41. Zweites Blatt. Sonntag ben 18. Februar 1883, Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau: Schulstraße 7. MJM! Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. PreiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Wochenschau» Gießen, 17. Februar. Die Verhandlungen des Reichstages dürften zur Stunde schon vertagt worden sein, so daß nunmehr dem preußischen Adgeordnetenhause hinlänglich Raum zur Fortsetzung seiner Beratungen geboten ist. Am Montag verwies der Reichstag nach theilweise sehr bewegten Debatten in zweiter Lesung die Novelle zum Militär-Pensions-Gesetze wieder an die 9. Commission zur schriftlichen Berichterstattung zurück und ein Gleiches geschah mit dem Relicten- Gesetz. Am Dienstag beschäftigte sich das Haus ausschließlich mit Wahlprüfun- gen und wurden im Verlaufe der ebenfalls sehr animirten Debatte eine ganze Reihe von Wahlen theils beanstandet, theils für ungiltig erklärt. Die Mittwochs-Sitzung war wiederum dem Etat und zwar der dritten Lesung desselben gewidmet; doch bildeten bei der Generaldiscussion hierüber weniger die allgemeinen finanziell-politischen Gesichtspunkte, als vielmehr militärische Betrachtungen das Grundthema. Abg. Richter-Hagen nahm zunächst die Gelegenheit wahr, dem Kriegsminister Kameke gegenüber zu erklären, daß er eine Jdentificirung des Osficier-Corps mit der ganzen Armee für unzulässig halte; die Feldarmee im Kriege bestehe höchstens zu einem Drittel aus Berufs-Soldaten, die Mehrheit sei das Volk selbst, die Steuerzahler, deren Recht, über die Armee mitzu- berathen, d. h. durch Vermittelung des Reichstages, ihrer erwählten Vertretung, unbestreitbar sei. Nachdem der socialdcmokratiiche Abg. Geifer Namens seiner Parteigenoffen erklärt hatte, daß sie gegen den Etat stimmen würden, unternahmen es die Abgg. v. Kardorff und u. Schorlemer-Alst, den Ausführungen Richter's entgegenzutreten, worauf Letzterer erwiederte, daß er als Volksvertreter es als seine Pflicht erachte, an jedem Punkte, wo er es für nöthig halte, seine Kritik einzusetzen. Am Dienstag Abend trat das preußische Abgeordnetenhaus nach mehrtägiger Pause wieder zusammen. Auf der Tagesordnung stand lediglich die sog. Kanal-Vorlage, welche die Erbauung eines Kanals von Dortmund nach der unteren Ems vorschlägt. In der Generaldiscussion wurde auch von den Gegnern der Vorlage die Bedeutung der künstlichen Wasserstraßen anerkannt, und wurden von dieser Seite die finanziellen Bedenken hervorgehoben, da zum Bau des erwähnten Kanals 46 Mill, vtu gefordert werden. Das Haus überwies die Vorlage schließlich einer Commission von 28 Mitgliedern zur Vorberathung und vertagte sich sodann bis Sonnabend, den 17. Febr., für welche Sitzung der Etat für Handel und Gewerbe und der Eisenbahn-Etat auf der Tagesordnung steht. In Oesterreich werden die Gemüther noch immer durch die Kaminski- Affaire bewegt. Zur Untersuchung dieses Falles ist vom Reichsrathe eine Commission von 15 Mitgliedern eingesetzt worden und zu gleichem Zwecke hat das Handelsministerium eine Beamten-Commission eingesetzt; außerdem hat sich auch die Wiener Staatsanwaltschaft der Sache bemächtigt. Hoffentlich werden diese Erhebungen die neueste Scandal-Affaire im parlamentarischen Leben Oesterreichs vollständig