> 1833, IIS, 8, ' Felchner lein Marie e r (Tenor) is Hamburg, itor Martin igvereins, Schülern durch aus- ters. er Ricker- mdlung, wo- 7388 S Uhr, 1M. thschaft wird mssionsbureau ng._______ innen Kost und enenroeg 62. iten jeder Art besorgt. 6, 3. Stock. Mä-che«, kann, in allen nd mit guten ir eine kleine auf dem Per- TM Hülsen in Wetzlar, ttlich Marktstr. 32 7108 r. Pfd. 23 4 iHeil. it Nesidenz- fen!! 20! ms. mz-Theater »alle a. S., Theater t« in Stettin annschwA, furt a. O-, m, Zittau, 26Z Mittwoch dm 14. November 1883 ^i. 11 »oilior Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Mreaur Schulstraße 7. Erscheint tätlich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Theit. Leheer-Confevenz des Conferenzbezirks Grünberg: Montag den 19. November, Vormittags 10 Uhr, in Grünberg. des Conferenzbezirks Großen-Bufeck: Mittwoch den 21. November, Vormittags 19 Uhr, in Großen-Buseck. Gießen, den 12. November 1883. Büchner, Kreisschulinspector. Telegraphische Depeschen. Wolff'S teleg«. Corresvondenz-Bure»«. Berlin, 12. November. Wie nunmehr bestimmt ist, wird Se. K. K. Hoheit der Kronprinz am nächsten Donnerstag früh die Reise nach Genua über München antreten und in Genua sich am 17. ds., Mittags, nach Barcelona einschiffen. Die Uebersahrt des Kronprinzen und seiner Adjutanten erfolgt auf dem „Prinz Adalbert", die Uebersahrt der Generäle v. Blumenthal und v. Mischte auf der „Sophie" und die Uederfahrt des übrigen Gefolges auf der „Loreley." Bis Genua wird Se. K. K. Hoheit der Kronprinz incognito reisen. Koblenz, 12. November. Ihre Maj. die Kaiserin ist heute Abend um 6'/z Uhr hier eingetroffen. Straßburg, 12. November. Außer dem Kriegsminister, Generallieutenant v. Bronsact, wird auch der General-Quartiermeister, Generallieutenant Gras Waldersee, zur Jnspicirung der Grenzfestungen in den Reichslanden eintreffen. Wien, 12. November. Dem „Fremdenblatt" zufolge ist von einer durch verschiedene Blätter gemeldeten Reise des österreichischen Gesandten in Belgrad, Grafen Khevenhüller, nach Wien, in unterrichteten Kreisen bisher nichts bekannt geworden. Die österreichische Delegation nahm das ordentliche und außerordentliche Heeresbudget ohne Debatte an und verblieb bezüglich des Marinebudgets bei den früheren Beschlüssen. Der bosnische Occupations-Credit wurde nach den Anträgen des Ausschusses angenommen, nachdem der Reichs-Finanzminister v. Kallay die Beschwerde des Delegirten Pslügel über die Vernachlässigung der katholischen Kirche in Bosnien ein gehend widerlegt hatte. Loudon, 12. November. Der gestrige Luthertag ist im ganzen Königreiche von den Protestanten aller Richtungen feierlichst begangen worden. In der Westminster-Abtei hielt der Erzbischof von Jork die Festrede. Einem Correspondenten des „Standard" gegenüber äußerte der chinesische Botschafter Tseng, die Unterhandlungen mit Frankreich seien bis dahin unterbrochen , wo Frankreich die chinesische Note vom 5. November beantwortet haben werde. Der Ausbruch des Krieges fei wahrscheinlich, sobald die Franzosen gegen Bacninh vorgehen sollten; in diesem Falle erscheine auch die Sicherheit der Fremden in China bedroht. Christiania, 12. November. Das Lutherfest wurde am 10. ds. in allen Schulen und am 11. ds. in allen Kirchen des Reiches gefeiert. Madrid, 12. November. Die in den hiesigen protestantischen Bethäu- sern veranstaltete Lutherfeier war außerordentlich zahlreich besucht. Festrede bei der Pflanzung einer Lutherlinde auf dem Ludwigsplatz zu Gießen am 10. Novbr. 1883 zur Feier des 400 Geburtstags Dr. Martin Luthers, gehalten von Dr. Earl Naumann, 1. Pfarrer zu Gießen- Hochgeehrte Festversammlung! Heute vor 400 Jahren wurde Martin Luther geboren als Sohn geringer Bauersund Bergwerksleute In Eislcben. Welch ein bedeutungsvoller Zeitraum sind diese 400 Jahre geworden dm ch den Mann, zu dem nach Gottes Rath dieses Knäblein heranwuchs! Wie hat er mit gewaltiger Hand die alte, verweltlichte Kirche erschüttert und eine neue gebaut aus den lebendigen Steinen des ewigen, selig machenden Evangeliums! Wie hat er mit seinem reichen Geiste die Völker durchdrungen und auf all n Gebieten des Lebens neue, bildungski ästige Grundsätze, tiefe, evangelische Wahrheiisgidanken zu segensvollster Geltung gebracht! Ja, wie hat er die ganze Welt bewegt durch fein Wirken mit Wort und Schrift, das in des Herzens verborgenem Grund beginnend in alle Höhen, Tiefen und Weiten des ganzen Menschenlebens seine Hellsamen Spuren hineintrug 1 Darum feiert heute billig die gesammte evangelische Christenheit und Jedermann sonst, der Luthers Wirken zu schätzen weiß, den Geburtstag des großen Mannes. Vor ollem steigt heute aus der evangelischen Kirche Deutschlands ein vicliauseudstimmiger Lobgesang empor zu dem allmächtigen Gott im Himmel für all das Gute, das er durch Martin Luther an uns gethan hat. An zahllosen Orten wird in mannigfaltiger Weise on diesem 400. Geburtstag des großen Reformators die Wahrheit bewährt: DaS Gedächtniß deS Gerechten bleibt im Segen! Auch wir bringen dem Andenken des Reformators den Zoll dankbarer Verehrung. Insbesondere soll heute unser Festzug eS bekunden, daß wir zu Luther und seinem Werk uns bekennen, daß wir dankbar der Segnungen der Resormatin uns bewußt sind, und daß wir die Güter, die sie uns gebracht hat, treu wahren und behalten wollen. Als besonderes Zeugntß hiervon und Erinnerungszeichen hieran pflanzen wir heute an dieser Stätte .ine Lut her linde. Dort auf der Höhe haben unsere Väter im Jahre 1817 eine Luthereiche gepflanzt. Jener Baum, gepflanzt am 300 Gedächtnißtage der Reformation, mute natürlich trotz seines Namens mehr an die Sache, die Reformation, als an die Person Luthers erinnern; und die Eiche selbst, die ihrer Art nach weniger einzeln stehend als zu Hain und Wald vereinigt gedeiht, stellt naturgemäß mehr eine Gemeinschaft, die »angel sche Kirche, har, als eine einzelne Person. Diese Linde aber soll, neben jener Eiche, heute an Luthers 400. Geburtstag, ouf diesem von Wohnhäusern umringten Platze gepflanzt, «ns ein Bild und Erinnerungs- Michen werden für den Reformator selbst. Ist doch die Linde, vor anderen Bäumen der vielgepriesene, urdeuische Baum, in dessen Neste, Zweige und Blätter hinein die altgermarusche Götter- un» Menschensage, Kriegs- und Friedensgeschichte reichlich verflochten ist, der Baum, der in gute Erde gesetzt unter des Himmels Sonnenschein und Regen für sich allein gedeiht und heute noch in so mancher Stadt und manchem Dorf hochragend über Straße und Haus die Menschen in