Str. 11» Zweites Blatt. Sonntag den 14. Januar 1883. ießencr Anzeiger Amts- und Anzeigeblaü für den Kreis Gießen. S*urrau : Schulstrabe 7. _____ Erscheint mit Ausnahme des Montagö. Preis vieNel/ährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohr. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar! 50 Pf. Aufruf. . Von Neuem ist mit der Jahreswende namenloses Unglück über einen Theil des Großherzogthums hereingebrochen, ein Unglück, dessen Größe und Umsang die folgen der vorhergegangenen Ueberfchwemmungen weit übersteigt. Nicht blos wurde die Mehrzahl der einige Wochen vorher überschwemmten Gemeinden aufs Neue uberfluthet, eine ganze Reche von anderen Orten wurde theilweise vollständig, theilweise bis auf wenige Häuser unter Wasser gesetzt Hunderte von Wohnhäusern wurden vernichtet oder auf lange Zeit unbewohnbar gemacht, Mobiliar und Vorräthe sind zu Grunde gegangen, der Viehstand hat bedeutende Einbußen erfahren. Noch laßt sich der neu erlittene Schaden auch nicht annähernd in Ziffern ermessen, aber die Thatsachen, daß die Fluthen «)C,inVlnhh ?7T06rn Z 3,*?er 8crflftrü6e ""d den linksseitigen Höhenzügen liegenden fruchtbaren Ebene bedecken daß Tausende von Menfchen ihr Obdach fern ihrer bisherigen Wohnstätte fuchen müssen, lassen die enorme Höhe der Roth klar genug erkennen. Nunmehr ist die Pflicht an uns herangetreten, für den Unterhalt der vielen aus ihren Wohnungen vertriebenen Personen, für ihre Kleidung und Bettung und für die Ernährung des gcchen^in SXgc zu^en^"^ b*e Ausgleichung der entstandenen Schäden und die Lösung vieler anderer damit in Zusammenhang stehender Auf- .... , . ®ie b“n Landeseomitö zur Verfügung stehenden Mittel reichen aber hierzu auch nicht annähernd aus, und müssen wir daher von Neuem die Opser- willigkeit der Bewohner des Großherzogthums anrufen und bitten, uns weitere Gaben zuzuwenden. Zugleich aber richten wir an alle unsere Herland insoweit fie nicht selbst beschädigt find, d.e Bitte, ihre Herzen dem Unglück, daS über die Hesfiscbe Rheinnrederung herern^ebrocdcn, nicbl zu verscbliesten. W>r bitten aber auch alle Gaben, die für die nothleidenden Angehörigen des Großherzogthums bestimmt sind, dem LandeScomitö zur Verfügung stellen zu wollen, hamit eine gleichmäßige Verwendung aller Mittel gesichert werde und es nicht dem Zufall überlassen bleibt, wenn eine Gegend reichlich beacht wirb, andere ebenso bedürftige Gegenden aber unberücksichtigt bleiben. _ h .Sch/fUiche Nrittheilungen bitten wir an unseren Vorsitzenden zu richten, Gelder, die übrigens auch jeder der Unterzeichneten annimmt, unserem Schatzmeister zu übermitteln. Gaben an Kleidungsstücken, von denen namentlich Fußbekleidung, Strümpfe und wollene Unterkleider besonders erwünscht erscheinen, bitten wir an Saalbau-Jnspeetor Velten dahier zu adressiren; Gaben von Lebensrnitteln aber bitten wir unserem 'Vorsitzenden zuvor anzuzeigen, damit sie Ceitenö bej Comite s an die gerade solcher Unterstützung bedürftigen Orte dirigirt werden. Die Vertreter nothleidender Orte aber und die Behörden ersuchen wir, ihre Boten um Mittel zum Unterhalt der Bedürftigen, zur Bekleidung derselben, zur Ernährung des Viehes an den Vorsitzenden des Comitö's zu richten. 