klären. Das jetzt in Frankreich herrschende politische Chaos ist durch die vom Senate in der Thron-Prätendenten-Frage getroffene Entscheidung eher vermehrt als vermindert worden. Bekanntlich hat der Senat den Entwurf Waddington-Say angenommen, wonach Prinzen, welche irgend einen Act begehen, durch welchen die Sicherheit des Staates gefährdet erscheint, mit Ausweisung bestraft werden. Sowohl die ursprüngliche Regierungs-Vorlage, wie auch der vom Senator Barbey ausgearbeitete Entwurf, welcher im Allgemeinen vorschlägt, die Ausweisung der Prinzen durch ein vom Ministerrathe gutzuheißendes Decret des Präsidenten der Republik geschehen zu lassen, wurden vom Senate verworfen. Das Cabinet Fallieres hat in Folge dieser Entscheidung seine Entlassung gegeben, doch wird es auf die Bitte des Präsidenten Grvvy die Geschäfte einstweilen weitersühren. Durch die Ablehnung der Thron-Prä- tendenten-Vorlage Seitens des Senates ist ein entschiedener Zwischenfall zwischen dieser Körperschaft und der Deputirtenkammer eingetreten, welcher noch dadurch verschärft erscheint, daß die Commission der Deputirtenkammer zur Vorberathung der Prätendenten-Vorlage einstimmig den vom Senate angenommenen Entwurf abgelehnt hat. In der Deputirtenkammer selbst überwiegt die Stimmung zu Gunsten des Barbey'schen Entwurfes, so daß wohl nur letzterer die Basis zu der zwischen den beiden Häusern des französischen Parlamentes nothwendigen Verständigung bilden wird; ob sich diese ohne Weiteres erzielen lassen wird, ist freilich sehr fraglich. In England hat das politische Leben mit dem am 15. Februar erfolgten Wiederzusammentritt des Parlamentes wieder einen regeren Pulöschlag genommen. Unter den Gesetzentwürfen, welche das Parlament in der begonnenen Nachsession beschäftigen werden, dürsten die Bill über die Reform der Londoner Gemeindeverwaltung und die Bill über die Ersetzung des parlamentarischen Eides durch bloße Angelobung lebhafte Debatten Hervorrufen. Dagegen sind in Bezug aus die irischen Angelegenheiten keine neuen Vorlagen zu erwarten, zumal da die schon angenommenen auf Irland bezüglichen Gesetzentwürfe in ihrer Ausführung auf große Hindernisse gestoßen sind. Aus Petersburg meldet man, daß die unlängst wieder aufgenommenen Verhandlungen mit China wegen Regulirung der russisch-chinesischen Grenze einen erfreulichen Fortgang nehmen. General - Major Medjinski, der Vorsitzende der russischen Grenz-Commission, ist von den chinesischen Behörden mit großer Auszeichnung ausgenommen worden und will man hieraus schließen, daß die Verhandlungen, welche in erster Linie die Feststellung der Grenzen im Kuldscha-Gebiete betreffen, zu einem besriedigenden Resultate führen werden. Das anfängliche Mißtrauen, welches man der Londoner Donau- Conferenz entgegenbrachte, scheint doch nicht gerechtfertigt zu sein. Wenigstens meldet man hierüber aus London, daß in Bezug auf die zu behandelnden Fragen große Uebereinstimmung unter den Vertretern der Mächte herrsche und daß deshalb Die Verhandlungen der Conserenz einen rascheren Fortgang nehmen würden, als ursprünglich angenommen wurde. Der Vertreter Rumäniens in London, Fürst Ghika, hat sich allerdings geweigert, an der Conferenz theilzu- nehmen, da Rumänien von derselben nur eine berathende