seinem Schatten zu Lust und Klage, zu ernstem und heiterem Rath v-rsammelt! In solchem Lichte soll diese Linde uns ein Bild werden von unserem theuren Martin Luihcr. Noch ist sie jung und zart, gleichsam im Kindesalter als ein gesundes, schönes Bäumchen an diesen ihren Bestimmungsort gebracht. Dadurch erinnert sie uns an das Kind, den Knaben Luther. Reich begabt mit herrlichen Geisteskräften, ausgerüstet mit einem beharrlichen Willen und genügsamen Sinn, mit Grobheit des Wesens und k ndl ch frohem Goitverirauen, durchlevte er gottesfürchtig und rechtschaffen seine Kirderjahre unter harter Erziehung des Elternhauses und mehr noch nach der -Zeiten Sitte unter rauher Zucht der Schule. Als er zum Manne heran- gereift war, stand über ihm das Wort: „Es ist em köstliches Ding einem Manne, daß er das Joch in seiner Jugend trage." Aber als er em Mann un» durch seines Gottes Liebe und Erbarmen esn Gotteskmd geworben war, da trieb ihn herzliche Liebe auch zum Wirken für das Wohl der K nder, der Jugend, deren Leidwesen ihm zu Herzen ging. Ja, Ihr Kinder alle, die Ihr 'heute Luthers Geburtstag feiert, wisset, dieser Baum soll Euch den Mann darstellen, der nicht nur Euch zum guten Vorbild em frommes, gehorsames Kind war, sondern der auch für Euch die Liebe, die heilige, herzliche Liebe zu den Kindern, wieder in das Haus und in die Schule hineiugepflanzt hat, dec wohl der Ruche Nicht entbehren konnte, aber neben sieden Apfel legte. Darum bestrebt Euch heule und so oft Euch der Anblick dieser Linde an Euren Luther erinnert, solche gottesfürchtige, gottoertrauknde Kinder zu werden, um deren willen einst Lutbcr selbst, in schwerer Zeit, seinem zagenden Melanchthon tröstend zurief: „Muth, Muth, die Kinder beten noch für uns!" Diese Linde wird heranwachftn, zum Himmel streben mit ihren Besten und Zweigen • .und damit dies um so stchec-r geschehe, werden ihr die Beste, die mehr die (Srbe für1»«, rmggeichnitten. Sie kommt gleichsam in das Jünglingsalter, und als Lutherlinde soll sie uns auch ein Bild des Jünglings Martin Luther werden Luther im Jünglingsalter zeigt uns in allen Zügen seines Wffens den erhabenen, hirnmelanstrebend-n Sinn, dem doch auch wiederum nichts Menschliches fremd ist. Ihn b-seelt glühende Begeisterung für alles Wahre, Schöne und Gute, die immer klarer und bewußter nach her Seele höchsten, himmlischen Gütern trachtet. Als fröhlicher junger Geselle hatte er an sich, was später die Burschenschaften ihr Ideal nannten, und worin heute unsere Turner ihren Wahlspruch haben - frisch, fromm, fröhlich, frei! Gern trug er die Wehr an seiner Seite, er übte sich als Jäger, Schütze und Reiter; h-fter sche-tte und sang er in froher Freunde Gesellschaft; ja, Gesang und Lautenspiel war seine besondere Lust. Aber niemals hat er es dabei mit der Sünde leicht genommen, nie hat er mit dem Tode Scherz getrieben. Vielmehr hielt er sich unbefleckt und tadellos in seinem Jugendleben. Und über allem Irdischen war ihm einzig theuer das Heil feiner unsterblichen Seele. In Gott und mit Gott leben, das war das Ideal dem sein jugendlicher (Seift zustrebte. Und als er ein Mann geworden war, als er, nicht getäuscht in feinem Streben wegen der Wahrheit seiner ewiger. Ideale, feinen Gott und Heiland gefunden hatte und in ihm feines Herzens Frieden, seines Lebens Krone wie lag es ihm da am Herzen, als Lehrer und Professor die Jünglmge anzueifern zum edelsten Streben und fleißigem Schaffen, sie emporzuheben über olles Niedrige und Gemeine und ihr Gemütb hinzurichten zu den höchsten, himmlischen ©üttrn be>- Seele! Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang, das war ihm der selhstersahrene Wahrhe.tssotz für die frohe Jugend; bet’ und arbeit', so hilft Gott allezeit' das war feine treue Mahnung. Und wie er einst in gewaltiger Schrift den Rathsherrn deutscher Städte zurief: „So lieb uns das Evangelium ist, so hart lasset uns über den Svrachen halten!" so hat er wiederum seine Studenten aus eigenster fiMrhriria versickert: Fleißig gebetet ist halb studirt! y Darum Du frisch.-, frohe Jugend, die Du heute den Geburtstag Luther's feierst, denke daran, wie der Jüngling Luther Dir em leuchtend Vorbild ist auf allen Deinen Wegen, und wie der Jugendlehrer Luther treulich Dir den Weg gewiesen hat, auf dem Du unsträfl ch wandeln und die höchsten Güter Dir erringen sollst. Darum hinweg, wie mit den zur Erde neig-nden Besten eines Baumes, hinweg mit der Geist fesselnden Smnl.ckkeit, fort mit dem staubgeborenen und staubverloremir Materialismus, der Dir Deine Ideale verdirbt! Dieser Festtag und diese Lutherlinde stelle D.r Demen Luthe- lebendig vor die Seele, der Deinem Geist die schönsten Ideale verkündigt, der Dich zu ewigen Gütern, zu ewigem Ziele führen will! Diese Linde wird heranwachsen zu einem mächtigen Baume, der zum Himm.l fein Hanoi erhebt, der feine Beste und Zweige ringsum ausbrettet, der fernen Schatten weithin über diesen Platz wirft und her zugleich feine Wurzeln tief die Erde senkt. Der Baum tritt gleichsam in fein Mannesalter, und also ist er uns das Bild des Mannes Luther, der ein Menschenalter hindurch mannhaft und unermüdlA in der ihm befohlenen Lebensaufgabe gewirkt hat. Ein Baum ist gesund wenn des Stammes Mark gesund ist und von ihm au8 gesunde Safte in alle Allste steigen. So war Piitber in kämvk-reicher Entwickelung ein kerngesunder Mann geworden, und seines Ledens frisches Mark war sein religiöser Sinn, sein christlicher Charakter. Als er de?gotttsiürchtige. streng sittliche Christ, nach Gottes gnädiger Führung binein- a^orfen wurde in die Nach! tiefster Sündenschmerzen: da ging ihm nach heißem RMaenu^d Flehen das Licht des Evangeliums auf, und in diesem Lickt die gewisse Zuversicht daß der Sünder, der Christi Verdienst im Glanb-n ergreift, gerechtfertigt roirb nor (Sott Von da an war die Losung un° das Centrum feines Lebens die Wahrtest. Der Gne-bte wird feines Glaubens leben. Damit hatte er zugleich - üeaenüber b« Maffenrettung durch das Werk der Kttche - die Erlösung des einzelnen B&en der v ftönllch feinem Gotte sicht oder fällt, verkündigt, und damit hatte er da? G wissen der Einzelperson frei und verantwortlich gemacht. Mit dieser tief rliaiöfen GM-smacki wurde Luther der gewaltige Reformator, der mit dem Worte ffiottefi als d r 'einzigen Norm und Richtschnur aller Wahrheit und alles Lebens, die Kirche reinigte von allem unevangeliscken Wesen und, als ihre Häupter diese Reinigung n-rdammten sie umgestaltete zu einer neuen, evangelischen Kirche. Aus diesem religiösen