9 er Darmstadt, den 5. Januar 1883. -n r Land.Scowits zur Unterstützung der Wafferbefckädigtcn im Grvßherzogthum Hesteu. Mimstenalrath Jaup, Vorsitzender. Gehe.n.erath Wrlckrr. Oberbürgermeister «hly Stellvertreter des Vorsitzenden. Rentner Engelhardt. Mitglieder des Ausschusses. Hauptstaatskassedireetor Micpcll, «-chatzmeiftcr. Stadtverordneter Ruth». Regierungsrath Bopp, Seeretär. Unter Bezugnahme auf obigen Aufruf und ihren Aufruf vom 1. v. Mts. erklären sich die Unterzeichneten wiederholt bereit, Gaben in Empfang ru nehmen und an dre Samnielstelle in Gießen weiter zu befördern. PTamj 'u Von einer Wiederholung der Hauseolleete soll abgesehen werden. T s,i?aS T R?lurn.J£"rtOffc!n' 5ni(i)t unb sonstigen Naturalien haben sich die Herren Oblcr “auf dem Seltersberg, 3* vJ . Schulhof in der Marktstraße und L. Meyerfeld am Wallthor in dankenSwerther Weise bereit erklärt. Gießen, am 8. Januar 1883. Sur ^-eßeir Dr. «oefmann, Proviuzial-Tireelor. .«ramm, Bürgermeister. Dr. Baur, Arzt. Dr. Engelmann, Redacteur. ®aU' 5 glücklichen politischen Zuständen Deutschlands, dann aber auch in dem frttifircnben und viel denkenden und überlegenden Geiste der Deutschen selbst zu suchen, woduich sie viel mehr als z. B. die leichtlebigen romanischen Nationen sich ihrer Fehler und Gebrechen bewußt wurden und daS Haupt nicht so stolz erhoben. Zn den beiden verflossenen Jahrzehnten ist eS nun mit dem nationalen Bewußtsein der Deutschen aus Grund großer Errungenschaften allerdings ganz anders geworden, aber vielen unserer Lands- leute steckte thcilS auS alter Gewohnheit, theils aus Kurzsichtigkeit doch noch häusig die Kle'nmüthigkeit und Schwarzseherei in den Gliedern, weßhalb wir zur Aufmunterung und Ermahnung in nachfolgenden kurzen Umrtfftn daö llitheil dcS früheren Gesandten der Verein'gten Staaten in Berlin, Herrn Andrew White, über Deutschland wteder- geben wollen. DaS Urthetl deS Herrn White über Deutschland gleicht einer LobeS- erhebung und würde, wenn eß auS dem Munde rinetz Deutschen käme, unS schlecht zu Gesichte sichen, da daS Lob aber von einem ausländischen StoatSmanne herrührt der ewige Jahre in Deutschland Gesandter war und sich berufsmäßig mit der Beobachtung t>e« DeutschthurnS beschäftigt bat, so dürsten wir sein U theil schon hören lassen Der nach Amerika zurückgekehrte Herr White hat in einem Vortrage vor der „Geoaroph scheu Gesellschaft" in New,York dem Stande der pol tischen, socialen und wirihschaftlichen Verhältnisse in Deutschland ein begeistertes Lob gespendet Das deutsche ErziehungS- und Verwaltungssystem schilde't Wh-tc als einzig dastehend und nennt deßhalb die Deuts den die moralischste Nation der Welt. Obwohl das RegierungS- syitem in Deutschland monarchische Form und Spitze habe, so sei eS doch in seiner Handhabung durchaus demokratisch und republikanisch, d. h dem Wohle des Staate« unter Theilnahme deS ganzen Volke« gewidmet Kew deutscher Beamter sei von einer Partei auf seinen Popen gehoben und diene auch keiner Partei sondern schaffe nur für den Gesommlftoot, waS w Amerika und den meisten andern Ländern, wo eS parteiisch und despotisch bezüglich der Verwaltung zugehe, nichi der Fall sei. Das deutsche Ver- waltungSsystem sei auch sehr sparsam, geschäftsmäßig und auf höheres Streben gerichtet, während w Amerika die Verwaltung kostspielig, parteiisch und die Beamten vielfach corrumpirend seien. Gleiche Vorzüge wie da« staatliche Verwaltungssystem besitze