Stimme zugestanden worden ist, doch dürfte sich die ConfereNz an den Widerspruch der rumänischen Negierung wenig kehren. Die Arbeiten zur Reform der inneren Verwaltung Egyptens gehen ihrer Vollendung entgegen. Nahezu vollendet ist jetzt die Ausarbeitung der Vorlage über die Reform des einheimischen Gerichtswesens. Es sind zwei Appellhöfe (in Alexandrien und Kairo), jeder mit vier europäischen Richtern besetzt, in Aussicht genommen, ebenso acht Gerichtshöfe erster Instanz an verschiedenen Orten, jeder mit drei europäischen Richtern besetzt. Die Überschwemmungen in den Uereinigien Staaten. Am schwersten haben, den bisherigen Nachrichten zufolge, Cincinnati und Louis- ville durch die Überschwemmungen gelitten. Beide Städte liegen am Ohio. Cin- c nnati ist eine der bedeutendsten und schönsten Städte der nordamerikanischm Union im Staate Oh'o — heißt sie doch bet den Amerikanern fdbft „die Königin des Westens". D e Emwobnerzahl bdrug vor zwei Jahren 255,139, davon 183,480 Inländer und 79,659 Ausländer. Seit zwanzig Jahren ist Cincinnati zwar durch Chicago und St. Louis überflügelt worden, allein seine Bedeutung für das Obio- und Mississippi- Ihol ist immer noch e«ne sehr g oße. Cincinnati's Lage ist sehr schön. Die das Ufer des Ohtoflusscs begleitenden Hügel ziedrn sich in einem Halbkreise zurück und in der dadurch entstehenden Thalschlucht breitet sich die Stadt aus, Ungs von bewaldeten und rebenumpflanzt n Höhen umschlossen. Unter den Einwohnern sind fast ein Viertel Deutsche; aus Handwerkern, Kaufleuten und Fabrikanten bestehend, habcn sie wesentlich zum raschen Aufblühen der Stadt beige.ragen und wohnen hauptsächlich nördlich vom Miamikanal „übet’m Rhein", wo sich auch die größten Bierbrauereien befinden. Die Verkehrsmittel Cinc nnatis sind sehr bedeutend, seine Flußdampssch.fffahrt wird nur von "der von St. Louis übertroffen. Mitten in die Stadt hinein zieht sich der Miamikanal, dessen Anlage über 7 Mill. Dollars gekostet hat und der, in Cincinnati beginnend, nach ein r Längenerstreckung von 465 Km. bei Toledo sich in den Eriesee ergi'ßt. 13 Haupteisenbahnen verbinden die Stadt mit den übrigen Theilen des Staates und in 28 Stunden gelangt man nach New-Jork. In diesen reichentwickelten Verkehr hat nun die Überschwemmung c ne arge Störung gebracht D'e zwe'te, nn ist beschädigte Stadt ist Louisoille. Sie liegt am südlichen Ufer des Ohio, unmittelbar unter den dortigen Stromschnellen, ist die größte Stadt im Staate Kentucky und hat über 100,000 Einwohner. Als Hauptstapclplatz für den Kentucky'schen Hanf und Tabak, ist es bedeutend durch seinen Handel, welcher dem- jen gen vrn Cincinnati fast gleichkommt; besonders unterhält die Stadt lebhaften Verkehr mit N.w-Orleans und den am Mississippi gelegenen Otten Mit dem Innern des Staates und dem Cüd-.n siebt Louisv lle durch drei Eisenbahnen in Verbindung. Die Stadt liegt ebenfalls sehr schön und ist gut gebaut Wir geben nunmehr nachfolgend die E nzelheiten über die Ueberschwemmungen, wie sie uns bis jetzt durch die englischen Zeitungen oder direkt telegraphisch zugekommen sind. In C'ncinnatt war der höchste bekannte Stand des Wassers (64 Fuß 4 Zoll im Jahre 1832) um 3 Fuß überschritten; zehn Meilen Flußufer waren üderfluthet, Hunderte