Sinn und kirchlichen Wirken Luther's erwuchsen, wie des Baumes Beste aus dem Stamm, unmittelbar seine religiösen Schriften, die dem deutschen Volk di- christliche Freiheit verkündigten, seine unvergleichliche Bibel- ; Übersetzung, seine herrlichen Katechismen uns der reiche Schatz seiner geift» ' ltchen Lieder. ; Und weil er hiermit überhaupt im Mittelpunkt aller menschlichen Lebens- s äußerungen stand, und weil er zugleich in feinem genialen Geiste alle Lebenskräfte der Zeit kraftvoll zusammmfaßte, so war er auch im Stanoe, mit seinen GeisteSarmen in ! alle Gebiete des Menschenlebens hineinzugreisen und alle Lebensgeister seiner Sache, j der Sache des Evangeliums dienstbar zu machen und medetzuwersin, was dem neuen i Geiste widerstrebte. Wie aus dem Stamm die Aeste, so erwuchsen aus den Aestea reichliche J Zweige. So hat Luther das edle deutsche Bürgerthum mit seinem Geist erfüllt und ' auf die schönen Bahnen geleitet, denen es längst zustrebte, so daß in neu aufwachendem echt bürgerlichen Gemeinsinn auf allen Gebieten bürgerl.chen Ledens zur Geltung kam, was heute noch der Wuhlspruch einer besonderen Vereinigung ist: Golt zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr! So Hut er die Bauernschaft nach blutigen Erschütterungen mit seines Geistes Kräften neu belebt. So hat er dem entarteten, absterbenden Ritterthum den Todesstoß versetzen müssen. So hat er auch den Kriegerstand von rohen Sitten zu reinigen gesirebt und seinem blutigen Handwerk einen nationalen Untergrund verschafft. So hat er seine ganze Nation mit neuem, echt deutschem sinn und Wesen durchdrungen. Aus demselben gesunden, religiösen Mark und Stamm seine? Leben? heraus hat er ferner dem weltlichen Beruf der Menschen seine sittliche j Würdigung erworben; hat er auch der weltlichen Obrigkeit wieder ihre richtige i Stellung als einer selbstständigen Gottesordnung zurückerobert; Hat er das deutsche \ Haus geadelt mit der Weihe heiligster Gemeinschaft; hat er der Volksschule ihre | neue Gestalt und Ausdehnung gegeben; hat er die höheren und Hochschulen auf j neue Geistesbahnen geleitet und zugleich Sprache und Wissenschaft von hemmenden Fesseln befreit. Wie aber dipse Linde, je mächtiger sie in die Höhe und Weite wachsen wird, desto tiefer ihre Wurzeln tu die nährende Erde gräbt, so hat auch Luther, je gewaltiger er nach allen Seiten sein Getsteswirken ausdehnte, desto tiefer sich allezeit hineingesenkt tn den nährenden Boden des göttlichen Wortes, mit seinem Geiste unermüdlich nach Wahrheit forschend, mit ftinem Gemüihe beständige Erqüickung nehmend aus dem Friedensevangelium, mit seinem Willen sich festhaltend an das geoffenbarte Gesetz. Also steht der Mann Luther vor uns im Bilde der Lmde, die wir heute feinem Gedächiniß pflanzen. Und wer künftig diese Linde anschaut und wer später unter ihrem Schallen sitzt, der gedenke unseres großen Luther und der Segensgaben, die er uns geschaffen Hai! Und wenn ins Künftige die Vögel de s Himmels in den Zweigen dieses Baumes singen, dann mögen sie uns erinnern an die Wittenberger Nachtigall, die so schöne Lieder sang. Und wenn aus den Blüthm dieses Baumes die Bienen sich den süßen Honig saugen, dann mögen sie uns daran gemahnen, daß auch wir süße Erquickung uns Erbauung finden können in unseres Luihers Wort und Werk. Und wenn wir unsere lieben Tobten hinausbegleiten zur letzten Ruhestätte und an dieser Lutherlinde vorbeikommen, dann möge sie uns zum harten Gang ans Grab aus der Trostesfülle der Worte Luthers einen Trostgruß zusenden in das betrübte Herz! Und wenn wir selbst hinausgefahren werden, vorbei an dieser Lutherlinde, dann möge sie aus Luthers Liedeswoeten uns den seligen Abschiedsgruß in den Sarg, auf die bleichen Lippen senden: „Mit Fried' und Freud' fahr' ich dahin"! Barum, Ihr Turner und Schützen, Ihr Krieger und Feuerwehrleute, Ihr Sänger in ernster und heiterer Kunst, Ihr Beamten jeglicher Art, Ihr Bürger und Bürgerinnen allzumal, laßt uns doch heute mit unseren Kindern und unserer ganzen Schuljugend und akademischen Jugend, im Bilde dieser Linde auf den Reformator Luther schauen, den Knaben, den Jüngling und den Mana, und fröhlich bekennen: Dr. Martin Luther mit seinem Geist und Wirken gehört uns allen an; In unser aller Leben sind seines G-fftes Segensspuren eingedrückt: Drum dank-t alle Gott! Aber hat es für uns Gießener nicht noch eine besondere Bedeutung, daß wir unserem Luther eine Linde pflanzen hier auf dem Ludwigsplatz? Die Lutherlinde auf dem Ludwigsplatz! Stellen uns nicht des: Namen den Reformator Luther . H ute neben unser edles hessisches Fürstengeschlechi, wie er einst neben dem Großmülhigen Philipp von Hessen stand? Wahrlich! wenn überhaupt die deutschen Fürsten, die Luthers Geist und Werk verstanden und sich ihm beugten, groß geword-n sind aus ihren Thronen durch den Segensgewinn der Reformation, so dürfen wir es insonderheit unseren hessischen Fürsten nachrühmen, daß sie, sich und ihrem Volk zum Heil, allezeit treu zur Reformation gestanden haben. Möge denn auch unsere Lutherlinde auf dem Ludwigsplatz uns ein neues Wahrzeichen und eme gute Vorbedeutung davon sein, daß bei uns, nicht etwa geistliches und weltliches Regiment in einander gemengt werde, daß aber Reformator und Hessenfürst, Reformation und hessisches Fürstenhaus, der Kirche Verfassung und Erbauung aufs beste schaffend, stets treu zu einander hatten! Doch nicht nur solche Hessenfreude, sondern auch ein echt deutsches Wonnegefühl durchdringt uns heute bei dem Gedanken, daß wir am 400. Geburtstag Luthers feiernd hier zusammen stehen als Bürger eines geeinigten, mächtigen Deutschlands. Wahrlich, wir ersehnen nicht zurück jene Reichseinheit unter dem Spanier Karl v., welche die vielen deutschen Gebiete doch nur zur Knechtesstellung verdammte. Allerdings hat damals jener römische Nuntius Recht behalten mit seinem rauhen Wort: „Wenn ihr deutschen Bestien von Rom abfallt, dann werden wir dafür sorgen, daß ihr im Blute waten müßt in gegenseitigen Kämpfen"-. Ja wir haben im Blut gewatet bis in unsere Tage. Aber das ist vorbei; auch mit den deutschen Bestien ist's vorbei; vorbei durch den endlichen Sieg der edlen Geistesmächte, die unser Luther auf den Kampfplatz führte- Unter einem evangelischen Kaiserhaus, unter dem Heldeilkaiser Wilhelm, dem Hohenzollern, ein fest gefügtes Reich, aufgebaut mit deutscher Kraft, auf urdeutschem Boden: so dürfen wir im Jahre 1883 Luthers Geburtstag feiern — und auch in solcher Freude pflanzen wir unsere Lutherlinde- Ach, daß wir doch