auch bk Gemewbeverwaltung in Deu.schland und so komme eS, daß in den deutschen Städten größere Ordnung, Reinlichkeit und mehr Prachtbauten und Museen zu sinden seien wie in den amerikanischen, obwohl im Durchschnitt die amerikanische Verwaltung zehn Mal mehr koste wie die deutsche. Gewaltige Fortschritte mache auch die geistige Fortbildung Deutschlands in Folge der guten Schulen und Universitäten und d.e Industrie und technischen Künste hotten durch Fachschulen und permanenten Ausstellungen einen ganz bedeutenden Ausschwung erfahren. Auch die deutsche GerechtigkeitSpflege sei beachtenSwerth, da sie unparteiisch geübt werde und den Verbrecher nicht du ch die Maschen deS Gesetze« entschlüpfen lasse, wie eS in Amerika oft vorkomme. Angenehm berühre eS auch, daß die deutschen Zeitungen wenig Freude an Skandalgeichichten hatten, und trotzdem Männer wie Frauen in Deutschland Bier und Wein tranken, habe White in Deutschland während seine« vierjährigen Au cnbaltS n cht^so viele Betrunkene gesehen als in Amerika manchmal an einem einzigen Taae die Straßen unsicher macht.n Di-« ift da« Uilh-il dr« H-rrn Wbtt- über $)eulfd)lanb, woraus jedenfalls bcr- vorgebl, bofi eS ftd> in unterem Valerlande rech, gut leben lägt unb ber (Slam unb Schimmer Amerikas verfchlebene bunfle Punkte besitzt, an benen teln ehrlicher Mann Freude Haden kann. Vermischtes. Freiburg i V-, 10. Januar- lieber einen Raubmord, ber unweit de« Dorfe« Feldberg zwischen Müllheim unb Kanbern verübt wurde, iheile ich Ihnen folgende« Nähere mit: Jakob Maier Israel Sobn — die« ist der volle Name des einen Ermordeten — wollte gestern früh mit feinem Sohne nach Kaldern gehen, um den boTtiaen V.ehmarkt zu besuchen. Im Walde, in der Nähe Feldbergs, wurden sie von den Mördern überfallen, getödtet und vollständig auSgeraubt Zwischen 9 und 10 Uhr Vormittags kam die Kunde von dem Verbrechen nach Müllheim und schon nach wenigen Stunden «ar man de« einen Mörder« — er ist au« dem Dorfe Marzell — habhaft Der andere dürfte heute auch schon ermittelt sein. Selbstverständlich erregt die scheuß, liche Tbat allgemeine Aufregung. Der Kopf de« älteren Maier soll bereit zerschlagen fein daß da« Gehirn vollständig blosgclegt ist. Der Sohn wurde etwa 20 Schritte entfernt von der Leiche de« Vater« ausgefunden. r f * Lu r 0 P ' 11- Januar. Die beiden Raubmörder ßinbermer aus Marzell (Vater und Sohn) sind heute verhaftet worden. 8 Feilgkbotenes. 269 Vier starke, Lräderige «ippkarren sind billig zu verkaufen durch Chr. Keller, (GründergerstraßL ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ ♦ Geschäfts-Bücher ♦ X von 75 ♦ J. C. König & Ebhardt, ♦ ch Hannover, ch Y empfiehlt zu Fabrikpreisen ♦ ♦ 11. 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Durch ihre Lage und Ausdehnung eignet sich die Besitzung vorzüglich Är, Geschäft, insbesondere auch zum Betriebe einer großen ^trthschast; auch kann sie zum Gegenstand einer gewinnbringenden Bauunternehmung gemacht werden. __ercheilt Rechtsanwalt Dr. Dittmar in Gießen. Anzeige, daß ich vom Heutigen ab neben ber Restauration auch em Flasvhenblrr-(J esc hü ff betreibe und offenre em feines Erportbier ä Flasche 20 frei ins Haus. mügeg^en^ ,mb nut Bügelverschluß versehen und werden nur leihweise Zahlreichen Aufträgen entgegensetzend, zeichnet Achtungsvoll —______________Albold (Restauration Bramm) Gg. Unverzagt, Kaplausgassc empfiehlt in nur guten Qualitäten. rr Elnthracittohlen ohne Gries, Stttiktoylen, ftülkreichc wi0*CIV Rufikoylen, -oessenbr. Braunkohlen, Tannen- und Buchenholz, puloertrocken. 