von Häusern standen unter Wasser, Tausende von Personen waren ohne Beschäftigung. Da das Wasser allmälig stieg, so war es möglich gewesen, alle bedrohten Menschen zu retten. Bet der Ueberfluthung deS Bahnhofs sind leider 50 Menschen umgekommen. Der Strom war so reißend, daß das Fahren auf demselben geführt ch wurde. Das Wasser hat die Feuer in den Gasanstalten gelöscht. Am Sonntag früh ertranken 450 Stück Vieh. Die Hängebrücke konnte nur zu Boot erreicht werden- Alle Eisenbahnen waren überschwemmt und das Reisen war fast unmöglich. Der Fluß stieg jede Stunde einen Zoll. Die Handelskammer hatte ein Comite ernannt, um Gelder für die Unterstützung der Nothleidenden zu sammeln. Auch sonst werden Maßregeln zur Hilfeleistung getroffen. Die Fluthen in Louisville sind die höchsten, welche je dagewesen- Die Geschäfte und die Schifffahrt stockten und den Uferbauten ist großer Schaden zugefügt worden. Die angeschwollenen Flüsse in Kentucky vergrößern das Wasserv^lumen im Ohio und das Eigenthum langS des Ufers bat enorm gelitten. Auch Portland und Jeffersonville waren überschwemmt- Newport und Covington, sowie alle benachbarten Städte haben großen Schaden gelitten. (F- B-) Vermischte » — Die Verhandlungen der Commission zur Prüfung der Frage der ueber- bürduna der Schüler höherer Lehranstalten im Großherzogthum Hessen sind nebst den dazu gehörigen Berichten in den ersten Tagen im Druck erschienen. Dteselben Haven einen Umfang von 28 Druckbogen in groß Oktav und sind auch im Buchhandel (Buchhandlung des StaatsverlagS in Darmstadt) zu beziehen- Werden a. d. R-, Anfang Februar. Vor einigen Wochen ist in der hiesigen Wassermühle von F. Busch die elektrische Glühlicht-Leleuchtung lieber die Art der Einrichtung mögen nachstehende Notizen. einigenAufschluß geben. Der elektrische Stromerzeuger, welchen die dynamo - elektrische Maschine. r^räsentirt und dessen Anker pro Minute 1250 Umdrehungen zu machen hat, ist vurch Riemen mit einer der BetriebSwellen der Turbine verbunden und speist die in dem-Etablissement zur Anwendung kommenden 22 Lampen, die in gleicher Weise in der Mühle,, den Lagerräumen und dem Comptoir vertheilt sind, wie die ^üheren, in gleicher Anzahl benutzten Petroleumlampen. Von diesen 22 lampen haben 14 btt ganze Nacht hindurch zu brennen, wahrend die übrigen 8 mittelst der an jeher ßampe befindlichen sogenannten Autzschalte-Einrichtunaen um 8 Uhr AbendS ausgelöscht weiten. E n nid) zu unterschätzender Vortheil ist die höchst einfache Bedienung, welche die Anlage erfordert; sie nimmt täglich nur einige Minuten zur Wartung und Neuschmierung der dynamo elektrischen Maschine in Anspruch, dagegen ist während des Betriebs keine Bedienung nothwendig. Die Betriebskosten sollen pro Lampe und Stunde nur s/4 .3 betragen, sie find also in der That niedrig und fallen umsoweniger in'S Gewicht, als die Anlage außer der helleren Beleuchtung noch die Vortheile der Geruchlosigkeit, Reinlichkeit und ganz besonder- der allen andern Beleuchtungsarten gegenüber bedeutenden Verminderung der ^euergefahrl'chkeit bietet. Die gut funktiontrende Einrichtung ist durch die Firma Pfannkuchen u. Re nhardl in Köln bergcstellt worden, welche sich sveciell mit Anlaaen zur elektrischen Beleuchtung beschäftigt. Schlettstadt, 12. Februar. Eine 92jährige diesige Bettlerin lMarie Salomea Kempf, Wittwe von Johann Rohmer) ist vor einigen Tagen todt in ihrem Bett aufgefunden worden. Sie hinterläßt, wie der „Metzer Ztg .