mit den Wurzeln derselben auch die Streitaxt der einzelnen Confessionen in der Erde vergraben könnten! Ein deutsches Reich — Eine deutsche Kirche: wie wäre das schön! Aber eitles Hoffen führt nicht zum Frieden- Wird doch auch diese Linde, wenn sie Blätter und Blüthen treibt, uns sagen, daß kein Blatt dem andern, keine Blüthe der andern, kein Ast und Zweig dem anderen völlig gleicht, und doch bildet der Baum ein harmonisches Ganze- So ist auch in der Kirche die Einer- leiheit und Gleichheit der Anschauungen und Glaubensäußerungen nicht nothweudig: wenn nur überall die Liebe waltete, die Harmonie und Frieden schafft! Theure evangelische Glaubensgenossen! Laßt uns denn heute an dieser Lutherlinde, die uns eine Friedenslinde sein soll, das Gelübde erneuern, so viel an uns ist, Frieden zu haben mit allen Confessionen! Nun noch ein kurzes Schlußwort! Vor einigen Tagen wurde ich gefragt: „Bilden Sie sich dmn ein, daß diese Lutherlinde hier in Gießen unverletzt stehen bleibt?" Ich antwortete und rufe es auch heute an dieser Stätte aus: Ja, das bilde ich mir em; das glaube und hoffe ich fest! Denn es wäre eine Beleidigung gegen die katholische Gemeinde unserer Stadt zu denken, daß auch nur ein Glied derselben fähig wäre, die Hand frevelnd an diese Lutherlinde zu legen- Und es wäre eine Schande für uns Protestanten, wenn auch nur einer unter uns sich fände, der mit rohem Sinn wider diese Lutherlinde die Hand erhebt- Unsere Lutherlinde steht hier unter Gottes freiem Himmel, der mit Sonnen-, Mond- und Sternenaugen schirmend und bewahrend auf sie niederblicken möge! Sie steht int Schutz der biederen Einwohnerschaft dieser Stadt und in der Obhut ihres hochachtbaren Stadtraths; je, sie steht hier buchstäblich unter den Augen des erwählten Hauptes der Stadt, unseres allverehrten Bürgermeisters: auch das möge ihr ein guter Schutz und Schirm werden! Was aber auch im Lauf der Zeiten Sturm und Wetter oder Menschenhand an diesem Bamne schädigen oder verderben mögen: Eines wissen und bekennen wir heute an Luthers 400. Geburtstag: Die Lutherlinde kann zu Grunde gehen, aber Luther und sein Werk, deß zum Gedächtniß wir die Linde pflanzten, wird dadurch nicht zu Grunde gehen: „Gottes Wort und Luthers Lehr Vergehen nun und nimmermehr!" Lokales. Sieße«, 13. November. Tagesordnung für die Stadtverordueten-Sitzung am Donnerstag den 15. November 1883, Nachmittags 4 Uhr. 1. Die Ausführung des Reichsgesetzes Über die Krankenversicherung der Arbeiter. 2. Antrag auf Versicherung der Mitglieder der beiden freiwilligen Feuerwehren gegen Unfall. Die W»sserbude oeS Heinrich Rain dahier betr. 8. Beleuchtung des Wirsecker Wegs. 9. Den Feuerlauf in der Sonner.straße gegenüber der Eclengasse betr 10. Die Oetroierheberstätte am Settersthm betr. 11. Die P üfung und Stellung der Rechnung der Stadt Gießen vro irro/qs 12. Die Feier des 400jährigen Geburtstages Dr. Martin Luthers. i Gießen, 13. November Den würdigen Schlußstein unserer Lutberfesili^.n. wird das am Mittwoch den 14. November, Nachmittags 4 Uhr, tn der Siadtk,.^ aufzuführende Oratorium von Meinarvus „Luther tn WormS" bilden. Wir weil?» nochmals auf diese Feier und den zu erwartenden hohen Genuß hin. — Anläßlich der Lutherfeier hat die evangettsch-theologisch- Facultät der Landes Universität eine van Herrn Professor Dr. Kattenbusch verfaßte Festschrift: Luib-r« Stellung zu den ökumenischen Symbolen" herausgegeben. " ’ 18 — Der Gauner, welcher profeisionsmäßig den Diebstahl von Bettwerk betrieb ist in Hildesheim dingfest gemacht worden. Er ist ein Cigarrenmacher aus Dannenberg. “8 3. 4. 5. 6. 7. Die Erbauung eines Schlachthauses. Gesuch des HandelSkammer-Secretärs Dr. jur. Engelmann nm u u lassung des RathhauSsaales zur Abhaltung von Vorträgen. Ueber- G°/uch des Schreinermeisters CH ristop h Weiß dahier um käufliche Ueber lassung städtischen Geländes. ' w ueDer: Den Gießener Eisverettt betr. Bermtschr- r. Darmstadt, 10. November. Die 22. Generalversammlung des V-r ems,ur Unterstützung und Beaufsichrgung der aus den Strafanstalten ,m Großh-rzogtbum Hessen Entlassenen wurde am 8. ds. hier bei guter Bttheiligung der Mitglieder des Vereins unter dem Vorsitze des Hofgerichts - Direelors Dr. Zimmermann abgehoben Aus dessen Berichterstattung ergab sich die segensreiche SBitff mteit des Vereins in Bezug auf di- Besserung der Pfleglinge. Nach einer Beaufsichtigung der Schutz- besohlenen de? Verein? während der Dauer von drei Jahren tonnte etwa ein Sechs- theil derselben als gebessert entlassen werden. Der Verein hat auch im Publikum mit Rücksicht auf seine Wichtigkeit in neuerer Zeit mehr- Anerkennung gefunden, indem die Zahl der Mitglieder, welche im Jahre 1877 auf 478 gesunken war, sich sitzt auf 1295 gehoben hat. Die Pfleglinge werden in der Weife unterstützt, daß ihnen Handwerkszeug, Arbeitskleidung und sonstige zu ihrem Fortkommen nothtgen Bedürfnisse auf Kosten d-s Vereins geliefert werden. Im laufenden Jahre sind bereits nahezu 3000 zu derartigen Unterstützungen angewtefen worden. — Eine lebhafte Diskussion wurde durch den Antrag des Direetiors des Landeszuchthausrs zu Marienschloß hervorgerusen au8 geeigneten Mitgliedern d-s Vereins eine Commission zu bilden, um bte Zustände in den verschiedenen Strafanstalten eingehend zu prüfen und eine durchaus nothwcndtg- Reform des GefängnißwesenS in Hessen durchzuführen. Die Beamten der Strafanstalten erkennen mehr und mehr an, daß bte Vereine zur Besserung der Sträflinge für die Bekämpfung der Rückfälligkeit von der größten Bedeutung sind, und der Kongreß der Beamten der Strafanstalten zu Wien hat in Folge hiervon auch am 2. October beschloss.'N, auf alle möglich: Weise derartige Vereine zu fördern. Bensheim, 9. October. Metzger Paulin von hier, der, wie der „B. B." meldet, bei der Bensheimer Bürgermnsterwahl von dem Wirth „zu den drei Königen" daselbst so unsanft aus dessen Wirthsloeal vor die Thüre gesetzt wurde, daß er die eine Kniescheibe stark verletzte und ein steifes Bein davontrug, hat eine Ents^ädigungsklctge gegen den genannten Wirth, wie wir hören, im Betrage von 6000 erhoben. In der Privatklage wurde Wirth Garnier zu 60 Jt Strafe und in die Kosten vermtheilt. Vom Vogelsberg, 9. November. In einer benachbarten Stadt fehlt seit einigen Tagen der Gerichtsvollzieher. Dem Vernehmen nach war gegen denselben eine Diselplinaruntersuchung eingeleitet. Er scheint vorgezogen zu haben, dieser aus dem Wege zu gehen, allerdings nicht ohne R-iscg ld mttzunehmen. Binnen. Während des hiesigen Schützenfestes kam