175 Niederlagen: E. Schwaab'S Dcli- catesscnhdlg., Eonditor L». 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Herr Poli;cisrcrctnr Krämer hat seine Bewerbung jurürfncjoaeit. cmvt: - MM Ks ’i 930000 Mk. a 4'h MI. pr. A. getheilt auf I. Hypothek auszuleihen b. V. b. Sübbe> tschen Hypotheken- unb Immobilien-Makler-Bank von L. Wind Hermann Hatz, im früher Heichelheim scheu Geschäft Gewecliebanlr pt Gießen, E. G. Aufterardentl. Generalversammlung eSomitag brn 14. Januar, Nachmittags 3 Uhr, in WenxeV* Saalbau. Tagesordnung: Wahl des ßontroleurs. Der Aufsichtsrath schlägt als (Sontroleiu* vor: Herrn Kaufmann "21. Keller zu Gießen. Erhält derselbe die absolute Majorität nicht, so schlägt der Aufsichtsrath wahlweise vor, folgende vier Herren: 1) K Jughardt, Kaufmann zu Windecken. 2) A Keller, Kaufmann zu Gießen. 3) Wilhelm Seuling, Kaufmann zu Gießen. 4) Karl Vogt, Handlungsbevollmächtigter zu Gießen. Vereinigt keiner der Genannten im ersten Wahlgange die absolute Majorität der Stimmen auf sich, so findet gemäß § 27, Absatz 2 des Statuts engere resp. Stich-Wahl aus den zwei Höchstbestimmten statt. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Das Bankgeschäft von Moritz Heichelheim, Seilerttcey 90, I. Stock, empfiehlt sich im An- und Verkauf von Staatspapieren, Actien, Anlehensloosen etc., Gratis-Einsicht der Listen gezogener Loose u. Effecten. Aufträge für die Börse werden zum Tagescourse prompt besorgt. Für in fremder Münze zahlbare Coupons wird der höchste Neuen-Däuen. 57 Ter mittlere Stock meines Neben - Hauses, bestehend aus 4 Zimmern nebst Zubehör, ist an eine ruhige Familie zu vermiethen. Job. Fischer, Alicenstraße 19. Drittes Concert im Winter - Semester 1882|83 (91. Vereinsjahr) unter Leitung Grossh. Universitäts - Musikdirectors Herrn Adolf Felchner, unter gütiger Mitwirkung Violinvirtuosin Fräulein Marianne Eissler aus Wien, des Erster Theil. 1. Symphonie Nr. 4 in C-dur (mit der Fuge) . . Eintrittskarten für Nichtmilglieder sind in der Kicker’schen Buchhandlung (Sonntags nur bis 12 Uhr) und in der W. R u d o 1p h'schen Musikalienhandlung ä 2.5U (Sperrsitz ä JL 3.50) zu haben. iö3 ein vermiethen °> irr- mr ci 7? »Ml . i Ui» Herrn Dr. August Kraft aus Biebrich (Bass) und des durch auswärtige Künstler verstärkten Vereinsorchesters a m Sonntag den 14. Januar 1888 im großen Saale des Grsellschastsvereins, 6. Soloslücke für Violine mit Orchesterbegleilung : a) Adagio aus dem 9. Violinconcert . . . b) Grande Fantaisie mditairc...... Geschäfts Uebernahme. Einem geschützten Publikum hierdurch die ergebene Anzeige, daß ich mit dem heutigen Tage das von meinem Vater seit langen Jahren betriebene Büchsenmacher-Geschäft übernommen habe. Unter Zusicherung stets prompter und reeller Bedienung halte ich mich bei allen vorkommenden einschlagenden Arbeiten bestens empfohlen. Eine größere Anzahl Jagdgewehre halte stets auf Lager. Gießen, den 1. Januar 1883. Hochachtend 107 A. Hi( korc jr. 22 Nachhülfeftunden im Lat. ob. Griech. werben billigst ertheilt. 23on_roeni?Jaflt die Expcd. bs. 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