* mttgetbeilt wird, Seitenverwandte, wovon einige im Auslande wohnen. Man fand in einem Kleiderschrank zum größten Erstaunen drei Säckchen mit französischen Goldstücken zu 40, 20, 10 und 5 Franc« im Gesammtbetrage von 22,0(>0 Francs vor. Wieviel Jahre mag wobl diese Summe unverzinslich gelegen haben? Dieser Fall zeigt wieder so recht, wie unnötbtaer Weise oft g bettelt wird. — Die Stubenbockeret der deutschen Jugend in den Städten ist in einem Vortrage, welchen der Turnlehrer Wortmann in diesen Tagen in Leipzig hielt, wieder ein mal recht lebhaft zu Tage getreten. Nach Wortmann entfallen auf die ganze Schulzeit eines deutschen Knaben 650 officielle Turnstunden, auf die eines französischen 1300 und auf die eines englischen 4500 Stunden für Körperübungen. Dazu kommt, daß der Schulunterricht tn Deutschland mit dem 6- Jahre beginnt, in Frankreich nicht vor dem 8. Jahre und in England selten vor dem 10. Jahre. Diese Zahlen reden so eindringlich, daß man endlich an's Werk gehen sollte, die Gesundheit unserer Jugend bener -u kultiviren, als es seither geschehen ist. Mögen zunächst die städtischen Schuldchorden Wandel schaffen durch Einrichtung von Bewegungssp elen im Freien. — lEin Kuhschwanzfälscher vor Gerichts Eine für Landwirthe interessante Entscheidung wurde am 24 Januar vom Landgerichte zu Leipzig gefällt. Ein Mann batte von einem Viehhändler eine Kuh für 257 JL g-kausl, die, wie sich später herauö- c*nen sogenannten Rattenschwanz, das heißt in Ermangelung eines eigenen Püschels ein m-t Pech angeheftetes Püschel trug. Obgleich die Angeklagten der Dieb- händler und sein Hausgenosse, der die Kleberei besorgt hatte, darauf binwtesen daß solche Rattenschwänze den Werth der Kuh nicht verm'nderten, erkannte doch das Gericht auf eme Geldstrafe von 120 «x, bezw. 40 JL, indem es außer der Täuschung noch nach Aus,age des Sachverständigen, annahm, daß sich durch diesen Schönheitsfehler der Werth einer Stallkuh um 30 JL, der einer Zugkuh um 45 JL vermindere. „ ~ Unbemittelten Inhabern des eisernen KreuzeS dürfte die Nachricht von Jn- teresse fein, daß aus den am 1. Januar d. I. fällig gewordenen Zinsen der Stiftung zum Besten unbemittelter Inhaber des eisernen Kreuzes (vom Feldwebel abwärts) durch den Kaiser auf den Vorschlag des Kriegsministers zwanzig unbemittelte Jnbaver mit einem Geschenk von je 60 JL bedacht werden sollen. Anträge auf Berücksichtigung bei dieser Unterstützung müssen unter Beibringung der auf die Verleihung des O-dens bezüglichen Dokumente ungesäumt bet den zuständigen Civil- und Militärbehörden angebracht werden. — Aus einem Nachbarstädtchen in nächster Nähe von Greiz wird folgende« amüsante Geschichtchen gemeldet, welches wir, ohne für die Glaubwürdigkeit desielben irgendwie einzutreten, hier veröffentlichen: In der Nacht vom Sonntag zum Montag gelang cs Dieben, die Werkstatt eines Färbers vom Hofe aus zu erbrechen und schon hatten sie aus den zum The'l noch nassen Zeugen sich einen ansehnlichen Packen zurecht gemacht, als der Färber, von dem Geräusch erwacht, mit