ein eigenthüml cher Fall vor. Ein Mitglied der hiesigen SchÜtzengtlde, wie wir Horen, ein geborener Sachsen- Häuser, versuchte, durch Bestechung des Zeigers, eines Untcoffielet6, in den Besitz einer der höchsten Preise zu kommen. Der Anschlag wurde entdeckt, um aber keinen Mißton tn die festliche Stimmung zu bringen, verfchwiegen. Allerdings wurde der Unter officier — derselbe war zum Zeigen abkommansirt worben — von der Militärbehörde, welcher der Sachverhalt nicht verschwiegen werben konnte, mit 3 Monaten Hast bestraft. Obwohl die Presse über die Angelegenheit Stillschweigen beobacht-:-, Eannie man bald Überall den Hergang und deutete mit Fengrrn auf das in die Angelegenheit verwickelte ehemalige M tglieb der Schützengilbe. (D e letztere hat sofort den Äe- treffenben ausgeschlossen.) Der betreffenbe Herr fühlte sich merkwürdigerwuse durch diese Reden beleidigt. Anstatt still zu sein, erließ er in dem „Rhein-Nahe Boten" einen Artikel, in welchem er über Beleidigung und grobe Verleumdung sich b:Elagte, obwohl bet Schützenmeffter Beweise von ihm in Händen hat, in denen er seine Thai eingestthi und um „gutes Wetter" bittet. Die Angelegenheit kommt nun auf Antrag der SchÜtzengtlde vor das Forum des Staatsanwalts. Der Erfolg dürste nicht zweifelhaft fein. Fulda, 9- November. Mehr Licht — brachte unserer lieben Stadt die vor nunmehr etwas über 20 Jahren hier eingeführte Gasbeleuchtung. Dem Drange nach „Mehr Licht" folgend sand am 7. d. M. zum ei sten Male in-Beleuchtung eines Thest-s der hiesigen Köntglichen Eisenbahn-Hauptwerkstätte mittelst elektrischen Lichtes statt. Wir erfahren hierüber, daß die betreffende Einrichtung von Herrn Dr. Rippold aus Frankfurt a. M. als Vertreter der weltberühmten elektrotechnischen Fabrik von Siemens und Halske in Berlin, auSgeführt worden ist. Zur Erzeugung des ettkrischen Stromes dienen zwei dynamo-elektrische Maschinen, welche im Raume der Wctkstätte>Damps- maschine ausgestellt find und mittelst TranSnnision von btefem Werk- tzer einem U flammen, nttine Jn- Frage der SchersteiN istbawpfer 1. October , ist am >stbampftr n, welcher bgegangen «kommen. :en Rahn, Briegleb, andmann, m, Wolfs. H. inert wir beigclegt bitten jt. stimmten Handel und Verkehr. (tu.fien, den 13. Novbr. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund , nß-UO Hühnereier per Stück 6—7 Käse Stück 5—9 Käsematte 3 Liter 18 4, Linsen 30 Tauben per Paar 55—70 Hühner per 00-1.70, Hahnen per Stück X 0.65-1.20, Enten pr. St. X 1.40-1.80, Etteisch per Pfund 70-72 H, Kuh- und Rindfleisch 56-60 Kalbfleisch 50 bis meinefleisch 62—64 4, Hammelfleisch 60 —70 Kartoffeln per 100 Kilo o'nn—3-30 Milch pr.Ltr. 13—18 L. Gänse pr. Pfd. $ 45—56. Zwiebeln per Ctr. '»Weißkraut per Hundert X 3-00—5. ^"^-rranlfurt, 12. Nov. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetterauer „an"fremder X 19%-20, Roggen eff. hies. X 16,5, fremder X 16%—17, Jff hies. u- Wetterauer X 17—18, fremde X 18—20, Hafer eff. hiesiger fremder X 14'/-—14%. — Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von SrJ ’u. 39. Branntwein eff. ohne Faß X 46. -Frankfurt, 12. Nov. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Ange- . hen waren ca. 300 Ochsen, 6 Bullen, ca. 320 Kühe und Rinder, ca. 279 Kälber- Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 70—72, 2. Qual. X 64—66, Kühe und Rinder 1. Qual. X 60—62, 2. Qual. X 50, Kälber 1. Qual. X 70, 2. Qual. X 60 per 100 Pfund Schlachtgewicht. ou M.« 13. Novbr.. Nachmittag? 2 Nhr — Min. fTelegravbiicker Eoursbericht. Mitgetbeilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditacften 228V-, Staatsbabnactien 258, Galizier 234V«, Lombarden 112%, Nord- westbahnactien 154%, Gotthordbahnactien —, Darmstädter - Bankactien 147'/«, Disconto Commandit 177%, Oesterr. Silberrente 66*/«, 4°/0 Ungar. Goldrente 723/ie, 4°/v 1880er Russen 69%, 5% 1877r Russen -, 2. Orient-Anleihe 54%, 4% Spanier 55%, 5% Rumänische Rente —, 4% Ünific. Egypter 67%, 5% Türken 9*'/i6, Marienburger —, Hess. Ludwigsbahnact. 102'/,. Tendenz: matt. Allkatholischer Gottesdienst Sonntag den 18. November, Vormittags 11 Uhr, in der Stadtkirche. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. In unserem Firinen-Register wurde Me eingetragen, daß Hermann Dietz dchier zum Prokuristen der Firma M. Dietz bestellt worden ist. Gießen, den 12. November 1883. Großh. Amtsgericht Gießen. I. V.: 7539 Dr. Berchelmann._______ Mittwoch den 14. November^ Nachmittags 2 Uhr, M in der PH. Strack'schen Hosraithe eine größere Parthie Schwämme gegen Laarzahlung versteigert. Gießen, den 12. November 1883. Hoffmann, 7530 ___________Concursverwalter- Donnerstag den 15. November, Nachmittags %2 Uhr, mben in der Keck'sehen Hosraithe 1 Partqie Stroh- u. Seegrasmatten, 2 ovale Spiegel, 2 SophaS, 2 Kleiderschränke, 3 Zugjalousien (96 Ctm. breit), eine Parthie guter Stühle, 1 ovaler und 1 runder Tisch, 1 französisches Bett, 1 großer Schmiedeblasbalg, 1 Ambos mit Stock, 1 Drehschleisstein, einige Balken, 1 Comptoirpult, 1 Ladeniheke, eine Parthie Cigarren und sonstiges Mobiliar gegen Baarzahlung versteigert- 7529 Hoffmann, Ortsgerichtsmann. Aeikgeöotenes. Frisches Pferdefleisch per Psd. 20 Mitagsiisch zu 25 4, täglich Sanerdraten nebst Wnrst zu haben bei 7548 II Kirchner. Laubsägevorlagkn, fertig zum Ausschneiden (auf Holz ge- ikichnet), empfiehlt 7537 Louis Lony. Hiilchouverk mit FirmsndrusL in allen Farben und Qualitäten von X. S.30 pro rnille an und höher empfiehlt Ottmar Hohler, Lindenplatz. 5669 Gummischuhe in nur bester Qualität billigst 7455___W. Ferber, Liudenplatz 5. 7546 Bei Gemüsehändler Sommerlad sind Speisekartoffeln in verschiedenen guten Sorten zu haben._________________ Federweißen im Fischerhof.____________7513 Irische Schellsische treffen heute ein. 7549 Willi. Weidig. Stearin-Lichter! Ia Tafelkerzen (4r, 5r und 6r) per Paquet 60 und 70 dO. (lose) das gewog. Psd. 80 V- Lustres oder Clavier-Kerzen (gespitzt, 4r, 5r u. 6r) per Paquet 70 la Wagenkerzen ( 4r, 5r u. 6r) per Paquet 70 la Laternen-Kerzchen (10, 15, 20, 25 und 30 Stück in Packeten zu 65 H, empfiehlt H. F. Hassauer, 7130__________6 Kreuz 6.__________ Feinste liotiiaer Cervelatwurst empfiehlt 3730 G-g. Wilb.. Weidig. Frisier Ro^smaisii’sche Nah-Maschinen auf den Ausstellungen zu Porte Alegre (Brasilien) und Amsterdam mit der goldenen Medaille prämiirt, liefert unter dreijähriger reeller Garantie zu den billigsten Preisen 7540 F. Kraft, Neuenweg 46. Ratenzahlung pro Monat 5 X Gegen Baarzahlung hoher Rabatt. Weihnachls-Verloosung des Darmstädter Gewerdehalle-Vereins e. G. 13,000 Laos- ä 1 Wtf. Ziehung 20. Deeember. 