sitzt. Schon dieses Umstandes wegen darf mit Zuversicht die Begnadigung durch den König erwartet werden- — Der preußische Negierungsrath Techow ist von der japanesischen Regierung mit einem Gehalt von 40,000 Francs jährlich zunächst auf drei Jahre zur Reorganisation des japanesischen Unterrichtswesens berufen und hat seine Reife nach Japan angetreten. Mülhausen, 11. October. Die Wittwe des jüngst verstorbenen Herrn Engel- Dollfus hat, wie man der „Karlsr. Ztg." schreibt, um das Andenken ihres Mannes zu ehren und um einem seiner letzten Wünsche zu entsprechen, sich entschlossen, eine Pensionskasse für die Angestellten des Hauses Dollfus, Mieg u. Eo. zu gründen, dessen Chef bekanntlich Herr Engel-Dollfus fett einer langen Reihe von Jahren war. Zu diesem Ende hat Frau Engel-Dollfus nun ein Capital von 200,000 Frs. ausgesetzt und eö haben die drei Söhne derselben ebenfalls die gleiche Summe für denselben Zweck bestimmt, so daß ein Capital von 400,000 Frs. für die neu zu begründende Pensions- kasse vorliegt. Das Weitere über diese Kasse wird erst demnächst bestimmt werden. Amsterdam, 12. October. Dem »Nürnb. Anz " w'.rd geschrieben: „Die berühmte hiesige Colonialixport-Ausstellung verspricht einen würdigen Abschluß zu erhalten. Es scheint, daß das Comite die goldenen und silbernen Medaillen nur auf dem Papier vertheilt hat. Denn wer die Medaille, welche er zugesprochen erhalten hat, auch wirklich bekommen will, kann und darf sich dieselbe für sein eigenes Geld kaufen!! Das ist ein Unikum, welches bis jetzt noch keine Ausstellung aufzuwetsen hat, aber der hiesigen vollkommen würdig ist. Und da findet sich kein deutscher Regierungsvertreter, der gegen e'nen solchen Skandal protestirt? ?" — Einen wahrhaft klassischen Opfermuth bat unlängst im Dienste der Kunst eine Schauspielerin im Theatre Fran^ais, Mademoiselle Dudley, bewiesen. Anläßlich der Premiere von Albert Delptt’s „Maucroix" ließ sich die genannte Künstlerin sechs Vorderzähne ausziehen und durch künstliche ersetzen, um ein durch die Stellung der natürlichen Zähne hervorgebrachtes Lispeln zu entfernen. Das erinnert ein wenig an den Sto'cismus Theophile Gautiers. Der Autor von „Fortunie" hatte furchtbar an den Zähnen zu leiden. Er suchte deshalb einen Zahnarzt auf, ließ sich die kranken Zähne ausziehen und sagte bann zu dem, nicht seinen Ohren trauenden Dentisten mit größter Gemüthsruhe: „Da Sie einmal dabei sind, können Sie mir ja auch gleich die noch übrig gebliebenen Zähne herausnehmen. Ich habe die Zahnschmerzen satt und will ein für alle Mal Ruhe haben." Der Dentist that, wie ihm anbefohlen und Theophile Gautier trug seitdem ein vollständiges Gebiß — er hatte nun wirklich „ein für alle Mal Ruhe." — Eine Schmuggler-Geschichte, welche für den eigentlichen Veranstalter einen unangenehmen Ausgang hatte, macht in Hof (Bayern) viel von sich reden. Ein Viehhändler, der in Böhmen 4 Stück feiste Ochsen gekauft hatte, ließ dieselben durch einen Landwirth über die Grenze bringen; doch der Letztere wurde ertappt und festgesetzt und die beschlagnahmten Ochsen kamen zur Versteigerung. Da behauptet der Bauer Inder Untersuchung, daß die vier Ochsen ihm schon lange gehörten und er mit denselben nur eine Geschäftsfuhre nach Böhmen unternommen hätte. Der Nachweis gelang; er mußte freigelassen werden und das von den verkauften Ochsen geloste Geld ausgezahlt erhalten. Da kommt nun der Viehhändler, dem die Ochsen in Wirklichkeit gehört hatten und verlangt das Geld für sich; aber das Bäuerlein weist