einem Doppelgewehr bewaffnet entgegentrat. In der mondscheinbellen Nacht gewahrte er zwei Gestalten, die sich der seinem Herannahen rückwärts zu concentriren versuchten. Auf den Ruf- „Steht, oder ich gebe Feuer-, sprangen beide wie auf Eommando in den großen', beinahe gefüllten Jndigobott'ch und baten flehend um ihr Leben. Der Färber aber der sich an der Angst der Dicbe weidete, feuerte nun sein Gewehr in die Luft ab, was zur Folge hatte, daß beide Spitzbuben untertauchten. Dies gefiel d-m Fä'ber so wohl datz er die Herren Spitzbuben dieses Kunststück dreimal wiederholen lieh Gehörig gefärbt und durchttankt entließ er dann die Geängstigten, von einer Anzeige Abstand nehmend. Die also Gekennzeichneten dürften d'e Spuren dieses Abenteuers noch längere Zett mit sich herumtragen, denn der Indigo war eckt. . Mainz, 13 Februar. Heute Morgen wurde die Betonirung des 4. Strom- pfeilers der fqten Rhembrücke vollendet und wird nunmehr mit der Ausrammung des Pfetters begonnen. Die hierzu nöthigen Steine sind bereits per Schiff von Ludwigshafen kommend hier erngetroffen. — Zwischen der Brückenbaugesellschaft und den Vertretern der Direction der Köln Düsseldorfer Dampfschifffahrts Gesellschaft ist nun eine Vereinbarung dahingehend getroffen worden, daß die Landungsbrücken der Damvf- boote nicht oberhalb der Schiffbrücke verleat werden müssen. Eine Verlegung oberhalb ?^./^Eeren wäre sowohl für den öffentlichen Verkehr als auch für die Gesellschaft selbst mit Schwierigkeiten verknüpft gewesen, da bei jedem rheinabwärts gehenden Dampfer vorerst die Schiffbrücke hätte geöffnet werden müssen. Die Landungsbrücken werden nunmehr eine kleine Strecke rbeinaufwärts gelegt. i l Air? dem Kreise Rotenburg, 12.Februar. Von einem mysteriösen Vorfall wird aus dem benachbarten E- berichtet. Vor kurzer Zett starb dortselbst eine alte Flau und wurde dann, wie dies immer geschieht, In der Stube auf die Erde gelegt. »..TmDcrnmnbkr der Verstorbenen hatte in dem Zimmer etwas zu thun. Jedoch welcher Anblick bot sich hier dem Eintretenden 1 Die schon Todtgeglaubte saß aufrecht mit aufgekratzter Brust und ausgerauftem Haar. Außer sich vor Angst stürzte der so Ueberraschte zu den übrigen Anwesenden und erzählte hier das Geschehen-', das allgemeine Bestürzung hervorrief. Keiner wagte, sich von der Wahrheit zu überzeugen nnd so griff man denn seine Zuflucht zu dem Leichenbeschauer. Mit zitternden Gliedern ging derselbe zu der Scheintodren. Wie die Anverwandte derselben geschildert hatte, so fand er es auch, ja noch viel grausiger. Leider kam man aber zu spät, die nöthigen schritt- zu thun, um die Alic am Heben zu erhallen. Sie war zum zweiten, aber auch zum letztenmal gestorben. Aber auch auf den Leichenbeschauer machte dieser Vorgang einen mächtigen Eindruck. Der Gang zu der Scheintodten sollte sein Todesgang sein, er starb bald darauf an einer Nervenerschütterung. — Ein trauriges Nachspiel zur Cimbria-Katastrophe fand am Sonntag Morgen lna1! l der Fehrbelliner Straße In Berlin statt. Eine der klelnen Hoiwohnungen daselbst hatte bis vor Kurzem die H . . . 