1 Gewinne 1 « 3 n 335 360 Gewinne im n u ii im Wertste von ca. «X „ II » II h nun ii " " f.i 800, 300, 600, 6100, Wertste von ca. X. 7800. Loose hierzu sind in der Expedition des „Gießener Anzeiger" vorriithig. ^7035 Für eine Wirthschaft in Gießen w>rd ein angehender eautionsfähiger Wirth gesucht. Einem jungen Metzger würde der "“WS gegeben. Näheres in der Exped- ds. Bl- 7526 Ein braver Hausbursche gesucht. Ed. Roll, Neustadt. 7468 Mehrere Herren können Kost und Logis erhalten. Neuenweg 62. Als beste Unterhaltung für die langen Winterabende empfehle ich meinen Journal-Lesezirkel, welcher sich durch Reichhaltigkeit und Billigkeit auszeichnet. Derselbe umfaßt drei nach Inhalt und Preis verschiedene Zirkel. Nr. 1 enthält — Neues Blatt, Fliegende Blätter, Daheim, Deutsches Familienblatt, Gartenlaube, Gegenwart, Globus, Grenzboten, Hausfreund, Kladderadatsch, Jllustr. Modenzeitung, Westermanns Monatshefte, Romanbibliothek. Romanzeitung, Deutsche Rundschau, Schalk, Ueber Land und Meer, Dom Fels zum Meer, Jllustr. Welt, Aus allen Welttherlen, Leipz. Jllustr. Zeitung — wird 2 mal wöchentlich gewechselt mit Mappen von je 6—8 Blättern und kostet vierteljährlich 3 X. 50 H. Nr. 2 enthält: Neues Blatt, Buch für Alle, Daheim, Familienblatt, Frauenzeitung, Gartenlaube, Romanbibliothek, Jllustr. Welt, wird jeden Dienstag gewechselt und kostet vierteljährlich 1 X. 80 Nr. 3 umfaßt alle in Nr. 1 und 2 aufgeführten Zeitschriften. Man abonnirt auf einzelne Blätter und erhält dieselben neu bis höchstens 3 Wochen nach Erscheinen. Der Wechsel findet Montags statt. Der Preis des Abonnements, welcher mindestens 3 X. vierteljährlich betragen muß, richtet sich nach dem Preise der Journale. Ferner mache ich auf meinen Bücher-Lesezirkel aufmerksam, der eine erlesene Zahl der belletristischen Werke neuerer Zeit umfaßt und fortwährend vergrößert wird. Der Abonnementspreis beträgt jährlich 10 X. Auch werden einzelne Werke daraus zu dem Preife von 40 H per Woche verliehen/ Zu Abonnements ladet ergebenst ein Fr. G. Fehsenfel-, Univ.-Buchhandlung und Antiquariat. Durch fortwährende Erweiterung meines Bücher - Lesezirkels bin ich in der Lage, neben demselben jetzt eine Leih-Bibliothek besserer Art zu eröffnen. Dieselbe zeichnet sich dadurch aus, daß sie neue, saubere und hübsch gebundene Bücher enthält, die man in die Hand zu nehmen sich nicht scheuen darf. Ich werde fortivährend bemüht fein, die besten neueren Werke darin aufzunehmen und auch gern gelesene ältere nicht aus dem Auge laffen. Neu ausgenommen sind: Eckstein, PrustaS, 3 Bände; Dahn, Biffula, 1 Band. Der AbonnementLpreis stellt sich auf 10 X jährlich, 6 X. halbjährlich, 4 X vierteljährlich, 1 X 60 H monatlich. Abonnements werden jederzeit angenommen. Mein Bücher-Lesezirkel wird durch Vorstehendes nicht weiter berührt. Gießen, den 26. October 1883. f r. JE*, eehsenfeld. N Buntsticherei in den geschmackvollsten Dessins empfiehlt 7544 Fr. Teipel. Uuih Facta Kaufmännische Formulare aller Art werden elegant end ras oh bei billigsten Preisen angefertigt. Bitl’s* Druckerei (Fr. Ohr. Pietsch) Verlag und Expedition des Giessener Anzeigers. De am Freiti eingetroffk beim Abs selbe hat Wien zur angenehm mit, da deutschen zu erfreu« paares a überaus 1 Kaiserfan Regierung getroffen, Mission i in feinem und wirr schiffen i Thronerb daß sich 1 Bevölkern Hinblick seiner An prinzen i gen, roel gebildet bedeutsam spanischer Grasen S Schiffe „ Di klang ver santen K ganze Lu des prote zu hoffen beitragen wieder m Tagen di wie roeni v. Schlch rung die vom Kar und mar erbaut se D auf den Anzeiger' tigen roei sich aller Vorlagen beschäftig ist noch wünschen 3' versamm „Reichsl, der Fall letzten C Minister Lage in gemeinen Frische S „ 1 „ n „ g " 3 Gr. gerät mittel Sprott geräuch. S empfiehlt Räucher 7449 empfehle Ho (mit ur in groß^ 7543 Die trauernde Familie Giessener Die Dampfschiffe des Norddeutschem Oratorium in 2 Theilen, des von 7541 7388 Hauptprobe $ Dienstag den 13. November, Nachm. S Uhr, 1 JL 7551 Heute Abend: Anflreicher-Gehiilsen C. Stephan») in Wetzlar- von des in Londorf. Schmidt. L-s-s- a ä d K 3 Wermischle Anzeigen. 7538 Laden mit anstoßendem Zimmer für jetzt oder später zu miethen gesucht- Offerten nebst Preisangabe unter F. 7538 befördert die Exped- ds. Bl. Achtungsvoll Fr. Rrogmann, Wau- unb K a f feit schlosser. Eine Mühle an der Lumda, welche zwei Mahlgänge sowie eine Schlagmühle enthält und hierfür das ganze Jahr genügende Wasserkraft hat, ist zu verpachten. Näh. Auskunft ertheilt Freiherrlich von Rabenau'fche Rentei Geschäfte - Verlegung. Meine Wohnung und Werkstätte befindet sich jetzt Wallthor ä7, im Wnlertzause -cs Hm. 3*. Treff. Metzelsuppe ff-» , Dy ö 5 5 Schmidtlein (Alt) aus Berlin, Herrn Franz Li tzinger (Tenor) aus Düsseldorf, Herrn Richard Dannenberg (Bariton) aus Hamburg, Herrn Robert Ravenstein (Bass) aus Leipzig, Herrn Cantor Martin Steiner (Orgel) aus Giessen, des akademischen Gesangvereins, Mitgliedern hiesiger Männergesangvereine und Schülern Gymnasiums und der Realschule, sowie des durch auswärtige Künstler verstärkten Vereins-Orchesters. Stadt-Theater. Wegen Vorbereitung der neuen, großen Gesangsposie Dee toAe Wenzel fällt die Mittwochs-Vorstellung aus und findet die nächste Vorstellung ^reitag den 16. November statt- Sonntag den 18. November 1883. 3HF- Nachmittags 4 Uhr. Extra-Vorstellung für Ki n dc 11 Zum ersten Male: *^@s" Goldmarie und Pechmarie. Die neueste n, interessanteste Kindcrkomödie. F. Brautleeht- bei iSormann, „Brauerei Pöschel". Preise der Karten (für Nichtmitglieder), welche in der Ricker- schen Buchhandlung und der W. Rud o 1 ph 'sehen Musikalienhandlung, woselbst auch Textbücher zu 30 Pfg. zu haben sind: Sperrsitz.......Mk. 3.50, Die Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag 3 Uhr vom Sterbehause (Gartenstrasse 19) aus statt. 1 Dichtung von W. Rossmann, Musik von (Ludwig Weinardus, unter Leitung Grossh. Universitäts -Musikdirectors Herrn Adolf Felchner und gefälliger Mitwirkung Frau Müller - Ronneburger (Sopran) und Fräulein Marie -verantwortliche Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brübl'kchen Druckerei (Fr. Cbr. Pietsch) in Gienen., Die heutige Nummer enthält 1 Blutt und eine Beilage^ Die Nr. 6 enthält: Jubelgruß zum Lutherfest. Gedicht von Karl Gcrok. — Luthersagen. — Hans Sachs und seine Stellung zur Reformation. Von Johannes Bolte — Em Lutherfund. — Lutherbilder und das Bild Luthers. Randzeichnnngen, von Emil Frommel. Mit zehn Illustrationen. — Aus dem Kloster entwichen. Ein Bud aus dem deutscheu Frauenleben im 16.Jahrhundert. Von Albert Richter. Mit zwei illustrirten Beilagen: Luthe» - stätteu. Von Karl Storch. Mit Abbildunz- — Das Lutherdenkmal zu Eisleben. Von Karl Storch. Mit Abbildung.