sein vom Gerichte ihm ausgestelltes Schriftstück vor, nach welchem die Ochsen als ihm gehörig bezeichnet sind und verweigert die Herausgabe der Summe. Der Viehhändler, der wohl weiß, daß er mit einer Klage nichts profitiren, sondern sich dabei selbst als strafbar hinstellen würde, hat nun das Nachsehen. — (Was ein Gedanke ist.) Lieutenant: Sie, Müller, um ’n Gedanken vorl — Müller tritt um einen ganzen Schritt aus der Linie ’raus. — Lieutenant: Müller sind Sie wahnsinnig? — heißt das ’n Gedanken vor? Wissen Sie, was ’n Gedanke ist? Ein Gedanke ist soviel wie gar nichts! Witterungskunde.*) 18. October. Donnerstag. Vormittags und Mittags veränderlich bis bedeck! mit Schauern, frühmorgens bis Morgens und Abends aufgeheitert, Nachts Niederschläge, tagsüber verhältntßmäßig kühl und windig. 19. October. Freitag. Frühmorgens und Morgens heiter, Nachmittags ortlick windig und verandeilich, spätnachmittags gewitterhaft mit Niederschlägen, vielleicht Graupelböen und auffälliger Abkühlung; Abends etwas besser, Nachts Niederschläge *) Aus Dr. L. Overzier’s Wetter-Prognose für den Monat October abgeschlossen am 20. September (Verlag der M. Lengfeld’schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 Xy — Nachdruck verboten. ArsnTfrrVä M.. 17. Octbr., Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen. Creditactten 242%, Staatsbahnactien 267%, Galizier 243%, Lombarden 127V*, Nord weftbahnactien 160%, Gotthardbahnactien 102%, Darmstädter - Bankactien 152% Disconto Commandit 187%, Oefterr. Silberrente 6613/i6, 4% Ungar. Goldrente 73%, 4% 1880er Russen 71%6, 5% 1877r Russen 90%, 2. Orient-Anleihe 56%,, 4<% Spanier 58%ß, 5% Rumänische Rente 93%. 4% Unific. Egypter 70%6, 5% Türker 10%, Marienburger 102%, Hess. Ludwigsbahnact. 109. Tendenz: schwach. Kirchliche Anzeigen der ev. Gemeinde Gießen. Donnerstag, 18. Oktober, Abends 6 Uhr: Erbauungsftunde in der Stadtkirche — Pfarrer Dingeldey. (Luther in den Jahren 1521—1529.) Allgemeiner Anzeiger. MchäsK-Eeöffnung. Einem verehrlichen hiesigen und auswärtigen Publikum zeige ich hierdurch an, daß ich in dem uon mir erkauften Hause Neuenweg Nr. 33 unterm Heutigen eine Metsgerei errichtet habe. . Unter Zusicherung bester Bedienung bitte ich um geneigten Zuspruch. 6814 Hochachtungsvoll Adam Dieta, Neuenweg (jejchm. 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Rübfamen» Fr. Ernst Fehfenfeld, iInm.-Auchhank>lung u. Antiquariat, GIESSEN, äeltersweg 35. 67 Schriften »um EutherJubiläum* Böhm, Dr. M. Luther als Erzieher der Deutschen. X 1.—. Burk, Martin Luther. 2. Aufl. mit L. Porträt. X 3.—, geb. X 4.—. tzttok, Die Wittenberger Nachtigall (Luthers geistl. Lieder). X 2—, geb. X 3.—. Söftliu, Martin Luther, sein Leben und seine Schriften. 2 Bde. 2. Aufl. X 18.—. - Luther's Leben, illustr. A. in 16 Lief, ä X —,50. - Luthers Theologie in ihrer geschichtl. Entwicklung. 2 Bde. X 9.—. Sächenmeister, M- Luther's Krankengeschichte. X 1-80. 8mz, M. Luther, Festschr. d- Stadt Berlin (erscheint am 10. Nov- d. I.). Subscr--Preis X 2.60. Lorenz, Erfurter Luther-Almanach. X 4.80. Luther, M-, als deutscher Classiker. Bd. I—Hl. ä x. 4—. geb. ä 5.—. Luther-Album, 10 Cabinetsphotogr. v. Luther u. d. Lutherstätten. X 15.—. - — Eisleber, 4 Steintafeln. X 1.—. — Lehren v. Schlüsselamt, Kirchenzucht rc, Hrsg. v. Bollert. X 3.80. - Werke, krit. Gesammtausg. 1. Bd. (erscheint demnächst). X 18.—. Meyer u. Prinzhorn, M- Luthers Gedanken üb. Erziehung u. Unterricht. X 5.— geb. X 6.—. Müller, I-, Luther's reformator- Verdienste um Schule u. Unterricht. X 1.