'sche Familie inne. Der Mann war Cigarren- macher di- erwerbslose Zett Hefe auch bei ihm die Noih -inkehren, wozu sich schliefel^ch noch eine langwierige Krankheit seines siebenjährigen Töchterchens gesellte. Seit dem Sonntag ist dieses kranke Kind eine Waise. Der Vatcr raffte die letzten Habseligkeiten zusammen und trat die Reise übers Meer mit der Cimbria an, um drüben sein Heil zu versuchen. Er wurde ein Opfer der Katastiophe. Das Mafe des Unglücks inUJ fr? e öu viel gewesen sein. Am Sonntag machte die Unglückliche mittelst Oleum (Schwefelsäure) ihrem Lebm ein Ende. In wenigen Worten ein erschütterndes Drama. ~ (Schach.) In der Guildhall in Winchester wurde dieser Tage für einen wohlthatigen Zweck eine Partie Schach mit lebenden Figuren gespielt. Ein Flächenraum von 5/6 Fuß auf dem Fußboden der großen Halle, bedeckt mit Feldern aus schwarzem und weißem Tuche, bildete das Schachbrett und auf beiden Seiten desselben waren Sitzplätze für die Zuschauer errichtet. Zur anberaumten Zeit marschirten die Figuren in den Saal und nahmen die ihnen angewiesenen Plätze auf dem Brette ein. Die Bauern, in <.udorhüten, gepufften Wamsen in verschiedenen Farben und langen iaibigen Hosen waren nach Art der Pagen im Mittelalter gekleidet. Eine Hälfte trug weiße, die andere schwarze Schuhe. Die Könige trugen lange Sammetmäntel. Die "er erschienen in Sturmhauben und Brustschildern. Die Bischöfe auf der einen Seite des Bretts trugen Chorröcke und Mützen aus weißer, reich mit Gold gestickter und die andern Röcke und Barette autz kardinalrothem Sammt- Die Thürme trugen als Kopfbedeckung Burgen aus Pappendeckeln. Die Spieler, welche die Bewegungen leiteten saß.n an einem kleinen Tische auf einer Estrade an einem Ende der 4)011? und die Züge, welche sie auf dem gewöhnlichen Schachbrette machten, wurden von Herolden ausgerufen. Die Figuren waren so wohl gedrillt worden, daß sie während der langen Pausen iwischer. den Zügen wie festgemauert dastanden m “ dluS Brünn wird der „Deutsch. Ztg." in Wien berichtet: Vor dem städtischen Bezirksgerichte kam nachfolgender, gewiß nicht uninteressanter Fall zur Verhandlung: (Jn hiesiger namhafter^ Zahnarzt hatte der nunmehr verstorbenen Frau eines den besseren Standen angehörenden Mannes einige falsche Zähne eingesetzt und klagte nach erfolgten Mahnungen, ohne sich um die Hinterlassenschaft der Frau zu kümmern, den Mann aus B-zahlung deS Honorars für die obengenannte zahnärztliche Operation, r I ne en bei den Herren H. Kinkel, CHr.Kraemer, Hoflieferant, Ed. Linv, ab in Gretzen. 479 Dulchinttzl Länge nnt 38 geringe R 6,Öd iN- I 71 gtiid stärkt Spanen m I eignet, I 150 cliid stark« 2« Lnslmg r borgens prä< TW ,^U2 Wftäbten, ar: .1 llhr in to. Ilotbir“ unö „Ji Biciü Dbdemp. -Mrkt wird n. hm- uns ikifi Districl J lÄizAirsnchohm! peter" lagen. I Hohenjolms, N I Wiche Cberj [11082 Törmr, künftig«" ü «n«yirl ° ,2 Jhntr. ® 'M 9imtr. x® 3100 $*n toi 1170 . Hchkri Donnerstag von M» i in hent. ! E, Tismct i: i te*-, V"« । k..7e - ■3< ' :12 • 00D-H. ff* 9tt61CUf, 106 I 29(10 I ?4 '» EOOQfcf - 1500 25 , Ä Oiö 47 Cr |(|ll N, 23 190 jo Uhu. .. N, 95 ■" « 6? «.S, 10,1 l!, 545 1470 136 36 71 150 und Rmtr. Buchen-Scheitholz, emaill. und in Porzellan. Rlohyu** in allen Metallen. pfticrau Reparaturen werdenZprompt und billig besorgt. 477 jiirbf. sup. alten) Garantie der Reinheit und Acchtheil Chr. 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