__ Herr Wtz MTIIKT, SMtlermeisler, sanft verschieden ist. Giessen, den 12. November 1883. . . gesucht. Frankfurter Hof. 7470 7521 Eine gangbare Wirthschaft wird alsbald zu pachten gesucht. Näheres durch das Commissionsbureau von I. Hühner in Marburg. Statt jeder besonderen Anzeige erfüllen wir hiermit die traurige Pflicht, Verwandten und Bekannten mitzutheilen, dass heute Moro-en nach langem Leiden unser guter Vater, Schwiegervater und Grossvater Lloyd in Bremen fahren regelmäßig Mittwochs und Sonntags nach ass er 5 ka» Passagierverträge schließen ab: Die General < Agentur des Norddeutschen Lloyd für Hessen M. Abraham in Mains und dessen Agenten C. W. Dietz Nachf., Gießen. Nie Spiegelberger, Butzbach. I. Schulhvf, Friedberg. PH. Zimmer, Lich. Hcrm. Vogt, Reichelsheim. 698 L. NL Schloß, Alsfeld. 6. Concert (im 91. Vereinsjahr). Mittwoch, den 14. Movbr. 1883 Nachmittags 4 Uhr, in der Stadtkirche: Luther in Worms. Nichtnummerirte Plätze . . „ 2.50, Auf die zweite Emporbühne . „ 1.50. Wermiethungen. 7536 Ein möblirtes Stübchen zu ver- miethen._____________ Sandgasse 47. 7542 Ein möblirtes Zimmer billig zu oermiethen.Marktstraße 34. 7259 Der 3. Stock meines neuerbauten Hauses (Ecke der Schiller- ftratze und Asterweg) ist zu ver- miethen. ________Louh Petri III._ 7555 Möblirtes Zimmer nut Cabinet vermiethet H. Kühn, Seltersweg 36; 6201 Ein unmöblirtes Zimmer zu ver- miethen bei Franz Gerbode, Caplansg. 7323______________ Bon heute ab 7552 Ein Hausbursche gesucht- ____________Restauration Feidel. 7553 Ein braver Junge als Hausbursche in ein hiesiges Geschäft gesucht. Näheres bei der Exped. ds^Bl- 51 Ankauf von Lumpen, Knöcheni Yapier und alten Akten. Louis Rothenberger, Neuenweg 22. 7547 Ein Professor an der Universität sucht für sofort 3 ganz oder theilwcise möblirte Zimmer in einem neueren Stadt- theile. 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Vwl ter. nett, großen enzeS 5 aus und j Freitag bet 1883« *•6 : Kinder. marie. ocrkomödie. leelit- Beilage Nr. 265 des „Gießener Anzeiger". Politische Ueberfkcht. Gießen, 13. November. Der deutsche Kronprinz ist in Begleitung der Frau Kronprinzessin am Freitag früh von seinem Herbstausenthalte in Wiesbaden wieder in Berlin eingetroffen. Er ist gerade noch zur rechten Zeil nach Berlin zurückgekehrt, um beim Abschied des österreichischen kronprinzlichen Paares zugegen zu sein; dasselbe hat am Freitag Abend die deutsche Kaiserstadt wieder verlassen, um nach Wien zurückzukehren. Jedenfalls nehmen die hohen österreichischen Gäste die angenehmsten Erinnerungen an ihren Besuch am Berliner Hofe in die Heimath mit, da sie sowohl Seitens des Kaiserhofes, wie Seitens der Bevölkerung der deutschen Reichshauptstadt sich einer ebenso glänzenden wie herzlichen Aufnahme zu erfreuen hatten und so wird denn der Besuch des österreichischen Thronfolger- paares am Berliner Hofe ein weiteres bedeutsames Glied in der Kette jener so überaus freundschaftlichen Beziehungen bilden, welche seit Langem zwischen den Kaiserfamilien Deutschlands und Oesterreichs, wie zwischen den beiderseitigen Regierungen obwalten. — Der deutsche Kronprinz aber ist nur in Berlin eingetroffen, um daffelbe in diesen Tagen als der Träger einer bedeutungsvollen Mission wieder zu verlassen. Er ist von seinem kaiserlichen Vater beauftragt, in feinem Namen dem Könige Alfonso in Madrid einen Gegenbesuch zu machen und wirv sich Kronprinz Friedrich Wilhelm zu diesem Zwecke in Genua einschiffen und drei deutsche Kriegsschiffe haben Ordre erhalten, den deutschen Thronerben nach der spanischen Küste zu geleiten. Man darf versichert sein, daß sich der deutsche Kronprinz vom Madrider Hofe, wie von der spanischen Bevölkerung eines glänzenden Empfanges zu gewärtigen haben wird; schon in Hinblick auf die mannigfaltigen Auszeichnungen, welche König Alfonso während seiner Anwesenheit in Deutschland zu Theil geworden sind. Die Reise des Kronprinzen ist ein neues in die Augen springendes Zeichen für die guten Beziehungen, welche sich zwischen Deutschland und der spanischen Monarchie herausgebildet haben und die Umstände, unter denen sie erfolgt, geben ihr einen bedeutsamen politischen Charakter. Der deutsche Kronprinz wird auf seiner spanischen Reise u. A. auch vom commandirenden General des 4. Armee-Corps, Grafen Blumenthal, begleitet sein; die Escorte des Kronprinzen werden die Schiffe „Prinz Adalbert", „Sophie" und der Aviso „Grille" bilden. Die Lutherfeier ist, soweit uns bekannt, allerorten ohne einen Miß- klang verlaufen und an vielen Orten gestaltete sie sich zu einer wahrhaft imposanten Kundgebung des von Luther geweckten freien deutschen Volksgeistes. Die ganze Lutherbewegung hat ohne Zweifel eine starke Belebung und Kräftigung des protestantischen Bewußtseins in Deutschland mit sich gebracht und steht es zu hoffen, daß diese Bewegung auch ihre Früchte tragen und namentlich dazu beitragen wird, daß sich die einzelnen Richtungen innerhalb des Protestantismus wieder mehr zusammenfinden. Eigenihümlich berührt es, daß gerade in den Tagen des Lutherfestes ein Zug der römischen Kurie bekannt wird, der zeigt, wie wenig mau im Vatikan zu Zugeständnissen an Preußen geneigt ist. Herr v. Schlözer, der Vertreter Preußens beim Vatikan, hatte Namens seiner Regierung die Resignation der abgesetzten Erzbischöfe von Köln und Posen verlangt, vom Kardinals-Collegium ist indessen diese Forderung zurückgewiesen worden und man wird in Berlin über diese schroffe Haltung des Vatikans schwerlich erbaut sein. Die königliche Verordnung, durch welche der preußische Landtag auf den 20. November einberufen wird, ist nunmehr vom „Reichs- und Staats- Anzeiger" publicirt worden, lieber die Vorlagen, welche den Landtag beschäftigen werden, herrscht noch immer einigerinaßen Ungewißheit; zunächst wird er sich allerdings mit der Feststellung des Etats, der Eisenbahn-Verstaatlichungs- Vorlagen und einigen Gesetzentwürfen von nur provinziellein Interesse zu beschäftigen haben; welche Arbeiten ihn dann aber in Anspruch nehmen werden, ist noch unbekannt und wäre eine baldige Aufklärung hierüber jedenfalls sehr wünschenswerth. Jedesmal, wenn sich in Wien die gemeinschaftlichen Delegationen versammeln, kommen