—. tration oder Predig in der Leich' Dr. M. Luther's durch Phil. Melanchtonem. X—.20. Mitt u. Petersen, Luther's Leben und Wirken. X 4.50, gbd- X 5.50. Mitt, Luther's Leben, cart X 2.40. ■ Achter, F-, Festgabe zur 400jähr. Lutherfeier. X —25. Aedel, Luther, d- Gottesheld. Festged. i. Rede u. Gesang. a, Ausg. f. d. Lehrer X -.40. B. „ f. d. Schüler X —.15. ^ogge, Lutherbüchlein- X —40. Schmidt, Luther's Bekanntschaft m. d. alten. Klassikern. X 1.20. Netzet, Das Leben Dr. M. Luthers. X —.3u. Dr. M- Luther, Denkschrift, für Schule und Haus bearbeitet. X —.20. Bibliothek für Jagdfreunde. Httdeich & Behm, Forst- und Jagdkalender f. 1884. 2 Thle- X 3.50. fiezel's Niederjagd. 5 A. Hfzbd. X 17. Zrunert, Jagdlehre. 2 Bde. X 8. rgdzeitnng, neue deutsche, redig. v. A. v. Hirschfeld. 4. Jhrg. in 52 Nummern, resp. Quartal X 2-50. L — illuftrirte. Hrsg. v. VUtzsche. Ij.Jhrg. in 52 Nummern, p. Sem- X 3. Mibe, Jagd und Hege d. europ. Waldes. X 3, gbd. X 4. Aesenihal, Jagdlexikon. X 5. — Die kleine Jagd. In 6 Lieferungen ä j 1. Schutzdach und immerwährende Jagdkalender, illustr- v. Beckmann, geb. X 10. chaw, Das illustr. Buch v. Hunde. 28 cfgn. ä x 1.50. düngen, Das Rebhuhn. X 1. , Jagdkunde im Rocksack. X 3.60. Waldmann, Der. Blätter f. Jäger u. Jagdfreunde. Halbjährlich 26 Nrn- X 6. Aallner, Waidmann's Luft. Liederbuch. X 1. Uvckell's Handbuch für Jäger, bearb. v. Tschudi. 2 Bde. X 24.______________ Zur gcfl. Beachtung! Durch äußerst günstigen Gelegenheils -Einkauf bin ich 111 Stand gesetzt, eine grosse Farthie Möbel aller Art " Fabrikpreisen offeriren zu können, als: Buffets ä x 130, Schreibsecretäre ä x. 72, Gallerieschränke ä Wermietßungen. 6918 Stube mit Küche zu vermiethen- Teufels-Lustgärtchen 22. ' 6923 Möblirtes Zimmer zu vermiethen. —Westanlage 15 (mittl. 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Potsdamer-Straße 38. . 6917 Die Berläumdung, welche ich gegen F. W. Reuschling ausgesprochen habe, nehme ich hiermit öffentlich als Unwahrheit zurück. Klein-l'inden, den 16. Oktober 1883. Ij. Bläueee. 6565 Ein Lehrling kann die Marmor- und Grabsteinarbeiten gründlich erlernen bei Franz Hewel, Steinmetz, Grünberger- Straße. im Abonnement 6495 empfiehlt Restauration Feidel. 6158 .Herrenhüte werden zu Damenhüten umgeändert. Neue Muster vorräthig. €). Seltersweg. nwD Anzeige. Dem geehrten Publikum erlaube mir die Mittheilung zu machen, daß ich Sonntag den 14. ds. Mts. eine Metzger©! im Hause des Herrn Buch, Mäusburg, eröffne. 6718 Von dieser Zeit an werde ich stets auf Lager haben: Prima Ochsenfleisch per Pfd. 70 H, Kalbfleisch nach Lade* preis, Hammelfleisch nach Ladenpreis. Ferner in Prima-Qualität frische geräuch. Cervelatwurst p. Pfd. 1Jt., „ Fleischwurst per Pfd. *5 X „ Leberwurst „ „ 60 „ „ Preßkopf per Pfd. 1.10, sowie sämmtliche Sorten Rauch- und Pökelfleisch. 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Lauterach 8“, ll29, 429, 10. Gelnhausen 92>, 3*5, 65b- Nidda 625, 925, 335 O66. * bedeutet Schnellzug. Die fetten ZtM» die Nachtstunden. j ------~~ ■ -----------— i worden sein, (01 DieFettknhMkM J. L nopfesiilatt !>v0rden jst s werden eingesetzt: Plorm X diren und alle Zahn- X operationen re solid ausgesührt von 6336 O Christian Frutig empfiehlt sich im Aufhauen stumpfer Feilen bei reeller Bedienung und soliden Preisen. Referenzen ertheilen Herren Heyligen- .st ä d t C 0 m p., Maschinenfabrik, Gießen, Herren At ö l l e r L S ch r ö d e r, Offenbach E=219./10. 8 Uhr. I. u. II. » Conf. 11. Ball. 036