bei dieser Gelegenheit auch die Angelegenheiten der „Reichslande" Bosnien und Herzegowina zur Sprache. Auch diesmal ist dieses der Fall gewesen und zwar wurden die bosnischen Angelegenheiten m einer der letzten Sitzungen der ungarischen Delegation verhandelt. Der Reichs-Flnanz- minister v. Kallap, welchem die occupirten Provinzen unterstehen, gab über die Lage in Bosnien eine längere Erklärung, welche die dortigen Zustände im Allgemeinen als befriedigende bezeichnet. Die Steuern gehen regelmäßig em, das Räuberunwesen hat fast ganz aufgehört und die Rekrutirungen gehen regelmäßig vor sich. Trotzdem bedauerte aber Herr v. Kallap, einen materiellen Fortschritt des Reichslandes nicht constatiren zu können, woran er die Schuld dem Umstande gab, daß sich die österreichischen Kavitalskräste von Bosnien fern halten. Hoffentlich werden die von der Regierung in den occupirten Provinzen geplanten Eisenbahn-Unternehmungen ihnen auch zu wirthschastlichem Aufschwünge verhelfen. Das Cabinet Ferry hat jetzt einen neuen parlamentarischen Erfolg zu verzeichnen und zwar diesmal auf dem Gebiete der Innern Politik. In ihrer Sitzung vom 8. November beschloß die französische Deputirtenkammer und zwar mit 379 gegen 110 Stimmen, den Antrag des radikalen Abg. Lacroix, betr. die Herstellung einer autonomen Verwaltung der Stadt Paris, nicht an die Commission zu verweisen, welcher Beschluß einer Ablehnung gleichkommt ; Lacroix zog auch wohlweislich seinen Antrag zurück. Ein anderer Pariser radikaler Abgeordneter, Telasorge, verlangte das für die andern Städte geltende Recht auch für Paris, welchen Antrag der Minister des Innern, Waldeck- Rousseau, energisch bekämpfte; die Debatte hierüber wurde schließlich vertagt. Bei der fortgesetzten Berathung des Municipalgesetzes wurde schließlich ein Amendement angenommen, welches oer Regierungs-Vorlage entspricht. Die in England vor Kurzem stattgefundenen Gemeindewahlen haben den Conservativen einen nicht unbeträchtlichen Gewinn von Sitzen verschafft, so daß man in England ganz gut von einem Wiedererstarken des „conservativen Hauches" sprechen könnte. Auf conservativer Seite ist man denn auch in sehr gehobener Stimmung und hofft zuversichtlich auf den Sieg bei den nächsten allgemeinen Wahlen zum Parlamente. Indessen dürfte derselbe noch nicht so leicht gewonnen sein, als man sich im torpstischen Lager einbildet und werden die conservativen Führer im Parlamente und die conservativen Wander- redner noch große Anstrengungen machen müssen, um in dem 1884 bevorstehenden großen Wahlkampfe den Sieg an ihre Fahnen zu fesseln. Aus Italien signalisirt man Veränderungen im Cabinet dr Pretis. Der Marine-Minister Acton, welcher sich schon seit längerer Zeit wegen verschiedener Fragen der innere Politik im Widerspruch mit der Mehrzahl seiner Collegen befindet, beabsichtigt zu demissioniren und versichert man, daß der Minister für Handel und Ackerbau, Berti, sowie der Justizminister Savelli dem Beispiele Acton's ebenfalls folgen würden. Zugleich wird aber betont, daß die theilweisen Veränderungen im Cabinet keinen Wechsel tm Präsidium und in der Leitung des Finanzministeriums, welche beiden Posten de Pretis bekleidet, nach sich ziehen würden. In Egypten geht der Aufstand des „falschen Propheten" seinem Ende entgegen. Zwar hat sich die Nachricht, daß er im Kampfe mit den gegen ihn ausgesendeten egyptischen Truppen gefallen sei, noch nicht bestätigt, wohl aber eine andere Nachricht, daß fein Heer eine empfindliche Niederlage erlitten hat, in Folge deren sich die aufständischen Negerstämme in der Provinz Cor- dofan wieder der Botmäßigkeit des Khedive unterworfen haben. Vermischtes. München, 9. November. Heute Vormittag machten mehrere hervorragende Fachmänner, darunter Piosessor v. Pettenkofer und Professor Bayer, den Versuch, die Flecken von dem Liebig-Denkmal zu entfernen. Leider war der Erfolg dieses Versuchs ein sehr mäßiger, indem es nur gelang, die Jntenstvität der Flecken einigermaßen abzuschwächen. Jndeß sprachen die Sachverständigen die Hoffnung aus, es werde allerdings nur durch ein langwieriges Verfahren, doch schließlich gelingen, die durch Bespritzung mit einer complteirten Säure bewerkslelllgte Besudelung gänzlich zu entfernen. Die k. Polizeidireetion und der Magistrat haben gemeinschaftlich eine Belohnung von 1000 Mark auf die Entdeckung des oder der Thäter ausgesetzt. Metz, 9. November. Der Raubmörder Kurowski wurde heute früh 8 Uhr im Hofe des Untersuchungsgefängnisses durch den Scharfrichter Schwarz aus Ochringen (Württemberg) imitelst der Guillotine enthauptet. Gestern Morgen 9 Uhr wurde K. durch den ersten Staatsanwalt die Abweisung seines Gnadengesuchs mitgethetlt. Auf die Frage, „ob er sich des Mordes an der Wittwe Schneider in Quenulen nunmehr schuldig bekenne", antwortete der Verurtheilte, nicht er, sondern sein flüchtiger Com- plice Sonnenschein habe den Mord vollbracht, während er Wache gestanden habe. K. bestieg, g(leitet von zwei Geistlichen, das Schaffst, entkleidete sich selbst und nahm mit „Adieu, meine lieben Herren", Abschied vom Publikum. Wien, 9. November. Bei der vom Herzog Ernst von Sachsen-Coburg im Reviere Wallsee in Oberösterreich am Montag veranstalteten Fasanenjagd schoß der deutsche Generalpostdirektor Stephan einen Fasan, wobei ein Schrotkorn den Herzog Philipp von Coburg, den Schwager des Kronprinzen Rudolf, an der linken Hand verletzte. Das Schrot wurde durch die Hand vom Eindringen in die Eingeweide abgehalten. Ieitgeöolenes. Frische Schellfische pr. '/- Kilo . 16 3 „ Dorsch „ „ „ . 13-15 „ „ mittel Hecht „ , , . 4o „ „ großer Hecht „ „ „ • 45 « „ Weißfische „ „ ,, ■ 12 „ Gr. geräuch. Bücklinge pr- Wall. M. 4.50 mittel „ do. „ „ „ 3.50 Sprott la per */a Kilo —.55 geräuch. Aal „ „ !•— empfiehlt die Fisch - Handlung und Räucherei „ 7449 JT. C. H. Bay, Lübeck. Moritz Gregor! & Sohn in Giessen empfehlen 7393 Hohslhnihereien (mit und ohne Stickerei-Einrichtung) in großer Auswahl zu billigen Preisen. Allgemeiner Anzeiger. Carl SCllWaabS Ddicatessenhandlnng empfiehlt zum Einmachen den durch seine Haltbarkeit so beliebt gewordenen feinsten Doppel-Esstg in Dempohns (Korbflaschen) von 30 Liter Inhalt Mark 7.— ii 20 „ „ ii 5. „ 10 „ „ n 3. incl. Emballage. 5337 Leere Dempohns zum Füllen werden mit F. 2, Jt. 1,50 und M. 1 wieder angenommen. Mainzer Kirchei-ban-Lotterie. Die Loose zur II. Classe können in der Expedition des Gießener Anzeigers in Empfang genommen werden. 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